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E_1929_Zeitung_Nr.067

E_1929_Zeitung_Nr.067

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag, 6. August 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. — N° 67 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5 , jährlich Fr. 10 Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breiteni-ainstrasse 97, Bern solern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Ranpen. T'ostcheck-Recnnuns 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die zweite Luzerner Schönheitskonkurrenz. Ein Triumph der Technik — Mustergültige Organisation, High iife. Ein Erfolg aus den Lehren von 1928. Ein forscher Schönwetterwind, der die weissen Wolkenballen über den Horizont treibt und die Wellen des Sees kräuselt. Draussen vor dem Hotel «Europe», auf dem Concours-hippique-Platz ist die Vorbeurteilung der unbesetzten Wagen. Auf dem Rasen, über den vor wenigen Wochen die Spitzenreiter europäischer Nationen starteten, (liegen heute die vielpferdigen Renner der Autotechnik. Zahlreiches Publikum, vorwiegend Fachleute, worunter Herr Helmlin, der Präsident des Waldstätter Touring-Clubs, verfolgt die prompte Arbeit der Jury. Wenige Damen beleben die Menge — es ist «erst» 10 Uhr! — aber die wenigen sind mit erlesener Eleganz gekleidet. Eine schlanke Frau mit fallendem Blau vertritt die hohe Mode — Vorahnung des Nachmittags! Gruppenweise rollen die Wagen herein. Die Vorbeurteilung ist eine technische Prüfung der Schönheit, aber hauptsächlich des Komfortes im Wageninnern. Ein erster Rundgang überzeugt schon, dass die aufgefahrenen Konkurrenten ihre Vorgänger des vergangenen Jahres eine Klasse übertreffen. Namentlich das Wagenmaterial ist durchschnittlich noch besser als 1928 und, wie mir schien, Linie und Farbgebung ausgeglichener und harmonischer bis zur Vollendung. Dies gilt, wie gesagt, für den Gesamteindruck. Schon das letzte Jahr waren ja wundervolle Konstruktionen im Wettbewerb. Aber heute! Fast kein Wagen, der nicht in seiner Art ein Bild bietet, das Wünschen keinen Raum mehr offen lässt. Die Jury wird heikle Arbeit haben, denn die Entscheidung liegt im Minimalen. Kurz vor 12 Uhr verlasse ich den Platz, auf dem soeben, im Kreuzfeuer der Photographen, die Limousinen Aufstellung nehmen. Die Stadt ist festlich belebt. In den Gassen herrscht internationalster Autoverkehr. Auffallend viele Rolls Royces. Dabei bringt Zug für Zug Ströme von Reisenden — ein Betrieb wie in den besten Vorkriegsjahren. Wenn man das Kapital addieren könnte, das durch die Fremden in Luzern gegenwärtig vertreten ist! F E U I L L E T O N Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williamn. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München. (29. Fortsetzung) Schweigend winkte Boulot den Kellner heran. «Wer ist die Dame da am Fenster?» fragte er nachlässig. «Ihren Namen weiss ich nicht. Augenscheinlich eine Italienerin. Sie ist erst gestern nacht angekommen und wollte mit-dem Nachtboot nach Havre. Warum sie dann nicht gefahren ist, weiss ich auch nicht.» «Schon gut!» Boulot näherte sich leise dem Tisch, an dem die Fremde sass. Sie war so sehr in ihre eigenen Gedanken vertieft, dass sie ihn nicht bemerkte und er sie ungestört betrachten konnte. Eine zierliche Gestalt, die, wenn auch nicht mehr in der ersten Jugendblüte, doch Spuren früherer Schönheit zeigte. Aus dem blassen, eingefallenen, etwas verlebten Gesicht sahen zwei dunkle Augen hervor, die seltsam mit dem roten Haar kontrastierten. Die Hand, auf der ihr Kopf ruhte, war schlank und wohlgeformt. Beim Klang von Boulots Stimme fuhr sie Luzern, den 3. August 1929. Etwas vor 3 Uhr eröffnet Eschers Bugatti den Corso der besetzten Wagen, die eigentliche Publikumsschau. Der Nationalquai ist dicht gedrängt. Um den grünen Tisch der Jury, auf der breiten Freitreppe des Kursaals, an aalen Baikonen und Fenstern stehen sie Kopf an Kopf. Nach vorsichtiger Schätzung ist die Zuschauermenge mindestens doppelt so gross wie letztes Jahr. Das ist ein ganz grosser Erfolg, der der Popularität der Luzerner Schönheitskonkurrenzen ein sprechendes Zeugnis ausstellt. Die Vorführung wickelt sich pausenlos. jn einem erstaunlichen, Tempo ab. In knappen zwei Stunden sind die 70 Wagen zweimal vorbeidefiliert. Dazu spielt dieses Jahr .eine Musikkapelle. Der Sprengwagen hat,seine Arbeit schon am Vormittag verrichtet,' ein junger Mann öffnet die Türen (man .erinnert sich unseres wohlwollenden Vorschlages!) und ruft die Nummern aus. Das Publikum urteilt mit und spontaner Beifall steigt-aus den Reihen. , \\', • Wohl 30 Prozent werden von Damen vor* geführt. Die Toiletten • ergänzen in;raffinier* tester Weise Schnitt und ;Fartoe- der Karosserie oder brillieren in; bizarren.. Kontrasten. (Leider öffneten die meisten Fahrer* ihr Ver-i deck erst bei der zweiten Durchfahrt!) Die starke Beteiligung der Fremden — ein besonderer ErfoJg der Organisatoren —prägt eine besondere Note. Nach Originalität wird auf der ganzen Linie gesucht. Man sah zwei Damen mit dem Markenzeichen des Wagens als kühner Hutschmuck. Teuerste Rassenhunde und südländische Blüten zierten die Coupefenster. Den unbestreitbarsten Publikumserfolg holte sich hier Zirkusdirektor Knie, aus dessen Fond eine Josephine Baker mit einem drei Monate alten Löwenbaby grinste. Ja, wenn man seine Maskotten aus einer ganzen Manege wählen kann ! Schade, dass die Wageninsassen vor der Jury nicht dem Auto entsteigen mussten, wie dies an grossen Schönheitsturnieren des Auslandes zu geschehen pflegt. Die Toiletten würden eine besondere Anziehungskraft bilden (ganz abgesehen von den Trägerinnen . . .). Für Modehäuser aussichtsreiche Perspektiven! zusammen, und eine flammende Röte stieg in ihr Gesicht. «Ich glaube, Madame hat das verloren...,» sagte er liebenswürig und reichte ihr das kleine, emaillierte Amulett, auf dem ein menschliches Auge dargestellt war. «Oh, mein Amulett!» rief sie, nahm sich aber schnell zusammen, während die Farbe langsam aus ihren Waagen wich. «Ich habe wohl die Ehre, mit Madame de la Bandera zu sprechen?» «Nein, Sie irren sich,» antwortete sie schnell. «Das ist nicht mein Name.» «Ich muss Ihnen mitteilen, dass Ihr Gatte tot ist!» Sie starrte ihn mit weitgeöffneten, entsetzten Augen an und versuchte zu sprechen, aber kein Laut kam über ihre Lippen. Einen Augenblick dachte Boulot, sie würde ohnmächtig werden. Er sah, wie sich ihre Nägel in die Handfläche bohrten. «Tot!» wiederholte sie. «Tot! Und ich...?» «Wäre es nicht am besten, Madame, Sie würden mir die ganze Wahrheit sagen?» «Wie...,» begann sie mit zitternder Stimme, «wie ist das geschehen?» Ihre Stimme war leise und leblos. «Er wurde schwer verletzt bei einem Autounfall letzte Nacht, als er seiner Verhaftung wegen des Mordes an Mrs. Cranmore zu entfliehen versuchte. Um vier Uhr ist er gestorben. Nachstehend gebe ich eine gedrungene Skizierung der Wagen, Sie soll nicht werten, sondern lediglich einen Eindruck verschaffen. Wenn ich dabei den einen oder anderen Wagen gar nicht nenne oder nur flüchtig erwähne, so ist dies, wie ich vorausgeschickt habe, durchaus bedeutungslos, da nicht ein einziger der Konkurrenten nicht in seiner Art einen vollkommenen Inbegriff von Schönheit, Eleganz und Güte des Chassis und der Karosserie gegeben hätte. Unschöne Wagen bleiben, überflüssig es zu sagen, Schönheitswettbewerben fern. Das Urteil der Jury, zu der wir uns eine Aeusserung vorbehalten, folgt gesondert. Das Defilee der Konkurrenten. Als Erster hält vor der Jury der Zürcher Rennfahrer Esoher auf einem ockergelben Bugatti, Bijou eines Sportwagens. Nach dem silbernen, viersitzigen Hispano-Suiza Laubes — im Berner Stadtbild kein Unbekannter — mit einer Dame mit blau abgestimmtem Cape (und blauen Augen?) erscheint der von zarter Damenhand sicher gezügelte Lorraine- Innenlenker von Walter Stocker, Zürich, Karosserie Grümmer — ein imposanter Sportwagen. «Viel Farben, viel Aufsehen» scheint sich bei den offenen Tourenwagen der Fiat Zimmermanns, Karosserie Cbiattone zur Devise gewählt zu haben, was auch auf die Insassen zutrifft. Der Isotta-Fraschini des Barons S. A. von Lemheny. Zürich, ist ein dunkelgrüner Aristokrat. Den hohen Stand des schweizerischen Fahrzeuges repräsentiert der prächtige Martini in schnittiger Gelbbraun-Tönung der Martini A.-G., Vertretung Luzern, Karosserie Reinbolt & Christe, Basel — ein der internationalen Konkurrenz würdiger Wagen. Orell Füsslihof A.-G., Zürich, zeigt einen äusserst harmonisch gebauten Lincoln mit Serienkarosserie. Die lebhaft Boulot Hess kein Auge von dem blassen Gesicht. Sie machte eine stolze Kopfbewegung, ihr Blick wurde kalt und hart, und um ihren Mund erschien ein herausfordernder Zug. «Ich habe die Signora erstochen!» sagte sie endlich. «Ich bin Lucia de la Bandera!» In einer trostlosen Polizeistation erzählte sie die Geschichte des Verbrechens. Sie hatte bitterlich geweint, während die Formalitäten der Verhaftung vor sich gingen, und ihr Gesicht trug eine tragische Maske, als sie jetzt mit bald trotzigen, bald verzweifelten Augen die Vier Männer musterte — Manderton, Boulot, Cranmore und einen Aufseher — die ihr an dem tintenbespritzten Tisch gegenüberstanden. Mit nervösen Bewegungen und bebender Stimme sprach sie, und nach und nach hob sich der Vorhang, der Carmen Cranmores Tod bisher verschleiert hatte. «Für ihn war das Messer bestimmt, die Canaille!» rief sie und machte mit der Faust eine drohende Gebärde, «aber wenn ein Weib liebt — und Gott weiss, wie ich ihn geliebt habe — ist sie blind und närrisch. Ehe ich ihn traf, war ich glücklich. Er riss mich von meinem Mann weg. In Rom war's, wo ich am Costanzi Theater sang. Bei einem Fest im Grand Hotel sah ich ihn zuerst. Er war jung, schön, elegant und lebte wie ein Prinz. Und italienisch sprach er wie ein Italiener. Keine Frau konnte Ramon widerste- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland 60 Gts Grössere Inserate nach Seitentarit. Inserafenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern farbige Note ist heutzutage beinahe das Charaktere stikum der Roadsters: der Dodge-Brothers (Serienkarosserie) von S. A. Frazar A.-G., Zürich, hat daa vorherrschende Schwarz pikant mit einer grünen Band- und Radfarbe belebt. Das Muster eines mo-. dernen farbigen Wagens ist der Studebaker von Ulrich, Luzern. Tönung von Braun bis Orange. Der Lancia von Navone in der nun folgenden Gruppe der schliessbaren Wagen ist ein Edelprodukt der italienischen Marke. Ganz Amerikaner in Linie und dunkler Farbe ist der Stutz von Baron Dr. von Mosch, Zug (Karosserie Waggonfabrik Schlieren)* Vom jungen, vielversprechenden Karossier Graber, Wichtrach, ist der Bianchi von Napravonik, Bern. Als Privatfahrzeuge mit Serienkarosserien sind in. dieser Gruppe zu nennen, ein Cadillac von grosser, Vornehmheit des Major Max Schuler, Kreuzungen, ein aschgrauer Röhr in charakteristisch deutscher Bauart von Baumann, Amriswil, und schliesslich ein roter Auburn in typischer Ausführung von Godeffroy, Montana. Der Brennabor der Automobilverkauf A. G. Zürich, glänzt in einem gedämpften Graugrün. Neben dem Fahrer des Nash, unseres Meisterschützen Lienhard (Kriens) sitzt ein Girl, mit hawajischem Haarwuschel. Es folgen ein sechsplätziges Packard-Faux-Cabriolet, der Wagen eines reichen Amerikaners, der Luzern in seine Ferienreise einbezogen hat; ein blauer Talbot, mit französischer Eleganz karossiert, von Dr. S. A. Campiche, Zürich; ein Minerva-Transformable (Karosserie Gangloff, Zürich), von Frau Bloch-Nor.lschild, Zürich, hochfeudal; ein schwarzsilbriges Talbot-Cabriolet sehr schnittig, von Hofmannr- Bally, Zürich; ein ockergelber Mercedes mit der charakteristischen, langgestreckten Motorhaube, von Gütermann. Gutach; ein zweiter Mercedes-Benz von Dr. Gradenwitz, Luzern, dem ersten in seiner Art nicht nachstehend und schliesslich ein drittes Mercedes-Benz-Cabriolet von Wessels, Bremen, ein grünblauer Paradewagen mit allen Vorzügen der deutschen Marke; ein Lincoln von Ba» ron F. de Parisi, Triest, ein Allwetter, in dessen Fond drei Damen eine fahrbare Schönheitsgalerie installiert haben, Super-Amerikaner; ein Minerva, graue Tönung, Allwetter von Salmanowitz, Versoix und schliesslich ein dritter Allwetter, ein Martini von E. Bühler & Co., Lutzenberg, ein Meisterwerk, aus der st. gallischen Werkstätte U. Höheners Erben. Dr. Hochstrasser, Zürich, führt bei den Serienkarosserien ein grünes Talbot-Cabriolet vor, Zollin« ger-Streiff, Zürich, einen dunkelblauen Röhr mit hellem Verdeck und Renggli-Niederberger, Luzern, einen Chrysler mit zwei hübschen Girls; originellste Anpassung der Toilette. Immer in der gleichen Gruppe, aber mit vier bis sechs Sitzen, konkurriert der bekannte Karossier Ruckstuhl, Luzern, mit einem lebhaft applaudierten, in Farbe und Linie äusserst harmonischen Buick-Cabriolet. Einen dunkeln, mächtig gebauten Cadillac demonstriert Louis Thoma, Luzern; ein ebenso originell wie schnittig gebautes Cabriolet ist der Panhard-Levassor aus der Werkstätte Hermann Grabers, Wichtrach, ein Kunstwerk des Karossrariegewerbes. Der Studebaker von Studag A.-G., Zürich, ist von Gangloff, Genf, schmissig, dunkelblau karossiert. Ebenfalls In dieser Nummer: Stuber siegt im A. D. A. C.-Bergrekord. Alpeniahrt Internationales Klausenrennen. St. Moritzer Woche. hen, wie er damals war. Aber genug davon ...! «Ich ging mit ihm. Durch ganz Europa zogen wir miteinander, wo es schön war und vornehm herging. Dio, wie ich stolz war auf meinen Ramon!... Nachdem sich mein Mann von mir hatte scheiden lassen, wurden wir im Konsulat in Paris getraut. Dann gingen wir nach New York. Damit war der Traum zu Ende. Weniger und weniger sah ich von ihm, und dann . . . verliess er mich, von einem Tag zum andern . . . ohne einen Pfennig, mit gebrochenem Herzen... «Ein paarmal schrieb sein Rechtsanwalt ich solle mich scheiden lassen. Aber er war mein, und ich wollte ihn nicht aufgeben. Dann hörte ich nichts mehr von ihm... bis er wegen einem Diebstahl in Pittsburg verhaftet wurde. Das war für mich keine Ueberraschumg. Schon bald nach dem Beginn unseres Zusammenlebens hatte ich entdeckt, woher er seinen Lebensunterhalt bezog. Aber mir war das gleich. Ich liebte ihn . , , per Dio... ich liebte den Elenden... «Drei Jahre hatte er mit einer Malerin zusammengewohnt! Ich verschaffte mir ihre Adresse und ging hin zu dieser Carmen. Sio behauptete, Ramon und sie wären verheiratet. Ah, ich warf ihr meinen Heiratsschein ins Gesicht...! Ich versuchte, Ramon zusehen, aber er wollte mich nicht sehen. So wartete ich, bis er aus dem Zuchthaus kommen Würde. Fortsetzunjr siehe Autler-Feierabend.