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E_1929_Zeitung_Nr.058

E_1929_Zeitung_Nr.058

Ausgabe: Detitsche Schweiz. BERN, Freitag 5. Juli 1929 Nummer 20 Cfs. 25. Jahrgang. — N° 58 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, FOiern nicht postamtlieh bestellt. Zuschlag für: postamtliche Bestellung SO ADMINISTRATION: Breitenralnstrasse 87, Bern Rappen. Postcheck-Rechnuns 111414 Telephon'Bollwerk 39.84 - < Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Postmonopol Das Kursinspektorat der Oberpostdirektion schreibt uns: In letzter Zeit hat sich ein Mitarbeiter der «Automobil-Revue» mehrmals mit dem Postautomobilbetrieb- befasst und dabei Behauptungen aufgestellt, die beweisen, dass er die Verhältnisse nicht kennt. Es wird davon geredet, die Post strebe ein Strassenverkehrsmonopol an, erdrücke die privaten Unternehmer, die auch etwas verdienen wollen, fahre mit billigem zollfreiem Benzin, bezahle keine Autosteuern, arbeite trotzdem sehr schlecht, bezahle den Hotelconcierges Schmiergelder, kurz — sie täte am besten, den eigenen Betrieb raschmöglichst einzustellen und den Autoverkehr den Privaten zu überlassen. Tatsache ist, dass die Post in Regie nur 66 Linien betreibt, davon 44 ganzjährige und 22 Saisonlinien. Daneben bestehen 90 konzessionierte Unternehmungen, die auf privatwirtschaftlicher Grundlage betrieben, und 250 Autohalterposten, die auf Rechnung der Post von privaten Unternehmern geführt werden. Diese stellen die Fahrzeuge und' Wagenführer und erhalten dafür eine feste Entschädigung für jeden Kilometer und einen Einnahmeanteil. Mit dieser Feststellung ist das Märlein von der versuchten Unterdrückung -der privaten Unternehmer widerlegt. Der erste Regiebetrieb mit Automobilen wurde von der 'Postverwaltung im Jahre 1906 auf der Linie Bern—Detligen eingerichtet, der nächste erst im Jahre 1918 zwischen Nesslau und Wildhaus. Inzwischen hatten die konzessionierten Unternehmungen bereits einen bedeutenden Umfang erreicht, wobei sich die Privatinitiative selbstverständlich in erster Linie jenen Strecken zuwandte, die ein lukratives Geschäft erwarten Hessen. Als sich die Postverwaltung ebenfalls zur Einrichtung von Automobilen entschloss, verblieben ihr in der Hauptsache nur die wenig verkehrsreichen Linien und die auf den Alpenstras-" sen. Es war daher zum vorneherein klar, dass die Betriebe in den meisten Fällen verlustbringend sein werden, wenn auch weniger kostspielig als die bisherigen Pferdeposten. Die Umwandlung der Pferde- posten in Autoposten erfolgte aber nicht allein, um die hohen Verluste jener zu ermässigen, sondern auch aus volkswirtschaftlichen Gründen, denn einerseits forderte die neue Zeit raschere und bequemere Reiseverbindungen, und anderseits war nicht damit zu rechnen, dass die Privatwirtschaft grosse Lust zeige, verlustreiche Autobetriebe in abgelegene Täler und kleine Dörfer einzurichten. Darin liegt , der grosse Unterschied zwischen den von Volkswirtschaftlichen Erwägungen ausgehenden Bestrebungen der Postverwaltung und der Auffassung des Artikelschreibers, die Postautolinien seien als reines Gewinngeschäft geplant gewesen. Die privaten Unternehmer führen nur Fahrten aus,, wenn eine genügende Reisendenbeteiligung eine gewisse Rendite sichert, die Post dagegen muss fahrplanmässig verkehren, ob Reisende vorhanden sind oder nicht, wenn sie ihrer Aufgabe als öffentliche Verkehrsanstalt nachkommen will. Auch viele konzessio- ,nierte Unternehmungen können, trotzdem sie privatwirtschaftlich betrieben werden, nur bestehen, weil ihnen die Post den Transport der Postsendungen übertragen, hat und dafür über eine reichliche Entschädigung hinaus noch erhebliche Defizitbeiträge ausrichtet (im Jahr 1928 Fr,< v 184 958). -'; Komisch mutet es geradezu an, wenn über die Konkurrenz der Post aus Landesgegenden Klagen einlaufen, die noch vor wenigen Jähren dem Automobil überhaupt gesperrt waren und wo die Verwaltung Schrittmacherdienste zur Oeffnung der Strassen leisten musste. Vielfach sind es sogar die gleichen Leute, die als Fuhrhalter früher nicht scharf genug gegen das Automobil auftreten konnten, jetzt- aber nach Umstellung ihrer Betriebe fordern, dass die Post zu Gunsten ihrer Unternehmungen raschmöglichst von- der Bildfläche verschwinde. Selbstverständliche Voraussetzung dabei ist aber, dass ihnen die gleiche Post nachher mit • finanziellen Unterstützungen unter die Arme greifen werde. Was den Privatunternehmern, zu deren Anwalt sich der Artikelschreiber aufgeworfen lhat, offenbar am wenigsten passt, sind die Extrafahrten der Post. Im gleichen Atemzuge, wo man ihr unkaufmännische Betriebstührunrg und .Verlustwirtschaft vorwirft, verlangt man auch, dass sie die Extrafahrten den privaten Unternehmern •überlassen und diese nicht konkurrenzieren solle. Dieser Widerspruch ist nicht zu erklären. Wenn die Post, im öffentlichen Dienste, jahraus, jahrein fahrplanmäßige Fahrten ausführen und sicherstellen muss, .so ist sie genötigt, Reservewagen bereitzustellen. In diesen Wagen steckt ein ganz bedeutendes Kapital, das tot ist, wenn die Wagen in der Garage stehen bleiben. Eine andere Möglichkeit, diesen Nachteil zu mildern, als durch Ausführung gelegentlicher Extrafahrten gibt es aber nicht. Die Postverwaltung hat nicht nur der Allgemeinheit gegenüber die Pflicht, mit ihren Mitteln wirtschaftlich umzugehen, sondern auch gegenüber jenen Gemeinden, die durch Garantieleistungen am finanziellen Ergebnis der Linien interessiert sind. Man würde es in diesen Gemeinden nicht verstehen, wenn die Post aus übertriebener Rücksicht auf Privatinteressen die Reservewagen stillegen, dadurch den Betrieb verteuern und die Gemeinden zur Zahlung vermehrter Verlustbeiträge verhalten wollte. Es stehen also auch hier allgemeine.Interessen .im Spiele, was immer wieder vergessen wird. Man wirft der Post auch vor, sie konkurrenziere die Bahnen. Die Kritik ist nur "'bedingt richtig. Die Post, zahlt, was offenbar, nicht überall bekannt ist, den notleidenden Nebenbahnen eine Entschädigung für jede Fahrt, die parallel zu einer Bahnlinie ausgeführt wird. Die Behauptung sodann, die Post unterbiete die Privatkonkurrenz bei.den Extrafahrten, ist vollständig unrichtig. Die Post verlangt einen Kilometerpreis von Fr. 1.40 auf Flachlandstrassen und Fr. 3.50 auf Bergstrecken, hierzu einen Zuschlag für Wartestunden. Wie aus einer Vereinbarung der zürcherischen Autocarbesitzer hervorgeht, verlangen diese für den Kilometer eine Taxe von Fr. 1.10 für Flachland- und Bergfahrten, also ganz erheblich weniger als die Post. Bei den Klausenrundfahrten ab Zürich betrug letztes Jahr die Posttaxe Fr. 25.— für die Person, während die Privatunternehmer Fr., 20.— und in der Nachsaison sogar nur Fr. 16.— verlangten. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltener 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 6O.Cts Grössere Inserate nach Seitentaril. (nseratenschiuss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern ! Wenn die Postfahrten trotzdem Erfolg haben, so liegt die Ursache in andern Faktoren begründet. Unrichtig ist auch die Behauptung, die Post versuche immer mehr, die Privatunternehmer zu verdrängen. Sie hat im Gegenteil in den letzten Jahren nicht nur keine Eigenbetriebe mehr eingerichtet, sondern mehrere Linien an Privatunternehmer abgetreten und sie in Autohalterposten umgewandelt. Auch die Fahrzeugzahl ist trotz der starken Frequenz der Alpenposten nur wenig erhöht worden. Man ist sogar verschiedentlich dazu übergegangen, für die Beiwagenstellung Verträge mit Privatfirmen abzuschliessen, um nicht eigene Fahrzeuge in vermehrter Zahl verwenden zu müssen. Ueber die Frage des billigen zollfreien Benzins ist schon so oft Auskunft gegeben worden, dass man glauben sollte, diese Sache sei abgeklärt. Da es nicht der Fall zu sein scheint, erinnern wir daran, dass der Bund zur Sicherstellung der Benzinversorgung des ganzen Landes eine bedeutende Benzinreserve schaffen musste. Sollen nicht erhebliche Verluste durch Verdunstung und Zersetzung entstehen,' so muss diese Reserve wenigstens alle 2—3 Jahre umgesetzt werden. Das ist mit den Armeefahrzeugen allein nicht möglich, und deshalb musste die Postverwaltung Bundesbenzin beziehen. Dieses ist zollfrei, dafür aber .bezahlt die Post einen erheblichen Anteil an die grossen Lagerspesen. Bei : dem sehr' grossen Verbrauch der Postverwaltung an Brennstoff könnte sie auch verzolltes Benzin viel billiger als die Privatindustrie beschaffen, und zwar zu einem Preis, der kaum höher als jener wäre, den sie jetzt der Armee be- : zahlt. Richtig ist, dass' die Postverwaltung keine Automobilsteuern entrichtet. Dafür aber trägt sie die bedeutenden Lasten der regelmässigen Autoverbindungen in allen Landesgegenden bis in - die abgelegensten Täler, die sonst auf das moderne und rasche Verkehrsmittel verzichten müssten. Werden die Lasten, die viele Kantone für ihre Nebenbahnen zu tragen haben, zum Vergleich herangezogen, so erscheint ihr Ausfall an Autosteuern daneben verschwindend klein. Davon, dass der Bund jährlich an die Alpenstrassen Fr. 1060000.— zahlt, wird nie gesprochen. Und doch wür- F £ I L L T O N Der Fall Cranmore • ' 'Kriminal-Roman von V. Williams. Copyxight 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München. r (20. Fortsetzung) •«Monsieur Quayre hat erklärt . . .» «Dass er den Mord begangen hat ? ! Das •glaube ich nicht . . .» «Nein. Seine Aussage belastet einen Mann namens Ramon, Ramon de la Bandera.» Dolores blickte den Franzosen mit äusserstem Erstaunen an. «Ramon de la Bandera?» wiederholte sie. «Aber das war ein Freund von Carmen — ein sehr guter Freund!» «Sie kennen ihn?» «Nein, aber Carmen schrieb mir oft von ihm, als ich in der Schule in Brüssel war.» «Wann war das?» , «1911 kam ich ins Kloster und blieb dort bis zum Kriegsausbruch 1914. Dann, traf ich ,,mit Carmen in London zusammen ...» «Die Bekanntschaft Ihrer Schwester mit Ramon erstreckt sich also über die Jahre von 1911 bis 1914?» «Ja — ungefähr.» «Und was shrieb sie über ihn?» «Nichts Besonderes. Er wurde eben öfters in ihren Briefen erwähnt. Einmal waren sie im Theater zusammen oder er, verkaufte ein Bild für sie ...» «War er "denn ein Maler?» «Ja, und er hatte sehr viel Talent nach dem, was Carmen schrieb . . .» «Hat sie auch später mit Ihnen über Ramon gesprochen?» «Hier.in London eigentlich nie,» antwortete das junge Mädchen zögernd. «Ich brachte einmal die Rede auf ihn, aber sie brach sofort das Gespräch ab.» «Warum?». «Ich —, weiss nicht, ich — habe sie nicht gefragt. • Manchmal kam es mir vor, als ob sie seinetwegen ein wenig; unglücklich gewesen wäre.» «War Ramon de la Bandera der Geliebte Ihrer Schwester?» Eine heisse Röte überzog das Gesicht des jungen Mädchens. «Carmen liebte nie einen andern Mann als Jim.» Vielleicht hatte sie ihn einmal lieber als er sie — aber ihr Geliebter —! Hätten Sie meine Schwester gekannt, Monsieur Boulot, Sie würden ihr Andenken nicht durch eine solche Frage ...» «Nicht ich habe das getan, sondern Mr. Quayre ...» «Das ist nicht wahr!» «Er hat ausgesagt, dass er, als er gestern nachmittag ins Atelier zurückkehrte, Ihre Schwester in den Armen dieses Ramon fand. Und erinnern Sie sich, mein Fräulein, dass er Ramon kennt und daher ein Irrtum unmöglich ist.» « Ich kann es nicht glauben...» «Genau das, was Manderton sagte. Mein Kollege ist entrüstet über Ihren Freund, weil er versuchte, sich selbst auf Kosten des guten Rufs Ihrer Schwester zu retten.» «Sie behaupten, dass Julian Quayre das gesagt hat?» «Das behaupte ich.» Dolores liess den Kopf sinken und brach in verzweifeltes Weinen aus. «Ich weiss nicht mehr, was ich denken soll,» schluchzte sie. «Sagen Sie mir, was die Wahrheit ist!» Ich glaube nicht, dass Quayre gelogen hat:» Ein tiefer Seufzer der Erleichterung brach aus der Brust des jungen Mädchens. Aber gleich darauf flüsterte sie traurig: «Die arme, arme Carmen! Und der arme Jim! Ist dieser Ramon also der — Mörder meiner Schwester? Was ist aus ihm geworden?» «Er kam gestern abend in London an und nahm im Hotel Ninive ein Zimmer. Das war etwa um fünf Uhr. Dann ging er aus und kam nicht zurück.» «Aber warum ist Juliandann verhaftet worden? Die Polizei muss doch nach diesem Ramon suchen?!» «Für den Augenblick tut sie das nicht,» entgegnete Boulot. In Mr. Mandertons Kopf hat sich eine bestimmte Theorie festgestzt, und möchte vorläufig nichts dagegen tun, um nicht Ramon aufmerksam zu machen. Ich will ganz aufrichtig gegen Sie sein, Mademoiselle. Mir scheint es viel wichtiger, dass der Schuldige erwischt wird, als .ob Ihr Freund ein oder zwei Nächte im Gefängnis zubringt. Ramon wird nicht weit kommen, meine Nachforschungen haben schon einiges zutage gefördert ... .» Der Franzose zog das junge Mädchen neben sich auf den gelben Diwan nieder. «Die letzten Worte Ihrer Schwester galten diesem Diwan,» sagte er. Wir wissen, dass er schon in New York in ihrem Atelier stand und so bildet-er das einzige'Verbindungsglied mit ihrer Vergangenheit, in die dieser Ramon de la Bandera so geheimnisvoll verstrickt ist. Warum wiederholte sie zweimal nacheinander, ehe sie starb, die Worte: «Der gelbe Diwan, der gelbe Diwan?» War das eine Erklärung? Ein Geständnis? Oder eine Warnung? Hat sie jemals Ihnen gegenüber den Diwan in Verbindung mit ihrem Freund Ramon erwähnt?» Dolores schüttelte den Kopf. «Nie! Ich habe mir auch schon den Kopf zermartert wegen dieser letzten Worte der armen Carmen, aber ich habe keine Idee, was sie damit meinte.» Boulot fuhr mit der Hand leicht über die schwere gelpe Seide. «Hier liegt wohl die Lösung des dunkeln Rätsels,» sagte er nachdenklich, «wenn wir sie nur zu lesen vermöchten! Könnte nicht dieser Diwan in irgendeiner geheimnisvollen und uns unverständlichen Weise Ihre Schwester und Ramon wieder zusammengeführt haben? Es sieht doch so aus, als ob sie sich ins Atelier begeben hätte, um mit Ramon zusammenzutreffen. Aber trotzdem hat keinerlei Verabredung stattgefunden, weder auf brieflichem, telegraphischem, drahtlosem Wege, noch durchs Telephon . . .»' «Wie konnte dann überhaupt Carmen wissen, dass Ramon in London war?» «Sie las es in der Zeitung, als sie sich in ihrem Klub aufhielt. Und offenbar ging sie von da direkt zu Quayre. Warum? «Schrecklich zu denken, dass sich der Mann frei in London umhertreibt !>