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E_1929_Zeitung_Nr.057

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Ausgabe: Deutsche Schwel». BERN, Dienstag 2. Juli 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N° 57 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelba LtoU" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozusehlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bem sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnuns HI/414 Telephon Bollwerk 39.84' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bem Ein automobilistisches Programm Der 12. Mai bildet einen Markstein in der Geschichte des schweizerischen Automobilwesens. Er hat gezeigt, dass hinter den 100,000 Motorfahrzeugbesitzern bereits eine Masse von Schweizerbürgern steht, die die Forderungen der neuen Verkehrsentwicklung in ihrer ganzen Tragweite begriffen hat. Die 250,000 Ja-Sager vom 12. Mai bilden eine Macht, mit der unsere Behörden zu rechnen haben. Wir sind die letzten, welche rein automobilistische Interessen über das Wohl der Gesamtheit unseres Volkes stellen möchten. Was der schweizerische Automobilismus verlangt, ist jedoch klipp und klar : Ein schweizerisches Verkehrsgesetz, ein erhöhter Benzinzollanteil an die Kantone, ein gut aasgebautes schweizerisches Strassennetz. Die Beratungen über das schweizerisclw Verkehrsgesetz werden in Bälde wieder aufgenommen werden. Herr Bundespräsident Haab hat in der letzten Session die Erklärung abgegeben, dass er mit seinem ersten Mitarbeiter, Herrn Dr. Rothmund, sofort an die Ausarbeitung einer neuen Vorlage herantreten werde. An uns ist es nun, den Behörden in ihrer Aufgabe Unterstützung zu verleihen, indem wir ihnen zugleich unsere Ansichten und Auffassungen, die nur im allgemeinen Interesse des Verkehrs und damit im Interesse unserer Wirtschaft und unseres Landes liegen, kundgeben. Die Kantone haben bereits eingesehen, dass der 12. Mai 1929 für sie ein Tag verpasster Gelegenheiten bedeutet. Heute schon macht sich überall das Bedürfnis erhöhter Subventionsanfragen für das Strassenwesen fühlbar. Die Benzinzollverteilung genügt bereits nicht mehr. Entsprechend dem Postulate Amstälden muss sie revidiert werden. Es wird dies altes nicht ohne Kampf abgehen. Ivan Kampf braucht es einer Waffe. Diese Waffe ist für jeden Automobilisten ohne Ausnahme die « Automobil-Revue». Sie ist, kurz und bündig gesagt, die Zeitung des Automobilisten. Unerschrocken, mit völliger Zielklarheit, Wirt sie seit 25 Jahren den Kampf für alle Automobilisten, ohne Ausnahme. Sie hat die Genugtuung, manchen Erfolg verzeichnen zu können und viel Anerkennung erfahren zu haben. Sie begehrt jedoch weder Lob noch Ruhm. Sie verlangt nur Treue. Je mehr sie ihren Aktionsradius ausdehnen kann, je mehr sich die Au- ^^^^^^f^^^^^^^^^fl Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Muller Verlag A.-G., München. (19. Fortsetzung) Im Klub installierte March seinen Gast in einem bequemen Lederfauteuil am Fenster, bestellte zwei Wermuts und begab sich ans Telephon. Boulot liebte sonst die weltberühmte Aussicht über den Fluss, aber heute sah er nicht einmal aus dem Fenster. Vor seine Augen stand nur beständig ein Name: Ramon. Er fuhr auf, als March plötzlich wieder neben ihm auftauchte. «Nichts Neues!» sagte er trübselig. «Und ich soll mindestens zwei Spalten bringen. Wenn ich nichts erfahre, muss ich mir's einfach aus den Fingern saugen. Ihre Gesundheit, Monsieur!» Schweigend leerten sie ihren Wermut. Dann fragte Boulot den Reporter, was die Leute über den Mord redeten. «Jeder hält diesen Maler für den Schuldigen. Es ist nur schwer einzusehen, welches Motiv er haben konnte .. . .» «Das ist es ja,» rief der Franzose lebhaft. «Manderton kann Ihnen das Motiv so wenig sagen als ich selbst. Er hat seine Theorie, ich habe die meine, und Sie haben zweifellos auch eine. Aber von einem beweiskräftigen Motiv... ! tomobilisten um sie scharen, desto grosser der Erfolg und desto nachhaltiger die Macht ihrer Stimme. Redaktion und Administration der « Automobil-Revue ». Er unterbrach sich, als wäre ihm ein plötzlicher Einfall gekommen. «Sie lesen doch Zeitungen, mein Lieber?> «Ob ich . . .?! Nur fünfzehn bis zwandg täglich ...» «Auch den Abend-Kurier?> «Selbstverständlich.» Der Franzose zog eine zusammengefaltete Zeitung aus seiner Tasche. «Das ist die Spezialausgabe vom Abend- Kurier.» «Nun tun Sie mir den Gefallen und lesen Sie sie von Anfang bis zu Ende durch und teilen Sie mir mit, ob Sie auch nur irgendeine Andeutung darin finden, die Madame Cranmore hätte veranlassen können, diese elende Gegend aufzusuchen, wo sie erstochen wurde . . .» «Soll das ein Trick sein? Machen Sie sich über mich lustig?» «Aber wieso denn? Es ist nur ein kleines Experiment, um Ihre Fähigkeit als Verbrecherspezialist zu prüfen.» March zündete sich eine Zigarette an und blickte lächelnd auf den Franzosen. «Wenn Sie schon gesucht haben, Monsieur, ohne etwas zu finden, wie können Sie dann von mir erwarten . . . Aber meinetwegen !» Er begann methodisch die Zeitung zu studieren. Endlich legte er sie weg und nahm die Zigarette aus dem Mund. «Soviel ich sehen kann,» erklärte er, «steht nichts drin, was man irgendwie mit Mrs. Cranmore oder einem der Beteiligten in Verbindung bringen könnte. Höchstens mag es t Die « Automobil-Revue » ist aber nicht nur Vorkämpferin automobilpoütischer Interessen. Ihr Tätigkeitsgebiet ist mannigfaltig. Tourismus, Sport, automobiltechnische Wissenschaften, Jurisprudenz, nicht zuletzt Unterhaltung und Belehrung v allgemeiner Natur erfahren sorgfältige und gründliche Behandlung. Die «Automobil-Revue» rechnet es sich zur hohen Ehre an,, auch auf dem Gebiete der Technik dem Automobilisten stets ein guter Führer und Berater zu sein. Unser juristischer Sprechsaal wird je länger je mehr beansprucht. Ganz begreiflich; denn der Automobilist ist keine Stunde sicher, wann er mit unserer Rechtssprechung, die der rapiden Entwicklung des Automobils nicht zu folgen wusste, in Berührung kommt. Die automobilistischen Sportveranstaltungen des In- und Auslandes erfahren in der «Automobil-Revue» rasche und umfassende Berichterstattung. Als moderne und frisch geschriebene Unterhaltungsbeilage füllt der Autler-Feier' bis zum Abend zu einem abend » geradezu eine Lücke aus. Wort und Bild über Literatur, Kunst, Sport, Reisen, Mode- und Gesettschaftsfragen vereinigen sich zum beliebten Blatt der Autler-Familie. So schreckt die « Automobil-Revue» vor-\ keiner grossen Aufgabe zurück. Die Bestrebungen der Redaktion gehen dahin, dem Automobilisten nicht nur ein wertvolles Fachblatt, sondern darüber hinaus, eine Zeitung zu sichern, die die Tagesfragen auf allen Gebieten unseres Lebens unvoreingenommen zu würdigen weiss. Trotz dem ständigen Ausbau der «Automobil-Revue » haben wir den sicherlich bescheidenen Abonnementspreis von Fr. 5 pro Halbjahr beibehalten. In den nächsten Tagen werden unsere Abonnenten die Einladung erhalten, diesen Betrag auch für das zweite Semester 1929 einzulösen. Wir glauben, dass diese Bitte nicht unerhört bleiben wird, denn wir wissen, dass auch Sie unsere Arbeit zu schätzen wissen und durch Ihr Abonnement beitragen wollen, die Ihnen liebgewordene Zeitung in ihrer wichtigen Aufgabe zu unterstützen. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach SeitentarU» Inseratenschluss i Tafle voi Erscheinen der Nnmmern Der Guritigel 1929 Stuber auf Bugatti holt im Pia tzregen den Rekord in neuer absoluter Bestzeit in die Rennwagen-Kategorie zurück. — Dr. Karrer (Bugatti) drückt Delmars Sportwagen-Rekord unter die Neunminutenmarke. — Waeny auf Chrysler unterbietet bei den Tourenwagen seinen eigenen Rekord von 1927. Alle Rekorde gefallen! Das ist das Ergebnis des Gurnigels 1929. Und dies bedeutet einen restlosen Erfolg. Organisation und Sport sind darin eingeschlossen. Dass die Rekorde unter denkbar schweren Umständen gebrochen worden sind, erhöht nur den Wert des herrlichen Resultates. Man sollte in Vorberichten Petrus nicht der Heimtückigkeit zeihen... Bis Freitagnacht war das' Wetter sommerlich schön und die Kühle der sternenklaren Nächte Hess auf eine längere Dauer hoffen. Noch am Freitagund Samstagtraining, die ohne nennenswerte Zwischenfälle verliefen, tiefblauer Himmel. Aber am Samstagnachmittag stach den Wettergott der Haber, Wölklein zogen auf, dann Wolken, um sich verwünscht dichten Klumpen zu ballen. Abends regnete es und mit dem Regen fiel das Hoffnungsbarometer auf Null. Regen, Regen die ganze vielleicht Mrs. Cranmore als Amerikanerin interessieren, dass gestern morgen die «Gigantic» angekommen ist.» Boulot, der eben hatte trinken wollen, stellte das Glas unbrührt wieder auf den Tisch. «Grosser Gott!» rief er aus und sprang auf die Füsse. «Wo ist das Bureau der Schifffahrtsgesellschaft?» Seine Haltung hatte sich mit einem Schlage völlig verändert. Da stand wieder das alte Kampfross, als witterte es die Stunde des Angriffs. «Schon geschlossen!» bemerkte March verwundert. «Unsinn! Sie werden doch eine Passagierliste auf der Redaktion haben?! Telephonieren Sie sofort hin, sie soll sogleich hierher geschickt- werden. Und ich muss ein Kabeltelegramm absenden. Einen Jungen, der es auf die Post trägt! Schnell! Was stehen Sie denn noch herum — Sie haben doch gehört, was ich brauche . . . !» Wie ein Wasserfall kamen die Worte aus seinem Mund. Der Reporter wurde von seiner Aufregung angesteckt, führte ihn zu einem Schreibtisch und verschwand eilig. Als March nach einigen Minuten mit der Versicherung zurückkehrte, die Liste würde sogleich kommen, sass Boulot wieder auf seinem alten Platz und rauchte vor sich hin. Vergeblich versuchte der Journalist, ein Wort aus ihm herauszubekommen. Dann erschien ein Kellner und reichte ihm ein Tablett, auf dem ein langer blauer Umschlag lag. Nacht Noch um. 4 Uhr goss es ohne Ende. ,llm 5 Uhr trug uns der Wagen aus der Stadt' der Gurnigelhöhe zu. Die Pneus warfen das Wasser aus den Lachen in die Wiesen hinaus. Wie wird die Rennstrecke aussehen? Die Nebel am Horizonte hingen tief und wirr in die Wälder. Klärt es sich auf? Ueber uns spalteten sich die Wolken. In Dürrbach, wo die Startfahne über der Strecke flatterte, stauten sich die Wagen zu einer langen Schlange. Gruppen von Motorrad- und Velofabrern und ein Strom von Fussgängern passierten, ihren Obolus zahlend, die Kontrollen. Und dann erkletterte unser braver Wagen schon die Rennrampe. An allen Kehren hatten sich die Zuschauer eingekuscht. Um die Tribüne in dem kitzligen « Wood-Corner» unter dem Hotel frühstückten sie in hellen Haufen. Die Strecke war wohl nass von dem nächtlichen Regenguss, aber bei der wannen Witterung konnte damit gerechnet werden, dass sie bis zum Rennbeginn noch etwas eintrocknen würde. Die Gefahrpunkte waren markiert und von der Polizei stramm bewacht. Ueberhaupt klappte das Organisatorische, wohin man sah, dass es eine helle Freude war. Hinter dem Hotel, beim Eintritt in den Wald, nahm die Strecke schwierigen Charakter an. Der Wagen tanzte nur so auf der welligen Oberfläche. Wenn da wieder Regen niederschlägt... ! Doch die Sorgen werden von dem frischen Morgenwind zerstreut, der die Wolken hinter die Hügel fegt. Die Zeiger stehen auf 7 Uhr und die Strecke wird gesperrt. Von Dürrbach bis hinauf zur Stierenhütte säumen gegen 4000 Zuschauer die Piste. Das Finanzkomitee meldet ca. 500 Wagen und über 300 Motorräder. Der Funkerdienst arbeitet. Pfadfinder schwirren als fliegende Ordonnanzen von Posten zu Posten. Eine warme Morgensonne liegt über den goldgrünen Hügelrundungen und dem dunkeln Horst des Gurnigelgebietes. In aller Augen ist die Freude der Erwartung und die Freude an dem schönen Morgen. Das Land ist nach dem nächtlichen Regen voll sprühender Farbigkeit. Für die Motoren sind die atmosphärischen Verhältnisse wie man sie kaum besser wünschen könnte. Das Grand Hotel hat auf dem Dache die gelbe ShelT-Fahne aufgezogen. Jeden Augenblick treffe ioh auf 'bekannte Kopie: Zentral.- vorstandsmitglieder des A.C.S., Sportkommissäre, Präsidenten der Clubs, Ehrengäste. Am Samstagabend fand der traditionelle Gurnigelball statt, der für einige Stunden eine illustre Gesellschaft in den vornehmen Räumen des Hotels vereinigte. «Wo ist er»? Die Startzeit ist herangerückt. Man sitzt automobilistisch bestallt, d. h. auf ausgehobelien Autopolstern, in den Matten und wartet. Das akademische Viertel verstreicht und einiges darüber hinaus. Und man erfährt bei einem Funkerposten, dass Stuber noch nicht am Start ist. Grund : Es heisst, eine Pneupanne zwischen Bern und Dürrbach. Nicht mit denn Bugatti natürlich (der wartet im geschlossenen Park auf seinen Herrn), son- Boulot riss ihn auf, zog die Liste heraus und fuhr mit seinem plumpen Finger von Zeile zu Zeile. «Der Name, den Sie suchen, ist nicht drin?»' «Nein!» «Sie wissen doch, dass die Liste nicht alle Namen der Reisenden enthalten muss . . .» «Wieso?» «Es kommt vor, dass ein Passagier zu spät' dran ist und nicht mehr ins Verzeichnis aufgenommen werden kann oder dass er speziell den Wunsch ausspricht, nicht hineinzukommen. Wie heisst der Mann, den Sie suchen?»' Es war die erste, direkte Frage, die der Reporter an Boulot stellte. Bisher hatte er sich mit der äussersten Diskretion benommen, und der Franzose empfand, dass auch diese Frage seinem Wunsch entsprang, ihm behilflich zu sein. «Ich möchte wissen, ob ein Südamerikaner, ein Monsieur Ramon, als Passagier auf der «Gigantic» war?» «Wie war der Name?» «Ramon.» «Ramon — Ramon . . .?» «Mir ist's, als ob ich den Namen erst kürzlich gehört hätte. Heute oder gestern . . . Entschuldigen Sia mich einen Augenblick . . .» Er schoss auf einen Herrn zu und zog ihn an den Tisch zu Boulot. «Mr. Thornbury, unser Lokalreporter, wenn der nichts von Ramon weiss » Fortsetzung siehe Autler-Fciorabend.