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E_1929_Zeitung_Nr.083

E_1929_Zeitung_Nr.083

Aasgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 27. September 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N° 83 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10 Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtUche Bestellung 30 ADMINISTRATION; Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Das kommende Automobilgesetz Wir glauben, im Interesse aller Automobilisten zu handeln, wenn wir im kommenden den Fragebogen, den das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement den interessierten Verbänden und Kantonsregierungen hat zukommen lassen, näher erörtern und die vom Departement gemachten Bemerkungen, welche seine Auffassung in wesentlichen Punkten bereits ziemlich ausgeprägt präjudizieren, umschreiben ohne uns vorläufig in irgendwelcher Art selbst festzulegen. Die Grundlage des neuen in Aussicht genommenen Bundesgesetzes bildet der Gesetzentwurf vom 10. Februar 1929. Unter den allgemeinen Bestimmungen figurierten zwei Artikel. In Artikel 1 wurde bestimmt, dass unter das Gesetz Automobile (Motorwagen und Motorräder) und Fahrräder fallen sollten. Der Begriff Motorlastwagen war näher umschrieben. Als solcher wurden Motorwagen bezeichnet, die bei voller Belastung ein Gesamtgewicht von 300d kg erreichen können, sowie Auto-Omnibusse, Autogesellschaftswagen, Traktoren und Anhängewagen. Zu den Motorrädern zählten auch die Fahrräder mit Hilfsmotoren. Im Zweifelsfalle sollte der Bundesrat, nach Einholung eines Berichtes der Kantonsregierungen, darüber entscheiden, ob und in welcher"Weise* 'einer Fahrzeuggattung oder ein einzelnes Fahrzeug unter diese Bestimmungen zu fallen hätten. Das Departement stellt nun die Frage, ob Alinea 1 nach Massgabe der parlamentarischen Motionen derart zu erweitern sei, dass das vorliegende Gesetz Bestimmungen über die Benützung von Automobilen (Motorwagen und Motorrädern) sowie über den Verkehr, auf den dem Automobil geöffneten Strassen im allgemeinen enthalte. Daraus geht deutlich hervor, dass das Gesetz nicht für alle Strassen in Anwendung gelangen soir und dass die Fahrräder eventuell nicht in dasselbe mit einbezogen werden sollen. Eine zweite Frage geht dahin, ob gegen die Umschreibung der Motorlastwagen sich Bedenken erhöben und eine dritte Frage, ob nicht auch Bedenken sich geltend machten gegen die Einbeziehung der Fahrräder mit Hilfsmotoren unter die Motorräder. Artikel 2 befasste sich mit den Durchgangsstrassen und legte fest, dass es in der Kompetenz des Bundesrates, nach Anhörung der F E U I L L E T O N Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. (6. Fortsetzung) Kantonsregierungen, läge, für den allgemeinen Durchgangsverkehr notwendige Strassen in vollem oder beschränktem Umfang für offen zu erklären, dass aber im übrigen die Kantone berechtigt seien, die Benützung der Strassen zu beschränken oder ganz zu untersagen. Das Departement stellt die Frage, ob der Bundesrat seine Kompetenz erst nach Anhörung der Kantonsregierungen soll ausüben dürfen und ob nicht auch die vorausgehende Anhörung 3er Bundesinstanz, wenigstens für zeitliche kantonale Beschränkungen, vorgesehen werden sollte. Das Dpeartement fügt hinzu, dass die im seinerzeitigen bundesrät- 6 liehen Entwurf vorgesehene Genehmigung des Bundesrates für Beschränkungen, die sich auf den Sonntag und die Zeit für Alpauftrieb und -entladung bezogen, vom Parlamente abgelehnt wurde. Es ist jedoch nach wie vor der Aufassung, dass der Zwang zur vorherigen Rücksprache wohl auch für die Kantone selbst von Nutzen wäre, indem damit zum mindesten die gröbsten Unzuträglichkeiten und unnötigen Ungleichheiten vermieden werden könnten.. Wir glauben, in der Annahme nicht fehlzugehen, dass alle Verbände mit der Auffassung des Departementes für diese minimalste Forderung einiggehen werden. ,*_P>© Vorschriten über die Automobile umfassen in elf Artikeln Bestimmungen über die Fahrausweise und in 16 Artikeln solche übef Verkehrsvorschriften. Der Fahrausweis. Artikel 3 bestimmte, dass ein Automobil zum öffentlichen Verkehr nur auf Grund eines Verkehrausweises zugelassen und dass niemand ein Automobil führen dürfe, der nicht im Besitze eines Fahrausweises sei. Die Frage stellt sich, ob nicht eine besondere Kategorie von provisorischen Fahrbewilli- «ungen (Lern-Fahrbewilligungen) geschaffen oder als solche erwähnt werden sollte oder ob diese Bestimmung besser in die Verordnung zu placieren oder gar der Praxis 'zu überlassen sei. Artikel 4 soll unverändert gelassen werden. Er lautete: «Die Ausweise werden durch den Kanton erteilt, wo der Bewerber seinen Wohnsitz hat. Sie werden für das Kalenderjahr ausgestellt und sind jährlich zu erneuern. Sie sind gültig für das Gebiet der Eidgenossenschaft.» Nach kurzer Zeit hörte man das Rattern eines Motorrades, ein Polizist brachte die Ausweise. Dr. Steinmann verabschiedete sich von Kramer und holte seinen Wagen aus der Garage. Auf der Kraft'schen Bank erhielt er die Auskunft, dass der Prinzipal unpässlich sei, am Montag jedoch wieder erscheinen werde. Der Detektiv begab sich daraufhin zur Wohnung des Bankiers. Man sagte ihm, es gehe dem Kranken besser, er sei gerade daran, sich anzukleiden, in zehn Minuten stehe er zur Verfügung. Wiederholt bemühte sich die Haushälterin um den schweigsamen Gast. Sie schien den Detektiv zu kennen und sprach, ohne gefragt zu sein, über die intimen Beziehungen ihres Herrn zu den gestern verunglückten Freunden. Sie hatte etwas Aengstliches und Unruhiges in ihrem Wesen, das sich plötzlich Bahn brach: «Herr Kraft ist gestern Nachmittag plötzlich an Leibschmerzen erkrankt; Herr Dr. Beck war noch hier und hat eine recht ernste Miene gemacht. Er hat Proben des Erbrochenen ins Institut geschickt, und heute morgen hat die Haushälterin des Verstorbenen den schriftlichen Bericht über das Untersuchungsresultat gebracht. Es ist Arsenik im Mageninhalt gefunden worden, aber ich möchte dem Herrn nichts davon mitteilen, da er auf mich Verdacht haben könnte, und ich bin doch so sehr in Sorge um Herrn Kraft. Vor einigen Tagen schon habe ich Fräulein Keller von einem unheimlichen Mann mit schwarzem Bart erzählt, den ich mehrmals am Heckenweg gesehen habe. Ich befürchte, dass dieser das Gemüse des Herrn in der Küche vergiftet hat, als ich im Esszimmer den Tisch deckte. Ich selber liebe das Gemüse nicht und habe keines gegessen. Hier ist der Schein vom Institut.» Kraft betrat, sorgfältig angezogen, das Empfangszimmer, schien aber in der Tat recht mitgenommen zu sein. Die Männer begrüssten sich. Dr. Steinmann erklärte den Grund seines Kommens und bat den Bankier um verschiedene Auskünfte über die Verstorbenen, nachdem er von Kramers Ahnungen erzählt hatte. Fritz Kraft berichtete genau, wie alles gekommen war. Er konnte aber dem, was der Detektiv bereits durch den Schriftsteller erfahren hatte, nicht viel Wesentliches beifügen, weil er über die Erfindung Kellers, von der Kramer nichts wusste, dem Versprechen gemäss nichts verlauten lassen wollte. Auf die Frage, ob die Verstorbenen keine Feinde gehabt hätten, erwähnte Kraft den Brief von Alfred Fleissig und erzählte seine Geschichte; auch überliess er Dr. Steinmann auf dessen Bitte die Photographie des Legionärs und Artikel 5 bestimmte, dass der Verkehrs-1 ausweis auf den Namen des Halters des Automobils erteilt werde, wenn amtliche, sachverständige Prüfungen die Eignung des Automobils für den beabsichtigten Betrieb ergeben haben und der Bewerber nachweise, dass die durch dieses Gesetz vorgeschriebene Haftpflichtversicherung bestehe. Das Departement hält eine Bestimmung für unnötig, wonach mehrere Kantone gemeinsame Experten bestellen können. Es wirft aber die Frage auf, ob die Art des Nachweises der bestehenden Versicherung (Vorweisen der Police oder Bescheinigung der Gesellschaft über Bestehen der Versicherung, Unterschriftsberechtigung, Prüfungspflicht) hier oder besser in der Verordnung geregelt werden sollte. Artikel 7 befasste sich speziell mit dem Führerausweis und bestimmte, dass er auf Grund einer theoretischen und praktischen Prüfung erteilt werden könne, durch die sich der Bewerber darüber ausweist, dass er ohne Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu fahren verstehe. Er sah eine neue Prüfung vor, sofern der Führerausweis während drei Jahren nicht erneuert wurde und bestimmte, dass er nicht erteilt werden durfte an Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, an solche, die nicht urteilsfähig oder durch körperliches oder geistiges Gebrechen an der sichern Führung des Fahrzeuges behindert sind, und an solche, die dem Trunke ergeben oder aus an- *dern amtlich feststehenden Gründen nicht geeignet erscheinen. Das Departement glaubt nicht, dass man über den allgemeinen Grundsatz für die Prüfungsvoraussetzung hinausgehen sollte. Das vom Departement in Anpassung an bereits bestehende kantonale Prüfungsvorschriften aufgestellte und den Kantonen bekanntgegebene Schema wurde von zwölf Kantonen ausdrücklich akzeptiert, von andern vielleicht stillschweigend übernommen. Es ist der Ansicht, dass die ganze Materie in die Verordnungen placiert werden sollte. Eine weitere Frage stellt sich, ob es den Kantonen anheimgestellt werden soll, noch schärfere Bestimmungen zu erlassen. Zu prüfen ist ferner, ob noch andere zwingende Ausschlussgründe vorhanden sind, deren ausdrückliche Nennung wünschenswert wäre. Das Departement erwähnt andere mannigfache Möglichkeiten (Kokainismus, Strolchenfahrten ohne Fahrausweise), denen aber durch die im Schlusssatz verlangte amtliche Notorietät genügend vorgebeugt werden könnte. das Schreiben aus Karthum. Der Detektiv dankte und verabschiedete sich. Darauf fuhr er mit einem Radio-Installateur zum Hause Dr. Fischers, legitimierte sich bei dem Mädchen und Hess sich den Hergang des Unglücks erzählen. Während er die Leichen kurz untersuchte, kontrollierte der Elektriker den Radioaparat und stellte fest, dass verschiedene Teile durch den heftigen Stromstoss gelitten hatten; dann demontierte er die Antenne. Dr. Steinmann machte sich Notizen. Im Schreibtisch der Verstorbenen, dessen Verschluss geschickt von der geübten Hand geöffnet worden war, fand Steinmann ein Schriftstück, das er in seiner Rocktasche versorgte. Kurz darauf stand er Fräulein Bleuler gegenüber. «Zeigen Si© mir das Giebelzimmer, an dessen Aussenseite die Antenne Dr. Fischers befestigt war.» Sie stiegen zwei Treppen hoch. «Das Zimmer ist leer. Herr Klein, mein früherer Mieter, ist gestern abend um achteinhalb Uhr für immer verreist und hat sein ganzes Laboratoriums-Inventar durch einen Dienstmann abholen lassen.» Die Aengstlichkeit war von der Dame gewichen und ihre gewohnte, artige Geschwätzigkeit forderte ihr Recht. «Wissen Sie Herr Doktor, Herr Klein war imer sehr liebenswürdig; denken Sie, er hat, weil er so plötzlich verreisen musste, sein INSEPTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern In Artikel 9 wurde bestimmt, dass die Ausweise und das Fahrzeug jederzeit von den Kantonsbehörden kontrolliert werden können und dass erstere bei jeder Fahrt mitzuführen seien. Die Frage drängt sich hier auf, ob obligatorische periodische Kontrollen der Fahrzeuge vorgeschrieben werden sollten, oder ob die Anordnung derselben den Kantonen freizustellen sei. Das Departement betrachtet die periodischen Kontrollen der grossen Personentransportfahrzeuge unter allen Umständen in gewissen Rahmen als notwendig. Artikel 10 spricht über den Entzug der Ausweise. Er bestimmte, dass der Verkehrsausweis durch die Behörden des Kantons, wo der Halter den Wohnsitz hat, zu entziehen sei, wenn das Fahrzeug den aufgestellten Vorschriften nicht mehr entsprechen oder wenn die Versicherung aussetze, dass der Führerausweis durch die Behörde des Wohnsitzkantones zu entziehen sei, wenn Ausschlussgründe nachträglich bekannt wurden oder eintraten und dass er zeitweilig oder dauernd entzogen werden könne, wenn der Führer Verkehrsvorschriften schwer verletzt oder wiederholt übertreten habe. Im ferneren waren die Kantone berechtigt, beim Wohnsitzkanton den Entzug der Fahrausweise zu beantragen. Die Möglichkeit des Entzuges des Fahrausweises durch die Administrativbehörde bei wiederholter, leichter Uebertretung ist iniäer letzten Abstimmungskampagne beanstandet worden. Das Departement stellt ittesbalb die Frage, ob die Praxis Anlass zu Befürchtungen wegen Missbrauches dieser Kompetenz ergeben habe und fügt bei, dass mehrere Kantone den Konkordatszwang in ihrem Ausführungsdekret in ein Fakultativum umgewandelt hätten. Artikel 11 bestimmte, dass Fahrten zu Lehrzwecken nur mit Fahrzeugen, für die Verkehrsausweise bestünden und in Begleitung einer Person, die den Führerausweis besitze, gestattet werden dürften. Vom Fahrlehrer wurde eine Bewilligung des Wohnsitzkantons verlangt. Die Frage stellt sich, ob hier oder in die Verordnung Vorschriften für die Fahrlehrer aufgenommen werden sollten, wie dies z. B. im neuen italienischen Gesetz der Fall sei. Artikel 13 sah vor, dass für ausländische Automobile und Führer, die nicht durch internationale Uebereinkunft davon enthoben sind, die Ausweise durch die Kantone erteilt würden. Dem Bundesrat war vorbehalten, in gewissen Fällen ausländische Ausweise Zimmer für weitere vier Wochen bezahlt. Ueberhaupt war er ein feiner Herr; nur in Handschuhen hat er gearbeitet, um seine zarten Hände zu schonen.» «So, seine zarten Hände.» «Ja, er hatte wunderschöne, gepflegte Hände.» «Wie hat er denn sonst ausgesehen?* «Oh, Herr Klein war ein schöner Mann mit schwarzem Vollbart.» «Gleicht er diesem Bild?» Steinmann zeigte Fleissigs PhotograpWe. «Ja, Herr Doktor, das ist er, sind Sie mit ihm befreundet?» «Eben deshalb komme ich; er hat eine Kleinigkeit vergessen.» Der Detektiv hatte die Zeit von Fräulein Bleulers Redefluss benützt, um das ganze Zimmer zu durchsuchen und hatte in einem Wandkasten den untern Teil eines zerbrochenen Reagenzrohres gefunden, den er sorgfältig verpackte und einsteckte. Er verabschiedete sich von der Dame und musterte im Vorbeigehen noch genau einen neben der Tür befindlichen Steckkontakt. Nach dem Mittagessen verschwand er für kurze Zeit in seinem Laboratorium. Kurz darauf bestieg er seinen Wagen und fuhr zur Dienstmänner-Anstalt. Nach einer Stunde bemerkten Passanten, die eine der abgelegenen Brücken der Stadt passierten, dass in der Nähe von einem Kahn aus das Wasser mit Stangen durchsucht wurde. Dr. Stein-