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E_1929_Zeitung_Nr.091

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alles endet einmal. So

alles endet einmal. So steht es in den Sternen geschrieben. Ei, Herr Weichling verunfallte die junge Dame oder sich selbst nicht etwa mit dem Wagen nein, viel schlimmer! Zum fünften Mal traf man sich im Theater. Das Fräulein war zur Vorstellung pünktlich wie immer erschienen. Allein, ihre Fröhlichkeit verflog in jähes Erschrecken. «Warum erschrecken Sie», fragte Herr Weichling teilnehmend. Nicht einmal bei seinen gefährlichen Autokünsten hatte die tapfere junge Dame bisher Bangigkeit oder Erschrecken gezeigt «Ich muss meine Geldtasche verloren haben. Ich habe sie bestimmt in die Handtasche gesteckt. Und nun ist sie weg!» Sie war aufgeregt und hilflos; es sah rührend aus. «Hatten Sie viel Geld?» erkundigte sich vorsichtig und betroffen Herr Weichling. «Ja. — Leider. Ich habe für meinen Onkel eine grössere Rechnung einkassiert und vergessen, es ihm abzuliefern. Aber ich wäre sonst zu spät ins Theater gekommen, und Sie hätten warten müssen » Herr Weichling rang sich bei der Verzweiflung der jungen Dame zu einem direkt heroischen Entschluss durch und versicherte mit einem Versuche, die Angelegenheit von der humoristischen Seite aufzufassen: «Da bin ich also zu einem gewissen Grade mitschuldig an dem Verlust?» Die junge Dame blickte hoffnungsvoll auf. «So war es doch nicht gemeint!» wich sie aus . Ihr Begleiter klopfte auf seine Brieftasche. Dieser sinnfällige Hinweis war so zu deuten, dass die Brieftasche wegen des heute, am Monatsletzten, erhaltenen Dorektorengehal- Ein 35 Jahre alter Wagen. In England hat ein Mr. A. Harwey einen Wagen noch im Betriebe, der irgendwo auf dem Lande in Tollstem Sinne des Wortes ausgegraben worden •war. Das Alter des 'Wagens kann bis auf das Jahr 1894 zurückverfolgt werden, er dürfte aber noch älter sein. Im Jahre 1898 wurde der Wagen «renovierU, indem man ihn mit einem «neuen» Einzylindermotor aus Bronze ausstattete. Der Wagen hat drei Schnelligkeiten nach vorwärts, aber auch drei Rückwärtsgänge; er leistet eine Höchstgeschwindigkeit von 23 Meilen (37 Kilometer). Auf einer Platte ist sein Name, «The Viüex» eingraviert. tes dick angefüllt sei, und dass sie sich bereit halte, in die Bresche zu springen Die junge Dame schien diesen sinnfälligen Wink rasch zu verstehen und lächelte gerührt unter Tränen. — Herr Weichling aber fragte ganz obenhin: «Wieviel war es denn? Ich lege es gern eine Weile aus.» Die Summe, die die junge Dame nannte, war nicht klein. Aber Herr Direktor Weichling hatte nun einmal in den sauren Paradiesapfel gebissen und verzog das Gesicht nur unmerklich. Fast die Hälfte seines nicht geringen Gehalts ging drauf. Na, wenn schon. Er war grosszügig! Er überreichte wohlgezählt den Betrag dem Fräulein, das sich heute aus diesem Anlass merklich weniger spröde bezeigte und sogar mit in ein Kaffeehaus ging, sodass Herrn Weichling die schönsten Hoffnungen erblühten. Für den Sonntag wurde eine Tagestour in die Berge verabredet Nur über ihren Namen und über ihre Familie Hess sich die Autofreundin des Herrn Weichling auch heute nicht aus, so gern Herr Direktor Weichling auch über diesen Punkt einige Klarheit gehabt hätte. Er hiess also in dieser Hinsicht noch etwas warten. Aber es harrte des Herrn Weichling noch eine weit bitterere Enttäuschung: Der Kuss, den er seit langem durch sein schneidiges Fahren und heute durch die geliehene grosse Summe glaubte ehrlich verdient zu haben, ward ihm beim Abschiednehmen in einer mit viel Geschick ausgewählten wirklich gänzlich dunklen Ecke versagt — mit süssem, verheissungsvollem Lächeln zwar, aber doch versagt! Missgelaunt schritt Herr Weichling heimwärts, und man kann es ihm nicht verdenken, dass er missgestimmt war. Der nicht empfangene Kuss verdross, das Misstrauen um den verschwiegenen Namen ägerte ihn, und das Geld tat ihm bitter leid. Wenn nur die süssen Augen und der Sonntagsausflug nicht gewesen wären Allein am folgenden Tage dachte er auch über sie, diese falschen, treulosen Augen, anders. Bekam er da einen Brief: «Sehr geschätzter Herr! Da Sie den Restbetrag für das von meinem Onkel bezogene Auto trotz vieler Aufforderungen nicht beglichen, so übernahm ich es, das Geld von Ihnen zu kassieren. Quittung liegt hier bei. Indem ich noch bestens für die Autospritztouren und die Begleitung bei den Theaterbesuchen danke, verbleibe ich, mit den besten Abschiedsgrüssen (ich reise heute nach Hause zurück) Ihre kleine Autofreundin.» Sie wollen ihren Bubikopf. Die Behörden von Uri haben in Altdorf lange über das im vorigen Jahr beschlossene Gesetz debattiert, das für jeden Bubikopf eine Steuer von 12 Rappen vorsieht. Einer der Deputierten erklärte, dass diese Taxe einen sehr geringen finanziellen Erfolg gezeitigt habe, da die Frauen sich im allgemeinen geweigert hätten, diese Steuer zu bezahlen: er schlug vor, das Gesetz wieder abzuschaffen. Ein anderer Deputierter verlas einen Brief, der von vielen Frauen, darunter Ehefrauen und Töchter mancher Deputierter, unterzeichnet war, indem diese sich für ebenso berechtigt wie die Männer erklärten, ohne Zopf zu gehen. AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N» 91 Schnupfen Eines Morgens wacht der Mensch mit einem sonderbaren Gefühl auf: der Kopf schmerzt ein wenig, der Rücken ein bisschen mehr, hinten im Rachen kratzt es und tief in der Nase verspürt man ein Jucken; sonst nichts; aber man ist den ganzen Tag einigermassen gereizt, ärgert sich über alles, mit und ohne Grund und weiss eigentlich nicht, warum. Gegen Abend dann fällt eine tonnenschwere Last den Menschen an, alle Knochen werden einem weich, das Fleisch wirkt fetzenartig, wild niest man einige dutzendmale — und da ist er schon. Tränenden Auges, zusammengeschrumpft wie ein Häufchen Unglück, von nassen Taschentüchern umgeben, die an allen Ecken zum Trocknen hängen, sitzt dieses erniedrigte, zerfliessende Geschöpf in Hausschuhen beim Ofen, pfaucht, stöhnt, ächzt, trinkt heissen Tee, niest, hustet, schnauft, mag keinen Menschen sehen, hat ein bisschen Fieber, statt des Kopfes eine schwere Kugel, Glieder wie zerbrochen und ein Tuch vor der Nase. Bleibt alle fern diesem Unglücklichen, warnt Karel Capek in den Dresdener Neuesten Nachrichten. Eure lärmende und zufriedene Heiterkeit quält ihn. Er braucht Einsamkeit, Ruhe und trockene Taschentücher. Er möchte sich seinen Kopf herunternehmen, ihn in den Kamin zum Trocknen hängen. Er möchte seinen Körper in allen Gelenken auseinandernehmen und jedes Stück extra legen. Er möchte ... er möchte ... Ach, wenn er doch wüsste, was er möchte! Ach, gäbe es doch etwas, das dafür stünde, dass man es wollte! Gäbe es doch irgendwo im Weltall etwas Warmes und Angenehmes, was diesem armen, schweren Kopf Erleichterung und Vergessen schaffen könnte! Schlafen? Ja, wären diese chaotischen und widerlichen Träume nicht! Patience legen? Ja, wenn sie ausgingen! Lesen? Ja, aber was? Und da erhebt sich diese menschliche Ruine und taumelt zum Bücherschrank. Bibliothek, du bunte, mit deinen tausend Bücherrücken, ich möchte ein Buch wählen, um mich, Verfluchten, zu erfreuen. Nein, dich würde ich heute nicht vertragen, du dickes, belehrendes Buch, denn mein Hirn ist stumpf und blöde. Ich mochte etwas lesen, was mich nicht an meine Dummheit gemahnt; etwas Leichtes, Unterhaltendes... Pfui, geht mir aus den Augen, Humoresken, ich mag heute eure vulgäre Bosheit nicht, mit der ihr einen vom Unglück betroffenen Menschen lächerlich macht. Auch ich bin vom Schicksal heimgesucht und könnte mich nicht daran erfreuen, dass wir armseligen Menschen der Lächerlichkeit ausgesetzt, den Spöttern ausgeliefert sind. Du, Heldenroman, möchtest du mich nicht in weite Fernen, epische Zeiten versetzn, da es noch keinen Schnupfen gab, möchtest du mich nicht zu ganzen und prächtigen Männern führen, die nichtswürdige Nebenbuhler in kürzerer Zeit zu Boden werfen, als ich mich schneuzen kann? Doch die Hand, die nach dem Heldenbuch greift, sinkt machtlos herab; ich könnte heute nicht an grosse und herrliche Taten glauben; der Mensch ist ein schwaches, kleines, schwer geplagtes und friedliebendes Geschöpf... Nein, vrschont mich heute mit Heldentum und Ehre, mit grossen Leidenschaften und Lorbeer des Ruhms; verschont mich mit Liebesgefühlen und vor dem berauschenden Kuss einer königlichen Schönheit. Kann ein Mensch mit dem nassen Taschentuch bei der Nase an solche Dinge denken? Zum Teufel, das ist nicht, was ich brauche; her mit einem Detektivroman; her mit einer spannenden, blutrünstigen Geschichte, die mich atemlos den aufregenden Spuren eines schrecklichen Geheimnisses folgen lässt! — Nein, das ist doch wieder nicht das, was ich will. Ich mag heute keine Verbrechen mit unterirdischen Gängen und bösen Menschen; zeigt mir ein friedlicheres Gesicht des Lebens, bringt mir Menschen in ihrem alltäglichen, intimen Leben! Aber um Gottes willen keine Psychologie! Ich hätte keine Geduld, mich mit Gefühlen und Motiven zu beschäftigen; weiss der Kuckuck warum, aber die Psychologie hat immer etwas Quälendes und Bohrendes, als hätten wir mit unsern eigenen Sorgen nicht genug! Warum werden eigentlich Bücher geschrieben? Und dies, das ist mir wieder allzu realistisch; heute will ich das Leben vergessen. Dieses Buch ist voll Trauer und Enttäuschung; das andere ist grausam gegen den Menschen und verlangt Gott weiss was für Selbstquälerei und Befreiung von ihm. Jenes ist leichtsinnig, oberflächlich und klug — weg damit! Dieses allzu gelehrt. Und das gelbe dort ist bitter und verbittert. In jedem ist irgendein Schmerz enthalten. Warum schreiben eigentich nur böse und unglückliche Menschen Bücher? Woher etwas ... etwas Einfaches, Gutes nehmen ... etwas, das zu uns Aermsten freundlich, das erfreulich ist? Etwas, das den Menschen in seiner Kleinheit, in seiner Ernidrigung nicht verwundet... etwas, das überhaupt nicht verwundet... Und da greift er in die Ecke der Bibliothek und zieht ein Buch heraus, das er wohl schon ein dutzendmal gelesen hat, zu Zeiten, da er, gedrückt, krank an Leib und Seele war. Er schmiegt sich tief in seinen Lehnstuhl, nimmt ein trockenes Taschentuch und atmet erleich« tert auf, bevor er das Buch aufschlägt. Ich weiss es nicht genau, ich glaube aber, er hält den alten Charles Dickens in der, Hand. lliilSL","!"!":«]"'"!"!"!"!«!"!"!"."!»!"!"«!" 1 «'«!»^ DIE ELEGANTE DAME trägfram Abend nur APARTE SCHUHE Wir zeigen die letzten Neuheiten führender Finnen wie: „BALLY" „ABELES", Wien „MICHAUD" Paris Indem 'wir Sie einer fachkundigen, individuellen Bedienung versichern, bitten wir um Ihren Besuch. SCHUHHAUS ZUM BISCHOFF BUTISHAUSER-BISCHOFF, ST. GALLEN Kugelgasse 3. Telephon 10.90. •••••• irii ii ii ii H H n II II n i| [i II i|jn Sie sind da 9;. die neu eingekauften T-TEPP'GHE Das Lager ist vollständig neu Sortiert und es stehen einige 100 Stück aur Auswahl. Im Interesse eines raschen Absatzes haben wir die Preise sehr niedrig gehalten. Für Liebhaber sind eine ganze Reihe Spezialitäten bei der Sendung, welche wir besonderer Beachtung empfehlen. MEYER-MÖLLER & Co. A.-G., öern 10 Bubenbergplatz 10 Die Zutanrtsstrassen au9 üa/ .i>.»en .;• .^weiz sina ersicntnoh In O. 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01 _ 1090 AUTOMOBIL-REVUE 15 HD HUCK» Maryso Choisy, deren interessanten in der Neuen Freien Presse erschienenen Artikel über einen uralten englischen Volksbrauch wir im Nachstehenden auszugsweise veröffentlichen, ist die Verfasserin des vielbeachteten Buches: «Un mois chez les filles.» In fernen Zeiten, lange vor dem Weltkrieg, ja sogar lange vor der Reformation, damals, als das reine, keusche und züchtige England weder durch den unmoralischen Einfluss des Kontinents noch durch die minderwertigen und um nichts weniger unmoralischen Eigenschaften des amerikanischen «Bacon» beunruhigt wurde, entstand in dem entzückenden Dorfe Dunmow in der Grafschaft Essex ein ebenso reizender wie eigenartiger Brauch. Seit undenklichen Zeiten gibt es dort eine Sitte, wonach jedes Paar Anspruch auf einen riesigen «flitch of bacon» (eine geräucherte Speckseite) hat, das seit Jahr und Tag gesetzlich verheiratet ist und, auf Zeugen und Beweismittel gestützt, schwören kann, weder gestritten noch in irgendeinem Augenblick des Zusammenlebens in Gedanken und Worten, bei Tisch, zu Bett oder auf dem Spaziergang diese Verbindung bedauert oder aber eine andere Ehehälfte auch nur heimlich gewünscht zu haben. Nun lebte John Smith, ein schöner Burcshe, seit 370 Tagen (Stunde um Stunde) in gesetzlicher Ehe mit der sanften, blonden Mary, deren Wangen wie Lilien und Rosen glänzten, und noch niemals hatten sie gestritten, noch nie bedauert, ihre wolkenlose Ehe geschlossen zu haben. Sie waren von so ähnlicher Wesens- und Gemütsart, dass der blosse Gedanke an eine Unstimmigkeit zwischen ihnen unmöglich schien: beide waren liebenswürdig, beide ruhig und gelassen. Sie kamen freudig aus ihrem entlegenen Dorf, um den schmackhaften Lohn ihrer Ehrbarkeit in Empfan? zu nehmen. Und weil achliesslich die Wahrheit ja doch immer an den Tag kommt, war ihre Anwartschaft die einzige, die ernst genommen wurde. Im Gemeindehaus antworteten sie in dem strengen, dieser Gelegenheit angepassten Verhör des Richters klar und deutlich, und so gelang es ihnen, die aus sechs Jungfrauen und sechs Junggesellen bestehende Jury zufriedenzustellen. Dann wurden die beiden Smith zur Kirche geleitet, wo sie, auf zwei riesigen, scharfkantigen Steinplatten kniend, den langen, traditionellen Eid ablegen sollten. Ein Herold eröffnete den Zug, ihm folgte das berittene Freisassenkorps, das stolz die ruhmreichen Banner schwang, auf denen in goldenen Lettern die Namen all jener «Pilger» zu lesen waren, die seit dem dreizehnten Jahrhundert den «flitch of bacon» bekommen hatten. Dann folgten blumenbekränzte Mädchen, Fahnenträger mit dem Wappen des Schlossherrn, Wagen, in denen die Jungfrauen und Junggesellen der Jury sassen, der Gerichsschreiber, der Ausrufer, dei Anwalt und die anderen Funktionäre des «Gerichtshofes». John Smith jedoch, der nach Art vieler Gatten EPODQ/ÖS\ HD«DE. SEHTIE Der Räucherschinken von Dunmow naschhaft war und nach all diesen Aufregungen Hunger verspürte, begann ungeduldig zu werden. »Mrs. Smith.» sagte er zu seiner Gemahlin, die ihm immer näherzurücken schien, weil der Ruhm beide noch dicker gemacht hatte, «ich habe sagen hören, dass der «bacon» diesmal wegen der Nachkriegssparmassnahmen aus den Vereinigten Staaten, statt aus York bezogen wurde.» «Das glaube ich nicht,» versuchte ihm seine zärtliche Ehehälfte angesichts dieser entsetzlichen Möglichkeit zu beruhigen. Als. jedoch eine Wegbiegung die «Pilger» für einen Augenblick den so heiss ersehnten Preis ihrer Bemühungen sehen liess, stieg Mr. Smith das Blut zu Kopf und er rief ausser Atem: «Nun, was sage ich Ihnen, Mrs. Smith? Jetzt weiss ich es ganz bestimmt! Es ist ein Schinken aus Chicago.» «In diesem Fall,» erwiderte seine Gefährtin gelassen, «muss man ihn auf kleinem Feuer kochen und mit einer Tunke würzen. Das ist das einzige Mittel, ein amerikanisches Erzeugnis geniessbar zu machen.» «Einen Schinken kochen! Beim Blute Christi! Einen Schinken kochen! Wer hat schon solch eine Hausfrau gesehen?» «Aber, mein sanfter Herr und Gebieter,» widersprach die Dame, «ich sage Ihnen doch, dass dies die einzige Art ist, einen überseeischen Schinken zu bereiten.» «Einen Schinken kochen!» wiederholte der sanfte Herr und Gebieter. «Hören Sie, Mrs. Smith, niemals werde ich ein Stück Schinken anders als gebraten zu mir nehmen! Hören Sie! Gebraten, gebraten, gebraten!» «Sie verstehen nichts vom Kochen, Mr. Smith. Der Schinken wäre gebraten widerlich.» «Und Sie, Mrs. Smith, sind eine alberne, geschwätzige Person. Ich bedaure lebhaft, Sie geheiratet zu haben.» Die anderen Teilnehmer hatten schon seit einigen Minuten bemerkt, dass die «Pilger» sich nicht gerade in dem Zustand seraphischer Glückseligkeit befanden, die den Gewinnern von «Dunmow Flitch» geziemt, und bei den letzten Worten befahl der Richter — was bis dahin noch nie geschehen war — den Zug zum Stehen zu bringen. Die acht Männer setzten den eichenen Lehnstuhl mit den beiden Anwärtern nieder, die, taub und blind für alles, was nicht sie selbst betraf, an ihren ersten und daher endlosen Streit hingegeben waren. Mr. Smith wollte nicht Vernunft annehmen und beschuldigte in allen Tonarten Mrs. Smith, die sich nach Art des schönen Geschlechtes mit Händen und Füssen, Zunge und Augen wehrte. Aus dem nun folgenden Tumult klang die Stentorstimme des Mannes: «Gebratener, gebratener, gebratener Schinken!» -während der schrille Sopian •einer teuren Gattin kreischte: «Gekochter, gekochter, gekochter Schinken!» Da sah sich der Richter genötigt, ihren Streit zu schlichten: «Jhr bekommt überhaupt keinen Schinken,» entschied er, «weder einen gebratenen, noch einen gekochten, weder einen aus Amerika, noch einen aus York, denn ihr habt ihn durch die lärmende Art, in der ihr über seine Zubereitung streitet, verwirkt.» «Amen,» sprachen im Chor die sechs Jungfrauen und Junggesellen der Jury. Und der «Dunmow Flitch», der in jenem Jahr fast durch richterlichen Spruch zuerkannt worden wäre, ging an seinen dunklen Ursprungsort zurück, wofern nicht der Gerichtshof und die Jury einen grossen Teil verzehrten. Nach Hause zurückgekehrt, sahen sich John und Mary verdutzt, mit finsterer, vorwurfsvoller Miene an. Und jammernd beschuldigten sie sich gegenseitig, statt sich zärtlich über den Verlust des Schinkens zu trösten, der ja doch nur ein amerikanischer gewesen war. Die Ehe per Nachnahme. Nun, da die arme, kleine Josma Selim nicht mehr unter den Lebenden weilt, muss wohl ein anderer ihre Geschichte, die Geschichte, wie sie und Ralph Benatzky, ihr Gatte, Dichter und Komponist, sich fanden, erzählen, die sie bei Lebzeiten so gern und so oft mit Schelmenlächeln erzählt hat, die Geschichte, die — auch einmal die umgekehrte Reihenfolge — vor dem gestrengen Richter begann, um vor dem Standesbeamten zu enden. Als Josma Selim noch im Anfang ihrer dann später so erfolgreich gewordenen Kabarett-Karriere stand, hielt sie einmat eine Auffrischung ihres Repertoirs für notwendig und erbat von dem ihr damals nur flüchtig bekannten Ralph Benatzky zu diesem Zwecke brieflich zwei neue Chansons. Der war einer Lieferung nicht abgeneigt, aber nur gegen vorherige Kasse, und so schickte er die Manuskripte durch die Post, belastet mit einem Nachnahmebetrag von 250 Kronen für das Honorar. Die Künstlerin war empört über dieses betont geschäftsmässige Vorgehen und liess die Nachnahme an den Absender zurückgehen. Nun leitete Benatzky die Klage auf Zahlung ein. Im Termin erschienen die Parteien persönlich. Erst gab es auf beiden Seiten nur scharfe Worte, und von einer Einigung, die der Salomo in der schwarzen Robe mit beredtem Mund empfahl, wollte keine etwas wissen. Aber urplötzlich fielen die spitzen Worte weniger häufig; an ihre Stelle waren Blicke getreten, erst nur neugierige, dann bewundernde, schliesslich gar anbetende und gesprochen wurde jetzt gar nichts mehr. Kurzum, der Streitfall wurde vertagt, und nie ist er zu einer Entscheidung gekommen. Kläger und Beklagte aber verliessen Arm in Arm das grosse Gerichtsgebäude und lande- Die Mode Ein raffinierter Mantel: Weisser Samt mit Weissfuchs ten nach einem kleinen Umweg auf dem Standesamt. Das ist die Geschichte einer glücklichen Ehe per Nachnahme. Studentinnen als Detektivs. Bei der unlängst erfolgten Verhaftung eines Juwelenschmugglers im Hafen von New York kam zur Sprache, dass die Ueberführung des Betreffenden durch die Anzeiget einiger amerikanischer Studentinnen zustande gekommen ist. Im Verfolg der Erörterung gab das amerikanische Schatzamt auch zu, dass in einer Reihe europäischer Städte amerikanische Studentinnen als private Detektive des Schatzamtes tätig seien, um den Schmuggel an Juwelen und Kunstwaren, der grossen Umfang angenommen habe, zu unterbinden. PochonSilber gegen Überarbeitung rf# 'dSroscMrä kaslenloa Victoria-Apotheke H.Feinsrein "7.*;_:-,l, Bahnhofs^ 71 vorm.C.Haerlin lAlYlClX Tel. Selnau 4028 J %werlässiger9bstversand. Serner Trompeten. 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