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E_1929_Zeitung_Nr.080

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Bern, Dienstag 17. Sept.

Bern, Dienstag 17. Sept. 1929 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 80 Im heutigen „Äutler-Feierabend": Seite Die Geschichte einer Rache 1 Seite der Frau 3 Die moderne Wohnung 3 Was kostet ein Haus ? 3 Tourismus 4 Sprechsaal 4 Bunte Chronik 5 Kreuzwort 6 Humor 6 Nacht in der Puszta (Von Franz Carl Endres.) Der Orientexpress braust© durch die ungarisch© Tiefebene. Ich kam aus dem Speisewagen zurück in mein Abteil, zündete die Leselampe an und vertiefte mich in ein Bändchen lyrischer Gedichte, das ich zu rezensieren hatte. Man soll mit Lyrik sehr vorsichtig sein. Schlecht© erzeugt Uebelkeiten, gute aber seltsame und unvernünftige Stimmungen. Die Lyrik, die ich las, war gut, sogar sehr gut... Wenn man in einem bequemen Abteil eines Luxuswagens sitzt und nach langer Abwesenheit der Heimat zueilt, ist es doch wohl unvernünftig, den Wunsch zu hegen, auszusteigen und eine Nacht in der Puszta zuzubringen. Und doch kam mir dieser Wunsch, den ein Zufall oder ein© Fügung erfüllen sollte. An einer winzigen Station, die nur aus einem kleinen Bahnhofgebäude und einem ungarischen Landwirtshaus mit grosser, überdachter Altan© zu ebener Erde bestand — ein Ziehbrunnen mit hohem Schwengel und eine Papel gaben malerische Zutat — in dieser winzigen Station hielt der Express, weil eine Radachse brannte. Da packte es mich. Ich überantworte meine Koffer dem Schlafwagenkontroileur und verlasse den Zug. Zigeunermusik aus dem Wirtshaus lockt mich mächtig. Der. Stationsbeamt© will mich nicht aussteigen lassen; aber ich lache nur. Was kümmern mich die ungarischen Verkehrsvorschriften, wenn Zigeunermusik und edler Ungarwein locken? Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. Fortsetzung aus dem Hauptblatt. Ich trete in das Wirtshaus ein. Bauern sitzen da auf der Altane und junge Mädchen; trinken Wein und lassen sich vom Mond bescheinen. Und eine Kapelle von sechs Zigeunern spielt, zauberhaft, hinreissend. Die Rhythmen dieser alten Rhapsodien, die schluchzend© Sehnsucht der Lieder, die wie Sonnenstrahlen durch dämmernden Wald, sich durch di© Tiefen der Harmonien stehlen, um im Chaos zu versinken und dann wieder aufzuperlen, diese heissgeliebten Tänze, die ich selbst oft gespielt und selbst so oft getanzt habe... wie umschmeichelten sie meine Seele! Das Zigeunermädchen schmiegte sich an und sah mit grossen Augen zu mir herauf. Ich spreche türkisch zu ihm. Es versteht. Was kümmert mich, dass sie den «reichen Herrn» wittert! Ich schwinge sie im Tanze! Di© Bauern schenkten mir Wein ein, den jungen weissen Ungarnwein, der den Duft der Puszta in sich trägt. Und der Primas geigt zart und süss und ganz lßis© dicht an meinem Ohr. Die Puszta lag in tiefem Schweigen um uns. Der Mond glänzte hell. Das Heidekraut leuchtete matt wie ein wertvoller Seidenteppich im Zwielicht einer Moschee. Und mein Herz rastete vom Trubel seines Lebens. Nie hat mir Wein so gemundet, nie habe ich das Ueberirdische der Musik so empfunden, nie war das magische Band, das uns Menschen mit dem Kosmischen verbindet, so fühlbar mir, wie in jener Nacht. Lebendig gewordener Traum war alles. Alles Gestalt gewordene Sehnsucht. Und ich wanderte mit dem Zigeunermädchen in die Einsamkeit der Puszta. Noch lange klangen die Lieder vom Wirtshaus her, wurden sie leiser und dann war nur mehr der Bass zu hören in verhallendem Rhythmus. Und dann... Dann stand nur der Mond über uns, und das duftende Heidekraut lag zu unseren Füssen. Solche Nächte müssen werden aus dem Lächeln dessen, das wir mit Unrecht Zufall nennen. Müssen werden aus dem Rufe der Seele, die des Tales satt ist und zu den Höhen fliegt, die ihre Heimat sind. Wir kamen zurück und tanzten und sangen bis zum Morgen. Das war vor dem Krieg©. Was mag aus den lustigen Bauern geworden sein? Was ist aus dir geworden, Zigeunermädchen? Vielleicht hat die Not des Lebens deinen schlanken Rücken gebeugt! Max freute sich über dieses Geständnis seiner Schwester. Sie waren an Hedys Ziel angelangt und verabschiedeten sich. Er ging, ohne es der Schwester zu verraten, in die Garage Krafts, um mit dem Einbau des Vergasers zu beginnen. Als Hedy nach der Anprobe wieder auf die Strasse trat, war es dunkle Nacht. Sie schauderte leicht, als sie an den Heimweg dachte. Drohend reckten die alten Buchen ihre Arme aus dem dichten Laubwerk der Sträucher. Beim Eintritt in die Anlage schlug ihr der betäubende Duft der Blumen entgegen und legte sich atemraubend auf ihre Brust. Plötzlich stand Alfred Fleissig vor ihr. «Habe ich dich erschreckt, liebe Hedy?» sagte er leise. « Schau, ich bin menschenscheu geworden in den langen Jahren des Entbehrens. Ich möchte dir bloss sagen, dass ich unschuldig gewesen bin und dass ich dich heute noch liebe; bald werde ich wieder abreisen, um dich nicht mehr zu belästigen. Aber um den Mut zu finden, in meinen Jahren ein neues Leben aufzubauen, habe ich dich nochmals sehen und sprechen müssen. Vor einer Stunde habe ich dich mit Max vorbeigehen sehen und habe auf gut Glück gewartet.» Hedy war so heftigen seelischen Einflüssen nicht gewachsen. Tränen traten aus ihren Augen. «Ich sehe mein Unrecht ein, auch ich habe dich nicht vergessen und liebe dich heisser und treuer denn je; reise nicht ab, es wird sicher etwas für dich zu finderl sein, du hast ja dein Diplom als Ingenieur; und dann wird alles gut werden.» Sie verabredeten, vorerst niemanden von ihrem Wiedersehen etwas zu verraten und bestimmten Ort und Zeit eines nächsten Zusammentreffens. Später als erwartet kam Hedy heim, blass und verstört. Sie begab sich sofort zu Bett. Widerstreitende Gefühle beherrschten sie, und doch, wenn sie ihr Innerstes prüfte, war sie von einem nie gekannten Glücksgefühl erfüllt, und hoffnungsvoll freudig sah sie am andern Morgen einen herrlichen Frühlingstag sein Licht über die Erde breiten. Und was ist- aus mir geworden? Wohl ein Mensch,, der nicht mehr aus einem Epresszug springt, um eine Nacht in der Puszta zu durchschwärmen. — Doch nur vielleicht. Die Geschichte einer Rache Von Michel Joyce. Drei Männer ritten stadtwärts. Ihre Pferde stampften mit den Hufen den lockeren Grund, wirbelten Staubwolken in den stillen, glühenden Nachmittag hinein. Von fern kam eine andere kleinere Wolke langsam auf sie zu. Ein Mann war es, der ausschritt, ein kleiner, wettergegerbter Mensch, auf dessen Schulter ein Sack lag. Er rief sie an: « Gehe ich hier recht zum Haus von Jem White ? > «Ja, ganz recht, Goldgräber,» antwortete ihm einer. «Nach einer halben Meile kommst du zu einem Gummibaum und dann geht es nach rechts. Das Blockhaus steht an einer Wegbiegung rechts von der Strecke. » c Wird Jem White jetzt im Blockhaus sein ? » « Gewiss. Und zwar ganz allein, beim Nachmittagsschläfchen. Du wirst ihn erkennen, denn es wird heute kein anderer dort sein.» «Ich werde ihn erkennen,» sagte der Fremdling, als spräche er zu sich. < Lebe wohl, Goldgräber. » « Lebe wohl. » Die beiden Wolken rückten auseinander. Mit dem Sack auf den müden Schultern schritt der Fremde aus, und die drei Männer spornten ihre Pferde zum Trab. « Jem wird nicht übermässig beglückt sein, ihn heute zu sehen,» sagte lachend einer von ihnen. « Ihr wisst, warum er uiis den Nachmittag freigab. > « Nein, » sagte ein anderer. « Warum denn ? > «Er möchte Judy ein wenig für sich allein haben. Sie kommt herübergeritten, ihn zu besuchen. > < Ich wusste nicht, dass Jem so einer ist. » « Jem ? Jem ist berüchtigt, der ärgste Schürzenjäger in ganz Australien zu sein. Ist ihm ganz gleich, auf welche Weise er die Frauen kriegt. Erst im vorigen Jahre musste er aus Brisbane flüchten. Dort hatte er etwas mit einer verheirateten Frau, und der Mann schoss nach ihm. Man sagt, er müsse das jetzt absitzen. Doch es wäre mir leid um Judy, wenn sie sich heute nachmittag umsonst zu Jem bemühte. » « Sie weiss sich zu helfen,» sagte der Dritte, c Als sie sechzehn Jahre alt war, jagte sie zwei berittene Polizisten mit der Reitpeitsche von ihrer Farm. > Jem White sass im hölzernen Armstuhl, rauchte seine Kukuruzpfeife und wartete auf Judy Schwer lastete das «iserne Dach. Im Blockbaus selbst war es viel heisser als draussen im Sonnenschein. Er sank vornüber, als schliefe er ein. Auffahrend riss er Sich zusammen. Sonst weckte ihn immer einer seiner Leute, wenn er nach dem Essen einzunicken drohte. Heute jedoch war niemand da, der ihm diesen Dienst geleistet hätte. Gleichviel. Judy rief und pfiff wohl von der Strecke her und er hörte sie rechtzeitig. Er schmun- Unermüdlich hatte Max Keller jeden freien Augenblick benützt, um seinen Vergaser in den Rennwagen des Bankiers einzubauen. Nun war er so weit. Bereits hatte er seine Brennstoff-Verbrauchs- und Elastizitätsversuche beendet. Sie waren zur vollen Zufriedenheit ausgefallen. Einzig die Schnelligkeitsprüfung sollte noch stattfinden, dann konnte die Anmeldung beim Patentamt erfolgen. Unweit der Stadt führte eine breite Strasse fünf Kilometer geradeaus. Hier wollte der Ingenieur am nächsten freien Nachmittag seine rasenden Pferde tummeln. Er teilte seinem Freunde Kraft seinen Entschluss mit. Helene freut sich Sie hat drei Bildchen geknipst und beteiligt sich damit am Photowettbewerb der « Auto* mobil-Revue ». (Prolongiert bis 21. September. Bedingun* gen im Autler Nr. 76.) zelte. Sein schweres Kinn zuckte ein wenig. Winzige Schweisstropfen perlten ihm im Gesicht. Ein Arm war plötzlich von der Sessellehne geglitten und hing schlaff nieder. Er schlief. Erschrocken fuhr er auf. Eine Pferdedecke lag über seinen Kopf geworfen. Die Hände, die er heben wollte, waren an die Armlehnen des Sessels geschnallt. Wütend bäumte er sich, doch bei jeder Bewegung schlang ein Seil in neuer Windung sich. fester um ihn. Seine Füsse waren so verschnürt, dass er nicht aufstehen konnte. Und er fühlte rauhe Hände, die ihn unaufhörlich fester mit dem Seil umwanden. Bald war sein ganzer Körper, waren alle seine Glieder fest an den Sessel gebunden. Und keine Möglichkeit, sich durch heftige. Bewegungen zu befreien. Denn rund um seinen Hals lag eine Schlinge^ die sich fühlbar verengte, sobald er nur den Kopf zu wenden trachtete. Er fühlte, wie der Sessel an die Wand gerückt wurde. Die Decke ward von seinem Kopf gezogen. Als er nach seinem Angreifer blinzelte, hörte er eine ruhige Stimme: «Geht in Ordnung, Jem^ Doch bitte, wende den Kopf nicht, sonst würdest du dich erdrosseln, und das wäre doch schade —•» Der Freitag kam. Fritz Kraft hatte viel Arbeit. Geschäftsfreunde aus Berlin hatten die Stunden seines Vormittags in Anspruch genommen. Um Zeit zu gewinnen, ass er nur kurz zu Mittag und verliess bald wieder sein Haus. Nach 2 Uhr Hess er seinen Prokuristen zu sich aufs Bureau kommen: «Ich habe unerträgliche Leibschmerzen und muss mich zu Bett legen. Vertreten Sie mich, bitte, bis ich wieder hergestellt bin.» Zu Hause angelangt, telephonierte er seinem Freunde Dr. Beck, er möchte ihn besuchen. Nach kurzer Zeit erschien der Arzt beim Kranken. Kraft schilderte ihm die Symptome : Erbrechen, Durchfall und heftiger Drang im Leib. «Wo und was hast du zu Mittag gegessen?»' Der Bankier erzählte, er habe zu Hause gespiesen und berichtete genau über die eingenommenen Gerichte. Dem Freund war eine gewisse Besorgnis wohl anzusehen, doch suchte er sie zu verbergen, gab seine Verordnungen und beruhigte den Patienten. Man möchte ihm bei der kleinsten Verschlimmerung anläuten. Er nahm Proben des Erbrochenen mit, um sie in einem Institut untersu-* chen zu lassen und verabschiedete sich. In der Tat schien es dem Kranken nach wenigen Stunden etwas besser zu gehen. Nach 7 Uhr Hess er seine Haushälterin kommen: «„Hier ist ein Theaterbillett, Wilhelmine, Paganini wird aufgeführt. Gehen Sie für mich hin, ich fühle mich wohler und kann gut allein sein.» Die Haushälterin ging. Als sie um 11 Uhr 30 heimkam, hatten sich die Erscheinungen wieder gesteigert und der Kranke stöhnte im Bett, wollte aber die Nachtruhe des ärztlichen Freundes nicht stören. Der grauende Tag schien eine Wendung zum Guten zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Cigaretten Virqinier

14 nicht? Ich lernte diese Art der Fesselung von. einem Matrosen. Im Gefängnis. Er meinte, es könne mir einmal von Nutzen sein. » Machtlos sass der gewaltige Mann. Er erwiderte nichts, und mit ruhiger Stimme fuhr der Fremde fort: « Nun, du erwartetest miph wohl nicht, wie? Glaubtest, vor mir sicher zu sein? Meintest, ich sässe noch im Kottor, nicht wahr ? Und du würdest nie mehr von mir hören ? » Er schritt zu dorn anderen hin und riss dessen Hemd auf, soweit das Seil es zuliess. Eine lange Narbe sass auf der haarigen Brust. « So nah am Herzen und doch so weit. Nun — nun bin ich klüger. Mir blieb das Jahr im Kotter, darüber- nachzudenken. Hatte schon lange Sehnsucht, dich wiederzusehen. Dies aber war die erste Gelegenheit zur Flucht. Schiessen ist schliesslich doch recht kindisch. Diesmal habe ich ein nettes, sauberes Verfahren mit dir vor, Jem. > < Diesmal wirst du dafür hängen,» knurrte der andere. « Dafür hängen ? Deinetwegen hängen ? 0 nein, Jem! Bestimmt nicht! Nicht deinetwegen! Lohnte der Mühe nicht, Jem! Diesmal aber hatte ich mehr Glück. Ist es nicht seltsam, dass du ganz allein warst? Nicht seltsam, dass dein Blockhaus so weit ab vom "Wege liegt? Viel Zeit wird vergehen, ehe deine Männer aus der Stadt zurückkommen. Du schwitzest, nicht wahr, Jem ? » Der gewaltige Mann wollte die Arme heben. Doch als er sich reckte, zog die Schlinge sich fester um seinen Hals. So sass er denn still und beobachtete. « Reizend, mich wiederzusehen, Jem, nicht wahr? Du vergisst einen Freund doch nicht? Selbst wenn du ihm sein Weib gestohlen hast. Sitzest du nicht bequem in dem alten Lehnstuhl? Nun, in diesem Jammertal geht nicht immer alles nach Wunsch. Wie lang ist es her, seit es hier zum letztenmal regnete? Dem trockenen Boden nach würde ich auf sechs Monate schliessen. » Er trat an die Holzwand und klopfte daran. • Das gibt Zunder. Du müsstest vor Feuer auf der Hut sein. Bist du versichert, Jem? Nein? Das tut mir aber leid. Das solltest du aber unter allen Umständen. Gibt es hier noch einen Ausgang? Nein? Nur diese eine Tür? Gut, gut! Da fällt mir eben ein: Hast du nicht irgendwelche alte Zei- glaube ich, nur eine Nervenangelegenheit.» Nun war die Kanne leer. Schwer war die Luft tungen? Ich mag so gern leichte Lektüre. Auch im Raum vom Geruch des Petroleums. Der Fremde meine. Frau. Sie las immer von Rittern und dergleichen. Muss dich rein irrtümlich für einen gestumpf. Ihn nahm er und stellte ihn nieder, so sah um sich. Sein Blick fiel auf einen Kerzenhalten haben, nicht wahr, Jem? Und du entführtest dass der Docht ein oder zwei Zoll über dem Papier stand. sie, sobald du mit deinen durchschossenen Rippen aus dem Spital entlassen wurdest. Armes, schwaches « Nun ist alles in Ordnung. Dir bleibt genügend Zeit, über das Schicksal nachzudenken, das Weib. Nun, sie wird nicht Not leiden, solange noch Männer in Australien leben. » dir bevorsteht. Und mir wiederum genügend Zeit, Still sass der mächtige Mann mit dem Seil um noch fortzumachen. Ich werde deinetwegen nicht den Hals. Seine Muskeln spannten und strafften sich. Sein Antlitz war fahl, die Hände aber purpurn. Denn das Seil hatte den Blutkreislauf unterbunden. « Nun, Jem, wo sind Zeitungen? Du scheinst dir nicht vor Augen zu halten, dasss ich schon seit einem Jahr keine Zeitung sah. Was ist dies ? > Unter dem Tisch zog er eine Kiste hervor. Sie enthielt viele Nummern der c Brisbane Press ». «Recht so, Jem. Nicht auffahren. Das geht ausgezeichnet. Was steht hier? Blutige Tragödie. :.. Plötzlicher Tod. .. Täter unauffindbar ... > Er teilte die Blätter, zerknüllte sie leicht und schichtete einen Haufen auf den Boden. Begann vor dem Stuhl und baute zu beiden Seiten längs der Wand einen Berg aus Papier. «Wie Schneefelder auf blauen Bergen,» murmelte er zerstreut. «Fürchte nichts, Jem. Der Schnee wird schmelzen, wenn der Sommer kommt. Wo ist deine Petrollampe ? > Der riesenhafte Mann mussto Zeit gewinnen, wenn auch jede Minute jahrhundertelange Qual barg. « Im Schuppen draussen, > sagte er. Den Kopf zur Schulter geneigt, beobachtete ihn der andere. Belustigt blitzten seine Augen. « Nein, Jem, » sagte er, « so geht das nicht. Du lehnst es ab, dich angeregt mit mir zu unterhalten, und plötzlich sagst du doch, wo die Lampe ist, wenn ich danach frage. Nein, Jem! 0 nein ! > Er schritt hinüber und schlug den gewaltigen Mann mit der flachen Hand ins Gesicht. Da Jem wankte, zog die Schlinge sich enger. Schnitt nun ins Fleisch. « Nun, wo ist sie, Jem ? > Keine Antwort. Da schlug der Fremde ihn wieder ins Gesicht. < Dort unter der Pritsche. » « Schlechter Ort für feuergefährliche Dinge, Jem. Doch du warst immer ein Narr. » Er nahm die Kanne, entkorkte sie und bespreagte das Papier freigebig mit Petroleum. «Das wird wie ein Wikingerbegräbnis,» sagte er. « Weisst du, was das ist, Jem ? Nein? Du warst eben immer ein ungebildeter Mensch, nicht wahr, Jem? Starb ein Wiking, so wurde er auf seinem Schiff verbrannt. Wurde brennen! ins Meer hinausgetrieben. So arg wird es nicht sein, bis du erst tot bist, gewiss nicht.» < Um Christi willen, mach' ein Ende! >, stöhnte der Mann im Sessel. «Warum tötest du mich nicht, damit alles vorbei ist ? > Er rang um Zeit; je mehr er den Fremden glauben machte, dass er leide, um so länger würde jener die Qual hinauszögern. Und jeden Augenblick musste Judy eintreffen. « Nun, nun, Jem! Ich hatte eine bessere Meinung von dir. Kannst du nicht, was dir widerfährt, hinnehmen wie ein Christ? Das alles ist, hängen. Nein, ich werde fortgehen, weit, weit fort, werde untertauchen und meinen Namen ändern. Natürlich ist auch ein wenig Gefahr dabei. Doch die ist leider in solchen Fällen nicht zu vermeiden. Zweifellos aber wirst du zugeben müssen, dass ich mich als Mann von Erziehung benehme. Nicht wahr, Jem? Und ich lasse dir die Wahl: Du kannst dich erdrosseln, ehe das Papier Feuer fängt. Mir ist es gleich. » Heiss von Leidenschaft schlug des Mannes Stimme um: «Du kannst dich erdrosseln oder du kannst verbrennen. Konntest mir wohl mein Weih nehmen, doch...» Und plötzlich war er wieder so eingelernt ruhig KUHLSCHRANKE •• •• SERVEL AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N° 80 wio vorher* « Ganz wie in guten, alten Tagen, nicht wahr, Jem? Da wurde immer zur Weihnachtszeit ein ganzer Ochse gebraten. Immerhin, das wäre noch zu bedenken.» Er betrachtete den Mann im Sessel, mass dessen Entfernung von der Kerze. « Gewiss, » sagte er, « es wäre für dich unmöglich, die Kerze auszublasen, nicht wahr? Trotzdem möchte ich dich gern ein wenig knebeln. » Vom Tisch nahm er ein altes Tuch und trat zu Jem. « Oeffne den Mund, > sagte er, « das tut nicht weh. Oeffne den Mund, sonst fahro ich dir wieder in den Kopf, Bruder. » Als der andere gehorchte, schob er ihm den Knebel in den Mund. Dann neigte er sich, entzündete die Kerze, straffte sich. Ging zur Tür, verneigte sich höflich vor dem Opfer und schritt rasch hinaus. Als sich die Tür schloss, hörte Jem einen leisen Signalpfiff. Nochmals tönte er, -während draussen der Fremde stehen blieb. Hufschlag klang längs der Strecke. Steigbügel klirrten. Eine Frauenstimme, der ein Mann antwortete, durchschnitt die Stille. «Nein, kein Mensch daheim, Madame. Ich hatte geschäftlich hier zu tun, doch keine Seele ist im Hause. » Der Mann im Sessel trachtete zu schreien. Doch das grobe Tuch stak ihm hinten im Halse und das Seil lag eng um seinen Nacken. Schrie er, so regte er sich, und regte er sich, so musste er ersticken. Ersticken, während sich das Mädchen draussen des Mannes erwehren musste. Wieder Steigbügelklirren. Das Pferd stob im Galopp davon und ganz kurz noch hallten des Fremden Schritte. Dann war es still. Machtlos sass der gewaltige Mann. Schweiss troff von seinem Gesicht. Unsagbar schmerzten ihn die Glieder. Noch aber gab es eine Hoffnung: Er hatte Judy in die Richtung der Stadt traben gehört. Möglich, dass sie auf dem Rückweg hier einkehrte. Möglich auch, dass sie kam, ehe noch die Kerze bis auf das Papier niedergebrannt war. Der Stumpf hier brannte wohl noch über eine Stunde. Plötzlich öffnete sich die Tür. Doch niemand stand draussen — sie war nicht fest geschlossen gewesen. Kein Laut drang herein, nur das Summen von Insekten, die durch die brütende Hitze schwirrten. Gemächlich brannte die Kerze. Ein blauer Schein war inmitten der Flamme. Unfähig, den Schmerz seiner Glieder länger tragen zu können, versuchte er, sich ein wenig zu regen. Wieder schnürte das Seil seinen Hals. Er sass ganz still. Fiel dann in Ohnmacht. Ihm war, als müsse er ersticken. Enger noch drückte das Seil. Nur mühsam konnte er atmen. Das Wachs der Kerze war nun bis auf das Papier niedergebrannt. Noch aber war die Flamme hell und leuchtete, ohne zu flackern. In weiter Ferne hörte er ein Pferd auf der Strecke. Es machte halt. Judy hielt bei der Schmiede. Nun ritt sie wohl nach rechts, auf das Blockhaus zu. Leiser Signalpfiff. Dann ein zweiter. Nun trabte das Pferd. Sie ritt nach links. Er hörte sie vorbeireiten. Leise klang der Hufschlag durch die Stille. Und verstummte. Luftzug drang durch die offene Tür. Die Kerze flackerte, brannte jedoch ruhig wie zuvor. Ein zweiter leichter Stoss. Da griff die Flamme auf das Papier über. (Neue Freie Presse.) Im Auto durch Ein gefährlicher Cocktail. Einem Gast des «Hotsy-Totsy»-Nachtklubs, der in New York in der Nähe des Broadway gelegen ist, schmeckte sein Cocktail nicht. Eine Auseinandersetzung mit dem Mixer folgte, die in eine Pistolenschlacht ausartete. Frauen und Männer, die sich im Lokal befanden, retteten sich schreiend auf die Strasse. Als die Polizei am Tatort erschien, fand sie nur noch zwei Tote in ihrem Blute und Kugelspuren an der Wand. Die sportliche Mode. Der Stadtrat von Rio de Janeiro hat bemerkt, dass viele Sportleute, vornehmlich Fussballer, ohne viel Federlesens im Sporttenu in ihr Auto stiegen und so von zu Haus© nach dem Sportplatz fuhren. Die Herren von der Regierung fanden daran offenbar wenig Geschmack, denn jedenfalls veröffentlichten sie ein Dekret, wonach jeder Autofahrer wenigstens einen Kragen und eine Krawatte zu tragen habe. Wie es scheint, war es also da unten bald Gewohnheit geworden, hemdärmelig spazieren zu gehen, was entschieden beweist, dass die Sportleute einen weit grösseren Sinn für das Praktische haben als die Herren vom Gesetz. Das umstrittene Pferd. Die soeben bekanntgewordenen Pläne für das Reiterstandbild, das die englische Nation dem Andenken des Marschalls Haig errichten will, haben in London einen Sturm des Protestes hervorgerufen. Militärs,. Pferdefreunde und Künstler der verschiedenen Schulen erklärten einmütig, das Modell sei unmöglich. Nie habe es ein solches Pferd gegeben wie jenes, auf das der Marschall gesetzt werden soll, ausser etwa in den Phantasien Epsteins, und nie hätte Lord Haig ein solches Pferd geritten, wenn es Gott geschaffen hätte. Dieser Stimmung leiht Lord Robert Baden-Powell, der seit dem grossen Pfadfinderfest im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit steht, öffentlich Ausdruck, indem er erklärt: «Ich hofie, ehe das Standbild zur Ausstellung gelangt, wird man Personen konsultieren, die wissen, was ein Perd ist und die Haig gekannt haben.* Ein bekannter Bildhauer äussert sich: «Die Figur passt gerade für den Sockel einer alten Salonuhr.» Und Major Toms von der Remontensektion des Kriegsministeriums fügt hinzu: «Nie würde ein Einkäufer der Armee ein solches Pferd anschauen — und das hat man für Lord Haig ausgesucht!» die Oslschweiz BAU funktionieren vollautomatisch und geräuschlos. Sie sind unübertroffen in Qualität und Ausführung. 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