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E_1929_Zeitung_Nr.084

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helfen Sie mir weiter!

helfen Sie mir weiter! Warten Sie, icft werde Sie unterhalten. Wir spielen ein Lied, das Ihnen Freude machen wird. Ich bin nämlich betrübt, mein Herr. Schmerzen, von denen man nicht spricht. Meine Seele weint...» Der Leutnant stellt ein Grammophon aufs Trittbrett, legt eine Platte auf und schraubt die Nadel fest. Und er spielt, was meiner Seele wohltut (so wahr mir Gott helf): Einen uralten deutschen Schlager. «Ist denn kein Stuhl da für meine Hulda?» mit Orchesterbegleitung und Lacheinlage, wobei ich herzlich mitlachen muss. Ich rutsche von der Stossstange. eDr Schraubenschlüssel fällt klirrend zu Boden. Da merkt der Leutnant, dass er irgend was falsch gemacht hat und stellt die Musik ab... * * * Die Strasse von Ribas nach Badajoz ist das Seltsamste, was man sich denken kann. Abseits aller Verkehrswege liegt das blanke Asphaltband mitten in der Provinz Extremadura, die — wie schon ihr Name besagt — «die äusserste Härte» der Geographie bedeutet. Ein normaler Verkehrsweg verläuft in Windungen, weil er Berge und Täler bewältigen und sich dem Gelände anpassen muss. Nicht so die «Interkommunale Carretera Nr. 15 der Provinz Extremadura». Sie führt beim Bauern Alparez vorüber, beim Fürsten de Riveras, nimmt auch den Weinbauern Gomez noch mit, der dort oben mit Blausäure den Rebläusen nachstellt; sie geht weiter zum Herrn Pfarrer, zum Metzger Totosaus, zum Küster Quintana und klettert auch noch zum Viehhändler Albanesi hinauf, ehe sie weiter schleicht von Hof zu Hof, von Dorf zu Dorf. «Wie weit ist es noch bis Badajoz?» «Noch sieben Meilen.» Wir puffen vorsichtig weiter im Leerlauf, wenn's bergab geht; denn wir sind auf diese Gevatternstrassen nicht vorbereitet gewesen und müssen haushalten mit unserem Rest Benzin. Wir fragen einen Vikar, der des Weges kommt. «Wie weit ist es noch bis Badajoz?» «Noch acht Meilen.» Es wird immer mehr statt weniger. Es naht der Augeblick, da wir ernstlich zu Rate gehen. Sollen wir weitergehen oder beim nächsten Dorfschulzen parken und um Benzin telephonieren? Es ist gefährlich, es auf den letzten Schoppen Shell ankommen zu lassen. Wir sitzen verzweifelt unter einem steinernen Aloysius, vor uns der verstaubte Wagen, über uns der blaue Himmel mit der sengenden Sonne von Extremadura. Da naht vom Berge her ein Wagen. Ein offenes Kabriolett. Am Steuer sitzt ein barhäuptiger Mann mit dunkler Hornbrille und weissem lacht, dass sein© Hängewangen zuoken. «Na, dann trinken wir vielleicht mal 'n Töppchen?» Während Herr Grüner in seinem Koffer nach geistigen Getränken sucht, wartet ein Eselgespann auf Durchfahrt. Doch der Herr aus Leipzig nimmt sich so über alle Massen viel Zeit, seine Effekten zu durchsuchen und wieder zu glätten, dass der Bauer zaghaft andeutet: Ob der Herr vielleicht sein Fahrzeug ein bisschen — ? «Hombre! Que barbaridad! Madre mia, paciencia! Paciencia!» Herr Grüner weist entrüstet ab. In der Linken eine Flasche Chartreuse, die Rechte hoch erhoben. — Unser Landsmann schimpft auf Gallego und gebraucht bäuerliche Termen, die in keinem Wörterbuche stehen. «Da seht mir doch einer an! So ein Bruchbauer! So ein Paket von Ungeduld und breitem Mundwerk! So ein Loch! So ein hohler Sack, den der ärmste Niemand noch aufblasen kann! So eine Null von Jammer und; Eseldreck! Willst du wohl warten lernen, du Niemand?» Diesem Menschen aus Leipzig gehört Extremadura. Herr Pablo Grüner hat die Provinzen Salamanca, Galicia und Extremadura als Alleinvertreter und bereist sein Reich mit Musterkoffern. Er kennt die Präfekten und die Pfarrer, die Alkalden und die Aerzte, und jeder Zoll Boden gehört irgend einem Freund von ihm. Herr Grüner kennt den König und den Diktator und schätzt die Politik, die seinem Auftragsblock nützt. Er liebt die Ordnung und den Gewinn aus schuldlosem Handel und kann schimpfen, auf wen er will. Wir fahren unseren Wagen zum Alkalden von Ortiz hinein; Kläre bleibt bei ihm zu Gast. «Ihre Dame kann bleiben, solange sie will, ohne jedes Obligo Ihrerseits, versteht sich. Der Mann ist ein Freund von mir.» Es wird so geordnet, dass ich mit Herrn Grüner nach Badajoz hinunter fahre und noch heute abend mit zehn Litern Benzin zurückkehre, und zwar zu Pferde. Herr Grüner wird in Badajoz für das Ross bürgen, und der Eigentümer mag es sich morgen aus Ortiz zurückholen... Doch es kommt nicht dazu, dass ich noch Benzin kaufe in Badajoz. Ich muss mit Herrn Grüner vor ein fürnehmes Haus gehen und seine Vielgeliebte kennen lernen. Don Pablo Grüner nimmt den Rosenstrauss vom Kühler, bläst den Staub von Blättern und Blüten und hüllt ihn in ein Stück Seidenpapier, das er plötzlich zur Hand hat. Wir schreiten fürbass durch eine finstere Gartenstrasse. «Es ist ein Mädchen aus bester Familie, müssen Sie wissen. Also keine Anzüglichkeiten, versteht sich. Ihr Vater ist Polizeikom- QREDI G'S GRAND CAFE ASTORIA Bahnhofstrasss ZÜRICH Peterstrassa Bündnerstube - Spezialitätenküche ^röni^theüb bietet Ihnen seine Dienste an. FABRIKEN IN CORTAILLOD& LIESTAL „Merkur" Werkzeug-Kontrollbüchlein Nr. 45 tür Metall-Arbeiter Nr. 46 für Elektroinstallateure Nr. 47 für Gas- and Wasser-installateure Nr. 48 für Holz-Arbeiter 1 10 100 Stück L— 9.— 80.— Franken Auf Wunsch Aanrahl-Sendnng Q. KOLLBRUNNER & Co., BERN Marktgasse 14 Inseriert im „Autler-Feierabend" [Autler-Ausflugsziele ja—M»L «ii »i i i«»a«MJB!>a«g»——— Schillerkragen. Am Kühler baumelt ein Ro-missarsenstrauss. Doch das Seltsamste ist das viel an die Behörden hier in Badajoz.» ein Freund von mir. Ich verkaufe weisse Nummernschild mit dem roten Stempelklecks III17822 — ein Wagen aus Leipkommenste an Jugend und Schönheit, was Fräulein Paquita ^ist in der Tat das Vollzig? Noch ehe wir das D erkennen können, man sich denken kann. Sie steht hinter Gitterstäben und erwidert betörende Beteue- hat der Mann bereits gestoppt, angesichts unserer verstaubten Nummer IA5317 rungen. Don Pablo spricht die Sprache der «Deutsche?» — «Ja, Deutsche.» Stunde, so wie ein Meister auf einer kostbaren, alten Geige spielt. Er singt in hellen Tö- «Deutscher! Grüner ist mein Name.» Wir stellen uns vor. nen auf der A-Seite der Liebe, um mit einem Herr Grüner freut sich, männlich und laut, langen Läufer hinunter zu fiedeln auf satte schallend-aufrichtig; er nimmt phonetisch Akkorde. Er preist den Selbstwert der von der Provinz Extremadura Besitz und Schönheit und schildert die Grössenanordnung der Weltstadt Berlin, die doch nur ein jämmerliches • Bisschen sei für Paquita, die Schönste von Iberien... Er beschreibt die Mühseligkeit der Geschäfte und trillert wieder hinauf zu diesem einzig schönen Vibrato: Nur die Freude auf das Wiedersehen mit ihr, Paquita, liesse das Leben wertvoll erscheinen ... Und ob sie denn schon mit ihrem Onkel gesprochen habe. Gewiss, Paquita hatte mit ihm gesprochen. Und der Onkel wird morgen gerne bereit sein, Herrn Grüner zu empfangen und seine Muster anzusehen. Da wird es allmählich Zeit, sich zu verabschieden. Don Pablo will morgen abend wieder an die Pforte kommen. «Wissen Sie was? Sie können heute doch nicht mehr zurück nach Ortiz. Gehen Sie mit mir zur Polizeikaserne! Dort werden Sie sofort telephonische Verbindung mit Ortiz bekommen, gratis, versteht sich, Freunde von mir! Sie sagen Ihrer Gattin Bescheid, dass Sie morgen erst kommen! Uebrigens, Sie können dort auch zur Nacht bleiben. Ich schlafe ja auch dort. Ich schlafe immer bei der Polizei. Auch das Pferd können Sie von der Guardi Civil kriegen. Das werden wir morgen schon regem.» Die Polizei von Badajoz ruft in der Tat den Alkalden von Ortiz an und meldet meine Ankunft für morgen mittag. Die Dame möge sich nur zur Ruhe begeben. Die Polizei von Badajoz lässt auch eine Zelle für mich zurechtmachen. Es wird eine Matratze frisch überzogen. Don Pablo führt seinen Wagen III17 822 auf den Hof der Kaserne und begibt sich zur Ruhe in Zelle 3. Ich lege mich nieder in das Feldbett der Zelle 4. So schlafe ich friedsam und zu treuen Händen ein, völlig gratis, versteht sich, ohne jedes Obligo..- F. Koch-Wawra. Der liebe Gatte. Len Harvey, der famose englische Faustkämpfer, hatte jüngst seinen Gegner Frank Moody überlegen abgefertigt. Kaum war Harvey zum Sieger erklärt, als seine bessere Hälfte in den Ring stieg, um ihm mit einem herzlichen Kuss zu gratulieren. Als sie wieder zurück wollte, stand sie plötzlich vor Moody, dem Besiegten. «Es tut mir wirklich leid, Mr. Moody.» Frank hatte zwar ein blaues Auge, eine blutige Nase und sonst noch andere momentane Schönheitsfehler und meinte, bitter lächelnd: «Unzweifelhaft, Mrs. Harvey, Sie haben einen unangenehmen Gatten.» «Das ist nicht möglich,» meinte Mrs. Harvey, «wenn Sie wüssten, wie lieb er mit mir ist...» Die hypnotische Grammophonplatte. Dass uns ein Grammophon in Stimmung — oder auch in Wut — versetzen kann, wird wohl niemand bezweifeln. Dass es sogar ausgesprochene hypnotische Fähigkeiten hat, klingt hingegen übertrieben. Und doch ist es so. Beweis : In Berlin hat kürzlich ein Dr. Tomas sieben Personen, drei Frauen und vier Männer, richtiggehend seekrank gemacht, indem er sie durch ein Stereoskop gucken Hess und ihnen dabei gleichzeitig eine Grammophonplatte vorspielte. Der Text der Platte war allerdings nicht ganz alltäglich. Er lautete: «Sie sind auf dem Meer, das Wetter ist stürmisch. Das Schiff rollt und schlingert, rollt Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schwell sind ersichtlich in O. R. Wagners Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. HOCHDORF uuimergen OCHSE« Altbekannter Landeastnof. direkt an der Strasse Zürica-üremgaften- Luzern. Vorzügliche Küche und Keller. Schöne Lokalitäten für Vereine. — (iarage. — Tel. Nr. 211. Gesellw. Hoffmann. AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N" 84 Post — Telephon Nr. 42 — Bunte Chronik aus der Nitlelschveiz Note Gewinnen ^^^^^^ Sie sie den aen Äuller nutier zum ^^^^^^ Kunden durch den Lebende Forellen. Gartenwirtschaft. Garage. M. Meyer-Tschupp. ^^^^ Äutler Feierabend Hotel Schwanen Kendez-vous der Automobilisten. Soignierte Küche. Spezialität: Bachforellen. Panatrop-Konzerte. Garage. H. süss Chef dl euiiine. Mitgl. A. C 8. und T. 0. 8. und schlingert, rollt und schlingert. Sie spüren, Sie werden seekrank. Seekrank! Seekrank! Sie können nicht mehr essen. Es wird Ihnen übel! Immer mehr! Immer mehr! Es ist furchtbar! Wird das Meer sich nie beruhigen? O-o-o-h, nun sind Sie so seekrank !>: Wie gesagt, die Versuchspersonen wurden seekrank, unzweifelhaft seekrank. Dr< Tomas wohnte dem Versuch nicht bei, absichtlich nicht, um jede persönliche Einflussmöglichkeit auszuschliessen. Der Beweis, dass die Grammophonplatte hypnotisieren kann, ist damit geleistet. Dr. Tomas knüpft an diese seine Entdeckung grosse Hoffnungen. Er will die Kombination Grammophon-Stereoskop weiter ausbauen und dieses «Hypnotiphon», wie er es nennt, systematisch zur Behandlung von Nervenleiden heranziehen. Nach seinem Bericht wirkt die Hypnose durch die Platte fast unfehlbar auch bei Personen, die einer persönlichen Hypnose nicht zugänglich sind. Zum ersten Mal wurde Dr. Tomas auf den merkwürdigen Einfluss von Schall- und Lichtkombinationen aufmerksam, als er bei einer Arbeit an der Wiener Akademie der Wissenschaften einen Studenten unbewusst aber mit grösster Genauigkeit auf den Text einer Platte reagieren sah. Mit dem gleichen Studenten nahm er dann weitere Versuche vor, die jedesmal alle Erwartungen erfüllten« m. Tankstellen und Natur. Eine englische Zeitschrift veranstaltet ein Preisausschreiben für den besten Vorschlag einer Tankstelle, die nicht, wie bisher, nur prosaisch und zweckentsprechend gebaut sein soll, sondern deren Ausführung sich dem Rahmen der Landschaft anpasst. Es wird in England seit längerem Klage darüber geführt, dass die unzähligen Tankstellen auf Chausseen und Strassen in dem schönen englischen Landschaftsbild unorganisch wirken und die Natur verschandeln. Da das englische Publikum an der Frage sehr regen Anteil nimmt, sind bei der Redaktion der Zeitung schon viele Vorschläge eingegangen. Anpassung. Der Bürgermeister, dessen Amtsperiode endet, verabschiedet sich von seinen Beamten und trifft den einen im tiefsten Schlaf. Das Stadthaupt weckt seinen Untergebenen und fragt jovial, wie lange der Schläfer bereits im Amte sei. «Zwei Wochen, Herr Bürgermeister.» «Na, da haben Sie sich ja schnell bei uns eingelebt.» Handels-Sdiule Widemann _ Gegr. 1876 BASEL Kohlenberg 13 Fachschule für Handel und Sprachen Höhere Bandelsansbildnng mit Diplomabschluss. Deutschkurs für Fremdsprachige. Privatsekretärinnen-, Stenotypisten- u. Hotel* facnkurse. Aile Fremdsprachen. Semesterbeginn : Mitte Oktober PROSPEKTE DURCH DIE DIREKTION. GUGGITAL KUßHAUS Prachtvolle Aussicht ant Zugereeaj Stets lebende Forellen. Qualitäuweina; Antopark. Telephon 20. Be«. F. Moser. Viel eleganter, praktischer und billiger alsWandregulateure sind meine Pendulerle in feinster Ausrührung und allen Holzarten. Die Uhr tür das vornehme Appartement. C. Barbier, Interiaken VERLANGEN SIE PREI8L1ÖTÜ

NO 84— 1929 AUTOMOBIL-REVUE 15 Er hiess Karl, sie hiess Anna. Sie heirateten, als sie kaum zwanzig Jahre gewesen waren. Er war arm und sie war mittellos, mit einem Wort: beide hatten kein Geld. Sie hatten auch keine Wohnung und keine Möbel. Wozu braucht man auch Möbel, wenn man keine Wohnung hat? Sie sagten einander: auf die Hochzeitsreise verzichten wir, die können wir nächstes Jahr nachholen- Wir wollen lieber für eine Wohnung und für die Möbel sparen. Da sie einander sehr lieb hatten, brauchten sie auch keine Hochzeitsreise. Em Jahr war vergangen. Da sagte Anna, die Frau: Lieber, wir müssen sparen. Wir werden bald ein Kind haben. Die Hochzeitsreise können wir nächstes Jahr machen, da haben wir ein kleines süsses Balg mit, das wird noch einmal so schön. Sie liebten einander noch immer wie am ersten Tage und leisteten gern Verzicht auf die Reise. Wieder ein Jahr später. Ein Bub war vor einem Jahre gekommen, nun wurde ein Mädelchen erwartet. Nächstes Jahr! Nächstes Jahr! frohlockten beide, und ihre Augen glänzten. Sie vermissten die langerwartete Reise nicht. Sie fanden ein schönes Glück bei ihren Kindern. Dann kam ein böses Jahr. Der Mann war lange krank. Die Ersparnisse gingen drauf. Karl ging auf Wochen in eine Heilanstalt und kam gesund wieder. ' Von der Reise wurde in diesem Jahre nicht gesprochen. Es war schon ein so grosses Glück, dass der Mann wieder gesund geworden. Und Liebe überbrückt tausend Wünsche. Im Jahre darauf zog man in eine andere Stadt, mitten im Sommer, zur Reisezeit. r Karl war versetzt worden. Der Umzug kostete Geld und riss ein Loch in den Beutel, Geld geheiratet. Aber das gab der Mutter Nur wir werden verschont bleiben. Aber wir einen Stich' ins Herz. Sie dachte an ihre müssen uns alle zusammenschliessen und Jugendjahre — sie dachte fünfundzwanzig unter diesem Dach bleiben!» lange Jahre zurück — welch eine kurze Die Mitglieder der Sekte waren überzeugt. Spanne! und sie überredete, mit Tränen in Sie leerten ihre Wohnungen fluchtartig und den Augen, ihren Mann, auf die Reise zu brachten alles Hab und Gut in der Bäckerei verzichten, der Kinder wegen. Und wasunter. Sie Hessen sich für Tausende von tut ein Vater nicht für das Glück seiner Kinder? Die beiden Altgewordenen lächelten einander zu — die Kinder bekamen das Geld. Es reichte für einige Möbel und für eine kleine Reise. So, meine Lieben, kam die Hochzeitsreise doch noch zustande! Die Jungfrau von Frontenay Paris hat einen Vorort namens Frontenay. Dieser Vorort ist ein Vorort wie ein anderer auch, durchaus nicht mittelalterlich, eher von schlechter, fabrikmässiger Modernität angehaucht. Auf alle Fälle scheinen seine Einwohner ganz normale, vernünftige Leute zu sein. Aber gerade in der gewöhnlichsten, vernünftigsten Umgebung kommen oft sonderbare Dinge vor. Durchwandert man nämlich eine gewisse Frontenayer Strasse, so steht man plötzlich vor einer Bäckerei, die zur Festung umgewandelt wurde. Rings um das Haus ziehen sich dicke Mauern, mit Schiessscharten, Gucklöchern, Panzertüren und allem andern handgetrieben in eigenem Atelier nach alten REHFUSS-Mustern u. Original - Zeichnungen Radioapparate und -Zubehörteile, Kraftverstärker, Radio-Grammophonanlagen, Reiseempfänger Nun waren schon zehn Jahre vergangen. Von der Hochzeitsreise war nie mehr die Rede gewesen. Nur in den Träumen und Wünschen spielte sie eine unvergessene, grosse Rolle. Als der zehnte Hochzeitstag in Aussicht stand, wagte der Mann, an die Reise zu erinnern. Aber die Frau brachte mit leisem Erröten einen Einwand: Wir brauchen neue Möbel, die Kinder wachsen, wir brauchen neue Kleider, die Kinder brauchen Wäsche, und dann die Gardinen und... Der Mann verschloss ihr mit Fünfzehn Jahre waren es nun. Der Junge sass auf dem Gymnasium. Für einfache Leute bedeutet das Geld, Geld, Geld. Es wurde gespart. Die Kinder gingen zu der Tante aufs Land zur Erholung. Die Eltern blieben daheim und versanken in Erinnerungen. Sie bewiesen einander, dass man sich auch nach fünfzehn Jahren Ehe noch lieben kann wie am ersten Tage und vielleicht noch mehr. Am zwanzigsten Hochzeitstage? der Bub war kein Junge mehr, es war ein junger Herr geworden, ein fleissiger, geweckter Kerl, der die Universität besuchte. Und wenn Karl, der Mann und Vater, auch mehr verdiente als vor zwanzig Jahren und keinen Grund hatte, zu klagen und gern den letzten Rappen für seinen Jungen hergab, auf den er stolz war, so dachte er doch mit Wehmut an die Reise..« Zum fünfundzwanzigsten Jahrestage der Hochzeit war die grosse, wundervolle, schöne, über alle Massen herrliche Reise gedacht, geplant und vorgenommen worden. Diesmal gab es sicher keinen Auf- notwendigen Drum und Dran. Die Festung der Hand den Mund: er sah ein, es gab ist kein Ueberrest, nein, sie ist neu. Und in dringlichere Sachen als eine romantische ihrem Innern wartet seit einem halben Jahr Reise. die dazugehörige Besatzung, wohlversorgt Ein Glück, dass sie so glücklich und zufrieden waren! Wie sah es in anderen und Biskuits. Sie wartet auf die grosse Re- mit Bohnen, Kartoffeln, Sardinen, Konfitüre Familien aus, o weh! volution, die jede Minute ausbrechen kann. . Soviel, und dass eine Anzahl sonst ganz angesehener Bürger wahrscheinlich verrückt geworden sei, ist in Frontenay eine abgekochte Sache. Die Vorgeschichte, die zu dem Festungsbau führte und die näheren Einzelheiten sind jedoch erst in den letzten Tagen durch die Ortspolizei aufgedeckt worden. Vor ungefähr einem Jahr war dem Bäkkermeister Charles Hardy ein Buch über Ideale, sonnige Lage. Herrlicher, schattiger Garten. Lebende Bachforellen. Gut gepflegte Kttche und Keller. Tel. 5. A. Wals. Unsere Inserate räumen das Lager! Francs Nahrungsmittel kommen und kauften einige Spezereihandlungen fast aus. Und dann bauten sie den Festungswall, mit Gucklöchern, durch die sich das Herannahen der Revolution komfortable verfolgen liess. Einer der enthusiastischsten Verteidiger war der 74jährige Hutmacher Granger. Er steuerte selbstlos ein kleines Vermögen zur Beschaffung von Lebensmitteln bei Als aber die Wochen verflossen, ohne dass die Revolution ausbrach, begann er sich zu langweilen; und schliesslich bereute er; dass er so viel Geld ausgegeben hatte. Er lief zum Kadi und verklagte den Bäcker auf Betrug. Kaum geschehen, bereute er seinen Schritt. Er versuchte die Klage rückgängig zu machen, doch erfolglos. Und so geht jetzt die Untersuchung ihren Weg. Grosspapa Granger sitzt nun auf dem Pflaster, der event. doch noch eintretenden Revolution preisgegeben, während in der Festung, wohlgeborgen, die andern sein Vermögen in der Gestalt von Bohnen, Kartoffeln, Sardinen, Konfitüre und Biskuits weiterverzehren, m. Damit Baby spielen kann... Da in den enggebauten Strassen in Toiko keine Spielplätze für Kinder vorhanden sind, sind diese durch die wachsende Motorisierung Japans besonders gefährdet. So wurden im letzten Jahre mehr als 2500 Kinder in Tokio überfahren. Um diesem Uebel abzuhelfen, hat man 200 Kinderstrassen geschaffen, die für jeglichen Wagenverkehr von 13—18 Uhr gesperrt sind, damit die Kinder ungefährdet spielen Spiritismus in die Hände gefallen. Hardy versammelte Frau und Tochter um sich und las laut aus dem Buch vor. Er las so eindringlich und das Buch war so spannend, dass eines Abends die 27jährige Tochter Charlotte plötzlich in Trance verfiel und seltsame, aber wundervolle Dinge zu erzählen begann. Auch Mama Hardy soll sich in Trancezuständen versucht haben, aber es war offenbar doch nicht die ganz richtige Trance. Charlotte hingegen erfreute sich eines immer grössern Auditoriums. Ihre Verkündungen waren so packend und überzeugungskräftig, dass sie von einigen Nachbarn als eine Art Heilige erkannt wurde und dass die Nachbarn sich alsobald zu einer Sekte zu- so gross, dass kein Kupferstück mehr schub, woher sollte er kommen... ? sammenschlössen. Vor einigen Monaten darin bleiben wollte. Oh, versicherten sie Doch: die Tochter war kein Mädchen verfiel die Jungfrau dann in eine überaus einander, als sie in der neuen Wohnung in mehr und kein Backfisch, sie war dreiundzwanzig und liebte einen jungen Mann, nach allen Himmelsrichtungen und dem Mund heftige Verzückung. Ihr Gesicht verzog sich der neuen Stadt beisammen sassen, zu der Hochzeitsreise kommen wir noch, das isteinen gescheiten Mann mit grosser Zukunft, der aber, wie viele kluge und ge- «Di© Revolution,» prophezeite Charlotte, entströmten keuchende Worte. gewiss! Aber einen Zeitpunkt setzten sie schon nicht mehr fest. Aber sie liebten sich scheite Leute — kein Geld hatte. Die jungen Leute wollten heiraten, denn sie lieb- Massaker, Regierungswechsel sehe ich inGrosses Abendkleid aus weissen Spitzen und dazu, «die Revolution steht vor der Tür! Feuer, noch. Und die Kinder waren gesund. ten einander, und sie hätten auch ohne als Dernior Cri, ein kurzes schwarzes Samt* Lettern aus Feuer und Blut geschrieben! Jäckchen mit passendem Hut. Barner TrompeUn-t-»uchter Die Hochzeitsreise Von Gerhard Frank. PochonSilber Gebr. Pochon k / Bern 55 Marktgasse 55 GegrQndet im Jahre 1801 E. Häbig, Ermatingen TaUphon 113 RADIO-SPEZIALHAUS Hill llllinillll!UIIIII!l]llll!lin!linilllllllll!llll!llllllllll!l]|||l!III!lllll!llllll|||||!l|[|!ll!l!ll|||||!l!ll!|| uiaidsiaii APPENZELLERLAND Grosser Auto-Park Bad Säntlsbllck „Wir «erden in einiger Zeit einen neuen Kontrakt mit Ihnen absohlieuen, es hat aber vorläufig keinen Wert, zu inserieren, da wir nichts offerieren können. Wir haben unser ganzes Lager zufolge der Insertionen in der Automobil-Revue verkaufen können und bis wir . , ." schrieb uns Jüngst einer unserer Inserenten, ohne dass wir ihn dazu aufgefordert hätten. Warum sollten Sie mit Inseraten in unserem Blatte nicht denselben Erfolg haben? Es besteht mrklich kein Grund dazu. Verlangen Sie sofort Inseröonsvorschläge von der Administration der Automobil-Revue Bern u. Zürich. können. ^•-«•••»•••••••••B— ZENT-B Die Modelinie für den Winter 1929. mit ZWEI Warmwasseranschliissen befriedigen alle Ansprüche. Prompte Lieferung. Man wende sich an die Elektround Wasser-Installateure sowie an die Elektrizitätswerke. ZENT A.-G., BERN (Ostermundigen) üuuHiunnumminininuiuniiiuuiniiinnuuniniuiiaij