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E_1929_Zeitung_Nr.079

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Ausgabe? Deutsche

Ausgabe? Deutsche Schweiz. BERN. Freitag 13. September 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° 79 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag • Monatlich „Gelb* Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/ 414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Bundesrat Haberlin über automobilistische Tagesfragen Herr- Bundesrat Häberlin hatte erneut die Freundlichkeit, einem Vertreter der «Automobil-Revue» über verschiedene automobilistische Tagesfragen seine Ansicht kundzugeben. Was das eidgenössische Automobilgesetz anbelangt, teilte er uns folgendes mit: Die Wiederaufnahme der eidgenössischen Automobilgesetzgebung steht in voller Vorbereitung. Der Fragebogen bildet ein ziemlich umfangreiches Dokument, das ein eingehendes Vorwort enthält und auf jeden Artikel des verworfenen Gesetzes näher eintritt. Die Kantone als auch die Automobilverbände werden gebeten, über jeden Artikel ihre Meinung abzugeben, eventuell neue Redaktionsformulierungen vorzuschlagen. Das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement wird die gewiss zahlreich einlaufenden Vorsehläge und Anregungen soweit als irgendwie möglich in Berücksichtigung ziehen und darnach trachten, sie sowohl im Gesetzesentwurf als auch in den Vollziehungsverordnungen zu verankern. Das neue Gesetz soll weniger in die Details, eintreten, da das erste gerade daran gescheitert ist; es soll geschmeidiger werden und sich mehr auf die grossen grundlegenden Prinzipienfragen be- Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. (2. Fortsetzung) schränken. Eine kürzere parlamentarische Behandlung wird übrigens eine der angenehmen Folgen sein. Zur weiteren Behandlung des Gesetzes wird wie üblich eine parlamentarische Kommission beigezogen werden, die jedoch, gestützt auf Erfahrungen, nicht so zahlreich sein wird wie das letzte Mal. Da alle Detailfragen in den Vollziehungverordnungen zu finden sein werden, wird zu deren näheren Behandlung eine grössere Expertenkommission notwendig sein. Durch dieses Vorgehen erhalten die Interessenten dreimal Gelegenheit, in verschiedenen Stadien der Gesetzesbearbeitung sich dazu äussern zu können. Auf eine Frage dahingehend, ob es nicht besser wäre, das kommende Gesetz als Verkehrsgesetz und nicht als Automobilgesetz zu bezeichnen, äusserte sich Herr Bundesrat Haberlin dahin, dass es nicht angängig sei, eine vom Volke vor wenigen Monaten verworfene Konzeption wiederum aufleben zu lassen. Es sei allerdings, zuzugeben, dass der Name «Automobilgesetz » weder der gegenwärtigen Auffassung, welche durch die Motion Lachenal geschaffen wurde, noch den Absichten des Bundesrates entspreche. Gewiss wird man eine träfere -Bezeichnung finden. Das neue Gesetz könnte als «Gesetz über eineV erkehrsordnung auf Strassen,welche dem Automobilverkehr dienen» (Loi reglant la circulation sur les routes servant au trafic automobile) umschrieben werden. Der Titel ist etwas lang, eine konzisere Formel wäre gegeben. Auf die Frage, auf welchen Zeitpunkt das Gesetz abstimmungsreif sein könnte, antwortete Herr Bundesrat Haberlin lächelnd, dass es weniger auf ihn als auf das Parlament, und die Verkehrsinteressenten ankomme. Die Antworten auf den Fragebogen müssen bis zum 31. Dezember beim Departement einge- . langt sein. Dies ist bis jetzt der einzige anzugebende Fixpunkt. Es ist übrigens nicht zu verhehlen, dass die Arbeiten, infolge der heute zahlreichen kantonalen Gesetzgebungen, sich verlängern und komplizierter werden. Vor drei Jahren hatten wir es nur mit dem interkantonalen Konkordate zutun, was die Gesetzgebung ohne Zweifel sehr vereinfachte. Auch wird man die neuen internationalen Vereinbarungen, welche sich seit drei >Jahren ebenfalls stark--vermehrt haben,;Ja Berücksichtigung ziehen müssen. Das Depari tement jedoch geht mit vollem Vertrauen und Tempo an die Arbeit. Eine Frage betreffend Autocar-KonfHkt mit Frankreich, beantwortete Herr Bundesrat Haberlin dahingehend, dass diese Angelegenheit unbedingt vor der Eröffnung der nächsten Touristensaison erledigt sein müsse. Unser Nachbar weiss, dass unser Entgegenkommen nur ein provisorisches ist und nur für das laufende Jahr gilt. Vom 1. Januar 1930 an werden wir uns wieder auf unsere volle Aktionsfreiheit berufen. Die ganze Frage muss von Grund aus eine definitive Lösung finden. Von einem neuen Provisorium für das Jahr 1930 kann nicht die Rede sein. Nach dem Haagener Entscheide werden wir auch nicht dulden, dass die Autocarfrage mit dem Zonenkonflikt in Zusammenhang gebracht wird. Immerhin werden wir die Unterhandlungen im grösstmöglichsten konzilianten Geiste L führen. Der Chef der Sicherheitspolizei war damit beschäftigt, seine Anordnungen zur Ermittlung und Festnahme eines Schwerverbrechers zu treffen, der am vorigen Tag aus dem Gefängnis von Frankfurt a. M. entsprungen war und von dem man bestimmt annahm, dass er, den Nachtschnellzug benützend, am Morgen hier eingetroffen sei. Gerade war die erste Kopie des radio-te!egraphisch übermittelten Bildes über das Signalement geklebt worden. Nun war der Adjunkt damit beschäftigt, auf einem Grammophon die Stimme des Häftlings wiederzugeben, die während des Verhörs in Frankfurt aufgenommen und telephonisch hierher auf die Platte übertragen worden war. Da klopfte es und ein Unterbeamter meldete: «Herr Oberleutnant, Herr Kramer, Schiiftsteller, wünscht Sie zu sprechen.» «Ich bitte ihn, einzutreten.» Als die beiden Herren allein waren, begann Kramer den Grund seines Kommens zu schildern. Er sah übernächtigt aus, seine Sprache war stockend, nur stossweise brachte er sein Anliegen vor: «Ich habe aus den Schriftproben meinet Freunde mit aller Deutlichkeit das Herannahen eines furchtbaren Verbrechens herausgelesen, das mit schauerlich kaltem Gleichmut und scharfem Verstand vorbereitet und mit teuflischem Geschick durchgeführt werden wird. Näheres vermag ich nicht mitzuteilen, aber ich bitte Sie .dringend, die Herren Dr. Fischer, Dr. Beck und Ingenieur Keller zu beschützen.» Kramer hatte dies mit einer Erregung vorgebracht, aus der eine fürchterliche Angst sprach. Der Polizeichef hatte mit Interesse zugehört und Kramer genau beobachtet. Nun begann er: , «Mein lieber Herr, ich sehe, dass Sie sich um das Schicksal Ihrer Freunde ängstigen; ich bemitleide Sie aufrichtig, denn ich weiss, dass Sie leiden. Vielleicht darf ich aber darauf hinweisen, dass eigentlich keine materiellen Grundlagen für Ihre Befürchtungen vorhanden sind. Oder haben die genannten Herren Feinde?... Ach so, keine Freinde, also. Sehen Sie, Herr Kramer, mir scheint, dass Sie die,Zuverlässigkeit Ihrer Eingebung doch etwas überschätzen. Denken Sie, wohin das führen würde, wenn die Polizei auf jede Anzeige mit einem Aufgebot oder mit Detektivarbeit antworten würde, selbst dann, wenn diese Anzeige rein empfindungsgemäss gemacht und nicht mit Beweismitteln gestützt wird. Nun, ich habe mir die Namen und Adressen der betreffenden Herren notiert und werde mein möglichstes tun. die Sicherheit Ihrer Freunde zu erhöhen.» Auch der internationale Fahrausweis bildete Gegenstand des Gesprächs. Herr Bundesrat Haberlin gab seiner Meinung dahin Ausdruck, dass bis zum Schluss dieser Saison es sehr schwer halten würde, irgend etwas in dieser Frage zu unternehmen. Wenn die französische Presse ihren Lesern selbst eine irrige Auffassung beigebracht hat, indem sie ihnen sagte, dass die provisorische Fünftagekarte den internationalen Fahrausweis ersetzen könne, so muss sie diesen Irrtum durch wiederholte Berichtigungen selbst wieder gutmachen. Unsererseits werden wir unsern Grenzorganen erneut die Instruktion erteilen, die französischen Automobilisten darauf aufmerksam zu machen, dass die provisorische Fünftagekarte nur ein Zollpapier ist, das den internationalen Fahrausweis als Polizeidokument nicht ersetzen kann. Sowohl die französisch-schweizerische Uebereinkunft wie auch das Konkordat verlangen vom Automobilisten den Besitz des internationalen Fahrausweises. Es ist zuzugeben, dass dieser internationale Fahrausweis sehr wohl durch den nationalen ersetzt werden könnte, da er durch die gleichen Behörden und nur bei Vorweis des nationalen Fahrausweises ausgestellt wird. Sein Vorteil beruht einzig darin, dass er in allen Sprachen redigiert ist, was einzig die Grenzkontrolle ermöglicht, da man unsern: Organen das Verständnis des Ungarischen oder, des Türkischen nicht zumuten kann?! Dagegen ist die Möglichkeit da, sich mft denjenigen Landern, deren Spräche eine- unserer Nationalsprachen ist, dahin zu einigen, dass der kantonale Fahrausweis in den betreffenden Ländern und dementsprechend derjenige dieser Länder auch bei uns in der Schweiz ohne weiteres seine Gültigkeit haben könnte. Diese im Interesse des internationalen Tourismus liegende Vereinfachung kann leider heute noch nicht durchgeführt werden, da sie nicht in der Kompetenz des Bundes, sondern einzig in derjenigen der Kantone liegt. Das verworfene Automobilgesetz enthielt übrigens einen diesbezüglichen Artikel. Das kommende neue Gesetz Kramer dankte und ging. Er irrte ziellos in den Strassen umher. Die Angst hetzte ihn weiter, Hilfe hatte er keine oder nur ungenügende bekommen; oder war er wirklich zu weit gegangen? Er war schon als Knabe ein Phantast gewesen. Sollte vielleicht doch sein seelisches Temperament ihn genarrt haben? Es konnte nicht sein. Ohne Mittagessen ging er auf sein Zimmer und warf sich auf das Bett. Ein unruhiger Schlaf überfiel den Uebermüdeten. Erst gegen Abend erwachte er. INSEPTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern wird diesen Artikel wiederum aufnehmen müssen. Unsere Automobilisten und die am Tourismus interessierten Kreise können versichert sein, dass wir diese Frage im Auge behalten werden. Wir möchten Herrn Bundesrat Haberlin für die Bereitwilligkeit des gewährten Interviews und für die uns gemachten Erklärungen, welche die grosse schweizerische Automobilgemeinde sicherlich mit grossem Interesse entgegennehmen wird, nochmals den besten Dank aussprechen. Unerfreuliches. Ein Grossteil der Tagespresse kann nicht umhin, jeweilige Automobilünfälle unter aufsehenerregenden Titeln, wie bespielsweise «Das mörderische Automobil», «Der Totentanz auf der Strasse» usw. ihren Lesern vorzutischen. Verkehrsunfälle unserer Bahnen werden dagegen gewöhnlich in möglichst unauffälliger Weise publiziert, trotzdem sie sich gerade in letzter Zeit in auffallender Weise häufen. Erst vor wenigen Tagen erfolgte wiederum ein Zugszusammenstoss bei Leuzingen (Kt. Bern), bei dem es ca. 25 Verletzte gab und der, nach verschiedenen Meldungen, einem Fehler des Fahrpersonals zuzuschreiben ist. Glücklicherweise müssen, wie bei den vorangegangenen Unfällen, keine Menschenopfer beklagt werden. Eine ganz besondere Rolle spielen leider noch die unbewachten Bahnübergänge, von denen bald tagtäglich zu lesen ist. So wurde kürzlich ein 67jähriger Mann beim Passieren des unbewachten Bahnüberganges in Lauperswil (Kt. Bern) durch die Lokomotive eines Personenzugs erfasst und mitgeschleppt. Der Unglückliche erlitt einen Schädelbruch und weitere Verletzungen, an deren Folgen er kürze Zeit nach Einlieferung ins Krankenhaus Langnau starb. So hat der unbewachte • Bahnübergang: wiederum ein Menschenopfer gekostet. Die Presse hat davon berichtet, ob aber wirklich Remedur geschaffen wird, ist eine andere Frage. Andere Vorfälle sind uns bekannt geworden. An einem Bahnübergang wurde ein Schnellzug signalisiert. Die Barriere aber wurde nicht geschlossen, da, wie sich nachher herausstellte, der diensttuende Streckenwärter in einem Schnapsrausch im Wärterhäuschen schlief. Der Lokomotivführer, welcher die Pflicht gehabt hätte, den Vorfall seinen Oberbehörden .anzuzeigen, unterliess jegliche Meldung. Auf Anzeige eines Privaten hin konnte der Streckenwärter gemäss Reglement nur mit Fr. 1.— Busse gestraft werden! Ein unglücklicher Zufall hätte es fügen können und an jenem Orte und zu jener Zeit hätten vielleicht mehrere Menschen die Nachlässigkeit des Angestellten mit dem. Tode büssen müssen. Ein Gegenbeispiel hierzu wirkt drastisch. In der Nähe einer andern Station befindet sich ein Privatübergang, welcher einem Mizzi Dorn, die junge, blonde Operetten- Soubrette des Stadthteaters, räckelte sich auf dem Diwan ihres elegant eingerichteten Boudoirs. Sie strampelte unzufrieden, wie ein schlecht erzogenes Kind, mit ihren schlanken Beinen, von denen des allzu kurzen Kleidrs wegen reichlich wenig unsichtbar war. Er kam wieder zu spät; ja, das Geschäft und immer wieder das Geschäft; und doch war dieses Uebel notwendig, damit ihr Freund alle ihre tausend Wünsche erfüllen konnte. Er war ja gut zu ihr; schade, dass jenes prickelnde Verlangen, das sie in den ersten drei Wochen ihrer Bekanntschaft für ihn empfunden hatte, so rasch verflogen war; oder galt etwa schon jenes süsse Hoffen mehr seiner spendenden Hand als seinem Herzen? Mizzi konnte diese Frage nicht entscheiden, sicher war nur, dass heute für sie der Freund nicht mehr als ein angenehmer Unterhalter und der Spender sehr beträchtlicher Mittel war. Wie konnte das auch so kommen? Er war hübsch, gepflegt, ein Mann in den besten Jahren; aber eben diese besten Jahre! Da war doch der junge, schnittige Fliegeroffizier viel rassiger und begehrenswerter, aber das klingende Glück war zum Teil an ihm vorbei, zum Teil längst aus seiner Hand gerollt. Ein Blick über die /ornehme Ausstattung ihrer Wohnung zeigte ! hr, dass sie den Bankier brauchte. Sie konnte ohne Luxus, ohne sehr viel Luxus, nicht leben; ihre Neigung zum jüngeren-Marin konnte ja trotzdem zu ihrem Rechte kommen. Es klopfte. Das Mädchen meldete Fritz Kraft. Er sah schlecht aus, Eine steile Falte lag zwischen seinen Augen. «Guten Abend, Mizzi.» «Guten Abend, Herr Baron, du kommst wieder zu spät und denkst nicht daran, dass ich mich zu Hause langweile.» «Ich bitte um Entschuldigung, ich hatte Arbeit.» «Ja ja, du hast immer Arbeit, wenn du bef mir sein solltest.» «Höre, Mizzi, es wäre viel angezeigter, wenn du ein einziges Mal versuchen würdest, an mich zu denken. Wenn du nicht den letzten Rest von Weiblichkeit verloren hättest, würdest du mir ansehen, dass ich heute keiner Vorwürfe, sondern eher einer sanften Hand bedarf.» «Wünschen der Herr Baron, dass 1i°se sanfte Hand mit Mütterlichkeit das

Bauerngute zur Bewirtschaftung der zu beiden Seiten des Trasses liegenden Grundstücke dient. Eines schönen Tages vergassen die Buben des Bauern die Barriere zu schliessen. Die Bahn erhob sofort Klage und der Grundbesitzer wurde wegen Gefährdung des Bahnbetriebes mit einer Busse von 20 Franken bestraft! Die beiden Fälle zeigen wohl mit aller Deutlichkeit, dass von einer Rechtsgleichheit nicht mehr die Rede sein kann. Es scheint, dass die Oberbehörden unserer Bundesbahnen gegen Nachlässigkeiten ihrer Untergebenen nur schwer aufzukommen vermögen und dass schärfere Bestimmungen fehlen, um diesen gefährlichen Nachlässigkeiten mit Erfolg auf den Leib rücken zu können. Unsere Bahnen und unser Bahnpersonal gemessen einen guten Ruf. Wir möchten diesem guten Rufe keineswegs zu nahe treten. Aber durch die sich in letzter Zeit häufenden Nachlässigkeiten und der dabei vorkommenden Unfälle könnte diesem guten Ruf doch einmal Abbruch geschehen. Mit dem noli me tangere, mit schönen Reden und mit Beweihräucherung ist es nicht getan. Wenn man beispielsweise die drakonischen Strafen in Erwägung zieht, denen der Automobilist tagtäglich ausgesetzt ist, wenn man an die Verschärfung der Haftpflicht denkt, so ist vielleicht die Forderung nicht so unbescheiden zu nennen, dass auch der Beamte, der seiner Pflicht nicht genügt und sich Nachlässigkeiten zuschulden kommen lässt, etwas schärfern Disziplinarstrafen unterstellt wird als es jetzt der Fall ist. Immer deutlicher zeigt es sich, dass mit der sich ändernden Struktur unseres Staates der selbständig erwerbende Bürger viel rigoroseren Strafbestimmungen ausgesetzt wurde als der im Dienst des Staates stehende Beamte, vor dessen Organisation die obern Instanzen zurückzuschrecken scheinen und sich damit in der Ausübung ihrer Funktionen lahmlegen lassen. D Neuer Zusammenstoss zwischen Bahn und Auto. Dr. med. Buob In Laupen tödlich verunglückt. Obiger Artikel war bereits niedergeschrieben, als uns die Kunde zukam, dass am 11. September, morgens, beim unbewachten Bahnübergang Saanebrücke der Sensetalbahn das Automobil des Herrn Dr. med. Buob mit dem herannahenden Zug zusammengestossen sei. Der Bahnübergang, der sich durch seine Unübersichtlichkeit besonders auszeichnet und schon früher zu tödlichen Unfällen Anlass gab, hat somit wiederum ein Menschenopfer gekostet und einem hervorragenden Arzt den frühzeitigen Tod gebracht. Das Automobil wurde eine Strecke weit mitgeschleift und vollständig zerstört. Dr. med Buob war auf der Stelle tot. Er hinterlässt eine junge Frau mit vier kleineu Kindern. Man muss sich wirklich fragen, wie lange der Bund die unverständliche Tatenlosigkeit, die jährlich immer zahlreichere Menschenopfer kostet, dulden will. Der Bundesrat hat eine neue Verordnung über den Abschluss und die Signalisierung der Niveaukreuzungen der Eisenbahnen mit öffentlichen Strassen und Wegen erlassen. , Diese Verordnung ist am 1. Juni 1929 in Kraft getreten, es scheint jedoch, dass man ihr leider noch nicht in allen Teilen nachlebt. Zur Kennzeichnung der gänzlich unbewachten Uebergänge ist einheitlich ein Kreuzsignal, dessen Arme einen roten Rand und ein weisses Feld besitzen, vorgeschrieben. Die Praxis zeigt, dass diese Vorschrift nicht genügt und dass in Art. 3 des Bahnschwere Haupt poliere, oder ist bei dieser Tätigkeit eher mädchenhafte Schüchternheit oder rassige Teufelei erwünscht?» «Ich kann ja gleich wieder gehen.» «Nein, bleib doch, sei nicht so empfindlich, man wird dich doch necken dürfen.» «Schön, necke mich. Man kann ja von euch jungen Nachkriegsweibern nicht mehr erwarten.» «Du hör, lieber Fritz, die Rechnung des Schneiders ist gekommen; auch sonst sollte ich noch Geld haben. Bist du heute wohl der liebe Baron und schenkst mir was?» Kraft ärgerte sich diesmal über die Art seiner Freundin, wie sie ihn unmittelbar nach einem Wortgefecht um Geld bat. Er war ja allerdings etwas barsch gewesen, das war wahr. Nun gut, er gab ihr eine nette Anzahl blauer Scheine, Hess sich küssen, blieb noch eine Viertelstunde und ging dann früher als sonst heim. Er war verstimmt, nicht zuletzt aus dem Grunde, weil er klar erkannte, dass er eine unwürdige Rolle gespielt hatte. Zuerst Hess er sich gehen, dann erkaufte er die Stimmung mit Geld und empfing Küsse, die nicht ihm, sondern bloss dem freigebigen Spender galten; und was das Schlimmste war, er liebte dieses Mädchen, das ihn aus nützte. (Fortsttzant folgtJ Ein frecher Raubüberfall bei Balsthal hat die Gemüter in gerechte Aufwallung gebracht. Der Vorfall darf allen Automobilisten zur strengen Warnung dienen, ist ihm doch dabei ein angesehener Arzt und Automobilist zum Opfer gefallen. Der bekannte Spezialist in Ettingen, Dr. med. Schaub, hatte die Freundlichkeit, der Bitte dreier jungen Individuen Gehör zu schenken und sie in seinem Auto über den obern Hauenstein nach Holderbank mitzuführen. Dieses freundliche Entgegenkommen sollte jedoch der Automobilist schwer büssen. Kaum waren die drei jungen Leute eingestiegen, als der 22jährige Rohling Benjamin Ackermann sich des Volants bemächtigte und den Wagen in einen Seitenweg lenkte, wo er den Automobilführer mit einem Mrlitärmesser aufs schwerste behandelte, hernach den Ueberfallenen aus dem Auto herausriss und den Schwerverletzten etwa 50 Meter weit bis zur Hauptstrasse schleppte, um den bereits Bewusstlosen noch schwer zu misshandeln. Der in seinem Blute liegende Dr. med. Schaub wurde vom Bärenwirt in Langenbruck in die Klinik des Pistolenmeisters Dr. med. Schnyder nach Balsthal zur ersten Behandlung transportiert. Der Ueberfallene wies ein Dutzend Messerstiche im Gesicht und etwelche in der Brustgegend auf und ist auf diese Art das Opfer seiner Menschenfreundlichkeit und Wohlmeinenheit geworden. Der grauenhafte Vorfall wird ohne Zweifel allen Automobilisten zur Warnung dienen. Jeder Automobilist wird gut tun, besonders wenn er allein fährt, mit der Aufnahme von fremden Passagieren sehr vorsichtig zu sein und sich seine Leute gut anzusehen, bevor er sich in Ungewisse Gefahren begibt. Es ist leider nicht das erstemal, dass Automobilisten das Opfer ausgedachter Polizeigesetzes auch die Bahn dazu angehalten werden sollte, das ihre zur Verkehrssicherheit beizutragen. Bei etwas gutem Willen wäre es sicher möglich, die Uebergänge der S. T. B. bei Laupen und Neuenegg von den nahen Stationen aus zu bedienen und damit einem grossen Gefahrenmoment zuvorzukommen. Wenn die Bahnen nicht von sich aus zur Einsicht gelangen, dass auch sie zur Verkehrssicherheit beizutragen haben, so sind sie eben dazu gesetzlich zu zwingen. Auf alle Fälle hoffen wir, das eidgenössische Einsenbahndepartement werde dafür sorge tragen, dass den neuesten Vorschriften über die Signalisierung von Bahnübergängen strikte Folge gegeben wird. «Automobil-und Verkehrsdienst mit Italien». Unter diesem Titel durchlief eine Agenturmeldung aus Rom die Schweizer Presse, die besagte, dass zwischen einer schweizerischen und einer italienischen Delegation eine Vereinbarung über den Automobil- und Verkehrsdienst der beiden Länder getroffen worden sei. Danach sei im öffentlichen Autocars- und Automobildienst der Grundsatz der Gleichberechtigung angenommen worden. Die Zeitung «Tevere» fügte bei : «Die Schweiz hatte zuerst für alle die Grenze passierenden Automobile einen Kilometerzoll von 25 Rappen verlangt. Die italienische Delegation machte demgegenüber darauf aufmerksam, dass diese Massnahme für den Automobilverkehr und den Verkehr überhaupt schwere Beeinträchtigungen nach sich ziehen würde, da sich Italien dann seinerseits in die Notwendigkeit versetzt sehen würde, gleiche Massnahmen zu treffen.» ' Weder die Agenturmeldung, noch das, was die italienische Zeitung zu schreiben weiss, treffen den Kern der Sache. Die Mitteilungen sind in der dargebrachten Form irreführend. Am 4. August haben zwischen einer italienischen und einer schweizerischen Delegation in Bern punkto Autocarverkehr Verhandlungen stattgefunden. Im neuen italienischen Automobilgesetz sind nämlich besondere Bestimmungen vorhanden, welche ausländische Autocars-Besltzer zwingen können, ihre Wagen in Mailand einer italienischen Automobilkontrolle vorführen zu müssen. Im fernem sieht das Gesetz vor, den Uebertritt fremder Autocarswagen von einer italienischen Fahrbewilligung abhängig zu machen. Diese Bestimmungen sind rigoros genug, um beispielsweise den tessinischen Autocarsbesitzern schweren Schaden zuzufügen. Auch in diesen schweizerisch-italienischen Verhandlungen erwies sich nun Paragraph 9 der Post-Konzession B, welcher für ausländische Inhaber eine Zuschlaggebühr von 25 Rappen pro Wagenkilometer vorsieht, als" AUTOMOBIL-REVUE 1Ö29 — N°79 Eine Warnung. Raubüberfälle geworden sind. Die sich in letzter Zeit mehrenden Fälle mahnen zur Vorsicht und zum Aufmerken. Der an und für sich schöne Brauch, dann und wann müde Fussgänger, vom Felde heimkehrende Bauern usw. zum Fahren einzuladen, mag vielleicht zur Popularisierung des Automobils viel beigetragen haben. Mancher Automobilist, der sich zum Mitnehmen einer ihm fremden Person bewegen Hess, mag eine gute Tat vollbracht haben. Das Betteln um Mitfahren scheint jedoch direkt zum Unfug ausarten zu wollen. Im Interesse derStrassensicherheit und der Strassendisziplin muss deshalb vor dem Mitnehmen unbekannter Personen gewarnt werden. Nur zu oft begibt sich damit der Automobilist in persönliche Gefahr und leistet den sich ständig mehrenden Strolchenfahrten Vorschub. Es ist nicht zu verkennen, dass mit der Wiederbelebung der Landstrasse auch eine Gattung Mensch grossgezogen wurde, die die Strasse als neues Eldorado ihrer abenteuerlichen und verbrecherischen Absichten und Pläne anspricht. Es stehen nun die kantonalen Polizeidirektoren vor einer dankbaren Aufgabe. Auch der Automobilist hat Recht auf Schutz. Bis heute hatte «s die Polizei meistenteils nur auf die automobilfahrenden Strassenbenützer abgesehen und begnügte sich vor allem mit versteckten Geschwindigkeitskontrollen, um dem Fahrer seine Börse zu erleichtern und Gemeinde- und Staatssäckel zu füllen. Wir sind der Ansicht, dass den kantonalen Polizeikorps durch die Wiederbelebung der Landstrasse eine weit bedeutendere Rolle zukommt. Die kantonalen Polizeidirektoren mögen ihre Polizei in Uniform auf die Strasse stellen, ihre fliegenden Automobilkontrollen in eigentlichen Strassenkontrollen umwandeln, ihr Augenmerk nicht nur auf den Automobilisten richten, sondern auch die andern Strassenbenützer schärfer unter die Lupe nehmen. Ihre Hauptaufgabe liegt in der allseitigen Garantie der Strassensicherheit und darin, Rohlinge und Abenteurer von der Strasse fernzuhalten. Der empörende Raubüberfall bei Balsthal wird hoffentlich den PolizeioTganen ihre neue dringende Aufgabe klar vor Augen geführt haben. K. • * * geeignete Verhandlungswaffe. Die Besprechungen brachten vollständige Einigung, indem die Italiener den Verzicht aussprachen, auf schweizerische Autocarsbesitzer das italienische Automobilgesetz anzuwenden und die Schweiz dafür diese berühmt gewordenen 25 Rappen gegenüber italienischen Autocarsbesitzern ebenfalls fallen Hess. Die Agenturmeldung ist wohl auf die Ratifikation dieser Vereinbarung durch den italienischen Staat zurückzuführen. Wir können verraten, dass Ende September oder anfangs Oktober zwecks Bereinigung weiterer Automobilfragen eine neue Konferenz zwischen den beiden Staaten stattfinden wird. So wrrd heute beispielsweise allen Schweizer Automobilisten in Italien ein steuerfreier Aufenthalt von 90 Tagen zugestanden. Nach dieser Dauer setzt die Steuerpflicht ein. Auch gilt die Steuerfreiheit nur für eine ununterbrochene Reihenfolge von 90 Tagen, währenddem die italienischen Fahrer diese 90 Tage auf das ganze Jahr verteilen können, beispielsweise also 90 mal die Schweizergrenze steuerfrei überschreiten dürfen. Eine genaue Vereinbarung in Form eines Staatsvertrages muss die jetzt noch ungesetzlichen Zustände festlegen, wobei selbstverständlich von Seite der Schweiz auf ein völliges Gleichheitsverhältnis gedrungen werden wird. Die Lösung weiterer Fragen ist vorgesehen» Auf sie bereits heute einzutreten, wäre aus verschiedenen Gründen verfrüht. -t. Wünsche aus der Bieler Gegend. Einer der schönsten Punkte der Schweiz ist unbestritten der Bielersee, und es ist nicht zu verwundern, wenn vom Frühling bis in den Spätherbst hinein die Zahl der Besucher der Bielerseegegend gewaltig zunimmt. Nicht nur mit der Bahn oder zu Fuss, sondern namentlich mit Motorfahrzeugen kommen die Freunde der malerischen Gestade hierher und namentlich die Automobilisten sind In den Hotels und Restaurants der verschiedenen Dörfer gern gesehene Gäste: sie bringen Leben und Verdienst in eine Gegend, die zum grossen Teil ihrsn Erwerb schwer genug aus dem so itark auf die Witterungsverhältnisse angewiesenen Ertrag der Reben herauswirtschaften muss. Jetzt, wo die Jurahänge bunter werden und der Herbst immer sichtbarer ins Land zieht, rüstet der Weinbauer zum «Leset». Wenn die Ernte dieses Jahr auch quantitativ nicht besonders Grosses erwarten lässt, so wird der Wein doch qualitativ recht hoch stehenl Sobald der Bettag vorüber ist, hebt am Bielersee ein besonders reges Leben an: die Lesetsonntage beginnen! Sieben Wochen lang, namentlich aber an Sonntagen, zieht Jung und Alt traditionsjemäss die linke Bielerseegegend hinauf und bei Wein, Fisch, Musik und Tanz lässt man es sich gütlich sein. Die linksufrige Bielerseestrasse, die täglich von vielen Hunderten von Motorfahrzeugen benutzt wird, entspricht, wenigstens was den Strassenbelag anbetrifft, den heutigen Anforderungen. Dagegen gibt es noch Stellen, die zu schmal sind und Kurven, die sohon lange übersichtlicher hätten gemacht werden sollen. Auf dieser Strasse jedoch, auf welcher die Automobilisten täglich verkehren, haben sie, die dem Staat so viele Abgaben entrichten dürfen, an den Nachmittagen der Lesetsonntage kein Recht. Und wer von auswärts mit seinem Wagen nach Biel kommt — und zahlreich sind in der ganzen Schweiz die Freunde der Bielerseegegend — der darf ihn hübsch in Biel stehen lassen und zu Fuss dem See entlang bummeln. Eine an den heutigen Verkehrsverhältnissen gemessene rückständige Verordnung will das so. Aber mit diesem Fahrverbot dürfte man ohne weiteres abfahren! Denn wenn auch zugegeben werden muss, dass die Strasse, wenigstens an einigen Stellen, für einen stark vermehrten Verkehr, wie ihn die sieben Lesetsonntage aufweisen, schmal ist, so bildet das Fahren der Automobile mit einer festgelegten und kontrollierten Maximalgeschwindigkeit von zirka 25 Kilometer an den Nachmittagen weitaus weniger Gefahren als am Abend. Zudem könnte man durch das Freigeben des Verkehrs mit festgelegter Maximalgeschwindigkeit an den Sonntagnachmittagen jener anderen grossen Gefahr vorbeugen, dass durch das Warten am Abend Hunderte von Automobilen miteinander zirkulieren wollen. Wenn es kompetenten Ortes nicht an gutem Willen fehlt, so sollte man dazu kommen, dieses rückständige Fahrverbot aufzuheben. Durch das Einbahnsvstem könnte man mithelfen, Verkehrsstörungen tunlichst zu verhindern; die Autos müssten — wie das übrigens auch die meisten Bewohner der Seegegend wünschen — auf dem linken Ufer hinauf- und auf dem rechten Ufer zurückfahren. Als Parkstellen könnten sowohl in Tüscherz, als auch in Twann die Plätze beim Bahnhof dienen. — •Wenn die rechtsufrige Strasse sich auch in recht bösem Zustand befindet und ein Korrespondent im Bieler «Express» sie mit vollem Recht ala geradezu skandalös bezeichnet, so dürfte gerade ein vermehrter Verkehr vielleicht die Möglichkeit schaffen, dass sie schneller in einen würdigeren Zustand gesetzt wird. Der Kanton Bern sollte sich, sicher schämen, an einem der schönsten Schweizerseen entlang einen solchen ...Staubgraben zu haben, der vom Staat angeblich betreut werden soll. Schon im Interesse der Anwohner von Sutz, Lattrigen, Täuffelen usw. und der Volksgesundheit muss diese Strasse im kommenden Winter instandgeslellt werden! — Es ist zuzugeben, daes durch die gewaltige Entwicklung des Motorfahrzeugverkehrs nicht alles so rasch gemacht werden konnte, wie es notwendig wäre und wie es Herr Regierungsrat Bösigor sicher auch gerne ausführen lassen möchte. Aber als alter Bieler wird er sicher auch sein Möglichstes tun, damit den berechtigten Wünschen der Bewohner an beiden Seeufern Rechnung getragen wird! Ihres Dankes darf er im voraus versichert sein! — R, Karossfer Jean Gygax f. Wieder hat der Tod einem der Pioniere der schweizerischen Automobilindustrie das Lenkrad für immer aus der Hand gewunden. Jean Gygax, der Seniorchef der bekannten Bieler Karosseriewerke, ist vergangenen Montag einem Schlaganfall erlegen. Herr Gygax war Self-made-man. Drüben im Seeland war seine Heimat; in der Dorfschmiede von Seeberg hat der aufgeweckte Junge den Grundstock seines Berufes und Könnens gelegt; dort fussten die Wurzeln für Schaffen und Erfolg seiner Lebensaufgabe : unermüdlicher Fleiss, seltene berufliche Geschicklichkeit und eine durch und durch gehende Rechtschaffenheit. In den 80er Jahren zog er auf die Wanderschaft; von Neuenburg ging's nach Genf, später nach Paris. Seine meisterhafte Beherrschung des Französischen ist vor allem jenen damaligen Wanderjahren zu verdanken, die ihm auch den Horizont zu beruflicher Fortbildung weiteten. Das dem Schmiedehandwerk nahestehende Metier des Karossiers erlernte Jean Gygax in Pariser Häusern von Weltruf; dort bildete sich auch sein Formgefühl und sein hervorragendes Verständnis für die Technik des Fahrzeugbaues heran, Eigenschaften, die im Laufe der Jahre selbstschöpferisch an dem fortschreitenden Ausbau der modernen Automobilformen mitwirkten. Im Jahre 1890 machte sich Jean Gygax in Biel selbständig; er hatte es damals noch mit den Pferdekutschen zu tun; manch eleganter Landauer oder pompöse Herrschaftskutsche ist in jener Zeit aus der Werkstatt hervorgegangen, die klein aber auf gesunder Grundlage der Erstlingsjahre emporwuchs. Um die Jahrhundertwende erlebte Jean Gygax die Anfänge des Automobils; er hat hellen Auges damals schon die Bedeutung des modernen Fahrzeuges erfasst und sich demselben mit Begeisterung zugewendet. Jean Gygax war tatsächlich einer der Schweizer Pioniere des Automobils. Selbst ein leidenschaftlicher Fahrer und Probier, karossierte er sich vor mehr als 30 Jahren eines der ersten Chassis, das nach der Schweiz kam. Mit Elan nahm er diesen Zweig in sein junges Geschäft auf, emanzipierte sich bald vom Pferdefuhrwerk und schuf Automobilkarosserien, die sich hinsichtlich Form und Güte grossen Rufes erfreuten und rasch im In- und Auslande Absatz fanden. Aber auch das Nutzfahrzeug hat Herr Gygax von allem Anfang an ins Interesse gezogen; zahlreiche Last- und Lieferungswagen sind in jenem ersten Jahrzehnt schweizerischer Au« tomobilindustrie aus den sich weitenden Bieler Werkstätten hervorgegangen. Damals arbeitete Jean Gygax vielfach Hand in Hand mit der benachbarten Automobilfabrik Martini in St. Blaise; Dutzend« jener vorzügli-i chen Martini-Wagen, die ums Jahr 1910 herum entstanden und heute noch, nach bald 20 Jahren, ihren Dienst versehen, tragen noch die Reste unverwüstlicher Gygax-Karosserie auf sich. In den ersten Automobil-Ausstellungen In Genf und Zürich bildeten die von Jean Gygax