Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1929_Zeitung_Nr.081

E_1929_Zeitung_Nr.081

verlangt© die

verlangt© die Verbesserung der Hauptstrasse durch die Freiberge, welche das Laufental mit dem Kanton Neuenburg verbindet. Den verschiedenen Begehren kann die Berechtigung nicht abgesprochen werden. Immerhin ist zu betonen, dass der Ausbau und die Instandstellung des bernischen Strassenwesens nur nach' Massgabe der vorhandenen Gelder durchgeführt werden kann. Mit dem Aufstellen von Begehren ist es deshalb keineswegs getan. Sie sind erst dann als ernst aufzufassen, wenn zugleich für vermehrte Mittel gesorgt wird. Die Automobilisten mit ihren mehr als drei .Millionen Franken'Automobilsteuern zahlen genug. Auch die Flut der Bussenzettel hat leider noch nicht abgenommen. Ist man nicht für ein neues Strassenanleihen zu haben, so kann eventuell nur durch einen zweckentsprechenden «Verkehrs-Verteilungsplan» innerhalb der Regierung der Baudirektion vermehrte Mittel zugeführt werden. Auch der Ruf nach einer Verkehrsregelung äst nicht ausgeblieben. Darin sind wir mit Herrn Ritter einverstanden. Wir hoffen, einmal das bernische Verkehrsamt in Funktion, dass eine bessere Verkehrsregelung, welche ganz besonders den Interessen des Automobilismus Rechnung tragen wird, Platz greifen werde. Dagegen darf die Behauptung des Herrn Ritter nicht unwidersprochen bleiben, als würden die Unglücksfälle zwischen Bahn und Automobil meistens durch Unvorsichtigkeit der Automobilisten verursacht. Richtiges Bedienen der Barrieren, gut sichtbare Verkehrstafeln, rechtzeitig funktionierende elektrische Warn-Apparate und ganz allgemein ein grösseres Anpassen der Bahn an den Strassenverkehr dürften die Zahl der Kollisionen zwischen Automobil und Bahn wesentlich mindern. Aus der Antwort des Baudirektors, Herrn Regierungsrat Bösiger, ging übrigens hervor, dass an zuständiger Stelle nach wie vor dem Ausbau des heroischen Strassenwesens die grösste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ganz besonders möchten wir die an die bernischen Vertreter im Nationalrat ergangene regierungsrätliche Aufforderung unterstützen, sie möchten ihrerseits dafür eintreten, dass an Stelle des Benzinzollviertels mindestens doch die Hälfte des Benzinzolls an die Kantone gelange. Nur durch vermehrte Mittel, die dem Kanton einzig noch aus dem stets wachsenden Benzinzoll herfliessen können, wird man den verschiedenen Begehren Folge leisten können. Den speziellen Bieler Wünschen wird übrigens in der Weise entgegengekommen, dass zwischen Biel und Neuenstadt ein Weg durch das Rebgelände als Entlastungsstrasse geplant ist. Ferner gedenkt man für bestimmte Zeiten am Bielersee den Eingangverkehr einzuführen, wie er bereits in der «Automobil-Revue» angeregt und vorgeschlagen wurde. Fussgängerwege» In der Sitzung vom 18. September des Grossen Rates begründete Dr. La Nicca seine Motion, worin er anregt, dass angesichts der durch den Automobilverkehr vollständig veränderten Verhältnisse auf den Strassen überall, wo irgend nur möglich, Fussgängerwege anzulegen seien. Der Motionär hat eine Idee aufgegriffen, die ganz besonders eingehend von Herrn Dr. Gubler in seiner Broschüre «Radfahrerwege in der Schweiz» behandelt worden ist. Jedenfalls verlangt der zunehmende Automobilverkehr, dass bei Umbauten oder neuen Anlagen von Strassen wenn immer wie möglich auf Ausscheidung von Fussgänger- und Radfahrerstreifen Bedacht genommen werde. Ist überall einmal Einsicht und Wille dazu vorhanden, so wird sich die Frage nach einheitlichen Grundsätzen lösen lassen. Jedenfalls lohnt sich am Rande der Stadtgebiete, wo der Ausflugsverkehr besonders gross ist, eine grosszügige Lösung. nach dem andern hinter sich lassend, die Ebene dehnte sich weit, in der Ferne sah man die Konturen des Gebirges; dort oben irgendwo erwartete man ihn, ein leidender Mensch brauchte ihn und ein Kollege wünschte seine Unterstützung. Da waren die Lichter von Oberkirch, schon lag das Dorf hinter ihm, hier die Wegkreuzung und der Mann, der auf ihn wartete. Er trug eine blaue Brille und einen dunkeln Vollbart. Der Arzt bat ihn, einzusteigen. Die Männer begrüssten sich. Der Fremde bedauerte, dass er den Herrn Doktor habe stören müssen, aber «meine Frau liegt in Kindeswehen und Dr. Auer möchte den notwendig gewordenen Eingriff nicht allein ausführen; so habe ich mir erlaubt, Sie herzubitten.» Dr. Beck brummte gutmütig. «Darf ich Ihnen eine Zigarette offerieren Herr Doktor?» «Sehr gern, Herr...?» «Winkler ist mein Name.» Sie waren von der grossen Strasse abgekommen und näherten sich dem Wald, der langsam gegen das Gebirge anstieg... 'Fortsetzung folgtJ Herr Regierungsrat Bösiger konnte in seiner Beantwortung darauf hinweisen, dass die bernische Baudirektion bereits im Sinne der Motion vorgehe und auch den Schutz der Fussgänger nicht ausser acht lasse. In der Umgebung von Bern und von grössern Gemeinden bestünden bereits Trottoirs und auch an mehreren andern Strassen seien neben der Fahrbahn Fussgängerwege hergestellt. Was der an und für sich guten Idee am meisten im Wege steht, ist natürlich die Frage des Landerwerbes, der nicht so einfach durchzuführen ist. Die Motion La Nicca wurde vom Grossen Rate gutgeheissen; damit ist Gewähr geboten, dass man im Kanton Bern die Frage weiter verfolgen und studieren wird und dass, nach Ausführungen der zuständigen Direktion, der Staat im Rahmen der verfügbaren Mittel nach Verwirklichung dieser unbedingten Notwendigkeit trachten wird. Hervorheben möchten wir noch, dass nicht nur die grosse Automobilistengemeinde, sondern alle Strassenbenützer Herrn Regierungsrat Bösiger dafür dankbar sein werden, wenn er nach wie vor für eine zweckentsprechende Verwendung der Automobilsteuer und des Benzinzollanteils im bernischen Staatshaushalte Sorge trägt. Zusammenfassend können wir betonen, dass die Diskussion im Grossen Rat einen erfreulichen, fortschrittlichen Geist zeigte, aus dem die wachsende Erkenntnis über die Bedeutung des Strassen- und Automobilwesens deutlich hervorging. Ein Erfolg der Automobil-Revue. Die unermüdliche Aufklärungsarbeit der «Automobil-Revue» beginnt ihre guten Früchte zu zeitigen. Währenddem die allgemeine Presse bis zur Stunde an den selbstverständlichsten Postulaten vorbeigeschrieben oder blindlings darüber hinweggegangen ist, hat die Redaktion der «A.-R.» immer und immer wieder auf die wachsende Bedeutung der Strasse und die damit im Zusammenhange stehenden automobilistischen Fragen hingewiesen. Dass die augenblicklich zu Recht geltende Benzinzollverteilung gänzlich ungenügend ist, haben wir bei jeder Gelegenheit immer wieder zu betonen gewusst. Im Kampf um eine gerechtere und bessere Benzinzollverteilung werden wir nicht müde werden. Vorerst muss wenigstens die Hälfte des Benzinzolles, als Minimalforderunig, den Kantonen zufliessen. Bei steigender Verkehrsentwicklung und weiterer Erhöhung der Benzinzolleinnahmen werden wir aber den Kampf auch noch weiter vorzutragen wissen. .., :- -f. Eine hässllche Erscheinung. Eine Agenturmeldung durchlief dieser Tage die gesamte schweizerische Presse, die nicht dazu angetan ist, die Sympathien für den Automobilismus zu fördern. Nach der betreffenden Meldung wurde am Dienstag abend nach 19 Uhr in Rapperswil ein zwölf Jahre altes Mädchen von einem unbekannten Automobilisten gewaltsam entführt. Selbstverständlich konnte sich eine gewisse Presse, die für das Automobil noch nicht viel übrig hat, giftiger Bemerkungen nicht enthalten. «Schandtat eines Automobilisten» wurde fettgedruckt als Titel gewählt. Der Zweck ist klar. Ein an und für sich trauriger Einzelfall wird sofort automobilfeindlich ausgewertet. Die Gelegenheit ist günstig, greife man fröhlich zu, wenn einem sonst triftige Gründe gegen das Automobil ausgegangen sind. Solch journalistische Praxis gilt es einfach tiefer zu hängen! Der traurige Fall wird selbstverständlich von jedem anständigen Automobilisten aufs schwerste bedauert. Es wird leider immer Wüstlinge geben, die sich zur Vollführung einer Untat mit Freude und Geschick des Automobils bedienen werden. Solche Unmenschen haben in den Reihen der Automobilisten nichts zu suchen und dürfen mit ihnen nicht ohne weiteres identifiziert werden. Dagegen erneuern wir mit aller Entschiedenheit unser Begehren, die kant. Polizeidirektoren möchten nun endlich einmal ihre Organe in Uniform auf die Strasse stellen und sich weniger mit den nach den veralteten Konkordatsvorschriften zu schnell fahrenden Automobilisten als mit den Strassenrowdis befassen. Es ist ganz klar, dass eine richtige, von uniformierter Polizei durchgeführte allgemeine Strassenbewachung solche Strassendelikte, wie sie in letzter Zeit vorgekommen sind, verunmöglichen wird. Die Wiederbelebung der Landstrasse verlangt nun nach ganz anderen Gesichtspunkten geleiteten polizeilichen Ordnungsdienst, als wie er bisher hinter Büschen und Häusern in Szene gesetzt wurde. • Glücklicherweise ist es gelungen, den Verbrecher in der Person des 39jährigen Mechanikers Karl Bosshard aus Chur am Mittwoch nachmittag gegen 3 Uhr bei Rüthi zu verhaften. Während Bosshard am Vormittag auf die Ausführung einer Reparatur wartete und mit dem Mädchen spazieren ging, hatten die AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N° 81 Bewohner des Ortes Verdacht geschöpft, da sie mittlererweile von der Entführung in der Zeitung gelesen hatten. Die gerichtliche Untersuchung wird über die Motive der frevelhaften Tat Aufschluss geben. Hervorzuheben ist noch, dass sich an den fieberhaften Nachforschungen nicht nur zürcherische Polizeiautomobile und die Feuerwehr, sondern auch zahlreiche Rapperswiler Automobilisten beteiligt haben. Eine neue Automobil- Durchgangsstrasse. Korr. ,Für den Ost- und Westverkehr kommen in der Ostschweiz vor allem drei Strassenzüge in Betracht. Einmal jener durch das Thurtal über Weinfe'.den-Frauenfeld-Winterthur, der in den letzten Jahren in ganz hervorragender Weise ausgebaut worden ist; dann der Strassenzug über Rorschach-St. Gallen-WH, der im Kanton St. Gallen wenigstens für die Strecke St. Margrethen-Rorschach-St. Gallen und teilweise auch bis Gossau ausgebaut ist und schliesslich die Durchgangslinie via Walensee, die heute noch über den Kerenzerberg führt, aber schliesslich in einer besondern Autostrasse am Nordufer des Sees ihre Anpassung an die neuen Forderungen des Verkehrs wird finden müssen — ein Projekt, das vorlaufig auf 7 bis 10 Millionen Franken veranschlagt ist. Kurz und bündig wurde nun dieser Tage aus dem st. gallischen Regierungsgebäude gemeldet, der Regierungsrat beantrage dem Grossen Rate die Korrektion und den teilweisen Neubau der Staatsstrasse Gossau-Oberbüren- Wil im Kostenvoranschlage von insgesamt 2,180,000 Franken. Wie wir von zuständiger Stelle vernehmen, handelt es sich bei diesem Projekte um die Verwirklichung eines Vorschlages, den der Regierungsrat des Kantons St. Gallen bereits vor Jahresfrist in seinem Berichte über den Ausbau des kantonalen Strassenwesens und dessen Finanzierung gemacht hat, der damals nicht ohne Kritik aufgenommen wurde, wob" vor allem eben das Verbindungsstück Gossau-Wil Gegenstand lebhafter Diskussion wurde. Zwei Routen sind es, die zwischen Gossau und Wil als Durchgangsstrasse in Frage kommen: einmal jene über Oberbüren, dann diejenige über Flawil, der namentlich aus der zunächst interessierten Gegend das Wort geredet wurde, wobei man vor allem an eine neue, ungefähr dem heutigen S. B. B.-Trasse ä Niveau folgenden Verbindungsstrassen Gossau-Flawil dachte. Von diesen beiden bestehenden Strassenzügen entspricht keiner den Anforderungen des heutigen Verkehrs, und für einen Ausbau kommt nach Meinung der technischen Berater des kantonalen Baudepartements in erster Linie die Strasse Gossau-O&er&üren-Wil in Betracht. Die Route über Flawil weist einerseits einen so grossen Lokalverkehr auf, dass es richtiger erscheine, den Durchgangsverkehr über Oberbüren zu suchen.Anderseits wäre ein Ausbau der Strasse übet Flawil viel kostspieliger und zudem würde er nicht jene Vorteile bringen, wie dies bei einer Linienführung über Oberbüren der Fall wäre. Die neu projektierte Strasse nach Wil durchschneidet von Gossau bis Wil die dazwischen liegenden Ortschaften Niederwil, Oberbüren, Sonnenthal nicht mehr, sondern berührt sie nur noch. Die Strasse erhält im allgemeinen kein grösseres Gefälle als 5 Prozent; nur zwischen Niederwil und Oberbüren ist es notwendig, ein kurzes Maximalgefälle von 6 % einzulegen. Sehr wichtig ist dabei die Beseitigung des Oberbürer- und des Brübacherstiches mit Maximalgefällen von 11 Prozent und scharfen Kurven und weiter die Umgehung der Ortschaften. Der Verwirklichung dieses wichtigen Projektes wird dann jene eines noch wichtigeren folgen müssen : der Neubau einer Sitterfahrbrücke bei Stocken. Der bauliche Zustand der heutigen Fahrbrücke mit ihrer unglückseligen Einmündudng in den steilen Stockener-Stich ruft unbedingt nach möglichst baldiger Remedur, die wohl nur in einer neuen Niveau- Brücke zwischen Stocken-Brugen und Krätzern-Winkeln gefunden werden kann. Gerade auf dieser Strecke hat der Kanton St. Gallen seinen dichtesten Automobilverkehr und schon im Jahre 1927 wurden hier 2147 Einheiten pro Tag gezählt (Tonneneinheiten), heute sind es wohl über 2500, eine Annahme, die kaum zu weit geht, hat sich doch nach amtlichen Zählungen der VeTkehr im Jahrzehnt 1919—1929 im Kanton St. Gallen um über 400 % vermehrt. Der alte Unfug einer hinterwäldlerischen Autokontrolle ist, wie es scheint, im lieben Schweizerland nicht umzubringen. Man schreibt uns: «Ich mache Sie hiermit auf folgende mir bekannten Automobilfallen aufmerksam: Kanton Baselland: Birsfelden, innerorts, 200 Meter, Stoppuhr; Kanton Schwyz: Seewen, vom Bahnhof bis Bahnübergang, ohne Stoppuhr, zwei Mann notieren die Autonummern nach Gutdünken. Ich habe mich persönlich von der Unzulänglichkeit dieser Kontrolle überzeugt; Lowerz: Der Gemeindepolizist in Zivil, allein, notiert sich nach altem Muster die Autonummern ohne Stoppuhr.» Solches Gebaren spottet einfach jeder Beschreibung. Jeder Automobilist merke sich diese Orte und ziehe seine Konsequenzen! Ein «zuvorkommendes» Budget Der Verwaltungsrat der Schweizerischen Bundesbahnen hat in seiner Sitzung vom letzten Dienstag den Voranschlag für das Jahr 1930 genehmigt. Auf Grund der letztjährigen Betriebsergebnisse weist der Betriebsvoranschlag erheblich günstigere Zahlen auf, als für das Jahr 1929. An Einnahmen sind 413,7 Millionen Fr., an Ausgaben 283,2 Millionen Fr. vorgesehen, so dass mit einem Einnahmenüberschuss von 130,5 Millionen Fr. gerechnet werden darf. In der Gewinn- und Verlustrechnung rechnet man allerdings nur mit einem Einnahmenüberschuss von Tund 2,5 Millionen Fr. Immerhin ist die Situation derart, dass die Weiterführung der Elektrifikatlon der im zweiten Elektrifikationsprogramm zunächst genannten Linien im Betrage von rund 5,7 Millionen Fr. vorgesehen wird und dass daneben beträchtliche Anschaffungen an Rollmaterial, sowie grössere Geleisearbeiten für den Ausbau auf Doppelspur in Aussicht genommen werden können. Gestützt auf diese Tatsachen müssen wir einen diesbezüglichen Bericht im « Bund », —• ob er noch in andern Blättern erscheinen wird, wissen wir nicht — als sehr «zuvorkommend» bezeichnen, der in der Art der bekanntgegebenen Zahlen und der ganzen Aufmachung wohl offensichtlich dahin tendiert, die Lage der Bundesbahnen in keinem allzu rosigen Licht erscheinen zu lassen. Es werden merkwürdigerweise Vergleiche mit dem Jahre 1928 gezogen, die Transporteinnahmen auf 385,4 Millionen Fr. berechnet, was gegenüber dem genannten Jahre allerdings eine Minderhöhe von 6,3 Millionen Fr. ausmacht. Ebenso wird mit einem Rückgang im Personenverkehr gegenüber 1929 gerechnet und hervorgehoben, dass im Güterverkehr der vorgenommene Tarifabbau für Wagenladungen und Getreidetransporte einen Einnahmenausfall zur Folge habe, der gegenüber 1928 auf 14 Millionen Fr. gegenüber 1929 auf 8 Millionen Fr. geschätzt werde. Eine allfällige Reduktion der Gepäck- und Stückgut-, taxe ab 1. Januar 1930 würde einen weitern Ausfall von 2 Millionen Fr. zur Folge haben, daneben würden aber die Betriebsausgaben voraussichtlich um 14. Millionen Fr. höher zu stehen kommen, als im Jahre 1928. Rund 6 Millionen Fr. sollen dabei auf wachsende Personalausgaben fallen. Man merkt die Absicht und wird nicht verstimmt. Allerdings muss hervorgehoben werden, dass das Schlagwort der «Automobilkonkurrenz» endlich von der Bildfläche zu verschwinden beginnt. Weder für Industrie, Handel, Landwirtschaft und Gewerbe noch für den simplen Bürger kann es jedoch zum Tröste gereichen, dass wir nach wie vor sozusagen die teuersten Eisenbahnen Europas unser eigen nennen dürfen. Ganz besonders belastend für die Bundesbahnen wirkt die neue Getreideverordnung, worauf wir ja bereits in Nr. 45 (1929) der «Automobil-Revue» hingewiesen haben. Das staatliche Brotmonopol von ehemals unterstützte das staatliche Frachtmonopol. Das Brotgetreide konnte zu einem hohen Einheitssatz verfrachtet werden, die Getreideverwaltung sicherte den Bundesbahnen Transporte und hohe Einnahmen. Da die S.B.B. nach wie vor dieses Frachtmonopol beizuhalten gedenken, haben sie nun auch die vermehrten Kosten zu buchen. Die Verantwortung über dieses Verlustgeschäft tragen die verantwortlichen Organe und es wäre nicht angezeigt, wenn ob einem selbstverschuldeten bedeutenden Einnahmenausfall die wirtschaftliche Notwendigkeit eines Tarifabbaues auf Jahre hinaus verzögert werden müsste. D Alpenpostkurse vom 9. bis 15. September. Die zwölfte Betriebswoche der Alpenposten schliesst mit einer Mehrtransportziffer von + 4189 ab. Es wurden in dieser Woche .17.761 (12.147) Personen befördert Grosse Mehrfrequenzen verzeichnen die nachgenannten Strecken: Thusis-Bernhardin-Mesoeco + 377, Chur-Tiefenkastel -f- 369, Grimsel +330, Flüela +237, Ragaz-Vättis + 229, Reichenau-Waldhaus-Flims + 218, usw. Auf der Strecke St. Moritz ist eine Minderfreauenz von —1106 zu melden, lt

N° 81 - 1929 AUTOMOBIL-REVUE Automobil-Sternfahrt nach Barcelona wird von dem Königlichen Automobil-Club von Katalonien (Real Automovil Club de Cataluna) anlässlich der in Barcelona vom 18. bis 24. Oktober stattfindenden Automobilwoche ins Werk gesetzt. Man kann sich wohl zur Herbstzeit kein reizenderes Fahrtziel wünschen, als die am Meere gelegene wunderschöne Hauptstadt Kataloniens, Barcelona. Die grosse Weltausstellung zieht gegenwärtig viele Besucher an, denen sich die Rallye-Fahrer zugesellen werden. Es steht ihnen vollkommen frei, von einem beliebigen Orte, der auf der Rallye-Karte eingezeichnet ist, abzufahren, jedoch müssen sie ihre Ab- "fahrt so wählen, dass sie bei Einhaltung eines zwischen 40 und 35 Kilometer liegenden Stundendurchschnittes am 18. Oktober zwischen 13 und 18 Uhr in Barcelona eintreffen. Die Teilnehmer haben sich nach der auf der Karte eingezeichneten Reiseroute zu richten und sind verpflichtet, ihre Durchfahrt an den Kontrollstellen bescheinigen zu lassen. Damit vermieden wird, dass diese Tourenfahrt zu einer Art Rennen ausajtet, sind für die Wertung der mittleren Gescnwindigkeiten im Maximum 220 Punkte vorgesehen. Ein Ueberschreiten des Durchschnittes über 43 Kilometer pro Stunde in der Qesamtstrecke zieht den Ausschluss von der Wertung nach sich. Um den Zeitunterschieden zwischen Abfahrtsort und Barcelona gerecht zu werden, sind Zeitausgleichstabellen vorbereitet, nach denen die Zeitausgleiche vorgenommen werden. Die Wagen werden für die ganze Dauer der Fahrt mit Plomben am Chassis, am Motor und an der Hinterachsbrücke versehen. Besondere Massnahmen und Einzelheiten über Karosserie und ihrer Ausstattung sind in der Ausschreibung enthalten. Die Wertung erfolgt auf Grund dreier Wertungsfaktoren: 1. Gefahrene Strecke. Für die ersten 1000 Kilometer zurückgelegten Weges werden 45 Punkte gutgeschrieben. Für jeden mehr oder weniger geleisteten Kilometer werden zu dieser Grundzahl je 0,015 Punkte hinzugerechnet bzw. abgezogen. 2. Mittlere Geschwindigkeit. Für jeden Stundenkilometerdurchschnitt werden 5 P. gutgeschrieben bis zu einer Höchstzahl von 200 Punkten, die einem Durchschnitt von 40 Kilometer entsprechen. 3. Anzahl der beförderten Personen. Die Anzahl der für jeden Fahrgast, Führer eingeschlossen, gewährten Punkte ist die folgende: Wagen bis 1500 ccm 10 Punkte (Höchstzahl der Fahrgäste zur Berechnung der Punkte 3), zusammen 30 Punkte; Wagen bis zu 3000 ccm 7,50 Punkte (Höchstzahl der Fahrgäste zur Berechnung der Punkte 4), zusammen 30 Punkte; Wagen über 3000 ccm 6 Punkte (Höchstzahl der Fahrgäste zur Berechnung der Punkte 5), zusammen 30 Punkte. Als Preise sind eine Anzahl Ehren- und Geldpreise, vorgesehen, die bis 10,000 Peseten (6000 Mark) reichen. Bei der der Ankunft folgenden Automobilwoche findet am 21. Oktober ein Schönheitswettbewerb und Korso der Wagen in der Weltausstellung statt und am 24. Oktober wird ein Bergrennen im Ausstellungsgelände abgehalten. Die Indianapolis-Rennformel. Sport Obschon die amerikanische Automobil Association der internationalen Association angeschlossen ist und dadurch verpflichtet ist, die im Vorjahre in Paris aufgestellte kombinierte Verbrauchs- und Gewichtsformel auch bei ihren internationalen Rennen in Indianapolis in Anwendung zu bringen, hat man in Amerika für das Indianapolis-Rennen 1930 eine Formel aufgestellt, die den Pariser Beschlüssen zuwiderläuft. Die 1928 in Paris beschlossene Rennformel limitierte den Brennstoff- und Schmiermittelverbrauch auf 14 kg pro 100 km und das Mindestgewicht der Wagen auf 900 kg. Amerika wählt nun für Indianapolis eine Formel, die den Verkaufsbedürfnissen der amerikanischen Konstrukteure besser entspricht. Diese Formel lautet auf zweisitzige Wagen mit Motoren bis sechs Liter Hub-Volumen und einem Mindestgewicht von 1750 Pfund= 792,5 hg. Weiter wurde für Viertaktmaschinen der Einbau von Gebläsen und Kompressoren verboten, für Zweitaktmaschmen aber erlaubt. An Ventilen dürfen pro Zylinder nur zwei vorhanden sein, die Anzahl der Vergaser wurde auf einen beschränkt, der aber ein Doppelvergaser sein darf. Ferner wurde eine minimale Spurweite von 1368 mm und eine maximale von 1520 mm vorgeschrieben. Ferner wurde beschlossen, zwei Sitze mit einer Minimalbreit© von zusammen 78,7 cm vorzuschreiben, von denen der Mechanikersitz um 12 Zoll oder 30 cm zurückgerückt sein darf. Die Amerikaner sind praktische Leute. Sie verfolgen mit den neuen Bestimmungen in erster Linie den Wunsch, den teilnehmenden Firmen und Privatfahrern die Kosten nach Möglichkeit zu verringern und in zweiter Hinsicht der heimischen Industrie durch enge Anlehnung an Konstruktionen des Serienbaues möglichst direkte Nutzanwendung und Uebertragung der im Rennen gemachten Erfahrungen auf den Gebrauchswagen zu ermöglichen. Da in U. S. A. in der Mehrzahl starke Wagen gekauft werden, weil -der Brennstoffverbrauch keine Rolle spielt, emanzipiert man sich kurzerhand von der europäischen Formel und experimentiert mit einer eigenen, im Hinblick auf die Bedürfnisse der Industrie und im Wunsche, möglichst alle grossen amerikanischen Wagen am Start zu sehen. gr. Kleine italienische Nachrichten. Di© anfänglich auf den 22. September angesetzte «Coppa del Gran Sasso» ist auf den 29. dies verschoben worden, indem der 22. dies für die Einweihung der Bahn Pescara-Penne bestimmt wurde. Die Strecke ist 498 Kilometer lang und führt durch die vier Provinzen Aquila, Chieti, Pescara und Teramo und somit durch eine den Voralpen zu vergleichende Berggegend von ausserordentlicher landschaftlicher Schönheit, wie denn auch schon Hunderte von Automobilen, die nicht konkurrieren, sondern nur den Rennern nachfahren und sich dabei einen guten Tag machen wollen, vorgemerkt sind. Dergleichen Gemütlichkeits-Raids entsprechen sehr dem italienischen Naturell und breiten sich immer mehr aus. Es fährt mit oder hinterher, wer überhaupt einen kapablen Wagen besitzt. Der sportliche Zweck des Rennens ist, grösste Regelmässigkeit des Fahrens mit grösstmöglicher Schnelligkeit zu verbinden und das Reglement ist diesem Ziel angepasst. Unter anderem wird den Teilnehmern auch der Genuss gewährleistet, den prachtvollen Nationalpark Italiens in den Abruzzen durchqueren zu können. Ein Bergrennen ist auch der Raid «Abbazia-Monte Magigiore» um die Coppa Mussolini. Das Rennen ist mit einer Festwoche verbunden, die auch Wassersport in sich schliesst. Der Italienische Automobilclub (R.A.C.I.) hat im Alto Adige mit einer Organisation von Sanitätsposten begonnen, die allmählich auf die grossen Linien des Automobilismus ausgedehnt werden soll. Es ist dies der erste Versuch in Italien. Auf einer Strecke von über 840 km sind, unter Mitwirkung des italienischen Roten Kreuzes, 70 Hilfsposten errichtet worden, und zwar an den gefährlichsten Stellen der TouristenÜnien in jener Gegend. Jeder Posten enthält einen Schrank aus Metall, der alle Medizinalien birgt, die für eine erste Hilfeleistung wichtig sind. Eine der Abteilungen ist mit besonderem Schlüssel verschlossen und enthält die Medikamente, die. nur vom Arzt vergeben werden können. Dazu, eine Tragbahre, gedruckte Anweisungen für erste Hilfeleistung sowie ein am Strassenrand festzumachender Schild mit Hinweisung auf den Sanitätsposten. Jeder Posten hat einen Gründer, der für die Kosten aufkommt und dessen Namen auf dem Schild angebracht ist. Die Posten sind einem Kustoden anvertraut, der verpflichtet ist, sich bei Unglücksfällen den Verunglückten zur Verfügung zu stellen. Die Dienstleistung sowie dieVerabfolgung von Medikamenten geschieht gratis. Rekorde einer Frau. Mme Stewart stellte am 12. September auf ihrem 1100-ccm-Morgan-Jap-Wagen auf dem Autodrom von Linas-Montlhery eine Reihe neuer Weltrekorde auf: 1000 km in 9:16:35,98 (Mittel: 107,797 km). 500 Meilen in 7:26:03,11 (Mittel: 108,237 km). 7 Stunden: 755,741 km (107,963 km). 8 Stunden: 868,636 km (108,579 km) 9 Stunden: 974,247 km (108,249 km). 10 Stunden: 1081,137 km (108,115 km). 11 Stunden: 1175,413 km (106,855 km). 12 Stunden: 1288,245 km (107,353 km). mg. An der Schwelle des Pariser Salons. Am 3. Oktober wird der diesjährige Salon mit dem Erkennungszeichen XXIII seine Eingangspforten wieder öffnen und die Errungenschaften der Automobiltechnik und die Wandlungen der Aesthetik des Automobilismus in der ganzen Welt einer sich drängenden Schar von Zuschauern, Technikern, Käufern und blossen Neugierigen offenbaren. Auch diesmal wird das grosse Pariser Ereignis sich im Grand Palais, der einzigen, nach Raum und Lage einigermassen geeigneten Halle der Weltstadt, abwickeln. Aber selbst das Grand Palais reicht immer weniger aus für eine Veranstaltung von diesem Umfang, Die Art, wie Ihre Reifen sich am Boden festklammern. kann Ihnen das Leben retten. Sie können noch so vorsichtig sein, der Bruchteil einer Sekunde kann über Ihr Leben entscheiden, wenn Sie einem rücksichtslosen Fahrer begegnen. Ein Herumreissen des Steuers, und Sie haben ein Unglück vermieden. Haben Sie dies aber nicht auch grösstenteils Ihren Reifen zu verdanken? Verwenden Sie Firestone-Reifen, so werden Sie nie etwas zu befürchten haben. Gum - Dipped - Reifen sind nicht nur die sichersten, sondern auch die sparsamsten der Welt, weil sie am meisten Kilometer pro Franken leisten. und so werden wir auch dieses Jahr nicht einen einzigen, sondern drei aufeinander folgende Salons haben. In den ersten zehn Tagen, vom 3. bis zum 13. Oktober wird der Salon nur den Ausstellern von Personenwagen, nicht karossierten Chassis und verwandten Gegenständen, wie Karosserien, Auswechslungsstücken, Pneus und anderes Zubehör, zur Verfügung stehen; in zehn weiteren Tagen, vom 23. Oktober bis zum 3. November, wird das Grand Palais gewöhnliche Fahr- und Motorräder und die sich daran anschliessenden Industrieerzeugnisse beherbergen; nach einer weiteren Pause von zehn Tagen wird nun am 14. November die schwere Artillerie des Automobilismus : Camions, Autobusse und die Ausrüstung für Garagen, die Aufmerksamkeit der Interessenten in Anspruch nehmen. Die inneren Anlagen des Grand Palais erfuhren für den diesjährigen Salon manche Abänderung und zahlreiche Neuerungen, die grosse Halle auch manch angemessene Verzierung. Das Palais ist in mehrere Zonen eingeteilt worden, die auch die Höhe der von den Ausstellern zu entrichtenden Miete bestimmen. Diese Schau des Automobilismus weist, wie manch anderes Theater, Parkett-, Balkon- und weniger günstige Plätze auf, in die sich die Hocharistokratie und die bescheideneren Abstufungen des Automobilismus nun teilen werden. Von Jahr zu Jahr wiederholt es sich, dass gar manche sich anmeldenden Aussteller aus Raumgründen abgewiesen werden müssen, und diesmal suchten nun die Veranstalter des Salons eine Lösung darin, dass die Zuteilung der Ausstellungsräume in direktem Verhältnis zu der von den verschiedenen Betrieben beschäftigten Arbeiterzahl erfolgen soll: so erhält beispielsweise ein Werk mit 500 Arbeitern 40 qm, während auf einen Betrieb mit 15 000 Arbeitern 140 qrn kommen. Diese und andere Bestimmungen erstrecken sich sowohl auf französische wie auf ausländische Aussteller, mit der einzigen Ausnahme jedoch, dass die letzteren, ganz unabhängig von der Bedeutung der einzelnen Werke und der Zahl ihrer beschäftigten Arbeiter, höchstens einen Anspruch auf 80 qm haben. Die ausländischen Aussteller müssen dabei den folgenden drei Bedingungen entsprechen: an den drei letzten Salons teilgenommen zu haben; dem sogenannten «Bureau permanent des constructeurs ä"automobiles» anzugehören und — dies ein Kardinalpunkt in der internationalen Automobilindustrie — in ihren Zollansätzen auf Wagen französischen Ursprungs 15 Prozent «ad valorem» vor dem 1. August 1914 nicht überschritten zu haben. a. c., Paris, Die Zahl der ausländischen Automobile, die vorübergehend in die Schweiz kamen, betrug im Monat August 1929: 1929 1928 Mit provisorischer Eintrittskarte 18.428 15.157 Mit Freikarte 827 615i Mit Triptyk oder Grenzpassierheft 15.754 11.117 Total 35.009 26.883 Ballonfuchsjagd in Zürich. Die Ballon-Fuchsjagd mit Automobilverfolgung, für welche ursprünglich als erster Termin der 29. September vorgesehen war, wird nun um acht Tage verschoben. Der erste für diese Veranstaltung angesetzte Sonntag ist der 6. Oktober. Sollten an diesem Datum die Witterungsverhältnisse eine Durchführung nicht gestatten, so ist dafür als zweiter Termin der 13. Oktober bestimmt. Das Gaswerk Schlieren, in welchem die Füllung des Ballons vorgenommen wird, führt zurzeit beträchtliche Umbauten durch,, welche voraussischtlich erst Ms Ende dea Monats fertig werden. Um ein© ungestörte und prompte Füllung durchführen zu können, entschloss sich das Organisationskomitee zur vorerwähnten Verschiebung der Daten. Die geplante Autostrasse auf den Rigi beherrscht mit einem Schlage das Interesse weiter Kreise und jene Leute, die nur Sinn für Bahninteressen haben und dem Automobil nur Lärm und Gestank andichten, klagen bereits von der Verschandelung der Landschaft, die da geplant sei! Warum nicht gar?!... Wenn der Bergfrieden gestört wurde, so hat das vor langem die Bahn getan und wenn das Bergidyll verschandelt wurde, so fällt die Schuld hierfür vor allem der Bahn zu! Durch ein© Autostrassen würden weder Fussgänger noch Gäste belästigt, und auch dem Vieh auf den Weiden würden die Automobil© michts anhaben! Auf alle Fälle vermag sich heutzutage das moderne Automobil weitaus besser dem Gelände anzupassen als irgend ein anderes Verkehrsmittel. Wenn die' zwei Rigibahngesellschaften nicht gut rentieren, so kann man dafür kaum das Automobil verantwortlich machen, namentlich bis jetzt nicht, wo keine Autostrasse auf den Rigi hinaufführte. Und wenn jemand durch den Bau der geplanten Rigästrasse angebliche Sympathien für das Automobil verlieren zu müssen glaubt, so sind es wohl solche, welche die Verkehrsfrage dann zeitgemäss gelöst glauben, wenn die Bahnaktien steigen, -ey.