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E_1929_Zeitung_Nr.071

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Ausgäbet Deutsche

Ausgäbet Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 20. August 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 71 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und ftraltag Monatlich „Galfce Lista" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breltenr«instr«sse 97, Bern sofern nicht postamtjicJi bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnunp 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 , Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm, hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensenfuss 4 Tage vor Erscheinen der Kammern Bie gi?ossen Kampf tage am Klausen Der Klausenrekord gefallen. — Chiron stellt mit 16.42,4 einen neuen Rekord der Rennwagen auf. Gacon, Sieger in der Kategorie Toüreriwagen. — Graf Kainein fährt die beste Zeit der Sportwagen. —5o.ooo Zuschauer. — Glänzen de Organisation. Im Banne des Klausens. Nicht nur das Auto mit der roten Fahne eröffnete den diesjährigen nationalen Klau een, das Rennen der Motorräder von 100 bis 350 cm 3 , der Seitenwagen und der Tousrenwagen, sondern auch ein kräftiger Regenguss. Ein launisches Wetterspiel: schön Swar es gewesen während den Trainingstajgen, noch der Freitagabend entfaltete herrliche Schattenkontraste einer mondhellen iiNacht zwischen Felsriesen; selbst am Samsfctagmorgen noch blaute ein wolkenloser Himmel über dem Glarnerland, aber es war iein dunstiger, föhniger Morgen. Auf dem Landsgemeindeplatz, wo die fWagenabnahme stattfand, blieb es bis nach ö Uhr sehr still; der kleine Rosengart, Zemp nind Stuber waren von den ersten. Die «andern meldeten sich erst gegen 10 Uhr, Üafiir aber hübsch in hellen Haufen. Die technische Kommission hätte plötzlich (hundert Hände haben müssen. An der Waage kam der Ansturm selbstredend zur gleichen Zeit. • Die Fahrt zur Passhöhe, eine halbe Stunde durch eine endlose Staubfahne, zeigte das gewohnte Bild der Bereitschaft: iSignalisierung der Kurven, Streckendienst •durch Zürcher- und Glarnerpolizei und [Feuerwehren, Sanitätsposten, Boschhornanlage, Lautsprecher und Zeittafeln, der Start und die Chronometrierung; es klappte (wie aus einem Guss. Die Organisation war ifüber alles Lob erhaben. Ein gewaltiger Apparat war in den letzten Monaten unter tlem Präsidium von Herrn F. Frey, Züsrich, in Bewegung gesetzt worden und ein mustergültiges Rennen das Resultat. In letzter Stunde wurde bekanntgegeben, dass >an Stelle von Pierrehumbert der Präsident i'der Sektion Genf des A. G. S., Chantre, die Funktionen eines Sportkommissärs überjcehme. 1 Die Strecke soll dieses JaEr nach Aus- *age prominenter Fahrer nicht mehr so gut «ein wie vor zwei Jahren. Namentlich der Urnerboden gibt mit seinem welligen Strassenbelag zu schaffen. Der Regenguss war ifür die ersten Konkurrenten (Motorräder) ein beträchtliches Handicap, das in den geifahrenen Zeiten seinen Niederschlag fand. Bis zum Austrag der Wagen hatte sich ein wundervoller Regenbogen zu Füssen der £Pressehütte über die nassen Alpen ge- «pannt, und die Piste war so recht «angeirocknet». Und auch der Staub war weg. • Für die Presse hatten die Organisatoren ganz grossartig gesorgt. Man ist ja am ÜKlausen von früheren Jahren her an eine Bonderdosis von Aufmerksamkeiten gelohnt. Dieses Mal standen die Männer der ÜFeder unter dem besonderen Patronate von Shell. Die bekannte Weltfirma hatte ein »eigentliches fliegendes Pressehaus, ein vesritables, vielfenstriges Chalet, am Ziel erstellt. Jeder Journalist erhielt «Tinte, Fehler und Papier», Stuhl und Tisch (o wie tierrlich ist es, wenn man einmal nicht auf jden Knien schreiben muss!), ein stets gefülltes Glas, Sandwiches und — unschätzbares Gut beim gestrigen Rennbeginn — •ein festes Dach über seinem sorgenvollen Haupte. Die Zustellung der Resultate und tRennotizen, die man der prompten Arbeit tvon Rennsekretär Dr. Schmidlin verdankte, •erfolgte durch rotbedresste Jünglinge. Das Rennen der Tourenwagen. Einen prächtigen Auftakt brachte die Eröffnung: Stuck erhielt, da er sich infolge seines Unfalles in Freiburg mit der Strecke zu wenig vertraut gemacht hatte, von der Rennleitung die Erlaubnis für einen Trainingslauf. Der «Bergmeister» führ ein scharfes Tempo und riss sein blaues Rennungetüm verwegen um die Kurven. Als zweiten Fahrer und alleinigen Konkurrenten der 500-cm 3 -Klasse meldeten die Boschhörner den Bündner Buchwald auf Dixi, der den Berg in der für seinen Zwergwagen höeitfct respektablen Zeit von 24.37,8 bewältigte (Butenuth startete am Samstag nicht). Bei den 750-cm 3 stand Schneider auf Derby (ohne Kompressor) im Wettbewerb, der in letzter Stunde an Stelle des nichtkonkurrierenden Clerici (Salmson) als Nr. 6 startete, seinem italienischen Konkurrenten Gilera (nicht Sertori), der mit seinem Fiat sehr schön aus den Kehren der Vorfrutt kam. Clerici ist bei der Wagenabnahme zu den Sportwagen, die im «Internationalen Klausen» vom Start gehen,; übergeteilt worden, was von Fahrern seiner Klasse mit Recht eifrig begrüsst wurde. Rhyner musste vor dem Urnerboden aufgeben." Durch die 'Forfaiter klarung von Wilhelm (B. N. C.) spielte sich der Entscheid in der 1100-cm 3 -Klasse lediglich, zwischen Zemp auf Bianchi und Keller auf Alfa Romeo ab. Keller entledigte sich mit Chiron, der Held des Tatees. Routine der Angelegenheit in- der Weise, 4äss er seinen Konkurrenten im Ziel geradezu aufholte. Seine Zeit war fast genau 7 Minuten besser. Im Sologang (1500 cm 3 ), seine Frau als Passagierin an der Seite, erreichte Petley, auf Lagonda, der einzige Engländer im Rennen, die Passhöhe. In der nächsten Klasse (2000* cm a ) wurde der Ausfall von, Steinhuck mit seinem ehrwürdigen Fischer 1912 bekannt gegeben. Zylinderdefekt hinderte ihn an seinem traditionellen Rennen. Desgleichen erklärte Frhr. von Michel-Raulino (Austro-Daimler) Forfait. In der Folge siegte Dr. Karrer (Bugatti) in schönem Stil vor dem Italiener Buzio (Lancia). Trotz der sehr bemerkenswerten Zeit erklärte Dr. Karrer in einem Interview, dass er nur auf dem Urnerboden mit der Leistung; seines Wagens zufrieden gewesen sei. Buzio wurde von zahlreichen Landsleuten begeistert applaudiert. Die eigentliche Entscheidung sollte aber e*st in der 3000-cm 8 ~Klasse fallen. Den einzigen Ausfall, v. Natzmer, abgerechnet, verblieben noch neun Bewerber um die Bestzeit. Die starke Beschickung Hess einen rassigen Kampf erwarten. In dieser Klasse musste, nachdem auch Graf Arco Zinneberg mit seinem Mercedes-Benz-Kompressor abgesagt hatte, die Entscheidung über die beste Zeit des nationalen Rennens fallen. Wir Schweizer sahen dem Ausgang mit grosser Spannung entgegen, hatte doch Martini nicht weniger als vier Wagen genannt und ihre Habitues Gacon, Caspar und Giger ins Treffen geschickt.. Stocker, Lorraine-Dietrich, welcher mit seinen 21:54,6 nur sehr knapp hinter Berli steht, litt, wie der später startende Roth (Elcar), stark unter Vergasungsschwierigkeiten im obern Teil der Rennstrecke infolge der verdünnten Höhenluft. In der ganzen Klasse wurde sehr gut gefahren, was schon die verhältnismässig knappen Zeitunterschiede zeigen. Probst holte aus seinem Wagen das Maximum heraus, war namentlich auf dem Urnerboden sehr schnell und fuhr in den Kurven die hohe Schule des Rennfahrers, der schon hochtourige Renner spritzen liess. Zwimpfer auf Chrysler landete sicher in flottem Tempo. Der Höhepunkt aber war das Rennen der vier Martini. In beinahe regelmässigen Abständen donnerten sie aus den engen Kehren der Vorfrutt herauf. Sie la- ?en wundervoll auf der Strecke und zeigten eine rassige Reprise. Als Erster ging Kai nein führt mit 17s

mobilisten und Motorradfahrer hinaus und gerade das Bergrennen hat sich, als die geeignetste Konkurrenz für unser Land, eine mächtige Popularität' gesichert. Das Rennen der Sportwagen folgte im Anschluss an den zweiten Teil der bereits Samstag begonnenen Konkurrenzen der Motorradfahrer. Es spielte sich nur 'annähernd im Rahmen der Nennliste ab, hatten doch einige sehr ins Gewicht fallende ausländische Fahrer ihren Start im letzten Augenblick abgesagt, während das Feld der Konkurrenten noch durch meh- I Die Legion der Besucher. In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag setzte ein ungeheurer Zuschauerandrang ein. Unaufhörlich rollten die Wagen, Motorräder und Radfahrer durch die Dörfer, in denen rere Nachnennungen andererseits wieder wohl keiner ein Auge geschlossen hat. Alsbereichert wurde. So fielen vor 1 allem drei "wir in früher Morgenstunde, nach Herausgabe des Klausenspezialbulletins der «Autoren Teilnahme man nocrf- bis am Samstag Mercedesfahrer bester Klasse aus, mit demobil-Revue», nach unserem Quartier zurückkehrten, um noch rasch in den «journastein, Merck und Graf Arco Zinneberg sa- mittag glaubte rechnen zu können. Rosenlistischen Notschlaf» zu fallen, standen viele hen sich aber veranlasst, telögraphisch auf Bewohner von Qlarus bereits an der grossen den Start zu verzichten, und zwar grössten- Durchgangsstrasse vor den Häusern, in denen das Echo der Motoren widerhallte. Die ganze Nacht hindurch herrschte auf den Strassen ein Verkehr wie in einer Weltstadt, selbst von einem «Sens unique» konnte man sprechen: Richtung Klausen! Wir reihten uns in das unendliche rollende Band; («Gänge, Gas, Stop» ein, und es folgte auf der Fahrt zur Passhöhe eine automobilistische Geduldsprüfung! Die Verkehrspolizei arbeitete fieberhaft, jedoch souverän. In Linthal wurde die Schlange aufgeteilt. Ruckweise, etwas langsamer als auf offener Strecke, bullerte man durch die Sekuritasposten des Startes. Wieder hinein in die wirbelnde Staubfahne! Tausende von Pneus warfen sie auf, wie Nebelschwaden hing es über dem Berg, ohrenbetäubendes Geknatter erfüllte die Steintunnels. Nur im Schritt tiberholte man die dichten ZuschaueTgruppen. Sie säumten wie eine Kette die Strasse, während bergseits unablässig die Motoren brummten. In den Feldern, unter Bäumen, an den Hängen, auf Fiesbrocken lagerte eine gewaltige 'Menge Menschen, Menschen von Linthal bis zur Höhe. In den Steintürmen der VoTfrutt nichts als eine einzige Mauer von Gesichtern! Im Urnerboden standen Riesenkolonnen von parkierenden Wagen. Und noch waren Hunderte in unserem Rücken! Viele hatten die Nacht im Freien verbracht, unter Decken, Zelten oder unter dem allgütigen Schutz des Himmels. Trotz den Sportmeetings und bedeutenden 'Anlässen des Sonntags hatten Abertausende •den Klausen nicht vergessen. Die alte Liebe! Es mögen gegen die Fünfzigtausend gewesen sein, die gekommen waren. Der ganze Berg lebte, wartete, fieberte! Wer ward Sieger? , Für das diesjährige internationale Rennen lagen nicht weniger als 49 Anmeldungen vor, wovon 31 aus dem Auslande eingegangen waren. Da die Mehrzahl der von 1927 her bestbekannten Kämpen und weitere Asse des Volant ihre Teilnahme zugesagt hatten, war ein an sportlichen Glanzleistungen reicher Tag zu erwarten. Seit den ersten Tagen des Trainings konzentrierte sich die Diskussion immer mehr auf zwei Fragen: Bei den Beteiligten selbst, in Sportkreisen und auch im grossen Publikum drehte sich das «Wenn •und Aber > stets darum, zu wissen, ob Chiron wieder den Grossen Bergpreis gewinnen werde, wer an seine Stelle treten könnte und ob noch eine Unterbietung des jetzigen Rekordes möglich sei. Es hat sich das Interesse in eine Spannung verdichtet, die am Sonntag kaum mehr zurückzuhalten war und selbst der an Abwechslungen reiche Austrag in der Kategorie der Sportwagen vermochte die Legion der Klausenbesucher nicht von ihrem konzentrierten Interesse und einer eigentlichen persönlichen Anteilnahme für den Kampf der Grossen abzulenken. AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N°71 Nationales Rennen Tourenwagen I I I I Fabrik- TJJ I | & I §> & I • || 5 || || I «3 Lsf Ulnsl Zeit I Klasse «> Konkurrent „ , „ _, Marke I« 8 .§ |J 53 31H II Ü •§•§>•§ iafj§ Temps Bemerkungen § Fahrer — Conducteur „ , 2>g •§ * •gj Sg u =1= H- 5 8 - «£ a«-* «v « Classe pj Concurrent Marque de •§ 4j 33 a< N u s-i S§ ^SJ §5 ? Total Observations fabriqu6 " §| mm | ^ Icm.c Hp| S S| N p