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E_1929_Zeitung_Nr.091

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meinen, sie fürchte

meinen, sie fürchte einen Schadenersatzprozess. Von einer Verteidigungsmöglichkeit kann man im Ernst nicht reden, neue Tatsachen werden kaum geprüft, man dreht die Sache einfach so, dass auch eine neue Sachlage die Verfügung noch rechtfertigt. Oft wurde vorgeschlagen, man möchte wenigstens bei Straffällen den Untersuchungsbeamten heranziehen, der doch schon eher über die Tatsachen informiert sei. Aber auch dies ist nicht das Richtige, denn auch er entscheidet nicht über Schuld und Nichtschuld. Die Entzugsverfügung soll also erst nach abgeschlossenem Strafverfahren ausgesprochen werden. Da zögern aber die Behörden wieder, das Sicherheitsprinzip regt sich, da man dem an einem Unfall beteiligten Führer jede weitere Fahrgelegenheit bis zur Abklärung des Falles entziehen will. Das heutige Verfahren ruft aber nach einer Verbesserung. Es ist ja grotesk, dass vielfach nicht die Schwere des Verkehrsvergehens, sondern die Langsamkeit der Strafuntersuchung mit allen Zufälligkeiten die Dauer des Entzuges der Sonntag den 20. Oktober 1929 wurde in Genf Anton Dufour, der langjährige hervorragende Präsident des schweizerischen Automobilclubs, zu Grabe getragen. Seiner führenden Persönlichkeit im schweizerischen Automobilismus galt die grosse und schmerzliche Anteilnahme der Trauergäste, die aus allen Teilen der Schweiz hergekommen waren, ihm das letzte Geleit zu geben. Die Spitzen des A. C. S. folgten dem Sarge: Herr Dr. Mende, nunmehriger Präsident des Zentralkomitees, Herr Jules Decrauzat, Präsident der nationalen Sportkommission, und sein Sekretär, Herr Brieger, Herr Major Primault, Administrator des A. C. S. und die zahlreich erschienenen Delegierten der A. C. S.-Sektionen. Im Trauerzuge bemerkte man weiter die Herren Robert Marchand, Präsident des Genfer Salons, Kündig und Monteil, Präsident und Sekretär des Verbandes schweizerischer Lastwagenbesitzer, Maurice Duval und F. Chalut, vom Club Suisse d'Aviation, Dr. Henneberg und Quinclet, vom schweizerischen Touringclub, Oberstleutnant Megevet, Dienstchef des Motorwagendienstes im I. Divisionsstab, Jules Neher, Ehrenpräsident der Union schweizerischer Motorradfahrer, Oberst Labhart, Sektionschef des Motorwagendienstes Führerbewilligung bestimmt. Denn der Zorn der Polizeidirektion verrauchte merkwürdigerweise oftmals gerade dann, wenn der Unfall bis zur Deckung des Schadens und der Staatskosten erledigt war. Hier muss der Bund eingreifen. Auch im Zivilgesetzbuch hat er zur Durchführung dessen Grundsätze prozessualische Richtlinien aufgestellt. Er muss den Kantonen ein kon- Iradiktorisches Verfahren vorschreiben. Und es muss ein sehr schnelles Verfahren sein. Wenn der Entzug sich doch meist wie Gefängnis auswirkt-, warum sollen solche Fälle, auf Antrag der Verwaltung, nicht mit dem Tempo der sog. Haftsachen erledigt werden? So kann auch ohne besondere Gefahr vorgeschrieben werden, dass im Falle einer Strafverfolgung durch die Strafbehörde der Entzug ausgesprochen wird. Der Verwaltung sollen dann die eigentlich polizeilichen Fälle (Leute, die sich hartnäckig und dauernd fehlbar machen, andere Ungeeignete) behandeln, und es soll auch in solchen Fällen eine gerichtliche Beurteilung (Verwaltungsgericht Anton Dufours letzte Fahrt im schweizerischen Generalstab, Nerbollier und Müller, von der genferischen kantonalen Automobilkontrolle, Fontanellaz, Administrator der «Automobil-Revue» in der Westschweiz, Max Bürgi, Präsident des schweizerischen Radfahrerbundes. 11.15 Uhr erreichte der imposante Trauerzug den Friedhof von St. Georges. Dem Trauerwagen folgten vier Automobile mit einer Last von Kränzen und Blumen. Die Armee, die Clubs, die Freunde und die Industrie hatten diese Kränze gestiftet: die nationale Sportkommission, der schweizerische Aeroclub, das Administrationspersonal des A.C.S., Freunde aus dem Aargau, das Zentralkomitee des A. C. S., die A. I. A., der Schweiz. Radfahrerbund, die 8. und 12. Guidenabteilung, die Vereinigung der Motorlastwagenoffiziere, der Zürcher Jägerverein, die «Automobil-Revue», die «Igienica» (Mailand), und die Sektionen Zürich, Bern, Schaffhausen, Hauenstein, Schwyz, Glarus, St. Gallen und Appenzell, Basel, Graubünden, Thurgau, Freiburg und Solothurn. In der hohen und ernsten Halle des Krematoriums von St. Georges ergriff Herr Dr. Mende, der jetzige Präsident des Zentralkomitees des A. C. S., als Erster das Wort, um im Namen des schweizerischen Automobil- Dle Trauerfeierlichkeiten für Anton Dufour. Der imposante Trauerzug zwischen der englischen Kirche und dem Sitz des A. C. S. in Genf. glige" herumhantieren; die Mutter in einem Morgenrock, der in der Bemühung, die flutenden Formen ihrer Gestalt zusammenzuhalten, zu dieser Stunde noch durch kein Korsett unterstützt wurde, die Töchter, beide sehr mager, im Gegenteil von etwas schlotternden Falten umhangen, alle drei unfrisiert, mit grauen, unlustigen Gesichtern. Höher schweifend fanden seine Augen ein Durcheinander von Buben und Mädchen, die von einer schon am frühen Morgen abgehetzt ausehenden Mutter mit Hilfe eines merkwürdig schwer beweglichen Dienstmädchens hin und her geschoben, angezogen, gewaschen, gekämmt und gefüttert wurden, während hie und da der Vater in der Tür erschien, um immer sofort wieder fluchtartig zu verschwinden, wie wenn er unentwegte Anstrengungen machte, eine Art Schwimmfurcht zu überwinden, und sich ins Wasser stürzte, um aber regelmässig wieder der Angst zu erliegen und zu fliehen. Länger hielt Georg Wimper den Blick auf die Fenster der dritten Etage gerichtet, wo die «ledige» Frau auf einer Gasflamme ein Frühstück bereitete, dabei immer barfuss hin und her ging, nicht sehr sorgfältig, aber hübsch gekleidet war und entweder pfiff oder sang, bis der Gemahl erschien, hemdärmlig, etwas strublig, sie beim Kopf fasste und abküsste, offenbar schon zum Früstück reich an guten Einfällen, denn die Frau lehnte sich öfters im Stuhl zurück, Hess ihre noch lose geflochtenen schwarzen Haare hintenüber fluten und lachte mit offenem Mund in denen die Zähne von weitem leuchteten. Und dann warf Wimper noch einen Blick hinauf zum Fenster der Dachkammer und holte dort die gewohnte Beruhigung für die Beklemmung, die ihm manchmal durch den Anblick der andern Bilder verursacht wurde. Aber die Zeiten der Vorstellung, die er genoss, wiederholten sich in unregelmässiger Weise im Laufe der Tage. Es kamen Besuche in die verschiedenen Etagen, es kamen Briefe, die je nachdem von Hand zu Hand gingen und Wellen zu werfen schienen, oder gleichgültig beiseite gelegt wurden, Briefe, deren Inhalt sich Georg Wimper beinahe an dem Benehmen der Empfänger zusammenreimen konte. Bei der Witwe waren es meist Familienmitteilungen, bei der Beamtenfamilie Rechnungen, beim freien Ehepaar ablehnende oder günstige Bescheide von Redaktionen — ob die Besitzerin des Kanarienvogels auch Briefe erhielt, konnte Wimper nicht sehen; jedenfalls aber mussten es solche sein, die durch einen schwachen Widerhall des Welttreibens, den sie in die Dachkammer brachten, die nachfolgend darin herrschende Ruhe noch vertieften. Georg Wimper versuchte zu erraten, ob die Hausbewohner von drüben wohl gegenseitig von einander etwas wüssten, oder sogar miteinander verkehrten, aber er kam zu dem Schluss, dass sie sich alle ganz gleichgültig waren, mit Ausnahme der Portiersleute, die zu allen Etagen in gewissem, fein abgestuftem Zusammenhang standen. Und dass das alte Fräulein im allgemeinen menschliches Interesse für die Hausgenossen empfand, auch wenn es sie nicht kannte, dessen war Georg Wimper gewiss. (Fortsetzung folgt.) AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N° 91 o. ä.) möglich sein. Die Strafsachen wären interkantonal direkt zu exequieren, die Verwaltungssachen durch den Wohnsitzkanton auf dem Wege des Antrages seitens des Kantons des Begehungsortes, mit Beschwerdemöglichkeit an den Bund. Die Polizeistrafbehörden (Statthalterämter etc.) können ihrer Kompetenz entkleidet werden, für sie genügt ein Antragsrecht an die obere Verwaltungsbehörde. Es ist dringend zu wünschen, dass auch die Verkehrsvorschriften so ausfallen, dass die Motorfahrzeugführer unter ihnen leben können. Um so eher wird man dann bereit sein, die Behörden im Kampf gegen den ungeeigneten Führer zu. unterstützen. Dann wird auch der Motorfahrzeugführer scharfe Anforderungen, wie es eine strenge technische Prüfung und eine zweckmässige moralische Siebung durch den nachträglichen Wiederentzug der Bewilligung im Grunde sind, befürworten. • * • Dr. E. P. chend, offen und unbeugsam vertreten. Er war treibende Kraft beim Zustandekommen des Referendums und hat nach dessen Verwerfung seinen ganzen Einfluss an zuständiger Stella geltend ge- 1 macht, damit möglichst bald ein neuer Gesetzesclubs und der A. I. A. Anton Dufour, dem Präsidenten des A. C. S., und Anton Dufour, dem Menschen und Freunde einen letzten Gruss zu entbieten. Vizepräsident des A. C. S. Hochgeehrte Trauerversammlung. Im Namen des A. C. S. habe ich heute die schmerzliche Aufgabe," unserem hochgeschätzten Präsidenten, unserem treuen Kameraden und lieben Freund Antoine Dufour, den letzten Gruss zu entbieten. Schwer und nnfassbar traf uns die Kunde, dass Antoine Dufour nicht mehr sei, solange wir ihn kannten, hat er uns immer den Eindruck einer kerngesunden Natur gemacht. Geistige und körperliche Anstrengungen und Ueberanstrengungen haben wir ihn spielend überwinden sehen und als wir von seiner Erkrankung hörten, ahnten wir nicht, dass ein heimtückisches Leiden, das jahrelang seine Zerstörungsarbeit unbemerkt vollbringen konnte, so schnell die Kraft dieses lebensfrohen Mteines vernichten werde. Eine höhere Macht hat es so gewollt, wir müssen uns ihr beugen und versuchen, das Unabänderliche zu verstehen. Der Name Dufour ist. mit dem A. C. S. und mit allem, was das Automobil wesen betrifft, von jeher und aufs engste verknüpft. Mit klarem Blick schon früh den Wert des Automobils erkennend und dessen kommende Entwicklung vorausahnend, hat er zielbewusst, erst aus sportlichem, dann auf touristischem Gebiet alle Bestrebungen, die dem Fortschritt des Automobilwesens dienen konnten, unterstützt und gefördert. 1902 wurde er Mitglied des jung erstandenen A. C. S. und als 1903 der prinzipielle Beschluss gefasst wurde, kantonale Sektionen zu gründen, nahm er regen Anteil am Zustandekommen der Sektionen Zürich, St. Gallen, Thurgau und später Schaffhausen, Emmental, Zug, Tessin und Lichtenstein. Als Präsident der Sektion St. Gallen gehörte Dufour von Anfang an zu den führenden Männern des A. C. S. und ausser bei bedeutenden sportlichen Veranstaltungen im Inn- und Ausland, findet man seinen Namen von Anbeginn im Zentralvorstand und Verwaltungsrat. Nachdem er die Entwicklungsmöglichkeit des Automobils auch für militärische Zwecke erkannt, hat er 1907 nicht gezögert, den Dienst bei der Kavallerie gegen denjenigen beim freiwilligen Automobilkorps zu tauschen. Ein? Berufener wird über Dufours militärische Laufbahn sprechen, ich möchte nur hervorheben, wie sehr wir uns nut unserem Präsidenten freuten, als er zum Kommandanten des allgemeinen Motorwagendepots ernannt wurde und dass wir stolz darauf waren, ihm zum Oberstleutenant gratulieren zu dürfen. Als Dufour zum Vizepräsident gewählt wurde, bekundete er seine Absicht, sich vor allem den Sachen des Automobilklubs zu widmen, dadurch, dass er seinen Wohnsitz aus der Ostschweiz nach. Versoix verlegte und wie 1925 durch Rücktritt das Präsidium des A. C. S. frei wurde, war Dufour der gegebene Mann, um die Nachfolge von Herrn Megevet zu übernehmen. Er hat damit ein Amt auf sich genommen, das ihm neben grosser Genugtuung auch schwere Sorgen bringen sollte. Mit Genugtuung sah er den Sieg des Fortschrittes bei der Verwerfung des Automobilgesetzes, das kaum entworfen, schon wieder veraltet war. Ohne Rücksicht auf seine eigene Person hat Dufour immer seine Ansicht verfochten, selbst da, wo er sich damit in Widerspruch setzen musste mit unsern höchsten Landesbehörden. Er war der festen Ueberzeugung, dass das damals vorliegende Automobilgesetz für die Weiterentwicklung des Automobilwesens sowie für den gesamten Strassenverkehr gefährlich und hinderlich sei und diese Ueherzeugung hat er seinem Charakter entspre- Der Zug auf dem Wege zum Friedhof von St. Georges. Im Hintergrunde links das A. C. S.-Gebäude. Grabrede von Dr. Mende, entwurf vorgelegt werden könnte, durch welchen endlich der gesamte Verkehr in der Schweiz einheitlich geregelt würde. Mit Freude und Energie hat er sich an diese Arbeit gemacht, es war ihm nicht vergönnt, das ersehnte Resultat zu erleben, aber die Saat, die er gelegt, wird aufgehen und die, welche nach ihm kommen werden, reiche Ernte einbringen können. Ernste Sorgen hat ihm die Krisenzeit des A. G. S. gemacht, aber trotz schwierigsten Situationen hat er, unterstützt durch seine Freunde, an seinem Posten ausgeharrt bis Not und Sturm überwunden waren und die Sonne verklärend und verheissungsvoll wieder über dem A. C. S. aufging« Und das ist es, war wir Dufour vielleicht am höchsten anrechnen müssen, er hat in dieser schweren Zeit ein hohes Mass von Selbstverleugung gezeigt und dem Club den grössten Dienst dadurch erwiesen, dass er durchgehalten hat Jetzt, wo das Ziel erreicht war, wo. der Club reorganisiert war und täglich wachsenden Aufschwung zeigte, durfte Dufour daran denken, dem Club etwas weniger, dafür seinen persönlichen Bedürfnissen etwas mehr Zeit zu schenken. Vor einigen Wochen hat er seinen Entschluss, nach Ablauf der Amtsdauer, auf Ende dieses Jahres, nicht mehr als Präsidentschaftskandidat aufzutreten, dem Verwaltungsrat offiziell kundgetan. Ich glaube zu wissen, dass dieser Entschluss ihm schwer gefallen ist, denn sein Herz und sein ganzes Sein gehörten dem A. C. S. Wenn das Geschick uns grausam erscheint, weil es uns zu früh einen tüchtigen Mann geraubt hat. so zeigt es doch wieder ein gütiges Gesicht, wo es sanft einen Zwiespalt gelöst hat, der anders lange noch geschmerzt hätte. Auch auf internationalem Gebiet hat Dnfonr sich und seinem Club Achtung und Bedeutung za verschaffen gewusst. Er war Vorstandsmitglied der internationalen Vereinigung anerkannter Automobil-Clubs und 1926 wurde ihm das Präsidium der neugeschaffenen Kommission für international« Touristik übertragen. Seiner Initiative ist es gelungen, ein internationales Touristikbureau ins Leben zu rufen und seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass dieses internationale Bureau, dessen Leistungen seither ungeteilte Anerkennung gefunden haben, nach Genf verlegt wurde. Seine Freunde wissen, wie gross bei ihm darüber die Freude war, dass er dem A. C. S. und auch seinem Vaterland, auf internationalem Boden diese bevorzugte Stellung schaffen durfte. Vor wenigen Tagen, als mir die Aufgabe zukam, unsern kranken Zentralpräsidenten bei den internationalen Verhandlungen in Paris zu vertreten, haben die Anteilnahme und die Sympathiekundgebungen der Delegierten aller Na- Die Ankunft des Trauerzuges im Friedhof von St, Gearges. Vor dem Krematorium. (Photo Geiselhard, Genf.)

91 — 1929 AUTOMOBIL-REVUE tionen mir deutlich zu erkennen gegeben, wie hoch Dufour geschätzt wurde und welch grosses Ansehen er durch seine Persönlichkeit dem A. G. S. geschaffen hat. Ich habe den Auftrag, Antoine Dufour die Anerkennung, Wertschätzung und den Dank der A.-I. A. auszusprechen. Ein Leben voll Arlbeit aber auch reich an Erfolgen ist jäh gebrochen worden, ein Mann, welterfahren und mit weitem Blick, voll Lebensfreude und Tatenlust ist unerwartet früh abberufen worden. Ein grosser Teil dieses reichen Lebens war dem A. G. S. gewidmet, in tiefem 'Schmerz stehen wir vor der Bahre, die uns für immer dieses Leben entzieht. Seine Angehörigen, die so oft mit ihm die Leiden und Freuden seiner automobilistischen Tätigkeit geteilt haben, bitten wir. die aufrichtigste Teilnahme der gesamten A. C. S.-Gemeinde entgegen nehmen zu wollen. Antoine Dufour, so grüssen wir Kameraden, den guten Kameraden, wir Freunde, den treuen Freund zum letzten Mal, was du uns warst, wird unvergesslich in unsern Herzen weiterleben. Für alles aber, was du dem A. C. S. gegeben hast, sagen wir dir noch einmal innigsten Dank. Deine Werke sind in den Annalen des Clubs aufgezeichnet uns zum Vorbild und dir zum dauernden, wohlverdienten Denkmal. Nach Herrn Dr. Mende sprach Herr Kündig, Präsident des Schweiz. Verbandes der Motorlasfwagenbesitzer. Wit entnehmen seiner Rede die nachfolgenden Gedanken. Auch die Aspa hat dem Pionier des Automobils, Anton Bifour. viel zu verdanken und grossen Nutzen aus seinen Anstrengungen gezogen. Dufour half in der Schweiz in wahrem Sinne des Wortes mit, «die Geschichte des Automobils zu machen». Seit den allerersten Jahren des Aufkommens der Motorfahrzeuge in der Schweiz setzte er sich für die Rechte der Strassenbenützer ein. Die enormen Anstrengungen, welche der Entwicklung des Automobils vorangingen, sind zu einem ansehnlichen Teil dem Pionier Dufour zu danken. Anton Dufour legte in seine Bestrebungen eine Leidenschaftlichkeit zutage, eine Standhaftigkeit und eine Unermüdlichkeit, die Erfolge % zeigen musste. Die Automobilisten, die schon seit mehreren Jahren den Entwicklungskampf miterleben, kennen die Widerstände, die sich dem Automobilisten entgegenstellen: die Front der Behörden, die dem Automobil kein Verständnis entgegenbringen und die Rechte des Automobilisten missachten, und die Vorurteilsfront der übrigen Strassenbenützer. Oft und oft wandte sich die Aspa an Anton Dufour, der sich in diesem Kampfe ein ungewöhnliches Mass von Erfahrung gesammelt hatte. Dufour konnte, sei es mit seinem Rate, sei es mit seiner Persönlichkeit, immer Hilfe leisten, so dass die Aspa der Tätigkeit Dufours viel zu danken hat. Besondere Erwähnung verdient die stets entgegenkommende Kameradschaft des Verstorbenen. Die grosse Kollektivität der Strassenbenützer, um deren Bildung sich Dufour stets bemühte, wie auch die Aspa anerkennen das erfogreiche Wirken des Hingeschiedenen und bewahren ilim ein bleibendes Andenken. Wenn der Automobilclub seinen langjährigen Präsidenten verliert, so bedauert die Aspa das Hinscheiden eines grossen Förderers des Automobilwesens und eines Kameraden, auf den man stets bauen durfte. Oberstlt. Megevet, der Dienstchef des Motorwagendienstes im Stabe der I. Division, sprach im Namen der Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten des Motorwagendienstes die Grabrede, aus der wir einige interessante Aeusserungen entnehmen: Es sind erst wenige Wochen vergangen, seit Dufour als Oberstleutenant im Motorwagendienst dem Wiederholungskurs des Schweren Artillerieregimentes 3 in Schwyz beiwohnte und, wie es sich ergab, dem Vaterlande die letzten Dienste leistete, obwohl er bereits die ersten schweren Anzeichen seiner heimtückischen Krankheit fühlte. Seine Kameraden ahnten kaum, dass Dufour in kurzer Zeit nicht mehr in dieser Welt sein werde. Versetzt man sich in der Geschichte unseres Militärs um 28 Jahre zurück, so trifft man Dufour noch als Unteroffizier der Kavallerie. Er Hess sich damals zu den Autofahrern versetzen und wurde einem Armeekorpsstab zugeteilt, wo er in einem Martiniwagen hohe Offiziere zu fahren hatte. Als im Jahre 1907 der Motorwagendienst der Armee in Form eines Volontärkorps ins Leben trat, war Dufour einer der ersten, der sich in die Listen eintrug. Nach kurzer Zeit wurde er als Detachementchef dieser Truppe für die deutsche Schweiz bezeichnet. Im Jahre 1914 erhielt er als Kommandant das Depot Uster, später das Depot Luzern und leistete damals nicht weniger als 1500 Tage Dienst für die Armee. Der Hauptmannsrang wurde ihm am 2. September 1915 nach Absolvierung verschiedener technischer Kurse zugesprochen, den Majorsgalon erhielt er am 31. Dezember 1921 und den Grad eines Oberstleutenants erteilte ihm der Bundesrat auf Ende Dezember 1927. Oberstleutenant Dufour befasste sich neben seiner dienstlichen Tätigkeit mit der Truppe noch mit Mobilisationsvorbereitungen, die er unteT Leitung der 3. Sektion des Generalstabes durchführte. Seine unermüdliche militärische Tätigkeit gereichte dem Motorwagendienst zu vielen Erfolgen und seine reichen Erfahrungen zog man bei dieser Truppe stets gerne zu Nutzen. Die Armee verliert in ihm einen gewissenhaften Offizier und kompetenten Chef. Im Namen der Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten des Motorwagendienstes sowie auch im Namen der Schweizerischen Strassenverkehrsliga entbot Oberstlt. Megevet dem Verstorbenen das letzte Lebewohl. Noch nahm Herr Baumgartner, der nahe Freund Anton Dufours, in bewegten Worten von seinem Freunde Abschied und entrollte in kurzen Zügen das imposante Lebenswerk des zu früh Verschiedenen, dann ging die grosse Trauergemeinde, nachdem Herr Baumgartner im Namen der Familie für die herzliche Anteilnahme gedankt hatte, auseinander. Die Telegramme. Die Zentralverwaltung des A. C. S. hat zum Tode Anton Dufours zahlreiche Beileidtelegramme erhalten. Wir nennen einige Sender: De Zuylen, Präsident der A. I. A., Senator Crespi, Präsident des italienischen Automobilclubs, Mercanti, Sekretär des italienischen Automobilclubs, De- Rohan, Präsident des französischen Automobilclubs, Dr. Henneberg und Quinclet, im Namen des schweizerischen Touringclubs, die Aspa, der Automobilclub von Mailand, die U. M. S., der schweizerische Radfahrerbund, die Sektionen Tessin, Luzern, Winterthur, Hauenstein, Waadt und Liechtenstein des A. C. S. Mario Lepori. Die Repräsentanten und Club-Delegierten des A.C.S. an der Beerdigung Anton Duiours. Direktions- und Zentralkomitee: Die Herren Vizepräsidenten Dr. Mende, Prof. Dr. Steinmann und Dr. Stalder. De L'Harpe, Zentralkassier. Kofmehl, (Solothurn), Müller-Brunner (Aargau), Imhoff (Basel), Marti (Hauenstein), Dr. Rietmann (Thurgau) und Hürlimann (Zürich). Die Clubs: Von den Club delegierten der 26 vertretenden Sektionen konnten folgende Namen festgestellt werden. Aargau: Die Herren Müller-Bxunner, Präsident, Oberst Stierli und Francke. Basel • Die Herren Imhoff, Präsident und Dr. Gubler Bern : Herr Dr. Mende, Präsident. Genf: Die Herren Chantre, Präsident, Olivet, Renaud, Dr Koechlin, Dr. Guillermin und Ernens. Graubünden. Herr Demmer, Vizepräsident. Hauenstein : Herr Dir. Marti. Les Rangiers: Die Herren Peter, Präsident und Froidevaux. Luzern • Herr Geisshüsler. Solothurn: Herr Kofmehl, Präsident. Thurgau : Herr Dr. Rietmann, Präsident. Waadt: Herr Faillettaz. Zürich : Die Herren Hürlimann und Dr. Stalder. Die Kommissionen des A. G. S. waren wie folgt vertreten: Die Herren F. Martin, Präsident und Empeyta (Commission du Contentieux central), Bohy, Dr. Rietmann und Kündig (Versicherungskommission). Imhoff, Präsident, Dr. Guillermin und Wichmann (Verkehrskommission), Decrauzat, Präsident und Geisshüsler (Nationale Sportkommission), Hürlimann, Präsident und Olivet (Tourismus- Kommission), Primault, Administrator, Dütschler und Brieger Sekretäre (Zentralverwaltung). Auch die A. I. A. C. R., war durch einen Delegierten vertreten. * Für den Bau der Milchbuckstrassen zwischen der Schaffhauser und der Scheuchzerstrasse legt der Zürcher Stadtrat dem Grossen Stadtrat Pläne und Kostenvoranschlag vor mit dem Antrag, für die Ausführung einen Kredit von 180,000 Franken im ausserordentlichen Verkehr zu bewilligen. TV. Ausstellungen Olympia-Schau eröffnet. Ohne grosse Feierlichkeiten wurde am 17. Oktober die Olympia-Schau eröffnet. Die Olympiahallen in London, die noch höher sind als der Grand Palais in Paris, weisen nur bescheidene Stoffbehänge auf, bieten aber durch die Mannigfaltigkeit der vielen einzelnen Stände ein recht farbiges und messeartiges Bild. Im Gegensatz zum Pariser Salon wird hier den einzelnen Standinhabern in der Ausgestaltung der Stände beinahe freie Hand gelassen. Die ausstellenden Firmen, besonders die amerikanischen und englischen, wetteifern miteinander im Ausschmücken der Stände. Wahre Prachtsbauten streben den hohen Dachbauten der Olympia-Hallen zu. Unter den 85 Personenwagenständen belegt die englische Industrie nur 33 Stände, was im Vergleich zum Anteil der französischen Industrie am Pariser Salon, bescheiden ist. Amerika und Frankreich sind je mit 20, Italien mit 7, Deutschland und Belgien je mit 2 und Oesterreich mit einem Stand vertreten. Die kleinen englischen Industrien sind in London nicht so stark beteiligt wie die französische Kleinindustrie in Paris. Wenn auch die Londoner Olympia-Schau im internationalen Autohandel keine so bedeutende Rolle spielt wie der Pariser Salon, so hat sie doch für den Automobilisten einen eminenten Vorteil: Der Autobau lässt sich in London vorzüglich studieren, was für den Techniker wie für den Laien mit technischem Verständnis ein besonderes Vergnügen ist, da ja der englische Automobilbau zu den besten auf dem Kontinent • gehört. Ueber die technischen Eigenheiten der Olympia-Schau werden wir uns in der nächsten Nummer äussern. lt. Bemer Notizen Berner Stadtrat. In der Sitzung vom 18. Oktober gelangten die Interpellationen Guggenheim über den gegenwärtigen Stand der Bahnhoffrage und Wenger über die Neugestaltung des Kasinoplatzes zur Behandlung. Zum Umbau des Bahnhofes liegen nunmehr drei Projekte vor: das Lorrainehalden-Projekt mit einem Voranschlag von 10,58 Marionen Franken, das Engehaldeti-Projekt mit 11,59 Millionen Franken und als billigstes und bahntechnisch vorteilhaftestes Projekt die Erhöhung der alten Lorrainelinie mit einem Voranschlag von 8,8 Millionen Franken. Die Verhandlungen mit den S. B. B. sind noch nicht aufgenommen worden, ebensowenig die Verhandlungen mit den Verkehrsverbänden, die, wie wir nicht zweifeln, vor der Festlegung des endgültigen Projektes begrüsst werden dürften, da der Umbau des Bahnhofes auch ein© Neuregelung der Verkehrsverhältnisse am Bahnhof- und Bubenbergplatz mit sich bringen wird. Gegenwärtig sind Verhandlungen mit der Burgergemeinde um das Terrain des Burgerspitals im Gange, wofür von der Burgergemeinde 16 Millionen Franken gefordert werden. Auch für die Korrektion des Kasinoplatzes liegen heute immer noch nur Projekte vor. Die beste Lösung scheint heute die Niederlegung aller Häuser am Münzgraben und die Verlegung des historisch wertvollen Polizeiwachegebäudes auf die Höhe des- Hotels Bellevue. Zurzeit werden Verhandlungen mit den Einsprechern dieses Projektes gepflogen. Von einer Verlängerung der Theodor-Kochergasse — eine Verlängerung, die für die Einführung des Sens-Unique-Verkehrs grundlegend ist — kann vor einer Einigung in der Frag© der Neugestaltung des heutigen Kasinoplatzes nicht die Rede sein. St. G Die Aufwendungen des st. gallischen Fiskus für die Automobll-Staatsstrassen. (er.) Auch für das Jahr 1930 gedenkt der st. gallische Regierungsrat an ausserordentlichen Strassenverbesserungen zur Anpassung an die Bedürfnisse des Automobilverkehrs wieder zwei Milionen Franken auszusetzen. Wollte er aber bei der Erstellung künstlicher Strassenbeläge alle diejenigen Strassen berücksichtigen, für welche von den Gemeinden ausdrückliche Begehren an den Staat gestellt die obligatorischen Beiträge zugesichert sind, so müssten hierfür mehr als 3^2 Millionen Franken zur Verfügung gestellt werden. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass viele Strecken, die in den letzten Jahren von den Gemeinden für die Erstellung eines künstlichen Belages angemeldet wurden, zur Ausführung nicht reif waren, indem vorerst Kanalisationen etc. in den betreffenden Strecken einzulegen waren oder Verbreiterungen uttd andere Korrektionen ausgeführt werden mussten. Die zwei Millionen Franken sollen nach der. regierungsrätlichen Budgetvorlage gedeckt werden durch den Nettoertrag der Automobil- - und Fahrradkontrolle für 1929 und des Benzinzollanteiles für das laufend© Jahr, veranschlagt mit 1,771,300 Franken, und durch Verwendung der Benzinzollreserve aus den Jahren 1924—1928 im Betrag© von 312,000 Franken, und zwar sollen von diesen 2,000,000 Franken 40,000 Franken für Brückenverstärkungen und"*l,5 Millionen Franken für künstlich© Beläge verwendet werden; in dieser Gesamtsumme von zwei Millionen Franken sind 260,000 Franken als erste Rat© für die neue Automobilstrasse Gossau-Oberbüren-Wil und 200,000 Franken für die Korrektion der Staatsstrassenstrecke Starkenbach-Alt St. Johann vorgemerkt. Stand der Alpenstrassen. Touristikbullefin des A. C. S. vom 18. Oktober 1929. I. Strassen : Gegenüber der Vorwoche ist eine merkliche Besserung in der Passierbarkeit der Alpenstrassen festzustellen. Wie die folgende Aufstellung zeigt, sind wieder alle wichtigeren inund ausländischen Passstrassen dem Fahrverkehr offen: 1. Schweiz. Schneefrei und ohne Ketten fahrbar* sind: Albula, Bernina, Brünig, Forclaz, Grosser St. Bernhard, Julier. Ofen. Pillon, San Ber- „ nardino, St. Gotthard, Simplon, Splügen, Umbrail, Wolfgang und Lukmanier. Flüela, Furka, Grimsel, Klausen und Oberalp, die durch frühzeitigen Schneefall für wenige Tage gesperrt waren, sind wieder frei und ohne Ketten sehr srut fahrbar. 2. Italien. Sämtliche italienischen Hochstrassen, inkl. Stilfserjoch, sind schneefrei. 3. Oesterreich. Die Arlbergstrasse ist behördlicherseits wieder freigelegt worden und gegenwärtig ohne Ketten gut fahrbar. 4. Frankreich. Alle französischen Alpenstrassen sind ohne Schneeketten dem Automobilverkehr geöffnet. Das Trottinett. Die Zeitungen melden: Letzten Donnerstag nachmittag spielte der 7jährige Gilbert Roth auf dem Trottoir der Rue de Charmilles in Genf mit seinem Trottinett und wollte dabei vor einem des Weges kommenden Automobil die Strasse überqueren. Der Chauffeur setzte sofort die Bremsen in Tätigkeit, indes geriet der Knabe unter die Räder. Dabei wurde ihm das linke Bein ganz zerquetscht, und er trug ausserdem tiefe Wunden am ganzen Leibe davon. Durch das leichtsinnige Spiel eines unwissenden Kindes hat sich einmal mehr ein schwerer Unfall ereignet. Von einer Schuld des Chauffeurs kann hier keine Rede sein, vielleicht nicht einmal des Kindes. Hier fehlt es an der Aufklärung der Eltern, die wissen sollten: Das Trottinett gehört nicht mehr auf die motorisierte Strasse. Sowohl auf der Fahrbahn als auf dem Trottoir ist das Trottinett nicht nur hindernd, sondern bildet für den Besitzer desselben geradezu eine Lebensgefahr!