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E_1929_Zeitung_Nr.072

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Ausgabe*. Deutsche Schweiz. BERN, Mittwoch 21. August 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N° 72 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erseheint Jeden Dienstag und ßrtitag Monatlich „(Wh LkW" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Porbmuchlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Tostcheck-Reohnune 111/414 > relephon Bollwerk 39.84 , . Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratensehiuss i Tage vor Erscheinen der Kammern Die St. Mopitzes? Automobilwoche. Die Internationale Sternfahrt gewinnt Zettritz auf Mercedes-Benz. Von 28 Teilnehmern erreichen 16 das Ziel in reglementarischer Zeit. Am 21. August Kilometer »Rennen mit grossem Nennungserfolg. Ueber 40 Fahrer kämpften um die Siegestrophäe, darunter Chiron, Rosenberger, Caraciola und Stuck. Drei Jahre sind es her, dass der Kanton Graubünden dem Automobil erschlossen wurde. Aber während dieser kurzen Zeitspanne nahm die Automobiltouristik im Lande Alt Fry Rhätien einen Aufschwung, den kaum jemand zu träumen gewagt. Sprunghaft wuchs von Jahr zu Jahr die Zahl derer, welche kamen, die Schönheiten dieses Neulandes, dieses wahren automobilistischen «playground», zu schauen, die stille Grosse seiner Täler, die lichte Weite seiner Höhen. So mächtig schritt die Entwicklung des Automobilverkehrs voran, dass St. Moritz, zur Drehscheibe der Autotouristik in Bünden geworden, schon letztes Jahr den Moment für gekommen hielt, mit einer Veranstaltung automobilistischen Charakters auf den Plan zu treten. Und die Schönheitskonkurrenz — denn um eine solche handelte es sich — gelang, wiewohl in bescheidenem Rahmen aufgezogen, gleich auf ersten Anhieb. Der Wurf war geglückt, und das genügte dem Unternehmungsgeist von St. Moritz, um den Wunsch nach neuen, grösseren Taten in automobilistischen Dingen zu wecken. Nicht mehr und nicht weniger setzte er sich zum Ziel als die Durchführung eines grosszügigen, modernen Automobil-Meetings. St. Moritz war dafür der gegebene Ort, vereinigt es in sich doch alle Voraussetzungen, welche den Erfolg einer solchen Veranstaltung zu gewährleisten vermögen: ein Kurort von internationalem Ruf, ein Sportzentrum, dessen Namen heute jedem Kinde geläufig ist, und eine aus jahrzehntelanger Erfahrung geschöpfte Routine in organisatorischen Belangen. Hinzu reihen sich die Vorzüge seiner leichten Zugänglichkeit, seiner Lage im Brennpunkt grossartiger Passstrassen, als da sind: Bernina, Maloja, Julier, Albula, Ofen und Flüela. Darüber hinaus besitzt es, sei es in seinen eigenen Mauern, sei es in seiner nächsten Umgebung, ideale Plätze und Pisten für die Durchführung automobilistischer Konkurrenzen. Im Augustschnee über den Julier: von unserem V.-SpezMbertchterstatter. St. Moritz, den 20. August 1929. Die automobilistischen Meetings dieses Monats überstürzen sich. Vom Klausen kommend, fuhren wir in der Montagfrühe durch die dunklen Windungen der Schöllenen, nahmen dann den Oberalp in Angriff, um dem jungen Rhein nach Bonaduz zu folgen. Die Versamerschlucht durchrasten wir trotz des halsbrecherischen Strässchens in einem verwegenen Tempo, da die regnerische Witterung die Steine an den Hängen gelöst hatte. Ab und zu ging ein Rutsch nieder, einmal lag sogar ein Stein über dem Weg. Kurz vor Einbruch der Nacht machten wir uns, gestärkt mit rotem Bindenfleisch und noch röterem Sasella, an die scharfen Windungen des Julier : und erlebten eine seltsam verzauberte Fahrt. Lautlos durcheilte unser Wagen ein schweigsames, verschneites Tal. Verlassene Häuser standen seitab und verwitterte römische Wachttürme aus vorchristlicher Zeit. Ueber den Nebeln drohten gespensterhaft die Felskuppen, und die Strasse verlor sich an einigen Bäumen vorbei ia die Unendlichkeit. St Eine halbe Stunde später begrüsste uns das Lichtmeer der Hotelpaläste von St. Moritz. Trotz dem handtiefen Schnee hatten wir den Julier ohne Ketten im Parforcetempo genommen. Auf dem Bureau des Kurvereins herrschte 9 Uhr abends noch Hochbetrieb. Aus allen Zipfeln des Kontinents kamen telephonische Anfragen. Herr Dr. Locher, Chef des Propaganda- und Nachrichtenkomitees, sass ununterbrochen am Apparat. Noch am gleichen Abend statteten wir dem Office der Rennleitung im « Monopole» einen kurzen Besuch ab. Der Empfang war äusserst liebenswürdig. Die Herren Töndury, Rennleiter, und Dr. Schmidlin, Rennsekretär, sassen mit einigen weiteren Herren des Organisationskomitees an einem grünen Tisch bei der Berechnung der Resultate der Sternfahrt. Die Sternfahrt Die Ankunft. Sechzehn Teilnehmer trafen heute zwischen 16 und 19 Uhr beim Kurhaus St. Moritz-Bad ein. Punkt 16 Uhr passierte der Mercedes-Benz-Fahrer Zettritz das Zielband. Schauplatz der Begrüssung war infolge des beharrlichen Regens die Bar des Kurhauses. Mädchen in Engadinertraeht überreichten einen Blumenstrauss. Zwei Minuten später wurde Quaglino mit seinem Fiat ebenfalls herzlich begrüsst. In kurzen Abständen folgten sich die übrigen Konkurrenten in nachstehender Reihenfolge: Wolf (Hanomag), Ziolkowska (Chevrolet), Jansohn (Mercedes- Benz), Bianchini (Fiat), Oesterlein (Mathis), Kudrnac (Tatra), Just (Mercedes-Benz), Lönhödt (Chrysler), Bernet (Mercedes-Benz), Töndury (Lancia), Hauss (Mercedes-Benz), Wessels (Mercedes-Benz), Buchwald (Dixi), Handge (Dixi). Der letzte Sternfahrer erreichte das Ziel um 18.30 Uhr., Die Konkurrenten hatten mit dem Montag einen Tag hinter sich.der als eigentlicher Prüfstein der Zielfahrt zu bezeichnen ist, fiel doch »bis auf 2000 Meter hinunter Schnee. Der Julier war ganz eingeschneit. Moritz, das Zentrum der internationalen AutomoMlwoche. Nachzügler. Gewaltiges Pech hatten zwei Sternfahrer, die nach Mitternacht St. Moritz erreichten : Herr Buchli, Chefredakteur des « Münchener Sport-Telegraph», war in Kleinasien gestartet und dort in wahrstem Sinne des Wortes unter die Türken geraten, die ihn einen ganzen Tag behalten haben. Dr. Lieschke, gestartet in Hamburg, wurde am Stilserjoch eingeschneit. (Resultate siehe Seite 2) Sachliches Die Organisation ist grosszügig aufgerollt. Uns Presseleuten, geht es gut. Täglich werden wir von der Rennleitung mit Bulletins bedient. Bis zur Stunde haben sich über 30 Journalisten aus der Schweiz, Italien, Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Litauen, England und Argentinien eingefunden. Sehr schlecht ist es indessen um den Postdienst zur Uebermittlung der Berichte bestellt. Ein Expressbrief abends 23 Uhr hier aufgegeben erreichte Bern nicht vor 18 Uhr des folgenden Tages. Die telephonische Verbindung nach Bern benötigt 45 kostbare Minuten journalistischen Tatendranges! Dabei melden Plakate, dass man in einer halben Stunde mit ganz Europa sprechen könne... Die Hotelstadt in den Bergen. St. Moritz zeigte sich heute morgen in seiner ganzen Mondänität. Das Publikum ist hochelegant.'. Die sportliche Mode belebt dieses einzigartige Fremdenzentrum an den engadinisehen Bergseen. Die-Nummernschilder der Wagen, dokumentieren die starke Internationalst. (Sogar ein türkisches Auto stand vor einem Hotel.) Herrlich die Klarheit dieser Berge,-dieses wie von den Gletschern, genährten Lichtes. Urnatur und Ueberkültur schaffen einen-Kontrast von bleibendem Eindruck. Die, herbe •Luft, .die .beschneiten Berge, das. rauhe Tal einerseits, die mit: allen Raffinements des Landes herausgeputzten Menschen anderseits — das ist phäiitastische Bizarrheit. r:; :^: *';,.,> Vor dem ersten Rennen. A ä Einer Einladung des liebenswürdigen Renrichefs;- Herrn Töndury, Folge leistend, fuhren* wir in seinem Lancia die Shellstrasse ab, auf der morgen das Lance ausgefahren wird. Sechs Meter breit zieht sie sich durch die Ebene. Mitten durch die Strasse läuft ein breites, weisses Band, das dem Fahrer erlaubt, seinen Wagen zu kontrollieren. Mit 120 ging's dahin, weich wie über ein Billard. Eine herrliche Jagd : Chronometerstand, Tribünen, Menschen fliegen vorbei, der Motor orgelt und die Luft an den Scheiben klirrt. Von der straffen Rennleitung wurde der Ordnungsdienst stramm geregelt. Man sah selbst berittene Polizei. Zahlreiche Kurgäste aus St. Moritz, Pontresina und Samaden wohnten den Versuchen bei. Während Chiron schon am Morgen geübt hatte, starteten Stuck (Austro-Daimler), Sarbach (Amilcar), Escher (Bugatti), sowie eine ganze Reihe weiterer bekannter Fahrer der Probeläufe am Nachmittag. Es ging sehr lebhaft zu, handelt es sich doch um die letzte Trainingsgelegenheit, denn morgen früh schon ist die Wagenabnahme. Die Strecke wird ausnahmslos geräumt. In der Richtung Pontresina-Samaden werden infolge einer spürbaren Neigung der Piste die schnelleren Zeiten erzielt. Stuber fährt nur am Berninarennen. St. Moritz, den 21. August 1929. Heute regnet es in Strömen. Vielversprechende Aussichten. Der Kilometer Lance Am Mittwoch wurde nachmittags der Kilometer Lance ausgefahren. Abends fand im Grand Hotel ein grosser Ball statt. Die Shell-Strasse, auf der das Kilometerrennen ausgetragen wird. Skizze vom Training.