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E_1929_Zeitung_Nr.080

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Ausgabe: Deutsche

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 17. September 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 80 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dlenstan und Freltan Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, «otern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag Jür postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die Haftung des mitfahrenden Eigentümers bei Automobilunfällen r Äm 20. März 1928 fuhr ein Automobil mit etwa 40 km Geschwindigkeit auf der Strasse Miecourt-Pruntrut. Einige Knaben spielten auf der Strasse, weshalb der Chauffeur ein Hornsignal gab, ohne aber zu verlangsamen. Ein lOjähriger Junge warf trotz Warnung seiner Kameraden seinen Marmel auf die Strasse und rannte ihm nach, unmittelbar vor den herannahenden "Wagen. Das Automobil war in diesem Moment noch 15 Meter von dem Knaben entfernt. Da der Chauffeur nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte, wurde der Knabe erfasst und getötet. Das Bundesgericht hat entschieden, dass den Chauffeur ein Verschulden treffe, da er, der Knaben ansichtig, nicht nur ein Hornsignal hätte geben sollen, sondern vielmehr in Voraussicht eines möglichen Unfalles seine Geschwindigkeit hätte verlangsamen sollen. Diese Stellungnahme des Bundesgerichts ist zweifellos richtig, indem voraussichtlich, wenn die Geschwindigkeit im Zeitpunkte der Abgabe des Warnungssignales verlangsamt worden wäre, ein rechtzeitiges Anhalten des Automobiles dann im kritischen Augenblicke wohl noch möglich gewesen wäre. Im weiteren hat nun aber das Bundesgericht den Standpunkt eingenommen, dass auch den mitfahrenden Eigentümer ein Verschulden treffe, da er dem Chauffeur rechtzeitiges Abbremsen hätte befehlen sollen. Diese Stellungnahme des Bundesgerichtes hat nun in weitesten Kreisen Aufsehen erregt und Unsicherheit hervorgerufen, ob, wann und in welchem Masse der mitfahrende Eigentümer bei entstandenen Unglücksfällen persönlich verantwortlich und haftbar erklärt werden kann. Es ist dies auch ohne weiteres verständlich, wenn man bedenkt, dass eben derjenige, der sich eines Chauffeurs bedient, vom Selbstfahren, dessen Anforderungen und möglichen Folgen, dispensiert sein will, sei es, dass er des Fahrens überhaupt nicht kundig ist, sei es, dass er infolge Uebermüdung oder aus irgend welchen anderen Gründen dauernd F E U I L L E T O N Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. (3. Fortsetzung) Dr. R. von Stürler, Advokat, Bern. Fräulein Bleuler, die Nachbarin Dr. Fischers, war eine gutmütige Dame aus besserem Hause. Die Eltern hatten durch den Krieg einen grossen Teil ihres Vermögens verloren. Als vor vier Jahren Vater und 'Mutter kurz nacheinander starben, hatte sie als Haupterbstück das Elternhaus übernomimen. Sie war gezwungen, ein Stockwerk und zwei Mansarden zu vermieten. So konnte sie, wenn auch einfach, doch sorgenfrei leben. Pas oberste Giebelzimmer stand momentan •frei und sie hatte deshalb ein Inserat in den Anzeiger aufnehmen lassen. Eine Woche nach jenem Abend im Restaurant meldete das Mädchen seiner Dame, dass ein Herr das freie Zimmer zu mieten wünsche. Fräulein Bleuler liess den Fremden eintreten. Dieser stellte sich vor als Erich Klein aus Zürich. Er war ein Mann gegen Ende der vierziger Jahre, mit schwarzem Vollbart und lebhaften Augen. «Ich wünsche das Zimmer als Laboratorium zu gebrauchen und werde weder Geräusch noch sonst irgendwelche Unannehmlichkeiten ins Haus bringen. Ich betreibe diese Versuche bloss in meiner freien Zeit als Liebhaberei.» Herr Klein besichtigte das Zimmer, und da er sehr liebenswürdig und sympathisch erschien, ging Fräulein Bleuler auf seinen oder vorübergehend auf das Selbstfahren verzichtet. Es rechtfertigt sich daher wohl, diesen Fragenkomplex an dieser Stelle einer näheren Betrachtung zu unterziehen, um. diejenigen, die durch die Stellungnahme des Bundesgerichtes unsicher oder ängstlich geworden sind, aufzuklären, in welchen Fällen den mitfahrenden Eigentümer oder einen Vertreter desselben allenfalls bei Unglücksfällen ein Verschulden trifft. Grundlegend für die Haftung des Geschäftshenn ist immer die Frage, ob dieser alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt angewendet hat, um einen Schaden zu verhüten, und ob der Schaden allenfalls auch bei Anwendung dieser Sorgfalt nicht doch gleichwohl eingetreten wäre, oder ob sich dieser nicht sonstwie einer unerlaubten Handlung schuldig gemacht hat. Das Bundesgericht hat in einem früheren Entscheide den Standpunkt vertreten, dass eine durchgreifende Beaufsichtigung des Chauffeurs eine kaum weniger angespannte Aufmerksamkeit des Mitfahrenden erheischen würde als die Führung des Automobiles selbst. Eine derartige Aufmerksamkeil könne aber dem Eigentümer eines Automobiles, der die Führung einem Chauffeur anvertraut habe, an dessen Zuverlässigkeit zu zweifeln keinerlei Anlass bestehe, auch dann* wenn er mitfahre, nicht zugemutet werden, zumal wenn er sich in Gesellschaft weiterer Personen befinde. Es genüge vielmehr seiner Pflicht, wenn er einschreite, sobald er wahrnehme oder ihm nicht habe entgehen können, dass der Chauffeur unkorrekt fahre. Mit anderen Worten ist der mitfahrende Eigentümer nur dann haftbar, wenn er nachgewiesenermassen einerseits Anlass hatte, an der Zuverlässigkeit seines Chauffeurs zu zweifeln und andererseits, wenn er wahrnimmt oder ihm nicht entgehen konnte, dass sein Chauffeur unkorrekt fährt. Wunsch ein. Am gleichen Nachmittag kam ein Dienstmann und brachte auf seinem Karren einige Apparate, eine grössere anscheinend elektrische Maschine, Werkzeuge, Retorten, Reagenzgläser und was sonst für ein kleineres Liebhaberlaboratorium nötig ist. Herr Klein kam zu allen möglichen Zeiten, manchmal häufiger, manchmal blieb er länger aus. Er störte wirklich nicht, und wenn er jemanden antraf, war er freundlich und zuvorkommend. Er hatte auch seine Miete zum voraus bezahlt. Die vier Freunde Keller, Kraft, Fischer und Beck sassen wieder beisammen. Diesmal im Rauchzimmer „des Bankiers. Kraft hatte mit Keller noch einiges zu besprechen wegen des Einbaues des neuen Vergasers. Keller wollte es selbst besorgen. Der Bankier stellte ihm zu diesem Zweck auch seine Werkstatt, die der Garage angegliedert war, zur Verfügung. «Komm, wir wollen die Geschichte ansehen, Beck und Fischer, entschuldigt uns einen Moment.» Sie gingen durch das Vestibül; von diesem führte ein Gang in die Einfahrt, die in der Garage endete. Hier standen die beiden Wagen, die komfortable Limousine und der schnittige Rennwagen. Durch eine Tür kam man in die Werkstatt und von dieser gelangte man durch ein kleineres Pförtchen in einen Heckenweg, der sich quer durch die Gärten des Villenviertels durchzog. Der Chauffeur wohnte mit seiner Frau nicht im Hause. Dieser kleine Eingang war für ihn In Ausführung dieses Grundsatzes hat denn auch das Bundesgericht die Haftung des mitfahrenden Eigentümers schon wiederholt verneint, wenn diesem nicht nachgewiesen werden konnte, dass er sich bewusst gewesen war, dass sein Chauffeur unkorrekt fuhr und wenn auch nichts darauf schliessen liess, dass er sich dessen hätte bewusst sein müssen. So hat z. B. das Bundesgericht in einem Fall wie folgt entschieden: «Es ist nicht nachgewiesen, dass der mitfahrende Eigentümer sich in diesem speziellen Falle bewusst gewesen wäre, sein Chauffeur fahre unzulässig rasch, und es lässt nichts darauf schliessen, dass er sich dessen habe bewusst sein müssen. Weiter ist nicht festgestellt, dass der Chauffeur im allgemeinen unzulässig rasch fuhr, sondern nur, dass er für die Fahrt durch ein Dorf, zumal auf abschüssiger Strasse und über eine wenig übersichtliche Strassenkreuzung, die Fahrgeschwindigkeit nicht angemessen verlangsamte und zudem keine Signale gab. Dies hätte jedoch aber der mitfahrende Eigentümer schon sofort bei der Einfahrt in das Dorf, zu einer Zeit also, da eine allfällige Weisung auf Verlangsamung des Tempos noch zur Vermeidung des Zusammenstosses beizutragen geeignet war, nur bei Anwendung eines ihm nach dem Ausgeführten nicht zumutbaren Grades von Aufmerksamkeit wahrzunehmen vermocht.» Anders verhält es sich dann allerdings, wenn z. B. der Eigentümer des Automobils Veranlassung hat, an der Zuverlässigkeit des Chauffeurs zu zweifeln. Es muss ihm unbedingt zum Verschulden angerechnet werden, wenn er die Führung seines Automobiles einem Manne ü'berlässt, den er nach eigener Aussage, wenn auch als «erprobten», so doch aber zugleich als «frechen» Fahrer kannte. Dabei bildet die Tatsache, selbst keine Fahrbewilligung zu besitzen, keinen Entschuldigungsgrund. Dieser Umstand befreit den Eigentümer nicht von der Verpflichtung, die Führung seines Automobiles nur einem vorsichtigen Führer anzuvertrauen und in Ermangelung eines solchen auf die Benützung des Automobiles zu verzichten. In diesem Falle hat das Bundesgericht, zweifellos zu Bucht, ein Eigentü- Verschulden des mitfahrenden mers angenommen. INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss i Tage vor Erseheinen der Nummern Ein weiterer Fall, in dem die Verantwortlichkeit des mitfahrenden Eigentümers bejaht wurde, ist der folgende: Bei dunkler Nacht und stürmischem Begenwetter eine angenehme Abkürzung seines Weges zur Arbeit. Alles war in bester Ordnung. Keller freute sich, seinen letzten Versuch in einer Werkstatt, in der alles Erforderliche vorhanden war, vorbereiten und auf einem so einladenden Sportvehikel durchführen zu dürfen. Er hatte bereits mit der Umarbeitung seines Vergasers für Rennwagen begonnen, bald konnte der Einbau vorgenommen werden. Als sie wieder bei den andern im Rauchzimmer waren, erzählte Fischer : «Fräulein Bleuler hat einen neuen Mieter im obersten Zimmer, und ich glaube fast, es ist Alfred Fleissig. Der Fremde gleicht auffallend der Photographie, die du, Fritz, damals gezeigt hast.» «Das ist gut möglich. Er kann inzwischen wohl schon eingetroffen sein.» Sie sprachen dann von der unheimlichen Art, wie Kramer sich, nachdem er ihre Schriftproben gesehen, entfernt hatte. «Ehrlich zugestanden, ich habe schon besser geschlafen als in jener Nacht», meinte launig der Jurist. «Ich bin Fatalist», sagte Keller. «Mir war es sehr eigen zumute», gab Beck zu. «Schon oft, wenn es mir nicht möglich war, durch Zusammenstellen der mit unsern Sinnen wahrnehmbaren Symptome eine Diagnose zu stellen, kam mir die Eingebung zu Hilfe; ebenso stelle ich meine Prognosen häufiger nach dem Gefühl als nach einer Berechnung, der doch die sicheren Glieder fehlen. Ich gebe, wie ihr seht, viel auf Eingebung, und das, was Kramer in unsern Schriften sah, fand er nicht durch Kenntnis, sondern durch fuhr ein Automobil mit 22 km durch eine verkehrsreiche Ortschaft der Innerschweiz. Der Chauffeur hat somit beim Passieren des Dorfes die in Art. 35 des Automobilkonkordates vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 18 km überschritten und< worauf es namentlich ankommt, im Augenblick des erfolgten Zusammenstosses mit einem Langholzfuhrwerk, sein Fahrzeug nicht zu bemeistern vermocht. Im Interesse der Verkehrssicherheit verlangt das Bundesgericht, dass der Führer des Automobils die Herrschaft über dasselbe stets behält, um bei Antreffen eines Hindernisses den Lauf sofort zu verlangsamen und nötigenfalls den Wagen auf einer ganz, kurzen Strecke zum Stillstand bringen ZUJ können. Bei ungünstigen Sehverhältnissem muss er von vorneherein die Fahrgeschwin-i digkeit derart massigen, dass er jederzeit sein Fahrzeug sofort anhalten kann. Da-, durch, dass der Chauffeur diesen Vorschriften nicht nachgelebt hat, hat er sich; nach der Auffassung des Bundesgerichts, einer grobfahrlässigen, widerrechtlichen Handlung schuldig gemacht, die für die Unfallsfolgen kausal war. Was sodann den Eigentümer des Automobils anbelangt, entschied das Bundesgericht, dass diesen ein Verschulden deshalb treffe, weil er, trotzdem er während der kritischen Fahrt neben dem Chauffeur gesessen sei und damit also Einsicht in die technischen Kontrollelemente des Wagens hatte, in keiner Weise gegen das unzulässig rasche Fahren eingeschritten ist. Er wäre verpflichtet gewesen, führt das Bundesgericht aus, den Chauffeur auf die unter den gegebenen Umständen offensichtlich übertriebene, vorschriftswidrige Fahrgeschwindigkeit aufmerksam zu machen, zumal da er selber wahrnahm, dass der Chauffeur zu rasch durch das Dorf fuhr und dass die/ Stirnscheibe des Automobils wegen des strömenden Regens schlecht durchsichtig, der'Blick auf die Strasse also gehemmt war. Dadurch, dass er unterliess, den Chauffeur zu langsamem Fahren anzuhalten, welches diesem ermöglicht hätte, das Fahrzeug zu bemeistern und aller Wahrscheinlichkeit nach den Zusammenstoss zu vermeiden, hat er die ihm obliegende Aufsichtspflicht in grober Weise verletzt und sich eine unerlaubte Handlung zu schulden kommen lassen. Die gleiche Auffassung hat auch Eingebung. Trotzdem wollen wir uns nicht die gute Stimmung stören. In unserem Alter hat man gelernt, die Dinge an sich herankommen zu lassen. Prosit, auf unsere Freund» schaft.» Der Abend verlief recht gemütlich. Zum Nachtessen ging jeder heim. Mama Keller sass zwischen ihren Kindern. Hedy erzählte lebhaft, ihrer Art entsprechend, und erhöhte die Traulichkeit des Mahles durch ihre impulsiven Bemerkungen. Sie war überaus anziehend mit ihren krausen, blonden Haaren und den warmen, niemals ruhenden, guten Augen, deren dunkle starke Brauen dem Gesicht einen eigenartigen Reiz verliehen. «In der Stadt habe ich die Haushälterin von Fritz Kraft angetroffen. Sie war ganz in Verzweiflung, denn sie hat kürzlich zweimal einen dunkelbärtigen, unheimlichen Mann vom Haus aus am Heckenweg gesehen, wie er sich umgeschaut und, als er sich beobachtet fühlte, wieder entfernt hat. Dies verfolgt sie nun Tag und Nacht und sie traut nicht, Herrn Kraft davon zu erzählen. Ich wisse ja, dass sie abergläubisch sei, meinte sie, sie habe in letzter Zeit aber auch für diese Schwäche Nahrung genug gehabt und stände deshalb stark unter dem Druck eines bevorstehenden Unglücks. Sie könnte einem fast Angst machen, die gute Wilhelmine, wenn man sie so hört und wenn man sieht, wie ernst ihr dabei ist. Ich gehe noch zur Anprobe, damit mein Kleid auf den Sonntag fertig wird.» «Ich begleite dich hin, Hedy, ich muss auch noch in die Stadt», sagte Max.

Selbstverständlich kann es sich nicht darum handeln — und es kann dies auch nicht die Ansicht des Bundesgerichtes sein •— dass der mitfahrende Eigentümer beständig kontrolliert und Verhaltungsmassregeln gibt, and gar etwa noch verpflichtet wäre, im Augenblick eines Unfalls Wegleitungen zu geben. Seine Verpflichtung besteht vielmehr darin, allgemein dafür besorgt zu sein, dass sein Chauffeur vorschriftsmässig fährt, damit auf diese Weise Unfälle verhütet werden können. Dabei, es sei dies nochmals ausdrücklich wiederholt, sind jedesmal bezüglich der Frage, ob sich der mitfahrende Eigentümer des unkorrekten Verhaltens bewusst war oder hätte bewusst sein müssen, die besonderen Verhältnisse in Berücksichtigung zu ziehen. Im Falle des marmelspielenden Knaben auf der Strasse Miecourt—Pruntrut konnte vom mitfahrenden Eigentümer nicht verlangt werden, dass er 15 Meter vor dem Kollisionspunkte noch Weisungen hätte erteilen sollen. Sein Verschulden lag vielmehr darin, dass er, offenbar in der Lage, den ganzen Vorfall verfolgen zu können, den Chauffeur nicht zu verminderter Geschwindigkeit, namentlich im Zeitpunkte der Signalabgabe, angehalten hat. Wenn die vorstehenden Ausführungen dazu beitragen können, die Frage der Haftbarkeit des mitfahrenden Eigentümers abzuklären, und die vielfach vorhandene Unsicherheit etwas zu beheben, so ist deren Zweck erfüllt. Es gibt eben auch hier, wie in vielen anderen Fällen, kein Schema. Die jeweiligen Verhältnisse und Verumständungen, die einem Unfall vorangegangen, ihn veranlasst oder dabei mitgespielt haben, werden immer für die Bejahung oder Verneinung der Haftung ausschlaggebend sein, wobei nicht vergessen werden darf, dass bei an sich ähnlichen oder gleichen Tatbeständen unter veränderten Verhältnissen und anderen Verumständungen das eine Mal das Vorhandensein eines Verschuldens bejaht, das andere Mal verneint werden muss. Festgehalten sei aber, dass auch das Bundesgericht der Auffassung ist, dass Die beiden wünschten der Mutter eine gute Nacht und verliessen das Haus. Als sie einige Zeit ohne zu reden nebeneinander gegangen waren, fragte der Bruder unvermittelt : « Du, Hedy, denkst du niemals an Fleissig? Er ist wieder im Land.» «Lieber Max, es verging in all den Jahren kein Tag, an dem ich nicht an ihn dachte. Mein Temperament hat mir damals einen Streich gespielt, den ich mit meinem Lebensglück bezahle, denn ich liebe Alfred noch heute. Dazu drückt mich das Gewissen, dass ich ihm vielleicht Unrecht getan und ihn, ohne seine Rechtfertigung anzuhören, ins Unglück gestossen habe. Auch wenn er gefehlt haben sollte, hätte meine Güte und Liebe stärker sein sollen als mein verletztes Ehrgefühl. Nun ist er ein armer Teufel, und ich werde eine ale Jungfer. Einen andern heiraten kann ich nicht.» Fortsetzung siehe Autler-Feierabend. Oesterreich Frankreich Ver. Staaten Spanien Dänemark Tsohecho'vakei Canada August 1929 a 18 b 1 o 20 d 21 e 22 f 10 giae 1256 a 25 b 1 c 18 d 90 e 41 f 3 g i a b 3 2 o 17 d 11 e 37 f 5 g Belgien a 23 b d 1 e 3 f 3 Niederlande f Grossbritannien b 103 a d 1 f b o d e f g if f ff a b o d e f g i 17 310 139 41 186 2 72 434 248 62 1 12 q ka 31.60 2.26 132.06 260.60 302.83 332.76 6.67 17.59 6.40 84.92 4.78 39.66 9.85 112.00 1020.59 586.42 191.03 59 67.95 2.78 89 132.61 110.44 508.32 167.21 3.31 39.39 77 10.82 42.97 79.15 15 32 166.67 9.80 8.60 16.64 3.02 19.73 1.43 134.34 3524.76 2002.64 1074.23 11.46 113.25 12 14 Wert In Vt; Total 36.335 2.050 57.847 148.370 188.540 314.855 4.195 6.955 4.526 66.350 3.090 36.837 6.200 69.475 406.770 334.400 138.428 564 34.835 2.755 250 68.800 62.700 216.000 144.148 1.840 33.527 300 8.000 26.500 64.725 200 370 162.130 5.500 5.400 13.304 2.900 17.780 900 40.600 1.310.860 1.015.702 683.144 6.587 39.269 357 140 759.147 73.966 496.493 133.052 570 189.234 3.113.842 357 140 5 160 42 160 306.38 294.090 24.93 15.200 511.01 236.722 4935.81 1.942.100 3528.10 1.847.492 1866.80 1.362.726 25.05 15.086 188.79 81.059 5.794.476 1017 11386.87 a 431 617.08 577.223 b 7 17.74 19.830 o 51 390.02 164.913 d492 5367.91 2.278.257 e 240 3320.84 1.837.590 f 63 1699.09 1.157.188 g 1 14.20 12.122 b. 4 60.44 22.857 6.069.980 Nach wie vor stehen die Vereinigten Staaten an der Spitze unserer Lieferanten. Das von Amerika eingeführte Kontingent beläuft sich auf 3113842 Fr. oder auf 53,7% der Gesamteinfuhr. An zweiter Stelle steht Frankreich, dessen Einfuhrwert-, die Million noch übersteigt. Es folgen Deutschland, Italien, Grossbritannien und Belgien. Die Einfuhrerhöhung liegt ganz besonders in der Mehreinfuhr von nicht karossierten Chassis begründet. Die Einfuhr an Automobilen und Chassis von weniger als 800 kg hat sich nicht ganz verdoppelt, diejenige an Karosserien für alle Arten Automobile ist um 24 % und diejenige an Automobilen und Chassis von über 1600 kg um 17 % gestiegen. Die AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N n 80 das zürcherische Obergericht einige Jahre dem mitfahrenden Eigentümer eine durchgreifende Beaufsichtigung seines Chauf- vorher in einem in den Blättern für zürcherische Rechtsprechung veröffentlichten feurs, d. h. eine Tätigkeit, welche die ange- Urteil geäussert. Auch es hält dafür, dass der neben dem Chauffeur mitfahrende, fahrkundige Automobileigentümer, welcher duldet, dass der Chauffeur unzulässig rasch fährt, für das zu schnelle Fahren Die Einfuhr im vergangenen Monat August betrug 5 794 475 Fr. gegenüber 6069980 als mitverantwortlich betrachtet werden müsse. Fr. im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres. Aus den vorstehenden Ausführungen und Verglichen mit der Einfuhrquote des Monats Beispielen geht hervor, dass bei Unfällen, Juli 1929 stehen wir vor einer Mindereinfuhr bei welchen den Chauffeur ein Verschulden von 1932 566 Fr., welche einzig einem geringeren Einkaufe in der Motorradbranche zuzu- trifft, nicht ohne weiteres auch den mitfahrenden Eigentümer ein Mitverschulden schreiben ist. Die Ausfuhr im August 1929 trifft. Es wird dies vielmehr jedesmal auf erreichte 1284958 Fr., gegenüber 1580029 Grund der vorliegenden Verhältnisse abgeklärt werden müssen. Massgebend für Monat Juli 1929 die Höhe von 1635 420 Fr. Fr. im August 1928. Da die Ausfuhrziffer im das Vorhandensein eines Verschuldens des erreichte, steht somit die Augustausfuhr um mitfahrenden Eigentümers ist, wie bereits 350462 Fr. zurück. Auch im Vergleich mit erwähnt, ob er an der Zuverlässigkeit seines Chauffeurs zu zweifeln keinen Anlass rund 300 000 Fr. zu konstatieren. der Augustausfuhr 1928 ist ein Rückgang von hatte, und ob er ein unkorrektes Verhalten Wir erinnern an die Nomenklatur der offiziellen Statistik : seines Chauffeurs wahrgenommen hat oder ihm ein solches nicht hat entgehen können. Es wird also dem mitfahrenden Eigentümer a) Motorzwei- und -dreiräder ohne Lederüberzug; b) andere (also solche mit Leberüberzug); ein gewisses Mass Aufmerksamkeit zugemutet. Er darf sich nicht auf den Stand- weniger als 800 kg; c) Automobile und Chassis im Stückgewicht von punkt stellen, dass, weil nun sein Chauffeur fährt, ihn sämtliche Vorschriften und 800 bis und mit 1200 kg; d) Automobile und Chassis im Stückgewicht von e) Automobile und Chassis im Stückgewicht von allfällig aus deren Widerhandlung entstehende Folgen nichts angehen. Er hat f) Automobile und Chassis im Stückgewicht von 1200 bis und mit 1600 kg; zweifellos die Pflicht, in allen denjenigen mehr als 1600 kg; Fällen gegen unkorrektes Verhalten seines ?) Karosserien aller Art für Automobile; h) Elektrokarren; Chauffeurs einzuschreiten, die ihm bewusst i) Traktoren ohne Karosserie. werden oder ihm nach den gegebenen Umständen hätten bewusst sein müssen. Es Die wird auch den des Fahrens unkundigen Einfuhr Wageneigentümers unter Umständen ein im August 1929 verteilt sich auf folgende Verschulden treffen können, indem auch zwölf Länder: von diesem verlangt werden kann, dass er Stock z. B. die üblichen Geschwindigkeitsvorschriften kennt und gegebenenfalls seinen Deutschland Chauffeur darauf verweist. spannte Aufmerksamkeit des Mitfahrenden erheischen würde, nicht zugemutet werden kann. — Der Automobil-Aussenhandel im August 1929 Italien August 1929 1 10 n 1.027.509 1289 11487.32 DlindfifEiufnhr 275.505 Ausfuhr im August 1929 erstreckte sich über 36 Län- der, gegenüber 33 im August des Vorjahres. Die Tabelle zeigt folgendes Bild : StOok Wert in Fr. Total Fr. Deutschland El a 31.65 32.706 f 964.02 307.892 340.598 Oesterreich a 3 4.40 4.170 f 38.56 49.556 53.726 Frankreich a 6 37.02 37.233 f 27.84 41.3.09 h 7 152 78.694 Italien a 3 6.47 7.422 f 38.65 74.633 82.055 Belgien afafafafafaf 60 535 17.41 31.237 31.772 Niederlande K 3.33 3.160 31.70 15.512 18.672 Grossbritannien 39 665 1 195.80 129.603 130.268 Spanien 1421 21.92 17.035 204.09 113.560 130.595 Portugal 1.47 850 14 864 Dänemark 1 14 2.48 6.405 6.419 Schweden 3 34 12.21 16.532 16.566 Polen 1.61 1.581 f 6.96 8.790 10.371 Tschecho'vakei afafafabafaaa 3.25 5.041 136.81 144.342 149.383 Ungarn 31 400 11.72 11.012 11.412 Jugoslavien 5.62 4.020 1.68 1.764 5.784 Griechenland 7.65 6.025 68 600 6.625 Russland 1.04 1.600 21.13 56.633 58.233 Ostafrika 1.82 2.200 2.200 Niederl. Indien 3.08 2.710 2.710 Uruguay 3 80 42.00 23.845 23.925 Norwegen 66 841 841 Finnland 1.83 3.307 3.307 Bulgarien 3 42 42 Rumänien 3.09 4.635 4.535 Türkei 4.62 2.740 2.740 Algerien 5.09 10.270 10.270 Marokko 2.31 3.421 3.421 Südafrika. 12 353 353 Japan 2.36 3.918 3.918 Ver. Staaten 41 708 708 Venezuela 53.43 32.284 32.284 Brasilien 100.53 66.190 56.190 Argentinien 70 1.654 1.654 Peru 2 30 f 30 Bolivia ff 9.43 3.300 3.300 Austral. Bund 35 493 493 August 1929 a bfh August 1928 b d i 48 131.60 127.481 68 600 10 1938.04 1.156.725 7 152 1.284.958 68 2070.39 34 327.05 329.471 42 1.292 1 11.80 8.300 27 1486.23 1.240.966 1.580.029 62 1824.50 Minder-Ausfuhr 295.071 Deutschland bleibt unser bester Abnehmer. Während diese Stellung bis zum Juni 1929 von der bedeutenden Motorradausfuhr abhing, ist im Juli und August durch einen vermehrten Automobilabsatz Deutschland an die erste Stelle gerückt. An zweiter Stelle steht die Tschechoslowakei, gefolgt von Spanien. Leider verzeichnen beide Länder einen etwas geringeren Absatz als im Juli 1929 und im August 1928. Grossbritannien ist das einzige Land, dessen Absatz noch die 100 000 Franken erreicht. Alle übrigen Länder beziehen nur in Werten von 10—100 000 Fr. Es sind dies Italien, dessen Markt sich langsam den Schweizer Produkten besser zu Öffnen scheint, Frankreich, Russland, Brasilien, Oesterreich, Venezuela, Belgien, Uruguay, Holland, Schweden, Ungarn, Polen und Algier. Hervorzuheben ist der steigende Absatz nach Russland. Während noch im Jahre 1927 wir nur für 10 000 Fr. nach Russland liefern konnten, betrug im Jahre 1928 die Ausfuhrziffer bereits 20 534 Fr. Sie beträgt heute für die ersten acht Monate des Jahres 1928 bereits 355 235 Fr. Lassen wir also Politik Politik und Wirtschaft Wirtschaft sein. Unverständlich. Man schreibt uns: «Mit grosser Freude las ich in Nr. 77 der «Automobil-Revue» Ihre under dem Titel «In welcher Schublade» erschienene Anfrage eines Einsenders an die hohe bernische Regierung, wann sie die stadtbernische Verkehrsordnung aus der Schublade zu ziehen und jn Kraft zu erklären gedenke. Wir haben nicht auf Antwort gewartet, wohl wissend, dass des Volkes Sprache in den höheren Regionen der Regierung keinen starken Eindruck mehr zu machen versteht. Nun werden aber die Verhältnisse in Bern geradezu skandalös. Di© Zahlen der täglichen Verkehrsunfälle der Stadt Bern mehren sich derart, dass man sich wirklich fragen muss, wie lange noch diesen Dingen der Lauf gelassen werden soll. Unterdessen hat die Presse das Vergnügen, stets länger werdende Polizei-Communiques über Verkehrsunfälle in ihren Spalten zu publizieren. Wie heisst es darin ? „i.Atn Dienstag sprang eine Frau vom Trottoir über die Fahrbahn, ohne auf den Verkehr zu achten, direkt vor ein. über den Platz fahrendes Lastauto. Natürlich warder Anprall unvermeidlich, die Frau musste per Sanitätsauto nach Hause geführt werden. Am gleichen Tag kam ein Fussgänger im Laufschritt vom Pulverweg her über den Platz gelaufen, wurde dabei von einem Auto erfasst und zu Boden geworfen. Der Fussgänger musste seine eigene Schuld zugeben. Eine Radfahrerin fuhr unvorsichtig die Schanzenstrasse hinunter, seitlich in ein Personenautomobil hinein und stürzte. Tags darauf lief an einer andern Strasse ein Kind einem Automobilisten direkt vor den Wagen in den Bremsweg und wurde natürlich überfahren, da es dem Autofahrer nicht mehr möglich war, den Unfall zu verhindern. Es sind dies nur wenige Beispiele. Die Liste solcher Verkehrsunfälle verlängert sich von Tag zu Tag. Selbstverständlich wird auch die beste Ver kehrsordnung den Verkehrsunfall nicht ganz aus der Welt schaffen können. Dagegen wäre die stadtbernische Verkehrsordnung geeignet, jedenfalls das Gefahrenmoment der Strasse auf ein Minimum zu reduzieren. Der gesamte Verkehr für bespannte Fuhrwerke, für den Fussgängerverkehr, für den Droschkenverkehr usw. sind in alle Details behandelt. Die stadtbernische Verkehrsordnung darf tatsächlich als mustergültig bezeichnet werden und wäre gewiss dazu angetan, der heute sich steigernden Verkehrsanarchie in Bern einen Riegel zu schieben. Die Zustände, wie sie sich langsam in den engen Strassen Berns herausbilden, schreien nach Abhilfe! Dem gemeinen Bürger scheint es, als ob dies auch den in Bern wohnenden Regierungsräten ersichtlich sein sollte. Allein, die Verkehrsordnung bleibt in der grünen Schublade liegen, die Herren sehen und lesen nichts und so lässt man den Dingen ihren Lauf. Vielleicht nur deshalb, weil man aus der ganzen Geschichte eine Prestigefrage gemacht hat? Beim Strassenverkehr jedoch, bei dem täglich der Tod auf seine Beute lauert, sollten Prestigefragen zwischen der Behörde X und der Behörde Y keine Rolle spielen dürfen. Das passive Verhalten der bernischen Regierung, trägt sie doch im gesamten die Verantwortung und nicht nur eine Direktion allein, wird dem gemeinen Bürger je länger je weniger verständlich. Durch dieses passive Verhalten und durch die Verzögerung einer dringenden Angelegenheit lädt sich die gesamtbernische Regierung eine Verantwortlichkeit und ein Mitverschulden an den täglich sich häufenden Verkehrsunfällen auf, die sich für sie einmal recht unangenehm auswirken könnten. Aber nicht nur das. Nicht nur politische Vernunft, sondern auch menschliches Gewissen sollten die bernische Regierung endlich dazu führen, der stadtbeniischen Verkehrsordnung Gesetzeskraft zu verleihen. Sfrassen Die Strasse von Gandrla. Nun ist der lange Kampf um die Strasse von Gandria endlich friedlich beigelegt. Der Staatsrat des Kantons Tessin hat die neuen Pläne genehmigt und sie mit dem Gesuch um die Bundessubvention an den Bundesrat weitergeleitet. Damit wird endlich ein alter Wunsch verwirklicht. Schon seit 1860 wurde eine Strasse verlangt, die Lugano mit dem obern Becken des Comersees verbinden soll. 1914 baute Italien eine Fahrstrasse von Porlezza bis Oria dicht an der Schweizergrenze, aber die Fortsetzung auf Schweizergebiet Hess auf sich warten. Wie unsere Leser wissen, konnte man sich lange nicht über dieStrassenführung einigen. Die Tessiner Regierung wollte eine Fahrstrasse dem See entlang bauen. Dagegen protestierten aber weite Kreise unter Führung des Heimatschutzes, da durch eine solche Strasse der wundervolle Hang zwischen Lugano und Gandria zerschnitten worden wäre und das schöne Ufer seinen Reiz verloren hätte. Schliesslich sah dies auch die Tessiner Regierung ein und es wurde ein höher gelegenes Trasse in Vorschlag gebracht. Die Baukosten stiegen dadurch allerdings von einer Million auf 2,6 Millionen Franken. Bei der neuen Linienführung wird auf die Erstellung von Tunnels verzichtet und die Strasse nach Möglichkeit in Einschnitten angelegt. Der romantische Fussweg am Ufer des Sees soll erhalten bleiben. Da die neue Strasse voraussichtlich einen sehr starken Verkehr erhalten wird, prüft die tessinische Baudirektion auch die Anlage einer neuen Strasse zwischen Castagnola und Lugano. Auch ohne diese Entlastungsstrasse wird es in Zukunft möglich sein, in sechs Stunden von Lugano nach St. Moritz zu fahren. g r . Ein guter Fahrer braucht die Bremsen so wenig als möglich. Er reguliert die Geschwindigkeit mit dem Gaspedal und erkennt durch angestrengte Aufmerksamkeit die Gefahren immer zur rechten Zeit.