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E_1929_Zeitung_Nr.089

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Die kleinen Freuden des

Die kleinen Freuden des Lebens Kleine Freude Nr. 72. Wenn noch eine Kleinigkeit Buttersauce übriggeblieben ist und anderthalb Kartoffeln, alle haben schon aufgegessen ... aber man kann sich da noch einen kleinen Privatbrei auf dem Teller zurechtmachen. Erfreut sehr und schmeckt auch gut Nr. 73. Die nicht erwartete Eintagsltebe. «I never dreamt, you fall in love with me...» und plötzlich erfolgreiches Wiedersehen in da und da — sehr schön. Nr. 74. Der Fön. Der Fön beim Friseur... Ich weiss nicht, wie es bei den Damen ist... bei den Männern ist es so: Die Haare sind schon geschnitten: grosser Kampf mit dem Friseur, der entweder mit der Maschine dem Kopf das Ansehen eines von der deutschen Haarkrankheit Befallenen geben will, oder der gar nicht schneidet, sondern nur so herumputzelt... « Der Uebergang, Herr ! » — «Gucken Sie mal in'n Spiegel; also, wenn wir hier noch was wegnehmen... » das ist vorbei; dann hat er Seife auf den Haarboden geschmiert, herumgeknetet, dann hat er die Seife wieder abgeschwemmt, nun ist man müde und döst sachte vor sich. Nun nimmt er aus einer unteren Schublade den vernickelten Föhnapparat und lässt ihn heulen. Hu—hu—.. u.. u—u— das schläfert ein. Sehr angenehm ist das. Undeutlich sieht man sein herrliches Bild im Spiegel! — Ach ! Man ist ja so schön ! Aber das will man jetzt gar nicht mehr sehen, man weiss es schon; wie durch einen dicken Vorhang dringen Fetzen eines Kundengesprächs herüber. < Können die Leute ja gar nicht machen. Sehn Se mal, schon rein nach der Gewerbeordnung...» — «Puder—?» — Süsser Halbschlaf des Föns... Hu.. u.. u. So satt wird man und selbstzufrieden. Ich glaube gar nicht, dass Männer zum Friseur gehen, um sich die Haare schneiden zu lassen — (auch gibt es welche, die lassen sich da rasieren: ein unvorstellbarer Vorgang!) — nein, ein Herrentriseur dient anderen Zwecken. Hier werden die Herren Männer mit Selbstbewusstsein geladen- Sie sitzen da auf ihren Stühlen, sehen sich solange in dem Spiegel, bis sie völlig hypnotisiert von sich selber sind, baden in sich und ihrer männlichen Vollkommenheit, lesen ein bisschen die Zeitung, schlafen — und wenn sie aufstehen, sind sie wie neugeboren. Es muss unten an den Stühlen eine geheime Vorrichtung sein, die sie mit «Ego» .füllt — vielleicht ist es auch eine Art Spiegelzauber ...der wahre, magische Zweck des Herrenfrisiersalons ist die Stärkung des egozentrischen Systems, das ja sowieso schon beim Mann so schwach ausgebildet ist... (Siehe Bild 1: Bild 2: „Was! mein Verschulden soll es sein — ? " «Sie wissen doch, dass das Rauchen «Wer spricht denn da von Arbeit?» hierüber: Anna Ferenczy-Dülbög, «Psychoanalyse an Friseurlehrlingen und Toilettenfrauen», Wien 1937. Ja, da sitzest du, und die Welt ist gar nicht mehr da, nur der Föhn. Hu—u—u—... macht er — und das soll nie wieder aufhören, immer soll das so bleiben — die Leinen der Nerven hängen schlaff zu Boden, man kann auch sagen: du hast das Steuer losgelassen; pua! ein heisser Luftstrom! Grade ins Auge... und dann ein kalter, und der Föhn singt, und es ist alles so schön gleichgültig und verdöst und überhaupt — es hat einmal Pflichten gegeben; es musste etwas «aledicht» werden—vom Friseur aus muss man irgendwo hingehen, das ist unbestreitbar richtig; aber das gilt jetzt alles nicht — jetzt heult der Fön, und du schläfst wachend und wachst schlafend, und unterdessen wird dein Ich, tief in der Zirbeldrüse und im unteren Solarplexus, immer fetter und grösser — es gedeiht am besten, Flipschen lässt sich nichts weiss machen . . . Bild 3: „Warum haben Sie denn nicht getutet!" AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N° 89 In der Garage während der Arbeit verboten RAUC HT VERBOT wenn man nicht hinmerkt, es wächst, es schwillt auf — aber du weisst es noch nicht. — Der Fön... der Fön... Einer scharrt mit dem Stuhl, das lässt die Gedanken durcheinanderkollern. Was denken sie? Die Kopfhaut ist eine erogene Zone. Wäre ich ein Pascha — ach! wäre ich einer! — Ja, wäre ich ein Pascha, dann müssten mir meine Sultaninnen, oder wie diese Mädchen heissen, den Kopf kraulen und in heissen Liebesnächten den Kopf waschen. Darum bitte ich heute schon immer alle Damen, die das Vergnügen haben... (Na, hören Sie mal — da, möchte-ich aber nicht bei Ihnen Sultanine sein! Sie lassen sich wahrhaftig von Frauen den Kopf krabbeln? Lange? Wie lange? Und waschen müssen sie den Kopf auch —?» — Ja. — «Also... also mir ist das unbegreiflich, wie sich eine Frau dazu... also das verstehe ich nicht... nehmen Sie mir's nicht übel!» — Nein. — «Den Kopf kraulen...! Hat man je so etwas... — Jetzt stören Sie Pantern hier nicht — er soll zu Ende erzählen! Also, was wollten Sie vom Fön sagen —?») Ja, da heult er, und nun ist die Zirbeldrüse in den Plexus gerutscht, und ich bin gar nicht mehr da Der Mann in der weissen Jacke ist fertig. «Biseh!» — Polternd fallen Komplexe, Hemmungen, Triebe. Süchte und die unterbewussten Bewusstseine durcheinander, ordnen sich... «Antreten —!> — Und nu sitzen alle wieder da, als wäre nichts geschehen. Torkelnd stehe ich auf. Aah -es war sehr schön! Kleine Freude Nr. 75. ist!» Der Pfandschein. Die Frau eines New Yorker Gescnäftsman-' nes hatte, so erzählt die «Morning Post», einen Verehrer, der schon lange gewünscht hatte, seiner Angebeteten eine Freude durch ein hübsches Geschenk zu bereiten. Als sie ihm nun eines Tages erzählte, dass sie in einem grossen Modehaus ein fabelhaftes Kleid gesehen habe, dessen Preis aber leider ihr Toiletten-Budget weit übersteige, erklärte der Freund sich bereit, ihr dieses Kleid zu kaufen. Um diese Toilette jedoch unauffällig zu Hause einschmuggeln zu können,' verfiel die Frau auf folgende List: Sie versetzte das soeben erhaltene Kleid ür einen geringen Geldbetrag in einem Pfandhause. Den Pfandschein aber zeigte sie abends ihrem Manne. «Sieh einmal,» sagte sie, «was ich auf der Strasse gefunden habe. Da ich keinen Menschen entdecken konnte, der diesen Schein verloren haben konnte, so nahm ich ihn an mich. Viel kann ja nicht auf ihn versetzt sein, dafür ist der Betrag zu gering. Aber geh doch spasseshalber morgen einmal an dem Pfandhause vorbei und sieh, was es ist. Das interessiert mich doch.» Am nächsten Tag brachte der Mann seiner Frau ein Paar altmodische Leuchter mit , die er angeblich auf diesen Schein auf dem Leihhause erhalten hatte. Das Kleid aber sah die Gattin wutentbrannt schon am nächsten Tag: Eine Stenotypistin ihres Mannes trug es ! Tourismus Korsische Sommerfahrt. (Siehe Auto-Revue No. 83 und 85) III. T. G. Vor der Weiterfahrt die Antwort auf die begreifliche Frage: Wie gelange ich nach Korsika ? Antwort: Von Marseille nach Ajaccio (330 km) in 13 Stunden, von Nizza nach Ajaccio (240 km) ia 9 Stunden, von Livorno nach Bastia (118 km) ia 5 Stunden, womit die gebräuchlichsten Zufahrten zu dieser schönsten der Mittelmeerinseln genannt sind. Sie liegt 170 km vom französischen und 82 km vom italienischen Festland entfernt. Ihr Hauptkörper bildet eine Ellipse mit nord-südlicher grosser Achse, und obendran erstreckt sich, wie ein massiger Blinddarm, der fruchtbarste Landesteil des Cap Corse gegen Norden, das Ganze 183 km in der Höhe. 83 km in der Breite, insgesamt 8777 Quadratkilometer — etwas mehr als ein Fünftel der Schweiz — mit 300 000 Einwohnern, die einen altertümlichen, dem Latein relativ nahestehenden Dialekt sprechen, aber fast ausnahmslos das offizielle Französisch verstehen und reden, wenn auch nicht akademierein; am Col de Sorba z. B. erhielt ich die Auskunft: «L'eau de l'antre cöte est plus bon > Und nun die Banditen und die Vendetta! Aus den landläufigen Begriffen leitet noch heute der Spiessbürger die Vorstellung der Unsicherheit, zum mindesten des Gefahrvollen her, wenn auch schon, vor 80 Jahren ein gewisser Prosper Merimee itt seiner unsterblichen «Colomba» die Situation klargelegt hat mit dem Satz: «Es gibt in Korsika viele Mörder, aber nicht einen Dieb». Dass nach korsischer Auffassung für den Mord nicht ein unedler Beweggrund die Triebfeder bildet, geht letzten Endes auf die Käuflichkeit der Bechtsprechung in den Jahrhunderten der Fremdherrschaft zurück, dal der Unterdrückte dem Richter «die drei S» vorzog: schiopetto, stiletto, s.trada — Gewehr. Dolch. Flucht in Macruis. Und da somit die Vendetta eine rein korsische Angelegenheit geblieben ist. reist der Fremde heute wie vor Jahrhunderten in Korsika so sicher, wahrscheinlich sogar sicherer als in irgend einem andern Teil unseres Europa. Lasse» Sie mich beifügen, dass es in Korsika nicht blosa keine Bettler gibt, sondern dass der Eingeborene für irgendwelchen Dienst jedes Trinkgeld mit gemessener Gebärde zurückweist und entgeltlose Gastfreundschaft in homerischem Sinne als Selbstverständlichkeit betrachtet, so liegt wohl hierin schoa für den Mitteleuropäer ein Stück Abenteuerlichkeit, das in der Zeit des allbegangene Pfade breiter tretenden Automobilismus einzig dasteht. Was Korsika aber landschaftlich bietet, wurde mir mehr zum öininij öfrübcrfrfju^intfifc öfr Dcrfi $m magtteflern unfern «egenftitfafefWmtJtoll feilen toiz mff, floß flet auflidfrtecat, gc|UI$t auf flen «fing und 4ftand fler Snjlall, btfdflofitn ffai, öte MdütxgütmiQtn an 6ie IHügliefler OWöitoiflcn 6tz UufUffttltn) fuc öa*Ja$t 1930 ßeteädjtlid), näaüldf um fo% $u v&äfitn. tte* fctawfcnae gttongen in 6tn

WO «tt 1QPQ AUTOMOBIL-REVUE 15 Erlebnis als Alpen. Dolomiten und Pyrenäen zusammen. Einen Dorn nur trägt die Rose: Während der Baedeker von 1906 von den vorzüglichen korsischen Strassen spricht, sind diese in den Nachkriegsjahren ars zerfallen. 40 cm tiefe Geleise sind keine Seltenheit, und während die hochgebauten Cars des P.L.M. ruhig in den Geleisen bleiben, muss der normale Privatwagen auf den Gräten, d. h. auf der Mittel- und den Seitenmoränen, hin- und herjonglieren, um nicht Auspuffrohr oder andere tiefgelagerte Teile auf der Strecke zu lassen.^ Dafür aber Belangt der Privatwagen in die Gebiete der intimsten Schönheiten, die dem Reisenden _ im Car verschlossen bleiben. Wer ein Stundenmittel von 25 km herausbringt, hat keine Sinekure am Volant, Aussergewöhnliche Steigungen gibt es eigentlich nur am Col de Sevl (1101 m), den ich auf der zweiten Rundfahrt von Ajaccio aus in Angriff nahm. Dasg an der löprozentigen Rampe an der Südosthalde mittags um 2 Uhr mein Amerikaner kochte, konnte ich ihm nicht verübeln. Wieder ging's üb.er Evisa und das am Südbang sonnverbrannte Ota an den zauberischen Golf von Porto und nun in der Gluthitze des TVachmittags an der Westküste nach Norden, auf 103 km keine Unterkunft, Verpflegung odeT Benzinstation. Wie im Tessin schon zu Bonstettens Zeiten geht von einem eselbesitzenden Ehepaar die Frau zu Fuss. Wer über die Blechpest an unseren Landstrassen schimpft, fühlt sich im Himmel. Kein Wegweiser, jeder Passhöhe unmittelbar vor- und nachher nur ein albernes Schild: Ralentir! Auf der ganzen Strecke bis Calvi gibt es wohl kaum einen Kilometer mit weniger als 50 Kurven. Bald unten an einem Golf, bald 500 Meter in der Höhe folgt die Strasse in Tegelmässigem Profil der Berglehne, meisterhaft, aber ohne Schwierigkeiten gebaut, da die trockenen Felsenhänge den Ingenieur von Brükkenbauten dispensieren. Es ist die siedelungsärmste Strasse Korsikas. Wohl eine halbe Stunde schauton wir dem Spiel einer Adlerfamilie mit ihren Jungen zu. Bis auf 50 Meter näherten sich uns die Vögel, um bei jedem Hupenton jäh abzubiegen, aber immer wieder aufs neue zu explorieren. Ausserhalb der Siedelungen kaum ein Eingeborener ohne die Flinte, die zum bon ton gehört; Korsika ist ein Dorado für Jäger auf jedem Gebiet, der Hirsch und der Moufflon sind noch nicht ausgerottet. Am Abend endlich Calvi, die Hochstadt mit der Zitadelle von nordafrikanischem, die Marina von, provenzalischem Habitus. Hier zwei Geschichtsfälschungen: die Inschrift am «Geburtshaus von Colunibus» und am Eingangstor die Ruhmrede: «Civitas Calvi eemper fidelis», was zu interpretieren ist: Treue für Genua. Verrat an Korsika. Im «Gorsotel> erstklassige Unterkunft und während der Feier des Quatorze juillet auf der Zitadelle bei uns Aussenseitern ein «Absinth-Gelage», dessen Stoff der Hausbursche als einzig Zurückgebliebener kredenzte. Als Garage dient ein altes Kloster. Von Calvi, das sea side place werden soll und dafür die Verlegung der Eisenbahnlinie verlangt, Morgenfahrt (mit 22 Minuten Zwangshalt an den Bahnsohranken von Algajola) nach der 2000 Bewohner zählenden, von Paoli gegen die Genuesen gegründeten Stadt He Rousse mit dem palmenflankierten Paoli-Denkmal und einem Grand Hotel, dem eine leuchtturmbewehrte Inselgruppe aus rotem Granit vorgelagert ist. Dann die ölbaurnffesegnete Gegend der Balaghe, wo nach biblischer Art gedroschen wird, mit den Hufen der im Kreise herumgetriebenen Esel und Maultiere, denen nach dem Gebot der Schrift das Maul nicht verbunden wird, üeberaü auf den Feldern Arbeiterkolonnen und Plakate: «Golf Club 18 holes du Grand Hotel de Napoleon Bonaparte ä De Rousse, ouverture 1930». Korsika stellt sich mit Hochdruck auf den Fremdenverkehr ein. Nun auf einmal eine Wüste, le Desert des Agriates, darin auf 180 Quadratkilometer nicht eine einzige Siedlung, dann und wann eine Wanderherde und alles Maquis und wieder Maquis. Dann in der Nähe des Meeres die Trümmer der von den Sarazenen zerstörten Stadt Nebbio und der strategisch wichtige Hafen St. Florent. im ausgetrockneten Flussbett kilometerlango Oleanderfelder, eine Farbenorgie, zwischen 200 Meter hohejr Felsen der Engpass Val des Anglais, und nun auf der Westküste des Cap Corse das weingesegnete Patrlmonio, ins Meer vorspringende Felsennester, wie das verwegene Nonza, um einen Turm der Feudalzeiten gruppiert in verschwenderisch Teicher Vegetation, zwischen Zypressen und Pinien die weiss schimmernden Grabkapellen vornehmer Familien, wie der Napoleoni, vom nördlichsten Passübergang Blick auf den vorgelagerten Leuchtturm von Giraglla und die Insel Capraia, und von Micinaggio an auf der rebenreichen Ostküste die unzähligen «Marine» als Häfen der hochliegenden Bergnester, deren Bewohner fast alle in der französischen Marine dienen, als die fortschrittlichsten Korsen gelten und überall hin in die Welt hinausziehen. Dann Ausblick auf Elba und endlich jenseits von Piefranera. dem Schauplatz von Möriindes «Colomba», Bastia, die grösste Stadt der Insel (37 000 Einwohner), mit der Zitadelle und alten Quartieren in bezaubernder Lage. Und nochmals ein neues Stück Korsika, die Castagnlccia, die Riesenwaldungen der Edelkastanie, wie sie sonst nirgends auf der Welt gedeiht, die Nährkammer Korsikas. Von den pittoresken Dörfern hoch über der Casinca und der versumpften Küstenebene mit ihren Etangs geht es hinein ans Gebiet der Thermalquellen (in Piedicrocr weigerte sich die Wirtsfrau, für das Thermalwasser Bezahlung anzunehmen, und akzeptierte schliesslich bloss einen Beitrag für den Opferstock der Kirche), In Morosaglia, dem Geburtsort von Paoli, saugt auf der Strasse liegend ein Kalb an der MutteT, und die Hunde bellen, als ob noch kein Automobildurchgefahren wäre. Wiederum Corte, Venaco und Vivario. Einem Leichenzug geht die «Fraternitä de San Crooe» in weissen Mänteln und Kapuzen voran. Noch ein Abstecher ins Tal des Tagnone und Rückkehr durch das Defilä de l'lruecca, einer der Biaschina am Gotthard ähnlichen Schlucht, wo wegen der Langholzabfuhr (wiederum pinus laricio!) der Automobilverkehr nur zu bestimmten Stunden möglich ist. Nach dem Defilfi des Strette wiederum Ghisoni, der Col de Sorba, wo wir in eisiger Quelle zum letzten Male unser Picknickgetränk kühlen, und der letzte Pass unserer Reise,.der CoJ de Vizzsvonl (1161 m) in wunderbarem Hochwald mit einem Grand Hotel, dem Sommerkurort für die Bewohner von Ajaccio, wo im Winter der Schnee bis 4 Meter hoch liegen soll. Dann auf der Talfahrt Boccagno in der legendarischen Banditengegend. 1811 flüchtete sich ein Bonelli aus Boccagno, der drei Schwestern verführt hatte, mit diesen ins Maguis, lebte in diesem Harem in patriarchalischer Eintracht und' zeugte JtB.- JEl.ivr der. Seinen Beinamen «Bellacoscia» -Ö>ell& ouisse) erbten die zwei ältesten Söhne., die (rotz einen} Köpfpreis von 50 000 Fr. von den Gendarmen und dem Militär nicht gefasst werden könnten. 1870 erhielten sie einen sauf-conduit für die Bildung eines Freischarenkorps, wurden aber 1888 infolge neuer Gewalttaten depossediert und verschwände^ im Maguis. 1892 stellte sich der ältere, Antonio, der Gendärjnerie und würde «freisresprochen», ab%? nach Marseille verbannt. Bald trieb ihn das Heim* weh zurück, wieder in den Busch, wo er 1912 den Tod fand, nachdem er 45 Jahre hindurch das Ma^. qiiis gehalten hatte. ', Von Ajaccio Rückfahrt nach Nizza, gemächlichfe Küstenfahrt nach Marseille, schauderhafte Strassen über Miramas, Arles und Tarascon bis Pont Saint* Esprit, dann Glanzstrecke ins Rhonetal,- so dass ick am zweitletzten Tage mühelos 462 km bis Nantua herausbrachte; üann die Schweizergrenze bei Genf, von wo an die Radfahrer wieder Nummern tragen und die Tafeln 18 km in der Stunde vorschreiben: Iäeb Vaterland, magst ruhi£ sein! Bei einem Tagesmaximum von 180 und einem Minimum von 128 km habe ich auf der Insel in 11 Tagen wohl kaum etwas Sehenswertes von Korsika beiseite gelassen, kann mir aber vorstellen, dass das Geniessen bei kleinern Etappen ungleich grösser ist. Dasselbe in weniger Zeit zu bewältigen, empfände ich dagegen als Sträflingsarbeit. Viel Zeit hat freilich die Kamera absorbiert (gegen 200 Aufnahmen). Für den Photographen gibt es aber vielleicht kein Teicheres Dorado als Korsika. Als Reiseliteratur empfehle ich die Michelin- Karte Nr. 90 (La Corse) mit Itinerar und den Guide Bleu «La Corse» des Hachette-Verlages. Leider ist der Baedeker «Sud-Est de la France» veraltet. Von neueren Büchern über Korsika nenne Ich den mehr naturwissenschaftlich als kulturhistorisch orientierenden Band «La Corse» von Raoul Blanchard in der Sammlung «Les Beaux Pays» des Verlages J. Rey (Grenoble). Und zum Schluss noch eine. materiell-praktische Bemerkung: die Frachtpreise für die Wagenbeförderung vom französischen Festlande nach Korsika betragen 285, 361, 461, 511, 691 und 740 Fr. für das Gewicht von 650, 1000, 1200, 1500, 1800 und 2000 kg. Ebensoviel natürlich für die Rückfracht. Für die Erfüllung 1 der Formalitäten im Einschiffungshafen rechne man im Minimum einen halben Tag. Ist das einmal überstanden, so gibt es in Europa wohl kaum eine anregendere Fahrt als eine Korsikareise. Dr. Th. Gubler. fiufrm Touren-Antworten ' T. A. 360. Graubünden. In der vergangenen Woche ist im ganzen Alpengebiet Schnee gefallen, womit wir sagen möchten, dass die Saison für Alpenfahrten so ziemlich als geschlossen betrachtet werden mnse. Pässe wie Julier und Flüela •ind in der Regel in der 2. Hälfte Oktober nicht mehr fahrbar, und wir glauben, in Ihrem Interesse su handeln, wenn wir Ihnen von Ihrer Fahrt im Automobil nach dem Oberengadin in der von Ihnen angegebenen Zeit abrarten. Wenn die Hochalpenpässe auch noch während einiger Zeit für den Verkehr offen stehen, eo ist es doch sehr gut möglich, dass sowohl Flüela wie Julier von heute auf morgen gesperrt werden können, während Sie sich bereits auf der Fahrt befinden. Sie tun auf jeden Fall gut, wenn Sie Ihre Engadinerfaihrt auf das nächste Jahr verschieben. W. Scb. in B. •T. A. 361. ' Schwelzerreise. Wir verweisen auf •unsere Antwort 360, Qraubünden, Waa wir dort über jenen Teil der Alpen' im speziellen gesagt haben, gilt im allgemeinen auch für die übrigen hochälptoen Uebergänge. Auch Ihnen müssen wir daevon abraten, Ende Oktober eine Fahrt über die höeKsten Pässe unserer Alpen zu unternehmen, Damit -möchteitasrir nichtsagen, daseSiedeni. Wunsch, Ihrem Freunde aus Frankreich einige schöne Szenerien unseres Landes zu zeigen, hilflos gegenüber stehen. Wir machen Ihnen folgenden Vorschlag: Statten Sie dem obern Genfersee einen Besuch ab, wobei Sie, von Biel herkommend, am besten über Neuenburg, Grandson, Yverdon nach Laueanne und Vevey fahren. Von hier können Sie zwischen den folgenden Routen ins Berner Oberland wählen: 1. Ueber Chätel-St. Denis nach Bulle und durch die malerische Gruyeres nach Montbovon-Chäteaud'Oex, oder; 2: über Montreux-Villeneuve-Aigle und den Col des Mosses ebenfalls hinunter nach Chäteau-d'Oex. Sollten Sie .die letztere Route vorziehen, so müssen Sie eich allerdings bei Ihrer Abreise noch erkundigen, ob der Col des Mosses noch befahren werden kann. Wenn in den nächsten Tagen weitere, starke Schneefälle eintreten, so ist es nicht ausgeschlossen, dass selbst dieser nur 1450 Meter hohe Uebergang, in allernächster Zeit ge^ schlössen werden könnte. Von Chäteau-d'Oex fahren Sie nach Zweisimmen und das ßimmental hinunter nach Spiez und von da nach Interlaken. Bei schönem Herbstwetter, wie wir es bis anfangs Oktober zu verzeichnen hatten, wird eine Fahrt' nach Lauterbrunnen-Triimmelbsch oder nach Grindelwald bestimmt einen bleibenden Eindruck auf Ihren Freund ausüben. Auch eine Tour über den Brünig nach Luzern und durchs Emmental heimwärts können wir Danen bei guten Wetterverhältnissen sehr anraten. Wir glauben, dass auch eine Fahrt durch die Voralpen einem Ausländer Freude und Genuss bereiten wird. Seh.- Touren 'Fragen T. F. 362. Frankreich. Stimmt es. dass in Frankreich keine Vorschriften bezüglich Geschwindigkeit existieren? Da ich mich nächstens in dieses Land begebe, wäre ich um diesbezügliche Auskunft zu Dank verpflichtet. ßoh. in R. T. F. 363. Frankfurt a. Main. Ich fahre' nächstens nach Frankfurt a. M. und bitte Sie, mir die kürzeste und beste Route dorthin bekannt zu geben. Für die Heimreise möchte ich, wenn irgendwie möglich, nicht dieselbe Route fahren, wie auf der Hinreise, sofern Sie mir einen andern Weg mit ungefähr derselben Anzahl Kilometer empfohlen können, bitte ich um Bekanntgabe. Es stehen mir für die Reise inkl. Aufenthalt von einem Tag in Frankfurt 5 Tage zur Verfügung. M. L. in G. T. F. 364. Malland. Welches ist der beste und kürzeste Weg von Genf nach Mailand? Sind der Grosse St. Bernhard- und Simplonpass, die wohl in Frage kommen, Ende Oktober oder anfangs November noch fahrbar? W. B. in F. T. F. 385. Schwarzwald. Ich möchte an einem schönen Oktobersonntag eine Sonntagstour in den Schwarzwald ausführen und bitte Sie um Auskunft, ob die in einem Tag von Luzern aus möglich ist. (Eine Rundfahrt von 300 km würde mir am besten zusagen.) Ich bitte um Bekanntgabe einer geeigneten Fahrt. E. L. in L. Sechs-Tage-Rennen mit Pferden. In Philadelphia findet zurzeit ein Sechs- Tage-Rennen auf Pferden statt. Zehn Reiter mit zehn Pferden nehmen ari dem Wettbewerb teil. Genau 1 wie bei den Radrennen muss immer einer von den zwei Leuten,, die zusammen eine Mannschaft bilden, mit s.ei- Pferd im Rennen sein. Nach .d^ü ersten Vieründzwanzig' Stunden : war .'die'', englisch© Mannschaft den übrigen um eine Runde: voraus. In der ersten Nacht soll die Veranstaltung sehr aufregend gewesene! sein und hat grossen Zuspruch gehabt, aber wird das so bleiben? Oder wird auch eine Pferdenatur das nicht aushalten? J Ausbauen ^ unb verschönern. bringt neue Freude. Mit der Zeit — Schritt für Schritt — bauen Sie sich ein größeres, schönes Heim aus. Gelegenheiten zeigen sich — man erwirbt eich Neues. Benötigen Sie ein Speise- oder Herrenzimmer? Ein größeres Schlafzimmer — eine bessere Stube —? 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