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E_1929_Zeitung_Nr.077

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 6. September 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. — N° 77 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10— Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Posteheck-Rechnung 111/ 414 Dem Automobil freie Bahn .. Der Schweizerische Autostrassen-Verein gegründet. Dem Automobil freie Bahn! Mit diesen Worten schloss Regierungsrat Wenk aus Basel als Vorsitzender des neugegründeten schweizerischen Autostrassen-Vereins die Versammlung, welche am 4. September 1929 im « Aarhof» zu Ölten stattgefunden hat und die für die zukünftige Entwicklung unseres Strassenwesens und damit des Automobilismus von entscheidender Bedeutung sein dürfte. Der im Jahre 1927 gegründete Verein «Autostrasse Basel-italienische Grenze», der sich zum Ziele setzte, das Verbindungsstück in der Schweiz zwischen der deutschen, noch zu bauenden Hafraba-Strasse und den italienischen Automobilstrassen herzustellen, hat sich an diesem Tage eine neue zweckentsprechendere Arbeitsbasis geschaffen, hat sich den schweizerischen Verhältnissen anzupassen gesucht und sich deshalb in Form eines neuen Statutes ein neues Kleid gegeben. Vom 26. November 1927 bis zum 4. September 1929 liegt eine geraume Zeit. Sie wurde jedoch nicht unbenutzt gelassen. Der provisorische Ausschuss befasste sich hl mehreren Sitzungen mit dem Aktionsprogramm, wobei er scMussendlich zur Ueberzeugung gelangte, es sei die Lösung des Autostrassen-Problems nach gesamtschweizerischen>. Gesichtspunkten—am- ehesten «.aufdem: Wege möglich, wenn der Verejfi alle Bestrebungen fördere, welche die Anpassung des schweizerischen Hauptstrassennetzes an die Bedürfnisse des wachsenden nationalen und internationalen Automobilverkehrs bezwecken. Demzufolge musste der ursprüngliche Gedanke, eine Nur-Automobilstrasse Basel-italienische Grenze ins Auge zu fassen, wobei das Trasse Basel-Zürich-Gotthard- Chiasso im Vordergrunde stund und sich damit die bernische und westschweizerische Gruppe zum vorneherein benachteiligt fühlte, fallen gelassen werden. Man wird sich noch an die stürmische Generalversammlung des Novembers 1927 erinnern, da sich die ostschweizerische und die westschweizerische Gruppe in Kampfstellung gegenüberstunden und eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Durch die Umwandlung des Hafraba-Vereins, um ihn kürzehalber so zu nennen, in einen Schweizerischen Autostrassen-Verein Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. Es war an einem Märzabend des Jahres 1928. Die letzten Strahlen der noch hellgoldenen Sonne tanzten auf dem Fluss und Hessen das Spiel der Wellen um so munterer erscheinen. Am Ufer standen die Bäume und Sträucher und harrten auf den Ruf der Natur, wieder neues Leben zu treiben. Einzelne Blumen hatten dem Drängen der Jahreszeit nachgegeben, und blühten in voller Pracht. Es war einer jener Vorfrühlingstage, die zum Nachsinnen anregen, wo alles Gute wach wird und das Schlechte für immer überwunden scheint. Ingenieur Max Keller hatte strenge Wochen hinter sich, tags im Betrieb, nachts bei seiner Erfindung. Nun ging er ruhigen Schrittes dem Ufer des Flusses entlang, seiner Wohnung in der Stadt entgegen. Der Spaziergang in der schönen Landschaft hatte ihm Distanz gegeben von der Gegenwart. In Gedanken hatte er sich zurückversetzt in die Kindheit und Studentenjahre. Durch den frühen Tod des Vater waren ihm zeitig schon schwere Pflichten gegenüber Mutter und Schwester auferlegt worden. Jetzt stand er in der Mitte der vierziger Jahre. Bis dahin füllte harte Arbeit sein Leben. Heute war er an einem Wendepunkt angelangt. So hoffte ist der glückliche Wurf gelungen, die äuseinanderstrebenden Interessen wiederum 'auf gemeinsamer Basis zu vereinigen und sie :za glücklicher Zusammenarbeit zu führen. Der Gedanke der Nur-Autostrasse ist damit kei^ neswegs zu Grabe getragen worden. Jedenfalls aber liegt es dem Interesse unsere^ Landes näher, nach Möglichkeit dem nationalen und internationalen. Automobil verkehr ein zweckmässig angelegtes Hauptstrassenr netz zur Verfügung zu stellen und erst hernach aus der Verkehrsfrequenz heraus abzuleiten, welche Strecken, dieses StrassennetzeS als Nur-Autostrassen noch weiter auszubauen und anzulegen sind. Ohne irgendwie dem Gedanken der Nur- Autostrasse irgendwelchen Abbruch tun zu wollen, halten auch wir dafür, dass für uns aus wirtschaftlichen, touristischen und miii-, tärischen Gründen das Nächstliegendere .diö] Förderung des Ausbaues unseres schweizerischen Hauptstrassennetzes ist. das selbstverständlich auf gute Anschlüsse an die internationalen Hauptverkehrsstrassen und auf die Schaffung guter Durchgangsverbindungen durch die Schweiz Bedacht zu nehmen, hat. Einmal soweit, wird sich dann die Ausgestaltung von eigentlichen Äutoniobilstrassen, wie sie Dr. Marcel |}y.f|p|er, jj| ä§efnef wertvollen .ArfKüf « Die Wirtschafiltehkeitei? nes schweizerischen Antomobilstfässennetzes » betont, von selbst ergeben. Es ist übrigens Ja absolut nicht ausgeschlossen, dass Hand in Hand mit dem Ausbau des Durchgangsstrassen netzes gewisse Teilstücke von vorneherein als Nur-Autostrassen in Betracht fallen dürften. Wenn die Redaktion der «Automobil-Revue» von Anfang an gegenüber dem Projekte einer ausgesprochenen Automobilstrasse Basel-italienische Grenze eine reservierte Haltung einnahm, so deshalb, weil sie immer wieder aus den angeführten Gründen das Hauptgewicht auf den Ausbau des gesamten schweizerischen Durchgangsstrassennetzes legte und die Schwierigkeiten gegenseitiger Einigung voraussah, weiche dann tatsächlich auch eingetroffen smd. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, dass der neugegründete Schweizerische Autostrassen- Verein auf weiteste Sympathien stossen wird. Für uns liegt sein Hauptwert darin, er zuversichtlich und mit Grund. Nach unermüdlichen Versuchen hatte er es dahin gebracht, einen Apparat zu verbessern, der für die heutige Volkswirtschaft von eminenter Bedeutung ist. Wenn er das Patent nur einigermassen der wirtschaftlichen Wichtigkeit entsprechend gut verkaufen konnte, so war für ihn und seine Lieben gesorgt. Ein grosses Dankbarkeitsgefühl überkam Max Keller und in freudig gehobener Stimmung grüsste er die hinter den Türmen des Münsters versinkende Sonne. Bald war er daheim. Er zog sich um und ordnete noch dies und das in seinem einfachen aber behaglichen Junggesellenheim. Er bewohnte das Parterre, Mutter und Schwester den ersten Stock des väterlichen Hauses. So wohnten sie beieinander und doch wurde ej durch den Haushaltungsbetrieb nicht gestört. Es ging nicht lange, da fuhr die elegante Limousine des Bankiers Fritz Kraft vor. Keller hatte seine intimen Studienfreunde zu einem Aperitif zu sich geladen. Nachher wollten sie sich ins Restaurant begeben. Kraft fuhr heute seinen Wagen selber. Als die Maschine mit sanftem Ruck zum Stehen gekommen war, öffnete er den Schlag und " i i \ . Er»cheint Jeden Dienstag und' Ft*lUf Monatlich „Gelbe List«« ADMINISTRATION: Breftenrainstrasse 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 , ,,' T«legramm-Adre»se: Autorevue, Bern dass damit eine schweizerische Zentralstelle für das Strassenwesen, geschaffen wurde, die sich zum Nutzen des Ganzen interkantonal wird auswirken können. Der Verein hat sich seih .neues Kleid gegeben. Damit kann er sefae Tätigkeit nun endlich beginnen. Als eines seiner wichtigsten Postulate dürfte die Revision der Benzinzoll-Verteilung sein. Es sind heute wohl alle kantonalen Behörden von deren Notwendigkeit überzeugt; denn ohne vermehrten Zuschuss aus den sich jährlich .steigenden Benzinzollgeldern wird es den kantonalen Instanzen nicht möglich sein, ihre ; Strassen, hauptsächlich ihre wichtigsteh Durchgangsstrassen, so herzustellen, wie es der Schweizerische Autostrassen-Verein : sich zur Aufgabe gestellt hat. Die eigentlichen Verhandlungen Kurz nach 2 Uhr eröffnete Regierungsrat Wenk aus Basel mit einem einleitenden Wort die Versammlung. Er konnte dabei feststellen, dass das Interesse für eine eigentliche Hafrabam in der Schweiz kein allzu grosses sei. und dass die bis heute herrschenden Interessen-Gegensätze die Mitgliederwerbung des Vereins erschwerten. Heute beträgt die Zahl der Mitglieder 101. Im ferneren wies er darauf hin, dass in der Presse eine wohl von der/ schweizerischen Mittelpresse lancierte irreführende; Nachricht den Weg in die Zeitung gefunden habe, die behauptete, dass das Projekt der reinen Autostrasse im Anschluss an* di* deutschte Häfraba preisgegeben wor- Ile'n sei. Das stimme nicht, sondern der'Ge- 'danfce werde demjenigen eines Ausbaues des gesamten schweizerischen Hauptstrassennetzes nur koordiniert. * Herr Stadtpräsident KWH aus Zürich schilderte in einem kürzen Rückblick die Vorgeschichte des Vereins, indem er auf eine erstmalige Besprechung zwischen Vertretern der Hafraba, der Städte Basel und Zürich und des italienischen Strassenfachmannes Puricelli zti sprechen kam, welche sich entschlossen, eine Studiengesellschaft mit der Losung Gotthard' zu gründen. In dem Augenblicke aber, da der Basler Regierungsrat auch die Vertreter Berns und Solothurns einlud, bekam die ganze Sache ein anderes Gesicht, indem eine Gesellschaft gegründet wurde, in der zwei rivalisierende Gruppen einesteils für den Gotthard, andernteils für den Simplon plädierten. Die zweite Generalversammlung im November 1927, in der beide Gruppen ihre Angst vor Majorisierung bekundeten und es dabei zum Abzug der Berner kam, da die zog spassend vor seinen aussteigenden Freunden den Hut, mit zurückhaltender Liebenswürdigkeit, einen gut gedrillten und seiner Stellung bewussten Chauffeur nachahmend. Mit Kraft kamen zugleich der Anwalt Dr. jur. Paul Fischer und der Arzt Dr. med. Kurt Beck. Sie begrüssten freudig den Gastgeber und traten ein. Keller offerierte Zigirren und die gewünschten Getränke. Ueber der ganzen Gesellschaft lag die behagliche Stimmung des Feierabends, die fast etwas von Weihe hat, als Keller seinen Freunden auseinanderzusetzen begann, warum er sie hergebeten habe. Er erzählte von seiner Jugend, von Pflicht und Arbeit und fuhr fort: «Ihr drei lieben Menschen habt die schönste Zeit meines Lebens mit mir geteilt, meine Studienjahre; ihr habt später regen Anteil genommen an meinen Schwierigkeiten und oft haben meine Schilderungen derselben drückend auf eurer treuen Freundesseele gelastet. Nie habt ihr die Geduld verloren und mit Rat und Tat seid ihr mir beigestanden. Darum ist es auch nichts als recht und billig, wenn ich euch als den ersten, meine Angehörigen wissen noch nichts, von meinem Glück, berichte.» «Du, der will sich gewaltsam irgendwo unter einen Pantoffel zwängen», sprach lachend der eingefleischte Junggeselle Dr. Beck. «Nein, mein Glück ist mehr geistiger als seelischer Art. Ihr kennt den Riesenaufschwung des Automobils, ihr wisst, welches grosse Kapitel der Begriff Automobil umfasst. Denkt an die Ströme Benzin, die jährlich von Millionen von Wagen in Kraft umgesetzt werden. Leider war bis heute der Nutzeffekt ein kleiner; nur 25 % der in dem köstlichen Nass enthaltenen Kalorien konnten nutzbringend verwendet werden; 75 % gingen verloren. Es.ist mir nun gelungen, INSEPTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Zürcher Gruppe entsprechend einer Abstimmung im Vorstand auch die entsprechende Vertretung verlangte, hinterliess eine recht verworrene Situation. Es schien beinahe un. wahrscheinlich, dass man zu einem positiven gemeinsamen Ziel gelangen konnte. Immer* hin bekam der provisorische Ausschuss den Auftrag, noch ein halbes Jahr im Amte zu bleiben, ein neues Arbeitsprogramm auszuar* beiten und eine Verständigung herbeizuführen. Der Rank wurde gefunden und die Aufgabe des Vereins in folgender Form neu umschrieben : «Der Verein zum Studium des Ausbaues des Schweiz. Hauptstrassennetzes (Schweiz. Auto» Strassenverein) hat zum Zwecke, durch Studien und durch Vorschläge bei den Behörden dahin zu wirken, dass dem wachsenden natio~ nalen und internationalen Automobilverkehr ein zweckmässig angelegtes Haupt strassennetz zur Verfügung gestellt wird. Er macht sich im besonderen auch zur Aufgabe, die Schaffung reiner Autostrassen in technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht zu prüfen.» Der Ausschuss kam des ferneren zur Ueberzeugung, dass die Nur-Autostrasse erst dann wirtschaftlich gerechtfertigt und verkehrsnotwendig ist, wenn das allgemeine Hauptdurchgangsstrassennetz den Anforderungen nicht mehr genügt. Auf diese Erkenntnis gestützt und davon überzeugt, dass auf dieser Gründlage ein fruchtbares Zusammenarbeiten möglich ist, verdienen die neuen Statuten, welche vom Ausschuss einstimmig vorgeschlagen werden, ungeteilte Annahme« Der Vorsitzende verdankte den Vertretern Zürichs und Berns ihre Bereitwilligkeit zur Schaffung einer gemeinsamen Arbeitsbasis. Zur Eintretungsdebatte über den Statutenentwurf wurde das Wort nicht verlangt. Mit wenigen Abänderungen und einer teilweisen Ergänzung wurde der Revisionsentwurf von der Versammlung einstimmig angenommen.. Nie Neuumschreibung des Zweckes haben wir bereits oben angeführt. Aus den neuen Statuten sei das wichtigste hervorgehoben : Der Verein hat seinen Sitz und seine Hauptgeschäftsstelle in Basel. Er wird in das Handelsregister des Kantons Baselstadt eingetragen. Mitglieder des Vereins können öffentlich rechtliche Korporationen, juristische und natürliche Personen werden. Für Kantone und Gemeinden beträgt der Mitgliederbeitrag je einen Rappen pro Kopf, mindestens aber 100 Franken; für die am Strassenverkehr in« durch eine genauere, automatische Regulie-i rung des Verhältnisses von Gasgeschwindigkeit zur Weite der Benzindüse und des Luftstutzens wesentlich günstigere Resultate zu erzielen. Die Leistung des Wagens steigt bei stark vermindertem Benzinverbrauch. Ich habe bereits mit verschiedenen Marken meine Versuche angestellt, indem ich von einer Taxameteranstalt immer auf eine Woche einen Wagen mietete, meinen Versuchsvergaser einbaute, ausprobierte und nachher wieder entfernte; alle acht Tage an einer andern Marke. Die Resultate übertrafen meine Erwartungen bei weitem. Ich bin nun so weit, dass ich meine Erfindung zum Patent anmelden kann, sobald ich noch einen letzten Versuch an einem ganz schnellen Sportwagen gemacht habe.» «Ich biete dir meinen neuen Kompressorwagen als Versuchskarnikel an,» sagte begeistert der Bankier, «heute kommt er in der Ebene auf 180 km Schnelligkeit, vielleicht bringst Du ihn auf 220, so dass ich derjenige sein werde, der zu danken haben wird», wehrte er liebenswürdig den freudig ergriffen auf ihn zukommenden Keller ab. Die Gäste schüttelten dem Ingenieur in aufrichtiger Bewunderung die Hand. Dieser öffnete seinen Schreibtisch und entnahm ihm ein gelbes Couvert, das die Zeichnungen und Berechnungen des neuen Vergasers enthielt Der Erfinder erklärte seine Arbeiten und bat seine Freunde, tiefstes Stillschweigen darüber zu bewahren. . (Fortsetzung folgtj