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E_1929_Zeitung_Nr.095

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ter bis Etretat, unser

ter bis Etretat, unser Ziel, für heute. Der Sack drückt mich. Die Hand meines Mädels ist müde. Wir finden die Strasse. Nur das kreisende Licht unseres Turmes durchflammt die Nacht. Kilometersteine, vereinzelte Hütten — Autos rasen vorbei. Bei den Fischern von Yport. Ein kleines Fischerdorf. Eingebettet-in die Felsen, an flacher Bucht liegen die Häuschen, blau vor braungrünen Bäumen und schwarzen Wäldern. Kleine Giebelfenster — aus quarzschillernden Steinen sorglich gebaut sind diese Häuser. Es ist wenig Land, alles ist Himmel und Meer. Der Himmel ist regenschwer. Wolken ziehen, wecken wechselnde Bilder. Es ist kalt. Die Hände sind steif. Mächtig wühlen die Wellen ins Land. Sie kommen aus dem Unendlichen. Der Gischt liegt über dem Damm des kleinen Boothafens. Jäh stürzen die Felsen ins Meer, hart zwischen roter Erde und grünen Wassern. Die Luft johlt, schwarze Vögel quarren. In eintönigem Rhythmus rauscht das Meer — es ist fast unheimlich. In der Ferne zeichnen rauchende Schiffe den Horizont- Finster und verbissen bückt dieses Fischervölklein. Kraftstrotzende Naturen, erfüllt von abergläubischer Furcht. Jeder Tag ist ihnen Geschenk, das Meer ist ihr Richter. Das Wasser schenkt alles, es ist gut. Das Wasser aber ist auch Strafe und Tod. Das Leben ist schön, bitter der Tod, beides ist Schicksal. — Oben in den Felsen quarren Vögel, schwarze Vögel — wie Krähen. Der Wind streicht vom Meer. Mich friert. Nino, Paris. Mensch, hilf dir selbst... Das Taxi ist in Paris, überflüssig es zu sagen, das beliebteste Verkehrsmittel, gegenüber Metro und Autobus aber immer noch etwas teurer. Das ist sicher auch die Ansicht meiner jüngsten Gelegenheitsbekanntschaft, Monsieur Baillot. Wie wäre es sonst erklärlich gewesen, dass dieser äusserst bewegliche und gewandte Herr es fertig brachte, trotz seiner zahllosen geschäftlichen Rendezvous nur mit dem Metro auszukommen und sich höchstens etwa am Anfang des Monats ein Taxi zu leisten? Gross war daher mein Erstaunen, als ich eines Morgens meinen neuen Freund beim Palais Royal in einem funkelnagelneuen, hellgrauen Auto die Rue de Rivoli hinabfahren sah, Richtung Place de la Concorde. ' Der muss brillante Geschäfte machen — dachte ich bei mir, um so mehr, als ich an seine ebenso grosse und merkwürdige (aber begreifliche) Vorliebe für den Metro, an seinen gewiss schon zweijährigen alten Anzug mit den Fettfleken, den verschwitzten Hut und die meist ungebügelten Hosen gewöhnt war. Zwei Stunden später hatte ich in der Nähe der Grossen Oper zu tun. Wer beschreibt aber meine Ueberraschung, als wiederum kein Geringerer als Freund Baillot in einer wieder nigelnagelneuen, diesmal dunkelroten Limousine vom Boulevard des Capucines herkommend in die Avenue de l'Opera einmündete. Der hat's grosse Los gewonnen oder über über Nacht einen Haufen Geld geerbt, war mein erster Gedanke, und doch schien es mir, Anzug und Hut seien noch die gleichen. Immerhin war Baillot in meinerAchtung schon bedeutend gestiegen, wozu wohl die Grandezza, mit der er in seinem Wagen sass — die obligate Zigarette im Mund — nicht unwesentlich beigetragen haben mochte. Am Nachmittag desselben Tages sah ich ihn nach sechs Uhr noch zweimal auf den Grands Boulevards und stets wieder in einem andern, scheinbar vollkommen neuen Wagen. Am nächsten Morgen hatte ich um zehn Uhr ein geschäftliches Rendez-vous an der Avenu des Champs-Elysees. Wir — ein Pariser Kaufmann und ich — sassen auf der Terrasse eines Cafes. Wer kann da in einem prächtigen, hellgrünen Torpedo vom Are de Triomphe her? wer anders als Freund Baillot. Dass er immer ohne Chauffeur fuhr, erklärte ich mir dahin, dass er leidenschaftlich gerne selbst lenken müsse, was man ihm übrigens auch ansah. Jedenfalls kannte meine Neugierde diesmal keine Grenzen mehr und da ich genau wusste, wo Baillot jeden Abend dinierte, Hess ich es mir nicht nehmen, meinen Mann gegen acht Uhr dort abzufangen. Er kam auch richtig zur gewohnten Zeit, streckte mir freudestrahlend die Hand entgegen und sagte so laut, dass die Tischnachbarn sich nach uns umdrehten : «Heute und gestern hatte ich zwei famose Tage, in zwei Stunden machte ich mehr Geschäfte als sonst in zehn Wochen.» Als ich ihm von Herzen Glück wünschte, dass ihm sein neuer Wohlstand den Luxus so vieler Autos gestattete, lachte er laut auf: «Ja das stimmt allerdings schon. Seit gestern fahre ich buchstäblich den ganzen Tag Auto und das geht jetzt noch volle zehn Tage so weiter. Ich selbst besitze zwar keinen einzigen Wagen. Ich habe aber einen «Truc», Amerikanische Sport-Skizze von Hans Kunz. Diok Coney hatte sein Englisch in einer der grössten Universitäten der Vereinigten Staaten gelert. Augenblicklich bediente er sich aber einiger Ausdrücke, die Shakespeare zu Lebzeiten nie angewandt hätte. «Bin ich eigentlich der lahme Sohn eines Marmorhändlers? Oder ist mein Wagen eine stinkende Dampfwalze ? Das möchte ich nun doch mal wissen !... Antwort bekam Dick keine, denn er befand sich allein in seinem Office, dessen Fenster auf die Plaza dcl Esplanade schien. Vor der Türe stand: Dick Conoy, Vertreter der Darco Automobile für |»Iexiko, und vor Dick selbst las ein Schreiben des Verkaufs-Direktoren der Darco Automobilfabrik. «Lieber Coney : So also haben Sie sich da unten in Pueblo gut etabliert. Wir werden Sie für den Verkauf der Darco gut brauchen können. Aber eins muss ich Urnen sagen, lieber Coney. verkaufen Sie auf Grund der Qualität, nicht der Schnelligkeit. Sie wissen, der Chef ist kein Freund der Raserei und Ihren Spezial-Darco-Rennwa-gen lassen Sie lieber in Ruhe. Als Rennfahrer und Indianapolis- Sieger wird's Ihnen schwer fallen, aber Sie verstehen! — Mit den besten Wüschen Ihr Mac Tavish.» Fehlt nur, dasss die Kerle mir noch einige Lastwagen und Car Alpin zum verkaufen schicken, dachte Coney. Wenn einer in diesem gesegneten Lande Automobile verkaufen will, so darf das Tachometer nicht bei 60 oder 70 Stunden-Meilen stehen bleiben. Dick 6teckte die Hände in die Hosentaschen und blinzelte über die Plaza: zum Regierungsgebäudo hinüber, wo der Gouverneur wohnte. Don Alfredo Bustamente hatte Dicks besondere Aufmerksamkeit und zwar aus zwei trieftigen Gründen. Erstens hatte der Gouverneur eine Limousine, die schon vor sehr langer Zeit jung gewesen war und die er ihm mit einem Darco ersetzen wollte. Und zweitens brauchte Don Alfredo nach der Ansicht Coney's unbedingt einen flotten Schwiegersohn... Dick hatte kalkuliert, dass die Schwiegersohnangelegenheit entschieden eiliger war und hatta sich daher gestern bei Don Alfredo melden lassen. Der Gouverneur stand hinter dem Diplomaten seines geräumigen Privatbureaus. Er hatte den Amerikaner ruhig, verräterisch ruhig, angehört. «Mister Coney», entgegnete Don Alfredo, nachdem er seine dunkle Zigarre in Brand gesetzt, «ich erwartete Ihren Besuch in dieser Sache schon seit einigen Tagen. Aber... est ist ausgeschlossen.> «Sie verweigern, ohne mit Ihrer Tochter selbst gesprochen zu haben ? » « Ich bedaure, aber es Ist unmöglich. Entschuldigen Sie mich, wenn ich offen bin: Sie sind Amerikaner, d. h. Businessman. Sie haben keine Ideale, wie das Geschlecht, aus dem meine Tochter stammt und das so alt ist, wie Spanien selbst. Wir haben, Gott sei Dank, noch Blut in den Adern. Das ist auch der Grund, warum wir uns für Stierkämpfe und Rennen begeistern. Dick empfahl sich. Er hatte verstanden. Er musste die Sache anders drehen. Zugegeben, dass Dick seinen Stammbaum nicht so weit zurück verfolgen konnte, wie der Gouverneur, aber was das Blut und die Rennen betraf, so war er fest entschlossen, dem alten Don Alfredo etwas vorzumachen. Pueblo -war durch die Hauptstrasse mit San Jolidas verbunden und Don Alfredo hartte die 70 Meilen nicht umsonst nach allen Regeln der Kunst ausbauen lassen. An einem schönen Vormittag hielt der grüne Darco vor der Residenz Don Alfredos. Selbstbewusst schwang sdch Diok hinaus, nahm drei Stufen der Treppe auf einmal und liess sich beim Gouverneur melden. « Excellenz! Ich habe mir die Sache noch einmal gründlieh überlegt. Da ich Ihre Tochter nicht aufgebe, lassen wir uns heute morgen in San Jolidas trauen. Der Gouverneur sprang wie von einer Tarantel gestochen von seinem Sitz. «Erlaruben Sie mal...!» Dick schüttelte gelassen den Kopf. «Was heisst, erlauben ? Unten steht mein Wagen mit Ihrer Tochter. Punkt neun Uhr werden wir starten. Ich das ist viel praktischer. Und Ihnen als Freund will ich mein Geheimnis verraten. Sehen Sie, man muss sich nur zu helfen wissen.» Und dabei zeigte er mir ein ganzes Bündel vorgedruckter Formulare, worauf zu lesen stand: Gutschein für einen einmaligen Versuch mit Wagen... Anzahl HP... Karosserie... Tag und Stunde des Versuches... Ort des Rendez-vous... Mit diesen von Vertretern und Agenturen der verschiedenen Automobilfabriken während der Dauer des «Salon de l'Automobile» im Grand Palais ausgegebenen Bons verbindet unser schlauer Baillot die Rendez-vous zu «Versuchszwecken» so glücklich mit seinen eigenen Geschäfts-Rendez-vous, dass er den ganzen, lieben, langen Tag über ein Auto verfügt. Was der alte Pfiffikus da an Zeit spart. Und die Kreditstärkung...! Ja, man braucht sich nur helfen zu wissen. Und in dieser Kunst scheint Freund Baillot ein vollendeter Meister zu sein. Als ich ihn noch fragte; "ob es in diesem Falle nicht einfacher wäre für ihn, immer das gleiche Modellgenre zu benützen, warf er mir lächelnd hin : «Das schon, aber ich liebe die Abwechslung! Und — es ist vorsichtiger ! Wenn solche Leute zu nichts kommen, dann kommt überhaupt niemand zu etwas... H. W. «HM Ein glückliches Land. Von Jahr zu Jahr verringert sich in Schweden die Zahl der Verbrecher. Viele grosse Gefängnisse beherbergen durchschnittlich im Jahr nur noch zwei bis drei, ja manchmal AUTOMOBIL-REVUE •J£ü — itt u 95 Das Rennen um die Braut will fair sein, Excellenz. Sie haben Zeit, auch den Ihrigen bereit zu machen. Denn, Excellenz, wir können noch Auto fahren, wissen Sie, schnell fahren, wie der Teufel fahren. Sonst wäre es sehr langweilig geworden, Excellenz.» «Ich würde es tatsächlich sehr bedauern, ohne Ihre Begleitung fahren zu müssen. Sie verstehen: der Einsatz ist gross 1 Wenn Sie vor mir in San Jolidas sind, sollen Sie meine Tochter haten. Andernfalls...» Don Alfredo musste sich sagen, dass Coney ihm fair gegenüber trat. Und zudem: der Gouverneur machte sich über seino eigenen Chancen in diesem Rennen kein Bedenken. Der junge Amerikaner wollte wohl eine Lektion. Nun, er sollte sie haben. Wenig nach 9 Uhr donnerten zwei Autos über die Plaza del Esplanade und bogen gegen die Hauptstrasse nach San Jolidas zu. Als die Stadt hinler ihnen lag, drückte Dick den Gashebel durch. Der Darco rückte auf die Höhe von Don Alfredos Wagen, gewann Meter um Meter, bis der Gouverneur hinten lag. Dick lächelte vergnügt, liess seinen Gegner wieder etwas aufrücken, um dann aber alsbald die Geschwindigkeit zu vergrössern... ...55 ...60 ...65 Meilen. Im Spiegel sah Dick, dass auch der Gouverneur mithielt. Umso besser! Sonst hätte die Sache langweilig werden können. Nicht genügend spanisch, will sagen spannend. Dann zeigte Dick seinem Verfolger, wie man gefährliche KuTven nimmt und wieder auf der langen Geraden, zog Dick davon. Neben ihm sass Naidai und genoss quitsch vergnügt den Zweikampf zwischen « Nord » und « Süd», wie Kipling sich in diesem Falle ausgedrückt hätte. Der « Süden » war immer noch dicht auf und noch lagen SO Meilen vor ihnen. Hinten war offenbar etwas nicht ganz in Ordnung, denn der Abstand vergrösserte sich zusehends, ohne dass Dick forciert hätte. Der Gouverneur hatte seinen Wagen zum Stehen gebracht. Pneudefekt ! So aber wollte Dick seinen zukünftigen Schwiegervater nicht bezwingen. Er verlangsamte die Fahrt, wendete und fuhr zurück, bis dorthin, wo der Gouverneur im Schweisse seines Angesichts den Pneu auswechselte. Coney hatte in solchen Dingen Erfahrung, half Don Alfredo na"ch Kräften, der dabei nicht klug wurde, ob Coney ihn hänseln wollte. Von neuem stoben die beiden Wagen davon. Dick hielt sich eine Weile hinten und Don Alfredos Hoffnungen stiegen bei «70» ganz erheblich. Er konnte ja nicht wissen, einen Champion des Volants hinter sich zu haben. Bis ungefähr 15 Meilen vor San Jolidas. Da hätte Don Alfredo verzweifeln können. Mehr brarchte er aus seiner Maschine nicht heraus und doch, beim Teufel, da lag der Darco schon neben ihm, raste mit 75 oder 80 vorbei und dahin, dem Ziele zu. Aber auch Don Alfredo Bustamente kafm in San Jolidas srn. Immerhin mit einiger Verspätung. Er entstieg seinem Wagen und reichte Dick lachend die Rechte: «Senor Americano, Sie haben gewonnen. Und ich muss Sie für vieles um Entschuldigung bitten. » Coney schüttelte derb die dargebotene Hand. « Excellenz, als Mann zu Mann: Sie sind, was wir in Amerika nennen, ein grosser Kämpfer und tapferer Verlierer!... a great fighter ad a game looser! » « Sagen Sie mal, Dick, wann können Sie eine Order für einen Darco entgegennehmen ? > «Ist notiert!», bestätigte der Amerikaner. «Und wann gedenken Sie meine Order für Ihre Tochter auszuführen, Don Alfredo ? » « Ist ausgeführt, mein Junge », grinste der Gouverneur. — _ _ _ _ . » _ _ _ «Dear Mac: Soeben habe ich Don Alfredo Bustamente den ersten Darco verkauft. Sie brauchen sich aber keine Grillen zu machen wegen der Schnelligkeit. Der Auftrag erfolgte viel mehr dank der Zuverlässigkeit des Wagens, über die er sich heute in einer lebenswichtigen Angelegenheit glänzend ausgewiesen hat. Mit Handschlag, Ihr Dick Coney. » Die Darco-Werke brachten den Wagen sofort zum Versand. Weder MacTavish. der Verkaufs- Manager, noch der Chef des Unternehmens, konnten indessen aus Dicks Zeilen klug werden. nur einen Verbrecher. Es gibt Anstalten, in denen zur Beaufsichtigung eines Gefangenen zwei oder drei Beamte angestellt sind. Insgesamt gab es in Schweden am 31. Juli nur 2000 Gefängnisinsassen. Jetzt ist man in Schweden endlich zu dem einzig richtigen Entschluss gekommen, nämlich die Gefängnisse zusammenzulegen und die aufgelassenen Gebäude nützlicheren Zwecken zuzuführen. Die kleinen Geschichten Der Parfüm-Mixer. Dschafar-Aga ist gestorben. Die Oeffentlichkeit hat kaum Notiz davon genommen. Und doch war er ein grosser Künstler in seiner Eigenschaft als Duftmeister des letzten Kalifen. Man darf den Duftmeister nicht etwa mit einem Friseur oder Parfumeriefabrikanten verwechseln. Seine Augabe, die viel komplizierter ist, besteht darin, den individuellen Duft, der zu einem Menschen, einem Raum oder gar einem Gegenstand, z. B. einem Buch, passt, zu definieren, und dann das entsprechende Parfüm herzustellen. So musste für jede Haremsdame, die das Schlafgemach des Sultans betrat, und für jedes Buch seiner Bibliothek der charakteristische Wohlgeruch gefunden und hergestellt werden. Die Herstellung von Wohlgerüchen ist im Orient eine Jahrtausende alte Wissenschaft. Viele Traktate, technische Winke und geheime Mittel ermöglichen die Erfüllung der Aufgaben des Duftmeisters, machen sie aber nicht leichter. Wurde z. B. der Duft für ein Haremsmädchen gesucht, fragte der Meister nach, seiner Abstammung, Heimat, Hess sie tanzen, speisen und sprechen. Dann zog er sich in sein Laboratorium zurück und arbeitete oft tagelang, um einige Tropfen einer wohlduftenden Essenz herzustellen, die von nun an diese Frau von allen anderen Frauen der Welt unterscheiden sollte. Noch sorgfältiger wurden von Dschafar-Aga die Bücher behandelt, denn sie werden noch Jahrhunderte bestehen, während eine Frau viel vergänglicher ist. Das Buch muss von Anfang bis zum Ende gründlich studiert werden. Gewöhnlich folgten dann noch unendlich dauernde Besprechungen mit dem Autor, ehe der Duft gefunden wurde, der mit Inhalt, Einband und Schrift harmonierte, der nie störend wirkte, der den Inhalt eines Buches auf seine Art interpretierte. Wir Westeuropäer sind zwar auf dem Gebiete der Gerüche Barbaren, haben aber in der Psychologie gelernt, dass der Geruch einer Sache sehr individuell empfunden wird; was dem einen angenehm erscheint, ist dem anderen unangenehm. Im Orient scheint man so etwas wie einen «absoluten Geruch» für jedes Ding zu kennen. Hüte dich vor dem Zylinderhut! er kann die Ursache grässlicher Krankheiten sein ! Durch lange und erschöpfende Versuche und Messungen hat man endgültig und einwandfrei festgestellt, dass unter einem durchschnittlichen Zylinderhut, der auf einem durchschnittlichen Köpft sitzt und einer durchschnittlichen Sonnenstrahlung ausgesetzt wird, eine Lufttemperatur von durchschnittlich 60 Grad Celsius entsteht. Einem solchen Tropenklima ist selbst der härtest gesottene Menschenkörper nicht gewachsen. Es stellen sich Rheumatismen ein und zum allermindesten kommt es mit der Zeit zur Bildung der befürchteten Glatze. Man verbreite eine Rundfrage in der zylindertragenden Männerwelt und man wird diese Behauptung bestätigt finden. Der Entdecker der Zylinderhut-Gefahr ist der bekannte Pariser Arzt Dr. Durville. Die Verbannung des Zylinderhutes bedeutet für Dr. Durville übrigens nur den ersten Schritt zu einer radikalen Umgestaltung der gesamten männlichen Kleidung. Die Westen der Arbeits- und Abendanzüge sollen ebenfalls verschwinden; sie sind nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich, indem sie die Blutzirkulation hemmen. Sockenhalter können Krampfadern und Venenentzündungen verursachen, steife Kragen sind vielfach schuld an übermässigem Blutandrang zum Gehirn. Man verbiete den steifen Kragen und die Zahl der Schlaganfälle wird sofort abnehmen. Hosenträger und. Gürtel sind nicht minder schädlich. Uebrigens hätte man sie gar nicht nötig, wenn die Allgemeinheit der Schneider die Form der Hosen besser der Körperlinie anzupassen verstände. Als Fussbekleidung duldet Dr. Durville nur Sandalen. Die Socken sollen so kurz sein, dass ihnen das Herunterrutschen von selbst vergeht. Das vernünftige Hemd der Zukunft — man kann auch sagen: das Hemd der vernünftigeren Zukunft — wird als Abschluss oben höchstens einen weichen Lord-Byron- Kragen haben. Nervenkraftfressende Knöpfe müssen wo immer möglich Reissverschlüssen, weichen. Auf den Kopf mit dem natürlichen Wolldach gehört ebensowenig eine weitere Bedeckung wie auf ein Hausdach. Kein Hut ist so gut wie gar keiner! Hüte dich deshalb vor jedem Hut, am meisten aber, wie gesagt, vor der «Angströhre». at. Auf der Landstrasse spielende Löwen. Ein Rudel von etwa zwanzig ausgewachsenen Löwen, das sich seit einiger Zeit auf den grossen Strassen in der Umgegend der afrikanischen Stadt Nairobi zeigt, hat unter der Bevölkerung grosses Aufsehen erregt. Die riesigen Bestien wurden zunächst von zahlreichen Automobilisten beobachtet, denen sie bei ihren Fahrten den Weg versperrten; sie taten aber keinen Schaden, sondern Hessen sich vertreiben und spielen, wenn sie nicht gestört werden, vergnügt auf der Landstrasse. Die Kunde von diesen eigenartigen «Vagabunden» verbreitete sich in der Stadt, und während des Wochenendes fuhren viele Leute im Auto aus, um den Spielen der Löwen zuzuschauen. Wohl an hundert Wagen waren in angemessener Entfernung versammelt, und viele Kameras wurden auf die Tiere gerichtet, die das malerische Bild festhielten. Die Löwen spielten ruhig miteinander, bis eine Schar von Eingeborenen heranrückte, die mit Speeren bewaffnet waren und eine kleine Jagd auf sie veranstalten wollten. Den Jägern gegenüber nahmen die Könige der Tierwelt allerdings eine etwas drohende Haltung an, so dass die Automobilisten näher heranführen und die Tiere auseinandersprengten. Der Autler liest die Illustrierte Automobil-Revue. Nächstes Heft: Auto-Radio Sondernammer !

MOOS — 1020 AUTOMOBIL-REVUE 15 Die Frau und das Geheimnis Einer der typischen uralten Witze der Welt ist der, welcher in verschiedenen Variationen behauptet, dass Frauen kein Geheimnis bewahren können. Sag' ihnen etwas und lasse sie schwören, darüber zu schweigen — morgen weiss es die ganze Strasse. Ich weiss nicht, schreibt Capek in einer Wiener Zeitung, wieviel Wahres in dieser uralten Nachrede ist. Vielleicht wurde sie von prähistorischen Männern erdacht, um ihren Frauen daheim verschweigen zu können, worüber sich Männer bei ihren Beratungen unterhalten. Sei dem wie immer; aber wer diese ehrwürdigen Scherze als Ausspruch uralter menschlicher Erfahrung ansehen würde, käme vielleicht zur Ansicht, dass wir in einer Welt von Mysterien leben, über die wir Männer wie Gräber schweigen, wogegen die Frauen mit ihrer Leidenschaft für die Oeffentlichkeit alles heraussagen, was ohne sie Geheimnis bliebe — kurz: dass die Frauen und das Geheimnis zwei sich ausschliessende Begriffe sind. Nun, der Denker, der so urteilte, irrte grenzenlos, wie nur ernste Denker irren können. Die Sache verhält sich eher umgekehrt. Die Frauen haben nicht nur besondere Vorliebe für Geheimnisse — sie produzieren sie sogar mit unglaublicher Fruchtbarkeit. Ich bin der Ansicht, dass es wenig Geheimnisvolles in der Welt gäbe, wären die Frauen nicht. Männer kennen keine Geheimnisse. Es ist wahr, dass Männer — ich meine richtige und normale Männer — ihre Geheimnisse in der Regel nicht weitererzählen; der Grund dafür ist der, dass sie gewöhnlich keine haben. Männer untereinander pflegen .und züchten selten Geheimnisse; sie bilden i'keine flüsternden Gruppen im Winkel der Korridore. Die Natur hat sie mit einem Organ versehen, das, ich möchte behaupten — von Natur aus öffentlich ist Männer unter sich unterhalten sich so, dass man ihre Stimmen durch fünf Mauern hört. Ein Wesen, das sich so laut vernehmbar macht, kann kein Freund des Geheimnisses sein. Zwei Frauen sind ein Geheimnis. Sind hingegen Frauen unter sich, so wird getuschelt und geflüstert; ich weiss nicht, wovon sie reden, aber gewiss von etwas sehr Geheimnisvollem. Man muss nur sehen, wie sie mit ihren Handtäschchen umgehen; Der Lebensabend sie tun, als würden sie darin weiss Gott was verbergen; vielleicht ist es nur eine Tüte Bonbons. Was sie dir zu sagen haben, sagen sie am liebsten unter vier Augen, selbst wenn sie dich nur um die Adresse eines billigen Glasermeisters fragen wollen. Das «Unter vier Augen» ist zweifellos eine weibliche Erfindung. Männer schliessen Freundschaften zu dreien oder vieren, Frauen zu zweien. Drei Männer sind die Oeffentlichkeit, zwei Frauen das Geheimnis. Die Geheimnisse der Männer sind kollektivistisch, sind das Geheimnis der Verschwörer, der Freimaurer oder des Ministerrates. Die Geheimnisse der Frauen sind vertraulich, sind das Geheimnis der Frau X oder der FrauY. Das Geheimnis der Männer ist das, worüber sie schweigen, so lange sie es nicht im Wirtshaus ausplappern. Das Geheimnis der Frauen ist das, worüber sie flüstern, wenn sie die Köpfe zusammenstecken. Die Frauen können aus allem ein Geheimnis konstruieren, auch aus Seidenstrümpfen. Sie sind imstande, geheimnisvoll von Dienstboten oder neuen Kleidern zu flüstern. Sie sind imstande, dich unter «vier Augen» zu fragen, wie dir das letzte Stück dieses und jenes Autors gefallen hat. Sie schliessen diskret die Tür, um mit jemand über Dinge zu sprechen, die niemand auf der Welt interessieren. Es ist nicht bekannt, ob das Furcht vor der Oeffentlichkeit oder positive Vorliebe für Vertraulichkeit ist; das schlichte Faktum ist, dass sie ohne Geheimnis vielleicht nicht atmen könnten. Daher ist der alte Spruch irrig, der behauptet, dass die Frauen kein Geheimnis bewahren können. Das Gegenteil ist richtig, nur Frauen haben Sinn für ein Geheimnis. Sie schreien es nicht heraus wie wir, sie flüstern es weiter, ernst und geheimnisvoll. Sie verraten ein Geheimnis nie öffentlich, sondern nur vertraulich. Es ist nicht wahr, dass sie ein Geheimnis ausplaudern; wahr ist, dass sie es unversehrt weitergeben und ihm einen Hauch der Schönheit, des Geheimnisvollen lassen. Und wenn einmal die geheime Diplomatie ausstirbt, geheim© Verschwörungen schwinden, so werden es die Frauen sein, die das Geheimnis nicht zugrunde gehen lassen. Das ist sozusagen ihre geheime Sendung. Irgendwie hatte alles wunderschön begonnen. Voll Lachen und Burgunderwein, freudige Gesichter, heitere Prophezeiungen, und festliche Lieder. Es ist ein reizender bretonischer Brauch, den neugeborenen Mäglein den ganzen Glauben des Landes in die Wiege zu legen und sie mit dem alten Vers zu besprechen: Cecilie ist dein Name, die Welt öffnet dir die Arme, wähle, was sie dir bietet, denn in der Jugend reift die Blüte. Die aus den grossaufgesperrten Augen strahlende Freude ob des neuen Daseins berauscht, die Gläser werden immer von neuem gefüllt, Gläserklirren, Gesundheit, Kraft, Frische und Lebensfreude feiern hier Triumphe. Das Dasein entfaltet sich im Scheine des blauen Himmelzeltes, lächelt vor dem schwarzgähnenden Rachen des Schicksals. Das Leben rast dahin. Auf den Wällen vor den Toren von Paris spielen kleine Kinder, um die im ganzen und grossen niemand Sorge trägt. Sie unterhalten sich, wie es eben geht, sie schreien und lachen und sind ausgelassen. Der Mechanismus der Not breitet seine festgeknüpften Netze. Die Erkenntnis kommt schnell. Auf den unfruchtbaren Aeckern der Peripherie sieht man sie, diese frühreifen Weiblein, mit in die Stirne frisiertem Haar, unter dem die verderbt dreiriblickenden Augen die ganze armselige Poesie der Pariser Vorstadt verraten. Eines Tages begegnet man ihnen auf den Boulevards. Die Fessellosigkeit hat sie mit einer Elastizität des Körpers ausgestattet, der nur jene ihrer "Moral etwa gleichkäme. Billiges Rouge lässt ihre Lippen in jugendlichem Feuer aufflammen. Die Boulevards strahlen in lockendem Glanz und die Grammophonmusik der Bistren erhitzt das Blut, der Tanz unterjocht die Geister, die Dekorationen werden zu Zauberkulissen. Die Nacht ist so kurz, dass noch die nächste und die folgenden Nächte herhalten müssen, um den Genuss zu verlängern. Aber der unbekannte Regisseur denkt an keinen Eines Tages begegnet man ihnen anf den Boulevards Film. Er bestimmt dreissig oder vierzig kommende Jahre und er kennt kein happy end. Die Sterne strahlen noch lang in der Nacht, wenn auf den Boulevards die Lichter längst erloschen sind und Finsternis ihren Mantel verhüllend breitet Die Salpetriere ist ein düsterer und trauriger Ort, an dem alle Wege münden. Es ist das Asyl für alte und kranke Frauen. Die lärmende Flut des ewig bewegten und leidenschaftlich erregten Paris umspült die stillen Ufer dieser Insel der Ausgestossenen und Vergessenen. Der Roman der offenen und verschlossenen Tore. Das Glöckchen im Turme des Armenspittels klagt eigentümlich, wenn Montmartre und Champs-Elysees, wenn Montparnasse und die Avenue Wagram zum tollen Reigen laden. In der Salpetriere schleichen die Tage und Nächte gleich einer heimtückisch schleichenden Krankheit dahin und die Züge, die einst (ja, ja, einst!) eine Zier, die blühende Fassade von Paris gewesen, sind heute nur grause Wirklichkeit, das Erwachen aus betäubenden Pariser Nächten. Frauen, überall nur Frauen. Auf den Bänkchen im Park, in den langgestreckten Gängen, auf den Krankenlagern. Man sieht sie in den Gärten sehnsüchtig nach dem letzten Sonnenstrahl im Herbst ihres Daseins ausschauend. Was ist ihnen geblieben, von all der Schönheit, in der ihre durch Atropin vergrösserten Augen strahlten? Ist denn kein noch so winziger Rest mehr in dem Becher geblieben, der einst überfioss vom Wein der Betäubung? Das Schicksal scheint die Wunden noch aufzureissen, für die es keinen heilenden Balsam gibt. Und es ist wiederum Nacht, diesmal eine kalte und unendlich lange Nacht, in der die Krankheit mit tausend Seufzern spricht und stöhnt Das ist die Tragödie des Weibes, schreibt Veris (Paris) in der «Prager Presse», der wir diese packende Skizze entnehmen. Das Schicksal des Weibtums, das seine Liebe und seine Schätze fruchtlos vergeudet, das Schicksal der Frauen, die sich im Sinnenrausch blind verschenkten, in der eigentümlich berauschenden Atmosphäre der engen Gässchen des Montmartre. Flauen, überall nur Frauen Wie Kinder sprechen Ein Duden der Kinderstube. Die Sprache unserer Kleinen und ihre Ausdrucksweise bieten uns, sobald wir tiefer auf sie eingehen, weit mehr als nur eine Art Belustigung. Sie geben jedem feinen Beobachter Gelegenheit zu Rückschlüssen auf die Geistesarbeit des Kindes und auf sein Bestreben, die von seiner Umgebung gehörten Worte seinem Begriffsvermögen anzupassen und in der ihm geläufigen Weise zum Ausdruck zu bringen. Dies zeigt sich bereits bei der Ausschaltung der für die Klein-Kinder schwierigen und daher lästigen Konsonanten und deren Umbildung in für sie bequemere Laute. Doch ist diese Gewohnheit unserer Kleinsten zu allgemein und bekannt, als dass Beispiele hierfür nötig wären. Interessanter ist die Neigung des Kindes, ihm unbekannte Worte, unter denen es sich noch nicht das Richtige vorzustellen vermag, nach andern, die es kennt und schon begreifen kann, umzuformen und auf diese Weise für sich mundgerecht zu machen. So entstanden beispielsweise: «Schimpf»- panse (Schimpanse), — «Bummel»meter (Barometer) — «Orgel»ator (Regulator), — «Fress»wurst (Presswurst), — «Lachs»- schuhli (Lackschuhli), — «Kauspuk»mantel (Kaukschukmantel), — «Annimarin» (Antipyrin), — «Musikphotograph» (Phonograph) und «Bell»phon (Telephon), wobei das Kind die durch den Schall veränderte Stimme mit dem Bellen verglich («Der Mann hat gebellt»). Noch anziehender und für den Erwachsenen zum Nachdenken anregender als diese Vorgänge, ist die .selbstschöpferische Betätigung unserer Kleinen als Sprachbildner. Es zeigt sich da fast immer, dass das Kind für die Wahl seiner Worte irgendein besonders her- ' vorstechendes Merkmal benutzt, um seine Gedanken und seine Vorstellungsgabe zum Ausdruck zu bringen. Die Eisenbahn heisst «Puffpuff», nach den Geräuschen, die das kindliche Ohr wahrnimmt; den Hund nennt es «Wau-wau» usw. Die Bartbinde, die der Vater morgens anlegt, wird zum «Maulkorb»; beim Anblick des rotglühenden Vollmondes am Abendhimmel zeigt es mit dem Fingerchen nach oben und ruft entzückt aus: «Am Himmel brennt ein grosser Luftballon!» Das gleiche Kind meinte, als es einen Geigenspieler Uebungen mit kräftigem Stakkato-Strich in hoher Tonlage spielen hörte, mit dem Ausdruck tiefsten Mitleides: «Die arme Geige weint..., sag' doch dem Mann, dass er sie nicht so haut.» — Und ich schrie aus «Leidens»kräften (statt Leibeskräften), berichtete ein anderes, das in Abwesenheit der Mutter beim Springen über irgendein Hindernis stürzte und sich dabei sehr weh tat. Auf einem Spaziergang durch die Felder bemerkte eines der Kinder, als es Schweisstropfen auf der Stirn der Landleute sah: «Schau doch nur, die Leute regnen.» — «Ich bin schon so furchtbar «schlaugierig»; was das Christkindlein heuer bringt», sagt es ein andermal, wobei es mit verschmitzt-lustigen h Einerlei Auto oder Bahn aber wenn Sie nach Zürich kommen, dann speisen Sie in den heimeligen, neu renovierten Räumen des unftliaüsesz.Saffran-Zürich 1 KOche züglich und Keller sind als vorbekannt. KARL SEILER, TRAITEUR Tel. Hott. 42.96 die Camera für den AD mob Vertretung u. Fabriklager der Fa. Seitz: E. F. BÜCHI SÖHNE, Optiker Spitalgasse 18 BERN Spitalgasse 18 Versicherungen aller Art schliessen Sie vorteilhaft ab bei „WINTERTHUR Unfall-, Haftpflicht- und Lebens- Schweizerische Leben s- Unfall - V er sicher ungs- Versicherungs- GeseUschaft in Gesellschaft Winterthaf u