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E_1929_Zeitung_Nr.068

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Ausgabe: Deutsche Schweiz- BERN, Freitag 9. August 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 68 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. ^ostcheck-Rechnnn«? 111'414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Nochmals Autocar-Konflikt mit Frankreich Gehen wir einer definitiven Lösung entgegen? Wenn die Anzeichen nicht trügen, ja. Es wäre dies erfreulich, denn allzu lange war der Autocarverkehr zwischen der Schweiz und Frankreich unterbunden. Nicht nur haben schweizerische Interessenten darunter gelitten. Vielmehr als die französische Regierung im ersten Augenblick anzunehmen beliebte, traf der Schlag ihre ei genen Landsleute noch viel härter. Und es ist deshalb wohl auf den Druck der eigenen Leute, die sich in ihrem wirtschaftlichen Leben schwer geschädigt sahen, zurückzuführen, wenn sich die französische Regierung Ende Juli endlich herbeiliess, der schweizerischen Regierung eine Note zugehen zu lassen, die die Bereitwilligkeit zu Unterhandlungen zeigte, um für den schweizerischen Automobilismus im «Grenzverkehr» Erleichterungen einzuführen. Im französischen Schreiben soll besonders die Forderung nach Erlass der Zuschlagsgebühr von 25 "Rp. für den Wagenkilometer aufgestellt worden sein. Wie bekannt, trifft diese Gebühr diejenigen Inhaber von Konzession B I und B II, die ihren Gewerbesitz im Ausland haben und Wagen mit ausländischen Polizeischildern verwenden. Da der Bundesratsbeschluss über die « Erteilung von Konzessionen für regelmässige Autofahrten nach Bedarf» (Postkonzession B) in Paragraph 9, Ziffer 1, abweichende zwischenstaatliche Abmachungen vorbehält, quasi also ein Hintertürchen offen Hess, konnte der Bundesrat auf das Verlangen Frankreichs sofort näher eingehen und er hat deshalb bereits am 31. Juli der französischen Regierung durch Herrn Minister Dunand seine Absicht kundgetan, diese 25 Rp. Zuschlagsgebühr fallen zu lassen, unter der Bedingung, dass Frankreich das Versprechen abgebe, in den Hauptverhandlungen über die französischen Tages- und Zollgebühren mit sich reden zu lassen und klippe und klare Auskunft zu erhalten, was Frankreich unter dem Begriff «Grenzverkehr» verstehe. Die Antwort aus Paris kann jeden Tag eintreffen. Lautet sie zustimmend, so dürfte die Grenze sofort geöffnet werden und die Aussicht, raschestens eine der französischschweizerischen Fragen im. gegenseitigen Einverständnis und zu Nutz und Frommen beider Teile lösen zu können, wäre in greifbare Nähe gerückt. Auf alle Fälle wäre dann durch die entschiedene Haltung des Bundesrates allen schweizerischen Automobilisten gedient, da damit die von Frankreich bis heute erhobene Tagesgebühr von 10 Fr. plus 3.60 Fr. Zollgebühr für jeden von der Schweiz nach Frankreich einreisenden Wagen dahinfallen würde. Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Muller Verla« A.-G., München. (30. Fortsetzung) XXIX. Schluss. Georg Cranmore hatte die Herren in Sloane Crescent erwartet und Boulot in die Stadt zum Mittagessen mitgenommen. Sie wollten es vermeiden, bei der Versöhnung zwischen Uim Cranmore und Julian Quayre dabei zu sein. Auf Mandertons Veranlassung war der Maler sofort frei gelassen worden, und der Makler hatte ihn zum Mittagessen eingeladen. Nun sassen Boulot und Georg nach einer schwelgerischen Mahlzeit in dessen Klub .beim schwarzen Kaffee sich gegenüber. Der Franzose hatte auf Bitten Georgs erzählt, wie es ihm gelungen war, die Fäden des dunklen Verbrechens allmählich zu entwirren. Als er geendigt hatte, sah der Rechtsanwalt nachdenklich vor sich hin. Am 10. August Oeffnung der Grenze. Ueber diesen Autocarkonflikt ist nun bereits genug Tinte geflossen. Ganz unnötigerweise glaubten verschiedene Interessenten, dem Bundesrat in den Rücken schiessen zu müssen. Mit Unrecht. Man kann sich zur aufgestellten Postkonzession B verhalten wie man will; sicher ist, dass diese Konzession und ganz besonders die Zuschlagsgebühr von 25 Rp. ihren Ursprung zum Teil gerade in den misslichen Verhältnissen fand, die ganz besonders auf dem Platze Genf durch die Unterbietung französischer Autocars hervorgerufen wurde. Ist es doch vorgekommen, dass in den Jahren 1925 und 1926 während des grossen französischen Valutatiefstandes französische Autocars in Genf die schweizerischen Gesellschaftswagenbesitzer geradezu lebensgefährlich konkurrenzierten. Wir wären im Falle, ganz interessante Musterehen aufzuzählen. Nur soviel sei noch erwähnt : Als die genferischen Autocarbesitzer bei ihrer Regierung kein Gehör fanden, wandten sie sich an den Bund und- erreichten wenigstens von ihm, dass die schweizerischen Zollbehörden bereits im Jahre 1926 den ausländischen Gesellschaftswagen Reisen in die Schweiz verboten. Im Jahre 1927 erliess sodann der Bundesrat die Konzessionsbestimmungen B, die den ausländischen Gesellschaften das unterbietende Handwerk legten u. gegenüber den französischen Gesellschaften um so gerechtfertigter erschienen, als Frank-" reich von seinen Tages- und Zollgebühren nicht lassen wollte. Immerhin wurde noch im Jahre 1928 diese Konzession B loyal gehandhabt, gerade um die Genfer Verhältnisse so weit als möglich zu berücksichtigen. So wissen wir, dass z. B. von den Autocars der P. L. M. keine Zuschlagsgebühren verlangt wurden. Bereits im Frühling 1928 richtete der schweizerische Bundesrat an Frankreich ein Schreiben, das zu Unterhandlungen einlud. Das Schreiben blieb unbeantwortet; dafür schloss Frankreich am 1. Januar 1929 für die schweizerischen Gesellschaftswagen die Grenze und Hess sich erst im März 1929 zu einer Antwort herbei, welche die Behauptung aufstellte, dass die Konzession B eine Verletzung des Niederlassungsvertrages zwischen den beiden Ländern bedeute, eine Behauptung, die vom Bundeshaus aus sofort und mit Leich'tigkeit widerlegt wurde. Die Einsicht, dass sich Frankreich durch sein rigoroses Vorgehen ins eigene Fleisch geschnitten und dass unter diesen Zuständen ganz besonders die Hotellerie Savoyens schwer gelitten hat, dürfte, wie wir eingangs bereits betonten, Frankreich zu seiner letzten Note veranlasst haben. Hoffen wir, dass eine Boulot zuckte die Achseln. «Das Geheimnis des Ateliers vom Brokeplatz ist nun entschleiert. Die Geschichte von Carmen Driscol und Ramon de la Bandera ist einregistriert und liegt neben anderen Akten des grossen Lebensdramas. Und die Welt geht weiter. Während wir hier schwätzen, sind zwei junge Menschen dabei, auf den Trümmern von Carmens Leben einen neuen Bau des Glückes zu "errichten. Ich hätte nicht übel Lust, einmal in Sloane Crescent nachzusehen, was aus der Versöhnung zwischen Ihrem Bruder und dem Maler geworden ist. Was meinen Sie dazu?» «Dass ein Polizist eigentlich mit Sentimentalität nichts zu tun haben sollte!» antwortete Geong lächelnd. «Kellner, die Rechnung, und lassen Sie uns ein Auto holen...» Im Garten hinter Cranmores Haus gingen ein junges Mädchen und ein junger Mann Hand in Hand auf und ab. Eine einsame Gestalt stand am Fenster des Wohnzimmers und betrachtete sie. So fanden Georg und Boulot den Makler, als sie ihn im Haus suchten. Ein grosser Friede war über ihn gekommen. endgültige Einigung bald zustande kommen wird. Am guten Willen schweizerischerseits fehlt es wohl kaum. Die konsequente Haltung des Bundesrates aber dürfte, wie gesagt, dem gesamten schweizerischen Automobilismus zum Nutzen werden. -t. Ein Schritt vorwärts. Obiger Artikel war bereits gesetzt, als wir INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseralcnschinss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern von der Oberpostdirektion die Nachricht erhielten, dass nach Mitteilung der schweizerischen Gesandtschaft in Paris, Frankreich auf den 10. August für die Gesellschaftswagen gegen Triptyk und Grenzpassierschein die Grenze provisorisch zu öffnen gedenke und damit der Zustand wieder hergestellt werde, wie er vor dem 1. Januar bestund. * * * Das Heerlager der Konkurrenten in München. Wagenabnahme und Forfaits. — Der Start. — Die erste Etappe. Die alte Kultur- und Kunststadt München stand in dieser ersten Wochenhälfte ganz im Zeichen der Internationalen Alpenfahrt. Wehende Bänder wiesen den täglich eintreffenden Fahrern den Weg zum Abnahmeplatz. Die Konkurrenten kamen aus Deutschland, der Schweiz, Oesterreich und Italien. Nicht wenige hatten bis zu ihrer Ankunft in München eine weite Reise hinter sich, einige, namentlich die Italiener, bereits eine Alpenfahrt en miniature. Konkurrenten, sportliche Behörden, Presse und Photographen fanden herzlichste Aufnahme. Dienstag mittag empfing Oberbürgermeister Scharnagel Organisatoren und Konkurrenten im Stadthaus. In seinen Ausführungen würdigte er die Bedeutung Münchens als Wächterin des Nordfusses der Alpen — als Ausgangspunkt der Internationalen Alpenfahrt eine bevorzugte Lage. München spielte als Knotenpunkt der grossen Verkehrsader Nord-Süd, Ost-West von je' her eine internationale Rolle. In seiner nationalen Sprache feiert© im Namen der Alpenfahrer der Italiener Mercanti München als Stätte der Kunst und Wissenschaft. Er nannte Letnbach und Richard Wagner. Europa sei auf dem Wege zu Pan- Europa. Dem Automobil komme in der völkereinenden Bewegung eine bedeutende Rolle zu. Die Alpenfahrt, organisiert von vier verschiedenen Ländern, trage ihren Teil bei zur Verwirklichung des hohen Zieles. Ein Frühstück im Preising-Palais, offeriert vom Bayrischen Automobil-Club, vereinigte unter Vorsitz des Prinzen Louis Ferdinand von Bayern, Ehrenpräsident des A. C. von Bayern, und Major Czermack, Präsident des Clubs, Offizielle, Pressevertreter und Markenrepräsentanten. Unter den Geladenen bemerkte man Herrn von Jan, Vertreter des Reiches, die Konsuln der vier beteiligten Länder. Der schweizerische Konsul, zurzeit «Beinahe wie Carmen sieht sie aus,» flüsterte er seinem Bruder zu, «als ich sie zuerst traf. Di© beiden da sollen recht glücklich werden, so glücklich, als Carmen und ich zusammen waren. Vielleicht hat das Schicksal diesen Preis verlangt...» Ein,scharfes Klopfen an der Tür, undManderton stand im Zimmer. «Ich habe ein Wort mit Ihnen zu reden, Boulot,» sagte er ein wenig verlegen, nachdem er die anderen gegrüsst hatte. «Da ist das Geständnis der Frau und die Art, wie Sie ihr auf die Spur gekommen sind. Wenn es zu einer Verhandlung kommen sollte...» «Wieso haben Sie daran einen Zweifel?» «Tuberkulose! Sie ist jetzt im Spital. Sache von ein paar Wochen, behauptet der Doktor. Aber immerhin muss Ihr Zeugnis zu Protokoll genommen werden.» «Mein Zeugnis! Sie sind verrückt, mein Lieber. Ich erscheine gar nicht in dieser Sache. Sie hatten die Verantwortung, Sie sollen auch den Ruhm haben. Ausserdem reise ich morgen früh nach Paris.» «So bald schon!» rief Cranmore bedauernd, der herangetreten war. Gestartet! Internationale Alpenfahrt. München, den 6. August 1929. Sonderberieht der „Automobil-Revue" abwesend von München, war durch seinen Sekretär Schmitz vertreten. Die Glückwünsche des Vertreters der Behörden, von Jan, beantwortete namens der Sportkommissäre Jules Decrauzat, Präsident der Nationalen Sportkommission des A. C. S. Die Bedeutung derA. I. A. C. R. feiernd, hob er sein Glas auf die Alpenfahrt 1929. Die Abnahme der Fahrzeuge, die Montag; morgen begann, fand am Mathias-Pschorr- Ring statt, während die Verwiegung in der Gummireifen-Fabrik Metzler & Co. vor sich ging. Am ersten Tage beschränkte sich die Abnahme auf 32 Wagen. Die Prüfungen wurden dieses Jahr sehr strenge durchgeführt.' Immerhin munkelt man, dass sich auch dieses Jahr,ein oder zwei Wagen gestellt hätten, die einem rassigen Rennwägelchen alle Ehre bereiten würden. Nun, man wird ja sehen ! Ueber die Ausfälle an Nennungen hat man bis zur Stunde noch kein genaues Bild. Sicher ist, dass sich von den insgesamt 95 Wagen : Ford, Lancia, Mercedes, Cadillac, La Salle, Stutz, Nash, Hupmobile, Fiat, Chrysler, Arrol Aster, Chevrolet, Austro- Daimler, Wanderer, Hansa, Simson-Supra, Riley, «Z»-Wagen, Dixi, Hanomag, Bugatti, Essex, Ansaldo, O. M., Alfa Romeo, F.N., Stoewer, Brennabor, Röhr, B.M.W, abgemeldet haben: die fünf «.Z »-Wagen aus den Brünner Waffenwerken. Die Fabrik verzichtete auf den Start, da die neue Type noch nicht fahrbereit ist. Weiter meldeten forfaits: Gilera, Fiat, ebenso die beiden Austro-Daimler-Fahrer Hein und . D eilmann, wovon der eine geschäftlich nach Russland abberufen wurde. In der Mannschaft der Mercedes-Fahrer ist insofern eine Aenderung eingetreten, als das Team «Nürburg» sich nunmehr aus den Fahrern Walb, Merz und Caracciola zusammensetzt. Der Dreieinhalb- «Mit dem ersten Zug. Die nächste Woche soll die Krönung meiner Laufbahn sehen. Ich werde der staunenden Welt die Entdeckung vorführen, der ich die wenigen Mussestunden meines Lebens gewidmet habe. Sie soll Dorothea Boulot kennenlernen...!» «Sie haben mir nie davon gesprochen, dass Sie sich verheiraten wollen.» In den blauen Augen des Franzosen erschien ein belustigtes Lächeln. «Dorothea Boulot ist kein Weib,» sagte er, «sondern eine Rose und der Name meiner verehrten Mutter. Ich hoffe, am nächsten Sonntag in der Blumenausstellung in Melun dafür den ersten Preis zu erhalten. Und dazu muss ich doch anwesend sein. Verstehen Sie?» Mandertons Gesichtszüge verrieten eine gewisse Erleichterung. «Sie bestehen also darauf,» fragte er, «mit diesem Fall nichts zu tun haben zu wollen?» «Absolut! Pflücken Sie die Lorbeeren, alter Freund, und lassen Sie mir meine Rosen!» — ENDE —