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E_1929_Zeitung_Nr.078

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Bern, Dienstag 10. Sept.

Bern, Dienstag 10. Sept. 1929 IIL Blatt der „Automobil-Revue" No: 78 99 Im heutigen Autler-Feierabend"; Es Autogschichtli abetn Land Seite Die ausgelüftete Eho 17 0 Josephine 1 18 Seite der Frau 19 Ein Pariser Junggeselle schafft eine Ehestatistik 19 Was bringen Herbst und Winter? 19 Der Autovagabund 20 Die humoristische Seite 21 Schöne Ecken des Schweizerlandcs 22 Touristischer Sprechsaal 22 Bunte Chronik 23 Bärndütsch von Hermann Aellen, Bern. E Stedtler, fei-n-e chly-n-e noble Herr, weder süscht e ke Untane, suret mit sim neuen-Auto uf ds Land use u jitz fahrt er nume-nim erste Gang gmüetlich dür-n-e Wald, de use dür Wiesland. So wit me ma gseh grüenets u blüejts, es isch e Wallfahrt für Auge u Seel. Der Autoherr Iaht sich's wohl sy. Es isch doch öppis unerchannt wunderbars e so rüejig u gäbig am Stür d'sitze u sich la dur ds Land fahre. Wie uf eme Schiff, so sittig geit's derby dür ds Labe. Me cha gäbig i d'Wält luege u sich freue u muess sich nid e so abmüede, we me spaziere geit, wie albes ungerem schwäre Rucksack. E, wie isch doch z'Läbe e so fäderliecht worde. Oemu chönnti m'es meine, we-n-es o gar nid e so isch u-nuf die luteri Ybildig chunnt's schliesslich im Läbe-n-a. I so-m-e-n-e Auto merkt me das am beste. Wie wird's erseht i-n-ere Flugere sy! Uf einisch gseht üse Herr wie drei Pure ufern Fäld z'erscht Gras mäje. D'Sunne steit scho hoch u die Drei schwitze-n-u schnufe, es isch es sChlächts gseh für eine wo so "gäbig u ohni Müej dür d'Wält cha fahre. Der Autoherr dankt: Nei, da möchti mitüri nid derby sy. Mi begryft jitz de bal einisch, weswäge üsi abghundete Pure chybig uf d'Auto sy. Das isch der Nid, nume der bar Nid, nüt angers! So solle si doch o-n-es Auto zuehetue, das war jitz gwüss e ke Luxus meh u würdi mängs liechter mache. Jitz gseht er wie-n-es alts, chrumms Muetterli mit dem Znünichorb gäge z'Dorf zue chiechet. Es wird vo däne Mähder här cho, Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. Fortsetzung aus dem Hauptblatt. dankt der Autoherr, haltet u seit im, es möchti doch ystige. Er fahri o i ds Dorf. Ds Fraueii isch gwüss no nie i-m-ene Auto gsässe, ömu jammerets gar gruselig: «E öppis e so, nei, nei, guete Ma, so lang mi ds Qangwärch no treit, will i no lieber schuene, we's o bschwärlich gnue isch mit mine Siebezgi, weder derfür o sicherer.» Uf das ache het der Autoherr wie-n-e Schwick d'Türe vo sim rote Wage uitah, das Wybli wie-n-es Bäbi i ds Auto glüpft u-n-isch wyters gfahre, eb si neue Passagier usem Schreck usecho isch. Es geit ganz sittig u gäbig u sicher, das gspürt ds Muetterli u-n-es isch tröschtet. I feuf Minute si si scho im Dorf u halte vor em Hus. Von Faye Meriman (NewYork). «Ja, einen neuen Anzug muss ich mir anschaffen^ wiederholte Mr. Purdy, während er sein Spiegelbild interessiert betrachtete. «Dieser hier, den ich trage, sieht wirklich zu verheiratet aus.» «Und bist du vielleicht, nicht verheiratet?» fragte ihn seine Frau mit sanfter Stimme. «Natürlich,» gab er hastig zu, «aber das ist doch wirklich noch kein genügender Grund für einen Mann, ein so salopp geschnittenes, unmodernes Gewand zu tragen. Und überdies, Kind, wollte ich dich auch schon seit längerem fragen, warum du dein Haar nicht nach der neuesten Mode trägst? Weisst du, ich meine, diese kurzen Locken und die Haare ins Gesicht hinein kurz geschnitten.» «Ach, diese Frisur würde mir täglich anderthalb Stunden rauben.» «Was liegt aber denn an ein bisschen Zeit?» fragte der Gatte eigensinnig. «Mir gefällt die Frisur, und deshalb solltest du sie dir machen... Weisst du, da fährt jeden Tag ein junges Mädchen mit mir im selben Stadtbahnzug. Es trägt sein Haar nach der neuen Mode, und glaube mir. es steht ihm ganz ausgezeichnet. Heute morgen wurden wir miteinander bekannt, und denke dir nur, was es mich fragte: ob ich ein verheirateter Mann sei?» Und Mr. Purdy lächelte in der Erinnerung amüsiert vor sich hin. Mrs. Purdy schwieg, als ob sie nicht weiter neugierig wäre. Aber ihr Gatte schien darauf zu brennen, irgend jemanden, und sei es auch die eigene Frau, von seiner Eroberung wissen zu lassen. . r ,. «Und ich fragte es dann,» begann er wieder, «sehe ich denn wie ein verheirateter Mann aus? Und es darauf: Ein wenigl» Worauf ich dann aber schlagfertig erwiderte: «Was noch lange kein Grund sein muss, einer zu sein.» Mrs. Purdy schwieg noch immer. Die meisten Frauen an ihrer Stelle hätten jetzt manches zu sagen gewusst, aber Mrs. Purdy hatte für solche Fälle ein eigenes Motto und das lautete: Halte deinen Mund! «Das Fatale mit euch verheirateten Frauen,» eröffnete er den Kampf, «ist es eben, dass ihr euch in eurer Ehe zu fest verankert glaubt. Ihr glaubt, der Gatte müsse euch in unbedingter Ergebenheit Auch Fritz Kraft erzählte von einer kürzlich erhaltenen knappen Mittedlung Fleissigs aus Karthum. worin eine bittere Stimmung zum Ausdruck kam. Er sei Hedy, der Schwester Max Kellers, nie untreu gewesen, er liebe das Mädchen heute noch. Die Familie Keller habe ihm Unrecht getan und hätte nie auf blosse Weiberklatschereien hin ihn zie- bevorstehenden Besuch Schermans. «Du, sag mal Kramer, was hältst du von hen lassen sollen. Auch Beck und Fischer Scherman? Du bist doch auch Graphologe, hätten kein Wort für ihn eingelegt und da-undurch schlecht an ihm gehandelt. Nur mitFischer. Kramer dachte lange nach, als ob ich weiss, ein weithin gesuchter,» sagte Mühe werde er Herr über seinen Hass gegen die drei Männer, die seinen Abstieg in sagen wollte. Die Antwort schien ihm fast er das, was er zu sagen hätte, sehr genau die Legion, wenn nicht direkt verschuldet, eine Herzensangelegenheit zu sein. so doch nicht verhindert hätten. Kraft Hess «Ich halte Scherman für einen Begnadeten, wenn auch seine Gab© oft mehr ein Da- eine Photographie zirkulieren, welch© Fleissig in der Uniform des Fremdenlegionärs naergeschenk als eine Gnade ist. Ich kann zeigte. Ein schwarzer Vollbart umrahmte mir denken, dass so ein Mensch nur schwer das magere Kinn, leidenschaftliche Augen lagen unter buschigen Wimpern und die straffe, verraten, dass auch ich neben meinen gra- und selten fröhlich sein kann. Ich will euch sonnverbrannte Haut gab dem ganzen Gesicht etwas Hartes und Entschlossenes. Es von Schermans Sehertum besitzen phologischen Kenntnissen einen kleinen Teil war das Bild eines schönen aber unheimlichen Mannes. Der Ingenieur betrachtete warum hast du uns das bis heute verschwie- «Du bist ja ein ganz unheimlicher Mensch, gen?» lange seinen frühern Freund, den einstmaligen Verlobten seiner Schwester. In seinem Kopf jagten sich die Gedanken; was musste dieser arme Mensch durchgemacht haben, bis sein Ausdruck so hart und abweisend geworden war! «Ich habe nie an dieses Ammenmärchen geglaubt und meiner Schwester immer wieder geraten, den Verlobten sich verteidigen zu lassen, bevor sie ihn von sich stiess. Dies war in meinem ganzen Leben die einzige Meinungsverschiedenheit zwischen Hedy und mir. ALs ihre Unerbittlichkeit den Mann vertrieben hatte, und ich nach wie vor von Fleissig's Unschuld, aber' auch von der treuen Liebe Hedy's zu ihm überzeugt war, habe ich öfters an ihn geschrieben, aber keine Antwort erhalten. So entstand ein Gewirr von Missverständnissen, das unabsehbare Folgen zeitigen kann. Hedy liebt Alfred heute noch und wird im Grunde den selbstverschuldeten Verlust nie verwinden.» Man Hess das Gespräch fallen und wandte sich den Tagesneuigkeiten zu. Sie erzählten vom «blauen Vogel», vom Schweizer Komiker Grock, der zum letzten Mal auftrat, vom «Oder ich frage mich, warum ich es gerade heute verraten habe, warum ich plötzlich den Drang fühlte, mitzuteilen, entgegen meiner gewöhnlichen Einstellung, auch lieben Menschen gegenüber. Vielleicht kann einer von euch daraus Nutzen ziehen.» «Darf ich dir meine Schriftprobe gleich überreichen?» sagte halb lächelnd und halb zögernd Keller und gab dem Schriftsteller ein von ihm beschriebenes Blatt Papier. Er wünschte in diesem Moment den Schleier, der sich gnädig vor uns allen ausbreitet, zu «E, der tusig», seit ds Fraueii. «Das wäri jitz guet gange u-n-es freut mi, dass i das no erlabt ha. Weit er nid öppis z'Nüni näh? Mir hei da grad e guete Biremost u süsch no öppis Gschläsmets us em Chemi git's o.» Das het sich der Stedtler nid zwöimal la säge. Dernah si der Stadtherr u d'Landfrau z'sämme am Tisch gsässe, hei agstosse u Freud gha u gwüss für sich sälber dankt: Ds Auto us der Stad u d'Hamme vom Land muess me nume-n-einisch z'sämme uf der glych Tisch stelle, de isch das e schöni Sach. E däwäg cha-m-e säge: Läbe-n-u Freud ha! Ufern Land ö. U z'letschtamänd isch es Auto e ke Mistbänne... Die ausgelüftete Ehe. am Schürzenzipfel hängen, und es fällt euch nicat ein, dass er ein anderes Mädchen hübsch finden könne. Ja, ja, jeder Ehe täte es einmal gut, zeitweise ausgelüftet zu werden.» «Halte mir bitte diese Wollsträhne, ich will sie aufspulen,» erwiderte Mrs. Purdy ruhig. «Ja, auslüften,» rief der Gatte mit erhobener Stimme, während er aber gehorsam dem Wunsche seiner Gattin Folge leistete. «Das ist es, was unbedingt nötig wäre.» Mrs. Purdy hatte ihre Arbeit zusammengerollt und verliess mit einem freundlichen Nicken gegen den Gatten, der ihr verdutzt nachsah, das Zimmer. In ihrem Schlafzimmer stellte sich die kleine Mrs. Purdy vor den Spiegel, betrachtete sich nachdenklich von allen Seiten und sagte endlich zu sich selber: «Kitty, Kitty, Gefahr scheint im Verzag! Jetzt heisst es vorsichtig sein. Es wäre ja wirklich schade, solch einen guten Gatten durch Leichtsinn zu verlieren.» Sie setzte sich dann vor ihren Toilettentisch, nahm ein Modejournal zur Hand und begann sich angelegentlich in die Rubrik zu vertiefen, die die Aufschrift trug: «Ratschläge zur Erhöhung der weiblichen Schönheit.» Einen Monat später betrat Mrs. Purdy, das heisst eine viel elegantere, gepflegtere Mrs. Purdy eines Vormittags denselben Stadtbahnzug, in dem ihr Gatte ins Bureau fuhr. Sie tat aber, als bemerke sie die Anwesenheit ihres Gatten absolut nicht, ignorierte auch völlig das ihm gegenüber sitzende junge Mädchen, sondern schritt resolut auf eine Bank zu, auf der ein äusserst gewinnend aus- •sehehder junger Mann Platz genommen hatte. Und als dieser Jüngling sich im Laufe der Fahrt ihr mit einigen Worten zu nähern suchte, war Mrs. durchdringen, denn sein Herz war hoffnungsfroh und sein Gehirn bereit, nach vollbrachter Arbeit um das materielle Resultat zu kämpfen. Gleichzeitig mit dem Ingenieur hatten auch der Arzt und der Anwalt ihre Briefmappen geöffnet und ihrem Freunde Kramer Schriftproben hingeschoben. Dieser legte sie nebeneinander und sah sie an. Langsam bewegten sich seine Augen von einer zur andern, er sog sie förmlich in sich auf. Totenstille herrschte am Tisch. Jeder hatte das Gefühl: der liest im Buch deines Lebens, er sieht, wann und wie der Abschluss sein wird. Man .glaubte zu fühlen, wie beim Betrachten der Schriftzüge vor dem inneren Auge Kramers aus Nebel unsichere Konturen sich lösten, wie diese deutlicher und deutlicher wurden, wie aus Konturen Bilder und aus Bildern Gestalten sich formten mit plastischer Greifbarkeit, Gestalten, die das Schicksal dreier Freunde darstellten. Ernst Kramer war leichenblass geworden. Tiefe Ringe umgaben seine Augen. Wenige Momente hatten ihm das Aussehen eines Schwerkranken verliehen. Ohne ein weiteres Wort erhob er sich und verliess wankend das Lokal. Schweigend und bestürzt betrachteten sich die Zurückgebliebenen. Als Erster nahm Kraft das Wort: «Liebe Freunde, ihr werdet denken, dass es mir leicht fällt zu reden, da ich aus eigener Furcht nicht vor den Richterstuhl getreten bin. Glaubt das nicht; mir ist darum zu tun, euch aus dem Trübsinn herauszuheben. Wir stehen doch alle in den besten Jahren, sind gesund und haben allen Grund, böse Gedanken zu bannen, besonders darum, weil es sich hier nicht um eine wissenschaftliche Prognose, sondern um ein Gefühlsprodukt höchst persönlicher Art handelt. Ich stosse an auf unseres lieben Freundes Max grosse Erfindung und auf unser aller Wohlergehen.» Zuerst zögernd, dann doch etwas durch die Worte des Bankiers erleichtert, stiessen die Purdy überraschend schnell bereit, auf die Konversation einzugehen. «Kennst du Professor Chitmut?» fragte Mrs. Purdy ihren Gatten am Abend dieses Tages. «Chipmunk?» erwiderte der Gatte ein wenig verdriesslich. «Chitmut,» erwiderte seine Frau ruhig. «Ich dachte, er müsse unbedingt einer deiner Freunde sein, weil er genau dieselben Ansichten vertritt wie du.» «Welche Ansichten?» brummte Mr. Purdy. «Nun, die , über die Ehe Erinnerst du dich denn nicht mehr an deine Worte, jede Ehe solle von Zeit zu Zeit ausgelüftet werden. Er, der Professor, sagt ganz dasselbe. Er sagt, dass ein harmloser Flirt, wenn man auch verheiratet sei, für dia Ehe ein Stahlbad sei, dass er die Stumpfheit dej: Gatten beseitige, dass ...» «Er ist ein Esel, dein Professor,» rief Mr< Purdy ärgerlich aus. «Und deshalb,» fuhr Mrs. Purdy unerschütterlich ruhig zu sprechen fort, «habe ich mich entschlossen, für die hundert Dollar, die Vater mir als Geburtstagsgeschenk schickt, mir ein neues elegantes Strassenkostüm anzuschaffen, da Professor Chitmut meint, es sei die Pflicht jeder Frau, ihrem Gatten zuliebe nicht auf die Bewunderung der ganzen übrigen Männerwelt zu verzichten.» Mr. Purdy murmelte unverständliche Worte vor sich hin, aber selbst einem nicht allzu aufmerksamen Zuhörer wäre es klar geworden, dass es alles eher als Beifallsäusserungen waren, was er da so unklar von sich gab. «Alexander,» begann nun seine Frau wieder< während sie träumerisch vor sich hinlächelte, «ich treffe da seit einigen Tagen einen reizenden jungen, Mann in der Stadtbahn und ich fange beinahe an zu glauben, dass er sich für mich interessiert.» «Der Teufel hole den Professor mit dem komischen Namen, der euch Weibern einen solchen Ünsinn in den Kopf setzt,» schreie Mr. Purdy. Wia oft in der Woche hörst'du dir denn sein Geschwätz an?» «Nur zweimal, also nicht einmal die Hälfte so oft, als du in deinen Club läufst.» «Kitty,» sagte der Gatte da in plötzlichem Entschluss, «ich will mir heute nachmittag einmal den Spass machen, mein Bureau zu schwänzen, und dich in die Vorlesung deines spasshaften Herrn. Professors begleiten.» «Es tut mir wirklich leid. Liebster, auf deine Gesellschaft verzichten zu müssen, aber zu den Vorlesungen des Professors Chitmut haben nur Damen Zutritt.» Mit einem höhnischen Auflachen verliess Mr. Purdy das Zimmer und warf die Türe krachend hinter sich ins Schloss. Am nächsten Morgen aber präsentierte er sich in einem neuen Anzug tadellos gepflegt wie ein unverheirateter Mann, seiner erstaunten Gattin. «Kitty,» sagte er in schier demütigem Tone, «ziehe dir dein schönstes Kleid an, denn ich bitte dich, heute morgen mit mir in die Stadt zu fahren.» «Ich kann nicht fertig werden. Liebster. Fahre du nur ruhig in die Stadt, ich hole dich später Donnerwetter, so prächtige Aufnahme^ haben Sie auf Ihrer letzten Autotour geknipst! Selbstverständlich beteiligen Sie sich mit Ihren Photos an dem Wettbewerb der «Illu* strierten Automobil-Revue. Es sind schöne Preise und eine ganze Reihe von Spezialpreisen für das beste Touren-, das beste Sport- und das beste Strandbadbild ausgeschrieben. Die Teilnahmebedingungen sind im letzten «Autler-Feierabend» erschienen. Das prächtige Wetter der letzten August" und ersten Septemberwoche hat die Redaktion verarilasst, den Einsendetermin bis Samstag den 21. September zu prolongieren. andern an. Doch die Stimmung war gedrückt und blieb es. Das Erlebnis mit Kramer hatte etwas Ueberzeugendes und hinterliess einen nachhaltigen Eindruck. Früher als sonst ging man heim, keiner konnte schlafen und müde erhob sich jeder am andern Morgen und sah mit trüben Augen einen trüben Tag. eso Vielleicht waren Sie ängstlich wegen des nächtlichen Kaffeegenusses ? 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18 AUTOMOBIL-REVUt 1929 — 78 von deinem Bureau ab.» — «Nein, weisst du,» erwiderte Fr. Purdy in höchster Verlegenheit, «ich lege grossen Wert darauf, gerade mit meinem gewöhnlichen Zug zu fahren, weil... weil... nun zum Teufel, weil ich will, dass jeder in diesem verdammten Zug erfahre, dass ... dass wir beide verheiratet sind.» (Münchener Telegramm-Zeitung.) Der Amtsschimmel Der «Figaro» erzählt folgende ergötzliche Geschichte, die erkennen lässt, dass St. Bureaukratius auch bei unsern französischen Nachbarn kein Unbekannter ist. Im vorigen Jahr trat ein hoher, in Paris sehr bekannter Beamter des französischen Finanzministeriums in den Ruhestand. Um seine etwas angegriffene Gesundheit wieder herzustellen, gönnte er sich eine schöne, ausgedehnte Erholungsreise, die ihn beinahe ein ganzes Jahr lang von Paris fernhielt. Nach seiner kürzlich erfolgten Rückkehr nun beabsichtigte dieser Herr, seine Pension abzuheben, die er während des Jahres seiner Abwesenheit hatte anstehen lassen. Also begab er sich zu der für ihn zuständigen Kasse, um sein Geld abzuholen, wohlbewaffnet mit einer für diesen Zweck durch irgendeine französische Verordnung vorgeschriebenen polizeilichen Bescheinigung, dass er noch lebe und sich guter Gesundheit erfreue. An der Kasse prüfte man das polizeiliche Zeugnis sehr sorgfältig, schüttelte die Köpfe, prüfte noch einmal und erklärte dann schliesslich, das ihm zustehende Ruhegehalt für das letztverflossene Quartal könne man wohl auszahlen, da er dafür eine «Lebensbescheinigung» beigebracht habe. Die Gelder aber für die vorhergegangenen drei Quartale könne man ihm nicht geben, da für diesen Zeitraum die vierteljährlich vorgeschriebenen drei Bescheinigungen fehlten. Umsonst wies der Bestürzte darauf hin, dass er zurzeit doch noch am Leben sei und dass also doch wohl kaum angenommen werden könne, dass er in den fraglichen drei Quartalen nicht gelebt habe; er bekam nur „Nein, weisst dn, erwiderte M. Purdy, in höchster Verlegenheit", ich lege grossen Wert darauf, gefade mit meinem gewöhnlichen Zug zu fahren, weill... weil... nun zum Teufel, weil ich will, dass jeder in diesem verdammten Zug erfahre, dass... dass wir beide verheiratet sind". piere auszustellen, da er sich während der dreiviertel Jahre bei ihr nie persönlich vorgestellt habe. Polizist mit Telephon In der nächsten Zeit werden von der Polizeidirektion in Wien verschiedene technische Neuerungen eingeführt werden, die die Schlagkraft der Sicherheitswache erhöhen und eine grössere Beweglichkeit des Polizeikörpers gestatten werden. Vor allem sollen an Gebäuden und Lichtmasten Polizeimelder angebracht werden, die in ähnlicher Weise wie die Feuermelder funktionieren. In jedem solchen Melder ist ein Telephonapparat eingebaut, durch den die Zentrale den Wachebeamten mittels eines Lichtsignals oder eines Läutewerks anrufen kann. Die diensttuenden Polizisten öffnen den Melder mit ihren Schlüsseln und können so, nachdem durch Abheben des Hörers die Verbindung mit der Direktion hergestellt ist, Befehle entgegennehmen. Der Melder wird auch dazu dienen, um gegebenenfalls an eine bestimmte Stelle der Stadt schnellstens eine Polizeipatrouille beordern zu können. Durch einen Druck auf einen bestimmten Taster im Meldeapparat kann der Beamte von der Zentrale Sukkurs verlangen. Ein Selbstregistrator vermag sofort den Apparat festzustellen, von dem aus die Hilfe verlangt wurde. Auf kürzestem Wege kann von der Zentrale das nächstgelegene Kommissariat drahtlos oder telephonisch verständigt werden. Anfangs werden diese Polizeimelder nur in der Nähe von sogenannten Stehposten, das heisst von Verkehrsbeamten, Posten an Kreuzungen usw. eingerichtet werden, während später auch patrouillierenden Beamten derartige Apparate zur Verfügung stehen werden. Der Bau der Polizeimelderanlagen wurde bereits in Angriff genommen. Es ist auch geplant, später jeden diensttuenden Polizisten mit einem Radioapparat zu versehen, damit von der Zentrale oder von Kommissariaten unmittelbar an jeden Wachebeamten Weisungen ausgegeben werden können. Wie soll man sein Geld verwenden ? Eine uralte orientalische Weisheit lautet folgendermassen: «Der Mensch teile seine Erwerbnisse in drei gleiche Teile. Den einen habe er in Bargeld liegen, den zweiten stecke er in Landbesitz, für den dritten kaufe er Waren, um mit ihnen zu handeln.» Die Weisen Amerikas liegen im Streite darüber, was der Mensch mit seinen Erwerbnissen anfangen soll. < Der neunzigjährige Rockefeiler hält seit Menschengedenken an seiner alten Weisheit fest. «Sparen» — lautet sie. Für diese Lehre macht er nach wie vor Propaganda der Tat. Er schenkt jedem, dem er begegnet, einen «dime», die kleinste amerikanische Münze. Sie soll dem Journalisten, der ihn interviewt, dem Golfpartner, dem Geistlichen, der Blumenfrau und dem boy scout als «Anfangskapital» dienen. Die Sparbüchse: das ist das Symbol der Lehre Rockefellers. Henry Ford ist noch keine neunzig Jahre alt. Er erklärte vor kurzem, Erfolg könne nur der haben, der versteht, sein Geld auszugeben. Natürlich genüge das Ausgeben an sich nicht, man müsse auch das Wörtchen «wie?» kennen. Jedenfalls sei es nach Ford nur schädlich, wenn man der heranwachsenden Jugend die Sparsamkeit als eine Art von Religion predige. Der Schuljunge, das Schulmädchen sollen sich im Erwerb von Dingen üben, die sie für nützlich halten. Fords Ideal ist sein intimster Freund Edison, der im Ausgeben noch unermüdlicher als in der Erfindung von tausend nützlichen Dingen war. Der dritte der Weisen, Raskob, kommt vom Arbeiterstand und wurde in verhältnismässig früher Jugend Leiter der Finanzabteilung der gigantischen General Motors Company. Er kam soeben mit seiner neuen Heillehre heraus. «Anlegen» — heisst ihr Alpha und Omega. «Jeder amerikanische Arbeiter vermag, wenn er will, 15 Dollar zu ersparen und damit kann er seine Laufbahn als Kapitalist beginnen.» Rockefeiler, Ford. Raskob: sie alle drei sagen — eigentlich — nur das, was die Weisen des Orients vor der Erfindung des Benzins, des Autos und der Aktie gewusst zu haben scheinen.' Die Anerkennung. Jack Johnson, der ehemalige schwarze Box-Weltmeister* besah sich einmal die Stadt Paris und besonders die historischen Stätten. Johnson kam auch zum Grab Napoleons und überlegte dort lange, was er sagen wollte. Schliesslich meinte er zu seinen Begleitern: «Well, auch das war ein grosser Mann!» O Josephine! •Josephine, die braune, weltberühmte Josephine, seit ihrem Schweizer Tournee den Lesern des «Autler Feierabends» eine sehr gute, sehr liebe Bekannte, dieselbe Josephine hat einen bitterböse-traurig-resignierten Brief an einen ungarischen Freund geschrieben. Sie beklagt sich schwer, wie die «B. Z. am Mittag» zu berichten weiss, dass man ihr überall Steine in den Weg wirft und gross angelegte Krachs gegen sie inszeniert, die ihr das Leben verbittern. Ausserdem schreibe man, wo man hur kann, Böses über sie. In Buenos Aires, der Stadt der «guten Düfte», wo sie augenblicklich im Australtheater tanzt, habe man ihr bei der Premiere wieder einen unerhörten Skandal gemacht, in dessen Verlauf Männer und Frauen sogar wütend auf sie losgegangen sind, so dass es fast zu Schlägereien gekommen wäre. Sie, Josephine, habe genug von den ewigen Vorwürfen, dass ihr Tanzen unmoralisch sei, sie werde den ganzen Kram einfach dort lassen und zur Sprechbühne gehen. Zu diesem Behufe ist Josephine Baker auch bereits mit dem ungarischen Autor Arpad Pasztor in Verbindung getreten, in dessen Stück «Le Masque Bleu> — «Die Blaue Maske» — sie die Hauptrolle zu übernehmen gedenkt. Josephine schreibt wörtlich : «Meine Premiere im Australtheater wurde wieder dazu benutzt, um mir skandalöse Szenen zu bereiten. Männer und Frauen schrieen mich an und befahlen mir, sofort zu tanzen aufzuhören und nannten mich schamlos. Der Tumult, den sie anrichteten, war so gefährlich, dass die Polizei kommen musste, um Ordnung zu machen. Worin besteht eigentlich meine Unmoral? Darin vielleicht, dass ich zugleich tanze und singe? Habe ich während meiner künstlerischen Karriere schon irgendeinen Schaden angerichtet? «Ich bin tief religiös. Mein einziger Wunsch ist, dass man sich nur mit meiner Kunst befasse und nicht mit meiner Person. ... Gewiss, beim Bühnenausgang erwarteten mich auch hier wieder Dutzende von Verehrern, die mir Blumen schenken und um Autogramme bitten. Aber diese Erfolge befriedigen mich nicht. Ich habe die feste Absicht, das Tanzen aufzugeben, das, wenn es eine «Weisse» tut, «moralisch» befunden, bei einer «Schwarzen» aber als gegen- die Sitten verstossend gebrandmarkt wird... Im nächsten Februar kehre ich wieder in mein liebes Paris zurück, wo ich im «Palace» in der « Blauen Maske » spielen werde. Ich habe bereits einen zweijährigen Kontrakt. Zuvor aber gehe ich noch nach Hamburg, um in einem Sketsch aufzutreten ...» Sind deine Misserfolge eine amerikanische Rassenangelegenheit oder hast du dich selbst überlebt, braune Josephine? Denke wie schnell unsere Zeit lebt. Empfindsames Gemüt Die gleiche Frau, die vor drei Wochen, ohne mit der Wimper zu zucken, bewaffnete Kassenboten aufhielt und insgesamt 60,000 Fr. abnähme, stand jetzt in Topeka in Kansas vor Gericht. Sie fiel, als sie den Spruch des Gerichts, der sie zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilte, vernahm, mit einem Aufschrei in Ohnmacht. --& Ucibfaflc in 6cm 1857 + Kapital und Kcfcwcti Jt. 16,000,000 ßcforgung aller 6anfgcf*of(c Beratung für ttorföfiffe fn jeder Jocm und für Kapitalanlagen Die erste Serie der&it Weitere Serien: BESMKI Albrecht-Schläpfer&Cie. immer wieder zu hören : entweder die Bescheinigungen oder kein Geld. Zurzeit fahndet der Bedauernswerte, dem man dreiviertel Jahre seines Lebens nicht so recht glauben will, eifrig nach einwandfreien Zeugen dafür, dass er in diesem Zeitraum tatsächlich am Leben gewesen ist, denn auch die Polizei hat sich geweigert, nachträglich die nötigen Paneben Hotel duParo Z Ü R I C H I niohrt H»uptb*hnh. am Linthescherplatz Erstes Spezialgeschäft für reimte Kamelhaardecken COLDnHMIED 10 ü 0 I C H 1 Autodecken Kühlerdecben ä Fr. 5.~ 6.50 7.50.