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E_1929_Zeitung_Nr.064

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K AUTOMOblL-KEVUß

K AUTOMOblL-KEVUß 1929 — N u «4 VERKEHR Steigende Entwicklung der Bundesbahnen. Auch im Monat Juni weisen die Verkehrsziffern bei den Bundesbahnen, gegenüber den entsprechenden des Vorjahres, eine erfreuliche Steigerung auf. Die Betriebseinnahmen erreichen die Höhe von 37,191,000 Franken, übersteigen somit das Betriebsergebnis des vorherigen Juni um rund eine halbe Million Franken. Der Betriebsüberschtiss beläuft sich auf 15,367,000 Franken; es ist der höchste im laufenden Jahre und übertrifft das Ergebnis des Juni 1928 um rund 300,000 Franken. Im ersten halben Jahre erreicht der Betriebsüberschuss der S. B. B. 70,3 Millionen Franken. Er ist um 1,5 Millionen Franken höher als in der Hälfte des vergangenen Jahres. — Und da spricht man noch von der schlimmen Konkurrenz des Automobils! gr. Wozu die 35 Millionen Franken Entschädigung an die Bundesbahnen dienen. Eine offiziöse Pressemeldung gibt folgende Gründe an, welche die S. B. B. veranlassen, ihre Warentarife herabzusetzen: Im letzten Jahr haben die Bundesbahnen einen Einnahmüberschuss von 20 Millionen Franken zu verzeichnen; dieses Jahr wird der Ueberschuss sehr wahrscheinlich noch bedeutender sein. Nichtsdestoweniger sind die Bundesbahnen gezwungen, mit allen Mitteln gegen die vernichtende Konkurrenz der Automobiltransporte (!) zu kämpfen. Aus diesem Grunde haben die S.B.B, beschlossen, das Tätigkeitsfeld der Sesa noch weiter auszudehnen. Diese soll in Zukunft ermächtigt sein, nicht nur Tarifreduktionen auf ganzen Wagenladungen zu gewähren, sondern auch für Teiltransporte von wenigstens 1500 kg eine Reduktion vorzunehmen. Auf diese Weise hoffen die Bundesbahnen ihre Einnahnahmen so zu gestalten, dass in Zukunft weitere Tarifreduktionen, die der Allgemeinheit zugute kommen sollen, vorgenommen werden können. Die Agenturmeldung gibt ferner bekannt, dass die zwei Millionen Franken Zinsen, welche den Bundesbahnen aus der Entschädigung von 35 Millionen zufliessen, ebenfalls der Allgemeinheit in Form von Tarifreduktionen wieder zugute kommen werden. Man kennt die Geschichte vom Hunde, der sich in den Schwanz beisst. Das Vorgehen der Bundesbahnen, mit Hilfe einer Entschädigung, die aus der Zollbelastung des Volkes bezahlt wird, der Allgemeinheit Tarifermässigungen zugute kommen zu lassen, erinnert sehr an dieses Geschichtchen. gr. Spanisches Dementi. Auf eine Zeitungsnotiz, welche anfangs dieses Jahres die Runde machte und worin behauptet wird, dass in Spanien rigorose Polizeivorschriften erlassen worden seien, deren Uebertretung einem Automobilisten sogar lebenslängliches Zuchthaus einbringen könnten, wurde vom Schweizer Konsul der Presse in Barcelona folgende Berichtigung zugestellt: « Was die am 1. Januar in Kraft getretenen neuen gesetzlichen Bestimmungen betrifft, so haben sie mit den durch das Ueberhandnehmen des Automobilismus aufgetauchten Verkehrsschwierigkeiten nichts zu tun, sondern es handelt sich um die Veröffentlichung eines neuen Strafgesetzes. Das bisherige Gesetz datiert aus dem Jahre 1870 und entsprach selbstredend nicht mehr den neuen Richtungen der Strafgesetzgebung. Das neue Gesetz bezieht sich natürlich nicht nur auf Autounfälle, sondern auf strafbare Handlungen im allgemeinen. Es ist richtig, dass für gewisse schwere Verschulden, die auch hier in Spanien zuerst nachgewiesen werden müssen, höhere Strafen zur Anwendung gelangen als bisher; dagegen bestimmt Art. 35 des neuen Gesetzes: Wer bei der Ausführung einer erlaubten Handlung körperlichen oder materiellen Schaden verursacht, ist nicht strafrechtlich haftpflichtig, insofern er mit der nötigen Vorsicht, Klugheit und Geschicklichkeit vorgegangen ist. Das neue Gesetzbuch sieht denn auch, in die Praxis übertragen, ganz anders aus als die Taxichauffeurs befürchteten, welche sich übrigens inzwischen wieder vollständig beruhigt haben. Eine Bestimmung, nach welcher «jeder Automobilist, der unter irrgendwelchen Umständen einen Fussgänger zu Fall bringt, unverzüglich verhaftet werden muss,» ist in dem neuen Gesetz nicht enthalten. Auch die Angabe, es drohe dem Wagenlenker eine Strafe von mindestens sechs Jahren Zuchthaus, wenn durch eine ärztliche Untersuchung festgestellt werde, dass der Fussgänger in einem Grad verletzt wurde, der über die leichteste Schürfung hinausgehe, ist Unsinn. In dieser Hinsicht hat das neue Gesetz im Gegenteil eine Erleichterung gebracht. Der spanische Strafrichter unterscheidet zwischen Vergehen (falta) und Delikt. Die erstem werden dem Munizipalrichter, dessen Kompetenzen limitiert sind, zur Beurteilung überwiesen, in den letztern werden die Untersuchungsakten dem Obergericht zur Entscheidung vorgelegt. Nun waren nach dem alten Gesetz alle Unfälle, in denen die Verletzten vom Gerichtsarzt nicht innerhalb vierzehn Tagen als geheilt erklärt würden, oder in welchen ein Materialschaden von über 50 Pesetas entstand, als Delikt betrachtet, während dies nach dem neuen Gesetz nur noch der Fall ist, wenn die Heilungsdauer zwanzig Tage oder der Materialschaden den Betrag von 200 Pesetas überschreitet. Die schweizerischen Autobesitzer dürfen also ebenso ruhig nach Spanien fahren wie nach einem andern Land.» Strassenbauten in Graubünden. (Eing.) Noch vor kurzer Zeit war der Kanton Graubünden dem Automobil verschlossen. Es war dem Automobilfahrer nicht vergönnt, dieschmukken, von romantischen Bergriesen umgebenen Täler per Auto zu bereisen und die unzähligen Naturschönheiten in vollen Zügen zu gemessen. Heute hat sich die Situation vollständig geändert und mit einem Male sind auch dort die abwechslungsreichen Bergstrassen und Strässchen vom neuen Verkehrsmittel belebt worden. Diese, speziell für die Hotellerie erfreuliche Tatsache hatte für den Kanton die scheinbar unangenehme Folge, dass er sich darauf verlegen musste, seine Hauptstrassen plötzlich zu verbessern. Obwohl das Problem zum voraus von grosser Tragweite anerkannt wurde, setzten sich die Instanzen des Bau-Departements und des Bauamtes mit aller Energie an die Ausarbeitung eines Strassenbauprogramms, welches bereits im vergangenen Frühling dem Grossen Rat unterbreitet und von diesem angenommen wurde. Bemerkenswert ist die Weitsicht der obersten technischen Organe, denn von vornherein waren sie der Ansicht, dass der heutigen Verkehrsentwicklung nur das Vollkommenste gut genug sei. Es wurde deshalb die erste Etappe des Strassenbauprogramms in diesem Sinne aufgefasst und für die stark befahrene Kantonsstrasse Landquart-Chur, das wichtigste Eingangstor nach Graubünden, eine Walzasphaltdecke gewählt. Der Walzasphaltbelag, allgemein Mexphaltbelag genannt, entspricht am meisten allen Anforderungen eines modernen Strassenbelages. Dank der gewaltigen Vorarbeiten finanzieller und technischer Natur, die seitens der Herren Regierungsrat J. Huonder, Chef des kantonalen Baudepartements, Oberingenieur Solca und dessen Adjunkten Bezirksingenieur Peterelli geleistet wurden, konnten genannte Arbeiten schon so früh in Angriff genommen: werden, so dass heute schon die ganze Strecke von der St. Galler Grenze (Tardisbrücke) bis nach Tfimmis vollständig neu instandgestellt ist. Nur zwischen Landquart- Fabriken und Zizers ist ein Stück ausgelassen worden, welches das nächste Jahr ebenfalls mit einem Mexphaltbelag befestigt werden wird. Den besondern örtlichen Verhältnissen wurde Rechnung getragen, indem jedes Zwischenstück, welches ein Längsgefäll© von mehr als fünf Prozent aufwies, mit Kleinsteinbogenpflästerung, zum Teil mit dem sog. Griffasphalt, und alle übrigen Streckelt durchgehend mit einem Mexphaltbelag befe-i stigt wurden. Die Arbeiten waren den beiden bestbekahnten Strassenbau-Unternehmungen Palatini & Cellere, St. Gallen, und Walo Bertschinger, Zürich, übertragen, die trotz eines; niedern Erstellungspreises von weniger als Fr. 9.— per Quadratmeter, inkl. sämtliche Matefiallie'ferung und Planieherstellung eino langjährige Garantie leisten, ein Zeichen* dass sie ihrer Sache sicher sind. Ferner darf,, gestützt auf die amerikanischen Erfahrungen* angenommen werden, dass mindestens während 30 Jahren der effektive Belagsunterhalt kaum zehn Rappen pro Quadratmeter und Jahr ausmachen wird. Die Rentabilität, die dem Kanton, d. h. dem Bauherrn, durch die Wahl dieses Belagtypus erwächst, ist leicht zu errechnen, und auch dem Nichtfachmann dürfte die grosse Wirtschaftlichkeit dieses Fahrbahnbelages auffallen. Schnittersonntag in Kirchberg. Anlässlich ücs Schnittersonntags vom 28. Juli 1929 •wird dia Staatsstrasse Bern—Zürich von der Wirtschaft zurrt « Kreuz » bis zur Wirtschaft zur « Traube» von morgens 9 Uhr bis abends 9 Uhr für den Verkehr 1 mit Autos, Motorrädern und Fuhrwerken gesperrt und der Verkehr durch die Hintergasse umgeleitet* Der Gemeinderat. Man reist nicht, um anzukommen. Auch die Spanienfahrt des für Naturschönheiten empfänglichen Automobilisten gilt nicht nur' der Weltausstellung in Barcelona, sondern gleichzeitig auch den herrlichen Gefilden im fernen Süden. Wer sich über die interessantesten Touren, schönsten Gebiete und se« henswertesten Städte unterrichten will, bestelle sofort O. R. Wagners neue Spanienkart© mit Führer. Preis Fr. 6.—. Verlag der! «Automobil-Revue», Bern. Rayonvertretung zu vergeben Aarau Glarus Zofingen Schwyz Ölten Toggenburg Solothurn Thurgau Biel m. Umgebung und einige andere Gebiete anemente I« Confort de votre conduite interleure en lnl procurant tous les avantazes du torped« Sans ses inconvenients. 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N° 64 - 1929 AUTOMOBIL-REVUE S.» Anfrage 797. Reparatur einer. Autouhr. Am 28. August sandten wir an einen Uhrmacher eine Autouhr zur Reparatur. Die Firma machte uns Offerte, und auf Grund derselben erteilten wir auch den x\uftra? definitiv Von diesem Tag weg herrschte tödliches Schweigen, trotzdem wir mehrmals die sofortige Ablieferung verlangten; am 18. Februar verlangten wir die Uhr repariert oder unrepariert zurück, aber leider umsonst. Das mindeste, was man anständi^erweise verlangen könnte, wäre doch wenigstens eine kurze Mitteilung gewesen, aber auch da versagen die Künste des Herrn Uhrmacher vollständig. Was soll ich tun ? M. in F. Antwort: Der Werkvertrag, der zwischen Ihnen und dem Unternehmer abgeschlossen worden ist, auf Grund einer Offerte und dem Akzept derselben, ist nach unserer Meinung aufgelöst worden. Und zwar einerseits durch das merkwürdige Verhalten des Unternehmers und anderseits zweifellos dadurch, dass Sie die Uhr, repariert oder nicht, binnen einer bestimmten Fritz zurückverlangt haben. Damit sind Sie offenbar in rechtlich einwandfreier Art und Weise vom Vertrag zurückgetreten, und es besteht demnach zwischen Ihnen und dem Unternehmer kein Vertragsverhältnis mehr. Sie können nun gegen den Unternehmer auf Herausgabe der Autouhr an Sie, klagen und ausserdem, wenn Sie nachweisen können, dass Ihnen Schaden aus der Sache entstanden ist, auch eine Schadenersatzfordorung gegen ihn geltend machon. * Anfrage 798. Entzug der Fahrbewilligung. Einen mehrjährigen Angestellton habe ich letztes Jahr Autofahren gelehrt. Ich habe ihm die Lernfahrbewilligung, Prüfungskosten usw. bezahlt, sowie auch die Fahrausweiserneuerung für dieses Jahr. Da mir seine Arbeit nicht mehr passt, muss ich annehmen, dass sich das Dienstverhältnis mit ihm in nächster Zeit löst. Nun möchte ich wissen, ob ich ihm im schlimmsten Fall die Fahrbewilligung wegnehmen darf, da ich sie ihm ja bezahlt habe nebst Lohnerhöhung. Ich habe ihm die gehabten Fahrbcwilligungsauslagen auch nie am Lohn abgezogen. H. S. in L. Antwort: Die Fahrbewilligung ist persönlich Die Erteilung wird abhängig gemacht von einer Anzahl von Voraussetzungen, die in der Person des Bewerbers begründet sind (Fähigkeit zum Fahren, Leumund usw.). Wer die Gebühr zahlt, ist irrelevant. Es bleibt somit höchstens die Möglichkeit, die für den Inhaber bezahlte Gebühr von diesem zurückzuverlangen. Dies geht aber Vorliegendenfalls wohl deshalb nicht gut, als der Inhaber der Fahrbewilligung für Sie persönlich fahren musste. Wir zweifeln daher, dass sich der Inhaber zum Beispiel einen Abzug am Lohno gefallen lassen würde. * Anfrage 799. Frist zur Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen aus Unfall. Am 2. April dieses Jahres stiess ich mit einem Motorradfahrer zusammen. Ich hielt sofort an und konnte mich überzeugen, dass dem Verunfallten nichts geschehen war, ebensowenig seiner Maschine. Ich war daber sehr erstaunt, als ich nach drei Tagen eine Rechnung erhielt von 175 Fr. für Kleider und einen Kostenvoranschlag für die Reparatur der Maschine von 350 Fr. Sofort zeigte ich den Unfall der Versicherung an. Am 13. Mai erhielt ich vpm Verunfallten einen Brief mit der Aufforderung, ihm innert drei Tagen 100 Fr. zu senden, ansonst er mich betreiben würde. Ich konnte es nicht glauben, dass ihm die Versicherung den angeblichen Schaden so prompt bezahlt hatte und meinte, es handle sich um einen schlechten Scherz. Ich wurde aber betrieben. Nun teilte ich dem Verunfallten mit, dass ich auch meinen Wagen werde reparieren lassen;; denn bei dem Unfall wurde mir die rechte Türe eingedrückt und ein Kotflügel. Warum ich es erst so spät tat, hatte den Grund, dass ich nicht an den Unfallschaden von H. glaubte und die Reparatur meines Wagens hätte selbst beheben können. Nun möchte ich Sie höflichst bitten, mir mitzuteilen, ob H. jetzt noch für meinen Schaden haftbar ist oder nicht; denn nach all dem Vorgefallenen werde ich den Wagen in eine Garage geben zur Reparatur. W. M. in H. Antwort: Ansprüche aus einem solchen Unfall können während Jahresfrist von dem Ta?e hinweg geltend gemacht werden, seitdem der Geschädigte genaue Kenntnis vom Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat. Sie können demnach immer noch gegen den Motorradfahrer vorgehen. Wie weit Ihre Ansprüche geschützt werden, hängt davon ab, ob bei dem Unfall beide Fahrer ein Fehler traf oder ob dem Motorradfahrer oder Ihnen die grössere Schuld an der Kollision beizumessen ist. Je nach dem Grade Ihrer Schuld am Unfälle müssten Sie sich eine Herabsetzung Ihrer Ansprüche gefallen lassen. Trifft Sie keine Schuld, so sind Sie berechtigt, Ihre Ansprüche voll geltend zu machen. Weshalb Sie so lange mit der Anmeldung Ihrer Schadensforderung warteten, müssen Sie, wenn Sie Ihre Ansprüche beim Motorradfahrer geltend machen, ausdrücklich feststollen und auch in einem allfälligen Prozess sofort darauf hinweisen, da dieses Moment sonst zu Ihren Ungunsten ausgelegt würde. Anfrage 800. Unbewachter Uebergang. Ich fuhr mit dem Auto von Schwarzenburg her gegen Lanzenhäusern und bog ab gegen Niedereichi gegen 5 Uhr. Vom Signal hörte ich nichts und die Bahnlinie ist zuerst verdeckt durch die Häuser und weiter unten durch Obstbäume, so dass man den Zug unmöglich sieht. So habe ich den Zug bis auf 3 m vor der Linie nicht bemerkt und nur durch, den Baum hindurch die Maschine gesehen. Ich gab Gas und flog vor der Maschine hinüber. Das Auto wurde nicht angefahren, nur ein. Laden, der 1 m hinten herausragte, wurde auf die Seite geschoben. Nun bin ich angeklagt wegen Zugsgefährdung. Schaden hat niemand erlitten, aber die Bahn hat Anzeige gemacht. Nun möchte ich Sie anfragen: Wenn ich gebüsst werde, kann ich auch meine Ansprüche machen wegen Lebensgefährdung? E. H. in Seh. Antwort: In Ihrem Falle wird vor allem von Wichtigkeit sein, ob der Maschinist vorschriftsgemäss kurz vor der Einfahrt in den unübersichtlichen Niveauübergang Signal gab oder nicht. Vielleicht können Sie das durch bekannte Insassen des betreffenden Zuges erfahren. Können Sie einwandfrei durch Zeugen feststellen, dass er es unterliess, Signal zu geben, so können Sie gegen den fehlbaren Maschinisten eine Strafanzeige wegen Eisenbahngefährdung einreichen, da er seinen Pflichten nicht genügte. Diese Feststellung dürfte allerdings sehr schwer sein. Nur wäre dann erwiesen, dass die Bahn ein schwerer Fehler trifft. Ob Ihnen nun dieser Beweis gelingt oder nicht, so können Sie sich in einem Strafverfahren immer auf das in der « Automobil-Revue » Jahrgang 1927 Nr. SO publizierte Urteil des Obergerichts berufen und auf die Unübersichtlichkeit des betreffenden Niveauüberganges hinweisen. Andererseits wird aber für Sie erschwerend in Betracht fallen, dass Sie als in der Gegend Ansässiger mit den örtlichen Verhältnissen und deren Gefahren bekannt sind und daher gerade an jenem Punkte doppelte Vorsicht walten lassen mussten, d. h. dass Sie gemäss den Bestimmungen des Automobilkonkordates gehalten gewesen waren, den Lauf Ihres Wagens vor dieser gefährlichen Bahnkreuzung derart zu verlangsamen, dass Sie sofort anhalten konnten. Ob Sie diesen Vorschriften genügten, ist aus Ihrem Briefe nicht ersichtlich. Das Gericht wird diese Punkte eingehend untersuchen, ferner ob Sie auch Signal gegeben und die gesetzlich erlaubte Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten haben. Je nachdem die Prüfung dieser Punkte ausfällt, wird das Urteil lauten. Sie können gegen die Bahn nur einen Anspruch erheben, wenn Sie einen Schaden erlitten haben und es feststeht, dass die Bahn eine gesetzliche Vorschrift nicht innegehalten hat und deshalb dafür haftbar erklärt wird, sofern nicht eine teilweise Mitschuld Ihrerseits am Schaden vorliest. Einen Ansnruch wegen Lebensgefährdung in Ihrem Sinne gibt es nicht, wie bei der Bahn die sog. Bahngefährdung; diese beruht auf dem Gedanken, dass der mehrere Dutzend Personen befördernde Zug eine erhöhte Sicherheit und deshalb einen erhöhten Schutz gemessen soll. * Anfrage 801. Fehlen einer Zollquittung. Ich besitze seit Ende 1925 einen Wagen italienischer Herkunft (Modell 1924). Da ich den Wagen seinerzeit von einem Händler als Occasion kaufte, habe ich leider keine Zollquittung erhalten und als ich mich darum bewarb, war der Händler überseeisch weggezogen. Am ganzen Wagen kann ich aber keine Plombe finden und ich denke, dass dieselbe einmal aus Unvorsichtigkeit entfernt worden ist. Da ich dieses Jahr eine Auslandsfahrt vorhabe, sollte ich natürlich einen Freipass haben, jedoch wird ein solcher, wie ich schon gehört habe, nur gegen Vorweisung der Zollquittung ausgestellt. Was habe ich in diesem Falle zu tun ? B. H. in S. Antwort: In Ihrem Fall empfehlen wir Ihnen, sich an die Oberzolldirektion, Abteilung Automobilzoll, zu wenden. Wenn Sie dort die Marke Ihres Wagens, Chassis- und Motornummer, sowie weitere Einzelheiten über den Zeitpunkt des Erwerbs usw. mitteilen, wird daselbe an Hand der vorhandenen Kontrolle festgestellt worden können, ob seinerzeit bei Einfuhr dieses Wagens in die Schweiz eine Verzollung stattgefunden hat oder nicht. Bejahrenden Falls wird Ihnen dann die Oberzolldirektion eine Bescheinigung ausstellen, welche die fehlende Zollquittung ersetzen wird. * Anfrage 802. Auflösung einer Kaskoversicherung. Für meinen Wagen haitte ich eine Kaskoversicherung abgeschlossen. Beim Kaufe eines neuen Wagens wurde dieser alte Wagen an Zahlung gegeben und ich beabsichtige, die Kaskoversicherung für den neuen Wagen nicht wieder a-bzufichliessen. Kann mir die Versicherungsgesellschaft nun die gesamte Jahresprämie für den alten Wagen beanspruchen, obwohl ich diesen nicht mehr besitze, sondern verkauft habe? W. Ch. in B. Antwort; Nach dem Bundesgesetz betr. den Versicherungsvertrag Art. 54 gehen die Rechte und Pflichten aus dem Versicherungsvertrage auf den Ewerher (in Ihrem Falle der Käufer des alten Wagens) über, wenn der Gegenstand des Versicherungsvertrages (Ihr alter Wagen) den Eigentümer wechselt Ihre Kaskoversicherung geht daher von Gen setzes wegen auf den Erwerber Ihres alten Wa-* gens über. Sie müssen der Versicherungsgesellschaft per Charge-Brief sofort Mitteilung davon machen; denn für die zur Zeit der Handänderung fällige Prämie haftet der Versicherungsgesellschaft dann sowohl der Erwerber als auch der frühere Eigentümer. Der Erwerber hat aber das Recht, den Uebergang der Kaskoversicherung abzulehnen, wenn er binnen 14 Tagen nach erfolgter Ha-ndänderung der Versicherungsgesellschaft seine Absicht schriftlich mitteilt. In diesem Falle bleiben Sie leider nach dein eingangs zitierten Bundesgesetz für die laufende Prämie in vollem Umfange haftbar (Art. 24 legcit), wenn Ihr Vertrag mit der Versicherungsgesellschaft nicht ausdrücklich etwas anderes vorsieht •« Lehnte hingegen der Käufer Ihres alten Wagens die Kaskoversicherung nicht ab. und belangte die Versicherungsgesellschaft doch noch Sie für die zur Zeit der Hacndänderung fällige Prämie, so können Sie, nachdem Sie an die Versicherungsgesellschaft gezahlt haben, vom Käufer Ihres Wagens denjenigen Prämienbetrag zurückfordern, welcher den seit Abschluss des Kaufvertrases verbleibenden Monaten der Versicherungsperiodo entspricht; sofern ein solcher Rückgriff nicht durch vertragliche Abrede aalsgeschlossen wurde. * Anfrage 803. Haftpflicht für Schaden aus mangelhafter Garageheizung. Ich habe letzten Herbst für mein Auto eine EinzelgaTage mit Zentralheizung gemietet. In dem Mietvertrag steht geschrieben, darss die Heizung vom 1. November 1928 bis 31. März 1929 so funktioniere, dass ein Gefrieren in der Garage ausgeschlossen sei. Die Heizung musste ich extra bezahlen. Nun wurde ich Mitte Februar einige Tage krank, dass ich den Wagen nicht beaufsich- 1 tigen konnte. Als ich dann nach 8 Tagen wieder in die Garage ging, musste ich konstatieren, dass der. Motor durch Gefrieren gesprungen war. Kann ich nun den Garagevermieter dafür haftbar machen^ denn die ganze Reparatur war mit grossen Koston verbunden, und auch konnte ich zwei Monate den' Wagen nicht gebrauchen. P. in L. Antwort: Wenn in Ihrem Garagemietvertrag ausdrücklich geschrieben steht, dass die Zentralheizung der Garage so funktionieren solle, dass ein Gefrieren während des WinteTs in dem Garageraunt ausgeschlossen sei, und Sie für die Heizung extra bezahlen müssen, so dürfen Sie den Vermieter für allen Schaden belaingen, welcher an ihrem Wagen infolge mangelhafter Heizung der Garage entstanden ist; also für die Reparatur des Motors, sowie wenn Sie den Wagen unbedingt geschäftlich oder sonst benötigt hätten, jene Auslagen, welche Ihnen dadurch entstanden sind, dass Ihr Wagen während zwei Monaten nicht fahrbar war (z. B. Miete eines, Taxis für eine Gresehäftsfahrt). Sie müssen allein dings beweisen köinnen, dass Sie Ihren Wagen Mi/lo Februar, bevor Sie krank wurden, in tadellosem Zustande in die Garage einfuhren, und dass die Schäden einzig axis der mangelhaften Heizung das Garageraumes entstanden sind, sowie die •weiteren! Auslagen notwendig wurden, da Ihr W&gen deswegen nicht fahriar war. * etzt ist Mobiloil in einer gekap* selten 2* Kilo * Kanne für weniger als 5 Fr. erhältlich Die neue Mobiloil 2»KUo» Kanne ist rucknehmbar. Sie kostet Sie nichts. Das erste Mal sind lediglich 50 Cts. zu hinterlegen. Danach wird Ihnen jeder Mobiloilhändler in der Schweiz entweder den hinterlegten Betrag zurückerstatten oder Ihre leere Kanne gegen eine neue mit plombiertem Verschluss zum Nettopreise des Oels eintauschen. Sie können jetzt Mobiloil in einer gekapselten 2*Kilo*Kanne für weniger als 5 Fr. kaufen. Mobiloil in der neuen gekapselten Kanne gibt Ihnen Gewähr für einwand* freie Qualität und den Vorteil eines Reservevorrates an Oel, der Ihnen immer in einem stets sauberen Behälter bei der Hand ist. Die neue rücknehmbare MobiloikKanne ist flach und stets sauber. 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