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E_1929_Zeitung_Nr.065

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Ausgäbet Deutsche Schwels» BERN, Dienstag 30. Juli 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 65 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und-Freitag •' Monatlieh „Galka I W Halbjihrllch Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. - Im Ausland unt«r Portoraiscbla«, ADMINISTRATION: Breitenrainrtrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag fttr postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnunst 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 ,. ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Zum Autocar-Konflikt mit Frankreich. wie wir bereits in Nr. 63 der « A. R. » mitteilten, ist man in Genf je länger je mehr unzufrieden über die Verschleppung der Autocar-Angelegenheit, die nach den Erklärungen unseres Bundesrates einzig der französischen Regierung zuzuschreiben ist. Nachdem kürzlich der Genfer Staatsrat eine Eingabe an den Bundesrat richtete, hat der Bundesrat dem Genfer Staatsrat eine ausführliche Antwort zugehen lassen, worin er seinen Standpunkt in der bewussten Angelegenheit darlegt. Trotzdem das Schreiben aus verständlichen Gründen nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt ist, kann angenommen werden, dass der Bundesrat auf der Anwendung der schweizerischen Sperre beharrt, da eine Reihe von Eingaben des schweizerischen Gesandten in Paris an die französische Regierung bisher leider keinen Erfolg hatten. Der Bundesrat hat nun laut einer Erklärung von Bundesrat Motta dem schweizerischen Gesandten in Paris neue Instruktionen zu neuen Verhandlungen erteilt. Auf ein Ansuchen vom Genfer Staatsratpräsident Boissonas hin hat Bundesrat Motta eine Delegation aus Genf empfangen, die sich aus Vertretern des Touring-Clubs, des A. C. S., des Verbandes der Detailhändler and des Verkehrsvereins Genf zusammensetzte. Staatsratpräsident Boissonas war Führer dieser Delegation. Trotzdem die Zustände an 4 er Genfer Grenze unten von Tag zu Tag unhaltbarer werden, gilt es nun, wie wir bereits betonten, fest zu bleiben und diesmal den Rücken nicht zu krümmen. Denn französische Interessenten leiden unter der Sperre ebenso stark, wenn nicht stärker als wir. Ein Lichtblick. Die französische Regierung hat dem Bundesrat durch Vermittlung des schweizerischen Gesandten in Paris eine Note zugehen lassen, in welcher zur Regelung des Automobilverkehrs gewisse Vorschläge unterbreitet werden. Nach der « Tribüne de Geneve » gehen diese Vorschläge dahin, dass das- gegenwärtige Regime zwischen den beiden Ländern während der Touristensaison ausser Kraft gesetzt werden soll, indem die Eidgenossenschaft auf die Durchführung der Konzession B verzichtet und anderseits die französische Regierung die Einschränkungsmassnahmen fallen lässt. Inzwischen sollen die beiden Regierungen verhandeln, um ein normales System des Verkehrs der Touristenwagen zwischen den zwei Staaten zu schaffen. Diese Massnahme würde sich nur auf Tou- Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. WiUiam». Copyright 1925 by Georr Mülltr V«rlt* A.-G., München. (27. Fortsetzung) Ein flackernder Lichtstrahl drang durch die Hecke. Das Geräusch von Fusstritten und Stimmen auf der Strasse wurde hörbar. Gleich darauf erschienen zwei Männer am Ende des Feldes und rannten mit geschwungenen Laternen herbei. Ihre Kleidung war unvollständig, und offenbar waren sie beim Lärm des Unfalls eben aus den Betten gesprungen. «Weg mit der Laterne!» schrie Manderton. *Es ist ja alles voll von Benzin. Und dann kommt her und helft mir, den Wagen aufzuheben.. Er liegt dem Mann ja auf der Brust.> Er zeigte den Leuten, wie sie's machen sollten und beugte sich selbst herab, um die regungslose Gestalt herauszuziehen. Dann ein gleichzeitiges «auf!» der beiden Männer, der Wagen hob sich ein Stück, und Manderton, der auf dem Boden kniete, hatte den Verunglückten in den Armen. Boulot wunderte sich, mit welch fast zärtlicher Sorgfalt der plumpe Mensch mit ihm umzugehen verstand. Zum 1.August! Das Lied des Motors ist verklungen. In zäher Arbeit hat das Auto mit seinen Insassen die Höhe erklommen. 1. August! Der Tag des Vaterlandes und stiller Einkehr. Zahllose Flammen recken sich mm sternenbesäten Himmelsdame. Es sind die Höhenfeüer, die heute wieder dem Lande und seinem Erschaffer die Ehre geben wollen. Der Autler mit seiner Familie ist in Nachdenken versunken. Er sinnt über Ereignisse nach, die sich in den letzten Jahren in seinem Lande abgespielt haben. Sie sind nicht alle erfreulich und nicht alle erhebend. Wüstes Parteigezänk drohte immer wieder, die Einheit des Volkes zu zerreissen. Ja, vor zehn Jahren sogar versuchte man, die Brandfackel ans Haus zu legen. Und heute noch gibt es leider Tausende und Tausende von Schweizerbürgern, die an unserem nationalen Feiertage teilnahmslos vorbeigehen. Eine Institution ist uns glücklicherweise geblieben, die alle Schweizer ins gleiche Glied zu stellen vermag. Es ist unsere Armee, die granitene Säule, auf der unser ganzes Staatswesen fusst und auf der alle jene Taten eingemeisselt sind, welche zur Bildung unserer schweizerischen Demokratie beigetragen haben. Heute soll für die bedürftigen Angehörigen dieser Armee, für unsere bedürftigen Schweizer Soldaten, ihre Familien, den Witwen und Waisen gesamhielt werden. Hoffentlich öffnet das Schweizervolk dafür seine Hand und spendet in reichlichem Masse. '•' Am 1. August 1914 war es. Die damaligen; Staatsmänner hatten den gordischen Knoten nicht zu lösen vermocht. Mit dem Sehweite hatten sie ihn durchhauen.' Und nun loderte der Brand. Er drohte auf unser Land hinüberzugreifen. Unsere oberste Behörde rief zur Waffe. Hundert Bataülonsfahnen wurden entrollt. Zehntaasende von Soldatenhänden leisteten dieser Fahne den Treueschwur. Vier lange Jahre tobte das Völkermorden — die Schweizerfahne blieb unversehrt. risten-Autocars beziehen, nicht aber auf die beim Grenzübertritt, nach Frankreich für Touristenautomobile und Motorfahrzeuge erhobene Eingangsgebühr, bei der es sich übrigens nicht um einen Zoll handelt und, für welche französischerseits gewisse Erleichterungen ins Auge gefasst werden. Abgewiesen. Wie zu erwarten war, hat der Bundesrat die Begehren der Genfer Regierung in der Autocar-Angelegenheit abschlägig beschieden. Als wäre er eine Mutter, die ihr Kind betreute. Der Fremde schien bewusstlos. Von Zeit zu Zeit stöhnte er, uncftrjedesmal erschien eine blutige Blase vor seinem Mund. Sein Atem kam pfeifend aus der Brust, und seine Augenlider zuckten. Manderton winkte einen der beiden Männer heran. «Wohnen Sie hier in der Nähe?» fragte er. «Wir müssen ihn irgendwohin bringen, wo er bequem ruhen kann, bis der Arzt kommt. Lang wird's mit ihm nicht dauern.» «Unsere Farm ist gleich über der Strasse drüben,» antwortete der andere. «Das wird das beste für ihn sein. Und dann laufen wir gleich nach dem Doktor im nächsten Dorf.» «Mein Freund bringt Sie im Auto hin und kommt mit dem Arzt zurück.» Der Inspektor warf Cranmore einen fragenden Blick zu. «Natürlich!» murmelte derselbe versonnen und wandte langsam seine Augen von dem grauen, verzerrten Gesicht des Verunglückten. Der eine der beiden Farmer hatte mittlerweile ein paar Bretter hergeschleppt, während der andere mit Cranmore zur Strasse hinabeilte. Vorsichtig hoben sie den Fremden auf die improvisierte Bahre. Die Bewegung schien ihn wieder zu sich zu bringen. Die Jahre sind dahingegangen; durch schwere wirtschaftliche und politische Kämpfe hat sich das Land durchgerungen. Am 1. August 1929 hissen tapfere Schweizerbuben neuerdings das weisse Kreuz im roten Feld. Das weisse Kreuz, das Zeichen der Völkerversöhnung, des Friedens und der christlichen Liebe. Das Rot, das Zeichen unseres Blutes, mit dem wir die Ideale der Menschheit zu verteidigen gewillt sind, zugleich aber auch all unser heimatliches Fühlen und Denken und das Erbe unserer Väter, das sie in dieses weisse Kreuz gelegt haben, verteidigen wollen. Das weisse Kreuz dm roten Feld, beides zusammen das Wahrzeichen unseres demokratischen Staates, als eines kleinen Völkerbundes, der allen andern Völkern zum Vorbilde dienen kann. Die Männer vom Jahre 1291 haben uns das Vorbild gegeben. Sie sind zusammengestanden zum Schütze der Schwachen, der Hilflosen, zur Wahrung persönlicher Rechte und Freiheiten und haben einander Hilfe versprochen zu Zeiten von Not und Gefahr. Gemäss diesem Bundesschwure ist unsere Armee nie zum Kriegsinstrumente geworden. Sie ist der Ausdruck unseres Volkswillens, auch fürderhin Heimat und Herd zu schützen, unseren Boden nicht zum Kriegsglaäs werden und in unserem.Volke männliche Tugenden nicht aussterben zu lassen. Haben wir letztere viel- ; leicht nicht mehr nötig ? Der 1. August J929 soll kein Tage überbordender Schäume und leerer Worte, sondern ein Tag brüderlicher Solidarität und freudigen Gebens werden. Das Schweizervolk hat einmal Gelegenheit, seinen Soldaten praktisch den Dank für aufopferungsvolle, entbehrungsreiche Dienste auszusprechen. Es möge dies in grosszügiger und selbstloser Weise geschehen. Wir wissen, dass die Schweizer Automobilisten bei dieser nationalen und grossen Tat nicht die letzten sein werden. K. Schadenersatz und Genugtuung bei Autounfällen. (Aus dem Bundesgericht.) Das Bundesgericht hatte kürzlich in letzter Instanz die Folgen eines Autounfalles zu regeln, der sich am 20. März 1928 auf der Strasse Miecourt-Pruntrut zugetragen hatte. Einige Knaben spielten- auf der Strasse mit Marmeln, als sich ein Automobil mit etwa 40 km Geschwindigkeit näherte; der Wagen war von einer dortigen Aktiengesellschaft «Wenn ich die Strasse gekannt hätte!» flüsterte er. «Guter Gott—dass das nun das Ende sein soll...!» Durch ein Gatter in der Eibenhecke trugen sie ihn ins Haus und betteten ihn auf eine Polsterbank im Wohnzimmer. Der Farmer ging in die Küche, um Wasser zu wärmen. Manderton und Boulot zogen sich Stühle herbei und setzten sich neben dem Lager nieder. So warteten sie schweigend auf die Ankunft des Arztes. Nichts war zu hören als das angestrengte Atmen des Sterbenden, das Ticken der Uhr und hin und wieder der Klang eines Schrittes aus dem anstossenden Zimmer. Dann sah Boulot plötzlich, dass Ramon die Augen öffnete und sie beide anblickte. Auf seinem Gesicht erschien ein geisterhaftes Lächeln. «Da seid ihr ja!» Es kam kaum hörbar aus seinem Mund. «Wie das Atmen wehtut! Hat keiner von euch, ein bisschen Morphium—?» Er brach keuchend ab; der Schweiss stand in kleinen Tropfen auf seiner Stirn. «Der Arzt muss jeden Augenblick kommen!» sagte Manderton. Der Verwundet© nickte. «Vielleicht kann er mir was geben, dass ich ohne Schmerzen reden kann. Dann werden Sie was erleben! Nicht wahr, Boulot?» :«Sie kennen meinen Namen, Flagg?» INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeit oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts ' ' GrSssere Inserate nach SaitentärU. Inuratensebhiss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern einem ihrer Verwaltungsräte samt dem als zuverlässig bekannten Chauffeur zur Verfügung gestellt worden. Der Chauffeur gab rechtzeitig ein Hornsignal und fuhr in unvermindertem Tempo weiter. Die Knaben zogen sich auf das Strassenbord zurück mit Ausnahme eines einzigen, den sie durch Zuruf auf das Auto aufmerksam machten. Dieser warf jedoch mit dem Ausruf « Tut nichts » seinen Marmel wieder auf die Strasse und rannte ihm nach, als der Wagen bis auf 15 m herangefahren war. Der Chauffeur konnte das Auto erst auf etwa 20 m zum Stehen bringen und der unvorsichtige Knabe wurde vom Wagen erfasst, einige Meter weit geschleppt und tödlich verletzt. Sein Vater klagte gegen den Chauffeur und seinen Passagier und der, bernische Appellationshof nahm ein Verschulden beider an, wenn auch der Mutwille des getöteten Knaben eine der Unfallursachen gewesen sei. Der Chauffeur — führte das kantonale Gericht aus — hätte die Geschwindigkeit des Wagens verlangsamen sollen, al9 er die spielenden Knaben vor sich sah, und der Umstand, dass er'nicht rechtzeitig abstoppen konnte, beweist, dass er seinen Wagen nicht hinlänglich beherrschte. Der Fahrgast haftet gemäss Art. 55 des Obligationenrechts als Geschäftsherr für den Schaden, den der Angestellte in Ausübung seiner dienstlichen Verrichtungen verursacht hat, sofern er nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt angewendet hat. Diesen Nachweis kann er hier nicht leisten, da. er unterlassen hat, dem Chauffeur rechtzeitig Weisung zu langsamerer Fahrt zu erteilen;"freilich Handle es sich um ein leichtes Verschulden, weil er den Chauffeur als zuverlässig- kannte. Bei der Berechnung des zu leistenden Schadenersatzes stellte der Appellationshof auf den Verdienst des Vaters ab, der als Arbeiter einen Taglahn von 7—8 Franken bezieht und voraussichtlich vom sechzigsten Altersjahr an der Unterstützung des Sohnes bedürftig sein werde; nehme man an, dass der Sohn später denselben Verdienst gehabt hätte, so hätte er den Kläger nacH dem neunzehnten oder zwanzigsten Altersjahr mit rund 10 Fr. monatlich unterstützen können, diese Unterstützungsleistung jedoch von seiner Verheiratung an wieder einstellen müssen. Daraus ergab sich, dass der Verlust des Sohnes für den Vater einen Vermögensschaden von bloss 380 Fr. bedeute. Da ferner zu berücksichtigen sei, dass der Kläger seinen Knaben zu wenig beaufsichtigt und zur Vorsicht angewiesen habee, sprach das kantonale Gericht ihm blöss 350 Fr. Schadenersatz zu, ferner eine Genugtuungssumme von 1000 Franken. Auf die Berufung des Klägers hat das Bundesgericht den zu leistenden Schadenersatz «Freilich. Kenne alle Kanonen...» «Das ist Inspektor Manderton von der englischen Polizei.» Wieder versuchte der Sterbende zu lächeln. «Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen. Aber ich fürchte — es ist zu spät.» Draussen wurde ein Schritt hörbar, die Tür flog zurück, und der Farmer trat mit einem kleinen, dicken Mann ein, der ein« schwarze Tasche in der Hand trug. Jim Cranmore folgte. Sie zogen sich ans Fenster zurück, während der Arzt den Rock auszog, sich die Hände wusch und an die Untersuchung machte. Als er sjch ein wenig später zu den drei Männern gesellte, war seine Miene bekümmert. «Keine Hoffnung,» sagte er. «Die Brust ist gequetscht und die Lunge verletzt. Kaum, dass er die Nacht überleben wird. Ich hab ihm Morphium gegeben, und er wird bis zuletzt nicht viel zu leiden haben. Wenn Sie mit ihm sprechen wollen...» Die drei Männer traten an das Lager. «Flagg,» sagte Manderton freundlich, «wollen Sie uns mitteilen, was Sie über das Ende von Carmen Cranmore wissen?» Langsam schlug Ramon die Augen auf, in denen schon der Tod geschrieben stand. Fortsetzung Biehe Autler-Feierabend.