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E_1929_Zeitung_Nr.100

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Ausgäbe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 22. November 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 100 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitau Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.S4 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Bedeutung der internat. Autostrassen für Bern Es sei uns gestattet, einige Punkte zu erwähnen, die auf den Reiseverkehr nach dem Ausland von grossem Einfluss sein dürften. Es betrifft dies vorab die Reisegelegenheiten, welche die Compagnie internationale des Wagons-Lits dem ganzjährigen Reisepublikum zur Verfügung, stellt. Wir wollen vorab anerkennen, dass für die Saisonkundschaft sowohl von der genannten Gesellschaft als auch von der Mitropa in den letzten Jahren in sehr entgegenkommender Weise bessere Zugskombinationen eingeschaltet worden sind. Wenn wir uns aber vergegenwärtigen, wie wenig während der Morte-Saison speziell für die dringenden Bedürfnisse der in Bern so zahlreich anwesenden fremden Diplomaten und deren von auswärts eintreffenden Kuriere geschieht, so begreift man, dass Bern nicht zu den gesuchtesten Gesandschaftsposten zählt. Das Fehlen einer eigenen Agentur der Compagnie des Wagons-Lits kann auf alle Fälle nicht mit dem Umstand des zu geringen Geschäftsverkehrs begründet werden. Aber auch die grosse Geschäftswelt von Bern ist sehr oft nicht imstande, die erforderlichen Zugsverbindungen zu erreichen. Man ist gezwungen, sich Schlafplätze in Brig, Lausanne, Basel und Zürich reservieren zu lassen, was dem Ansehen der Bundesstadt bei der internationalen Kundschaft nicht gerade förderlich ist. Ueberdies ist der Simplon- Orient-Express sowie der Paris-Arlberg- Wien-Express ohne Umsteigen nicht erreichbar. Sie sind zudem in Bern mit sehr geringer Bettenzahl bedacht Aus diesem Grunde gilt für Bern vielfach die Losung : « On passe, mais on ne s'arrete pas ! » Mit dem Auftauchen des Projektes der * Hafraba» hat sich der Grundsatz «La concurrence est l'äme des affaires» wieder voll bestätigt. Hamburg oder Cherbourg war das Losungswort eines Leitartikels, den Marcel "Violette im « Echo des Sports» zu Betrachtungen über die erste Gründungssitzung der Hafraba vom 10. Februar 1927 in Frankfurt am Main veranlasst hat. Dort steht unter anderem geschrieben, dass die Strecke Hamburg-Genua wesentlich mehr interessiere als diejenige Stettin-Verona, da sie klipp und klar gegen Frankreich gerichtet ist und durch geeignete Reklame die amerikanische Kundschaft vom ursprünglichen Wege abzulenken versuche, zum grossen Schaden des französischen Handels und der Hotellerfe. Dem Hafrabaprojekt werden als Die Tarnmaschine Unveröffentlichter Roman von Paul Gerhard Lau. (3. Fortsetzung) Kley wollte nichts weiter hören. «Ich danke Ihnen», sagte er abwinkend. «Der Verbrecher wird also niemals gefasst werden und mein Ruin ist somit ausgesprochen.» «Das will ich damit nicht sagen», wehrte der Detektiv ab. «Da sich hier im Hause k«ine Spur findet, so muss ich sie eben draussen suchen. Leben Sie wohl, Herr Kley!» Er nahm seinen Hut, machte dem Fabrikbesitzer, der apatisch und versunken dasass, eine kurze Verbeugung und verliess das Bureau. Umherspähend ging er die ganze Fabrikanlage ab, untersuchte das Haustor, spürte nach etwa vorhandenen Fussspuren und erwog jede Möglichkeit, wie der Dieb in das Bureau eingedrungen sein konnte. Doch er vermochte zu keinem Resultat zu kommen. Aergerlich entfernte er sich und strebte seiner Wohnung zu. Hier angekommen, durchdachte er noch einmal den ganzen Fall. Was sollte er tun? Endlich beschloss er, sich auf die Lauer zu legen und die Fabrik zu beobachten. Vielleicht Hess sich so etwas Verdächtiges wahrnehmen. dann die Vorteile direter Autostrassen durch Frankreich, und zwar' Gherbourg-Nice, Le Hävre-Turin sowie St. Nazaire-Turin gegenübergestellt, die sich in Tours vereinigen und dann gemeinsam der Cöte d'Azure und eventuell Turin zusteuern. Wenn andererseits heute schon grosse Anstrengungen gemacht werden, bessere Strassen für den Autoverkehr von Paris aus via Chälons-sur-Seihe nach Genf zu erreichen, so wird der heutige französische Ministerpräsident und ehemalige Minister der öffentlichen Arbeiten, Herr Andre Tardieu, und sein Stellvertreter, Herr Magnier, Direktor der «Voirie Routiere», auch für die neuen und kühnen Ideen zugänglich sein und nicht zögern, die notwendige Initiative zu ergreifen. Die Vorteile einer französischen- Automobilstrasse gegenüber der Hafraba werden dann noch bezüglich der Ueberfahrt über den Ozean als auch bezüglich der Landroute ein-, ander gegenübergestellt, wobei voraussichtlich Frankreich siegreich hervorgehen dürfte. Da die Hafraba ursprünglich die Gotthardroute vorsah und andererseits in Frankreich zur Erreichung des Mittelmeeres der Mont- Genis oder der Simplon, wenn nieht sogar der St. Bernhard bevorzugt werden, erwächst für uns Berner die Gefahr, dass, die Häuptstadt, ähnlich wie es leider beim Eisenbahnverkehr zum Teil der Fall'Tsfrmit automobilistischen Hauptverkehrsstrassen spärlich "bedacht werden wird. In Wirklichkeit stellt sich der Reiseverkehr der in Frankreich ankommenden Ueberseer wesentlich anders, als Marcel Violette dies anführt. Das erste Ziel bleibt immer Paris, das bei den Amerikanern infolge der Kriegsbrüderschaft mit den U. S. A. an Beliebtheit sehr viel gewonnen hat. Als weitere Reiseetappen kommen von hier aus Belgien, Holland, Deutschland und die Schweiz in Frage. Er ergibt sich daher für unser Land die unbedingte Notwendigkeit, eine möglichst bequeme Zufahrt neben den bestehenden Eisenbahnverbindungen auch für den Automobilverkehr zu schaffen. Nachdem aber die Hafraba sich dem Gotthard zuzuwenden beabsichtigt, wird ein gewisser Selbsterhaltungstrieb für die Hotellerie des Berner Oberlandes die Devise ertönen lassen: Berna anche fara da se ! In diesem Sinne hat ja auch die bernische Baudirektion die Rechte Berns an der Sitzung des Vereins für eine Autostrasse Basel-italienische Grenze zu wahren gewusst. So vergingen drei Tage. Der Fabrikbesitzer war an einem schweren Nervenfieder erkrankt und sein zukünftiger Schwiegersohn führte die Geschäfte. Erfreut blickte Weidlar auf, als der Detektiv ihn besuchte. «Wir haben uns lange nicht gesehen, Herr Müller», rief er. «Konnten Sie irgend etwas herausbringen oder haben Sie irgendeine Spur?» «Nein, leider nicht», sagte der Detektiv kleinlaut. «Alles habe ich versucht. Fünf Personen habe ich durch dick und dünn verfolgt, doch mein Verdacht war unbegründet. Selbst die Polizei hat nichts Positives geschaffen. Der Raub bleibt immer noch in tiefstes Dunkel gehüllt.» «Und nun?» fragte Weidlar. Müller zuckte mit den Schultern. «Es bleibt nichts anderes übrig, als vorläufig weiter zu forschen und zu warten», antwortete er. «Jeder Verbrecher, und mag er noch so schlau sein, macht irgendeine Dummheit. Und auf diese Dummheit oder dieser Fehler müssen wir warten.» «Hoffentlich trügt diese schwache Hoffnung und dieser kümmerliche Trost nicht», sagte Weidlar mit leisem Spott. «Aber ich vertraue Ihnen, Herr Müller. Vielleicht nimmt doch noch alles ein gutes Ende.» Mit festem Händedruck trennten sich die Herren, und der Detektiv machte sich wieder Das Projekt einer Automobilstrasse Bern- Thun soll dem zukünftigen schweizerischen Automobilstrassenbau als Muster dienen. Herr M. L. D. kommt in seinem Artikel im «Bund» Nr. 515 zu ganz unrichtigen Schlüssen. Vorerst muss festgestellt werden, dass eine Automobilstrasse Bern-Thun ganz bedeutend weniger Kunstbauten verlangt als irgend eine andere Strecke, so dass die Anlagekosten weniger als die Hälfte des vom Einsender genannten Betrages ausmachen. Es bleibt daher eine Rentabilität der Anlagekosten gesichert, insofern die Landbesitzer von Muri nicht zu unerschwingliche Preise «für ihre Privatinteressen» beanspruchen. Zugegeben, dass für die oberitalienischen Automobilstrassen auch strategische Gründe mitgespielt haben, so wollen wir in Anbetracht unserer eigenen Landesverteidigung festhalten, dass die direkte Verbindung der zwei wichtigsten schweizerischen Waffenplätze mit einer erstklassigen Spezialstrasse ganz besonders grosse strategische Vorteile bietet. Dies ist denn auch vom eidgenössischen Militärdepartement anerkannt worden, und das Projekt wird von dieser Stelle begrüsst. Ueber den Erfolg einer Verbesserung unserer Durchgangsstrassen zum Schütze der Fussgänger und des Landwirtschaftsbetriebes im Aaretal scheint sich Herr M, L. D. keine' rjcht'ige Vorstellung zu machen. Dem Uebelstand durch Verbreiterung des bestehenden Traces sowie durch Anlage von Pfädeh für Velofahrer und Fussgänger abhelfen zir wolien, heissen wir eine komplizierte Flickarbeit vornehmen, die viel zu teuer zu stehen käme, ohne dass dabei die Vorteile, einer Autostrasse nur annähernd erreicht würden. Geradezu rührend ist das Bekenntnis, dass für die Fortsetzung der Hafraba ein wirkliches Bedürfnis bestehe. Will nun der Einsender in Wirklichkeit als guter alter Berner den Verkehr dem Gotthard zuweisen und das Berner Oberland, das unter so schweren Existenzbedingungen zu kämpfen hat, vom amerikanischen Goldregen verschonen, nur um in der stillen Einsamkeit der «Prärie » leben zu können ? Für was machen eigentlich unsere Dekrets- und Bergbahnen die teure Reklame, um die Schönheiten unseres Vaterlandes auch jenseits des Ozeans bekanntzumachen ? Der Bau von Autostrassen hat nicht nur günstige Auswirkung für unsere Volkswirtschaft im allgemeinen, sondern auch für den Verkehr im besonderen. Während für den Eisenbahnbau Schwellen, Schienen und Halbfabrikate für das Rollmaterial vielfach aus an seine schwere Arbeit, die ihm seit drei Tagen keine Minute Ruhe Hess. 6. Kapitel. Ein Mädchenraub. Zwei Monate waren seit den letzten Ereignissen vergangen und in den Bernhard Kley Farbstoffwerken ging äusserlich alles seinen gewohnten Gang. Dem stellvertretenden Direktor der Fabrik, Oberingenieur Karl Weidlar, war es gelungen, den süddeutschen Grossindustriellen, der die verschwundenen zwei Millionen als Darlehen gegeben hatte, zu bewegen, das Kapital nicht sofort zu kündigen. So war wenigstens noch für die nächste Zeit der Bestand der Fabrik gesichert. Der Fabrikbesitzer Bernhard Kley aber lag schwer krank darnieder. Nachdem er das Nervenfieber überwunden hatte, auch schon zwei Tage wieder in den Werken arbeitete, erhielt er plötzlich einen Schlaganfall, der ihn zu jeder Tätigkeit unfähig machte. Man hielt jede Aufregung von ihm fern, teilte ihm nur das Beste mit und suchte ihm die Lage seiner Fabrik so günstig wie möglich darzustellen. Oft traf sich das Brautpaar in dem grossen Garten der Kleyschen Villa, um hier einige Stunden von ihrer Zukunft zu plaudern. Auch heute, an einem herrlichen Sommerabend, fanden sich die Liebenden in der Rosenlaube des prächtigen Parkes. Betäubend dufteten die Blumen und Hessen in den INSERT1OXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odei deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserafenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern des Auslande bezogen werden müssen, steht für den Bau von Autostrassen das Material in vorzüglicher Qualität in der Schweiz zur Verfügung. Die erforderlichen Arbeitskräfte brauchen nicht wie beim Tunnelbau aus dem Ausland geholt zu werden und zudem können unsere Arbeitslosen gerade in der rauhen Jahreszeit lohnende Beschäftigung finden. Man darf nicht vergessen, dass der Bau der Autostrasse Bern-Thun mehrere Millionen kostet, wovon ein ganz bedeutender Teil auf Arbeitslöhne entfällt. Damit werden auch grosse nationale Werte geschaffen, durch die unsere Handelsbilanz nicht belastet wird. Unser Ansehen wird dadurch in der Reisewelt gehoben, und dem Bestreben unserer Fremdenindustrie ist zugleich in hohem Masse gedient. Wäre es deshalb nicht besser, Muri würde im zwölften Jahre nach Friedensschluss endlich einmal mit dem kriegsrechtlichen Ladenhüter «On ne passe pas» abfahren und sich der neuen Devise anschliessen : « Avanti per Savoia !» H. L.-K. Die Rolle des Alkohols bei Verkehrsunfällen. In seinem Gutachten über einen Verkehrsunfall gelangt der zürcherische Automobilexperte Ingenieur Schwarz, Ghef der Automobilkontrolle, der im Laufe von nahezu drei Jahrzehnten fast alle Autounfälle im Gebiete des Kantons Zürich begutachtet hat und den Ursachen dieser nachforschte, zu folgenden Schlüssen über die Rolle des Alkohols im Hinblick auf die Verkehrsunfälle: Die nachteilige Wirkung des Alkohols beginnt nicht bei der völligen Betrunkenheit des Führers, sondern viel früher. Ein völlig betrunkener Führer ist in der Regel nicht gefährlich, denn meistens fährt er nicht mehr, oder man lässt ihn nicht mehr fahren. Die schlimmste Wirkung des Alkohols beginnt dann, wenn die geistige Frische schwindet und Sorglosigkeit, Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit sowie Nichterkennung von Gefahren eintritt. Von Sportsleuten wird beim Training, bei Wettkämpfen und da, wo es sich um Höchstleistungen handelt, der Alkohol in jeglicher Form gemieden, weil er die körperliche Leistungsfähigkeit herabsetzt und schon in geringen Mengen genossen den Körper erschlafft, gleichzeitig aber das subjektive LeistungsgefühJ in trügerischer Weise steigert. Vom Motorfah/zeugführer wird Präzisionsarbeit verlangt,, dazu oft unerwartete Geistesgegenwart, kühles Denken und raschestes Handeln. Es ist durch wissenschaftliche Herzen der beiden die Sorgen und Mühen der schweren Zeit vergessen, in der sie lebten, «Ach! — Wenn doch alles so wie früher wäre!» flüsterte Hilde leise. «Wie glücklich waren wir doch, als noch nicht dieses entsetzliche Unglück über unser Haus hereingebrochen war.!» «Es wird schon alles gut werden», suchte Weidlar seine Braut zu trösten. «Die Werke haben grosse Aufträge. Vielleicht können wir schon nach einem halben Jahr erleichtert aufatmen.» ' Sie schwiegen. Plötzlich fuhren sie erschreckt auf. Der Kies der Parkwege knirschte wie unter Schritten eines Menschen. Weidlar sprang auf und trat aus der Laube, aber er konnte weit und breit niemand entdecken. Beruhigt nahm er wieder Platz. «Was macht eigentlich der Detektiv UüU ler?» fragte Hilde. «Seit Wochen habe ich nichts mehr von ihm gehört.» «Der ist mit seinem Latein sicherlich auch zu Ende», sagte Weidlar spöttisch. «Wie ein Wilder durchsucht er die Kaschemmen und Lokale unserer Stadt, sitzt stundenlang auf dem Polizeipräsidium, wo er die Akten unseres .Falles' durchstudiert. Zwar bezahle ich ihm noch seine Bemühungen, aber über kurz oder lang muss ich ihm kündigen, denn etwas Positives hat er bisher noch nicht geschafft.*