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E_1929_Zeitung_Nr.071

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N» 71 — 1929 AUTOMOBIL-REVUE Internationales Rennen Klasse Classe Klasse H 500—750 eem. Klasse 0 750—1100 ccm. Klust F 1100-1500 com. Hasse E 1500-2000 com. Klasse D 2000-3000 ccm. Klasse C 3000-5000 ccm. Klasse B 5000-8000 ccm. 60 Konkurrent I Concurrent Fahrer — O teur 1. Automobiles Rosengart, Paris 2. H. Butenuth, Hannover 3. W. Hertenstein.Karlsruhi 1. 2. 3. 4. 5. 1. 2. 1. 2. 3. 1. 2. 3. 1. 2. 3. 4 5. 6. 7. 8. 1. 2. Donnet, Nanterre A. Kirohhofer, Biel H. Ollendorff, Wolfen (Bitterfeld) E. Friedrich, Bülaoh E. Schneider, Zürich E. G. Burggaller, Berlin G.Natali, S.Vittore Olona Alfa Romeo, Milano W. Esoher, Zürioh M. Dafaxra, Vigevajio Graf E. von Kalnein, Schloss Domnau G. Strazza, Milano C. F. Buzio, Vareso Neue Automobil A.-G. Martini, St-Blaise Neue Automobil A.-G., Martini, St-Blaise Neue Automobil A.-G., St-Blaise E. Berli, Basel W. Stocker, Zürich Freiherr von Michel Raulino, München Zero, Zürioh O. Zwimpfer, Zürch A. Momberger, Frankfurt a. M. W. Billwiller, Geneve J. Vinataer, Paris H. Butenuth, Hannover W. Hertenstein, Karlsruhi Lepicard, Nanterre A. Kirchhofer, Biel H. Ollendorff, Wolfen (Bitterfeld) E. Friedrich, Bülaoh E. Schneider, Zürich E. G. Burggaller, Berlin G.Natali, S.Vittore Olona J. Kassler, Zürich W. Escher, Zürioh M. Dafarra, Vigevano Graf E. von Kalnein, Schloss Domnau G. Strazza, Milano C. F. Buzio, Varese J. Gacon, La Chaux-de-Fonds E. Caspar, St. Gallen 0. Giger, Zürioh E. Berli, Basel W. Stooker, Zürioh Freiherr von Michel Raulino, München Zero, Zürioh H. Gübelin, Zürioh A. Momberger, Frankfurt a. M. W. Billwiller, Geneve Fabrik- Marke Marque de fabrique Rosengart mit Kompr. Hanomag Kp. Dixi m. Komp. Donnet Komp. SaLtnson Salmson Amilcar Derby Kompr. Bugatti Komp. Alfa-Romeo Kp. Alfa-Romeo Kp Bugatti Komp. Alfa-Romeo Kp Bugatti mit Kompr. Lancia Lancia Martini Martini Martini Martini Lorraine Austro- Daimler Steyr Chrysler Mercedes-Benz mit Kompr. Mercedes-Benz mit Kompr. Sportwagen Rennwagen Klasse H 500—750 ccm. 1. F. C. Meyer, Stuttgart F. C. Meyer, Stattgart D.K.W.Komp. 29 2 74 68 684 15 — 1 — 23.58,6 •aS HP Zeit Temps Total 23.09,8 30.24,4 40.09,4 19.66,4 22.40,0 24.06,6 25.41,8 36.15,8 18.57,4 19.37,0 18.34,6 18.54,4 19.26,4 17.67,8 19.27,2 21.48,0 20.07,6 20.64,4 20.54,6 21.31,6 21.43,2 21.6748 22.44,2 23.02,8 18.23,2 18.44,0 Bemerkungen Observations Spezialpreia der „Automobil-Revue" Speziaipreis; berter Schweizerfahrer. Speziaipreis; beste Autoequipe (Chiron, Kalnein, Escher)._ Speziaipreis: beste Autoequipe (Chiron, Kalnein, Esoher). Speziaipreis: beste Z. der Sportw. Klasse C 750—1100 ccm. 1. A. Clerici, Milano A. Clerici, Milano Salmson Kp. 29 4 62 90 1088 60 — 1 — 20.33,2 2. E. Evans, Zürich E. Evans, Zürioh Amilcar Komp. 27 6 65 74 1095 80 — 1 — 22.28,3 Klasse B 1500-2000 ccm. 1. D. de Sterlioh-Aliprandi, D. de Sterlich-Aliprandi, Maserati Roma Koma * mit Kompr. 29 8 62 82 1982 90 — 1 — 18.16,0 2. Dr. J. Karrer, Zürioh Frl. E. Münz, Zürioh Bugatti 27 8 60 88 1988 80 — 1 — 22.51,6 Speziaipreis für die beste 3. H. Stuber, Bern H. Stuber, Bern Bugatti Kp. 29 8 60 88 1988 90 — 1 — 23.12,6 Dame, 4. Simson, Lyon Simson, Lyon Bugatti Kp. 29 8 60 88 1988 90 — 1 — 41.27,4 JSuieD 2000-3000 ccm. 1. L. Chiron, Paris L. Chiron, Pari« Bug»ttl Kp.j 29 8 60 100 2262 170 — 1 — 16.42,4 Bette Zelt d. Rennwagen« KUuieC 8000-5000 ecm. 1. H. Stuck ¥. Viülez, H. Stuck v. Villiez, Gut Sterz Gut Sterz Austro-Daimler 27 6 79 112 3286 100 — 1 — W.45,6 SpezUlprete für »reit. 2, A.Rosenberger,Pforzheim A.Rosenberger, Pforzheim Meroedes-Benz beste TageizeÜj mit Kompr. 24 4 03 93 16S 165 4500 180 — 1 — I7.B3£ »Neuer Klausenrekord. Speziaipreise: Grosser Bergpreis der Schweiz 1929. Beete Zeit der Rennwagen, beste Autoequipe (Chiron, Kalnein, Esoher); beiter An«1»nd«f*hrer; für Erhöhung de» Kfeasenrekorde»! SA N cm"C 29 4 56 76 750 2 5 — 1 330 29 4 55 79 - 760 3 0 — 1 330 29 4 66 76 760 2 0 — 1 330 26 4 62 91 1100 50 — 1 420 25 4 62 90 1088 30 — 1 420 28 4 62 90 1088 30 — 1 420 26 4 60 95 1074 30 — 1 420 29 4 61 94 1100 40 — 1 420 28 4 68 100 1450 7 0 — 2 660 29 6 62 82 1487 60 — 2 660 29 6 65 88 1748 8 0 — 2 780 29 8 60 88 1988 9 0 — 2 780 29 6 65 88 1748 80 — ,2 780 29 8 60 100 2262 8 0 — 2 860 29 4 86 120 2781 " 35 — 2 860 28 4 83,5 130 2848 35 — 2 860 28 6 88 120 4365 8 0 — 4 1200 28 6 88 120 4365 8 0 — 4 1200 28/29 6 88 120 4365 90 4 1200 29 6 88 120 4365 8 0 — 4 12OO 28 6 75 130 3437 9 0 — 4 12OO 28 6 76 110 2990 1 0 0 — 4 12OO 28 6 88 134 4890 1 4 0 — 4 12OO 29 6 82,5 127 4075 8 0 — 4 12OO 29 6 100 150 7050 2 0 0 — 4 1680 29 6 100 150 7050 2 0 0 — 4 i 6 80 I Min. I Sek. Mann einfach nicht in Erfahrung bringen, weil er immer wieder seinen Bekannten über das Geschehene Auskunft geben musste. Nach den Erfolgen der Martini-Fahrer am Vortage war man auf ihre Haltung im internationalen [Wettbewerb um so gespannter. Sie gaben wiederum eine eindrucksvolle Demonstration für unsere •nationale Marke zum besten, indem sie mit der Regelmässigkeit eines Uhrwerkes wiederum in kurzen Zeitabständen aufeinander folgten und durchiwegs den besten Eindruck hinterliessen. Gacon verbesserte seine Zeit von 20.15,2, welche ihm am Samstag bereits den Sieg seiner Klasse und die teste Zeit der Tourenwagen gebracht hatte, noch mm ganze 8 Sekunden und stellte sich mit 20.07,6 wieder an die Spitze seiner Markenkollegen. Ein interessantes Detail ist übrigens der Umstand, dass die vier Kämpen genau wieder in der nämlichen Reihenfolge klassifiziert werden, wie am Samstag. iEu dieser Zeit setzte gerade ein heftiges Nebeltreiben jein, welches einigen Bewerbern der Klasse ordentlich zusetzte und sie in der freien Sicht arg behinderte. Dennoch brachte Stocker auf Lorraine eine noch sehr respektable Zeit heraus. « Zero » auf Steyr, der ja allen regelmässigen Rennbesuchern nichts weniger als ein Unbekannter war, bekam ^wirklich etwas von dem ominösen Decknamen ab. |?Er hatte sich in bestem Tempo auf den Weg geroacht, als nacheinander zwei Zylinder versagten und der Motor nur mit zwei Drittel Kraft über die ^Strecke hülpte. Die mächtigste der Sportwagenklassen war, wie "(wir bereits erwähnten, zu einem beträchtlichen Teil •wm ihre « Star »-Besetzung gekommen. So blieb •denn das Rennen eine Angelegenheit zwischen den beiden noch verbleibenden Mercedes-Benz-Kämpen. iMomberger vermochte einmal wegen teilweise mangelnder Brennstoffzufuhr, dann aber auch wegen einem Detail, das im Leben der Rennfahrer bekanntlich immer eine sehr grosso Rolle spielt, die bisherige Bestzeit der Kategorie nicht zu verbessern. Unmittelbar vor dem Start waren nämlich seine Sitz- und Rückenkissen verwechselt worden, so dass sich der Fahrer einfach nicht wohl fühlte und schon durch dieses Missbehagen ordentlich beeinträchtigt war. Recht tapfer hat sich der Herrenfahrer Billwiller gehalten, der eine bemerkenswerte Leistung erzielt, nachdem ihm ein Gang festsass und er die ganze Strecke fast nur in der Zweiten zurücklegen konnte. Das Rennen der « As ». Die Stimmung im Publikum war inzwischen lebhafter geworden, und es kaim sichtlich eine neue Bewegung in die Masisen, als gegen 1 Uhr der Start der Rennwagen erfolgte. Der Zwergwagen D. K. W. von Meyer brachte noch nicht die Attribute eines echten Rennwagenlaufes in die Sache hinein. Ueberhaupt scheinen uns Starte von Maschinen mit so geringem Zylinderinhalt in der Klasse der Rennwagen mehr zu den Spielereien zu gehören, welche technisch wohl kaum etwas Nennenswertes zutage fördern und auch beim Publikum nicht einen sonderlich nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Der Milaneser Clerici war, wie an anderer Stelle gemeldet, bei der Abnaihme aus dor Tourenwagenklasse mit Recht ersetzt worden, da sein SaLtnson entschieden weit mehr der Spezies der Renner zugerechnet werden musste. In gutem Stil brachte er sein Pensum in 20.33,2 hinter eich, gefolgt von Evans, dem jugendlichen Engländer, der sich durch nichts aus seiner stoischen Ruhe biingen liess und sich, am Ziel angekommen, erst nachdem er die Pfeife angezündet hatte, entschloss, A. Momberger, auf Mercedes Kompressor 8000 ccm fährt die beste Zeit seiner Klasse doch anch gelegentlich nach seinem Resultat Nachfrage zu halten. Die nächsthöhere Klasse blieb leider verwaäst, da sich viele schon auf den Start von Ssndri mit einem an unseren Rennen zu einer Seltenheit zählenden Maserati, gefreut hatten. De Sterlich, das italinische «As du volant» erlebte am Klausen eine bittere Enttäuschung. Mit südländischer Verve hatte er sich ins Rennen gelegt, mit der festen Absicht, den evizzeri einmal feinste italienische Schule zu zeigen und seine Hausmarke Maserati gleich mit dem nötigen Glorienschein einzuführen. Er startete auch mit flitzendem Tempo, war aber durch den Bruch des Schalthebels in. der späterem Bezwingung der Strecke arg behindert. De Sterlich wollte aber das Unmögliche schaffen und versuchte von Hand den kläglichen Stummel des Hebels zu bedienen, wobei er sich seine linke ganz bedenklich verkratzte und zerschnitt. Es langte ihm freilich zu einem ehrenvollen Klassensieg, allein seine Zeit hat ihn selbst am allerwenigsten befriedigt. Fräulein Münz, die einzige Dame im ganzen Rennen, entledigte sich ihrer Aufgabe in gutem Stil, und hätte bestimmt eine noch günstigere Zeit erzielt, wenn sie nicht durch die unheimliche Musik des abgebrochenen Auspuffrohres, das bis hinauf zum Ziel am Boden nachschleifte, in ihrer Sicherheit beeinträchtigt worden wäre. Die Demonstration zugunsten der Damenfahrerin wurde übrigens durch den weiblichen Passagier noch wirkungsvoller gestaltet und überall freudig begrüsst. Es folgte nun Stuber, die erste der vier Kanonen, welche das Programm uns bisher noch vorenthalten hatte. Nachdem er in der diesjährigen Saison die Tagessiege nur so eingeheimst hat, rechnete man allgemein damit, daßs er beim eletzten Lupf» auch noch ein gewichtiges Wort mitzureden haben werde. Er hat sich zwar selbst nie der Illusion hingegeben, auch am Klausen als Erster aus dem Streite hervorzugehen, aber viele «.:•>»•

AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N°71 seiner Bewunderer erhofften doch insgeheim eine solche Ueberraschung. Er hat eich schon während der Trarining6tage äusserst anerkennend und begeistert über die Fahrtechnik eines Chiron oder Stuck geäussert und in ihnen eigentliche Meister des Volants und fast unbezwingliche Gegner erkannt. Seine Fahrt in den ersten Kilometern Hess aber an Verwegenheit nichts zu wünschen übrig, und die Zuschauer in der unteren Streckenhälfte verloren ihn mit der festen Ueberzeugung , aus den Augen,, dass er nicht weitab vom Bestresultat des Tages abschliessen werde. Die Ventilation arbeitete aber nicht einwandfrei und bald lief der Motor viel ,zu heiss. Unmittelbar unter der Zielgeraden stieg aus seinem Wagen plötzlich eine mächtige Rauchsäule, so dass alles eine Explosion oder einen Brand befürchtete. Seine Maschine wurde genau am nämlichen Ort vom Schicksal erreicht, wie vor zwei Jahren der Mercedes-Benz von Rosenberger an seiner denkwürdigen, aber vorzeitig wegen Feuer abgebrochenen Fahrt im internationalen Rennen. Stuber stoppte seinen Wagen, fuhr, nachdem sich die Rauchschwade verzogen hatte, eine beträchtliche Strecke zurück, um wieder anfahren zu können" Das Manöver des Rückwärtsfahrens, um den Motor •wieder in Gang zu bringen, musste aber mehrere Male wiederholt werden, bis es gelang, den Wagen wieder in seine Gewalt zu bringen. Bei diesem aufregenden Zwischenfall gingen natürlich kostbare Minuten verloren, während welchen sich das Sirenengeheul des von Chiron gemeisterten Rennungetüms immer beängstigender näherte. Stuber mag in der Hitze des Gefechtes mit seiner unerfreulichen Situation und der Maschine so beschäftigt gewesen sein, dass er sein ganzes Denken nur noch auf sich selbst konzentrierte, ohne sich Rechenschaft über den nachfolgenden Fahrer zu geben. So wenigstens muss sein Vorgehen erklärt werden, als Stuber in der Verbissenheit seines Eifers sich einfach nicht zur Aufgabe entschliessen konnte und in bedenklich schwachem Tempo gegen das Ziel hinaufkroch, währenddem sich Chiron in blitzartiger Fahrt schon in beängstigende Nähe hinaufgearbeitet hatte. Zuguterletzt lenkte Stuber doch noch ganz in das Strassenbord hinein, um so wenigstens dem Franzosen einen freien, wenn auch nicht ganz ungefährlichen Durchpass zu ermöglichen, um nach dessen Triumphzug unter einem weniger begeisterten Empfang doch noch nach einer Fahrt von 23.12,6 übers Zielband zu gelangen. Das Publikum, das mit wachsender Nervosität den verschiedenen Startversuchen Stubers gefolgt war, machte seinem Missbehagen, dacs in der Sorge um das Wohl des nachfolgenden Chirons begründet war, nicht zu mißsverstehenden Ausdruck. Gemessen an dem durch die unglücklichen Manöver erlittenen Zeitverlust, ist Stubers Resultat immer noch bemerkenswert, und man kann sich vorstellen, welches unheimliche Tempo er in der unteren Hälfte der Fassstrasse vorgelegt haften musste. Chiron! Chiron wurde mit einem Jubel und einer einhelligen Begeisterung empfangen, wie man sie einer schweizerischen Sportgemeinde gar nicht zugetraut hätte. Als erst noch die genaue, Zeit bekanntgegeben wurde, da kannte der Enthusiasmus kaum mehr Grenzen, und während der sympathische Franzose am Auslauf einen Augenblick dem Kreuzfeuer der Photographen standhält, um dann nachher mit der grössten Ruhe und Selbstverständlichkeit über seine Fahrt in verblüffender Einfachheit zu berichten, wogt die überschäumende Welle der Begeisterung immer noch durch die Massen. Wie sehr jedermann am Ausgang des Rennens interessiert war und am Glanzresultat teilnahm, bewies schon der Umstand, dass es sich Herr Decrauzat, der Präs. der N.S.K., angelegen sein Hess, die überraschende Mitteilung den Pressevertretern selbst mitzuteilen, um sie nicht erst auf das Bulletin warten zu lassen (da in diesem Augenblick der Spannung selbst die vorzügliche Bedienung der Presse durch den Rennsekretär, Herrn Dr. 1 Schmidlin, nicht schnell genug häte arbeiten können) und die Notizblätter füllten sich einmal so schnell, als seine Information: « Messieurs ! le record est battu 1 » lautete. Auf 16.42,4 steht Chirons Zeit, also um rund 35 Sekunden besser als die vorletztjährige Glanzleistung Rosenbergers und um 53 Sekunden schneller als seine eigene Siegesfahrt anno 1927! Er hatte sich aber auch gut vorbereitet! Chiron, der eigentlich wenig Bergrennen absolvierte, wusste nur zu genau, dass Fahrer wie Stuck, der dank seiner brillanten Technik und Erfahrung mit Recht als ungekrönter König der Bergrennen gilt, oder Rosenberger, der ja am letzten Klausen am Tage der nationalen Rennen eine bessere Zeit erzielt hatte, ebenso aussichtsreiche Anwärter auf den Bergpreis oder einen neuen Rekord waren wie er selbst. Seine Zeit während des Trainings hat er sorgfältig ausgenützt. Zusammen mit seinem Mechaniker wurde Kurve um Kurve auf das genaueste analysiert, ihre Länge, Krümmung, Ein- und Auslauf genau unter die Lupe, genommen. Ja, vor verschiedenen Kurven weisen Meilensteine farbige Kennzeichen auf, die dem Verlauten nach von Chirons Leuten nach seinen Anweisungen aufgemalt wurden und ihm den kritischen Punkt des Strassenbogens auf gute Distanz anzeigten. Bei der Wagenabnahme bemerkten wir unter den Zuschauern Das einen mit grösstem und diskretem Schick gekleideten Herrn, der. von einem Rassehund begleitet, seinen Morgenspaziergang machte und gerade im Vorbeiweg auch der Wagenabnahme einen Augenblick zuschaute. Wohl irgendein glücklicher Kurgast, mögen Aussenstehende gedacht haben 1 Es war aber Chiron, der unbekümmert um die Aufregung und den Eifer eines Teiles der sich eingefundenen Fahrer seelenruhig und inkognito in der Morgensonne sich erging, gerade als ob er nichts vorhätte. Wir mussten unwillkürlich an diese an und für sich unbedeutende Begegnung denken, als er in so souveräner Weise den Klausen bezwang und von begeisterten Freunden beim Ziel auf die Schulter gehoben und im Triumph herumgetragen wurde: In dem harmlosen Bummler von gestern hätten wohl nur wenige den ausgerechneten Fahrer, den brillanten Rennsportler, den zweifachen Sieger des Grossen Bergpreises von heute erkannt! Stuck! Das Resultat war noch in aller Munde, als auch schon Stuck wie eine Kugel aus dem Rohr die Strasse hinaufschoss, der nämliche Stuck, der erst beim Freiburger Bergrekord dem Tod in die Augen gesehen hatte. Trotzdem seine Gesundheit sicher noch nicht die beste ist, hat er dem klassischsten aller europäischen Bergrennen nicht fernbleiben wollen und stellte sich rechtzeitig zum Training ein. Freilich mit den Probefahrten war's nicht von grosser Tragweite. Sein Rennwagen traf nämlich erst in letzter Minute vom Auslande her ein, und so begnügte sich der Meister der Bergfahrt mit einigen Läufen auf einem Tourenwagen, wohl mehr um sich in Form zu halten als um einem ganz bestimmten und systematischen Training obzuliegen. Ihm war zwar die Strecke vom letzten Klausen her noch nicht bekannt, startet er doch das erste Mal zu unserem schweizerischen «Grand Prix», aber seine reiche Erfahrung und grossartige Sicherheit Organisationskomitee: Von links nach rechts: Bretscher, Jenny-Luohsinger, Süssmann, Tön- 1 dury, Schmidlin, Decrauzat, Ruoff. im Fahren ersetzt ihm mangelnde Ortskenntnis-« Mit seiner kompressorlosen Austro-Daimler legte et nach den Fachausdrücken der Galerie ein «meineidiges Tempo » vor, so dass die für so sicher ge-» haltenen Siegeschancen Chirons wieder in Frage gestellt schienen. Tatsächlich schlug Stuck nicht nur den Rekord in Grund und Boden hinein, sondern näherte sich mit seiner Zeit bis auf 3,2 Se-< künden dem Resultate des Franzosen. Bei der noch! empfindlichen Gesundheit, dem knappen Trainine und einem kompressorlosen Wagen wahrlich eint Leistung, die ihresgleichen suchen wird I Rosenberger! Nun heulte endlich auch noch die von vieletf gefürchtete «Grossmutter» über die Strecke und wand sich unter der eisernen und sicheren Führung Rosenbergers mit Höllentempo in die Kurvenj Bekanntlich traf Rosenberger, deT Rekordmann von*: 1927, mit jenem Mercedes-Wagen ein, der seinerzeit für den Grand Prix de France im Jahre 191^ erstellt worden ist und zufolge seines für einen Rennwagen sicherlich ehrwürdigen Alters unter den! internationalen Sportleuten als die • Grossmutter * bekannt geworden ist. Die Fahrt in den ersten dreS Kilometern Hess erkennen, dass Rosenberger seina vorletztjährige Bestzeit sicher zu egalisieren, wenn nicht zu verbessern gedachte. Allein die schon ordentlich ausgefahrene Strasse mit ihrem zum Teil blossgelegten Erd- und Steinbett wurde ihm bereits zunt Verhängnis, indem bei einer blitzschnellen Schleuderwirkung der Vorderwagen an einem Kilometer-i stein anschlug und dem Fahrer fast das Steuer aus der Hand zu reissen drohte. Die Lenkung er- Mtt eine wuchtige Erschütterung, die sich einerseits am Wagen selbst auswirkte und Rosenbergeü in der Ausnützung des Tempos ganz gewaltig hinderte, die aber auch ihn selbst mitgenommen hatte« indem ein langdauernde Schmerz in Achsel und Arm die Folge war. Dass auf diese Weise den Resultaten der beiden Vorgänger nicht mehr beizukommen war, stand fest, und das Gros der deutschen Besucher, die so siegesbewusst an den Klausen gefahren kamen, mussten sich damit abfinden, dass neben dem besten Wagen und dem wägsten Fahrer eben doch noch viele Zufälligkeiten den Ausschlag geben können. Rosenbergers Zeit bleibt dennoch unter den oB* waltenden Umständen eine Glanzleistung und darf sich als drittbeste Zeit des diesjährigen Klausenrennens der Automobile wohl sehen lassen. Aber man wird eben von den Meistern des Volants selbst verwöhnt und erwartet von ihnen immer wieder neue Spitzenleistungen. Rosenberger wird es daran auch nicht fehlen lassen, wenn seine Zeit wiedex gekommen ist. Das Zeug dazu hat er I Die Rekorde gebrochen. — Regen und Verkehr. So haben also ihrer zwei den Rekord gebrochen« einen Rekord, der mit Recht vor zwei Jahren als eine Prachtsleistung gefeiert wurde. Wir haben schon eingangs erwähnt, wie sehr sich die Diskus-* sion in weiten Kreisen um die Frage drehte, ob die-» ees Jachr eine neue Bestzeit aufgestellt werde. Selbst optimistische Sportkreise sprachen sich diesbezüg-> sehr zurückhaltend aus, und man dachte im günstigsten Fall aaa eine Unterbietung von höchstens einigen Sekunden. Nun ist aber ganz gründlich, mit ihm aufgeräumt worden: Chiron verbessert ihn' um 35 Sekunden, Stuck um 32 Sekunden. Es ent-< lüiemailonales Kiansenrennen 1929 NATIONALES RENNEN QUALITÄT U. fia AUF MARTINI INTERNATIONALES RENNEN LASTWAGEN OMNIBUSSE CARSALPINS CHIRONAUFBUGATTI (Beste Tageszeit, neuer Rekord) STUCK-v.VILLIEZ auf AUSTRO-DAIMLER Alle mit INTILLA -MAGNETOS unübertroffen Aktiengesellschaft Adolph Saurer, Arbon Reparaturwerkstätteni ARBON, BASEL, MORGES, ZÜRICH