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E_1929_Zeitung_Nr.056

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 28. Juni 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° 56 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen i ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. "'ostcheck-Rechnun" Hl 414 Felephon Bollwerk 39.84 Teleszranim-Adresse: Autorevue, Bern 0er Luxus schlechter Strassen Es wäre falsch, behaupten, zu wollen, in der Schweiz würde für den Ausbau unseres Strassennetzes nichts getan. Im Gegenteil. In den Budgets aller Kantone erfordern die Strassenbauprogramme wesentliche Summen. Wurden beispielsweise im Jahre 1912 für den Unterhalt der Strassen noch zwölf Millionen Franken ausgegeben, so steigerten .sich berejts im Jahre 1926 die Ausgaben für den Unterhalt, den Bau und die Verbesserungen der Strassen auf zusammen 47,05 Millionen Franken. An diese Ausgaben leisten die Automobilisten rund 17 Millionen Franken in Form von Verkehrsabgaben. Dieser Beitrag wird erhöht durch den sogenannten Viertel der Netto - Zolleinnahmen aus der Benzinzolleinfuhr, der inskünftig jährlich sechs bis sieiben Millionen Franken ausmachen dürfte. Im Ständerat hat Herr Amstalden mit elf weitern Unterzeichnern ein Postulat eingereicht, das für die Kantone einen erhöhten Benzinzoll verlangt. Er begründet das Postulat damit, dass die Ausgaben der Kantone für das Strassenwesen mit den Einnahmen des Bundes aus den Zöllen für Benzin und Motorfahrzeuge in keinem Verhältnis mehr stünden. Eines steht jedenfalls sicher : Den Luxus -schlechter Strassen darf sich' auch die Schwieifc nicht mehr leisten. Zu hohe volkswirtscMftfehe Gefahren stehen auf dem Spiel. Das ha^en nicht vxtr die TOB mjsrpbeTiden Länder, '• sondern überhaupt die meisten Staaten Europas rechtzeitig erkannt. Sie alle sind eifrig am Ausbau ihres Strassennetzes. Die zunehmende Motorisierung der Strasse und die wachsende Bedeutung des Automobils als Wirtschaftsfaktor verlangen gebieterisch diese Massnahmen. Mit der wachsenden Verkehrs- und wirtschaftspoütischen Bedeutung der Strasse steigern sich auch die Schäden in ungeahnte Dimensionen, die der ganzen heimischen Wirtschaft aus dem schlechten Zustand der Strassen entstehen können. Wir wolten nur kurz an folgende Punkte erinnern, , an denen auch der Nichtautomobilist nicht achtlos vorbeigehen darf. Die schlechte Der Fall Cranmore • Kriminal-Roman von V. Williams. Copyrig&t 1925 bj Georg Müller Verlag A.-G., München. (18. Fortsetzung) «Vor dem Atelier war das Pflaster aufgerissen. Gerade vor den Stufen zum Atelier lag ein grosses Stück von feuchtem Mörtel, wie sie's brauchen, um die Steine wieder zu befestigen. Wer dort wohnte, wie Quayre, wusste natürlich darum und vermied die Stelle. Daher zeigten auch seine Schuhe keine Spuren davon. Aber an den Schuhen von Mrs. Cranmore und ihrer Schwester fand ich sie. Deshalb meine Frage an den Smith, ob vor dem Hause gebaut würde. Und weiter schloss ich daraus, dass Miss Driscol im Atelier gewesen sein müsse. Aber ich fand noch einen anderen Abdruck.dort: den grossen Abdruck von einem gradlinigen, also amerikanischen Stiefel. Nun, Sie werden sagen: das ist ein öffentlicher Platz, wo irgend jemand vorüber gekommen sein kann. Aber ich habe noch etwas anderes . . .» Er zog einen Umschlag aus der Tasche und leerte vier Zigarettenstümpfchen auf den Tisch. '«Die stammen aus der kleinen Messingschale im Atelier. Auf einem können Sie noch die Marke lesen: «Gazelle». In den Vereinigten Staaten wird diese Marke millionenweise geraucht. Aber das ist gleichgültig, die Hauptsache ist, dass sie nicht ausgeführt werden darf. Ich weiss das zufällig völlig sicher, weil ich mich für einen Freund an das Handelsministerium wandte und eine ablehnende Antwort erhielt. Was folgt aus all Strasse nützt das Vehikel ab, die gute bedingt eine Herabsetzung der Automobilbetriebskosten und eine fühlbare Verminderung an Reifen und Betriebsstoffen. Je besser die Strasse, desto geringer die Einfuhr und damit eine desto grössere Entlastung unserer Zahlungsbilanzen. Schlechte Strassen verteuern die Transportkosten und behindern damit die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Produktion. Je besser die Strassen, je reibungsloser der Verkehr und desto sicherer die Bestellung und der Besteller, der auf schnelle und prompte Lieferung hält. Schlechte Strassen hemmen aber auch die Entwicklung unserer Automobilindustrie. Wenn man weiss und bedenkt, welch gewaltige Summen darin investiert sind, die Tausende von Arbeitskräften beschäftigen, wenn man auch weiss, wie schwer unsere schwei- dem? Dass ein Amerikaner, der einen grossen Fuss hatte und Zigaretten raucht, die ausschliessjich in Amerika zu bekommen sind, gestern in Quayres Atelier war. Sie sehen nun, wie ich zu meiner Frage auf jenem Blatt an Quayre kam. Was nun, wenn dieser Amerikaner eben jener Ramon gewesen ist?» «Ramon?» rief Manderton. «Unsinn! Den gibt's überhaupt gar nicht. Sehen Sie denn nicht ein, dass gerade Ihre verwünschte Frage, die ich niemals hätte zulassen dürfen, den Quayre erst auf die Idee brachte, uns diesen geheimnisvollen Ramon aufzutischen?! Mein lieber Freund, ich hab' Ihnen einmal nachgegeben und daraus entsteht immer nur Verwirrung...» «Und der Abdruck des amerikanischen Stiefels?» « Halb London trägt amerikanische Stiefel. Ich auch.» « Die Zigaretten? » «Gehören Quayre. Er lebte doch früher in Amerika. Wahrscheinlich hat er sich einen Haufen davon mitgebracht. Oder er hat sie durch einen Freund besorgen lassen...» «Sie sind schwer zu überzeugen,» sagte Boulot nicht ohne Würde. «Wenn ich auf meinen Gedankengängen bestehen bleibe, so geschieht es nicht aus Rechthaberei, sondern um Ihnen eine Ungerechtigkeit zu ersparen. Ich habe Ihnen noch nicht alles gesagt. Es gibt noch andere Indizien...» «Heraus damit! Wir wollen endlich damit fertig werden.» «Auf jenem F'eck vor dem Hause fand ich noch einen Abdruck von einem ganz spitz zulaufenden Damenschuh. Und an der Brosche der Ermordeten fand ich das hängen . . .» zerische Automobilindustrie sich ausländisches Absatzgebiet erobern kann und ihr .infolgedessen um so mehr der inländische Markt gesichert werden sollte, der wird den 'Ruf nach weiterer Verbesserung unseres Strassennetzes nur unterstützen können. Schlechte Strassen behindern aber auch den Fremdenverkehr. Letztes Jahr brachten uns ausländische Automobilisten allein über 20 Millionen Franken ins Land. Ausländische Reise-Agenturen versichern uns, dass ohne Automoibal der Fremde nur,- noch- mit Mühe in die Schweiz zn bringen sei und er in er-' ster Linie dasjenige.Land bevorzuge, wo er auf guten Strassen sein Automobil an alle ihm passenden Orte hinführen könne. Der Ausspruch ist nicht aus der Luft gegriffen. Wir müssen ihn uns merken und dafür Sorge tragen, dass der Fremdenstrom nicht durch die ausserordentlichen Anstrengungen unserer Nachbarländer auf dem Gebiete des Stras- •senbaues uns abgegraben wird. Schlechte Strassen behindern aber auch die gute und billige Versorgung der Städte mit Lebensmitteln vom Lande. Wir in der Schweiz haben speziell allen Grund, im Augenblicke, da unsere schweizerische Landwirtschaft unter einer steigenden Krise zu leiden hat und sich nur mit Mühe über Wasser halten kann, dafür zu sorgen, dass durch gute Strassen es dem Bauer ermöglicht wird, seine Produkte ebenso schnell auf den Markt zu bringen wie der ausländische Südfrüchten- und Gemüsehändler. Die schlechte Strasse erschwert die gegenseitige Annäherung von Stadt und Land und trägt dazu bei, den gefährlichen Menschenakkumulationen in den Städten gewaltigen Vorschub zu leisten. Die gute Strasse dagegen verbindet Stadt und Land, bringt die 'beiden Kulturen einander wieder näher, ermöglicht das richtige Kontaktfassen zwischen -den beiden aufeinander angewiesenen Menschengruppen, ermöglicht auch dem Arbeiter auf dem Lande zu wohnen und hier wieder auf heimatlichem Boden Wurzel zu fassen. So kann man das Strassenproblem anfassen wo man will, immer wieder tritt es uns •als das gegenwärtig wichtigste volkswirtschaftliche Problem entgegen, so dass man wohl mit der Behauptung nicht zu weit geht, dass schlechte Strassen infolge ihrer Kostspieligkeit als grössten Luxus und grösste Verschwendung bezeichnet werden dürfen. K. Go and Stop-Verkehr. 1 Ein Versuch in Zürich. , Mit der bereits gemeldeten probeweisen Markierung von besonderen Fussgänigerstreifen in der Fahrbahn hat die stadt- ^ürcherische Verkehrspolizei auch gleich den. Versuch mit einem weiteren, recht bedeutungsvollen Novum gewagt. An der nämlichen, stark frequentierten Kreuzung Urania- Bahnhofstrasse wird der Verkehr seit einigen Tagen während den Stosszeiten nach dem aus England stammendem System des «Go and Stop» geregelt. Auf diese Weise wird vom diensttuenden Polizisten abwechslungsweise und in kurzen Intervallen die Strasse in je einer durchgehenden Richtung freigegeben, während in der um 90 Grad verschobenen Verkehrsachse in dieser Zeit jeder Verkehr ruht. Es ist keine leichte Aufgabe für den Verkehrspolizisten, der mitten drin steht, Ordnung und System in den Wirbel hineinzubringen, sintemal diese Neuordnung der Dinge für Motorfahrzeugführer, und vorab auch für Er zog aus der Tasche ein kleines Wattebäuschchen und faltete es auseinander. Auf dem Weiss der Baumwolle wurde ein langes goldrotes Haar sichtbar. «Ein Frauenhaar! Was sagen Sie nun.dazu?» Manderton schüttelte den Kopf und lachte. «Zu den Fussabdrücken auf einer öffentlichen Strasse gar nichts! Und was dieses Haar anbetrifft, so wissen Sie vielleicht nicht, dass der letzte Mensch, der Mrs. Cranmore lebend sah, eine rothaarige Kellnerin war.» «Aber im Stiegenhaus lag ein Stückchen getrockneter Mörtel, so als ob es von der Strasse hereingebracht worden wäre . . .» «Ohne Zweifel von Quayre. Vielleicht hat er irgendein Geräusch auf der Strasse gehört und rannte die Treppe hinauf, nachdem er wusste, dass der obere Stock unbewohnt ist . . ,» «An seinen Schuhen war nicht das geringste Zeichen . . .» «Kein Wunder, nachdem er stundenlang in der Stadt herumgelaufen ist.» «Und dann hab' ich noch das auf der Treppe aufgehoben . . .» Boulot öffnete seine Hand. Auf der Handfläche lag eine dünne Silberkette mit einem birnenförmigen, blauemaillierten Anhänger, auf dem ein menschliches Auge dargestellt war. «Sie wissen, was das ist?» Manderton machte eine verneinende Gebärde. «Ein Amulett gegen den bösen Blick, wie sie die Frauen in Süditalien tragen und ihren Kindern umhängen. In Neapel sieht man sie viel.» «Recht hübsch!» sagte er, während er's zurückgab. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile odei deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts ürösscre Inserate nach Seitentarü. Inseratensehms« 4 Tnne vor Erscheinen der Nummern Radfahrer und Passanten, vollständiges Neuland ist. Es ist aber erfreulich, konstatieren zu können, dass alle, ohne Ausnahme, mit Spass und Eifer mitmachen,, weshalb erwartet werden kann, dass sich die Neuerung rasch einbürgern wird. Um konsequent den Verkehrsstrom in einer fortlaufenden Richtung freigeben oder abschliessen zu können, wurde angeordnet, dass die Fahrzeuge nicht nach links abbiegen dürfen. Um links in die Querstrasse einbiegen zu können, muss der Führer entweder bereits in die Parallelstrasse vor oder dann in diejenige nach der Hauptkreuzung abschwenken. Diese Sonderbestimmung wird den Fahrern anfänglich noch etwas Kopfzerbrechen machen, trägt aber wesentlich zu einer flüssigeren Durchführung der ganzen Massnahme bei. Einen Schönheitsfehler hat das ganze Arrangement: wenn alles jeweilen im besten Fluss ist, schiebt sich das Tram blindlings und klingelnd in das Gefüge hinein und bringt wieder die alte Unordnung in die Sache. Wir fragen uns, ob es nun tatsächlich nicht möglich wäre, die Strassenbahn zur regelrechten Teilnahme an dem Versuch zu veranlassen. Da sich das Experiment auf einen einzigen Platz in Zürich beschränkt* würde die Anpassung der Strassenbahn an die moderne Verkehrsregelung sicherlich nicht den Fahrplan aus dem Gleichgewicht bringen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Tramverwaltung hier die Rolle des trutzigen Knaben übernimmt.' Das beigefügte Bild ist gerade in dem Augenblick: aufgenommen worden, in welchem der "Vor-t kehr von der Längs- in die Querrichtung! wechselt. Die Fahrzeuge im Vordergrund links haben die Querstrasse bereits passiert und können ihren Weg weiter die Bahnhofstrasse hinauf nehmen. Die aus der oberen Bahnhofstrasse kommenden Fährzeuglenker haben angehalten und hinter der Demarkation für den Fussgängerstreifen Aufstellung genommen, so dass diese unbehindert nun dieFahrbahn überqueren können. Das zahlreiche Publikum, das auf dem Bild ersichtlich ist, fälscht die Aufnahme etwas, da es sich vielfach nicht um eigentliche Passanten, sondern um Zuschauer handelt, die sich täglich in Massen einstellen, um das neue System anzu- «Sie wollen's nicht behalten?» «Es hat mit unserem Fall nichts zu tun. Quayre ist unser Mann, das wissen Sie, Boulot.» Der Franzose zuckte in bezeichnender Weise die Achseln, nahm seinen Hut und hielt Manderton die Hand hin. «Sie sind Ihrer Sache sehr sicher!» «So sicher,» antwortete der Engländer, «dass ich heute Julian 'Quayre unter der Anklage des Mordes an Carmen Cranmore dem Untersuchungsrichter werde!» XVIII. gegenüberstellen Ramon. Als Boulot die Treppe der Polizeistatibn herabstieg, stellte sich ihm ein junger, schlanker, gutgekleideter Mann in den Weg' und grüsste ihn. «Ich bin March vom «Planet», sagte er. «Wir haben uns gestern nacht getroffen, aber wahrscheinlich haben Sie mich nicht bemerkt.» Boulot reichte ihm zwei Finger hin. «Ich erinnere mich. Nun, was haben Sie für Neuigkeiten?» «Das fragen Sie mich! Manderton ist zu beschäftigt, mich zu sehen und . . . nichts haben wir für heut! Und die Leute wollen doch was Neues hören. Aber ich hab' nicht das geringste ausfindig machen können.» Sie waren mittlerweile auf der Strasse an- .gekommen, und March schlug vor, in seinen Klub zu gehen, um dort bei der Hitze ein kühlendes Getränk zu sich zu nehmen. Es wären nur zwei Schritte. Boulot warf ihm lächelnd einen schlauen Blick zu und willigte ein. (Fortsetzung folgt.)