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E_1929_Zeitung_Nr.054

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Ausgäbet Deutsche Schweiz. BPDM C.U.. O1 T.,«t 1Q9Q Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° 54 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: , i Erscheint Jeden Dienstag: und Ifreltag Monatlich „Gelbe List«" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Bretteiirainstfasse 97, Bern solera nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnunfc fl 1/414 ; ! felephon Bollwerk 39.84 Telesrpmm-Adresse: Autorevue, Bern Der Fall Cranmore Krirninal-Uoman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München. (16. Fortsetzung) «Wir waren im Schlafzimmer aus dem einfachen Grund, weil der Gaskocher dort ist und Mr. Quayre keine Küche hat ... er pflegt sich den Tee des Morgens im Bett zu machen. Während wir im Atelier das Bik! 'betrachteten . . . kochte der Kessel über und wir liefen beide ins Schlafzimmer, um ihn abzunehmen . . .» Sie schwieg und sah den Polizisten mit entrüsteten, tränenfeuchten Augen an. «Und dann?» fragte die unerbittliche Stimme. «Mehr werde ich Ihnen nicht sagen!» «Und dann,» fiel Boulot überraschend in seinem gewöhnlichen liebenswürdigen Ton ein, «dann, während Sie beide im Schlafzimmer standen, hörten Sie etwas im Atelier. Fusstritte oder ein Wort. Wer weiss? «Was für eine peinliche Lage» oder etwas dergleichen, sagte Mr. Quayre. zu Ihnen, «wenn Sie in meinem Schlafzimmer entdeckt werden! Sie- müssen fort, und da Sie durch die Tür nicht hinaus können, müssen Sie aus dem Fenster steigen.» Und pum! springt er hinaus und hilft dann Ihnen. Ja, junge Dame, Sie sehen, wir wissen die Wahrheit . .» Manderton drückte auf den Knopf der Klingel. N Das kommende Automobilgesetz bildet© in der Sitzung vom 19. Juni im Nationalrate den Gegenstand einer Anfrage von Seite des zürcherischen Regierungsrates PHster. Er verlangte, dass nun mit der Aufstellung einer einheitlichen Automobilgesetzgebuug ernst gemacht werden müsse und dass sich einheitliche Bestimmungen über die Fahrgeschwindigkeit, über die Prüfung der Wagen usw. als unbedingt notwendig erwiesen. Es interessierte ihn, zu wissen, bis zu welchem Zeitpunkte diese Automobilgesetzgebung für das Volk spruchreif sein könnte. Nach seiner Auffassung wäre es angezeigt, durch das Konkordat vorläufig die dringendsten Vorschriften zu erlassen. Nationalrat Calame aus Neuenburg äusserte sich gegen eine Revision des Automobilkonkordats, da eine solche Arbeit ebenso viel Zeit beanspruchen würde wie die eigentliche Bundesgesetzgebung und damit nur unnötigerweise Zeit verschwendet wäre. Er fragt an, ob in Verbindung mit einem neuen Automobilgesetz nicht auch die Verteilung des Atttomobilzolls neu geregelt werden sollte. Herr Bundesrat Häberlin bekundete in seiner Antwort den guten- Willen, das neue Strasseiiverkehrsgesetz s» rasch als möglich vor den Rat zu bringen. Der neue Direktor der Polizeiabteilung, Dr. Rothmund werde in Verbindung mit dem Departementschef den Entwurf für ein neues Automobilgesetz raschestens .fördern. Die Anregung Pfisters, durch das Konkordat dringendste Vorschriften zu erlassen, lehnt er ab, da dieses Konkordat wirklich durchlöchert sei und heute nur noch einen Fetzen Papier bedeute. Bun- ' desrat Häberlin erklärt, sich bereit, in Verbindung mit der Ausarbeitung des Automobilgesetzes zugleich auch die Regelung der Benzinzollverteilung erneut zu prüfen. Die letztere Frage erscheint ihm allerdings so 1 schwierig, dass er eine Verquickung der beiden Gesetze nicht als empfehlenswert betrachtet. Die kurze Aussprache über das Automobilgesetz anlässlich der Behandlung des Justizund Polizeidepartementes ist für die Automobilisten ausserordentlich wichtig und zum Teil beruhigend. Sie zeigt, dass die Regierungskreise den gegenwärtigen unhaltbaren Zustand eingesehen haben und dass: sie gewillt sind, für rasche Remedur zu sorgen/Herr Bundesrat Häberlin hatte recht, wenn er betonte, dass die Inkrafttretung eines neuen Automobilgesetzes nicht in erster Linie vom Departement, sondern vom Parlament abhänge. In dieser Beziehung wäre es wirklich mehr als wünschenswert, wenn unsere Herren Nationalräte, — nicht alle, aber viele — die Rationalisierung bei sich selber vornähmen und ihre langen Reden auf ein Minimum beschneiden würden. Ueber Fragen zweiter und dritter Klasse wird viel zu viel und viel zu lang geschwätzt, so dass dem Rate damit die schönste Zeit für die Lösung wirklich wichtiger Probleme verloren geht. Es ist deshalb gar nicht mehr zu verwundern, dass je länger je weniger das Volk mit minderem Interesse den Gang der Verhandlungen im eidgenössischen Parlamente verfolgt. Was die beiden Fragen des Automobilgesetzes und der Benzinzollverteilung anbetrifft, so glauben wir auch, dass es besser wäre, die beiden Materien nicht miteinander zu verquicken, sondern getrennt zu behandeln. So bekämen wir die Garantie, dass die Behandlung im Parlamente wirklich vom Flecke ginge..Besser ist'es, zwei Fuhren zu machen, ansonst die Last zu gross und nicht mehr durchzubringen ist. Wir erneuern bei dieser Gelegenheit unsern Vorschlag, es möchte anlässlich der Neuausarbeitung eines- Automobilgesetzes-' die Schaffung einer technischen, Kommission: als beratende Stelle des Departementes ähnlich der Wasserwirtschaftskommissionr ernstlich in Betracht gezogen werden. Nochmals «Trügerische Statistik». In Nummer 53 der «A.-R.» ist auf die vom Eidgenössischen Statistischen Amt herausgegebene Unfallstatistik hingewiesen und auf- sie näher eingegangen worden. Der Schlusssatz dieser Statistik, die in der ganzen schweizerischen Presse verbreitet wurde, lautete dahin, dass die Todesfälle durch Ueberfahrenwerden sich im letzten Jahre besonders gehäuft hätten. Es ist klar, dass die Zahlen und Feststellungen manchem Bürger die Haare « zu Berge steigen » Hessen. Die Statistik war insofern irreführend, als eine Rubrik der Zahl der Motorfahrzeuge «. . . die ganze Wahrheit,» fuhr Boulot fort. «Monsieur Quayre führt Sie durch den Garten und in die kleine Gasse hinaus. Dort bleiben Sie stehen und sprechen noch ein wenig mit ihm. Dann erinnern Sie sich an Ihre Verabredung und gehen zum Polo . . . und er geht zurück.» «Nein!» rief das Mädchen und streckte die Hand aus, wie um ein schreckliches Bild abzuwehren. «Nein; nein, er ging nicht zurück. Es ist nicht wahr! Es ist nicht wahr!» An der Tür entstand ein Geräusch. Julian Quayre erschien an der Seite eines Kriminalbeamten. Als er Dolores erblickte, trat ein Schimmer von Ratlosigkeit in seine Augen. «Mein Gott!» schluchzte Dolores. «Was habe ich gesagt?! Was habe ich gesagt?!» XVI. Boulots Frage. Mandertons rauhe Stimme schnitt scharf durch das Schluchzen des junges Mädchens. «Mr. Quayre,» sagte er, «Miss Driscol hat nun zugeben, dass sie gestern die Stunden zwischen vier und sechs Uhr auf Ihrem Atelier zubrachte. Was haben Sie dazu zu sagen?» Mandertons erwartungsvolle Haltung schien sich allen Anwesenden mitzuteilen. Das Schluchzen brach ab und Dolores hob mit einer Art verzweifelter Neugierde den Kopf und sah Julian Quayre an. Sogar Jim Cranmore machte eine Gebärde der Aufmerksamkeit. Sie sahen, wie die Farbe seines Gesichtes fehlte. Es wurde dies in der betreffenden Nummer der « A.-R.» nachgeholt und dabei auch betont, dass im Gegensatz zur Behauptung des Eidg. Statistischen Amtes der Prozentsatz der tödlichen Strassenverkehrsunfälle sich eher verkleinerte, trotz des gewaltigen Anwachsens der Motorfahrzeuge selbst. Also- wohl eine absolute. Erhöhung der Unfälle, dagegen im Vergleich zur Anzahl der Motorfahrzeuge eine prozentuelle Verminderung, was um so bemerkenswerter ist, als nicht nur die Fahrausweise sich über das Hunderttausend erhoben haben, sondern auch der Aktionsradius des Automobils ganz gewaltig gestiegen ist. So bedauernswert die stets steigende Zahl der Unfälle ist, so müss man, um kein falsches Bild zu bekommen und; die Automobilisten, wie man sich dazu nur zu gerne verleiten lässt, als Strassenwildlinge zu bezeichnen, sich vor Augen ihalten, dass die' Strasse heute infolge einer stets vollkommener werdenden Automobiltechnik durch die Motorfahrzeuge weitaus stärker belegt ist als dies früher, beispielsweise noch im Jahre 1925, der Fall war; Das Automobil ist kein Luxusfahrzeug mehr, es steht im Dienste des Erwerbes. Infolge seiner technischen Vollkommenheiten, die es bereits erreicht hat,, ist es imstande, seinen Führer nicht.nur sicherer zu fahren, sondern auch reibungs- und müheloser bedeutend mehr Kilometer hinter sich zu bringen als noch, .vor wenigen Jahren. Die Güte der t1?ne,umatik-hat den Wagen um 30—50 Prozent widerstandsfähiger gemacht und den Zug vervollkommnet. So ist der Lastwagen über seihe anfänglich lokale Bedeutung hinausgewachsen und in den Stand gesetzt worden, auch den Ferngütervefkehr zu übernehmen. Es ist dabei ganz klar, dass der Ausbau des schweizerischen Strassennetzes es jedem Automobilisten ermöglicht, mit weniger Unkosten sein Fahrzeug in den Dienst seines Erweribes zu stellen, und dass demzufolge unsere These eine glänzende Rechtfertigung erhält: jeder Automobilist ertrage seinen ihm heute auferlegten Benzinzoll gerne, sofern diese Steuer wiederum zur Verbesserung der Strassen seine Verwendung finde. Zum Schluss noch eins. So wenig man die Jahresleistung einer Bahn nach der Zahl der Lokomotiven, sondern in erster Linie nach den gefahrenen Kilometern berechnet, so muss auch heute die Nutzbarkeit wie auch wechselte und ein Schimmer von Misstrauen in seinen Augen aufsprang. Mit einer Stimme, die kaum wie seine eigene klang, erklärte er endlich: «Nichts! Ich habe nichts dazu zu sagen!» Manderton fuhr sich mit der Hand zwischen Hals und Kragen. «Sie wissen natürlich, dass Ihre Lage sehr ernst ist. In Ihrem eigenen Interesse, Mr. Quayre, muss ich Ihnen aufs dringendste raten, mir zu gestehen, was Sie über den Mord wissen .. .» Der junge Mann strich müde mit der Hand über die Stirn. «Ich muss nachdenken, murmelte er. «Es war solch ein Schock für mich!» Manderton winkte Georg Cranmore heran. «Gehen Sie nun mit Ihrem Bruder und Miss Driscol,» flüsterte er halblaut. «Und... nehmen Sie sich Ihres Bruders ein wenig an. Es ist ein bisschen viel für ihn gewesen. Lassen Sie ihn nicht allein ...» Gehoram folgte Jim Cranmore seinem Bruder, wie ein Blinder, der seinen Weg ohne Hilfe nicht mehr finden kann Als Dolores an Quayre vorüberkam, griff sie impulsiv mit ihren beiden kleinen Händen .nach seiner grossen, braunen Hand und drückte sie. Vertrauen, Ermutigung und Liebe lagen in dieser einfachen Gebärde. Dann schloss sich die Türe, und die Männer waren allein. «Mein Gott!» stöhnte Quayre, und fiel, die Hände vors Gesicht schlagend, auf einen Stuhl. Mit einer Handbewegung entliess Manderton die beiden Polizisten. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder, deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach Seitentarif. Inswatensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern die Unfallverursachung des Automobils nach der Zahl der gefahrenen Kilometer eingeschätzt werden. Die Zahl dieser gefahrenen Kilometer Hesse sich unter Umständen auch statistisch erfassen. Ihre Kurve zeigte zweifellos eine derartige Steigung, dass die Zahl der Unfälle gegenüber früheren Jahren als eine verschwindend kleine bezeichnet werden müsste. -t. Der internationalen Alpenfahrt 1929 entgegen. Wie schon gemeldet, wird die Alpenfahrt vom 7. bis 11. August veranstaltet und sieht München als Startort, Villach, Meran und Lugano als Etappenorte und Mailand als Ziel vor. Hierzu ist nachzutragen, dass die Fahrt ab München nicht über Wasserburg und Altmarkt, sondern wegen besonderer Wegeverhältnisse über Rosenheim, Traunstein nach Salzburg geht. Die Kilometerentfernungen der einzelnen Streckenabschnitte sind noch einmal genau nachgerechnet worden; dabei haben sich folgende Ziffern ergeben : 1. Etappe: München—vulach 2. Etappe- Villach—Meran 3. Etappe: Meran—Meran 4. Etappe: Meran—Lugano 5. Etappe: Lugano—Mailand 553,6 km 516,5 km 629.8 km 495.9 km 465,3 km, Gesaintsirecke 2661,1 km Diese Ziffern sind wichtig, da sie als .offizielle Grundlage für die Berechnung, der vorgeschriebenen Stundengeschwindigkeiten : dienen. Zugelassen sind nur absolut serienmässige Tourenwagen. Die Wagen werden nach ihrem HubvoJumen in acht Klassen eingeteilt und diese zu drei Gruppen zusammerigefasst, die unter verschiedenen Bedingungen fahren und getrennt gewertet werden : 3 » Hubvolumen o a I A über 8000 com B über 5000—8000 com G über 3000—5000 cem II D über 2000—3000 com Durchschnittsgenchwindigkett; Mindest- Höcbs* 43 km 48 km. E über 1500—2000 com 40 im 48 km F über 1100—1500 cem III G über 750—1100 com 35 im 42 km H über 500— 750 cem Die Mindestzahl der Sitzplätze beträgt für alle genannten Klassen zwei. Die Fahrzeuge der Klassen A, B und C, also der ersten Gruppe, müssen aber 120 kg Ballast an Bord mitführen. Die Fahrzeuge dürfen nur von Boulot trat zum Pult und flüsterte mit seinem Kollegen. «(Erinnern Sie sich an das, was ich Ihnen sagte. Geben Sie ihm jetzt meine Frage und Sie werden sehen, dass er spricht. Lesen Sie sie zuerst selber, wenn Sie wollen. Aber geben Sie sie ihm jetzt. Es ist der psychologische Moment!» Manderton zog widerwillig aus seiner Brusttasche den Umschlag, den er von Boulot am Morgen erhalten hatte. Er brach das Siegel auf und überlas flüchtig, was auf dem halben Bogen geschrieben stand. Seine Lippen zogen sich geringschätzig zusammen. Ein paar Sekunden lang schob er das Blatt zwischen den Fingern hin und her, während er Boulot. misstrauisch betrachtete. Dann ging er um das Pult herum, legte Quayre eine Hand auf die Schulter und hielt ihm das Blatt hin. Der junge Mann hob den Kopf u. nahm es wie betäubt aus den Händen des Inspektors entgegen. Er schien seine Gedanken nur mit Schwierigkeit sammeln zu können, denn er starrte eine volle Minute auf die Schrift, ehe er ihren Sinn verstanden hatte. Dann trat der Ausdruck eines ungekünstelten Erstaunens in seine Augen. Schweigend blickte er von Manderton zu Boulot. «Sie haben das — die ganze Zeit gewusst?» fragte er «Kümmern Sie sich nicht um das, was wir wissen, Mr. Quayre!» fiel Manderton lebhaft ein. «Wir möchten hören, was Sie wissen!» Quayre stand auf und ging ans Fenster. (Fortsetzung folgt.)