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E_1929_Zeitung_Nr.073

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Ausgabe: Deutsche

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Samstag, 24. August 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N° 73 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Galbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenralnstruie 97, Bern Rappen. Postcheck-RechnunB III/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe GrundzeUe oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Gts Grössere Inserate nach Seitentarif. tnseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Hoher Automobilsport im Engadin Am Kilometer-Rennen fährt Rosenberger die beste Zeit des Tages mit 193,5 km Stundenmittel. Caracciola klassiert sich als Zweiter mit 176,4 km Stundengeschwindigkeit, Zettritz beste Zeit der Tourenwagen, Momberger beste Zeit der Sportwagen. An der Geschicklichkeitsprüfung triumphiert Stuck. Das St. Moritzer Kilometer-Rennen. Ein grosserTag für Mercedes-Benz.— Schöner Sport und vorbildliche Organisation auf der Shellstrasse. (V.-Spezialbericht.) St. Moritz, den 21. August 1929. Ein regnerischer Morgen und ein kalter Nachmittag. Gestern abend hoffte ganz St. Moritz auf gutes Wetter, heute morgen goss es in Strömen. Während der Wagenabnahme in Samaden sah man noch einige Fahrer auf der nassen Strecke, die, wie Sarbach zum Beispiel, ganz bedenklich schleuderten. Abhaltung oder Verschiebung? Bis halb zwei Uhr war der Entschluss der Rennleitung noch nicht gefallen. Das Wetter : selbst gab in letzter Minute die Antwort. Der tiefe Wolkenmantel hob sich und der Regen versiegte. Noch unter den letzten Tropfen setzt© eine kleine Völkerwanderung, von Wagen nach Samäden ein. Am Startplatz herrschte starker Andrang. Man rechnet, dass mindestens 3000 Personen dem Lance beigewohnt haben. Das ist, trägt man den geradezu polaren Luftströmungen Rechnung, ein schöner Erfolg. Während den zwei Stunden, die das Rennen dauerte — es wurde um 3 Uhr gestartet — sass man mit schlotterndem Gebein auf ider hohen Tribüne, die einen wundervollen Blick über die ganze Rennstrecke bot. Einzigartig war die Bekanntgabe der Resultate: Kaum war das Aufheulen eines Wagens verhallt, rief der Lautsprecher in vier Sprachen die gefahrenen Zeiten, ja selbst die Zahl der arbeitenden Kerzen aus. Die Wagen folgten sich Schlag auf Schlag. Herr Töndury und sein Stab haben Musterarbeit geleistet. Nicht zu vergessen — es war das erste Rennen dieser Art in St. Moritz! Die Strecke hielt was sie versprochen hat. Sie dürfte nunmehr der schönste Lanceparcours der Schweiz sein. Heisse Würstchen, Gin und Vermuth, aber mehr Gin! stärkten den sportlichen Mut zwischen den drei Böllerschüssen, die Anfang und Ende verkündeten. (Wobei ein deutscher Biedermann angesichts der kauenden Journalisten bemerkte: «Presse is(s)t alles Wurscht!») Bravo Martini! Einen Markstein des Tages bildete der rassige Sieg Martinis in der 5000-ccm-Klasse, in der fünf Konkurrenten vom Start gingen, also in der numerisch stärksten Klasse der Konkurrenz. Der Sieg Martinis im nationalen Klausenrennen hatte grosse Freude ausgelöst, keineswegs aber überrascht. Nun hat aber Martini, der Steiger, bewiesen, dass er auch in Flachrennen seinen Konkurrenten die Stirne bieten kann. Und das ist für den, der die grundverschiedenen Anforderungen von Berg und Ebene kennt — der Berg bedingt die kleinere Hinterachsübersetzung, die Ebene die grössere — eine erstaunliche Leistung. Der gewiegte Martinifahrer Giger hat mit seiner Fahrt, die er im Rennen der Sportwagen noch auf 116,883 km verbesserte, nicht nur für seine Marke, sondern für unser ganzes Land Ehre eingelegt. Die « Grossmutter» schafft es. Die Sieger des Tages sind zweifellos die Mercedes-Leute. Mit Rosenberger, Caraeciola, der gestern abend, von der englischen Tourist Trophy kommend, nach Zürich geflogen ist, um hier rechtzeitig einzutreffen, Mömberger, Prinz zu Leiningen, v. Dojmi, Zettritz, Hirte und Madame Merz hat die deutsche Marke eine Equipe t gestellt, die als ausgesprochener Favorit ins. Rennen ging. Ein Tross Mechaniker begleiten sie. Das Kilometerrennen war auch eine glatte Mercedes-Angelegenheit. Der famose Rosenberger, der am Klausen seine Kanone zu klein übersetzt und zudem eine Vorderachse krumm gefahren hatt, siegte heute mit dem bravourösen Mittel von 193,548 km, wobei mindestens fünf Prozent für die Einwirkungen der Engadiner Höhenlage auf den Motor in Zuschlag zu bringen sind, was natürlich für sämtliche Leistungen gilt. Sein Wagen war einmal mehr die «Grossmutter», jener Grand-Prix-Wagen von 1914, ein Vierzylinder, der bereits im Museum gestanden hat. Wie sehr Mercedes das Heft in der Hand gehabt hat, zeigen die ausgeglichenen Leistungen der übrigen Fahrer: Caräcciola klassiert sich in der 8000er-Klasse der Rennwagen mit 176,471 Kilometern als Erster und absoluter Zweiter des 'Lance, v. Dojmi mit 168,224 als Zweiter. Bei den Sportwagen sind Momberger," der die Bestzeit der Kategorie erzielte, und Prinz zu Leitungen nur eine Zehntelssekunde auseinander, bei den Tourenwagen der Kategoriesieger Zettritz und Frau Merz, deren Leistung allgemein bewundert wird, auch nur fünf Zehntelssekunden — der sprechendste Beweis für die prächtige Regelmässigkeit der Mercedes- Benz-Equipe; zu erwähnen ist auch Hirte. Chiron und Stuck waren weniger schnell, obwohl auch die beiden Meister des Volants mit unheimlichem Tempo passierten. Bei den Tourenwagen erreichte der Dixi- Zwerg von Buchwald' ein sehr schönes Resultat, ebenso Spälty, der in der 1100-ccm- Klasse auf Amilcar siegte. Die gleiche Marke feierte mit Sarbach bei den Rennwagen 1100 ccm einen grossen Erfolg. 148,148 km für ein derartig leichtes Wägelchen ist ein Tempo, das dem Fahrer hohe Bewunderung bringen muss. In der 1500- ccm-Klasse Tourenwagen schlug Keller mit seinem Alfa-Romeo überlegen einen Bugatti. Die Packard-Limousine in der 8000-ccm- Klasse startete im Sologang. Bei der Fahrerin, eine grauhaarige Dame, scheint allerdings die Gemütsruhe dem Sportgeist einige Pülsschläge über zu sein. Sehr schön sind die Klassensiege von Burggaller (Bugatti), Escher (Bugatti), Freuler (Steyr) und de Sterlich (Maserati), der beste Mann Italiens am Rennen. Scheibler fuhr mit seinem Fiat sehr sicher. Ueber die genauen Resultate orientiert die Tabelle. Zum Vergleich diene, dass der schweizerische Rekord für den Kilometer-Lance 15,55 Sek. = 231,511 km beträgt und vonDivoauf Delage auf der Kilometerstrecke von Giubiasco (300 m ü. M.) auf einem 12-Zylinderwagen aufgestellt worden ist. Resultate des Kilometer Lance. 1. Buchwald 1. Spaelty 2. Looffler 1. Keller 2.'Fisch 1. Pettley 1. Kagami 1. Giger 2. Guebelin 3. Wild 4. Loenholdt 5. Webet 1. Stewart 1. Zettritz 2. Mme. Merz 3. Hirte 1. Steinweg 2. Ollendorf 1. ßurggaller 2. Scheibler 1. Escher Kein Starter. Freuler Giger 1. Momberger 2. Hermann Prinz Leiningen 1. Sarbach 2. Clerici 1. de Sterliol i. Chiton TOURENWAGEN. . Klasse 750 ccm. Düri 43.4 82.949 Klasse 1100 ccm. Amilcar 41.7 86.331 Grofri 43.1 83.527 Klasse 1500 eem. Alfa Romeo S7.5 96.000 Bngatti 40.3 89.330 Klasse 2000 eem. •. L»gonda 38.6 93.264 Klüse «000 eem. - MoltiS 1 • 37.4 96.257 Klasse 5000 eem. Martini 31.9 112.853 Chrysler 33.2 10&434 Zwei gute Kameraden: Rosenberger und Caracoiola, die erfolgreichen Mercedesfahrer. Anbnrn 36.3 Chrysler 41.8 Ford 43.1 Klasse 8000 eem. Packard 38.4 Mehr als 8000 ccm. Mercedes-Benz 25.1 Mercedes-Benz 25.2 Mercedes-Benz £7.7 SPORTWAGEN. Klasse 1100 eem. B. N. G. 32.1 Salmson 41.4 Klasse 1500 eem. Bugatti 26.2 Fiat 34.0 Klasse 2000 eem.' Bugatti Klasse 3000 eem. Klasse 5000 eem. Steyr Martini Klasse 8000 eem. zu 27.0 30.8 Mercedes-Benz Mercedes-Benz 22.0 22.1 RENNWAGEN. Klasse 1100 ccm. Amilcar 24.3 Salmson 27.7 Klasse 2000 ccm. Maserati 22.4 K «se 3000 ccm. Bugatti 20,8 99.174 86.223 83.527 93.750 143.426 142.857 129.964 112.150 86.957 137.405 105.882 22.6 169.292 133.333 116.883 163.636 162.896 148.148 129.964 160.714 173.077 Klasse 5000 ccm. 1. Rosenberger Mercedes-Benz 18.6 193.548 L Stuck von Villiez Austro-Daimler22.5 160.000 Klasse 8000 ccm. 1. Caracciola Mercedes-Benz 20.4 176.471 2. Doimi Mercedes-Benz 21.4 168.224 Beste Zeit der Tonrenwagen: Zettritz, Mercedes- Benz, -Ib.l, 143.426. Beste Zeit der Sportwagen: Momberger, Mercedes« Uenz, M,v 163.636. Beste Zeit der Rennwagen and des Tages: Kosen« oewer Meruedes-Benz 18.6 193.548. Beste Damenzeit: Mme. Merz, Mercedes-Benz, 25.2; 14^.857. Eine dramatische Trainingsfahrt St. Moritz, den 22. August, (V.-Spezialtelegramm.) Eben wollte ich mich heute mittag zur Ge« schicklichkeitsprüfung ins St. Moritz Bad begeben, als mich der junge, liebenswürdige Genfer Fahrer Billwiller zu einem Trainings-« lauf auf der Berninastrecke einlud.'Die sei-* tene Gelegenheit, «ine Piste vom Wagen ei* nes .Rennfahrers aus kennen zu lernen beim Zipfel nehmend, starteten wir um halb 3 Uhr. Billwiller fuhr seinen zweihundertpferdigen neuen Mercedes-Benz-Kamp ressor, mit dem er am Klausen eine beachtenswerte "Zeit erzielt hatte. Zum Lance war er in St. Moritzzu spät eingetroffen, um erfolgreich starten zu können. So fuhr er heute die Shellstrasse auf unserem Wege nach Pontresina zum ersten Male. Der Mercedes zog prächtig los. Eine Zeitlang stieg der Zeiger auf 185 km. Dabei hatte man nicht einmal den Eindruck eines phantastischen Tempos, da der Wagen infolge seiner Schwere sehr schön auf der Strecke lag. Nach Pontresina lichtete' sich das Gewölk, ein Fetzen südlichen Himmels blaute über dem Morteratschgletscher, wie ein Märchenland öffnete sich uns die stille Grosse der Bernina, einer der wundervollsten Flecken Erde. Wir fuhren nun vorerst die Rennstrecke von oben nach unten. Das Ziel befindet steh in den ersten Kehren unterhalb der Steingalerien. Kurve auf Kurve senkt sich die schmale Strasse bis nach La Roesa. Dieser Teil der Strecke ist der weitaus gefährlichste. Die Kehren sind sehr eng. Bis auf zwei, drei wenige Stellen muss hier der kleinste Fahrfehler zum Verhängnis werden. Nach La Roesa ist die Strasse weniger kurvenreich und bis auf zwei überhöhte Bachübergänge auf hohes Tempo eingestellt. Die Konkurrenten werden in diesem unteren Teil der Strecke den Motor zur ganzen Leistung bringen müssen, denn im obern Teil wird die Vernunft die Geschwindigkeit diktieren. Gestartet wird am Dorfausgang von Puschlav bei der Mühle. Der Gesamteindruck, der sich nach dem Trainingslauf nur bestätigte: bedeutend schwieriger als der Klausen, eine Summe von engwinkligen, sehr schmalen Kurven, Strassenoberflache vorzüglich. Unserer Ansicht nach wohl die härteste Bergprüfung, die wir je gesehen haben. Billwillers Wagen eröffnete das offizielle Training. Mit über 100 km nahm der Mercedes die ersten Steigungen, vor St. Carlo stieg der Geschwindigkeitsmesser auf 120. Der Kompressor verursachte in der Dorfgasse, durch die das Rennen führt, einen fürchterlichen Spektakel. Bis La Roesa jagten wir durch den Wald, dann führt die Piste über die Baumgrenze hinaus, hinein in die Spiralen. Der Mercedes schnitt die Kurven meistens ohne die geringste Schleuderung. Sehr gefährlich schienen uns die manchmal geradezu schräg in die Piste hineinragenden Wehrsteine. Wir waren schon in guter Trainingszeit in die drittletzte Kehre gekommen, als der Wagen plötzlich aus der Kurve und mit einem gewaltigen

Knall über die kurze Böschung sprang. Billwiller und ich sahen uns an und dachten, das ist das Ende des Wagens. Drei zentnerschwere Wehrsteine sind niedergemacht. Bangenden Herzens sehen wir nach und entdekken, dass ein wahres Wunder geschehen ist: der Stossfänger hat die Steine genau in der Mitte getroffen. Keine Beschädigung an den Achsen noch an den Rädern, nur das Fabrikzeichen unter dem Kühler liegt geköpft im Grase. Billwiller Hess den Motor spielen und sofort brummt er wieder in seinen behaglichsten Tönen. Eine heisse halbe Stunde Arbeit war es allerdings, bis der schwere Renner wieder auf der Piste oben war. Erst als Herr Ruoff seinen starken Wagen vorspannte, gelang das Kunststück. Auf der Heimfahrt zeigte der Mercedes keinerlei Nachteile. Das unfreiwillige Abenteuer war dadurch entstan* den, dass Billwiller mit dem Aermel seines Ledermantels am Gashebel des Volants hängen geblieben war, wodurch er die Gewalt über den Wagen verloren hatte. Dass er den verhängnisvollen Mantel trug, war wiederum ein Versäumnis des Chauffeurs, der Billwillers Kombinaison vergessen hatte. Kleine Ursachen, grosse Wirkungen! Die Aussichten. Die Nennliste für das Berninarennen ist beinahe Name für Name die gleiche wie für das Lance, nur dass Stuber startet, um Revanche für sein Klausenpech zu nehmen. Er hat natürlich auf der kürzeren Strecke, besonders mit seiner Kurventechnik, grosse Chancen. Dabei werden aber wiederum Chiron und Stuck im Vordergrund stehen, nicht zu vergessen die imposante Mercedes-Mannschaft, die das Training schon eifrig aufgenommen hat. Rosenberger ist mit seinem Siege im Lance der Favorit für den Grossen Preis von St. Moritz. Aber auch der Schweizer Giger auf Martini wird ohne Zweifel seinen Mann stellen. Die Geschicklichkeitsprüfung. Bis jetzt die Veranstaltung mit dem grössten Publikumserfolg. — Ueber 4000 Personen. — Eine Revue der Eleganz, bevölkerten Tribünen und Zuschauerfeld auf dem prächtigen Platze beim Kurhaus St. Moritz-Bad. Sportlich ist ganz besonders der hohe praktische Wert der Veranstaltung herauszuheben, die von den bei Geschicklichkeitsprüfungen üblichen Mätzchen absah und wirklich ernstzunehmende Anforderungen stellte. Die Konkurrenten hatten erstmal drei nebeneinander laufende Fahrstrassen mit Durchfahrtssignalen zu passieren, von denen das grüne Licht «Bahn frei», das rote «Bahn gesperrt» bedeutete. Dann ging es durch eine enge Holzgasse, die, ohne die Stangen umzuwerfen, abgefahren werden musste. Eine schwere Aufgabe war das Wenden im Holzhof, ohne die Marken zu touchieren. Hierauf galt es, eine Barriere schwach zu berühren, wobei ein Hupenton ertönte. Bei zu starker Berührung klaffte die Hupe zweimal. Jetzt folgte eine andere Holzgasse in verkehrter Fahrrichtung, worauf der Konkurrent eine Schwelle von hinten zu überfahren hatte, ohne von ihr rückwärts niederzurollen. Die kniffligen Aufgaben, die nicht zum kleineren Teil von Herrn J. Decrauzat, Präsident der N. S. K., ausgeklügelt worden sind, stellten vorab an den Fahrer höchste Anforderungen. Während viele Rennfahrer mit Tourenwagen starteten, versuchten sich einige mit ihren Rennröhren, wobei Stuck mit seinem Austro-Daimler die Aufgaben in einem unheimlichen Tempo erledigte und so Sieger wurde. Ausser der Zeit wurde jeder Fehler bei der Wertung in Betracht gezogen. Hier die Resultate: 1. Stuck (Austro-Daimler) 94 Pkt. 2. Chiron, Paris (Bugatti) Hl 3. BurgffaJler. Berlin (Bugatti) 147 4. Bernet, Berlin (Wanderer) 151 5. Rosenberger, Pforzheim (Mercedes-B.) 152 6a. Ollendorf. Wolfen (Salmson) 159 6b. Buchwald, Filisur (Dixi) 159 7. Dr. Matosi, Winterthur (Essexj 169 8. Clerici, Milano (Salmson) 170 9. Freuler, Zürich (Steyr) 172 10. Caracciola, Berlin (Mercedes-Benz) 173 11. Dr. Karrer, Zürich (Bugatti) 182 12. Steinweg, München (B. N. C.) 184 13a. Sarbach, Genf (Amilcar) 197 13b. Keller, Zürich (Alfa Romeo) 197 14. Scheibler, Laupen (Fiat) 198 15. Dojmi, München (Mercedes-Benz) 223 16. Momberger, Frankfurt a. M. (Mercedes-Benz) 224 17. loenholdt Essen (Chrysler) 229 18. Dr. Fisch, Herisau (Bugatti) 237 19a. Weber, Zürich (Ford) 239 19b. Prinz zu Leiningen, Amorbach (Mercedes-Benz) 239 20. Neuer, Karlsruhe (Adler) 243 21. Guebelin, Zürich (Chrysler) 252 22. Just, Kandel (Mercedes-Benz) 254 23a. Lambert, Bruxelles (Auburn) 266 23b. Wessels, Bremen (Mercedes-Benz) 266 24. Dr. Ammann, Muri (Auburn) 283 25. Hofmann, Paris (Bugatti) 285 26. Streuli, Zollikon (Buick) 286 27. Zettritz, Berlin (Mercedes-Benz) 298 28. Hirte, Berlin (Mercedes-Benz) 303 29. Buchli, München (Adler) 325 30. de Sterlich, Roma (Maserati) 380 31. Appel, St. Moritz-Bad (Chrysler) 466 32. Kagami, Surrey (Morris) 504 •Bestklassierter Fahrer der Tourenwagen: Bernet (Wanderer) 151 Punkte t Bestklassierter Fahrer der Sportwagen: Burggaller (Bugatti) 147 Punkte Bestklassierter Fahrer der Rennwagen: Stuck (Austro-Daimler) 94 Punkte Der Klausen im Lichte der Presse Faroux zum Klausen. Der bekannte französische Autofachmann und Schriftsteller Faroux äussert sich in seinem Klausenartikel im «Auto» folgendermassen : «Von der vorzüglichen Organisation habe ich bis in die Details gesprochen und fühle mich nun verpflichtet, allen zu danken, die dem Vertreter des «Auto» mit ausserordentlichem Wohlwollen entgegengekommen sind. Da Sie ja alle wissen, dass ich zu Ihren Freunden gehöre, werden Sie mir wohl ein paar kritische Worte gestatten. Das offizielle Programm notiert die maximale Leistung und die maximale Tourenzahl (nur bei den Tourenwagen! Red.). Man kennt den Wahn dieser Ziffern und weiss, dass kein© von beiden wahr sind. Wäre es nicht zweckmässiger, das nächste Mal diese Ziffern wegzulassen? Die Dokumentation der Wagen ist sicherich gut, aber es wäre bes- AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N° 73 Die Rennstrecke des Bernina - Bergrennens vom 25. August flrrivee Ziel /w/7 Cornicdlo m 2912 1OC0 Qff.el.Pobbid Rivlsce £Am2 Pöschiavo ser, darin keine unwahren Angaben zu belassen. In zweiter Linie finden sich im Reglement für die konkurrierenden Wagen Maximalzeiten (je nach dem Zylinderinhalt) für die Durchfahrt der Strecke als Grenze für di© Klassierung: 25 Minuten für einen 500er-McHtor, einen 750er oder einen 1000er mag richtig sein, aber 40 Minuten für 100 cem oder 45 Minuten für 75 cem ist nicht mehr gerecht. Man hat es hier in der Hand, die Zahlen der Wirklichkeit anzupassen, um sie nicht auf gut Glück hin schreiben zu müssen. Das sind allerdings nur unbedeutende Sachen, die dem prächtigen Gelingen sens keinen Eintrag tun. Sarbach Suchen wir die Erkenntnisse zu finden, denn aus dem Nürburgring wie aus dem Klausen lassen sich Lehren ziehen. Der Automobil-Club von Frankreich war am Klausen durch Herrn Perreire und am Nürburgring durch Herrn C. de Beauregard vertreten. Hoffentlich wird es sich am «Grand Prix National» und am Bergrennen der Ventoux zeigen, dass wir «etwas» begriffen haben. Wir wünschen unsern ausländischen Kameraden, wenn sie nach Frankreich kommen, einen ebenso würdigen Empfang durch einen Delegierten von der Bedeutung wie Ingenieur Jonasz in Deutschland oder Dr. Schmidlin in der Schweiz. Alles wird dann gut ge hen. Ich bin überzeugt, dass man auch in Frankreich sich eine Ehre daraus machen wird, alles Notwendige vorzusehen. C. Faroux.» Späte Einsicht... Im Kanton Schwyz nämlich. In hochsommerlicher Temperatur haben die Ratsherren des Standes Schwyz getagt und sich die Zahlen des Rechenschaftsberichtes der Regierung näher angesehen. Sie haben dabei ein etwelches Schmunzeln nicht unterdrücken können, da das Geschäftsergebnis über Erwarten gut und die Staatsmaschinerie deshalb als gesund erklärt werden konnte. Der Einnahmenüberschuss beträgt 57 698.35 Franken, so dass sich gegenüber dem Budget ejne Mehreinnahme von 84293.35 Franken ergibt. Aber trotz dieser schönen Zahlen scheint es im Ländchen Schwyz zu hapern. Nicht nur sind die Automobilkontrollen noch eine recht rückständige Institution, die dem Lande mehr Schaden als Nutzen einbringen, sondern auch das Steuergesetz mit seinen 80 Jahren soll recht rückständig sein und dem modernen Staate viel Geld hinterhalten. Die Erfüllung neuer und moderner Staatspflichten werde sogar, wie einer in der Presse behauptet, durch dieses veraltete Steuergesetz gänzljch verunmöglicht. Unter die modernen Staatspflichten gehört auf alle Fälle auch der Strassenbau, und hier happert es nun recht bedenklich. Es gibt ja im Kanton Schwyz löbliche Ausnahmen; fortschrittliche Ortschaften haben auf eigene Kosten ihre Strassen modernisiert, sogar mit Asphalt und Kleinpflästerung versehen. Allein das schwyzerische Strassennetz als solches, das für den internationalen Durchgangsverkehr eine bedeutende Rolle spielt, lässt mehr als zu wünschen übrig. Es sollte korrigiert und verbessert werden. Und dazu fehlen die Mittel. Was machen? Man wendet seine Augen nach Bern und erhofft Hilfe aus dem Westen. Wenn der Kanton nicht in der Lage ist, die finanziellen Mittel zur Modernisierung seines Strassennetzes aufzubringen, so soll der Bund helfen. « Hilf du, lieber Bund », so tönt es jetzt aus den schwyzerischen Bergen. Er sei ja in erster Linie aus militärischen und verkehrspolitischen Gründen an der Erhaltung der internationalen Durchgangsstrassen interessiert. Und nun erinnert man sich im Ländchen der Mythen auch des Benzinzollanteils. «Und mit einem gewissen Gefühl der Erbitterung», so stand in verschiedenen Zeitungen zu lesen, «stehe man heute im Kanton Schwyz dem eidgenössischen Benzinzollanteil gegenüber, der mit 154720.70 Franken nicht einmal die Durchführung der Strassenumbauten von Gersau, Brunnen und Siebnen ermöglicht hätte.» Die Erleuchtung, die sich vor dem 12. Mai 1929 nicht einstellen wollte, ist also nun auch bei den Schwyzern gekommen. Im Kantonsrat wurde der definitive Antrag gestellt, die Regierung habe beim Bundesrate eine Eingabe zu machen und darauf zu dringen, dass der Band den Benzinzollanteil erhöhe und den Verteilungsmodus den Verhältnissen entsprechend abändere. Ebenso soll er aus dem Ausgleichsfonds dem Kanton Schwyz einen grösseren Betrag auszahlen. Also: der schwyzerische Kantonsrat und die schwyzerischen Politiker sind ebenfa'ls zur Einsicht gekommen, dass mit dem Benzinzollviertel nicht mehr weiter kutschiert werden kann und dass der berühmte Verteilungsschlüssel abgeändert werden müsse. Sie geben damit der «Automobil-Revue» recht, die von allem Anfang an sich gegen diesen Verteilungsmodus wandte und deshalb auch die Strassenverkehrs - Initiative aus guten Gründen verteidigte. Nun sind wir gespannt. In wenigen Wochen wird die Septembersession im eidgenössischen Bundeshaus beginnen. Im Ständerat wurde durch das Postulat Amstalden ein erster Vorstoss gemacht. Es ist zu erwarten, dass die Herren Ständeräte Ochsner und Sater die Forderung Amstaldens wärmstens unterstützen werden. Und im Nationalrat werden die schwyzerischen Vertreter wohl ebenfalls eine Lanze für einen neuen Benzinzollverteilungsmodus brechen und da die Dämmerung aus den Tälern weicht, dürften sie mit ihren Forderungen nicht allein auf weiter Flur stehen. Hoffen wir das Beste. K. Grosser Preis von Monza. Der Royal- Automobil-Club von Italien bringt jetzt seine Ausschreibung: für den Grossen Preis von Monza, der am 15. September auf der Automobilrennbahn zu Monza auf Sizilien ausgetragen wird. Zu dem Rennen wird in drei Klassen über je 22 Runden zu 4,5 Kilometer gestartet. Gleichzeitig wird der Wettbewerb als Meisterschaft von Italien gewertet. Die ersten drei einer jeden Kategorie qualifizieren sich für den Endlauf um den Grossen Preis von Monza, der über die gleiche Distanz geht. Erleuchtetes Militär. Infolge vorgekommener Unfälle trägt sich die französische Militärbehörde mit der Absicht, den bei Nacht auf öffentlichen Strassen verkehrenden Truppenteilen eine besondere Beleuchtung vorzuschreiben, die dieselben auf eine gewisse Entfernung für Motorfahrer kenntlich macht. -—