Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1929_Zeitung_Nr.053

E_1929_Zeitung_Nr.053

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 18. Juni 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgärig. - N° 53 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag 7 ' / Monatlich „Gelbe LUte" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlac, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Recnnung 111/414 Falephon Bollwerk 39.84 Telegranjm-Adresse: Autorevue, Bern Die Tragfähigkeit unseres Bundesstaates Sie ist durch die Finanzen bedingt. Sind die Finanzen gesund, so ist auch der Staat gesund. Und umgekehrt. Und je gesünder die Staatsfinanzen, desto fruchtbarer der Boden, auf dem unsere Volkswirtschaft beackert werden kann. Der Krieg und seine Folgen haben dem eidgenössischen Finanzhaushalte, wie man weiss, stark zugesetzt. Betrug die Schuldenlast des Bundes im Jahre 1913 pro Kopf der Bevölkerung 43 Franken, so stieg diese im Jahre 1927 auf 586 Franken an. Diese Schuldenlast drückt offensichtlich. -Und 1 deshalb ist es begreiflich, dass die Kunde aus dem Bundeshause, es gehe mit den- Bundesfinanzen wieder vorwärts, von •jedem Schweizerfoürger mit Genugtuung vernommen wurde. Die Finanzlage der Eidge-. nossenschaft ist heute nicht mehr so kritisch, twie sie vor dem 12. Mai von offizieller Seite aus dargestellt wurde. Es sei dies heute (nochmals ausdrücklich festgestellt. Anlässlich der Behandlung der Staatsrechnung im Nationalste wurde über den wirklichen Stand unserer Finanzen sowohl vom Präsidenten der Geschäftsprüfungskommisision, Herrn Nationalrat Joss, als auch von Herrn Bundesrat Musy über das Geleistete wie auch noch das zu Leistenide klare Auskunft gegeben. Mit grossem Interesse sind wir dem Expose des ersteren gefolgt. Seine- Ausführungen werden wohl von all denjenigen, denen das fernere Wohl und Wehe unseres Staates am Herzen liegt, vollauf gebilligt. Wenn wir auch nach wie vor mit aller Entschiedenheit und aus voller Ueberzeugung für die Ausrichtung des ganzen Benzinzolles an die Strasse eintreten, aus der Erkenntnis heraus, dass die Instandstellung und der Aubaü unseres Strassennetzes derzeit eine der produktivsten Kapitalanlagen ist, so gehen wir doch darin einig, dass mit den Ausgaben des Bundes überaus vorsichtig umgegangen werden soll und dass keine neuen Ausgaben mehr zu beschliessen sind, ohne dass gleichzeitig auch genügende Deckung vorhanden wäre. Für den Bund, in erfreulicher Weise, beträgt im Jahre 1928 der Mehrertrag der Kapitalien zwei Millionen, der Zölle 18 Millionen, des Benzinzolles 5,3 Millionen, der ordentlichen Stempelabgaben rund 9 Millionen» der Mehrertrag an ausserordentlichen Abgaben auf Aktien 12,4 Millionen, im Total also 46,7 Millionen Franken. Dazu kommen verschiedene kleinere Posten im Gesamtbetrage von rund fünf Millionen Franken, so dass sich die Mehreinnahmen im ganzen auf rund 52 Millionen Franken belaufen. Dieses Faktum ist um so höher zu bewerten, als auch die Ausgaben gegenüber Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München. (15. FortaetEUng) «Ich weiss wirklich nicht,» antwortete das Mädchen fast unhörbar. «Kam irgend jemand, den sie vielleicht nicht zu sehen wünschte?» Katie schüttelte den Kopf. «Es waren nur ganz wenige Damen da, •und keine kümmerte sich um Mrs. Cranmore. Ich habe die ganze Zeit hingesehen...» «So — Sie haben die ganze Zeit hingesehen ... Wollen Sie mir jetzt auch sagen, warum Sie die ganze Zeit hingesehen haben?» Das Servierfräulein errötete tief. «Weil,» entgegnete sie endlich zögernd, «Mrs. Cranmore so eine wunderschöne Dame war. Wir haben immer alle hingesehen, wenn sie da war...» «Das kann ich wohl verstehen,» erklärte der Franzose lächelnd. «Wollen Sie nun so gut sein, mir der Reihe nach zu erzählen, was Mrs. Cranmore tat vom Augenblicke an, als sie den Club betrat — alles, gerade so, wie Sie sich daran erinnern.» 'dem Vorjahre um volle 26 Millionen Franken gestiegen sind. Nun geht es natürlich nicht an, unsere Volkswirtschaft durch indirekte Steuern endlos zu belasten, um dadurch mit den Ausgaben um so verschwenderischer umzugehen. Selbstverständlich hat der Staat soziale und kulturelle Bedürfnisse der Gesamtheit zu befriedigen, aber seine Hauptaufgabe liegt schliesslichi nicht darin, als Milchkuh für alle möglichen Zwecke bis zur vollen Abmagerung geschröpft zu werden; Der Betrag der Zölle, der heute beinahe 280 Millionen erreicht hat und sich seit 1913 um mehr als das Dreifache erhöhte, die Höhe der Stempelabgaben in einem Betrage von rund 79 Millionen sprechen eine deutliche Sprache und zeigen uns, dass das erträgliche Mass üer indirekten Besteuerung unserer gesamten Volkswirtschaft erreicht sein dürfte. Die Mahnung des Präsidenten der Geschäftsprüfungskommission an den Rat, Ausgabe und Deckung in Zukunft immer als ein einziges Ganzes zu behandeln und vom Bunde in Zukunft nicht mehr zu verlangen, wozu nicht auch gleichzeitig die nötigen Mittel bereitgestellt werden können, ist aus diesem Grunde wohl mehr als berechtigt. Di© Tatsache, dass der Eiinnatonenüber- -schuss der ordentlichen Rechnung pro 1928 rund 43 Millionen Franken 'beträgt, bietet uns die Gewähr dafür, dass wir endgültig aus 4er Defizitperiode herausgekommen sind und dass in Befolgung des aufgestellten TilgungspJanes die Schuldenabtragung vom Jahre 1932 an ohne Belastung des Voranschlages wird vor sich gehen können. Dazu bedarf es aber auch des festen Willens, die Ausgabenkurve nicht mehr in die Höhe schnellen zu lassen. An die Schaffung neuer •Einnahmequellen kann nicht gedacht werden. Darin gehen wir mit Herrn Bundesrat Musy einig. Dagegen muss im Gegensatz dazu betont werden, dass unser Finanzminister wohl bewusst verschwiegen hat, dass es Einnahmequellen gibt, die in den nächsten Jahren noch einen vermehrten Goldstrom liefern werden. Wir denken da in erster Linie an unsere Benzin- und Automobilzölle, die im letzten Jahre wiederum insgesamt um sieben Millionen Franken angewachsen sind und dif auch in der Zukunft, sofern die Motorisierung der Strasse in gleichem Masse anhält, woran zu zweifeln wir keinen Grund halben, sich beständig erhöhen werden. Die Bundesbahnen haben durch «Umgruppierung» ihre 35 Millionen Franken erhalten; die Nebenbahnen haben sich mit 12,5 Millionen Franken angemeldet. Wir glauben, dass «Also, Carroll!» warf die Sekretärin ermutigend ein. «Wie die Dame kam, habe ich gar nicht gesehen. Ich war da gerade in der Küche drunten, und wie ich wieder rauf komme, sitzt Mrs. Cranmore an einem Tisch beim Fenster. Ich brachte ihr das, was sie bestellt hatte, und sie sagte: «Danke schön, Katie!», wie sie immer tat, wenn man sie bediente, und dann trank sie ihren Tee, so ganz für sich...» «Niemand hat mit ihr gesprochen?» «Ne|n, Herr.» «Und wie sie mit ihrem Tee fertig war, was tat sie dann?» «Gar nichts tat sie, und dann brachte ich ihr die Abendzeitung...» «Welche Zeitung?» «Den Abend-Kurier.» «Und dann...?» «Dann klopft sie plötzlich an ihre Tasse, und ich war grad auf der anderen Seite, und wie ich hinkomme, sagt sie ganz scharf: «Warum kommen Sie nicht, wenn ich Sie rufe? Bringen Sie mir sofort die Rechnung.» «Sie waren wohl erstaunt, weil sie noch nie so mit Ihnen gesprochen hatte?» Das Servierfräulein nickte eifrig. «Was tat sie, als Sie ihr die Rechnung brachten?» «Nichts tat sie. sie starrte nur immer auf auch die Automobilisten d'as Recht haben, entsprechend" "ihren enormen Leistungen an den. Bund, das Verlangen nach erhöhter Beitragsleistung aus dem Benzinzoll .zu stellen. Das,' 'Budget-Gleichgewicht kann dadurch nich't: in J Frage gestellt und der Tilgungsplan unserer Schuldenlast,,dem wir uns voll und ganz 'anschliessen, dürfte deshalb nicht gefährdet werden. K. Trügerische Statistik. Man sagt nicht vergebens, dass sich mit Statistiken alles beweisen lasse. Es kommt nur .darauf an, welche Zahlen man zum Beweise heranzieht und welche man weglässt. So .macht gegenwärtig eine Mitteilung des Statistischen Amtes der Eidgenossenschaft die Runde durch die Presse, nach welcher die ; Zahl der tödlichen Strassenverkehrsunfälle im letzten Jahre eine ausserordentlich -starke Erhöhung erlitten habe. Es wurden- nämlich 1928 im ganzen 384 Unfälle mit tödlichem Ausgang gezählt, welche auf Motorfahrzeuge zurückgehen, gegen 275 im Jahre .1927. Nun sind diese Zahlen, wenn man sie nicht in Beziehung setzt zu der gewaltigen Verkehrssteigerung, irreführend. Man darf nicht vergessen, dass die Zahl der Motorfahrzeuge in den letzten zehn Jahren um das zehnfache gestiegen ,ist. Während aber im Jahre 1921 schon 12i tödliche Unfälle durch Motorfahrzeuge verursacht wurden, sind heute zirka dreimal so viel, also ist die Zahl der Unfälle im Vergleich zu -der zehnfachen Steigerung der Motorfahrzeuge nur um das Dreifache gestiegen. (Folgende Tabelle zeigt, wie die Zahl der Unfälle im Verhältnis zu der Zahl der Motorfahrzeuge eine weit geringere Steigerung aufzuweisen hat: Jahr : Unfälle : Zahl der Motorfahrzeuge : 1922 124 30,554 1923 119 33,549 1924 129 44,457 1925 203 ' 56,593 1926 289 70,027 1927 275 . 85,981 1928 " 384 101,743 Man ersieht deutlich aus dieser Tabelle, dass das Ansteigen der UnfaMzahlen im Verhältnis zur Vermehrung der Motorfahrzeuge kein übermässiges ist. So ist z. B. für die letzten drei Jahre eine Vermehrung der Unfälle um 95 Personen zu verzeichnen, während in der gleichen Zeit die Motorfahrzeuge sich um rund 31,000 vermehrt haben. Es kommen also 1928 auf rund 100,000 Motorfahrzeuge 384 Unfälle, d. h. auf das Tausend berechnet, 3,8 tödlich verunfallte Personen, während im Jahre 1927 auf das Tausend berechnet 3,2 tödliche Unfälle passierten. Die Un'fallziffer hat sich also im Verhältnis zur die Zeitung und bemerkte es gar nicht, dass ich mit der Rechnung neben ihr stand..;» «Und wie sagten Sie, dass die Zeitung heisst, die Sie ihr zuerst gebracht hatten?» «Der Abend-Kurier.» Boulot wandte sich an die Sekretärin. «Die Abendzeitungen haben wohl mehrere Ausgaben hier. Welche Ausgabe kann das gewesen sein?» «Das kann ich Ihnen genau sagen», fiel Katie ein. «Die Spezialausgabe, so heisst sie, und sie kommt immer ein Viertel nach fünf Uhr...» Boulot machte in sein kleines Notizbuch einige Eintragungen. Dann erhob er sich. «Vielen Dank für Ihre grosse Liebenswürdigkeit. Ich möchte Sie nun aber nicht mehr länger aufhalten.» Er verbeugte sich vor Miss Hardbake, dann vor Katie Carroll: «Madame — Mademoiselle...» Draussen in der Bondstrasse war der Verkehr auf seinem Höhepunkte. Boulot wurde im Gedränge mehr als einmal gestreift und angesto^sen. Aber er merkte es nicht. Vor seinem Geist stand das schöne Gesicht Carmen Cranmores, wie er es auf dem armseligen Sofa im Hinterzimmer Mr. Ruddiks gesehen hatte. War es das Gesicht eines schuldlosen Opfers? Oder einer Sünderin, die INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oderx deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts • Grössere Inserate nach Seiteritaril» InseratenschluSs 4 Tage vor .Erseheinen der Xnmmern Verkehrsdichtigkeit nur ganz unbedeutend erhöht. Dabei ist 'aber sofort zu betonen, dass im Jahre 1922 auf 100,Motorfahrzeuge der Prozentsatz der tödlichen Strassenverkehrsunfälle 0,4 betrug, während im Jahre 192S dieser Prozentsatz sich nur auf 0,38 stellte, so dass sich also trotz stärkerer Benützung der Strasse die Zahl der Todesfälle prozentual um ein Kleines vermindert hat. ' Damit soll nicht gesagt sein, dass nicht durch eine Besserung der Strassenverkehrsdisziplin diese Zahlen bedeutend herabgesetzt werden könnten. Gewiss ist ein Grossteil der Todesfälle auf die mangelnde Verkehrsdisziplin der Fussgänger und Velo* fahrer zurückzuführen. Es wäre deshalb interessant, zu wissen, welcher Prozentsatz der Unfälle den Fussgängern und Radfahrern ins Schuldenbuch zu schreiben wäre und wie viel Unfälle durch unvorsichtiges und zu schnelles Fahren der Motorfahrzeug« besitzer verursacht wurden. Gr. Wie man das Privatgewerbe konkurrenziert. Die Post hat sich die Alpenstrassen zu sichern gewusst. Dagegen ist schliesslich. nicht so viel einzuwenden. Durch ihr Konzessionsrecht hat sie die Macht der Automobilkontrolle und des Strassenverkehrs zu einem schönen Teil an sich gerissen. Sie verfügt quasi über ein Strassenmqnopol, trotzdem der Ruf «die Strassen dem Schweizervolke» noch nicht erklungen ist. Die Situation ist gegenwärtig derart, dass eine eidgenössische, Verwaltung in kantonale Hoheitsrechte eingreift und nach! freiem Ermessen kantonale Fahrstrassem benützt und dass sich die Kantone dies alles ohne Muksen zu- gefallen lassen haben. Dass gegen die gewaltige Organisation der schweizerischen Post das freie Gewerbe der Privatgesellschaftswagen-Besitzer nur schwer aufkommen kann, ist begreiflich. Beständig fühlen sie die Schlinge um ihren Hals, ohne einen Augenblick sicher zu sein, wann ihnen diese zugezogen wird. Ganz unbegreiflich und verfehlt ist es, wenn die Oberpostdirektion seit einiger Zeit in ganz grossem Rahmen private Gesellschaftsfahrten ausführt und auf diese Weise nicht nur unsere Nebenbahnen, sondern auch unser schweizerisches Privatgewerbe in einer Art und Weise konkurrenziert, die für letzteres unbedingt von grossem materiellen Schaden sein muss. Es wäre begrüssenswert, wenn sich auch die Oberpostdirektion auf den Standpunkt des «leben und leben lassen» stellen könnte und in einem Augenblicke, da sie einen Jahresüberschuss von mehreren Mill. aufzuweisen hat, einen Teil plötzlich zur Rechenschaft gezogen worden war? XV. Manderton auf der flöhe. ,,Der Schwur des Kollegen, Qnayre und Miss Driscoll zum Sprechen zu bringen, fiel Boulot wieder ein, während er Mandertons Privatzimmer betrat, das in seiner Kleinheit gestopft voll mit Menschen zu sein schien. Nach der Atmosphäre der Spannung zu schliessen, die Boulot beim ersten Schritt ins Zimmer gleichsam fühlte,.war Manderton im Begriff, seinen Schwur wahr zu machen. Er stand kerzengerade, die Hände auf dem Rücken, mit düsterem Gesichtsausdruck hinter seinem Pult. Zitternd und bleich bis an die Lippen war Dolores Driscoll eben von ihrem Stuhl aufgesprungen, wie ihm zu widersprechen, aber Georg Cranmore legte ein© Hand beschwichtigend auf ihren Arm. Ihnen gegenüber sass Jim Cranmore toteflbiass mit; eingesunkenen Augen und stiess zornig hervor, als Boulot erschien: «Durch solche Einschüchterungen werden Sie bei dem Mädchen nichts erreichen, Inspektor! Sie haben sie so gut wie bezichtigt, Sie angelogen zu haben...» Fortsetzung eiehe Autler-Feierabend.