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E_1929_Zeitung_Nr.079

E_1929_Zeitung_Nr.079

Bauerngute zur

Bauerngute zur Bewirtschaftung der zu beiden Seiten des Trasses liegenden Grundstücke dient. Eines schönen Tages vergassen die Buben des Bauern die Barriere zu schliessen. Die Bahn erhob sofort Klage und der Grundbesitzer wurde wegen Gefährdung des Bahnbetriebes mit einer Busse von 20 Franken bestraft! Die beiden Fälle zeigen wohl mit aller Deutlichkeit, dass von einer Rechtsgleichheit nicht mehr die Rede sein kann. Es scheint, dass die Oberbehörden unserer Bundesbahnen gegen Nachlässigkeiten ihrer Untergebenen nur schwer aufzukommen vermögen und dass schärfere Bestimmungen fehlen, um diesen gefährlichen Nachlässigkeiten mit Erfolg auf den Leib rücken zu können. Unsere Bahnen und unser Bahnpersonal gemessen einen guten Ruf. Wir möchten diesem guten Rufe keineswegs zu nahe treten. Aber durch die sich in letzter Zeit häufenden Nachlässigkeiten und der dabei vorkommenden Unfälle könnte diesem guten Ruf doch einmal Abbruch geschehen. Mit dem noli me tangere, mit schönen Reden und mit Beweihräucherung ist es nicht getan. Wenn man beispielsweise die drakonischen Strafen in Erwägung zieht, denen der Automobilist tagtäglich ausgesetzt ist, wenn man an die Verschärfung der Haftpflicht denkt, so ist vielleicht die Forderung nicht so unbescheiden zu nennen, dass auch der Beamte, der seiner Pflicht nicht genügt und sich Nachlässigkeiten zuschulden kommen lässt, etwas schärfern Disziplinarstrafen unterstellt wird als es jetzt der Fall ist. Immer deutlicher zeigt es sich, dass mit der sich ändernden Struktur unseres Staates der selbständig erwerbende Bürger viel rigoroseren Strafbestimmungen ausgesetzt wurde als der im Dienst des Staates stehende Beamte, vor dessen Organisation die obern Instanzen zurückzuschrecken scheinen und sich damit in der Ausübung ihrer Funktionen lahmlegen lassen. D Neuer Zusammenstoss zwischen Bahn und Auto. Dr. med. Buob In Laupen tödlich verunglückt. Obiger Artikel war bereits niedergeschrieben, als uns die Kunde zukam, dass am 11. September, morgens, beim unbewachten Bahnübergang Saanebrücke der Sensetalbahn das Automobil des Herrn Dr. med. Buob mit dem herannahenden Zug zusammengestossen sei. Der Bahnübergang, der sich durch seine Unübersichtlichkeit besonders auszeichnet und schon früher zu tödlichen Unfällen Anlass gab, hat somit wiederum ein Menschenopfer gekostet und einem hervorragenden Arzt den frühzeitigen Tod gebracht. Das Automobil wurde eine Strecke weit mitgeschleift und vollständig zerstört. Dr. med Buob war auf der Stelle tot. Er hinterlässt eine junge Frau mit vier kleineu Kindern. Man muss sich wirklich fragen, wie lange der Bund die unverständliche Tatenlosigkeit, die jährlich immer zahlreichere Menschenopfer kostet, dulden will. Der Bundesrat hat eine neue Verordnung über den Abschluss und die Signalisierung der Niveaukreuzungen der Eisenbahnen mit öffentlichen Strassen und Wegen erlassen. , Diese Verordnung ist am 1. Juni 1929 in Kraft getreten, es scheint jedoch, dass man ihr leider noch nicht in allen Teilen nachlebt. Zur Kennzeichnung der gänzlich unbewachten Uebergänge ist einheitlich ein Kreuzsignal, dessen Arme einen roten Rand und ein weisses Feld besitzen, vorgeschrieben. Die Praxis zeigt, dass diese Vorschrift nicht genügt und dass in Art. 3 des Bahnschwere Haupt poliere, oder ist bei dieser Tätigkeit eher mädchenhafte Schüchternheit oder rassige Teufelei erwünscht?» «Ich kann ja gleich wieder gehen.» «Nein, bleib doch, sei nicht so empfindlich, man wird dich doch necken dürfen.» «Schön, necke mich. Man kann ja von euch jungen Nachkriegsweibern nicht mehr erwarten.» «Du hör, lieber Fritz, die Rechnung des Schneiders ist gekommen; auch sonst sollte ich noch Geld haben. Bist du heute wohl der liebe Baron und schenkst mir was?» Kraft ärgerte sich diesmal über die Art seiner Freundin, wie sie ihn unmittelbar nach einem Wortgefecht um Geld bat. Er war ja allerdings etwas barsch gewesen, das war wahr. Nun gut, er gab ihr eine nette Anzahl blauer Scheine, Hess sich küssen, blieb noch eine Viertelstunde und ging dann früher als sonst heim. Er war verstimmt, nicht zuletzt aus dem Grunde, weil er klar erkannte, dass er eine unwürdige Rolle gespielt hatte. Zuerst Hess er sich gehen, dann erkaufte er die Stimmung mit Geld und empfing Küsse, die nicht ihm, sondern bloss dem freigebigen Spender galten; und was das Schlimmste war, er liebte dieses Mädchen, das ihn aus nützte. (Fortsttzant folgtJ Ein frecher Raubüberfall bei Balsthal hat die Gemüter in gerechte Aufwallung gebracht. Der Vorfall darf allen Automobilisten zur strengen Warnung dienen, ist ihm doch dabei ein angesehener Arzt und Automobilist zum Opfer gefallen. Der bekannte Spezialist in Ettingen, Dr. med. Schaub, hatte die Freundlichkeit, der Bitte dreier jungen Individuen Gehör zu schenken und sie in seinem Auto über den obern Hauenstein nach Holderbank mitzuführen. Dieses freundliche Entgegenkommen sollte jedoch der Automobilist schwer büssen. Kaum waren die drei jungen Leute eingestiegen, als der 22jährige Rohling Benjamin Ackermann sich des Volants bemächtigte und den Wagen in einen Seitenweg lenkte, wo er den Automobilführer mit einem Mrlitärmesser aufs schwerste behandelte, hernach den Ueberfallenen aus dem Auto herausriss und den Schwerverletzten etwa 50 Meter weit bis zur Hauptstrasse schleppte, um den bereits Bewusstlosen noch schwer zu misshandeln. Der in seinem Blute liegende Dr. med. Schaub wurde vom Bärenwirt in Langenbruck in die Klinik des Pistolenmeisters Dr. med. Schnyder nach Balsthal zur ersten Behandlung transportiert. Der Ueberfallene wies ein Dutzend Messerstiche im Gesicht und etwelche in der Brustgegend auf und ist auf diese Art das Opfer seiner Menschenfreundlichkeit und Wohlmeinenheit geworden. Der grauenhafte Vorfall wird ohne Zweifel allen Automobilisten zur Warnung dienen. Jeder Automobilist wird gut tun, besonders wenn er allein fährt, mit der Aufnahme von fremden Passagieren sehr vorsichtig zu sein und sich seine Leute gut anzusehen, bevor er sich in Ungewisse Gefahren begibt. Es ist leider nicht das erstemal, dass Automobilisten das Opfer ausgedachter Polizeigesetzes auch die Bahn dazu angehalten werden sollte, das ihre zur Verkehrssicherheit beizutragen. Bei etwas gutem Willen wäre es sicher möglich, die Uebergänge der S. T. B. bei Laupen und Neuenegg von den nahen Stationen aus zu bedienen und damit einem grossen Gefahrenmoment zuvorzukommen. Wenn die Bahnen nicht von sich aus zur Einsicht gelangen, dass auch sie zur Verkehrssicherheit beizutragen haben, so sind sie eben dazu gesetzlich zu zwingen. Auf alle Fälle hoffen wir, das eidgenössische Einsenbahndepartement werde dafür sorge tragen, dass den neuesten Vorschriften über die Signalisierung von Bahnübergängen strikte Folge gegeben wird. «Automobil-und Verkehrsdienst mit Italien». Unter diesem Titel durchlief eine Agenturmeldung aus Rom die Schweizer Presse, die besagte, dass zwischen einer schweizerischen und einer italienischen Delegation eine Vereinbarung über den Automobil- und Verkehrsdienst der beiden Länder getroffen worden sei. Danach sei im öffentlichen Autocars- und Automobildienst der Grundsatz der Gleichberechtigung angenommen worden. Die Zeitung «Tevere» fügte bei : «Die Schweiz hatte zuerst für alle die Grenze passierenden Automobile einen Kilometerzoll von 25 Rappen verlangt. Die italienische Delegation machte demgegenüber darauf aufmerksam, dass diese Massnahme für den Automobilverkehr und den Verkehr überhaupt schwere Beeinträchtigungen nach sich ziehen würde, da sich Italien dann seinerseits in die Notwendigkeit versetzt sehen würde, gleiche Massnahmen zu treffen.» ' Weder die Agenturmeldung, noch das, was die italienische Zeitung zu schreiben weiss, treffen den Kern der Sache. Die Mitteilungen sind in der dargebrachten Form irreführend. Am 4. August haben zwischen einer italienischen und einer schweizerischen Delegation in Bern punkto Autocarverkehr Verhandlungen stattgefunden. Im neuen italienischen Automobilgesetz sind nämlich besondere Bestimmungen vorhanden, welche ausländische Autocars-Besltzer zwingen können, ihre Wagen in Mailand einer italienischen Automobilkontrolle vorführen zu müssen. Im fernem sieht das Gesetz vor, den Uebertritt fremder Autocarswagen von einer italienischen Fahrbewilligung abhängig zu machen. Diese Bestimmungen sind rigoros genug, um beispielsweise den tessinischen Autocarsbesitzern schweren Schaden zuzufügen. Auch in diesen schweizerisch-italienischen Verhandlungen erwies sich nun Paragraph 9 der Post-Konzession B, welcher für ausländische Inhaber eine Zuschlaggebühr von 25 Rappen pro Wagenkilometer vorsieht, als" AUTOMOBIL-REVUE 1Ö29 — N°79 Eine Warnung. Raubüberfälle geworden sind. Die sich in letzter Zeit mehrenden Fälle mahnen zur Vorsicht und zum Aufmerken. Der an und für sich schöne Brauch, dann und wann müde Fussgänger, vom Felde heimkehrende Bauern usw. zum Fahren einzuladen, mag vielleicht zur Popularisierung des Automobils viel beigetragen haben. Mancher Automobilist, der sich zum Mitnehmen einer ihm fremden Person bewegen Hess, mag eine gute Tat vollbracht haben. Das Betteln um Mitfahren scheint jedoch direkt zum Unfug ausarten zu wollen. Im Interesse derStrassensicherheit und der Strassendisziplin muss deshalb vor dem Mitnehmen unbekannter Personen gewarnt werden. Nur zu oft begibt sich damit der Automobilist in persönliche Gefahr und leistet den sich ständig mehrenden Strolchenfahrten Vorschub. Es ist nicht zu verkennen, dass mit der Wiederbelebung der Landstrasse auch eine Gattung Mensch grossgezogen wurde, die die Strasse als neues Eldorado ihrer abenteuerlichen und verbrecherischen Absichten und Pläne anspricht. Es stehen nun die kantonalen Polizeidirektoren vor einer dankbaren Aufgabe. Auch der Automobilist hat Recht auf Schutz. Bis heute hatte «s die Polizei meistenteils nur auf die automobilfahrenden Strassenbenützer abgesehen und begnügte sich vor allem mit versteckten Geschwindigkeitskontrollen, um dem Fahrer seine Börse zu erleichtern und Gemeinde- und Staatssäckel zu füllen. Wir sind der Ansicht, dass den kantonalen Polizeikorps durch die Wiederbelebung der Landstrasse eine weit bedeutendere Rolle zukommt. Die kantonalen Polizeidirektoren mögen ihre Polizei in Uniform auf die Strasse stellen, ihre fliegenden Automobilkontrollen in eigentlichen Strassenkontrollen umwandeln, ihr Augenmerk nicht nur auf den Automobilisten richten, sondern auch die andern Strassenbenützer schärfer unter die Lupe nehmen. Ihre Hauptaufgabe liegt in der allseitigen Garantie der Strassensicherheit und darin, Rohlinge und Abenteurer von der Strasse fernzuhalten. Der empörende Raubüberfall bei Balsthal wird hoffentlich den PolizeioTganen ihre neue dringende Aufgabe klar vor Augen geführt haben. K. • * * geeignete Verhandlungswaffe. Die Besprechungen brachten vollständige Einigung, indem die Italiener den Verzicht aussprachen, auf schweizerische Autocarsbesitzer das italienische Automobilgesetz anzuwenden und die Schweiz dafür diese berühmt gewordenen 25 Rappen gegenüber italienischen Autocarsbesitzern ebenfalls fallen Hess. Die Agenturmeldung ist wohl auf die Ratifikation dieser Vereinbarung durch den italienischen Staat zurückzuführen. Wir können verraten, dass Ende September oder anfangs Oktober zwecks Bereinigung weiterer Automobilfragen eine neue Konferenz zwischen den beiden Staaten stattfinden wird. So wrrd heute beispielsweise allen Schweizer Automobilisten in Italien ein steuerfreier Aufenthalt von 90 Tagen zugestanden. Nach dieser Dauer setzt die Steuerpflicht ein. Auch gilt die Steuerfreiheit nur für eine ununterbrochene Reihenfolge von 90 Tagen, währenddem die italienischen Fahrer diese 90 Tage auf das ganze Jahr verteilen können, beispielsweise also 90 mal die Schweizergrenze steuerfrei überschreiten dürfen. Eine genaue Vereinbarung in Form eines Staatsvertrages muss die jetzt noch ungesetzlichen Zustände festlegen, wobei selbstverständlich von Seite der Schweiz auf ein völliges Gleichheitsverhältnis gedrungen werden wird. Die Lösung weiterer Fragen ist vorgesehen» Auf sie bereits heute einzutreten, wäre aus verschiedenen Gründen verfrüht. -t. Wünsche aus der Bieler Gegend. Einer der schönsten Punkte der Schweiz ist unbestritten der Bielersee, und es ist nicht zu verwundern, wenn vom Frühling bis in den Spätherbst hinein die Zahl der Besucher der Bielerseegegend gewaltig zunimmt. Nicht nur mit der Bahn oder zu Fuss, sondern namentlich mit Motorfahrzeugen kommen die Freunde der malerischen Gestade hierher und namentlich die Automobilisten sind In den Hotels und Restaurants der verschiedenen Dörfer gern gesehene Gäste: sie bringen Leben und Verdienst in eine Gegend, die zum grossen Teil ihrsn Erwerb schwer genug aus dem so itark auf die Witterungsverhältnisse angewiesenen Ertrag der Reben herauswirtschaften muss. Jetzt, wo die Jurahänge bunter werden und der Herbst immer sichtbarer ins Land zieht, rüstet der Weinbauer zum «Leset». Wenn die Ernte dieses Jahr auch quantitativ nicht besonders Grosses erwarten lässt, so wird der Wein doch qualitativ recht hoch stehenl Sobald der Bettag vorüber ist, hebt am Bielersee ein besonders reges Leben an: die Lesetsonntage beginnen! Sieben Wochen lang, namentlich aber an Sonntagen, zieht Jung und Alt traditionsjemäss die linke Bielerseegegend hinauf und bei Wein, Fisch, Musik und Tanz lässt man es sich gütlich sein. Die linksufrige Bielerseestrasse, die täglich von vielen Hunderten von Motorfahrzeugen benutzt wird, entspricht, wenigstens was den Strassenbelag anbetrifft, den heutigen Anforderungen. Dagegen gibt es noch Stellen, die zu schmal sind und Kurven, die sohon lange übersichtlicher hätten gemacht werden sollen. Auf dieser Strasse jedoch, auf welcher die Automobilisten täglich verkehren, haben sie, die dem Staat so viele Abgaben entrichten dürfen, an den Nachmittagen der Lesetsonntage kein Recht. Und wer von auswärts mit seinem Wagen nach Biel kommt — und zahlreich sind in der ganzen Schweiz die Freunde der Bielerseegegend — der darf ihn hübsch in Biel stehen lassen und zu Fuss dem See entlang bummeln. Eine an den heutigen Verkehrsverhältnissen gemessene rückständige Verordnung will das so. Aber mit diesem Fahrverbot dürfte man ohne weiteres abfahren! Denn wenn auch zugegeben werden muss, dass die Strasse, wenigstens an einigen Stellen, für einen stark vermehrten Verkehr, wie ihn die sieben Lesetsonntage aufweisen, schmal ist, so bildet das Fahren der Automobile mit einer festgelegten und kontrollierten Maximalgeschwindigkeit von zirka 25 Kilometer an den Nachmittagen weitaus weniger Gefahren als am Abend. Zudem könnte man durch das Freigeben des Verkehrs mit festgelegter Maximalgeschwindigkeit an den Sonntagnachmittagen jener anderen grossen Gefahr vorbeugen, dass durch das Warten am Abend Hunderte von Automobilen miteinander zirkulieren wollen. Wenn es kompetenten Ortes nicht an gutem Willen fehlt, so sollte man dazu kommen, dieses rückständige Fahrverbot aufzuheben. Durch das Einbahnsvstem könnte man mithelfen, Verkehrsstörungen tunlichst zu verhindern; die Autos müssten — wie das übrigens auch die meisten Bewohner der Seegegend wünschen — auf dem linken Ufer hinauf- und auf dem rechten Ufer zurückfahren. Als Parkstellen könnten sowohl in Tüscherz, als auch in Twann die Plätze beim Bahnhof dienen. — •Wenn die rechtsufrige Strasse sich auch in recht bösem Zustand befindet und ein Korrespondent im Bieler «Express» sie mit vollem Recht ala geradezu skandalös bezeichnet, so dürfte gerade ein vermehrter Verkehr vielleicht die Möglichkeit schaffen, dass sie schneller in einen würdigeren Zustand gesetzt wird. Der Kanton Bern sollte sich, sicher schämen, an einem der schönsten Schweizerseen entlang einen solchen ...Staubgraben zu haben, der vom Staat angeblich betreut werden soll. Schon im Interesse der Anwohner von Sutz, Lattrigen, Täuffelen usw. und der Volksgesundheit muss diese Strasse im kommenden Winter instandgeslellt werden! — Es ist zuzugeben, daes durch die gewaltige Entwicklung des Motorfahrzeugverkehrs nicht alles so rasch gemacht werden konnte, wie es notwendig wäre und wie es Herr Regierungsrat Bösigor sicher auch gerne ausführen lassen möchte. Aber als alter Bieler wird er sicher auch sein Möglichstes tun, damit den berechtigten Wünschen der Bewohner an beiden Seeufern Rechnung getragen wird! Ihres Dankes darf er im voraus versichert sein! — R, Karossfer Jean Gygax f. Wieder hat der Tod einem der Pioniere der schweizerischen Automobilindustrie das Lenkrad für immer aus der Hand gewunden. Jean Gygax, der Seniorchef der bekannten Bieler Karosseriewerke, ist vergangenen Montag einem Schlaganfall erlegen. Herr Gygax war Self-made-man. Drüben im Seeland war seine Heimat; in der Dorfschmiede von Seeberg hat der aufgeweckte Junge den Grundstock seines Berufes und Könnens gelegt; dort fussten die Wurzeln für Schaffen und Erfolg seiner Lebensaufgabe : unermüdlicher Fleiss, seltene berufliche Geschicklichkeit und eine durch und durch gehende Rechtschaffenheit. In den 80er Jahren zog er auf die Wanderschaft; von Neuenburg ging's nach Genf, später nach Paris. Seine meisterhafte Beherrschung des Französischen ist vor allem jenen damaligen Wanderjahren zu verdanken, die ihm auch den Horizont zu beruflicher Fortbildung weiteten. Das dem Schmiedehandwerk nahestehende Metier des Karossiers erlernte Jean Gygax in Pariser Häusern von Weltruf; dort bildete sich auch sein Formgefühl und sein hervorragendes Verständnis für die Technik des Fahrzeugbaues heran, Eigenschaften, die im Laufe der Jahre selbstschöpferisch an dem fortschreitenden Ausbau der modernen Automobilformen mitwirkten. Im Jahre 1890 machte sich Jean Gygax in Biel selbständig; er hatte es damals noch mit den Pferdekutschen zu tun; manch eleganter Landauer oder pompöse Herrschaftskutsche ist in jener Zeit aus der Werkstatt hervorgegangen, die klein aber auf gesunder Grundlage der Erstlingsjahre emporwuchs. Um die Jahrhundertwende erlebte Jean Gygax die Anfänge des Automobils; er hat hellen Auges damals schon die Bedeutung des modernen Fahrzeuges erfasst und sich demselben mit Begeisterung zugewendet. Jean Gygax war tatsächlich einer der Schweizer Pioniere des Automobils. Selbst ein leidenschaftlicher Fahrer und Probier, karossierte er sich vor mehr als 30 Jahren eines der ersten Chassis, das nach der Schweiz kam. Mit Elan nahm er diesen Zweig in sein junges Geschäft auf, emanzipierte sich bald vom Pferdefuhrwerk und schuf Automobilkarosserien, die sich hinsichtlich Form und Güte grossen Rufes erfreuten und rasch im In- und Auslande Absatz fanden. Aber auch das Nutzfahrzeug hat Herr Gygax von allem Anfang an ins Interesse gezogen; zahlreiche Last- und Lieferungswagen sind in jenem ersten Jahrzehnt schweizerischer Au« tomobilindustrie aus den sich weitenden Bieler Werkstätten hervorgegangen. Damals arbeitete Jean Gygax vielfach Hand in Hand mit der benachbarten Automobilfabrik Martini in St. Blaise; Dutzend« jener vorzügli-i chen Martini-Wagen, die ums Jahr 1910 herum entstanden und heute noch, nach bald 20 Jahren, ihren Dienst versehen, tragen noch die Reste unverwüstlicher Gygax-Karosserie auf sich. In den ersten Automobil-Ausstellungen In Genf und Zürich bildeten die von Jean Gygax

WO 00 — 1090 Jean Gygax f ausgestellten Erzeugnisse stets einen besonderen Anziehungspunkt der Kenner ; schon im Jahre 1912 konnte Jean Gygax «inen grossen Erweiterungsbau in Angriff nehmen und die zu eng gewordenen Werkstätten in eine leistungsfähige Karosseriefabrik mit den modernsten Werkmaschinen umformen; seit- Jier hat sich das Geschäft trotz Kriegs- und Nachkriegszeit all die Jahre hindurch flott entwickelt und ist zu einem Unternehmen herangereift, das im ganzen Lande herum eine grosse Kundsame zufriedenstellt. Herr Jean Gygax ist trotz seiner Qegchäftserfolge der liebe, einfache und aufrechte Bürger und gütige Mensch geblieben, ©in loyaler und rechtschaffener Geschäftsmann vom Scheitel bis zur Sohle, ein väterlicher Freund seiner Angestellten und Arbeiter. Jean Gygax hat für das Automobil manche Lanze gebrochen und demselben unverdrossen die Wege geebnet. Seit 1900 Mitglied des A. C. S., trat er unentwegt für die automobilistischen Interessen ein, bei der Gründung der Sektion Seeland-Jura half er kräftig mit, von jeher als eines der rührigsten Vorstandsmitglieder dieser Sektion. Seinem Stand leistete Herr Gygax als Gründer und langjähriges Komiteemitglied des schweizerischen Karossier - Verbandes treffliche Dienste;", auch der Chambre Syntiicale Suisse de l'industrie Automobile widmete sich Herr Gygax mit unermüdlichem Eifer von ihrer Gründung an; er stand bei den Mitgliedern seiner Berufsverbände als treffliches Vorbild eines schweizerischen Meisters und Geschäftsherrn in hohem Ansehen, der auch an der eigenen Fortbildung in persönlicher und beruflicher Hinsicht stetig arbeitete; über seine Studienreise nach den Vereinigten Staaten gab Jean Gygax ein Interessantes Buch heraus, das ihn als Mann von selten scharfer Beobachtung kennzeichnet. Jean Gygax wurde 66 Jahre alt; noch vor wenigen Tagen machte er mit Clubkollegen aus dem A, C, S. eine Fahrt nach Savoyen; eine dabei zugezogene Erkältung hat dieses arbeits- und erfolgreiche Leben leider zu früh zum Abschluss gebracht. Herr Gygax erlag am 9. September auf einem Ausflug nach Magglingen einem Schlaganfall. Zahlreich sind die Freunde, welche vom Tode dieses braven Mannes schmerzlich berührt werden; weit herum wird derselbe In bestem Andenken bleiben. Auch unser Blatt verliert an Jean Gygax einen warmen Freund und Förderer, einen Jener Leser, der seinem Leibblatt von der ersten Nummer an 25 Jahre Treue hielt. Ehre seinem Andenken. -r. Sperrung der Staatsstrasse Kehrsatz-Belp. Während des Einbaues eines neuen Strassenbelages zwischen der Strassenabzweigung nach Toffcn im Steinbach und der Gürbebrücke bei der Säge zu Belp ist diese Strecke für den durchgehenden Verkehr mW Fahrzeugen während ca. 14 Tagen gesperrt. Es wird auf dl© lokalen Umleitungstafeln verwiesen. Alpenpostkurse vom 2, bis 8. September. Di« reduzierten Taxen und dt© anhaltend schön© Witterung vermochten auch in dieser Woche den Alpenpostkursen eine bessere Frequenz zu sichern. Bei einer Gesamt' befördexungsziffer von 22,226 Reisendon ist gegenüber der 'entsprechenden Ziffer für das Vorjahr (17,709) eine Zunahme von 2822 beförderten Reisenden zu verzeichnen, (Wje in den früheren Bulletins, sind sechs Kurse, die voriges Jahr noch nicht im Bulletin figurierten, noch nicht in die Berechnung elnbezofeu.) Die. gröbsten Mehrfrequenzen notleren die nachstehenden Strecken: St. Moritz- MaloJa»Castasegna +778, Nesslau - Buchs 4-458. Furka +317, Qrim$el £m, Qottfcard +206 waw, lt. St. Gallen. Der Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat iie Korrektion und den teilweisen Neubau der Staatsstrasse Gossau- Oberbüren-Wil im Kostenvoranschlag von insgesamt 2,180,000 Franken, in der Meinung, dass die Ausführung des Projektes in vier Jahresetappen nach Massgabe der verfügbaren Mittel aus dem Budgetkredit zu finanzieren sei. SPORTLICHES AUTOMOBIL-KßVUi Das Oberjoch-Bergrennen. Schweizer Ford-Fahrer zeichnen sich aus. Unter grossem Zuschauerandrang nahm am Sonntag das Oberjoch-Rennen im Allgäu einen prächtigen Verlauf. Die Rennstrecke stellt mit ihren 100 Kurven, einer Höhendifferenz von 310 Metern und einer Steigung von 6—8 Prozent hohe Anforderungen. Die bestes Tageszeit wurde nicht von den Wagen aufgestellt, sondern von den Motorrädern. Der schnellste Wagen fuhr eine Zeit von 6" 35". Hervorzuheben ist die ganz brillante Leistung der beiden bekannten St. Galler Ford- Fahrer Häne und Müller, die in der 3000- ccm-Klasse ihre beiden Konkurrenten, zwei Mercedes - Wagen, überlegen distanzierten und bei den zahlreichen Zuschauern für ihre bravourös© Fahrt grossen Beifall fanden. Im Rennen der Seitenwagen ereignete sich ein Unfall, wobei ein Fahrer einen Beinbruch erlitt. Im übrigen orientieren die nachstehenden Resultate über die einzelnen Leistungen: Sport- und Tonrenwagen, bis 750 cem: 1. Kulzer-Landshut (Dixl), 7-49; 2. Wochner-Leutkircb (B.M.W.), 7:68, — Bis 1100 cem: 1. Arnold-Donauwörth (Mathis), 7:11; 2. Hoffmann-München (Amiloar). 7:26. — Bis 1500 cem: 1. Laiber-Ulm (Bugatti), 6:52; 2. Wolf-Völklingen (Chenard-Walker), 7:26. — Bis 3000 cem: 1. Dr. Fuchs-Nürnberg (Bugatti), 6:51; 2. v. Raulino (Austro-Daimler), 6:58. — Bis 5000 cem: 1. Häne-St. Gallen (Ford), 7:43; 2. Müller-St. Gallen (Ford), 7:49 — Rennwagen: 1. KiHan-Garmlsch (Bugatti), 6:35; 2. Hohnheimer- Nürnberg (N.S.U.). 7:06. Das Gaisberg-Rennen. Zwischenfälle, aber keine Favoriten. Auf der neu eröffneten Gaisbergstrasse fand letzten Sonntag das erste vom Salzburger und Bayrischen Automobilclub gemeinsam organisierte Bergrennen statt. Die Anlage der Strecke erlaubte auf ihren 11,9 Kilometern bei einer Höhendifferenz von rund 800 Metern, einer durchschnittlichen Steigung Telephon Nr, 10,80,10.81,10.82, oiten von 6 % und vielen Geraden die Entwicklung hoher Tempi. Bei den Tourenwagen wie bei den Sportwagen blieb Mercedes-Benz durch Brauchisch und Graf Arco Zinneberg siegreich, während bei den Rennwagen Prinz Christian Lobkowitz auf Bugatti mit schlechterer Zeit den ersten Platz hielt. In der 8000-ccm- Klasse der Sportwagen belegte der junge Genfer Fahrer Billwiller auf Mercedes-Benz den dritten Platz, allerdings mit nur einer halben Sekunde Abstand vor Prinz zu Leiningen, ebenfalls auf Mercedes. Billwillers Zeit ist die viertbeste absolute Tageszeit. Beim Austrag der Sportwagen ereignete sich ein Unfall: Steinweg stürzte und sperrte die Strecke, worauf die Fahrer Richter (Bugatti) und Poensgen (Bugatti) auf der Strecke anhalten müssten und dann auf einen zweiten Start verzichteten. Einen Skandal verursachte Caracciola in der Rennwagenklasse, die infolge des noch hinzukommenden Motorendefektes von Stuck um ihre Favoriten kam. Caracciola erklärte vor dem Rennen den Startverzicht der Mercedes-Benz-Fahrer als Protest gegen den Beschluss des Oesterreichischen Finanzministeriums, wonach das Einfuhrkontingent deutscher Wagen nach Oesterreich pro 1929 nicht erhöht werden soll. Die deutsche Sportpresse ist Caracciola die Antwort für sein Ultimatum, das mit Sport keinen Deut zu tun hat, nicht schuldig geblieben. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um ein rein privates Vorgehen des bekannten Rennfahrers, die Leitung der Mercedes-Benz-Werke hat also damit nichts zu tun. Dank den Bemühungen der Sportinstanzen konnten dann die meisten Mercedes-Fahrer doch zum Starte bewegt werden, mit Ausnahme von Caracciola. Anlässlich dieses Zwischenfalles wurden verschiedene Feststellungen gemacht, auf die wir hier nicht einzutreten brauchen. Wir hatten allerdings schon an der St. Moritzer Woche Gelegenheit, uns über gewisse sportliche Allüren Caracciolas unsere eigenen Gedanken zu machen. Wir meinen damit seinen Startverzicht am Bernina-Rennen, well die Rennleitung seinem Ansinnen, ihn von den Rennwagen zu den Sportwagen überzuteilen — wie es sich auch gehörte — nicht nachkam. t Der Lancia-Fahrer Strazza siegte am Monte S. Primo-Bergrennen, das der A. C. Como zum Austrag brachte. Er fuhr die 8,5 Kilometer in 9'3" und schlug den Alfa Romeo-Kompressor von Beretta um eine halbe Minute., * U.S. ROYAL PNEUS Das unübertroffene Standard-Produkt der United States Rubber Company Bessere Reffen gibt es nicht I Erhältlich in allen guten Garagen und Spezialgeschäften ROYAL CORD IMPORT A.-G., ÖLTEN Depot BASEL: Albanvorstadt 42, Telephon Safran 58.57 Depot GENFS 1, Ruo Pierre Fatlo, Telephon St^nd 40.25 Depot ZÜRICH t Neue Adresse; F|ora*ti\41 f Telephon Ummat37.27 Vor dem Grossen Preis von Monza. 28 Nennungen. — Oilron am Start. Die Nennungsliste für den am Sonntag umstrittenen Grossen Preis von Monza hat sich im Laufe der Woche auf 28 Nennungen erhöht. Neu hinzugekommen sind: Clerici auf Salmson, Platö auf Lombard, ein weiterer Bugatti (womit sich Maserati und Bugatti nunmehr mit der gleichen Konkurrentenzahl gegenüberstehen!) und als Vierter kein geringerer als Louis Chiron. Wir haben seinen Start schon erwartet gehabt. Der französische Meister wird nicht für Bugatti, sondern für Delage starten. Die Wagentype ist eine 1500-ccm-Maschine. Bekanntlich bestritt Chiron mit einem Wagen dieser Klasse die 500 Meilen von Indianapolis und es ist interessanterweise fast die gleiche Serie, mit der Benoist 1927 den Grossen Preis von Europa auf der Monzabahn gewann. Mit Chiron erscheint der Verteidiger des gegenwärtigen Monza-Rekordes über 600 km. Wohl selten sind vor einem Rennen die Chancen so undurchsichtig gewesen. Weder auf Duray, Rosenberger, Alfieri Maserati noch auf Chiron kann man einen bestimmten Typ geben. Der starke Aufmarsch der Italiener zeugt auf alle Fälle dafür, dass sie den Sieg nicht billig ausser Lande zu geben entschlossen sind. Nachstehend die- Starterfolg© der Konkurrenten in den drei Vorläufen. In der dritten Oruppe wird, da vier Konkurrenten geaannt sind, nur ein einziger ausscheiden. I, Gruppt. 1100—1500 eem; 1. Maserati Maserati E, 2. Maserati Beccaria 3. Maserati Rusgeri 4 Talbot Arcangeli 5. Talbot X 6. Talbot Castelbaroo 7. Packard-Cable Duray 8. Bujratti Cortesa 9. Delaste Chiron 10. Salmson Clerici 11. Lombard PlaW II. Gruppe, 1500—3000 cem: 1. Maserati Borzaccbini 2. Maserati Toti 8. Maserati Nenzioni 4 Alfa Brilli Pari 5. Alfa Varzi 6. Paclcard-Cable Bourlier 7. BugatÜ Foresti 8. Bugatti Zaaelli 9. Bugatti Bionaetti 10. Bugatti De Carolys 11. Bugatti Pujjno 12. Bugatti X 13. Delage X III, Gruppe, Ober 3000 cem: '1. Maserati Maserati A. 2. Mercedes Rosenberger 3. Mercedes Momberger 4. Mercedes Caflisch. ITIELDUNCFN ple Sitzungen der A. I. A. C. R. In Paris Die nächsten Sitzungen des internationaler] Verbandes stehen, wie wir schon berichtd haben, im Zeichen des 25jährigen Jubiläums seines Bestehens. Es sind besondere Festlichkeiten vorgesehen, so unter anderem am 10. September ein Empfang durch die Stadtbehörden von Paris. Als erste Kommission tagt am 8. September die Tourismuskommission, der am 9. und 10. dl© Sportkommission und am 11. die Verkehrs- und Zollkommission nachfolgen. Vor einem Rücktritt Duf ours. Letzten Freitag abend tagte in Genf das Direktronskomitee des A. C. S. unter Vorsitz von Vizepräsident Dr. Mende. Herr Duiour, der wegen Unpässlichkelt der Sitzung fern blieb, teilte dem Direktionskomitee mit, dass er jede Wiederwahl an der nächsten Delegiertenversammlung, die entweder in Aarau oder in Solothum stattfindet, ablehnen werde. Der A. C. S. wird sich daher mit der Frage einer Neuwahl zu befassen haben. Für den nächsten Kongress derAJ.A.C.R. vom 12.- Oktober in Paris wurden die Herren Dufour, Dr. Mende, Hürlimann, Decrauzat und Prlmault delegiert. Projekt einer Autostraue auf den Rigi. Man spricht in Küssnacht, laut der «N. Z, Z.», lebhaft von einem Autostrassenprojekt auf den Rlgl, dessen Verwirklichung für den Rigi eine nicht BU unterschätzende Bedeutung haben würde. Bereits besteht ja eine Fahrstrasse bis auf die Seebodenalp, die auch von Autos befahren werden kann und auf der schon Motorradrennen abgehalten wurden. Di© projektierte Strasse würde ungefähr in gleicher Richtung beginnen und über den Seeboden nach dem Rlgikänzeli und von da nach Rigifirst führen. Dort würde ein grosser Parkierungsplatz für einige hundert Wagen eingerichtet. Dem Projekt stehen bereits einige interessierte Kreis© wohlwollend zur Verfügung, Selbstverständlich lisst sich eine solche Strasse- nur mit ziemliehen Kosten erstellen; es müsste. daher eine Bcniltzungstaxe erhoben werden.