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E_1929_Zeitung_Nr.101

E_1929_Zeitung_Nr.101

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 26. November 1929 fJummer 20 Cts. 25, Jährgang. - N° 101 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Taoo vor Erscheinen der Nummern i • • • •• • Ein erstes Resultat Wir fragen — die Generaldirektion der S.B.B. antwortet: Ueber die von den Bundesbahnen zur Sicherang des Verkehrs auf den Niveauübergängen getroffenen Massnahmen beehren wir uns, Ihnen folgendes mitzuteilen: Die in der letzten Zeit vorgekommenen Unfälle und Gefährdungen auf Niveauübergängen haben uns veranlasst, das mit der Bedienung der Schranken betraute Personal zur gewissenhaftesten Besorgung seines Dienstes aufzufordern. Im fernem haben wir eine vermehrte Ueberwachung der Schrankenbedienung veranlasst, so dass es möglich sein sollte, unzuverlässiges Personal festzustellen und vom Schrankendienst zu entfernen. Sodann haben wir die Kreisdirektionen beauftragt,soweit als möglich die die Uebersicht hindernden Bäume, Sträucher, Hecken u.dgl. zu entfernen. Im weiteren ist angeordnet worden, dass sofort auf allen Posten Auszüge aus den Fahrplänen angeschlagen werden sollen, auf denen alle Züge in chronologischer Reihenfolge mit Angabe der Abfahrts- und Ankunftszeiten aufgeführt sind. Dadurch wird dem Personal, das bisher sich an Hand des Dienstfahrplanes über den Zugsverkehr informieren musste, die Orientierung über den Verkehr der Züge wesentlich erleichtert. Schliesslich wird-.gegenwärtig geprüft, ob es nicht ohne-unverhältnisrnässig hohe dauernde Mehrkosten möglich wäre, alle Niveauübergänge, die abwechselnd durch Wärterpersonal und durch Stationspersonal bedient werden, ausschliesslich durch Wärterpersonal an Ort und Stelle zu bedienen und bei NiveauÜbergängen, bei denen die Schranken nur zeitweilig bedient werden, die Bedienung auf alle Züge auszudehnen oder überhaupt aufzuheben. Zur Frage des Benzols. Ueberproduktion. — Die internationalen Kartellierungsversuche. Die Zusammenkunft der Vertreter der massgebenden Benzol erzeugenden Länder Europas, nämlich von Deutschland, England, Frankreich, Belgien, Holland, sowie dem Saargebiet in Paris am 26. Oktober, bildet vermutlich den Anfang einer schon seit einiger Zeit erstrebten europäischen Kartellierung. Das Bedürfnis danach wird hervorgerufen einmal durch die stark zunehmende Benzinerzeuigung, sodann aber auch durch den in allen Ländern erkennbaren Ausbau Die Tarnmaschine Unveröffentlichter Roman von Paul Gerhard Lau. (4. Fortsetzung) Der Detektiv grübelte und sann vor sich hin. Immer wieder fasste er neue Pläne, um sie gleich darauf zu verwerfen. Plötzlich sprang er auf. «Vielleicht kann ich doch noch etwas von dem Kranken erfahren, «rief er und griff nach dem Telephon. Nachdem die Verbindung mit der Privatwohnung des Fabrikbesitzers hergestellt war, fragte er, ob Oberingenieur Weidlar zu sprechen sei. «Herr Weidlar ist in der Fabrik,» war die Antwort. Befriedigt hängte Müller den Hörer wieder ein, kleidete sich rasch an und fuhr mit einer Autotaxe nach der Kley'schen Villa. «Ich möchte Herrn Kley sprechen», sagte er zu dem öffnenden Dienstmädchen. «Bedaure!» antwortete dieses. «Der Herr ist krank und niemand darf zu ihm !» Der Detektiv drückte ihr ein grösseres Geldstück in die Hand. «Sagen Sie Herrn Kley, dass ich wegen der verschwundenen Millionen komme.» der Kokereien und die Leistungserhöhung der Ofeneinheiten. Für die kommende Marktgestaltung der leichten Kohlen Wasserstoffe, also von BenzoJ, Cumol u. a. entscheidend dürfte natürlich die Nebenproduktengewinnung im Kokereiwesen sein, zumal es sich um hohe prozentuale Produktionsvermehruilgen handelt. So dürfte die deutsche Mehrerzeugung an Benzol in diesem Jahre 15 Prozent betragen. In den Vereinigten Staaten hat in den letzten Jahren die Umstellung der Kokereien auf neue Ofensysteme dem Benzol, das früher dort ziemlich wenig beachtet wurde, infolge des grossen Oeireichtums des Landes, eine grosse Ausfuhrbedeutung verliehen. Von der deutschen Einfuhr in den Monaten Januar- September dieses Jahres in Höhe, von 1.219.921 D.-Ztr. (gegen 1.197.194 D.-Ztr. gleichzeitig 1928) entfielen auf U.S.A. allein 417.558 D.-Ztr. Belgien hat seine Leistungsfähigkeit gleichfalls so, gesteigert, dass der Bochumer Benzol-Verband in Antwerpen eine Art Auffang-Organisation gebildet hat und über sie das belgische Erzeugnis nach Hamburg und von dort nach Berlin verfrachten lässt. Die belgische Einfuhr nach Deutschland in der erwähnten Periode betrug 243.427 D.-Ztr. (248.300). Sehr in den Vordergrund gelangt ist neuerdings Holland, dessen auf allermodernster Grundlage aufgebaute Kohlenindustrie auch in dieser Beziehung leistungsfähig geworden ist und nunmehr erstmalig in internationalen Besprechungen mitzureden haL Hollands Benzol- Ausfuhr nach Deutschland betrug z. B. 95.194 D.-Ztr. (74.720). In Frankreich ist das-am 2. März 1920 erlassene Ausfuhrverbot für Benzol noch in Kraft, Ausnahmen können nur mit Zustimmung des Office National des Produits Chimiaues et Pharmaceutiques gemacht werden. Die Einfuhr aus Frankreich spielt in Deutschland daher eine ziemlich geringe Rolle mit 5635 D.-Ztr. In Grossbritannien wurde im Juli 1928 durch die Tory- Regierung zwecks Anregung der Mehrerzeugung ein Zoll von 4 d je Gallone (4.54 Liter) eingeführten Benzols festgesetzt. Diese, Massnahme hat ihre Wirkung nicht verfehlt, jedoch schlägt die jetzige Regierung einen entgegengesetzten Zollkurs ein, so dass gewisse Störungen auch dort erwartet werden, obwohl gerade in England, ebenso wie in Deutschland, die verbandliche Zusammenfassung auf diesem Gebiete recht weit fortgeschritten ist. Es ist denn auch so, dass die Kartellierungsbestrebungen ihre Hauptstütze in Deutschland und England finden. Auch in Frankreich besteht seit etwa zwei Jahren eine lose Vereinigung in Gestalt des «Unibenzols». Von der deutschen Erzeugung in Höhe von rund 320.000 Tonnen entfielen allein 200,000 Tonnen auf den Bochumer Verband, der aber sowohl mit tschechoslowakischen Firmen, wie mit westeuropäischen Produzenten und Importeuren Einfuhrverträge abgeschlossen hat. Die vorjährige belgische (30.000 Tonnen) und holländischen Erzeugung (25.000 Tonnen), ebenso wie die englische (150,000 Tonnen) und amerikanische (450.000 Tonnen) dürften eine teilweise namhafte weitere Steigerung erfahren haben. In Europa werden ungefähr drei Viertel der Erzeugung zu Benzin-Benzol-Gemischen verwandt, weil im motorischen Betrieb die Kompressionsbeständigkeit und die Kraftstoffersparnis bekanntlich einen Vorteil bildet. Da ferner der auf Benzol stark eingerichtete deutsche Markt infolge der bekannten Lieferverträge des Bochumer Verbandes mit den ausländischen Benzinlieferanten für die anderen Länder mustergültig geworden ist, so bilden (gerade jetzt die deutschen Erfahrungen eine gewisse Grundlage für die geplante Neuregelung der Erzeugungs- und Absatzverhältnisse. Der Nachdruck ist, wie im «Berliner Tageblatt» geschrieben wird, dem wir obige Zeilen entnehmen, naturgemäss auf letztere zu legen (obwohl die Behandlung des Rohbenzols, Frachtfragen u. ä. ebenfalls eine Rolle spielen). In der Hauptsache handelt es sich darum, die wachsende Welterzeugung in Einklang mit den saisonmassig wechselnden Bedürfnissen der einzelnen Länder mit Hilfe von Albsatzeinteilungen, ferner durch wirksame Propagandamassnahmen im Tankstellenbetrieb usw. zu regeln. Ueber die neuprojektierten Zufahrtslinien zum Bahnhof Bern. (Ein interessantes Modell.) Einer der wichtigsten Punkte der gesamten Berner Bahnhoffrage ist bekanntlich die Frage, welche Zufahrtslinie der drei vorliegenden Projekte zur Ausführung gelangen soll. Selbstverständlich hat jede Linie ihre Vor- wie Nachteile. Es sind die eisenbahntechnischen, die wirtschaftspolitischen und die ästhetischen Fragen gründlich zu untersuchen. Um die Abklärung zu erleichtern, ist im Auftrag der S. B. B. ein 'Modell der ganzen Gegend im Mstb. 1 : 1000 ausgeführt worden, welches nunmehr vorliegt. In diesem Modell sind alle drei Zufahrtslinien eingebaut und gestatten somit, auf guter Grundlage, eine Beurteilung nach den vorhandenen Unterlagen. «Der Arzt und Herr Weidlar haben strengstens verboten, den Kranken zu besuchen,» wiederholte das Mädcchen. Müller reichte ihr noch ein Geldstück. «Versuchen Sie es einmal. Ihr Schaden soll es nicht sein.» Achselzuckend entfernte sich das Mädchen, um nach einigen Minuten mit einer Krankenpflegerin wieder zurückzukommen. Der Detektiv stellte sich vor und trug noch einmal seinen Wunsch vor, den Fabrikbesitzer sprechen zu wollen. «Das Mädchen hat mir bereits Ihre Absicht mitgeteilt und zwar so laut, dass der Kranke es gehört hat. Er wünscht, dass Sie vorgelassen werden. Der Arzt hat aber jede Aufregung verboten, und Herr Kley weiss von dem Verschwinden seiner Tochter nichts. Ich kann Sie also nur dann zu dem Kranken lassen, wenn Sie versprechen, nicht von dem Verschwinden des Fräulein Kley zu sprechen.» «Das Versprechen gebe ich Ihnen», versicherte der Detektiv schnell. «Ich möchte an Herr Kley nur einige Fragen, die ihn nicht aufregen werden, wegen der verschwundenen Millionen richten.» Die Pflegerin nickte und führte Müller in das Krankenzimmer. Der Fabrikbesitzer lag in einem grossen, bequemen Ledersessel, sorgsam in Decken und Kissen gebettet. Sein Haar war schneeweiss geworden, und ein bitterer Leidenszug um die Mundwinkel Hess ihn viel älter erscheinen als er war. Mit einem schwachen Lächeln begrüsste er den Detektiv. i «Haben Sie etwas von dem Dieb erfahren?» fragte er leise. «Ich hoffe es,» antwortete Müller diplomatisch. «Doch ehe ich nichts Genaues weiss, möchte ich noch nicht darüber sprechen. Ich möchte Sie auch nicht unnötig aufregen und nur einige kurze Fragen an Sie richten.» Er machte eine kleine Pause und holte sein Notizbuch hervor. «Zunächst,» begann er wieder, «habe ich den Eindruck, dass der Raub der Millionen aus Rache vorgenommen wurde. Hatten Sie irgend einen Feind, dem diese Tat zuzutrauen wäre?» «Das ist vollständig ausgeschlossen», sagte Kley ohne weitees Besinnen. «In meinem ganzen Leben habe ich nie einen Feind gehabt.» «Ueberlegen Sie sich bitte diese Frage ganz genau!» mahnte der Detektiv. «Auch der kleinste Anhaltspunkt kann von Wichtigkeit sein.» * Der Fabrikbesitzer sann nun eine Weile nach, um dann wieder die Frage zu verneinen. «Sie können versichert sein, dass ich niemals einen Feind gehabt habe.», Ein Mitglied der Generaldirektion der schweizerischen Bundesbahnen äusserte sich zu diesem Modell und der zukünftigen Linienzuführung u. a. wie folgt: Die S.B.B, haben sich den stadtbernischen Behörden gegenüber dahin verpflichtet, diejenige Linienführung auszuführen die von den genannten Behörden bevorzugt wird, unter der Voraussetzung, dass die Mehrkosten übernommen werden, die gegenüber dem Betrag, den die Lorrainelinie ausmachen sollte, entstehen würden. Die Ausführung der Lorrainelinie hat den Vorteil, dass das jetzige Trasse© benutzt werden kann und die Kosten am geringsten sind. Als Nachteile sind zu erwähnen, dass die heutige unangenehme Kurve beim Bahnhofeingang bleibt, dass die grossen Umänderungsarbeiten zu gleicher Zeit auszuführen sind, da die Streck© tagtäglich befahren wird und zudem die Frage der zukünftigen Eisenbalmbrücke studiert werden musste, damit in Verbindung; mit der Lorrainebrücke kein störendes Bild entsteht. Im vorgenannten Modell ist die Lösung so vorgesehen, das beide Brücken dicht beieinander liegen, die Eisenbahnbrück© 4—5 m höher als die Lorrainebrücke. Die Lorrainehaldelinie dagegen bietet bahn- und verkehrstechnisch grosse Vorteile. Sie führt bekanntlich von der Abzweigung der bestehenden Linie bis zum Bahnhof über Viadukte, der äussern Lorraine entlang, über die Brauerei Gassner, schräg über die Aare, und mit ca. 7 m Höhe quer durch die Schützenmatte in gerader Linie in den Bahnhof, Diese übersichtliche, gerade Einfahrt bedeu- tet einen Hauptvorteil dieser Anlage. Das lorraineseitige Aareufer besteht aus Molasse, sodass ein fester Untergrund vorhanden ist. Diese Linienführung ist ungefähr gleichlang wie die Lorraine!inie. Aus dem Modell ist ersichtlich, dass die gehegten Befürchtungen, die Viadukte und die schräge Aarebrücke würden das ganze Landschaftsbild stören, übertrieben sind. Der einzig kritische Punkt in diesem Falle wäre die Ansicht der Eisenbahnanlage bei der Einfahrt. Die Schützenmatte würde allerdings, vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, verdorben werden, doch ist bestimmt anzunehmen, dass trotzdem städtebaulich sich eine annehmbare Lösung finden würde. Die dort ev. vorgesehenen Geschäftsneubauten könnten kaum ausgeführt werden, hingegen wäre der frei werdende Platz (durch Verschwinden des jetzigen Bahndammes) ausserordentlich günstig für die Anlage von Garagen. So oder so, eine gute Verwendung des Platzes ist sicher. Was die zukünftige schräg gestellte Der Detektiv überlegte scheinbar und machte einige Notizen. «Nun,» meinte er endlich, «vielleicht hat aber ein anderes Mitglied Ihres Hauses einen Feind gehabt, z. B. Ihr Fräulein Tochter?» Der Fabrikbesitzer lächelte müde. «Auch Hilde hat nie einen Feind gehabt, denn sie ist weder hochmütig noch stolz, sondern eher zu verträglich und nachgiebig.» «Und doch glaube ich, dass der Raub aus Rache vorgenommen wurde», sagte der Detektiv. «Wie ich höre, ist Fräulein Tochter leider erkältet und ich kann sie nicht persönlich sprechen, daher müssen Sie entschuldigen, wenn ich diese Frage an Sie richte.» Er machte scheinbar wieder einige Notizen, um dann die grosse Hauptfrage, die er sich zurechtgelegt hatte, an den Fabrikbesitzer zu richten. «Hat Ihr Fräulein Tochter viele Verehrer oder besser viele Bewerber gehabt?» fragte er so nebenbei. «Es ist nicht Neugier, sondern es kann immerhin möglich sein, dass irgend jemand aus verschmähter Liebe hat Rache nehmen wollen.» Der Fabrikbesitzer richtete sich plötzlich auf, dann aber lehnte er sich wieder zurück. «Ihre Theorie ist etwas kühn», sagte er lächelnd. «Denn wegen einer verschmähten Liebe wird kein anständiger Mensch das Geld geraubt haben.».