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E_1929_Zeitung_Nr.099

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Dienstag 19. November 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 99 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstoa und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung IfI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern Maximalgeschwindigkeiten. , Der Kanton Baselstadt hat sich eine neue Verkehrsordnung gegeben. Sie ist vom fortschrittlichen Geiste getragen. Beim Durchlesen spürt man unwillkürlich den Einfluss der rührigen und tatkräftigen Sektionen des Schweizerischen Automobil-Clubs und des Schweizerischen Touring-Clubs. Dazu kommt, dass Basel als Eingangstor der Schweiz für das moderne Verkehrsinstrument grosses Verständnis zeigt und dass die fortschrittliche Regierung nicht an althergebrachten Anschauungen zu kleben gewillt ist. Sie hat deshalb in der neuen Verkehrsordnung von der Festsetzung einer Maximalgeschwindigkeit Umgang genommen. Dieser bedeutende Schritt nach vorwärts hat nun aber im Grossen Rate von Seiten des Strafgerichtspräsidenten Dr. W. Meier zu einer Interpellation geführt. Der Interpellant wies in seiner Begründung darauf hin, dass bis jetzt in der Stadt Basel eine Geschwindigkeit von 18 und 25 Kilometern vorgeschrieben war und dass es besser gewesen wäre, diese Geschwindigkeiten auf 30 oder 40 km zu limitieren. Er wies darauf hin, wie strenge beispielsweise die Verkehrsordnung in New-York detailliert und auch dort eine Maximalgeschwindigkeit von 30 km festgelegt sei. Herr Regierungsrat Niederhauser beantwortete die Interpellation, indem er betonte, dass das Konkordat die Vorschrift von Maximalgeschwindigkeiten nicht zwingend vorsehe, sondern nur eine gegenseitige Zusicherung der Kantone für Minimalgeschwindigkeiten garantiere. Im grossen und ganzen sei zu sagen, dass die angesetzten Geschwindigkeiten ganz allgemein von den Kantonen überschritten würden. Im übrigen sei das Weglassen einer Maximalgeschwindigkeit nicht dahin zu deuten, als dürfe nun nach Belieben schnell gefahren werden, wenn nur kein Unfall passiere. Ein Zusammenarbeiten von Polizei und Gericht werde es ermöglichen, dass auch zu schnelles Fahren bestraft werden könne. Das Fallenlassen der Maximalgeschwindigkeit bedeute zudem einen Versuch, der darauf abstelle, dass die Auto- Die Tarnmaschine Unveröffentlichter Roman von Paul Gerhard Lau. (2. Fortsetzung) «Acfi Unsinn!», beruhigte er sich selbst, «wer wird auch unbemerkt in die Fabrik eindringen können, ohne von den Wächtern, die alle Hunde haben, bemerkt zu werden.» Ein Gefühl der Unruhe konnte er allerdings nicht unterdrücken. «Und wenn ich das Geld mit nach Hause nehme in meine Villa, die gänzlich ohne Schutz ist, dann dringt vielleicht ein Dieb ein und gefährdet noch das Leben meiner Angehörigen ! Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Er wollte die Polizei um Schutz bitten. Gerade wollte er den Telephonhörer abhängen, als die Bürotür geöffnet wurde. Sofort w^ndve sich Kley um. Da niemand eintrat, grif« eT nach der auf dem Schreibtisch liegenden Pistole. «Ist da jemand?» rief er laut. Doch er erhielt keine Antwort. «Ist da jemand?» wiederholte er seine Frage. Kaum hatte er zu Ende gesprochen, als die Tür wieder geschlossen wurde. mobilisten vernünftig fahren. Würden sich nach der Statistik die Unglücksfälle vermehren, so könnte durch Regierungsratsbeschluss sofort eine Korrektur eintreten. Die zu sammelnden Erfahrungen in Basel würden auf alle Fälle wegweisend für die kommende eidgenössische Automobilgesetzgebung. Der Interpellant konnte sich von der Antwort nicht befriedigt erklären. Er zweifelt an der Durchführbarkeit der neuen Ordnung, glaubt, dass dem Gericht die Nachkonstruktion der einzelnen Unfälle erschwert und dass namentlich zur Nachtzeit die Autoraserei gefördert werde. Wir unserseits sind der Ansicht, dass Herr Strafgerichtspräsident Dr. W. Meier zu schwarz sieht und dass seine Befürchtungen zu düster sind. Das schweizerische Automobilgesetz wird jedenfalls auch in seinem Art. 21 zum Grundsatze kommen, dass von der Ansetzung gewisser Maximalgeschwindigkeiten abgesehen werden dürfe und dass die Bestimmung genüge, wonach der Führer eines Motorfahrzeuges die Geschwindigkeit seines Fahrzeuges beständig beherrschen und dass jeder Motorwagen, dessen Konstruktion eine Geschwindigkeit von über 15 km in der Stunde zulasse, mit einem Geschwindigkeitsanzeiger versehen sein müsse." Die Meinungen in dieser Frage dürften nun doch ziemlich abgeklärt sein. Es steht auf jeden Fall fest, dass eine zu niedrig gegriffene Höchstgeschwindigkeit die wirtschaftliche Ausnutzung des Automobils beeinträchtigt und dass in städtischen Verkehrsverhältnissen gefährliche Verkehrsstockungen nur durch rascheres Fahren vermieden werden können. Wenn auch heute Automobile in die Hände solcher kommen, die nicht das nötige Verantwortlichkeitsgefühl oder die erforderliche Herrschaft über ihren Wagen besitzen, so steht dies mit der Frage der Maximalgeschwindigkeit in keiner Weise im Zusammenhang. Solche Fahrer werden auch bei festgesetzter Maximalgeschwindigkeit ein eventuelles Unglück nicht vermeiden können. Geht ihnen zudem das nötige Verantwortlichkeitsgefühl ab, so werden sie limitierende Vorschriften erst recht überschreiten. Die Weglassung der Maximalgeschwindigkeit in der Basler Verkehrsordnung wird nach unserer Ansicht dazu angetan sein, den Verkehr flüssiger zu gestalten und das Verantwortungsgefühl der Automobilisten zu stärken. Das Entgegenkommen der Regierung verpflichtet. Die Basler Automobilverbände werden sich eine Ehre daraus machen, ihren erzieherischen Einfluss soweit möglich zur Geltung zu bringen, so dass auch bei grossem Verkehr die Zahl der Unfälle relativ zur wachsenden Zahl der Motorvehikel und bei zweckentsprechendem Verhalten der Fussgänger keine Steigerung erfahren dürfte. K. Wann ist ein Wagen sorgfältig eingefahren? Aus dem Bundesgericht, Im September 1927 kaufte ein Automobilist bei einer Garage einen 8-Zylinder-Huptnobile- Wagen, laut dem schriftlichen Vertrag «wie besichtigt und Probe gefahren, sorgfältig eingefahren», mit sechsmonatiger Garantie, Voller Entsetzen blieb der Fabrikbesitzer stehen. Wer konnte jetzt zu so später Stunde noch im Verwaltungsgebäude sein? Vielleicht war es sein Schwiegersohn, der bis spät in die Nacht zu arbeiten pflegte. Er riss sich zusammen, ging zur Tür und öffnete sie. Still und verlassen lag der Nebenraum, in dem sonst die Bürogehilfen arbeiteten. Noch einmal rief Kley mit lauter Stimme, doch kam nach wie vor keine Antwort. Der Fabrikbesitzer war nicht furchtsam: aber die Tatsache, dass sich die Tür geöffnet und geschlossen hatte, Hess sich nicht wegleugnen. Er hatte es ja mit eigenen Augen gesehen. Mit schnellen Schritten eilte er zum Telephon und verband sich mit dem Laboratorium seines Schwiegersohnes. Erleichtert atmete er auf, als er dessen Stimme hörte. «Karl,» rief er, «komm bitte in mein Büro! Aber gleich, es ist sehr eilig!» «Einen Augenblick, ich bin sofort bei dir,» war die Antwort. Den entsicherten Revolver in der Hand und den Blick auf die Tür gerichtet, wartete Kley auf seinen Schwiegersohn. Endlich betrat der Ersehnte das Bureau. «Was ist geschehen?» rief Karl Weidlar, ein grosser, hübscher Mann mit offenem, energischem Gesicht. Der Fabrikbesitzer erzählte mit hastigen zum Katalogpreise von Fr. 19,000.—, wozu noch Fr. 600.— für Zubehör kamen; er gab seinen alten Buick-Wagen an Zahlung zu Fr. 9000.— und bezahlte den Rest in bar. Einige Monate später reklamierte er bei der Qarage, er sei bei dem Geschäft getäuscht worden, da man ihm einen schon stark abgenutzten Wagen als neu zum Katalogpreis abgegeben habe. Die Garageleitung wies darauf hin, dass ihm der volle Katalogpreis nur deswegen angerechnet worden sei, weil man ihm seinen alten Wagen im Werte von Fr. 6000.— zu Fr. 9000.— abgenommen habe. Ein vom Automobilisten zugezogener Sachverständiger schloss aus dem Zustand des Reserverades, dass der Wagen schon mindestens 6000 km zurückgelegt habe. Hierauf klagte der Käufer auf Unverbinulicherklärung des Geschäftes, das wegen Täuschung, eventuell wegen wesentlichen Irrtums, ungültig sei. Durch den Verkauf zum vollen Katalogpreis und die Uebefnahme der Fabrikgarantie habe man ihn in den Glauben versetzt, es handle sich um einen neuen Wagen; da der Kilometerzähler bloss auf 1200 gestanden sei und ihm der Wagen als sorgfältig eingefahren bezeichnet worden sei, habe er nicht vermuten können, dass der Wagen tatsächlich schon zu weiten Geschäftsfahrten verwendet worden sei. Vor dern Handelsgericht Zürich standen sich hinsichtlich des Gebrauches des Wagens vor dem Verkauf widerstreitende Zeugenaussagen gegenüber; der Wagen hatte im Frühling- anlässlich des Genfer Automobilsalons als Vorführungswagen gedient, war dann als Direktionswagen der Garage benutzt worden und hatte auch Bergstrassen wie den Gotthard befahren. Gestützt auf die Aussage des Garagedirektors nahm das Gericht an, dass mit dem Auto nicht mehr als 3000 km zurückgelegt worden seien. Ferner war nicht bewiesen, dass sich der Käufer nach der Zahl der bereits zurückgelegten Kilometer erkundigt habe. So hing der Ausgang des Prozesses davon ab, ob der Wagen beim Geschäftsabschluss als « sorgfältig eingefahren » gelten konnte, und da die sachverständigen Mitglieder des Gerichtes erklärten, das Einfahren erfordere 3000 km, bei amerikanischen Wagen sogar 4000 km, so ging der nachgewiesene Gebrauch nicht über den Begriff des Einfahrens hinaus. Die Klage wurde daher abgewiesen. Dieser Entscheid ist vom Bundesgericht bestätigt, der Kauf also endgültig als rechtskräftig erklärt worden. Dass der Wagen dem Kläger unter Vorweisung der Preisliste und zum Katalogpreis verkauft wurde, beweist noch nicht, dass ihm zugesichert wurde, das Auto sei fabrikneu. Wenn sodann auch die Worten das Oeffnen und Schliessen der Tür und sein vergebliches Rufen. «Du wirst dich getäuscht haben», sagte Weidlar lachend. «Sicher hat ein Luftzug die nur angelehnte Tür zugeschlagen. Aber wir können ja nochmals die anliegenden Räume durchsuchen.» Sie schritten die Bureaus ab, drehten überall das elektrische Licht an und blickten vorsichtig in die Schränke und unter die Tische. Nichts war zu entdecken. «Du siehst also, dass du dich versehen hast!» sagte der Oberingenieur; «aber wenn es dir recht ist, begleite ich dich nach Hause.» Weiter kam er nicht. Ein entsetzter Ausruf seines Schwiegervaters unterbrach ihn. «Das Geld ist vom Schreibtisch verschwunden!» stiess Kley hervor, «ich bin beraubt worden.» «Du hast die Millionen sicher in den Geldschrank gelegt», suchte Weidlar den Erregten zu beruhigen. «Komm, wir wollen nachsehen.» Mit fieberhafter Hast durchwühlten sie den Schrank, aber nicht eine Spur des Geldes fand sich vor. Wie wahnsinnig kramte Kley in den Fächern seines Schreibtisches, schüttete den Papierkorb aus und suchte den Fussboden ab. Doch alles Suchen war vergeblich — die Millionen waren verschwunden. «Alles ist verloren», schrie der Fabrikbe- Fabrikgarantie meist nur bei fabrikneuen Wagen geleistet wird, so konnte doch die Garage als Eigentümerin des Wagens erklären, dieselbe Garantie übernehmen zu wollen, ohne dass darin die Zusicherung der Fabrikneuheit lag. Ferner waren dem Kläger nachgewiesenermassen keine Zusicherungen hinsichtlich der zurückgelegten Kilometerzahl gemacht worden, und es ist unerheblich, ob die Angabe des Kilometerzählers mit der Wirklichkeit übereinstimmte. Dass die Ventile des Wagens zweimal nachgeschliffen werden mussten, bietet keinen sicheren Anhaltspunkt für den früheren Gebrauch des Wagens, weil das Nachschleifen den Feststellungen des kant. Gerichts zufolge auch bei neuen Wagen notwendig werden kann. Ebenso konnte das Auswechseln der Pneus nur erfolgt sein, um die Ausrüstung gleichmässig zu gestalten. Endlich war das Bundesgericht aiuch an die tatsächliche Feststellung der Vprinstanz gebunden, dass der Wagen nur etwa 3000 km gelaufen sei und nach dem erfolgten Gebrauch noch als « sorgfältig eingefahren » gelten könne, wenn auch in der Diskussion die Vermutung geäussert wurde, der Wagen könnte auch in stärkerem Masse beansprucht worden sein. Demnach war weder die vom Kläger behauptete Täuschung noch ein wesentlicher Irrtum nachgewiesen, indem ihm laut Vertrag nicht ein ungebrauchter, sondern ein eingefahrener Wagen zugesichert worden war. W. Ausbau des kantonalen Strassennetzes in Obwalden. Wenn das Strassenausbauproblem die grossen Kantone in den letzten Jahren in sehr intensivem Masse beschäftigte und vor finanziell folgenschwere Aufgaben stellte, wie um so, mehr noch die kleinen und zudem finanzarmen Landkantone, besonders noch solche, die stark frequentierte interkantonale Durchfahrtsstrassen zu unterhalten haben! In Obwalden ist, nebst der Gewässerkorrektion, auch der Strassenausbau zu einem sorgenschweren Problem geworden, das eines sorgfältigen Studiums für die Verwirklichung bedarf. Die Regierung hat an der letzten Landsgemeinde dem Volke eine Vorlage für den zeitgemässen Ausbau des kantonalen Strassennetzes vorgelegt, das einen Kostenvoranschlag von rund einer Million Franken vorsah. Das Volk hat dehn auch in Würdigung der unbedingten Notwendigkeit dieser Strassenkorrektionen den gewünschten Millionenkredit bewilligt und in Ausführung dieses Beschlusses hat der Kantonsrat in seiner letzten Sitzung vom 12. dies ein bezügliches Bau- sitzer auf. «Ich bin vollständig ruiniert.» Gebrochen sank er in einen Sessel und verlor das Bewusstsein. Zur selben Zeit fuhr ein Herr erschreckt zusammen, als ein Fahrrad mit Hilfsmotor ohne Besatzung in einer stillen Parkstrasse an ihm vorbeisauste. Starr vor Staunen blickte er dem seltsamen Spuk nach. Dann schüttelte er den Kopf, schlug den Mantelkragen auf und lacht© über sich selbst. «Du siehst auch schon Gespenster, alter Narr», murmelte er vor sich hin. «Den Wein verträgst du scheinbar nicht mehr, sonst würdest du nicht solche lächerlichen Visionen haben.» Und mit schnellen Schritten trollt« er sich davon. 5. Kapitel. Presse, Polizei und Detektiv. Schon die Morgenausgaben der grossen Zeitungen verkündeten in Riesenlettern den frechen Raub der zwei Millionen aus dem Bureau der «Bernhard Kley Farbstoffwerke». In dem üblichen Sensationsstil schilderten sie den Vorgang, wie die eifrigen Reporter ihn von dem die Untersuchung leitenden Kommissar Fernberg kurz erfahren hatten. Abends gegen 10 Uhr wurde der Portier durch ein heftiges Läuten aus seinem Schlummer geweckt. Nur notdürftig bekleidet, eilte