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E_1929_Zeitung_Nr.057

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H AUTOMOBIL-REVUE

H AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N°5 dem mit dem Privatwagen. Was schadet s? Auf Stuber will niemand verzichten, denn jeder weiss von der sensationellen Folge seiner drei Siege : Eigenthal, Marchairuz, Walzerihausen. Unterdessen trocknet auch noch die Strecke an und das ist nach dem nächtlichen Segen bitter nötig. Endlich flattert die erwartete rote Fahne vorbei. Der St. Galler Widler auf Amilcar eröffnet hei den Tourenwagen in schnittiger Fahrt den Tanz. Er erzielt eine neue Bestzeit der 1100-ccm-Klasse vor Ernens auf Renault, der als Zweiter der beiden Amateure einkommt. Keller auf Alfa-Romeo, der einzige Amateur der 1500er 'Klasse, schafft es ebenfalls in neuer Bestzeit und löst mit seiner prachtigen Vorbeifahrt,, die ihn selbst zum Sieger über •die Experten der gleichen Klasse machen" sollte, die erste Welle der Begeisterung aus. Die Experten Zemp auf 'Bianchi (T.C.S:), der bekannte Ceirano-Fahrer Galley und E. Lanz auf Renault klassieren sich, in der Reihenfolge ihres Startes. Wieder rennt in der nächsthöheren 2000-cem-Klasse ein einziger Amateur: Frl. Haussener auf Mathis, die ein schönes Tempo vorlegt. Der Experte Marti auf Talbot, der beste Kurvenarbeit zeigt, überholt seine Klassenkonkurrentin knapp vor dem Ziel. Er belegt den ersten Platz vor Hirt auf Mathis, der seinerseits eine beachtenswerte Zeit fährt. Nun ändert sich das Bild: Drei Amateure liefern sich •2.C. Stuber vor dem Start, ' dessen vierter Sieg im Juni, die grosse Sensation war. Er gab mit seinem blauen Bugatti dem, Gurnigel einen neuen absoluten Rekord. in der 3000er-Klasse gegenüber nur einem Experten ein forsches Treffen. Moser auf Bugatti zischt mit feuerspeiendem Auspuff in die Kurven und landet eine neue Bestzeit. Studer auf Essex belegt sich einen sichern zweiten Platz, und Frau Moser auf Bugatti, die als KT. 41 nachträglich der Nennliste beigefügt worden ist, zieht tapfer 103. Der Experte Marti auf Whippet beendet, seine Fahrt, wie gesagt, im Alleingang. Itficht -weniger als drei Amateure und sechs Experten unifasst die 5000-' ccm-Klasse. Wegelin überholt als Zweitgestarteter der Amateure Weber auf Nash, der nach, Moser auf Martini, in dessen Limousine sie Kopf an Kopf sitzen. Dritter wird. Mit Spannung hat man dem Starte Waenys auf Chrysler entgegengesehen, der den Tourenwagenrekord des Gurnigels hielt und — nun weiterhalten soll. Denn der Berner schlägt kurzerhand seinen eigenen Rekord. Damit ist er nicht nur Erster seiner Klasse, sondern der beste Mann im Feld der Tourenwagenfahrer. Zweiter wird Giger auf Martini. Die kühle Witterung hat dem sympathischen Fahrer unserer nationalen Marke einen Streich gespielt: Mit dem auf warmes Wetter eingestellten Motor erreichte er beim Training 10' 39". Aber auch so ist seine erzielte Zeit eindrucksvoll. Während auf der Strecke das Rennen in vollem Gange ist, hat sich über unseren Köpfen in heimtückischer Stille eine Wolkenwand zusammengebogen. Plötzlich, bei der Durchfahrt Gigers, fallen dicke Tropfen. Vorerst ist es nur ein Guss, aber der Guss ist ein Vorbote. Stocker auf Lorraine fällt durch die schönen Reprisen seines schnellen Wagens auf. Mit der Uebung des gewiegten Rennfahrers jagt Probst seinen Mathis über -die Strecke. Hinter ihm folgt der Luzerner Willy auf seinem rassigen Ford. Der silberhaarige Martini-Fahrer Monard bildet den Beschluss dieser Klasse, deren Zeiten am besten verraten, vrie erbitten hier der Kampf war. Als' letzter Tourenwagen startet im Alleingang der holländische Student Schölten (Amateur) auf Studebaker und bringt seinen schnellen Wagen erstaunlich leicht über die Strecke. (Es ist das erste Mal, dass die 8000-ccm-Klasse startet.) Mit männlicher Kraft und Geschicklichkeit bezwingt Fiau Betty Fankbauser auf Amilcar die Tücken des Berges. Sie geht mit verblüffender TJnerschrockenheit in die. Kurven und fähTt die beste Damenzeit des Tages. Ihr Start bildet den Auftakt zum Rennen der Sportwagen. In der gleichen Klasse (1100 cem) liegt der Experte Freymand Georg auf Rally, der trotz dem vorgelegten forschen Tempo von Kirchhof er auf seinem flinken Salmson auf den zweiten Platz verwiesen wird. Die Bestzeit der Klasse, die Kirchhofer 1927 aufgestellt hat, bleibt unberührt. (Der Franzose Lepicard auf Donnet startete nicht.) Nyffeler auf Amilcar-Kompressor fährt in der 1500- ccm-Klasse im Sologang bei den Amateuren. Er ist durch eine Carambolage am Training gehandicapt, was ihn nicht hindert, frisch-fröhlich durchzuhalten und unter den obwaltenden Umständen eine schöne Zeit zu buchen. Mit seiner Verve und Sicherheit donnert Experte Scbeibler auf Fiat mit einem waghalsig turnenden Passagier vorbei. Die von Schneider auf Bugatti 1927 aufgestellte Klassen-Bestzeit wird jedoch nicht unterboten. (Der Gurnigel Habitues Schneider war am Training von argem Pech verfolgt. Für die Rennwagen-Kategorie in der 1500-ccm-Klasse eingeschrieben, fuhr er in einer Kurve in die Sandsäcke, wodurch sein Start am Rennen leider verunmöglicht worden ist.) Immer dunklere Töne braut die Wolkenküche. Schon Scheibler erwischte wieder einen kräftigen Guss. Fast scheint es jedoch, al3 ob Petrus Gnade über Ungnade ergehen lassen will. Während des Auftrages der 2000-ccm-Klasse — es sind zwei Amateure und ein Experte, alle drei auf Bugatti — fallen nur spärliche Tropfen. Wie nicht anders zu erwarten, schafft es Strittmatter; er kömmt wie aus dem Rohr geschossen, in neuer Klassen-Bestzeit. Lohner auf Bugatti absolviert, wie seine Zeit verrät, ein ehrenvolles Rennen. Bildstein startet nicht. Als Sologänger beendet Favre auf Alfa- Romeo (Amateur) sein Pensum. Mit höchster Spannung wartet man auf die Fahrt der beiden Experten Kessler auf Alfa-Romeo-Kompressor und Dr. Karrer auf Bugatti. Man weiss, da sind zwei Grosse am Werke. Kesslers Durchfahrt ist imposant. Kaum verhallt sein Motor, klingt aus den untern Kurven das hohe Sirren des Kompressors Karrers. Wie ein Teufel tanzt der leichte Wagen über die Strecke. Eine Erregung geht durch die Zuschauer: Der absolute Rekord des Gurnigels von Delmar auf Steyr mit 9' 15,6" ist gefallen. Zum ersten Mal wurde auf der Gumürelstrecke Klasse Rang Konkurrent Fahrer ^oVe/Club °' S * Stuber die Fahrt auf dem glitschigen Terrain wagen? Durch den klatschenden Regen? Minuten verstreichen. Einmal ist es, als trage der Wind einen Ton herauf. Die Skeptiker lächeln. Da — mit einem Mal — klingt das Surren ganz deutlich, schon ganz nahe. Zweifellos der Bugatti. Man springt in den Regen hinaus, um besser sehen zu können. Eine wilde Musik orgelt aus dem Walde herauf. Ein Brausen erfüllt die Ohren. Mit ungeheurer Wucht kommt der Minoia-Buigatti aus der Kurve. Der Regen prasselt auf seinen Kühler. Steine und Schmutz fliegen in die Felder hinein. Stubers Gesicht ist wie in Erz gegossen. Man ahnt, dass er gerade die Qänge wechselt — man sieht es nicht, es geht zu schnell. Jetzt hört man nur noch den Ton des Kompressors. Es ist wie ein Triumph. Und die Menge unter dem endlos fallenden Nass jubelt vor Begeisterung. Jeder weiss, dass Stuber sein viertes Rennen, das vierte dieses Monats gewonnen hat! Er fuhr die glitschige Strecke im heftigen Regen innerhalb 8' 25". Also lautet der neue Qurnigelrekord und die beste Tageszeit. •Es war ein restloser Erfolg. Die Sanität hat nur ein einziges Mal eingreifen müssen: beim Flicken des Zeitmesserschlauches am Ziel mit einer Rolle Leukoplast. Herrn Oberkursinspektor Oftinger, dem Zentralpräsidenten des A. C.S., Herrn Dufour, dem Präsidenten der Nationalen Sportkommission, Herrn Decrauzat, den Herren Kommissären Chantre, Dr. Schmid und Brieger, den Herren Präsidenten und Vertretern der A. G. S.-Sektionen, Imhoff, Molinari, Müller-Brunner, Breguet und Bartholomäi, den zahlreichen Vertretern der Presse, sowie der ganzen anwesenden Gurnigelgemeinde. Speziellen Dank erstattete er den Fahrerinnen und Fahrern, die keine leichte Aufgabe zu bewältigen hatten, besonders im obern Teile der Strecke, die unter der Härte des Winters stark mitgenommen war; er dankte aber auch den eidgenössischen und kantonalen Behörden, die bereitwilligst die Strecke zu diesem Sportanlass freigegeben hatten. Ein spezielles Dankeswort widmete er der Organisation, welche durch sorgfältige Arbeit das gute Gelingen sicherte, den Polizeiorganen, die mit Pflichttreue und Takt ihrer schweren Aufgabe nachkamen, den Funkern, die tadellose Arbeit verrichteten, und den vielen Gabenspendern, die für einen prächtigen Gabentisch Sorge trugen. In aller Kürze streifte er die heutigen Berner Zustände, indem er den Wunsch ausdrückte, dass noch bestehende sinnlose und veraltete Paragraphen raschestens beseitigt werden sollten. Die Ansprache des verdienten Präsidenten erntete mit Recht starken Beifall. Im Namen des Zentralkomitees des A. G. S. richtet Herr Dufour einige markante, temperamentvolle Worte an die Festversammlung. Sie hat eingeschlagen, diese offene und ungeschminkte Meinungsäusserung des Leiters des schweizerischen Automobilclubs. Der mächtige Beifall bezeugte, dass Herr Dufour allen anwesenden Automobilisten aus dem Herzen gesprochen hat. Der Sprechende entbot den Gruss des Zentral- die Nemuninutenmarke unterboten! Infolge des Regens und der bereits stärk ausgeschlagenen Strasse wird der Mercedes-Kotepies^ der .Sportwagen-Kategorie.. (Photo Carl Jost, Bern.) Dy. Karrer auf Bugatti-Kompressor brach als Er ster Dellmens Rekord von 1927. Er ist Rekordhalter sot BillwillerB nach glänzend verlaufener Fahrt fiä oberen Viertel der Strecke, von der Bahn leicht ab* •Vorstandes, bezeichnete das Rennen als erstklassig, getrieben und kann sich erst nach langen Anstrengungen aus dem nassen Gras herausarbeiten. Gute Reden, schöne Preise rühmte die treffliche Organisation und wand ein spezielles Kränzchen Herrn Thommen als deren Ein erneuter Regenschauer versucht,' die Begeisterung der Massen zu dämpfen. Doch schon steigt . einer in allen Beziehungen klappenden Organisahenden Worten kam auch er auf die gegenwärtigen Dank des flotten Verlaufs des Rennens und Präsidenten. In launigen, aber nicht misszuverste- wieder ein Kompressorgesang aus der Tiefe. Es ist tion konnte das Bankett um eine halbe Stunde Berner Verhältnisse zu sprechen, die nicht nur Rampinelli auf Amilcar, der Erste der Rennwagen früher beginnen. Unter den schmissigen Klängen eine Angelegenheit der Berner, sondern ganz allgemein der Schweizer Automobilisten sind, da im (1100 ccm). Gespenstergleich zieht der weisse Fahler in dem rasendpfeilenden dunklen Renner vor- Es ging wie am Rennen selbst. Tempobedienung Verkehr von West nach Ost niemand eigentlich des Hotelorchesters nahm es den besten Verlauf. über. Kaum erkennt man die Startnummer. Das eines vorzüglichen Menüs und wenige, aber desto den Kanton Bern umfahren kann. Das vor 10 Jahren betreffend Verbesserung und Instandsetzung der Resultat: Der 1927 ebenfalls von einem Amilcar erreichte Rekord ist um 1% Minuten gedrückt! Ende gut, alles gut, mit diesem Eindruck zerstreute Strassen abgegebene Versprechen ist in anzuer- träfere Ansprachen. So konnte es nicht fehlen. kennender Weise eingelöst worden. Der Kanton Nun aber kommt es massiv. Vorerst einmal vom Himmel herunter. Ein rauschender in alle Windrosen. sich die grosse Autlergemeinde kurz vor 16 Uhr Bern verfügt heute über ein vorbildliches Strassennetz. Was aber den Automobilisten heute noch Platzregen segnet die Sportbegeisterung. Im Namen der Sektion des A. C. S. Bern begrüsste Herr Dr. Mende die zahlreich anwesenden nicht befriedigen kann, das sind die schwarz-grünen Kontrollen, die immer noch in versteckter Aber niemand weicht. Unter Bäumen eng Gäste in einer kurzen, prägnanten und würzigen gekauert, notdürftig Schutz suchend, stehen Weise ausgeübt werden. Was in anderen Kantonen Ansprache. Er entbot den Gruss der Vertretung der möglich, sollte auch auf Bernerbiet mit Erfolg wir und warten. kantonalen Baudirektion, den Herren Kantonsoberingenieur Trechsel, Kreisingenieur Goldschmid und durchzuführen sein. Der Automobilist will sich keineswegs einer Kontrolle entziehen, verlangt jedoch WJrd er fahren? Direktionssekretär Dr. Schorer, der Vertretung der wie jeder andere Strassenbenützer eine den heutigen Auffassungen entsprechende Behandlung. kantonalen Polizeidirektion, den Herren Direktionssekretär Raaflaub und Hauptmann Bohren, dem Das Wetter ist trostlos, die Piste von klei- Mit der rigorosen Bestrafung von Fahrern, die nen Wasserbachen überschwemmt. Wird Vertreter der eidgenössischen Oberpostdirektion, Die Resultate des Gurnigel (30. Juni 1929) Marke j | Vit. Bohrnn 5 Hub Z JJ||Jf Zelten Bemerkungen Tonrenwagen: ~~"""""~"~ ——————— — i -^—.— _-——^——^——^——____^____ 750—1100 ccm 1. J. Widler J. Widler A St. Gall.-App. Amilcar 4 58 95 1100 14.50,4 Rekord geschlagen. 2. P. Ernens P. Ernens A Genf Renault 4 58 90 951 19.07,6 1100—1500 ccm Solo A. Keller A. Keller A Zürich Alfa Romeo 6 62 82 1487 10.52,2 Beste Tourenwagenzeit der Amateure und Rekord 1. F. Zemp F. Zemp E T. C. S. Bianchi 4 64 100 1285 16.14,2 geschlagen. 2. J. Galley J. Galley E Seeland Ceirano 4 65 100 1460 18.11,8 3. E. Lanz E. Lanz E — Renault 6 58 93 1476 19.21,4 1500—2000 ccm Solo Haussener Frl. Haussener A Bern Mathis 6 65 100 1998 16.50,4 1. A. Marti A. Marti E Bern Talbot 4 69,5 110 1650 12.36,0 2. E. Hirt E. Hirt E Waadt Mathis 6 65 100 1990 13.38,4 2000—3000 ccm 1. H. Moser H. Moser A Bern Bugatti 8 69 100 2990 10.50,8 Rekord geschlagen. 2. C. Schlotterbeck J. Studer A Bern Essex 6 69,85 114,3 2637 12.51,8 3. Frau Moser A Bern Bugatti 8 69 100 2990 16.50,0 Solo A. Marti A. Marti E Bern Whippet 4 79 111 2175 13.19,0 3000—5000 cem 1.. P. Wegelin P. Wegelin A Zürich Chrysler 6 6 82,5 127 4100 11.27,2 Neue Bestzeit dieser Klasse. 2. G. Moser G. Moser A Freiburg Martini 6 88 120 4380 13.17,0 3. R. Weber R. Weber A Bern Nash 6 79,37 101,6 3014 16.25,0 1. W.Lüps J. Waeny E Bern Chrysler 6 6 79 120 3600 10.50,0 Beste Zeit-der Tourenwagen und Rekord geschlawen. 2. O. Giger O. Giger E Zürich Martini 6 88 120 4380 11.01,6 3. W. Stocker W. Stocker E • Zürich Lorräine 6 75 130 3430 11.13.8 4. E. Probst E. Probst E Bern Mathis 6 86 117 4010 11.21,4 5. Th. Willy Th. Willy E Luzern Ford 4 98 107 3120 11.42,6 6. W. Steiger L. Monard E Neuchätel Martini 6 88 120 4380 11.58,6 5000—8000 ccm Solo E. A.H. Schölten E.A.H.Schölten A Kgl. Ned. A.C. Studebaker 8 88 111 5503 11.14,0 Rekord etabliert Sportwagen: 750—1100 ccm Solo E. Fankhauser Frau Betty A Bern Amilcar 4 60 95 1100 13.13,0 1. A. Kirchhofer A. Kirchhofer E Seeland Salmson 4 62 90 1100 10.53,0 2. — Freymond E — Rally 12.22,4 1100—1500 ccm Solo E. Nyffeler E. Nyffeler A Genf Amilcar cp. 6 56 74 1100 11.20,0 Neue Bestzeit dieser Klasse. . Solo A. Scheibler A. Scheibler E Bern Fiat 4 65 110 1460 11.06,0 1500—2000 ccm 1. J. Strittinatter J. Strittmatter E Zug Bugatti & 60 88 1992 9.40,6 Rekord geschlagen. 2. M. Lohner M. Lohner E Zürich Bugatti 8 60 88 1992 9.53,4 2000—3000 ccm Solo M. Favre M. Favre A Mt. NeuohÄt. Alfa Romeo 6 76 110 2995 10.52,0 Beste Sportwg.-Z. d. Amateure u. Bestzeit etabliert. 1. W. Escher Dr. Karrer E Zürich Bugatti cp. 8 60 S8 1992 8.48,6 Beste Zeit der Sportwagen und Rekord geschlagen. 2. J. Kessler J. Kessler E Zürich. Alfa Romeo 6 65 88 1750 9.30,8 Rennwagen: 750—1100 ccm Solo E. Rampinelli E. Rampinelli Schaffhausen Amilcar cp, 6 56 74 1100 9.44,4 Rekord geschlafen. 1500—2000 ccm 1. H. Stuber H. Stuber Bern • Bugatti cp. 8 60 88 1992 8.25,0 Beste Zeit der Rennwagen, beste Zeit des Tages und neuer absoluter Streckenrekord.

tfc 57 — 1929 'AUTOMOBIL-REVUE Strittmatter auf Bugatti, einer der Besten im Rennen der Sportwagen. Die Organisation hat wiederum vorzüglich geklappt. Sie liegt auch von allem Anfang her fast durchwegs in den nämlichen Händen. Freilich hat die Sicherheit, mit der die Kommission, dank ihrer reichen Erfahrung, die Sache jeweilen an die Hand nehmen kann und die fast mathematische Gewissneit des Erfolges zum Teil eine etwas einseitig*? Einstellung ergeben, die sich vereinzelt gegenüber der Presse äusserte. Die Veranstaltung wickelt sich auch deshalb mit einem erfreulich frischen Zug ab, weil durch die offizielle Beteiligung der MUitärpiloten ein soldatischer Schneid in die Sache hineingetragen wird, der von den im allgemeinen nicht minder dienstgewohnten Automobilisten sofort übernommen wird. Zur Preisverteilung im «Gotthard» Tersammelta sich eine fröhliche Gesellschaft, in der die Damenwelt und das grün« Tuch der Uniform in erfreulicher Proportion vertreten war. Herr Kantonsrat Gassmann, der bei jeder Gelegenheit mit der nämlichen Sicherheit das gesellschaftliche Szepter zu übernehmen weiss, begrüsste die Gäste und dankte vor allem den Mitgliedern der Avia für ihre Teilnahme. Er beneidet sie um den kontrollfreien Raum im Aether, nach dem wir erd- und konkordatgebundenen Automobilisten uns vergebens sehnen. Herr Major Rihner nimmt alsdann die Preisverteilung vor, die von regem Beifall und muntern Zwischenrufen begleitet wird. Das glänzende Einvernehmen zwischen Fliegern und Automobilführern findet seinen äusseren Ausdruck durch den von Herrn Major Rihner «kommandierten» «Ganzen», den die Mitglieder der Avia ihren Kollegen vom A.G.S. darbringen, der unter der Leitung von Herrn Töndury von diesen prompt und herzlich erwidert wird. An die Preisverteilung anknüpfend, an welcher die ersten zehn Equipen mit Gaben bedacht wurden, möchten wir die Anregung machen, dass bei kommenden Veranstaltungen vielleicht auch für weitere Mannschaften, welche die Aufgabe innert einer gewissen Zeit noeji zu lösen im Stande sind, zur Aufmunterung und speziell auch zur Anerkennung für die Leistungen der jüngeren Garde unter den Piloten und Beobachtern, irgend ein Memento verabreicht wird. — Bei frohem Tanz und kameradschaftlicher Unterhaltung nahm die dritte Autavia ihren noch ausgiebig gefeierten Schluss. In Würnicht ans Steur gehören, ist jeder anständige Automobilist einverstanden. Ausserordentlich begrüssenswert ist die Schaffung eines Verkehrsamtes, nur sollte diese wichtige Institution nicht nur von Theoretikern, sondern vor allem von Praktikern besetzt werden. Im Namen aller Aceiston, überhaupt aller Schweizer Automobilisten, wünscht Herr Dufour, dass im Kanton Bern baldmöglichst Verhältnisse eintreten mögen, die dem Verkehr und der Industrie zum Gedeihen gereichen. Herr Dufour erhebt sein Glas auf das Wohl der Sektion Bern, der für alle ihre Anstrengungen wohlverdienter Dank gebührt. Die Preisverteilung unter der Leitung und nach kurzer Ansprache des Herrn Thommen nahm ebenfalls Tempo-Verlauf. Mit Dank und Freude nahmen dio Gekrönten des Tages die prächtigen Gaben aus anmutiger Damenhand entgegen. Bereits liegt das Gurnigelrennen hinter uns.. Es gehört der Vergangenheit an. Aber es bleibt in bestem Andenken'. Ohne Unglücksfall hat es sich abgewickelt. Mit dem Erfolg dürfen die Veranstalter, darf wohl auch der Herr Finanzminister Huber zufrieden sein. Seine restlose Hingabe, seine grosse Arbeit haben sich bezahlt gemacht. Viel Volk brachte trotz des zweifelhaften Wetters der sportlichen Veranstaltung grosses Interesse entgegen. Auch es ist auf seine Rechnung gekommen. Das Gurnigelrennen hat sich eingebürgert. Es darf auf wachsende Sympathie zählen. Die Strecke ist eine der längsten, kompliziertesten und interessantesten der Schweiz. Spannende Momente fehlen nicht. Und wenn die Organisation so tadellos funktioniert, wie dieses Jahr — Herrn Thommen sei bei dieser Gelegenheit für seine umsichtige, militärisch präzise Leitung ein spezielles Kränzchen gewunden — wer wollte da nicht auf dem Gurnigel sein, wenn die Motoren ihr Kraftlied singen und die Fahrer in grösster Selbstbeherrschung, technischer Gewandtheit nnd kalten Blutes den Berg bezwingen ? Zum Schlüsse noch ein Dankeswort der Presse, die seit Wochen diesem sportlichen Anlass alles Interesse entgegenbrachte und ihren Teil am guten Gelingen beigesteuert hat. Ein schöner, spannender Tag, ein sportliches Ereignis erster Klasse liegt hinter uns, mit Stolz wird der A. C. S. Bern diesen Tag in seinen Annalen buchen. Und nun lebe das Gurnigelrennen 1931 ! K. Hier Funkstation Gurnigel Zieht man in Erwägung, dass zwischen Start und Ziel volle 9 km Strecke und 770 m Höhendifferenz liegen und dass die Gurnigelstrecke zur Hauptsache im Wald oder doch waldigem Terrain zur Höhe der Wasserscheide am Gantrist führt, so erkennt man. dass auch eine besondere Organisation für den raschen Meldedienst notwendig ist. Vor zwei Jahren benutzte man dazu das Telephon und den Gefechtsdraht. Das Legen des Gefechtsdrahtes erforderte ausser einer sorgfältigen und zeitraubenden Befestigung keinerlei besondere Mühe, dagegen ist zur Vorbereitung viel Zeit notwendig. Mag die Arbeit noch so minutiös ausgeführt sein, so wird erfahrungsgemäss die Leitung doch irgendwo herunterhängen und damit Anlass zu Störungen geben. Wenn man schliesslich noch alle übrigen Schwierigkeiten und Unvollkommenheiten mitein- (Phot. Karl Jost, Bern.) rechnet, so ist der Wunsch der Rennleitung nach einer vollkommeneren Meldeleitung begreiflich. Tatsächlich hat sich nun in der Verwendung von Funkstationen der Funkenpioniere eine neue Möglichkeit geboten. Es eei vorweggenommen: der Funkerdienst hat ausgezeichnet gearbeitet und ist für den Meldedienst bei einem Rennen die gegebene Meldeanlage, die rasch, sicher und zuverlässig arbeitet. Beim Telephon sind die Störungsmöglichkeiten viel grösser, weil eben eine 9 km lange Anlage nicht unter ständiger Kontrolle stehen kann, wie dies bei den Funkerstationen mit ihren Antennen und Apparaten der Fall ist. Die „Funkeranlage am Gurnigel besfland, wie wir in Nr. 54 angekündigt haben, aus vier Stationen, je eine am Start und am Ziel, eine bei der Waldkurvo und noch eine beim Hotel Gurnigel. Jede Station war zum Empfang und zum Senden eingerichtet und besass eine Hochantenne, einen Empfangs- und einen Sendeapparat, kurz, eine Radioanlage für kurze Strecken, wie sie im Buche steht. Telephonleitungen waren trotzdem notwendig, denn die Antennen werden, um einen guten Empfang zu sichern, an exponierten Stellen gebaut. Von diesen Stellen aus zu den eigentlichen Meldesammelpunkten oder Aufgabestellen baute man ganz kurze Leitungen, die aber doppeldrähtig und mit solidem Feldkabel erstellt werden konnten. Zudem war eine Linienkontrolle bei Störungen eine Angelegenheit von wenigen Minuten, denn beim Start wie beim Ziel hatten diese Telephonleitungen nicht einmal hundert Meter Länge, ein Moment, das für Störungsbehebungen sehr in Betracht fällt. Die Apparate wurden von Funkerpionieren der Sektion Bern des Eidg. Militärfunkerverbandes bedient, die unter dem Kommando von Herrn .Hauptmann Hagen standen. Obschon telephonische und telegra.phische Sendung möglich war, wurde nur die telegraphische Sendung benützt, da einerseits diese punkto Schnelligkeit den Bedürfnissen der Rennleitung in jeder Beziehung entsprechen konnte, da ja die Bedienungsmannschaft aus Berufstelegraphisten bestand, und da anderseits der Empfang der Morsezeichen deutlicher ist als der Empfang der gesprochenen Worte. Die telegraphischo Sendung erfordert auch keine Wiederholung der Meldung zur Bestätigung des richtigen Empfangs. Die Benützung der Funierverbindung erstreckte sich auf die Verteilung von Meldungen allgemein organisatorischer Natur an die verschiedenen Stationen, dann auf die Start- (auf Welle a) und Durchfahrtsmeldungen (auf Welle b), ferner für den Polizeidienst und endlich Meldungen für den Sanitätsdienst (beide auf Welle b). Der Empfang und das Senden wickelten sich ungefähr im ruhigen Schreibtempo für Kurrentschrift ab, ein flottes Tempo, wenn man bedenkt, dass ein Buchstabe aus 1—6 Morsezeichen bestehen kann. Die Funkeranlage besitzt ausser den technischen Vorteilen noch einen ganz allgemeinen Vorteil: Oefters wird bei Veranstaltungen das Telephon als Spucknapf der Schwatzhaftigkeit behandelt, was stets von Nachteil ist. Entweder ist das Rennen bis ins Detail vorbereitet, dann wird die Sache so ablaufen, wie wir es am Gurnigel sehen konnten, oder dann ist es ungenügend vorbereitet, dann wird auch ein Erguss organisatorischer «Nachläufer» und cBlindgänger» die Situation nicht mehr verbessern. Interessant ist nun, zu beobachten, dass die Radioanlage bedeutend mehr Zurückhaltung auferlegt, was wohl einerseits darin liegt, dass sie komplizierter ist als eine Telephonanlago, die jedermann zu verstehen glaubt, und dass anderseits die Uebertragung durch Radio mehr als die Telephonübertragung dazu zwingt, die Meldungen in knapper militärischer Form abzugeben, eine Sache, die offenbar nicht jedermann passt und nicht jedermann kann. Der Funkerdienst am Gurnigel hat eich, nach allgemeinen Gesichtspunkten betrachtet, durchaus Am vergangenen Samstag vereinigten sich Militärpiloten und Automobilisten erneut zu dem kombinierten Luft- und Landturnier, das seit seiner Einführung sich stets des nämlichen grossen Interesses erfreute. Die gemeinsam von der Sektion Zürich des A.C.S. und der Ortsgruppe Zürich der Avia organisierte Veranstaltung ist dio dritte ihres Zeichens und kam bei selten schönem Sommerwetter zum Austrag. Nachdem die letztjährige Aufgabe zufolge ihres allzu weit gezogenen Rayons nur von einer kleinen Equipenzahl gelöst zu werden vermochte, entschlossen sich die Organisatoren, den Kreis der Operationsbasis etwas enger zu ziehen. Es war von den Flugzeugen ein Raum von rund 30 auf 40 km, der südlich durch das rechte Ufer der Zürichsees, westlich durch die Linie Zürich—Rümlang-Tössmundunjj in den Rhein, den Fluss hinauf bis zur Einmündung der Thur, dann im Norden durch den Thurlauf bis Frauenfeld und endlich östlich durch die Linie Frauenfeld—Wil—Wattwil—Uznach begrenzt ist, abzusuchen. In diesem Rayon war irgendwo auf grüner Halde das weisse Kreuz des Kommandopostens ausgebreitet, das vom Piloten gemeinsam mit seinem Beobachter auf ihrem Erkundigungsflug zu erspähen war und wohin der jede Equipe vervollständigende Verbindungsmann mit Hilfe des zugeteilten Automobilisten die Meldung zu bringen hatte. Zwanzig, Equipen — das vorgesehene Maximum — hatten sich zu diesem interessanten Wettbewerb mit militärischem Einschlag angemeldet. Zu ihnen gesellte sich noch eine Mannschaft vom Flugsportclub Zürich, bestehend aus den Herren Fidler als Pilot und Tschudy als Beobachter, die hors concours beteiligt •waren und die Aufgabe übrigens ebenfalls lösten. Von den regulär gemeldeten Mannschaften erreichten 18 bis abends halb 6 Uhr, in •welchem Zeitpunkte der Kommandoposten aufgehoben wurde, das Ziel. Bei der Autavia spielen mancherlei Faktoren, wie Tüchtigkeit eines jeden in seinem ihm zugeteilten Ressort, sorgfältige Vorbereitung der Landungsplätze unter Berücksichtigung der Zufahrten für das Automobil, glückliche Kombination der Abmachungen zwischen Flugzeug und Autofahrer betreffend Treffpunkten. Landungen, Meldungsabwurf etc., mit, aber ob allem steht doch die Laune der neckischen Fortuna, welche die schönsten Voraussetzungen und Vorberatungen mit einem Zug über den Haufen wirft. Wie sehr bei diesem Glücksspiel die Treffer durcheinandergewürfelt werden, geht schon daraus hervor, dass bis jetzt noch nie eine Auto- oder Flugequipe den in einem Vorjahre erreichten ersten Rang beizubehalten vermochte und Sieger und Nichtplacierte in tollem Kunterbunt jedes Jahr wechseln. Das Erfreuliche aber ist, dass sich keiner dieses wechselvolle Schicksal verdriessen lässt und alle mit hoher Befriedigung und dem bestimmten Wunsche, das nächste Mal wieder dabei zu sein, die Veranstaltung quittieren. Darob seien aber keineswegs die flotten Leistungen zn Luft und Land vergessen, welche auch dieses Jahr der Autavia ihren besonderen Reiz verliehen. Kaum dass die auf 2 Uhr mittags angesagte •Befehlsausgäbc in Dübendorf beendet und der Start freigegeben worden war, vernahm man am Kommandoposten, der sich an einer Halde, Büchel genannt, bei Punkt 755. nordwestlich der Strasse Burg—Goldingen, eingenistet hatte, schon das her- Rampinelli auf Amilcar-Kompressor, ein Habitue unserer Bergrennen, fuhr eine prächtige Zeit. (Phot. Karl Jost, Bern.) bewährt. Die Funkerpioniere haben bewiesen, annahende Summen munterer Fiugzeugmotore. dass eine Funkeranlage für eine Veranstaltung vom Kurz nach halb 3 Uhr kreiste schon der erste Pilot Ausmass des Gurnigelrennens die gegebene Meldeanlage ist. Ohne Zweifel haben die Funker mehr und seinem Autofahrer Meldung zu machen. Iu über dem weissen Kreuz, um flugs abzuschwirren Interesse an dieser praktischen Uebung gezeigt als an irgend einer fiktiven Uebung mit erfundenen Meldungen. La. Autavia Zürich 1929. der erstaunlich kurzen Zeit von 1 Stunde 8 Minuten, nachdem der Start freigegeben worden war, überbrachte schon der Verbindungsmann der Equipe Nr. 11 die Meldung. In Abständen, die nur nach Sekunden und knappen Minuten zählen, folgten sich alsdann gleich etwa vier oder fünf Automobilisten. An Zwischenfällen aller Art, welche die Resultate zu beeinflussen vermochten, hat es natürlich auch nicht gefehlt. Der eine Verbindungsmann liess ia der Hitze des Gefechts die Meldung im Auto liegen und musste auf dem halben Weg zum Kommandoposten wieder zurücklaufen. Andere wurden durch weitausladende Heufuder an der raschen Durchfahrt gehindert, wieder andere Verbindungsleute hatten den Vorzug, von der nördlichen Seite her auf den Posten zu bergwärts laufen zu können, währenddem die übrigen, die sich von der Südseite heranpirschten, sich fast.Lunge und Herz auspumpen müssten, um den verhältnismässig steilen Hang emporzuklettern, wobei kostbare Minuten verloren gingen. Start und Landung haben sich bei allen Flugzeugen flott' und störungsfrei vollzogen. Auch bei den konkurrierenden Automobilisten verlief alles glücklich. Einzig auf dem Kommandoposten erlitt leider Herr F Frey, der Präsident der automobilistischen Sportkommission, einen Knöchelbruch, der ihn an der Teilnahme an der Preisverteilung binderte.