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E_1929_Zeitung_Nr.082

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Ausgabe: Deutsche

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Dienstag 24. September 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 82 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und- Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamUicb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97 Bern Rappen. Posten eck-Rechnung 111/ 414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Qualität und Quantität Verschiedentlich ist uns der Ausdruck «Tragik des schweizerischen Fremdenverkehrs» zu - Ohren gekommen. Man hat uns .geklagt über schäbige.Touristik, mangelnden Gewinn und hat uns davon gesprochen, dass wohl sehr viele Fremde in unser 'Land einreisten, dass es jedoch nicht mehr die Kurgäste der Vorkriegszeit wären, die wochenlang unsere: bekannten Kurorte bevölkerten. In einem Worte, dass viel Quantität und leider weniger Qualität unsere schweizerischen Kur- und Fremdenorte aufsuchte. Nicht zuletzt hat man diese ganze Erscheinungsweise mit dem Automobil in Zusammenhang gebracht und die Schuld dieser sogenannten «Tragik des schweizerischen Fremdenverkehrs» dem modernen Verkehrsvehikel zugeschrieben. Die Klagen können nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden. Die Erfahrungen, welche wir in der Schweiz machen, werden in andern Ländern bestätigt. Es sind jedoch nur tiefere Ursachen psychologischer und wirtschaftlicher Art, welche uns den modernen Fremdenverkehr erklären lassen. Der Weltkrieg und die Fortschritte der Automobiltechnik haben auch auf diesem Gebiete zu einer gewaltigen Umwälzung geführt. Die vorkriegszeitlicheu Stände, welche mit Vorliebe unsere Kurorte aufsuchten, sind verarmt. .Diese Verarmung ist sogar bis tief in das Bürgertum nineingeäruhgen. Es fehlt diesen Schichten heute an den nötigen Mitteln, um sich längere Berg- und Kuraufenthalte leisten zu können. Eine neue Gesellschaft, ein neues Bürgertum ist im Werden begriffen. Die Flucht des Alltages lässt uns diese Tatsache vielleicht nicht unmittelbar erkennen, aber dem tiefern Beobachter kann sie nicht entgehen. Dieses aus alten Hüllen und zum Teil auch aus verzopften Vorurteilen herausgewachsene Bürgertum kennt neue Ziele und. neue Ideale. In den Mittelpunkt des menschlichen Lebens ist recht offensichtlich die Reise, der Tourismus, getreten. Ein eigentliches Reisefieber hat die Völker gepackt. Den gemächlichen Ferienaufenthalt, wo man glaubte, mit dem «In-das-Gras-sich-strekken» die nötige geistige Entspannung finden zu können, überlässt man heute den F E U I L L E T O N Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. (5. Fortsetzung) Zwei Stunden später gingen zwei junge Burschen mit ihren Mädchen von Oberkirch gegen Hochau. Sie hatten getanzt und waren frohen Mutes. Dunkel breitete sich der Wald, langsam stieg die Strasse. In einer Kurve sahen sie ein rotes Licht. «Hier steht ein Auto.» «Es hat die Kurve nicht richtig genommen.» «Der Motor läuft noch.» «Ihr solltet dem Mann helfen», meinte Fritzens Gefährtin. Sie waren bei der Limousine angelangt. «Es sitzt einer drin, der wartet sicher auf jemand, ich glaube er schläft; gib mal deine Taschenlampe, wir wollen ihn ein wenig in die Augen kitzeln.» Fritz leuchtete durch das vordere Fenster dem Mann am Steuer ins Gesicht. Die Mädchen stiessen einen Schrei aus. Sie hatten einen Toten geschaut. Die Augen hatten einen wässerigen Glanz, das Gesicht war leicht gedunsen und zeigte auf den Wangen hellrötliche Stellen. Beim Oeffnen der Wagentür drang den jungen Menschen ein heftiger scharfer Geruch entgegen. «Auspuffgase,» sagte Fritz, der etwas von Autos verstand, «sie sind in den Wagen gedrunsen und haben den Mann getötet.» Kranken, den Rekonvaleszenten, den Alten. Der im täglichen Einerlei des Alltags .untergehende Mensch verlangt nach Abwechslung, verlangt nach Neuem, nach Kontrasten, nach Sehen und Erleben. Der Tourismus öffnet ihm weit die Arme. Er ist als Erfüller dieser Bedürfnisse zu einer sportlichen Erscheinung geworden. Die Technik hat ihm das hierfür nötige vollendete Instrument geschenkt. Das Automobil macht den Menschen von der Schiene frei; mit ihm ist es möglich, die Welt in einigen Tagen zu erobern. An dieser unumstösslichen Tatsache darf unser Hotelgewerbe und dürfen unsere Propaganda-Zentralen nicht achtlos vorbeigehen. Der Autotourismus wächst flutartig an. Er bedingt eine Neuorientierung und eine Neueinstellung. Wir wissen, dass man in andern Ländern zur Hebung des Fremdenverkehrs alle Hebel in Bewegung setzt. Die Konkurrenz ist eine ausserordentlich grosse geworden. Das Ausland hat die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus richtig erkannt. Die Fremdenindustrie wird heute sogar von Ländern ausgebaut, die ihrer ganzen Struktur nach dafür gar nicht prädestiniert sind. Der Wettkampf spielt sich bereits in ziemlich erweiterter Weise einerseits zwischen dem neuen und alten Kontinent und anderseits zwischen den europäischen Staaten unter sich ab. Die Propaganda verschlingt Millionen von Franken. In bezug auf die Propagandamittel werden wir mit den andern Ländern kaum mehr, Schritt halten können. Hier muss uns eine Neuorientierung zu Hilfe kommen. Die prächtigen Gegenden unseres Landes können uns glücklicherweise ja nicht genommen werden. Dagegen müssen wir die alten Wege der Propaganda, die bis heute fast ausschliesslich den Schienen entlang liefen, verlassen. Unsere Verkehrs- und Propagandazentren, unsere Kurorte und Fremdenplätze müssen an die gewaltige Rolle des Autotourismus denken und ihre Propaganda nach Als sie sich von ihrem Schreck etwas erholt hatten, berieten sie, was zu tun sei. Zwei blieben beim Toten, die andern liefen zurück und erstatteten in Oberkirch Anzeige beim Bezirksstatthalter. Das Gewitter war verrauscht. Zerfetzte Wolken jagten am Mond vorüber. Gespenstisch huschten ihre Schatten über den Wald. Auf der Strasse ging Hand in Hand das zurückgebliebene Paar auf und ab. Es hielt die Totenwacht. Sie fingen an zu frösteln und ein Gefühl der Ungeborgenheit begann sie zu quälen. Sie wussten nicht, ob ihre Furcht mehr dem Toten im Wagen oder den Lebenden galt. Da löste sich vorsichtig tastend aus dem Buschwerk eine Gestalt und ein Mann mit schwarzem Bart stand vor ihnen, selber überrascht und erschreckt, Menschen anzutreffen. Der Fremde fragte nach dem Weg nach Oberkirch. Er wollte den letzten Zug noch erreichen, er habe sich verirrt. Der junge Mann gab ihm Auskunft und erzählte, was passiert sei. Der Bärtige bekundete sein Mitgefühl und verliess sie hastig. Wenige Minuten später hörte man aus nicht allzu grosser Entfernung ein Automobil davonfahren. «Ein Unheimlicher», sagte das Mädchen. Nach einer Wartezeit von anderthalb Stunden sah man die Scheinwerfer eines Automobils die Kurve beleuchten. Der Wagen hielt an der Unglücksstelle. Ihm entstiegen der Bezirksstatthalter, Dr. Auer und das andere Paar. Vorerst wurden anhand des Fahrausweises, den man in einer Ledertasche der Wagentür fand, die Personalien festgestellt. dieser Richtung hin orientieren. Propagandaschriften usw. dürfen nicht nur in den Verkehrsbureaus der Eisenbahnen und an ihren Schaltern aufliegen, sondern sie müssen in geschickter und neuer Aufmachung auf dem Wege der Automobilfachzeitschriften und der automobilistischen internationalen Reiseführer in die Hände derjenigen Leute fallen, die ihre Reise mit dem Automobil zu unternehmen gedenken. Der Strom der internationalen Automobilwelt, der dieses Jahr in die Schweiz geflutet ist, hat gegenüber dem Vorjahre bereits eine bedeutende Steigerung erfahren. Er ist von massgebender Bedeutung. Die Automobilreisenden wählen vielleicht kürzere Aufenthaltszeiten, aber sind sicher zur gutzahlenden Kundschaft zu rechnen. Mit der Propaganda allein ist es jedoch nicht getan. Wir wissen, dass die Anforderungen an den Hotelkomfort immer grösser werden. Grosse Kurorte und Hotels können der Badezimmer, des laufenden Wassers, des Orchesters, des Dancings, ganz besonders aber der Garage nicht mehr entbehren. Wie wir eingangs schon betonten: Die heutige Welt will sehen und erleben. Sie findet ihre Erholung im Spiel und im Sport. Mit dem Hotelpark allein ist es nicht mehr getan. Viel wichtiger sind der schön gelegene und gut unterhaltene Tennis-, der Golfplatz oder das Strandbad. Feste und sportliche Veranstaltungen vermögen die Fremden länger am Orte zu fesseln. Einen glänzenden Beweis für diese These liefert uns St. Moritz mit seinen verschiedensten Distraktionen und seiner glänzenden automobilistischen Sportwoche. Der moderne Fremdenort verlangt nach der modernen Strasse. Gerne lässt sich der Automobilist für längere Zeit da nieder, wo es ihm dank guter Strassen möglich ist, von den Zentralpunkten aus die verschiedensten, lohnendsten Bergtouren zu unternehmen. Nicht ans diesem Grunde zuletzt hat die «Automobil-Revue» nicht nur •für die gute, staubfreie Durchgangsstrasse plädiert, sondern immer und immer wieder auf die hohe Bedeutung guterhaltener, richtig angelegter Berg- und Zufahrtsstrassen hingewiesen. Das Geld, das auf diese Weise angelegt wird, trägt Zins und Zinseszins. Hören zudem einmal noch die Plackereien auf der Strasse mit den verschiedenen Polizeiinstanzen auf, verschwindet das unrühmliche Bussenwesen, so dürfte gerade die Schweiz dasjenige gute automobilistische Leumundszeugnis erhalten, das «Um Gotteswillen,» sagte der Arzt, «Kollege Beck, das ist ja furchtbar.» Er untersuchte rasch und bestätigte, dass der Arzt tot sei. Der Statthalter untersuchte den Wagen mit der Taschenlampe und fand, dass sich der Heizkörper von der Rohrleitung gelöst hatte und dass auf diese Weise die Auspuffgase in die Limousine strömen konnten. Dr. Auer betrachtete voll Mitgefühl den toten Kollegen. Ihm fielen die hellroten Partien im Gesicht der Leiche auf. «Kohlenoxyd! Eine geringe Konzentration genügt, um einen Menschen in kurzer Zeit zu töten.» Er entnahm der Armvene des Toten eine Blutprobe, um sie im gerichtsärztlichen Institut untersuchen zu lassen. Dann Hess er den Statthalter bei der Leiche zurück und fuhr die vier jungen Leute nach Hause, da sie durch die Anzeige viel Zeit verloren hatten. Unterdessen machte der Beamte Notizen über den Tatbestand. Er war gleicher Ansicht wie der Arzt, dass eine Kohlenoxydvergiftung vorläge. Als Dr. Auer zurückkam, erklärte er: «Ich fahre den Wagen mit dem Toten«bis Oberkirch, dort versorgen Sie Ihre Limousine und machen telephonisch Mitteilung nach der Wohnung Dr. Becks. Dann bringen wir den Leichnam gemeinsam in die Wohnung.» ' Sie wenden die beiden Automobile und rasten in die Stadt. Auf dem Polizeikommando angelangt, schrieb Dr. Auer sein Gutachten und erklärte, die Blutprobe dem Institut zur Untersuchung zu übersenden. Noch INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Kammern für sie, sich von Mund zu Mund sprechend, die allerbeste und wirksamste Propaganda in der ganzen Welt bedeuten wird. K. Rücktritt von Bundesrat Haab. In der letzten Freitagsitzung des Bundesrates kündigte Herr Bundespräsident Haab seinen Rücktritt aus der Behörde auf Ende der laufenden Amtsperiode an. Der Entschluss, des verehrten Magistraten 1 kommt für die schweizerische Oeffentlichkeit überraschend. Ein arbeitsreiches Leben findet damit im der Oeffentlichkeit seinen Abschluss. 40 Jahre lang hat Herr Dr. Haab dem Zürcher- und Schweizervolke gedient: als Gemeindepräsident seines Heimatortes Wädenswil, als zürcherischer Kantonsrat, als zürcherischer Oberrichtfir, als zürcherischer Regierungsrat, bis er im Jahre 1911' in die Generaldirektion der Bundesbahnen berufen wurde. Während des Krieges, in schwerwiegenden Jahren, war Dr. Haab als schweizerischer Gesandter und Minister, in Berlin tätig. Nach dem Tode des Herrn Bundesrat Forrer wählte die Vereinigte Bundesversammlung ihren ausserordentlichen Bevollmächtigten in der deutschen Reichshauptstadt zum Mitglied des Bundesrates, in der gleichen Nacht wurden von dem städtischen Beamten die Leiche und der Wagen von Dr. Beck untersucht. Der Bericht der städtischen Behörden bestätigte die vom Statthalter und vom Arzt geäusserte Ansicht über die Unfallursache. Als die Morgenblätter am Samstag Kunde brachten von den Ereignissen am gestrigen Abend, herrschte in der Stadt grosse Bestürzung. Man kannte Herrn und Frau Dr. Fischer und nicht weniger Dr. Beck in weiten Kreisen. Drei geschätzte und beliebte Menschen waren zwei Unfällen zum Opfer gefallen. In seinem Studierzimmer sass der Privatdetektiv Dr. Franz Steinmann. Er hatte früher die ärztliche Praxis in der Stadt ausgeübt und sich so einen grossen Bekanntenkreis geschaffen. Sein Interesse hatte immer den psychischen Grundlagen und Bedingungen gegolten, welche, die Menschen triebmässig beherrschend, ihr Geschick bestimmen. Eine Zeitlang wirkte er als Gerichtsarzt und immer beschäftigte ihn die Frage, wie weit der Anlage eines Verbrechers und wie weit den Zufälligkeiten der Ereignisse die Schuld an seinen asozialen Handlungen beizumessen sei. Er hatte Lombroso und die neuere Literatur durchgearbeitet und hatte immer mehr Interesse .gewonnen am Studium der Kriminalistik. Als sein Vater vor zehn Jahren starb und ihm als einzigem Kind ein beträchtliches Vermögen zufiel, Hess er den Arztberuf fallen und widmete sich ganz sei-

wo er die Leitung des eidg. Post- und Eisenbahndepartementes übernahm. Hier entfaltete Herr Bundesrat Haab eine ausserordentlich gewaltige, umsichtige und erfolgreiche Tätigkeit. Die Reorganisation der Bundesbahnverwaltung, die Kodifikation des Beamtenrechtes, die Vollendung der Telegraphen- und Postgesetzgebung können als sein grosses Werk angesprochen werden. Eine überaus hohe Intelligenz, diplomatisches und parlamentarisches Geschick, rastloser Arbeitswille, der nur das Beste für unser Schweizervolk im Auge behielt, sind die Kennzeichen dieses hervorragenden schweizerischen Staatsmannes, mit denen er sich in die Annalen unserer Schweizergeschichte unvergesslich eingeschrieben hat. Trotz seiner Eigenschaft als Eisenbahnminister war er der modernen Bewegung des Antomobilismus nicht • verschlossen. Dessen hohe Bedeutung für unsere Volkswirtschaft war ihm vollständig klar. Er war der erste Staatsmann, der ausdrücklich vor der Auffassung warnte, als ob der von den Automobilen bewältigte Verkehr ohne diese ganz einfach wieder den Bahnen zufliessen würde. Unser Wunsch geht dahin, die Vereinigte Bundesversammlung möge von allen kleinlichen Parteiinteressen unbeschwert für das verwaiste Departement einen gleich äquivalenten Kopf finden, der als schweizerischer Verkehrsminister die hohe Bedeutung des Automobilverkehrs in ihrer für unser Land ganzen Tragweite erfassen wird. Dem abtretenden Herrn Bundespräsidenten Haab wünschen auch wir im Namen der ganzen grossen schweizerischen Automobilgemeinde ein gesegnetes otium cum dignitate. K. Es tagt vor dem Walde. Im bernischen Grossen Rat hat Herr Meister mit 16 Mitunterzeichnern eine Motion eingereicht, welche zur Bekämpfung der vielen Unfälle die Einführung eines Verkehrsunterrichts in den bernischen Primär-, Sekundar-Schulen und Progymnasieu verlangt. Wir möchten "Herrn Meister zu seinem Schritte gratulieren. Es ist dies ein Postulat, das wir seit langem propagieren. Wir finden allerdings in vielen Schulen bereits Anfänge eines Verkehrsunterrichts. Jedenfa'ls aber geht die Behauptung nicht zu weit, dass noch ein bedeutendes Mehr geleistet werden kann. Der Verkehrsunterricht sollte in allen bernischen Schulen nach einheitlichen Grundsätzen und Ansichten erteilt werden. Wir werden später Gelegenheit haben, auf diese wichtige Frage erneut zurückzukommen. Hauptsache ist, dass es in allen Köpfen zu tagen beginnt. -t. Verkehrsunfälle werden bei der sich steigernden Motorisierung der Strasse leider nie mehr ganz aus der Welt zu schaffen sein. Selbstverständlich haben alle Kreise die Pflicht, das ihrige beizutragen, um Verkehrsunfälle und den Tod auf der Strasse zu verhüten. Erst vor einigen Tagen ereignete sich wieder ein solch schwerer Verkehrsunfall, indem an der unübersichtlichen Stelle der Strassenkurve beim Greisenasyl Bern ein in übersetztem Tempo daherfahrender Motorradfahrer das Tram überholen wollte und dabei direkt in ein Automobil fuhr, das durch die entgegenkommende Strassenbahn nach links auszuweichen genötigt war. Wie einwandfrei festgestellt wurde, trifft den Automobilisten in keiner Weise die Schuld. ner Liebhaberei. Er hatte schon viele verworrene Fälle geklärt. Sein Ruf war weit über die Landesgrenze hinaus gedrungen. Er sass am Schreibtisch, in die Morgenblätter vertieft. Die beiden Unglücksfälle fielen ihm auf. Beide Opfer hatte er gekannt. Sie waren einige Jahre jünger als er. Dr. Steinmann wusste, dass die Verstorbenen befreundet, gleich alt und in der gleichen Verbindung gewesen waren : ein eigentümliches Zusammentreffen. Es klopfte, das Mädchen meldete Herrn Kramer, Schriftsteller. Uebernächtig, verstört betrat der junge Mann das Zimmer. Er riss das Schnupftuch aus der Tasche, sich den Schweiss von der Stirne zu wischen. Eine blaue Brille fiel auf den Boden, unbehilflich hob er sie auf. Kramer machte den Eindruck eines Menschen, der an der Grenze der Zurechnungsfähigkeit steht. Hastig erzählte er, wie er aus den Schriftproben ersehen habe, dass Unheil über seine Freunde komme, wie •er seine Besorgnisse dem Polizeichef mitgeteilt, aber nur ungenügendes Verständnis gefunden habe. «Um mich von meinen quälenden Gedanken zu 'befreien, habe ich eine Reise gemacht. Seit gestern nachmittag ist aber mein Angstzustand unerträglich geworden, ich befürchtete Es sind uns in den letzten Tagen verschiedene Einsendungen zugekommen, die ihren Unmut darüber aussprechen, dass die bernisclie Verkehrsordnung immer noch im bernischen Stiftsgebäude ihrer Auferstehung warte. Jedenfalls wäre diese Verkehrsordnung dazu angetan, einmal in Kraft gesetzt, den Verkehrsunfällen hartnäckig auf den Leib zu rücken, indem diese Schrift zugleich ein prächtiges Lehrbuch für alle unsere Schulen bildete, an Hand dessen unsere Lehrerschaft eine interessante und fruchtbringende Belehrungstätigkeit entfalten könnte. Die weitere Behandlung in allen Verbänden und Verkehrsorganisationen wäre dazu angetan, die Leute derart aufzuklären, dass diese Aufklärungsarbeit sich unbedingt lohnen müsste. Allein die Verkehrsordnung für die Stadt Bern liegt wohlverwahrt, kein Mensch scheint sich mehr um sie zu kümmern, sie träumt versonnen in irgend einer grünen Schublade und fragt sich, ob denn ihre Geburtshelfer die bernischen Verkehrsverbände und ihr nächster Pate, der städtische Gemeinderat, sie gänzlich vergessen hätten... D Zum kommenden Automobilgesetz. Das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement hat am 21. September 1929 den sich interessierenden Verkehrsverbänden einige Bemerkungen zum Entwürfe für ein neues schweizerisches Automobilgesetz mit daran sich anschliessendem Fragebogen zugestellt. Der Fragebogen vor allem dürfte die Unterlage zu einer reiflichen und ausgiebigen Diskussion werden. Zu den gestellten Fragen hat das Departement zur bessern Beleuchtung der sich stellenden Probleme noch erklärende Bemerkungen beigefügt. Sie dürften als Wegleitung von gutem Nutzen sein. Das Departement bittet, die Beantwortung der Fragen möglichst rasch zu vollziehen; als letzten Termin setzt es den 31. Dezember 1929 fest und begründet diesen Termin damit, dass der Erlass eines Automobilgesetzes ziemlich allgemein und auch vom Departement als äusserst dringlich betrachtet werde, da der heutige Zustand von allen Seiten, und ganz besonders von der kompetenten Polizeidirektoren-Konferenz, als unerträglich bezeichnet werde, der mit den bisherigen Mitteln nicht zu heilen sei. In den Bemerkungen zum Entwurf für ejn neues Automobilgesetz hebt das eidgenossi4 sehe Justiz- und Polizeidepartement mit Recht hervor, dass die quantitative und qualitativ© Entwicklung des Automobil- und Fahrradverkehrs seit Ausarbeitung des ersten Entwurfes vom April 1922 dem Gesetzgeber eine etwas freiere Bewegung gestattet. Die Popularisierung des Automobils habe den Nebenerfolg gebracht, dass man einander mehr gegenseitiges Verständnis und auch grössere Hilfsbereitschaft entgegenbringe. Aus diesem Grunde glaubt das Departement, sich im kommenden Entwurf eines Bundesgesetzes noch mehr als früher auf Wegleitungen grundsätzlicher Art konzentrieren zu dürfen, die dann zum Teil erst in der nachfolgenden Verordnung ihre technische Ausführung finden werden. Das Departement hofft, damit zugleich eine flüssigere und kürzere parlamentarische Beratung des Gesetzes zu erhalten und eine Unmasse neuer Reibungsflächen aus dem neuen Gesetz eliminieren zu können. Für die allfällige Volksabstimmung sei alles auszuschalten, was der Vorlage gefährlich werden könnte, da eine nochmalige Verwerfung die unvermeidliche Folge nach sich ziehen müsste, dass die Aus- das Schlimmste und habe den Nachtschnellzug benützt, um Zeit zu gewinnen und Sie zur Hilfe aufzufordern.» Ernst nickte der Detektiv. «Sie kommen zu spät, lesen Sie.» Er gab Kramer die Zeitung und betrachtete die Wirkung der Nachricht auf dem Gesicht des Lesers. Starr blickte der Schriftsteller geradeaus. «Durch Unfall umgekommen? Ich habe ein Verbrechen geahnt,» sagte er halblaut, wie zu sich selber. «Herr Doktor, verfolgen Sie die beiden Fälle, ich glaube dem Zeitungsbericht nicht.» «Ich muss gestehen,» erwiderte der Detektiv, «mir kommen die beiden Fälle reichlich seltsam vor, und ich witterte sofort einen Zusammenhang. Wer kann mir über die nähe/n Verhältnisse und Beziehungen am raschesten Aufschluss erteilen?» «Die intimsten Freunde der Verstorbenen sind der Ingenieur Max Keller und der Bankier Fritz Kraft.» «Ich kenne die beiden Herren. Mit Beck und Kraft habe ich noch studiert, d. h. ich war junger Assistenzarzt, als die beiden die Kliniken besuchten. Kraft oder Keller, wen kann ich sofort sprechen?» Kramer dachte nach und sagte: AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N° 82 führung des Art. 37bis B. V. nicht mehr durch ein umfassendes Automobilgesetz, sondern nur noch durch Teilvorlagen: Automobilhaftpflichtgesetz, Automobilverkehrsordnung, Fahrradordnung usw. etappenweise erfolgen könnte. Das alte, falsche Lied. Der Verband schweizerischer Transportanstalten lässt der Öeffentlichkeit durch i eine Agenturmeldung mitteilen, dass er | letzten Sonntag in Luzern seine Herbstkonferenz abgehalten habe. Wie mit ziem- , hcher Sicherheit vorausgesetzt werden durfte, hat dieser Verband sich wiederum mit dem Automobilverkehr befasst. Er hat dabei neuerdings «krasse Ungerechtigkeiten» festgestellt. Was der Verband schweizerischer Transportanstalten nur schwer | ertragen kann, ist die «ungleichmässige Behandlung» in der Arbeitszeit. Die Bahnen seien einer strengen und starren Arbeitszeit-Gesetzgebung unterworfen, während ihr schärfster Konkurrent, der freie Automobilverkehr, gar keinen Beschrän- ! kungen der Arbeitszeit unterstellt sei. Selbst bei den Personenautomobilfahrten als regelmässigen Gesellschaftsfahrten sei die gleiche Behandlung mit dem Eisenbahnverkehr nicht vorhanden, indem die Chauffeure trotz verantwortungsvollem Dienst am Lenkrad zehnstündige Arbeitszeit hätten... Dieser in der ganzen schweizerischen Presse lancierten Behauptung gilt es ent- sehen Berufschauffeurvereinigung abgeschlossen. Danach richtet sich die Arbeitszeit nach dem Fabrikgesetz oder nach Gesamtarbeitsverträgen und ist auf alle Fälle derart geregelt, dass dem Arbeitnehmer täglich eine zusammenhängende Ruhezeit von zehn Stunden gesichert ist. Sollte der Chauffeur auf zehnstündige Arbeitszeit kommen, so sind hierin jedenfalls die Stunden zur Einnahme der Hauptmahlzeiten mit inbegriffen, so dass faktisch der Automobilchauffeur in seiner Arbeitszeit dem Fahrpersonal um nicht viel zurücksteht. Wenn im übrigen die Arbeitszeit nicht so starr und streng geregelt ist wie bei unseren Bahnen, so dürfen wir uns darob nur freuen. Es ist absolut nicht gesagt, dass auch noch das freie Gewerbe der schabionisierten Arbeitszeit unterliegen müsse. Dass die Nebenbahnen in starre Fesseln geschlagen wurden, ist wahrlich nicht Schuld des Automobils. Es nur deshalb in gleich starre Paragraphen einzwängen zu wollen, um damit die sogenannte Konkurrenz unterbinden zu können, ist wahrlich nicht nur kleinlich, sondern auch kurzsichtig. Der Standpunkt, dass, wenn es einem schlecht gehe, es unbedingt auch dem lieben Nachbar schlecht gehen müsse, ist nicht nur egoistisch, sondern volkswirtschaftlich direkt unsinnig. Man lasse dem Automobil die freie Bahn, las^e P