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E_1929_Zeitung_Nr.071

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Nach kurzer Zeit begann

Nach kurzer Zeit begann Kettrupp seinen Verlust wieder aufzuholen: 186 — 188 — 189 — Jetzt kam die berüchtigt© Spitzkurve beim Försterhaus. «Gas weg!» dachte Kettrupp und im selben Moment hatte er den Fuss vom Gashebel genommen. Doch..., was war das...? Ein eisiger" Schreck durchzuckte ihn: mit unverminderter, ja mit gesteigerter Kraft flog der Wagen vorwärts! 190 zeigte bereits der Tachometer! Das Brummen der acht Zylinder Hess nicht nach! Und die gefährliche Kurve kam mit jedem Bruchteil einer Sekunde näher...! Im Nu hatte Kettrupp begriffen: eine Zehntelsekunde genügte und er wusste es: einer «der neuen Vergaser klemmte sich, war infolge der .ungeheuren Beanspruchung zu 'heiss geworden! Die Zeit hatte gefehlt, um Einen Moment, bitte! Einen Speziaipreis für Strandbadbilder haben wir für unseren photographischen Wettbewerb ausgesetzt. Bedingungen im Autler Nr. 67. genau einzuregulieren, und nun rächte es sich bitter: er konnte das Gas nicht mehr wegnehmen, er konnte nicht mehr langsam fahren. In dieser fast verzweifelten Lage fühlte Kettrupp, wie ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief. Er hatte seine Geschwindigkeit aufs äusserste auskalkuliert: bis hart an die Kurve mit Vollgas; Gas weg; scharf abgebremst; umgeschaltet und mit Vollgas weiter! So hätte es sein sollen! Aber konnte er das jetzt noch wagen, nachdem der Vergaser defekt war? Das Wichtigste war doch, dass er sofort wieder Vollgas gab, sobald die Räder eingeschlagen waren. Aber zu riesengross klaffte der Schlund des Vergasers, der Motor würde die verstärkte Brennstoffzufuhr nicht bewältigen können! Mit zuviel Gas würde er nicht sofort wieder anspringen, und dann... dann würde die Schleudergefahr zu gross! Einfach anhalten? Unmöglich! Er hatte damit gerechnet, dass er mit etwa 65 Kilometern in die Kurve gehen würde. Und diese 65 Kilometer konnte er nicht auch noch wegbremsen! Er wäre glatt in die Menge der in ihrer Neugier vorwitzigen Zuschauer gefahren! Das Bild des Unglücks, der Katastrophe, die dann entstehen konnte, vermochte er nicht zu ertragen. Dann war es wohl besser... in Gottes Namen: die Zähne zusammengebissen, das Aeusserste gewagt und... hindurch! Mit ohnmächtiger Wut verkrampfte sich Kettrupp in sein Lenkrad. Gleich im ersten Moment, als sich der Defekt herausstellte, hatte er den Schaltschlüssel herausgerissen, und an den Explosionen, die aus dem Auspuffrohr sprühten, konnte er hören, dass der Zug nach vorwärts aufgehört hatte. Ruckweise war die Tachometernadel zurückgesprungen: 135 — 115 — 95... Als er an das Tempo dachte, kam es wie eine Erleuchtung über ihn: wenn der Motor wieder anspringen sollte, wenn er das todbringende Schleudern vermeiden wollte, dann durfte er nicht auf 65 heruntergehen! Für den vierten Gang war 80 gerade wenig genug... Das war die Rettung! Er musste es wagen...! Tief in die Polsterung hinein duckte sich Kettrupp, als es in die lebensgefährliche Kurve hineinging. Jetzt begann der Wagen zu schleudern... Nun die Zündung wieder eingeschaltet... Ein mattes Brummen ertönte ... Wohl nur eine Hundertstelsekunde lang dauerte es. Aber mit welchem Grauen, mit welcher Qual bangte Kettrupp: würde es der Motor packen? Schon lag er am äussersten Rande der Chaussee, schon rutschten die Vorderräder über die Kante der Böschung hinweg... Da... der Ruck nach rechts hörte auf... Es war überstanden! Zögernd und fast widerwillig griff Kettrupp nach dem Schaltschlüssel, aber er zog ihn doch nicht ganz heraus: Kaum, dass er ernstlich daran gedacht hatte, aufzugeben, verspürte er einen beklemmenden Druck in der Herzgegend. Er konnte ja gar nicht aufgeben, solange der Wagen noch lief! Er war ja selbst schuld an dem Defekt, weil er ja den Einbau der verhängnisvollen Vergaser verlangt hatte!... Sich selbst musste er es zuschreiben, wenn er den Wagen jetzt nicht mehr in der Gewalt hatte! «Gas, der Borst läuft uns ja davon! Geben Sie doch Gas! Vollgas!» Es war sein Beifahrer, der Monteur Albert, der Kettrupp aus seinen trübsinnigen Gedanken riss. Die erste Reaktion war unwillkürlich: Er trat auf den Gashebel, ohne zu bedenken, dass der Vergaser defekt war, dass er das Tempo gar nicht mehr mit dem Gashebel regulieren konnte!... Er dachte nicht mehr daran, dass er erst vor wenigen Sekunden die Zündung durch Herausziehen des Schaltschlüssels unterbrochen hatte! Erst nach einer Weile begriff er, warum es sich handelte. Und da geschah das Merkwürdige: er fing an zu lachen, zuerst gepresst, dann aber frisch und herzhaft... Der hatte also keine Ahnung, in welcher Gefahr er noch vor einer Minute- geschwebt hatte, dem war die Spitzkurve nicht gefährlich vorgekommen! Und mit einer Ruhe, die nach dem Heiterkeitsausbruch unheimlich wirkte, wandte er sich zu Albert: «Lass es gut sein! Den Vorsprung halben wiir bald aufgeholt!» Bei jeder Kurve kam das Gefühl der Unsicherheit wieder. Sobald Kettrupp den Schaltschlüssel herausgezogen hatte, überlief es ihn kalt. Nun aber, da er die Situation zu begreifen glaubte, ging er mutig dagegen an. Eine Hundertstelsekunde lang schloss er die Augen... Gerade lange genug, um das Hämmern des Herzschlages zu spüren, das im gleichen Rhythmus mit dem Motor zu pulsieren schien. Dann aber strafften sich seine Sehnen, und er packte mit wuchtigem Griff in die Lenkung. Schon über eine Runde lang' lag der Blaue dicht hinter dem Bugatti; nur noch die SpitzkuTve, und Borst hatte sein© Position behauptet! Aber die Spannung war für Kettrupp unerträglich geworden. Er wodlte es wissen, er wollte die Entscheidung, die Entscheidung um jeden Preis!... In rasendem Tempo flog der Wagen an die Spitzkurve heran; Meter um Meter verringerte (sich der Abstand von dem vor ihm liegenden Bugatti... AUTOMOBIL-REVUE 1929— N° 71 Da... ein vielhundertstimmiger Aufschrei Menge, die panikartig auf die Böschung flüchtete: Mitten in der gefährlichsten Kurve des ganzen Rennens hatte der Blaue den Bugatti überholt! Die höllische Schleuderkraft triss Kettrupps Wagen derart zur Seite, dass die Räder schneller ausscherten, als der Wagen überhaupt lief. Wie ein Kreisel drehte sich der Wagen um sich selbst: eine ganze und noch eine Vierteldrehung, 390 iGrad! Aber da fing er sich wieder und sauste mit donnerndem Knattern weiter! Erst weit hinter dem Ziel kam der Blaue zum Stehen, denn nur mit Mühe konnte Albert, der Monteur, Kettrupp davon überzeugen, dass das Rennen vorbei sei! Im Nu waren die Zuschauer gefolgt und eine begeisterte Menschenmenge drängte sich um den Sieger. Auch Dr. Hülsmann war zur Stelle. Ueber die Karosserie hinweg umarmte er Kettrupp: «So einen kühnen Fahrer wie Sie gibt es nicht wieder! Die hundert Mille gehören natürlich Ihnen; Sie sollten sie ja sowieso bekommen. Aber Borst hat es auch wirklich verdient, das Geld zu verlieren!» Kettrupp hatte noch nicht aufgehört zu staunen, als auch Borst zu ihm trat. Auf Gehässigkeiten gefasst, lehnte er sich zurück, musste aber zu seiner Ueberraschung vernehmen: «Alle Wetter, Kettrupp! Bei Ihnen kann man tatsächlich noch lernen! Ihre Schileudertechnik ist ja einfach fabelhaft! Ihren Sieg haben Sie redlich verdient und ich bin der erste, der Ihnen von Herzen dazu gratuliert!» (Ralph Andor in «Dresdener Neueste Nachrichten».) Der stolze Bohemien Eines Tages lächelte Henry de Groux, dem letzten grossen Bohemien und wahren Künstler des Montmartre, das langersehnte Glück: er erhielt den Auftrag, die Ausstattung eines Schlosses durchzuführen und gleichzeitig eine Summe von 30 000 frs. ausbezahlt. Er kehrte mit diesem Vermögen in der Tasche nach Paris zurück, ging, wie sein Freund Flisseau in einer Wiener Zeitung zu erzählen weiss, am Kai spazieren — leider nicht auf der Seite, Wo die Buchhändler sind, sondern auf der andern, wo die Antiquitätenhändler ihre Läden haben — und das war das Unglück. Vor jedem Schaufenster blieb er stehen und freute sich an den schönen Dingen, die es da zu sehen gab. Besonders von einem konnte er Auf schönen Touren sollte man nie seinen Photoapparat vergessen. Beteiligen Sie eich am Photowettbewerb der c Illustrierten Automobil-Revue »• Bedingungen im cAutler-Feierabend» Nr. 67 oder durch die Redaktion der cA.-R.>. Photographleren Sie? Einen iSpezialpreis für Tourenbilder haben wir für. unseren photographischen Wettbewerb ousgesetzL Bedingungen im Autler Nr. 67. sich nicht trennen, in dem eine entzückende Miniatur lag, die es ihm angetan hat. «Welche Feinheit, welche Anmut, welche Lieblichkeit liegt doch im Lächeln dieser Frau!» rief er aus. «Wie wundervoll muss es gewesen sein, sie gekannt zu haben! Oder, wenn man wenigstens dieses Bild sein nennen könnte!, Ach, warum bin ich nicht reich...!» Im nächsten Augenblick aber, als ob dieses Wort ihm erst, nachdem er es ausgesprochen, seine volle Brieftasche zum Bewusstsein gebracht hätte, fuhr er beglückt fort: «Aber ich bin doch reich! Wie konnte ich nur vergessen!» Er betrat also den Laden und fragte mit der Gleichgültigkeit eines reichen Engländers: «Was kostet diese Miniatur?» Der Händler sah den nicht sehr respektabel aussehenden Mann mit den ausgetretenen Schuhen, dem zu weiten Ueberrock und dem zerknitterten Hut geringschätzig an und sagte: «Das ist nichts für Sie. Dieses Bild ist sehr teuer.» Jetzt wurde de Groux rot. «Ich habe Sie nicht um Ihre Meinung, sondern um den Preis gefragt!» sagte er zornig. i«Also schön: 35 000 Francs, wenn Sie es durchaus wissen wollen», antwortete der Händler und schickte sich an, ins Nebenzimmer zu gehen. «Bitte, warten Sie gefälligst,» sagte de Groux. «Ich kaufe das Bild.» Zog seine Brieftasche, zählte dreissig Tausendfrancscheine auf den Tisch und sagte zu dem erstaunten Händler: «Entschuldigen Sie, ich habe nicht so viel bei mir. Akzeptieren Sie für den Rest einen Wechsel auf drei Monate?» Man kann sich denken, wie rasch der Händler ja sagte. De Groux unterzeichnete also das Papier, was ihm zehn Jahre seines Lebens vergiften sollte, nahm die Miniatur und trollte sich vergnügt wie noch nie heimwärts. Auf der Strasse bemerkte er plötzlich, dass er hungrig sei. Aber vergeblich drehte er seine Taschen um — kein Sou war darin l Eine Stunde lang irrte er herum, zwischen der Miniatur und dem Verlangen seines Magens schwankend, und es kam, wie es kommen musste: er unterlag. «Ich habe mich wenigstens eine Stunde lang am Besitz dieser Köstlichkeit erfreut», beruhigte er sich selbst, dann trat er in den Laden eines Trödlers und verkaufte ihm den Schatz um fünfzig Francs. Um nichts in der Welt wäre er zu dem Manne zurückgegangen, bei dem er das Bild gekauft hatte : er ging in das nächste kleine Wirtshaus, ass und trank, und nach dem vierten Glase begann er den fremden Tischgenossen einen Vortrag darüber zu halten, wie schrecklich das Leben und die animalischen Bedürfnisse seien, die einen zwingen können* eine herrliche Frau nach ein paar Stunden aufzugeben, weil man seinen Hunger stillen müsse... Gegenwart des Leichnams veranlassen. Ebenso die Rekonstruktion des Unfalls in der Nacht. Die Tatsache, dass ich den Schwerverletzten im Auto zum Arzt gebracht hatte zu einer Zeit, da gewisse Zweifel über den genauen Hergang nicht ganz unberechtigt waren, sprach schon als Gesamtes gegen mich. Ich war der Mörder. Unter dem Vorwande, den Verunfallten auf der Strasse bewusstlos gefunden zu haben, brachte ich ihn in die nächste Ortschaft, um ihm einerseits vielleicht noch das Leben zu retten und anderseits jeden Verdacht von mir abzulenken. Dieser Versuch war für den Kriminalisten zu durchsichtig. Es gab also keinen Ausweg mehr. Ich war überliefert. Ich hatte also verkehrt gehandelt. Ich hätte ihn liegen lassen sollen. Das wäre vielleicht weniger menschlich gewesen, aber weniger gefährlich. Der Umstand, dass ich den ganzen vorhergehenden Abend gefeiert hatte, erklärte alles. Man hatte mit einem hartnäckigen und verbissenen Lügner zu tun. «Wenn Sie wirklich glauben, dass ich den Tod dieses Menschen verursacht habe, so nehme ich das Urteil an.» Hatte ich das gesagt? Oder war es nur noch mehr ein böser Geist, der mein Fürsprech war? «Gut», sagte der Untersuchungsrichter; er fühlte meine heuchlerische Rede. Er war seiner Sache ganz sicher. Aber irgendwie musste ihn die Gelassenheit, in der ich das hervorbrachte, zum Nachdenken veranlasst haben. Nachher sagte ich ihm noch etwas ins Ohr. Ober war es wieder nur ein böser Geist? Der alte Herr lächelte kalt. Nein, meine drei Freunde von der Geburtstagsfeier konnten nicht Zeuge sein. Das hatte auch gar keinen Wert. Das war zu unwesentlich. Aber jetzt nannte ich die Wirtin, die doch hinter dem Büffet sass und grinste. Die musste es doch wissen, ob ich wirklich betrunken war oder nicht. Und dann... dann... der Mann in der Ecke, der eine Zeitung las und uns dann und wann zuhörte! Drei Tage darauf wurden die Wirtin und der Mann «in der Ecke» verhört. Aber die Wirtin wollte sich nur noch mehr an Roman Abt erinnern, der eine schwere Zunge gehabt hatte. Und der Mann «in der Ecke»? Der musste es noch wissen. Und wirklich, er wusste es noch sehr gut. Aber nicht nur das. Er wusste es auch besser als ich selbst. Sie seien alle vier unvernünftig betrunken gewesen, sagte er. Der Untersuchungsrichter trat hart auf mich zu. Mit seiner kleinen weissen Hand zeigte er auf meine Stirne. Er wollte sprechen, aber er brachte in der Erregung kein Wort hervor. Man führte mich ab. Der Fall war erledigt. Am andern Morgen wünschte ich den Untersuchungsrichter ein letztes Mal zu sprechen. Aber er kam nicht mehr. Er wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. Seine Untersuchung war abgeschlossen. Die Akten waren im Besitze des Staatsanwaltes. Aber ich liess nochmals eindringlich bit- ten. Nach langer Zeit kam er. Es schien mir, er habe Mitleid, Bedauern. Ich sagte ihm wieder etwas. Er lachte laut und bitter. «Sind Sie von Sinnen?» brüllte er. Ich schütteltet traurig den Kopf. Ich dachte an meine Angehörigen, an meine Freunde, mein Leben. Ich war vernichtet. Und meine Angehörigen dazu. Schatten erschienen an den Wänden und warfen mich zu Boden. Ich war der Raserei nahe. Drei Tage nachher stand der Name dea Untersuchungsrichters gesperrt in der Zei-i tung. Es war ihm gelungen, einen raffiniertem Fang zu tun. Der junge Mann aus der ent-< fernten Stadt wurde aus der Haft entlassen- Der Schuldige war der Mann «in der Ecke».. Er hatte sich in einem stundenlangen Kreuzverhör, ein richterliches Meisterstück, verra-* ten. Das Unglück hatte sich zwei Minuten vor meinem Hinzukommen ereignet. Aber der Automobilist war in der Nacht davongefahren... r (Fortsetzung folgtJ

N° 71 — 1929 AUTÜMÜßlL-KEVUß EDEIE3Q Wäre ich Jules Verne, würde ich einen Zukunftsroman aus dem Jahre 2013 schreiben und so beginnen : «... Und ein grosses Sterben hub an. Das Aussterben des .schwachen Geschlechts'. Bis zum letzten Mohikaner ... > Wenn wir auch erst das Jahr 1929 schreiben, so steht unumstösslich fest, dass die Dame im Sport schon gewaltige Fortschritte gemacht, die dem stärksten Manne Respekt abringen müssen. Die klassischen Damen- WeltrekoTde der Leichtathletik reden eine deutliche Sprache von der Leistungsfähigkeit und den physischen Möglichkeiten des Sportgirls. Seine Taten bilden ein Kapitel Sportgeschichte. . Die Frau am Volant gehört heute ins Alltägliche. Miss Gertrude Ederle errang Weltberühmtheit, als sie als erstes Mädchen den Kanal durchschwamm. Auf den Pariser Boulevards riss man sich um Extrablätter, um das Resultat des Tennismatches zwischen Suzanne Lenglen und Miss Wills zu erfahren. Mi«. HDB0E Die Frau im Stadion. Betrachten wir die Frau im Stadion : Robinson, die schnellste Läuferin der Welt. Das schnellste Girl der Welt über 100 Meter heisst Miss Robinson (U. S. A.) und schreibt'sich mit 12,2 Sekunden Weltrekordwoman. Frau L. Radke (Deutschland) ist die .schnellste Läuferin der Welt über 800 Meter mit 2 Min. 16,8 Sek. Die reizende Miss Catherwood, aus Kanada, holte sich mit 1.59 Meter den Hochsprung-Weltrekord. Frl. Konopacka (Polen) war im Diskuswerfen mit 39,67 Meter bis heute nicht zu schlagen: Die vier schnellsten Sportgirls stammen aus Kanada: vier Kanadierinnen halten den Weltrekord in der 4 mal 100 Meter-Stafette auf 48,4 Sekunden. Diese Leistungen verlangen Energie, Können und Kraft. Es sind Leistungen, wie sie teilweise nach dem Kriege nicht einmal von einem schweizerischen Leichtathletikmeister erreicht wurden! Tatsache! Und die Sportlerin ist erst mitten in ihrer Entwicklung. «Sie» gegen «Ihn» um die Weltrekorde? Vergleichen wir einmal die weiblichen mit den männlichen Weltrekorden: MI ATTA TT1E EF ITOXl^IU 100-Meter-Lauf 800-Meter-Lauf Hochsprung Diskuswerfen 4X100 Meter Männer Damen 10,4 Sek. 12,2 Sek. 1:50,6 Sek. 2 :16,8 Sek. 2,03 Meter 1,59 Meter 48,20 Meter 39,67 Meter 40,8 Sek. 48,4 Sek. Nun, einstweilen gibt es noch ein starkes und ein/ schwaches Geschlecht. Und übrigens: Meine Damen! Die Frau soll dem Manne über alles gehen. Nur nicht über die... Weltrekorde. Sonst wird «Er» dann gut tun, auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Weg einer Heiratsannonce genau zu stipulieren, in welcher Disziplin seine Zukünftige sein darf!... H.K. Dies und das Worauf jede Frau achten sollte. 1. Dass die Strümpfe immer gespannt und ganz gerade gezogen sind. Es gibt wohl nichts Scheusslicheres als eine Strumpf naht, die in trunkenem Zickzack über die Wade torkelt und ganz sicherlich nichts Grauenhafteres als ein Frauenbein, auf dem der Strumpf sich in Falten schrumpft, die jedem Nilpferdrücken zur Ehre gereichen würden. 2. Würde es nicht als ganz selbstverständlich erscheinen, dass man keine schiefgetretenen Absätze haben darf ? Aber wer sich mal den Spass machen und an einer belebten Strasse oder im Cafe genau aufpassen würde, könnte sich überzeugen, dass jede fünfte Frau abgetretene Absätze trägt. Es ist ganz unbegreiflich, dass sie dies nicht wissen oder dessen nicht achten sollte. In Amerika gibt es, eigene Absatzreparaturwerkstätten in jeder Stadt — eine Reibe Räder und Maschinen — in Reihen gestellte Stühle, auf denen man im Vorübergehen für fünf Minuten Platz nimmt, während schnell, gut und billig die Absätze ausgegradet werden. In Amerika ist ein Mädchen mit schiefgetretenen Absätzen wahr- und wahrhaftig shocking — und daher eine Rarität. 3. Ja, sagen Sie mir, um Himmels willen, weshalb tragen Sie denn so unförmig lose Kleider? Es sieht ja aus, als hätten Sie sie von jemand viel Grösserem geliehen. Es schaut so aus, als wäre das Kleid zu Hause zusammengestichelt, so gar nicht schick, so entsetzlich kleinstädtisch. Man könnte weinen, wenn man eine hübsche Frau sieht, die lose in einen schlotternden Sack gehüllt ist. 4. Und noch eines: Warum, um Gottes willen, tragen Sie denn die Hüte schief aufgesetzt? Da hat irgendwo in Paris ein genialer Modellschöpfer sein ganzes Genie in das Originalmodell eines -Hutes gelegt, und Sie gehen so nonchalant mit diesem Kunstwerk um. Ein Hut ist ein Stück Architektur und gerade im der Linie, die der schaffende Künstler der Krempe gegeben, darin liegt ja das Plus dieses Werkes. Der Winkel, in dem sie eich dem Gesicht anschmiegt oder eich von ihm entfernt, ist direkt mathematisch festgesetzt. Voraussetzung ist. dass der Kopf des Hutes das Haupt fest tunspannt, den gleichen Schwerpunkt hat. Sie aber setzen den Hut einseitig auf, damit verschieben Sie den Schwerpunkt des Hutes und die Krempe wellt sich in närrischem Schwung um Ihr so selbstbewusst gehobenes Naschen. 100 abbildungen enthält meine Preisliste no. 51 über alle sanitären hilfsmittel f. hygiene u. körperpflege. bekannt f. grosse auswahl und frische wäre, sanitäts- und gummiwaren-geschäft P. Höbscher. Zürich. Wühre 17. Sommerlicher Teint. * Auch in einem Lande, das so von Rassenvorurteilen erfüllt ist wie Amerika, beginnt sich die Mode der dunklen Haut, gleich einem Präriebrand, zu verbreiten. Es gibt sogar modische Plakate, die da verkünden: cBenützet flüssigen braunen Puder Ethiopia.» Heller Teint ist demodee. Wer also zufälligerweise weissen Teint und keine Gelegenheit hat. diesen an der Sonne braun brennen zu lassen, reibt seine Haut mit einem der unzähligen Präparate ein, die den kosmetischen Markt überschwemmen, und wird dadurch schnell zum anderen Menschen. Es ist gut, wenn die Frauen die Sehnsucht haben, Personalitäten zu sein, und wer darauf verfallen ist, dass diese Eigenschaft verkauft werden kann, wird sicher gut dabei verdienen. Denn da nichts den Gesamtcharakter der Frau ändern kann, gibt man wenigstens dem Teint andere Valeure. Es handelt sich hauptsächlich um Frauen mit blonden und ganz hellen Haaren. Und mag es eine auf natürlichem Wege errungene Bräune sein oder irgendein kosmetisches Präparat, sicher ist es, dass solch eine ganz helle Blondine mit dunkler Haut ganz entzückend aussieht. Und da sie zumeist helle Augen hat, ist der Effekt ganz überraschend. Für viele wird es eine Frage des Geschmacks sein, aber ein Mensch mit künstlerischem Empfinden sieht nur die Schönheit, die nicht mit dem Typus der rosenwangigen Püppchen gemessen werden kann. Um wieviel mehr Vitalität strahlt aus solch einem brünetten Teint. Ich weiss, dass man dies ja nicht absolut nehmen kann, aber zum grossen Teil steckt Wahrheit darin. Wie viel Töne, vom blassen Bernsteingelb bis zum fast indianisch dunklen Rotbraun 1 Die Skala ist so reich, dass wir kaum Namen für alle ihre Nuancen haben. Und welche Valeurs bilden sie im Verein mit der Farbe des Kleides, des Hutes, des Schals und des Schmucks! • Wieviel Farben darf eolch eine abgehrannte Dame tragen, die kein noch so rotwangiges Püppchen kleiden würden. Wie prachtvoll sehen neben dunklem Teint die gebrochenen Töne von Weiss, Grün, Rot, Königsblau aus, und wieviele Schattierungen stehen zu Gebote. Und wie heben sich von einem braunen Hals die farbenprächtigen, bunten Halsbänder und Korallenschnüre ab. Es ist ein Vorurteil und ganz altmodisch, zu behaupten, dies passe wohl nur zur Tagestoilette und tagsüber. Verfehlt, meine Damen. Paris und New York wissen längst, dass die Grand-Toilette Riesenkomplexe dieses herrlich sonnverbrannten oder künstlich gebräunten Fleisches ZUT Schau stellt, das längst aufgehört hat, ausgestelltes Fleisch im Marktsaal der Bälle zu sein und anfängt, ein Teint zu sein, der vielleicht die moderne, kultivierte Frau mehr charakterisiert als alles andere. Misa-Catherwood springt 1,58 m hoch, Dia Kosmethik tchönir Frauen. Diane de Poitiers schrieb ihre Schönheit, die König Heinrich II, von Frankreioh in Fesseln schlug, nur dem Waschen mit Regenwasser und dem Genuss von Orangen zu, die ihre Hauptnahrung bildeten. Man sieht also, der Fanatismus für Obst und naturgemässes Leben stammt nicht von heute. Auch Ninon de l'Enclos, nach dem Zauberelixier gefragt, das ihr noch im achtzigsten Jahre die Reize einer Zwanzigjährigen verlieh, antwortete: «Aeusserlich: Regenwasser. Innerlich: ein Glas kaltes Wasser allmorgendlich auf nüchternen Magen — andere Geheimmittel kenne ich nicht und hab' sie nie nöti? gehabt.» Die Pompadour erfand das Gurkenwasser,. Marie Antoinette wusch sich mit einem Absud aus frischen Quitten. Von den Liebeskünstlerinnen des Rokoko bis zur Josephine Baker: nur aus der Natur, aus Licht, Luft und den frischen Säften von Früchten und Wurzeln kommt unser Heil. * * * „... Nach reiflicher Ueberlegung entschlossen wir uns zurückzufahren. Fräulein Heublein. die deutsche Weltrekordwomen im Kugelstossen. Die rauchende Engländerin. Nach dem letzten Bericht des englischem Wirtschaftskomitees setzt sich das heutige! rauchende Publikum in England aus 45 Prozent Damen und 55 Prozent Herren zusammen. Wenn man aber berücksichtigt, dass sich sehr viel© Frauen Rauchmaterialienij durch ihre männlichen Anverwandten bzrw.j Hausangestellten besorgen lassen, dürft© die Zahl der rauchenden Frauen erheblich höher sein als die der Männer. Weibliche Ingenieure in England. Während bei uns der Ingenieurberuf bisher nur von wenigen Frauen ausgeübt wird, haben die Engländerinnen bereits auf diesem Gebiet grosse Fortschritte gemacht, wie die Jahresversammlung der weiblichen Ingenieure zeigte, die dieser Tage in London ab-i gehalten wurde. Die Damen haben sich ba-< reits zu führenden Stellungen aufgeschwun-, gen. Einige sind Leiterinnen von Automobil-* fabriken, andere sind als Schiffsbaumeistec auf den Werften der englischen Marine tätig, andere sind Brückenbauerinnen. Die Inge-i nieurin Frl. Buchanan hielt einen Vortrag über die Prinzipien des modernen Brücken-» baus. Die Baumeisterin Frau Wilson beleuchtete die Verdienstmöglichkeiten des weibli-» chen Geschlechts im Baugesehäft, und da sie selbst als Baumeisterin es schon zur Millio-« närin gebracht hat, malte sie die Aussichten! in lockenden Farben. Die Sekretärin der eng-» lischen Gesellschaft weiblicher Ingenieure* Frl. Hasleft, empfahl Mädchen, die für dieses Gebiet Begabung besitzen, den Ingenieurbe-» ruf als einen besonders einträglichen, in dem die Frau sehr wohl mit dem Mann konkur-i rieren könne. TAPETEN IIGESCHÄFT RHEUJTIR ST.OAUEN.WEBERGASSE Wunderbar im Aroma. Belebend u. erfrisohend. Qesundheitl. wertvoll. Fabrikanten : W. u. G. Welsflog & Co., ftltstetten-Zch.I Zürich Cafs R§ 9 ence Bahnhofstrasse/Beatengaase 15 Das elegante Grand-Cafe. Seine Erfrischungen, seine Künstler- Konzerte. K. KARLON. Heirat «wünschen viele vermögliche Damen, reiche Ausländerinnen, viele Einheiratungen. Herren a. ohne Vermögen. 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