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E_1929_Zeitung_Nr.075

E_1929_Zeitung_Nr.075

•Ausgabe: Deutsche

•Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag, 30. August 1929 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 75 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10 Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97. Bern Rappen. Postcheck-Rechnung II1//414 Telephon,Bollwerk 39.84 ) , ..." Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Internationaler Fahrausweis. Im Autotourismus herrscht Hochsaison. ] Nummernschilder aus allen Herren Ländern beleben unsere Strassen und Fremdenzentren. Mit dem Autorad rollt das Geld. Arbeit und Verdienst allenthalben. Die Statistik Ende des Jahres wird den Beweis erbringen, dass der ausländische Touristenstrom in unser Land in stetigem Anwachsen begriffen und dass das Automobil heute zum ersten Förderer unserer Fremdenindustrie geworden ist. Einzelne Verkehrsgebiete — wir erinnern nur an das Engadin — haben die Sachlage begriffen und haben mit viel Geld ihr Strassenr wesen den neuzeitigen Forderungen angejpasst. Im Ausbau und in der Verbesserung unseres schweizerischen Strassennetzes ist es denn auch an den meisten Orten um ein gut Stück vorwärts gegangen. Leider aber droht immer noch ein unverständliches und unwürdiges Bussenwesen, den Erfolg aller Anstrengungen in Frage zu stellen. Es sind uns in letzter Zeit Meldungen zugekommen, die den deutlichen Beweis erbringen, dass gewisse kantonale Instanzen den Automobilisten immer noch als Rupfobjekt ansehen, dessen Börse gerade gut genug ist, um Gemeinde- und kantonale.Finanzsäckel zu speisen. Dieses System der Bussenfängerei kann nicht genug gebrandmarkt werden. Es schadet nicht nur unserem Lande finanziell, sondern es Iässt es auch in den Augen ausländischer Automobilisten in einem ganz merkwürdigen Lichte erscheinen. Zur Erleichterung des internationalen Automobilistenverkehrs ist der internationale Fahrausweis von allen Ländern als rechtsgültig anerkannt worden. Er berechtigt ohne weiteres zum Grenzübertritt. Pflicht der Grenzorgane wäre es nun, die ausländischen Automobilisten bei der Einreise in die Schweiz zum Vorzeigen dieses Fahrausweises anzuhalten. Wie die Praxis zeigt, scheinen jedoch die eidgenössischen Instanzen sich um diesen internat. Fahrausweis sehr wenig zu bekümmern. So kann es vorkommen, dass ausländische Automobilisten, ohne im Besitze des Fahrausweises zu sein, in die Schweiz einreisen im guten Glauben, einen solchen in unserem Lande nicht zu benötigen. Um so unverständlicher erscheint es ihnen dann, wenn sie im Innern des Landes plötzlich angehalten, zum Vorzeigen des Fahrausweises gezwungen und bei dessen Fehlen unnachsichtlich gestraft werden. Da die vielen internationalen Fahrer über unsere grossartige 22fache Gesetzgebung nicht orientiert sein können, ist es begreiflich, dass aus die- und Unterlassungssünden ser für sie unverständlichen Bussenpraxis Verärgerung und Missmut entstehen. Um ihre Weiterfahrt fortsetzen zu können, .bezahlen, sie den verlangten Obolus, tragen aber in ihrem Herzen Verärgerung nach Hause und sprechen über die zugestossene Schikane unverhohlen und offensichtlich ihren Missmut aus. Ihre Ueberlegung ist ganz klar und einfach : sie betrachten die Schweiz als ein Staatswesen und halten dafür, dass das, was an der Grenze Gültigkeit besitzt,. auch im Landesinnern Geltung haben sollte. Der. Schaden, der aus diesen Vorkommnissen entsteht, ist für die Schweiz oder für die betreffenden Kantone hundertfach grösser als der Gewinn aus eingesacktem Bussengeld. Die Eidgenössische Oberzolldirektion hat nun letzthin zur Frage der Einreisekontrolle folgende Feststellung öffentlich bekanntgegeben : «Die Regelung des Automobilverkehrs in der Schweiz und somit auch des Grenzübertritts mit Automobilen beruht bis anhin nicht auf einem Bundesgesetz, sondern auf dem interkantonalen Konkordat über eine einheitliche Verordnung betreffend den Motorwagen- und Fahrradverkehr, vom Bundesrat genehmigt-am 7. April.. 19H Die Durchführung des Konkordates ist Sache der ihm beigetretenen Kantone und ihrer Organe, nicht aber Sache derGrenzorgane derEidgenös* sischen Zollverwaltung. Wenn somit ein dem Konkordat nicht angehörender Grenzkanton verfügt, dass ausländische Automobilisten ohne internationalen Fahrausweis eintreten können und diesen Fahrern nachher in Konkordatskantonen Unannehmlichkeiten entstehen, so kann dafür nicht die Eidgenössische Zollverwaltung verantwortlich gemacht werden, da diese mangels einer bundesgesetzlichen Grundlage als Eidgenössische Verwaltung gar nicht in der Lage ist, einzugreifen.» Wir können die Auffassung der Eidgenössischen Oberzolldirektion leider nicht teilen. Der internationale Fahrausweis ist kein kantonales Dokument, sondern ein' eidgenössisches. Die an den Schweizer Automobilisten abgegebenen Ausweise werden wohl von den kantonalen Behörden (gleich wie die Pässe) ausgestellt, aber sie tragen ausdrücklich die Ueberschrift «Schweizerische Eidgenossenschaft» und stützen sich auf die internationale Uebereinkunft vom 11. Oktober 1909 zwischen der Schweiz und. zahlreichen Konventionsstaaten. Die Behauptung der Oberzolldirektion, dass es nicht ihre Sache sei, diese Dokumente beim Eintritt in die Schweiz nachzuprüfen, steht nicht im Einklang mit dem Charakter dieses Papieres. Jeder internationale Fahrausweis enthält einen schweizerischen Abschnitt, der ein Eintrittsvisa in unser Land und ausdrücklich eine Bestätigung des Eintrittes seitens der Zollbehörden vorsieht. Es hat somit kein Kanton, auch derjenige, welcher dem Konkordate nicht angehört, Verfügungen zu erlassen, wonach ausländische Automobilisten ohne internationalen Fahrausweis die Schweiz betreten können. Es ist auch nicht nötig, dass unsere Grenzkantone neben die eidgenössischen Zollbeamten ihre eigenen Leute stellen, sondern die Eidgenossenschaft als Vertragskontrahent mit den ausländischen Staaten, deren Angehörige dieses Papier besitzen müssen, ist verpflichtet, dasselbe den Automobilisten beim Eintritt in die Schweiz abzufordern und mit dem Stempel der Zollstelle zu versehen. In den Tälern der Linth und des Inn, auf den Höhen des Klausen und der Bernina ist es heute wohl stiller geworden. Die Motoren haben ihr Lied ausgesungen. Das Echo der motorischen Kraft ist verklungen. Grosse sportliche Ereignisse liegen hinter uns. Ereignisse von einem Ausmass, wie wir sie in der Schweiz noch nie gesehen haben. Sie haben nicht nur im,eigenen, sondern auch in" fremden Landen Aufsehen erregt. Auf prächtigen Pisten wurden Fahrten ausgetragen, die durch ihre internationale Bescbikkung grosse Form angenommen haben.. Wir dürfen auf diese sportlichen Veranstaltungen stolz sein. Sie haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass dem Automobilsport in der Schweiz mit Ernst und Würde gehuldigt wird. Er ist bei uns gut aufgehoben und seine Bedeutung wird von Jahr zu Jahr von unserem Schweizervolk besser erfasst. Ideaie Strecken und eine sichere, in allen Details klappende Organisation sind Momente, die dazu beitragen, unsern Automobilsport in steigendem Masse in allen Teilen unseres Volkes besser verankern zu lassen. Was für uns das Wichtige ist : Mit wachsender Freude und zunehmendem Interesse am Automobilsport erhöht sich die Erkenntnis der Wichtigkeit und der Bedeutung des Automobilismus an und für sich. Man hat in dieser Beziehung geradezu freudige Ueberraschungen erleben können. Erinnern wir z. B. an die Rede des glarnerischen Regierungsrates Hefti. Erinnern wir an den Begrüssungsartikel, den der bündnerische Regierungsrat Huonder in der bündnerischen INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odet deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. " Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseraiensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wir wissen aus Erfahrung, dass auch andere Länder beim Grenzübertritt vom internationalen Fahrausweis keine Notiz nehmen. Aber auch in jenen Ländern riskiert man, wenn man im Inland angehalten wird, Vorwürfe oder Unannehmlichkeiten. Niemals aber haben wir davon gehört, dass eine Behörde im inländischen Verkehr einen Fahrer unter Busse nimmt, nachdem die betreffende Landesbehörde an der Grenze eine Unterlassungssünde begangen hat. Einzig und allein wir als erstes europäisches Fremdenland leisten uns diesen Scherz. Unsere Behörden büssen die ausländischen Fahrer, weil unsere eidgenössischen Behörden ihnen beim Eintritt in unser Land nicht pflichtgemäss den internationalen Fahrausweis abverlangt und ihn mit dem Einreisestempel versehen haben. Nach grossen Sporttagen Presse erscheinen liess und an seine Rede beim Schlussakt der St. Moritzer Automöbilwoche. Es sind dies Dokumente, die dafür sprechen, dass auch unsere kantonalen Regierungen die eminent volkswirtschaftliche Bedeutung des Automobilismus eingesehen haben und dass gerade die Vertreter der Bergkantone heute wissen, was sie dem Automobil in volkswirtschaftlicher Beziehung schuldig sind. Kantone wie Glarus und Graubünden, bei denen das Automobil nur schwer Eingang finden konnte, öffnen heute ihre Strassen und Pässe, öffnen aber auch ihren Fiskus, um die Strasse in ein modernes Kleid zu kleiden, weil sie wissen, dass, wie Herr Regierungsrat Hefti betonte, die Zeit vorwärts schreitet, Taten schafft und Werk an Werk reiht. Ja, es ist so. Die sportlichen Veranstaltungen am Klausen und an der Bernina haben nicht nur Zeugnis abgelegt von der Kaltblütigkeit, von der Selbstbeherrschung, von Ausdauer und Geduld der sportlichen Grossen, sondern sie haben gezeigt, dass auch in der Technik immer das Bessere siegt und dass diese von Höchstleistungen zu Höchstleistungen schreitet. Die Technik aber bahnt der Volkswirtschaft den Weg. Dieser einmal frei, ziehen hinter ihr Industrie und Arbeit, Verdienst und Wohlstand ein. Das Automobil hat es geschaffen und wird es weiter schaffen. Die eminente Bedeutung des Automobilverkehrs für die bündnerische Volkswirtschaft hat der bündnerische Regierungsrat in vollstem Masse erkannt. Nicht umsonst hat er 4,5 Millionen Franken für den Ausbau legte. Ihre Unruhe trieb sie hinauf. Dort verbrachte sie einen geschlagenen Nachmittag, nächsten kam. Nichts hatte sie zu tun, als in beschwingter Sprache ihren Gefühlen am wühlte mit suchenden Fingern in einer fleissig und eifrig abzuschreiben, die Sache Der Briefsteller, Truhe altem Kram und entdeckte schliesslich auf einen Mann zu beziehen und einen Namen einzuflechten. "Eva. Geschichtlein von Günther R. Schärer. in einer Ecke eine alte Kiste, der ihre Neugier nicht widerstand. Wohl waren da noch Es musste schon ein verhext hinterhältiges (Schluss aus dem letzten „Autler Feierabend") andere unbekannte Sachen; da aber das Die nächsten Tage waren endlos lang, Teufelchen sein, das ihr dabei über die Haus voller Leute war, nahm das gute Dämchen an, es stelle hier noch jemand anderes furchtbar heiss und sonnig: Jungfer Reckholder lächelte nicht mehr vor sich hin und Schulter sah; eines diabolisch geräuschlosen Gelächters können wir sicher sein. Gerumpel unter Dach. Wer ausgerechnet es der Lackierer hatte seine Lieder vergessen. Mendel, der Lackierer, hatte inzwischen war, ahnte sie nicht. Die plötzliche Zuneigung zueinander geisselte beide mit scharfer Peitsche. Wirtschaft gefunden und machte sich nach für seine Unruhe einige Kumpane in der Die Kiste, über die sich Jungfer Reckholder machte, konnte ein vergessenes Stück Meister Mendel sass des Tags brütend auf ausgiebig angefeuchtetem Jass heimzu. Aber einer früheren Partei sein. Der dicken seinem Arbeitsschemel und stierte ins Leere, nicht eher Hess ihn das hinterlistige Teufelchen auf die Idee kommen, seinerseits ein- Staubschicht nach zu beurteilen stand sie um dann plötzlich aufzustehen und in den schon eine Ewigkeit da. Schwer und wichtig kam sie ihr vor und voller Geheimnisse, «Blauen Hund» zu laufen, wo er in den nächsten Tagen immer zu treffen war. Reckholder den Band beglückt wieder hinmal den Estrich nachzusehen, bis Jungfer als sie entdeckte, dass Bücher darin waren. Das alte Mädchen aber wurde fieberhaft aufgetragen- und mit einigen Handvoll Staub So stöberte die alte Erika darin, schlug tätig, nuschelte in allen Kisten und Kasten, der Kiste ihr harmloses Aussehen wiedergegeben hatte. hier einen Band auf, klopfte Staub ab und ordnete Bändchen und Knöpfe und als in der las etwa oder besah Bilder, bis ihr ein dünnes Büchlein in die Hände geriet: Briefstel- Aber der kleine Schelm tat gute Arbeit, Wohnung alles zweimal auf den Kopf gestellt war, stieg sie erst in den Keller und ler für Liebende, Wege zum Herzen von gerade heute fiel Mendel die Kiste auf. schliesslich auf den Estrich hinauf. Dass sie Mann und Weib. «Dass dich der Gugger,» sagte er, als er diesen Estrich mit dem Lackierer teilte, Das war es! Ihm zeigen, dass sie ihn lieb den Briefsteller auf den Knien hielt und wusste sie nicht; Mietvertrag gab es keinen. hatte, dass nicht Beleidigung, sondern kratzte mit dem Daumennagel die Lichtung Seit sie vor Jahren ins winklige Quartier gezogen, war sie auch nie mehr auf dem Dach- Sie barg den Schatz an ihrer Brust, schloss hinter gekommen bist, Mendel, alter Kunde, Scham sie weggetrieben als er sie angefasst. über der Stirne, «dass du da nicht früher daboden gewesen; Mäuse hatte es, und es den Estrich und stöckelte in ihr© Kammer so muss man den Weibern den Haber um «konnte passieren, dass sich ein Spinngeweb hinunter, Dort las sie mit bebenden Lippen Brief um Brief und suchte den aus, der das Buch unter den Arm. Warum der die Nase schlagen! Eh, eh.» Und er nahm •plötzlich wie eine Geisterhand über's Gesicht verhexte Band, als der Lackierer ihn handhabte, auf der gleichen Seite aufschlug? Zufall? Es war, als würde die unsichtbare Hand eines längst verblichenen Schwerenöters zwischen die Seiten gerufen, dort, wo es vor einer Stunde offen gewesen. «Ein gar donners schönes Brieflein,» schmunzelte Mendel, als er gelesen, «gar donners schön; wenn das nicht hilft!» Er kaute am Federhalter, schrieb dann und setzte zitternd vor Freude ein paarmal ihren Namen hinein. Ja, und dann wurden die Briefe gelesen und auf beiden Seiten wacker der Kopf geschüttelt. «Da soll jetzt einer nachkommen,» murmelte der Lackierer, und Jungfer Reckholder sagte: «Eh z'Tausend, wenn das nicht haargenau...» Die Jungfer kam auf jeden Fall schneller nach, stieg hinauf, sah die Kiste offen, wunderte sich eine Zeitlang und dann schämte sie sich für beide. Der alte Mendel hat aber nie ganz begriffen; er hat auf Verlangen der Jungfer ihren Brief zurückgegeben und seinen erhalten. Er hat ihn zerrissen, aber das alte Mädchen hebt den ihren auf. Sie näht und er poliert und beide sind im Treppenhaus, falls sie sich begegnen, gar freundlich miteinander, aber Mendel hat eine merkwürdige Scheu, fast Ehrfurcht vor der Jungfer Reckholder.

seiner wichtigsten Durchgangsstrassen ausgeworfen. Er weiss, dass dieses Geld hundertfältigen Zins einbringen wird. Die Sankt Moritzer Automobil wo ehe hat dies bereits bewiesen. St. Moritz und die übrigen naheliegenden Ortschaften des Engadins haben jedenfalls eine Fremdensaison hinter sich, auf die sie mit Freude werden zurückblicken können. Die automobilsportlichen Veranstaltungen am Klausen und an der Bernina werden aber atfeh für. unsere zukünftige Qesetzsprechung von Bedeutung werden. Sie haben die hohe Rolle des Automobils in einer Art und Weise demonstriert, dass auch dem letzten Ratsmitglied die Notwendigkeit einer einheitlichen Automobil gesetzgebung in der Schweiz klar werden musste und dass für unser Land, im Konkurrenzkampf mit den grossen Staaten einen schweren Stand' haltend, nur das eine gilt: Sich rechtzeitig und mit aller 'Entschiedenheit auf das moderne Verkehrsfahrzeug einzustellen und mit diesem hervorragenden Hilfsmittel das Letzte und Beste aus unserer Volkswirtschaft und Arbeitskraft herauszuholen. : Den Promotoren und sämtlichen Mitwirkenden an diesen hohen sportlichen. Veran* staltungen sei deshalb auch an der Qeffentlichkeit gedankt, nicht zuletzt dem schweizerischen Automobilclub, der sich frühzeitig des Automobilsportes in der richtigen Erkenntnis angenommen hat, dass durch ihn dem Automobil als volkswirtschaftlichem Hilfsmittel der Weg geebnet und geöffnet werde. * Ein vorzüglicher Gedanke ist bereits in die Oeffentlichkeit geworfen worden : die Abhaltung einer schweizerischen Alpenfahrt, welche das Klausenrennen mit de.r St. Moritzer Automobilwoche verbinden soll. Wir begrüssen diesen Gedanken ausserordentlich und hoffen, dass er sich dank der Tatkraft unserer A. C. S.-Behörden im nächsten Jahre verwirklichen lassen, wird. Damit, wäre der Ring unserer schweizerischen sportlichen Veranstaltung geschlossen, ein Ring ähnlich demjenigen Nathans des Weisen, der, so man nur will, für unser ganzes Land von grosser Tragkraft werden könnte. K. St. Moritz 1929 — St. Moritz 1930! bilsport in einem Massstäbe, der auf der Bernina nie geboten werden kann. Die Nähe , ,Der organisatorische Treffer. serordentliches Mass von Anforderungen. der grossen Städte bringt dem Glarnerland Als wir letzten Montag zum letzten Male Die Bewährung hatte also ganz besonderen jenen ungeheuren Zuschauerandrang, der das durch St. Moritz bummelten, lagen die Hotelstras'sen schon verwaist. Nach der grandio- Wert. Manche Nacht ist in den Garagen Klausenrennen zum populärsten Bergrennen fieberhaft durchgearbeitet worden. Die Höhenlage, der Verzicht auf die bequeme, unsport im wahren Sinne des Wortes. Die Ber- der Welt «gemächt hat. Der Klausen ist Volkssen Finale der ersten St. Moritzer Automöbilwoche, dem Berninarennen, war das bunte mittelbar© Hilfe der, Fabriken, haben das ninastrecke ist- zweifellos die weitaus schwierigere und wird gerade aus diesem Grunde Völklein der Rennfahrer, waren die zahlreichen Organisatoren und schon viele der Mechanikers bereichert. nie der Schauplatz für eine numerisch Wissen und Können manches Fahrers und Sportbegeisterten mit ihren Wagen über die Konkurrenten und Journalisten. starke Beteiligung sein. Wie sich hier das Passhöheh in alle Windrichtungen enteilt. Nicht den geringsten Gewinn haben wir Feld auf' eine begrenzte Zahl von hervorragenden Könnern beschränkt, so ist auch das Die St. Moritzer Automobilwoche- hat die Journalisten nach Hause getragen. Viele berühmte internationale Fahrer sind uns in diesjährige Fremdensaison verlängert und Publikum grundverschieden. Die Zuschauer beschlossen: mit einem Höhepunkt mondänen freundschaftlichen Stunden näher gekommen. der Bernina sind beinahe ausnahmslos die und sportlichen Lebens. Bewunderten wir sie erst für ihre sportlichen Leistungen, so haben wir sie jetzt als Fremden aus. dem Engadin, dem übrigen Bünden und. dem nahen Veltlin. Die Städte liegen zu weit weg. Die Zukunft wird zeigen, dass Klausen und Bernina zur Förderung Losung und Wunsch, die den letzten Tag Menschen kennen, schätzen und verstehen und das Bankett in dem mächtigen Saal des gelernt. In St. Moritz hat man etwas von des schweizerischen und internationalen Grand Hotel beseelten: «A la prochaine!» jenem Sportgeist geatmet, der «fairness» Automobilsportes durch ihre gegenseitige sind für eine Veranstaltung, vornehmlich über alles stellt. Chiron und die deutschen Ergänzung eine bedeutende Rolle spielen eine Erstlingsveranstaltung, der vollkommenste Ausdruck des Erfolges. Dieser Er- und nach jedem Rennen standen die Konkur- Mercedesfahrer sind engste Freunde. Vor werden. folg ist zum überwiegendsten Teile der immensen Arbeit der Organisatoren zu verdan- Prosa. renten als Kameraden beisammen, ken. Wenn Herr Wessels, der namens der Die bernische Finanziell wird das Ergebnis der St. Moritzer Woche weit hinter dem Erfolge zu- Strassenverkehrsliga. ausländischen Clubs am Schlussbankett die Organisation- mit, dem im spießerischen Alliag wohl allzuoft gebrauchten « Fabelhaft» tten müssen. Die Korrektion der Strasseri rückstehen. Die Organisation hat damit rech-, Die Gründungsversammlung vom 28. August jrühmte, so hat er, auf St. Moritz angewendet, sicher das Wort in seiner hohen Bedeu- Der 28. August 1929 ist für die bernische 1929. für die Rennen haben St. Moritz und" dem Kanton, der in grosszügiger Weise namhafte tung getroffen. Es ist unmöglich, alle Namen der Veranstaltung zu nennen. Nur eine geworden. Lange ist es gegangen, vielleicht Strassenpolitik zu einem historischen Tag Summen ausgab, viel Geld gekostet. Die Shellstrasse wäre ohne die grosszügige ,Unmenge von Kleinarbeit, auf eine Unmenge nur allzulange, bis sich die bernischen Verkehrsverbände zu einer Liga zusammen- Unterstützung der Firma nie zustandegekommen. Dann ist die Propaganda ein Posten, von Kräften verteilt, konnte das riesige Werk zustandebringen. Wir Journalisten haben schliessen konnten. Nun ist das gewichtige der nicht in Zahlen eingesetzt werden kann. wohl am ehesten miterlebt, wie unendlich Ereignis geschehen. Die bernische Strassenverkehrsliga ist gegründet. Neue grosse zu- — Viele Summen sind dieses Jahr verschlungen worden, weil der erste Anstoss zu über- viel es braucht, das Zahnräderwerk jeder einzelnen Veranstaltung lautlos arbeiten zu versichtliche Perspektiven öffnen sich. winden war. Die Strassenvorbereitungen lassen und die Zacken einzustellen, dass sie werden 1930 weniger kosten, auch wenn man Unter dem Vorsitz des Herrn Hostettler, .reibungslos von einem Tag in den andern nicht vergessen darf, dass der St. Moritzer Vizepräsident der A. S. P. A., nahm die greifen. Vergessen wir es nicht: die St; Moritzer Automobilwoche war die erste schwei- und glatten Verlauf. Folgende bernische Ver- Winter ein boshafter Kauz ist. Gründungsversammlung einen anregenden zerische Automobilwoche überhaupt! Die Internationalität. kehrsverbände waren vertreten : der Kantonalverband des A. C. S., Sektion Bern; der Renngeneral Töndury, der als oberstes Der Ausschreibung von 40,000 Franken an Haupt der St. Moritzer Tage höchstes Lob Bar- und Ehrenpreisen, eine Zusammentragung, die eine Riesenarbeit für sich war und des T. C. S.; die A. S. P. A., Kantonalgruppe Kantonalverband der bernischen Sektionen erntete, nannte in seiner Einleitung zur Preisverteilung einige Namen, die wir hier das Wohlwollen für automobilistische Veranstaltungen in weiten Kreisen dokumentiert, besitzer der Zentral- und Wesfschweiz; die Bern; der Verband der Gesellschaftswagen- nicht übergehen möchten: Präsident Naters, den Vorsitzenden des Organisationskomi- ist der ausserordentliche, wirklich internationale Nennungserfolg der Extraklasse zu ver- Sektion Bern; der Motorradfahrerclub Bern; vereinigten Taxihalter Berns; die U. M. S., danken gewesen. Aufgefallen ist, dass das der Arbeiter - Motorradfahrerclub, Sektion so nahe Italien kein stärkeres Feld geschickt Bern; der Motosacoche-Club Bern; der Zehntler-Club Bern; der Harley-Davidson-Club hatte.. Die Preisverteilung nahm einen harmonischen Verlauf. Bern; der Schweizerische Radfahrerbund; tees, St. Moritz, Ingenieur A. Brüderlin, Zürich, den Präsidenten des technischen Komitees; für die Sternfahrt: Conrad, St. Moritz; für das Kilometer-Lance: Christoffel, St.Moritz; für die Geschicklichkeitsprüfung: Lüscher, St. Moritz; für die Schönheitskonkurrenz: Lareida, St. Moritz; für das Bernina- .trennen: Major Troeger, St. Moritz und schHesslich die Chronometreure Beyer und Brieger. Von ganz besonders förderndem Werte war die schöne Zusammenarbeit der Sektionen Graubünden und Zürich. St. Moritz und die Behörden. . Die St. Moritzer Woche hat die ungeheure Werbekraft, die im Auto liegt, praktisch demonstriert. Sie brachte einen noch nie gesehenen Verkehr in den grossen Weltkurort und damit in die Schweiz und nach ganz Graubünden. Der Sprecher der bünd- "nerischen Regierung, Regierungsrat Huonder, anerkannte in seinen von warmer Sympathie getragenen Worten die wirtschaftliche Bedeutung des Automobils im allgemeinen und für einen Hotellerie-Kanton wie Graubünden im besonderen. Das dem Automobil nach langem Kampfe erschlossene Graubünden bereut seinen Schritt nicht. Sportliche Spitzenleistungen. Sportlich und technisch war St. Moritz etwas vom idealsten, das wir bis jetzt in der Schweiz zu sehen bekamen. Die fortwährende Höchstprüfung der Konkurrenten durch schwere Veranstaltungen, die sich hart auf hart folgten — die meisten kamen sogar direkt vom Klausenrennen — -stellten einaus- Der Dank der Presse. Uns bleibt noch zu danken für die grosse Unterstützung und Erleichterung, die die ÄUTOMOBIL-REVUE 1929— N°75 Presse in St. Moritz gefunden hat. Wir möchten hier Dr. Locher nennen, der Tag für Tag einem' Ansturm- von Wünschen entsprach und, selbst in Augenblicken heissester Arbeit, uns immer liebenswürdig und immer zuvorkommend zu helfen verstand. Sein Amt war es, die Journalisten über das Tagesprogramm und die neuesten Ereignisse zu orientieren. Täglich erhielten wir in unsere Hotels Bulletins und die famosen «Standard-Nachrichten» zugestellt, die offizielle Zeitung, die über Nacht erschien. Die prompte Zustellung der Resultate hatten wir einmal mehr Dr. Schmidlin zu verdanken, der, wie am Klausen, fremde Journalisten durch die- verblüffende Raschheit und Unfehlbarkeit seiner Bulletins überraschte und die Berichterstattung in einem wesentlichen Punkte ermöglichte. Klausen und Bernina. Zum Schluss noch ein paar Worte, die uns am Herzen liegen: Es ist vor und während der St. Moritzer Woche viel von einer Rivalität zwischen dem Klausen- und Bernina-Rennen gesprochen worden. Diese Rivalität besteht nicht. Klausen und Bernina sind zwei Veranstaltungen von zu verschiedenem Charakter: Der Klausen ist Automo- der Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität; die Schweizerische Berufschauffeure-Vereinigung, Sektion Bern; der Autogewerbeschutzverband, Sektion Bern; der Velo- und Motorrad- Die Ankunft der «Automobil-Revue». Ollendorff, von Dojmi (ganz links) und die beiden bekannten Rennfahrer Stuck und Escher (ganz rechts) studieren- in einer Gefechtspause d«r Gesehicklichkeitsprüfunz unser Blatt. Giger (Martini). Sieger der Tourenwagen 5 Liter mit 18'28,6". händlerverband Bern; der Kantonale Velohändler-Verband Bern; der Bernische Motorfahrerverband und der Kantonal-bernische Radfahrerverband. Das Sekretariat führte Herr Monteil, Sekretär der A. S. P. A. Ueber die Frage der Gründung einer bernischen Verkehrsliga war man sich sofort im klaren. Die Notwendigkeit eines solchen Verbandes lässt keine •Zweifel mehr zu. Einstimmig erklärte sich deshalb die Versammlung mit der Gründung einer bernischen Verkehrsliga einverstanden. Mehr zu reden gab die Organisation und die Wahl des Vorstandes. Die Diskussion formulierte sich zu folgenden Beschlüssen: Die Verkehrsliga gibt sich ein kurzes Statut. Ausführendes Organ ist ein 11—15gliedriger Vorstand. Der Präsident des Vorstandes wird von der Delegiertenversammlung gewählt. Im übrigen konstituiert sich der Vorstand selbst. Im Vorstande sollen sämtliche Verbandsgruppen vertreten sein. In der Besetzung des Präsidenten soll ein jährlicher Turnus innerhalb der Verbandsgruppen stattfinden. Diesen Richtlinien entsprechend ergab sich eine glatte Wahl des Vorstandes. Als Präsident wurde mit Beifall einstimmig für die Verbandsperiode 1929-30 Herr Hostettler, der Vertreter der A. S. P. A., gewählt. Im ferneren beliebten für die Gruppe A. C. S. Herr Dr. von Stürler, für die Gruppe T." C. 'S.Herr" Fürsprecher Bäumgartner, "für das Autogewerbe die Herren Hilfiker und Häfliger, für die Gruppe Motorradfahrer Herr Riesenmey, für die Arbeiter-Verbände die Heren Sahli, Iseli und Mader, für den Kantonal - bernischen Radfahrerbund Herr Gysi und für die vereinigten Taxihalter HeTr Bräu. Herr Hostettler wird im Vorstände nach Vereinbarung auch den Gesellschaftswagenbesitzerverband vertreten. Betreffend Delegiertenversammlung wurde dem neubestellten Vorstand die Aufgabe überwiesen, die Angelegenheit der Stimmabgabe und des Stimmrechtes der Verbände noch näher zu prüfen. Ebenso erhielt der Vorstand den Auftrag, ein Arbeitsprogramm aufzustellen und sofort an die zuständigen Behörden eine Eingabe zu richten, welche verlangt, dass dem neugeschaffenen Verkehrsamt eine ausserparlamentarische Kommission beige' geben werde. Im fernem wurde beschlossen, an die Presse folgendes Communique' zu erlassen: «Die bernischen Strassenverkehrsverbände haben sich nach dem Vorbild verschiedener anderer Kantone zu einer kantonalen Strassenverkehrsliga zusammengeschlossen, um eine einheitliche Behandlung aller auftretenden Verkehrsfragen herbeizuführen und den nötigen Kontakt mit den massgebenden behördlichen Instanzen herzustellen. Sie nahm Kenntnis von der Wahl des Vorstehers des bernischen Strassenverkehrsamtes. Da mit dessen Schaffung verschiedene äbklärungsund revisionsbedürftige Fragen auf dem Gebiete des Strassenverkehrs aktuell werden, beabsichtigt die Liga, den zuständigen Instanzen demnächst ihre verschiedenen Postulate zu unterbreiten.» Wir begrüssen unserseits die Gründung der bernischen Strassenverkehrsliga. Ohne Zweifel wird sie in allen kommenden grossen Verkehrsfragen ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben. Die Behörden werden an ihr nicht achtlos vorbeigehen können. Eine erspriessliche, dem Wohle des Ganzen dienende Arbeit wird möglich sein, sofern die bernische Regierung gewillt ist, mit der Liga in engstem Kontakte zusammen zu arbeiten. Grosse Verbände mit Tausenden von Mitgliedern stehen hinter ihr. Den Wünschen dieser vereinigten Verbände ist unbedingt in Zu-< kunft mehr Rücksicht zu tragen. Die Grund-* läge einer Aera besserer Zusammenarbeit könnte, bereits eintreten, sofern Regierung; und Grosser Rat des Kantons in der Schaffung einer ausserparlamentarischen Kommission für das Verkehrsamt sich einverstanden erklären könnten- —t