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E_1929_Zeitung_Nr.064

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 26. Juli 1929 Gelbe Liste Nummer 20 Cfs. 25. Jahrgang. — N° 64 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnuns III/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Verkehrsentwicklung. Die Verkehrsentwicklung steht auch bei uns in der Schweiz in steigender Kurve. Wir meinen dabei den Verkehr in seiner Gesamtheit, eingeschlossen denjenigen der Automobile. Nicht nur hat infolge verbesserter Wirtschaftslage der Güterverkehr wiederum einen erfreulichen Aufschwung genommen, sondern auch der Reiseverkehr ist in den letzten Jahren derart gestiegen, wie man es noch vor kurzer Zeit nicht vorauszuahnen gewagt hätte. Im Volke hat eine so gewaltige Reiselust eingesetzt, dass sie allen Verkehrsinstituten zugute kommt. Ihre Ursache dürfte auf verschiedene Gründe zurückzuführen sein, die wir hier einmal nicht des näheren erörtern wollen; ganz sicher aber ist das Automobil als einer der Hauptpromotoren zu bezeichnen, der sowohl auf die Automobilbesitzer als auf die breite Masse des Volkes belebend eingewirkt hat. Der Eisenbahnverkehr ist gegenwärtig und besonders an Sonn- und Feiertagen derart gross, dass neben den Bundesbahnen auch eine Reihe von Nebenbahnen das Maximum ihrer Fahrleistung erreicht haben und den Verkehr, der heute vom Automobil übernommen wird, gar nicht mehr zu bewältigen fähig wären. Das noch vor kurzer Zeit fast unlösbare Problem der Zusammenarbeit zwischen Eisenbahn und Automobil hat bereits wesentliche Klärungen erfahren. Die Skepsis, der Hemmschuh allen Fortschrittes, scheint an den meisten massgebenden Orten überwunden* zu sein. Man hat sich auch in Eisenbahnkreisen mit dem Automobil des nähern befreundet. Man lehnt es nicht mehr kategorisch ab und geht mit dem beliebten Vorwurf der Konkurrenzierung vorsichtiger um. In andern Ländern — wir brauchen nicht einmal an die Vereinigten Staaten von Amerika, sondern beispielsweise nur an Deutschland zu denken — haben die staatlichen Bahnen das Automobil bereits in ihren Dienst genommen. Das geht in der Schweiz, wo andere topographische, wirtschaftliche und politische Verhältnisse vorliegen und wo auch der historischen Verkehrsentwicklung vollauf Rechnung zu tragen ist, nicht so schnell. Der Schweizer, trage er eine rote, blaue, grüne oder schwarze Mütze, kann sich ja eines gesunden Konservatismus rühmen, der ihn vor allen allzuschweren Abenteuern schützt. Dafür braucht es auch eine gute Spanne Zeit, bis sich der Fortschritt seine Bahn gesichert hat und man sich neuen Verhältnissen anzupassen gewillt ist. In der Schweiz haben sich bis heute F E U I L L E T O N Der Fall Cranmore KrimitKU-Rotnan von V. Williams. Copyright 1925 by Georg MüHer Verlag A.-G., München. (26. Fortsetzung) Und fort iging's durch die stillen' Wälder, an vereinzelten Gehöften und niedrigen Landhäusern vorüber. Der Zeiger des Geschwindigkeitsmessers bewegte sich langsam nach vorwärts. Hundert — hunderteins — hundertzwei bis hundertsechs Kilometer. «Winchester!» murmelte Cranmore. «Wenn wir nicht um ein Viertel nach elf Uhr in Winchester sind...» Boulot im Fond genoss dieses Rasen durch die Nacht. Er dachte an ähnliche wahnsinnige Fahrten in Frankreich, erinnerte sich an die wilde Aufregung, die er und der Chauffeur dabei empfunden hatten. In seiner lebhaften Phantasie stellte er sich den einsamen Mann im roten Wagen vor, wie er auf unbekannten Strassen das Dunkel durchschnitt, nach jedem Wegzeiger spähend oder ängstlich nach rückwärts blickend, nach den Verfolgern, die Jeder Verbrecher beständig in seinem Rücken spürt. Mandertons Stimme riss ihn aus seinen Träumen. «Fünf Minuten vor elf Uhr!» weder die Eisenbahnen noch die Gesetzgebung der neuen Verkehrsentwicklung ganz anzupassen vermocht. Wir wollen ohne weiteres zugeben, dass die Umstellung der Bahnen auf neue Verhältnisse nicht leicht ist. Die Schweizerischen Bundesbahnen, die, wie auch wir offen zugeben wollen, noch nicht auf Rosen gebettet sind und ganz besonders unter dem politischen Einfluss zu leiden haben — man denke an die Millionen-Mehrbelastung durch den Frachtenausgleich in der neuen Brot-Getreideverordnung — stehen vor bedeutenden Aufgaben. Die an sie gestellten Begehren sind ausserordentlich gross. Ausbau der Linien, Umbau von Strecken, Erweiterung von Bahnhof- und Stationsbauten, Anschaffung von Lokomotiven und Wagen usw. erheischen neue Millionen. Dazu gesellen sich die vielen Fahrplan-Wünsche, denen allen nachzukommen für die Bundesbahnen fast unmöglich ist. Daneben arbeitet das Automobil, und dies mit Erfolg. Wie das Halbjahresergebnis unserer General-Zolldirektion zeigt, hat die Motorisierung der Strasse in der Schweiz noch lange nicht ihren Höhepunkt gefunden. Aber wohl verstanden, es wächst nicht nur die Anzahl der Personen- und Lastwagen, in gleichem Masse schreitet auch die technische Vervollkommnung des Automobils fort, die den Wagen bequemer und ausdauernder gestaltet hat und wesentlich dazu beiträgt, das& die-Zähl der gefahrenen'Kilometer eine weit, grössere ist als dies in den Vorjahren noch möglich war. Und dabei stehen wir, -wie gesagt, noch lange nicht am Ende unserer automobilistischen Entwicklung. Wie ein Artikelschreiber in der « Neuen Zürcher Zeitung» ganz richtig bemerkt, hat der amerikanische Grosskraftwagen mit seinen hundert Plätzen und seinem Rohölmotor bei uns noch keinen Eingang gefunden. Aber er wird auch bei uns seinen Einzug halten; der Autoomnibus wird sich noch in ganz anderer Gestalt zeigen und das Lastautomobil mit seiner Tragfähigkeit von über 10 Tonnen auf die Dauer nicht von der Strasse zu bannen sein. Die Gesetzgebung kann darin nur ein retardierendes Moment spielen und dies auch nur so lange, als bis die heutige — man entschuldige uns die Bezeichnung — «motorisierte» Jugend ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen wird. Angesichts dieser bedeutenden Entwicklung wird sich die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Eisenbahn und Automobil Die Häuser eines kleinen Ortes fliegen an ihnen vorüber. Ein Polizist rief ihnen zu, die Geschwindigkeit zu massigen. Sie schrien ihm die Frage nach dem roten Rennwagen entgegen, aber er hatte keinen gesehen. Nun waren sie auf der Winchester Strasse, und kaum hatten sie den Ort hinter sich, vernahmen sie durch das taktmässige Donnern des eigenen Autos ein leises, entferntes Surren. Wie sie hüigelauf, bügelab dahinsausen, erscholl es leiser und lauter, blieb aber immer hörbar. Cranmore hob den Kopf, als zöge er die Witterung ein. «Ein Rennwagen!» sagte er und seine Augen leuchteten. Mit sechzig Kilometer Geschwindigkeit fuhren sie in Winchester ein. Auch das schien ihm noch zu langsam, aber auf dem Hauptplatz stellte sich ihnen ein Konstabier entgegen und winkte wütend mit beiden Händen. Cranmore trat fluchend auf den Bremshebel. Der Wagen verlangsamte seine Fahrt und hielt. «Zwanzig Kilometer durch Winchester!» erklärte grimmig der Polizist und zog sein Notizbuch aus der Tasche. «Ihr Automobilisten scheint ja alle verrückt geworden! Habt's ihr im Sinn, ein Rennen abzuhalten ? Das ist jetzt schon der zweite in zehn Minuten, den ich angehalten habe...» «Sie haben gerade einen fragte Cranmore schnell. angehalten?» immer stärker geltend machen. Unsere eidgenössische Post ist ja in dieser Hinsicht «musterhaft» vorangegangen. Allein, dieses sukzessive Besitzergreifen der Strassen durch unsere Post — es wird uns dies niemand bestreiten wollen noch können — bedeutet für unsere Bahnen, ganz besonders für unsere Nebenbahnen, eine ganz gefährliche Konkurrenz. Die Verdienste unserer Post sollen deshalb nicht bestritten sein. Im Gegenteil. Sie hat, wie sie dies selbst in Nummer 58 der « Automobil-Revue» ausführt, Grosses und Schönes geleistet. Ihre Initiative und ihre kaufmännische Einstellung sind an und für sich sehr erfreulich. Ebenso ihre Zusammenarbeit mit den schweizerischen Bundesbahnen. Ebenso erfreulich wäre aber auch ein deutliches Abstecken der Wirkungszonen gegenüber dem freien Automobilgewerbe, das sich auch einen Platz an der Sonne sichern möchte, und den Nebenbahnen, denen durch eidgenössische Subventionen allein nicht geholfen werden kann. Eine Zusammenarbeit zwischen Bahn und Automobil ist möglich. Es führte zu weit, detaillierter in diesem Zusammenhang auf das Problem, speziell auf die Zusammenarbeit im Güterverkehr, einzugehen. Wir zweifeln übrigens nicht daran, dass an den massgebenden Stellen unserer Bahnen das Problem gründlich studiert wird. Was unsere Bundesbahnen anbelangt, so dürften sie vielleicht mit der Zeit dazu kommen, das Automobil ganz besonders in den Dienst des Vorort- und Lofyalvetkehrs zu,.stellen. Bei .aller Vortrefilichkeit' unseres Fahrplans ist doch zu betonen, dass gerade, wenigstens im Kanton Bern, die Vororte und die grösseren Landstädte durch ungünstige Fahrpläne zu kurz kommen und wirtschaftlich benachteiligt werden. Hier könnten nun S.B.B.-Automobile ergänzend und in rentabler Weise einspringen. Ganz besonders aber die Nebenbahnen sollten sich die vortreffliche Einnahmequelle des Automobils nicht mehr länger entgehen lassen. Man ist in den Anfängen Bahn gewesen, warum sollte man sich mit der Zeit nicht zu einem ganz allgemeinen Verkehrsinstitut umorganisieren und umgruppieren? Das Automobil lässt sich auf die verschiedenste Weise auch in den Dienst der Nebenbahnen stellen. Man braucht nur das Vorgehen unserer Automobilpost zu studieren, um auch für sich gewisse Entwicklungsmöglichkeiten zu ent- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 43 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach SeitentariC Insaratensebluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern decken. Automobil rechtzeitig in ihren Dienst zu nehmen verstehen, werden sich vor Schaden oder vor gänzlicher Pleite zu sichern vermögen. Interessengemeinschaft zwischen verschiedenen Nebenbahnen könnte das «Iridendienststellen» des Automobils noch bedeutend leichter und erträglicher gestalten. Wir denken da besonders an Querverbindungen, beispielsweise Gürbetal-Emmental usw., Probleme, die des Studiums gewiss wert sind. Eine Entwicklungstendenz steht für uns fest. Es ist diejenige, die auch der Einsender in der « Neuen Zürcher Zeitung » betont und die dahin präzisiert werden kann, dass überall da, wo das Auto sich der Bahn als überlegen zeigt, sei es in wirtschaftlicher oder betriebstechnischer Hinsicht, die Bahnen dem Automobil unbedingt das Vorrecht einräumen sollten. K. In einem Artikel der «Automobil-Revue» vom 9. dies wird ausgeführt, dass die Schweiz ein dringendes Interesse habe, die vom Ausland bezogenen Brennstoffe immer mehr durch einheimische zu ersetzen und dass es insbesondere auch im Interesse der schweizerischen Forstwirtschaft liege, wenn hierbei die Verwendung von Holz in erster Linie in Betracht gezogen werde. Italien ist ganz in der gleichen Lage, und die im Artikel angetönte Kommission zum Studium des Brennstoffersatzes funktioniert hierzulande seit -geraumer Zeit. Das hier zu erzielende hypothetische Produkt wird italienisch «Gas delle foreste» genannt, mit einem etwas zweifelhaften Ausdruck, der nicht gewinnt, wenn man ihn einfach mit «Waldgas» übersetzt. Es ist schon früher an dieser Stelle über diese italienischen Forschungen eingehend berichtet worden; seither ist allerlei an die Oeffentlichkeit getreten, was für schweizerische Interessenten wissenswert sein mag. In Perugia hat kürzlich Dr. Faina, ein Spezialist, einen in der Presse vielbemerkten Vortrag gehalten, worin er ausführte, dass bei der grossen nationalen Aufgabe der Wiederbewaldung der Halbinsel, für die Arnaldo Mussolini, der Bruder des Duce, oberster Kommissär ist, die Rücksicht auf die Gewinnung eines nationalen Brennstoffes eine erste Rolle spiele. Beiläufig gab der Vortragende einige beredte Ziffern zum besten: man könne das gleiche Erträgnis von Kraft erzielen mit einem Liter Benzin, der 2,30 Lire koste, oder mit einem Kilo und 350 Gramm Kohle, die 90 ital. Cents kosten, oder mit zwei Kilo Diejenigen Nebenbahnen, die das Holz, wofür 25 Cents zu bezahlen seien. In einem Artikel der bekannten Zeitschrift «Und seinen Namen und Adresse aufgeschrieben, dasselbe, was ich jetzt mit euch tun werd ...» «War er in einem roten Wagen?» «Das war er .. .> Manderton wandte sich zudem Konstabier und gab ihm seine Karte. «Ich bin Inspektor von der Zentrale,» sagte er, «auf Verfolgung des Mannes im roten Wagen. Sie haben ganz recht gehabt, uns anzuhalten, und wenn Sie uns melden wollen, so müssen Sie's eben tun. Aber nun halten Sie uns nicht länger auf...!» « Nuova Antologia» führt Faina weitläufig aus, wie Italien das dringendste Interesse Hügel, aber die Entfernung zwischen ihnen und dem roten Wagen schien sich kaum zu verringern. Jetzt kam eine ebene Strecke. Der Wind sauste ihnen um die Ohren, der Geschwindigkeitsmesser zeigte hundertdreissig Kilometer. «Wenn's die Reifen aushalten...!» schrie Manderton seinem Kollegen zu und hielt seinen Hut fest. Seine Stimme iklang ruhig und fast vergnügt. Offenbar kamen sie nun doch allmählich näher. Hier auf der freien Strecke war das Licht des Mondes sehr hell. Sie konnten Das letzte Wort erstarb beinahe in dem Donnern des anspringenden Wagens. Cranmore schaltete die höchste Geschwindigkeit ein, und der Wagen ächzte und bebte, während sie durch die nun mondbeschienene Landschaft rasten. Und jetzt erblickten sie ihn. Um die Strassenbiegung vor ihnen schoss ein längliches, dunkles Ding zwischen den Hecken dahin, der Fahrer, ein winziger, noch etwas dunklerer Fleck. Wie im Fluge nahmen sie denmerplatte.