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E_1929_Zeitung_Nr.107

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Aasgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 17. Dezember 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N° 107 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: HMbjinrifeh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Erscheint jeden Dienstag und Freitag . ,.; Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMMSTilÄTION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 ' '' ••"• T«legramni-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 nfin hohe Grundzeile odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Unsere Forderung Der halbe BenzinzolL In unserer letzten Nummer haben wir vom bedauerlichen Entschlüsse des Ständerates Kenntnis gegeben- Mit Stichentscheid des Vizepräsidenten Charmillot ist das berechtigte Postulat Amstalden abgelehnt worden. Wir wir nachträglich erfahren haben, hat dabei eine Prestigefrage die ausschlaggebende Rolle gespielt. Die welschen Ständeräte wollten ihrem Bundesrate, Herrn Pilet, bei seinem ersten Auftreten im Ständerat keine Niederlage bereiten und stimmten deshalb, wohl eigentlich gegen ihre bessere Ueberzeugung, dem Ablehnungsantrag zu. Die geschickte Regie des zukünftigen Herrn Bundesepräsidenten Musy hat somit geklappt, sein jüngerer Kollege hat ihm erstmals die heissen Kastanien aus dem Feuer geholt... Im Nationalrat wird Herr Dr. Meuli, der Sekretär der Sektion Graubünden des A.C.S., sein Postulat verteidigen, dessen Inhalt wir hier nochmals bekanntgeben möchten: « Der Bundesrat wird eingeladen, die Frage zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten, ob nicht, mit Rücksicht auf die ausserordentliche Zunahme des Benzinzollertrages einerseits ' nöd den" Ausgaben der Kantone für die Instandstellung des Strassennetzes anderseits- Art. 2 des Bundesbeschlusses betreffend die Ausrichtung von Bundesoeiträgen an die Kantontt für die Automobilstrassen dahin abzuändern sei. dass der Anteil der Kantone an erhöhtem Benzinzoll auf mindestens die Hälfte festgesetz werde und ob nicht gleichzeitig der in Art. 3 niedergelegte Verteilungsmodus jetzt schon einer Revision zu unterziehen sei.»* Im Nationalrat wird ohne Zweifel Herr Bundesrat Musy persönlich Stellung zum Postulat Meuli nehmen. Ebenfalls in ablehnendem Sinne. Seine Argumente sind uns bekannt, können für uns aber nicht stichhaltig sein. Ganz sicher sind die Automobilisten mit unter den ersten, welche für eine sparsame Bundespolitik zu haben sind und mit dem Ziele des Herrn Finanzministets einiggehen, das Budget im Gleichgewicht zu erhalten und die grosse Schuldenlast unserer Eidgenossenschaft gemäss des Tilgungsplanes abzutragen. Aber... es gibt zweierlei Ausgaben in unserem Bundeshaushalt. Solche, bei denen man den Eindruck hat, dass sie in ein grosses Danaidenfass geworfen werden, und andere, F E U I L L E T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. Copyright 1925 by Georjr Müller Verlaz A.-G., München. I. Drei laufende Menschen. Es mochte etwa 11 Uhr vormittags sein; die meisten Sommergäste waren nach und nach vom Frühstückstisch herausgekommen und hatten sich im Rasen vor der Veranda des Pensionats gelagert. Nach einer Reihe von kühlen Tagen war endlich die Wärme des Sommers siegreich eingezogen; es hatte in der Nacht geregnet, dann hatte sich gegen 7 Uhr morgens das Wetter verzogen und die Sonne den ganzen Vormittag über geschienen, Gras und Erdboden getrocknet, die Pfützen aufgesogen und die Wege hart und weiss gebrannt. Und nun freuten sich die Sommergäste, dass der fruchtbare Sommer mit seiner wohltuenden Wärme endlich doch gekommen war. Darum hatten sie sich mitten in die Sonne gelagert, die über dem hohen Grase brütete; so lagen sie und blinzelten mit den Augen in das flammende Licht. Sie hörten das Rauschen des Meeres in der Ferne und lauschten auf das Säuseln des Windes, der draussen vom Meere aufstieg, über die Berge dahinstrich und in den Tannenwald eindrang, -wo seine Kraft gebrochen wurde, so dass er nun wirtschaftlicher Natur, die sich in der einen oder andern Weise hundertfältig bezahlbar machen. Zu den letztern gehören wohl, die Beiträge des Bundes, welche er den Kantonen aus dem Benzinzoll für den Unterhalt und die Ausbesserung des schweizerischen Strassennetzes zur Verfügung stellt. Dies« Beiträge umfassen einen Viertel des gesariiten Benzinzollertrages, der von Jahr zu, Jahr sprungartig angewachsen ist und bis Ende dieses Jahres mit ziemlicher Sicherheit auf der Höhe von, 32 Millionen Pranken angelangt sein dürfte. Es ist dies eine Einnahme, mit der Herr Finanzminister Musy vor ein paar Jahren zu rechnen gar nicht gewagt hat. Es ist deshalb aber auch ganz unverständlich, dass im Budget des Jahres 1930 die Benzinzolleinnahmen sage und schreibe mit nur 18 Millionen Franken figurieren, währenddem sie aller Voraussicht nach im nächsten Jahre doch mindestens 36 Millionen Franken betragen dürften. Gäbe der Bund nun von dieser Summe die Hälfte, das tieisst 18 Millionen Franken an die Kantone ab, sö-Uiehe ihm immer noch der andere, budgetierie' Betrag von 18 Millionen Franken.erhalten,,un& der Voranschlag des Jahres 1930 wäre trotz der gerechteren" Verteilung nicht 1 aus seiner Gleichgewichtslage geworfen. •; Herr Nationalrat Gnä"gi hat-iö dep vergangenen Woche eine Unterstützung der Nebenbährietf im Betrage" von 10—32 Millionen Franken postuliert. Niemand hat sich gegen diese Forderung aufgelehnt. Das Postulat wurde glattweg angenommen und der Bundesrat hat sich damit bereit erklärt, die Frage zu prüfen. Wir Automobilisten verlangen vom Bundesrat nicht mehr. Wir verlangen vorläufig nur eine Prüfung der Frage und hoffen, des bestimmtesten, dass der National rat diesem Wunsche entgegenkommen wird. Sollte dies wider Erwarten nicht der Fall sein und die hunderttausendköpfige Motorfahrergetneinde einfach vor den Kopf gesto'ssen werden, so müssten die Herren Bundesväter nicht erstaunen, wenn neuerdings der Gedanke einer Initiative auf Ausschüttung des ganzen Benzinzolls an die Kantone in kompetenten Kreisen erwogen würde. Heute, da sämtliche Qebirgskantone mit der gegenwärtigen Lösung sich nicht mehr einverstanden erklären können, wäre es ein leichtes, die Initiative derart zu formulieren, dass sämtliche föderalistische Bedenken in den Hintergrund träten und die Volksbewegung .diesmal, sicherlich nicht ohne Erfolg wäre. i Eine Richtigstellung. Es'ist noch nicht lange her, so konnte anlässlich der verschiedenen Unglücksfälle an Niveauübergängen und unsern berechtigten Reklamationen in einer ostschweizerischen Zeitung der schöne Satz gelesen werden : «Wirdenken, diese Automobilistenkreise und Strassenverkehrsinteressenten hätten genug zu tun, wenn sie auf ihrem eigenen Gebiet für "Sauberkeit eintreten wollten und die Sorge um die S. B. B. und die schweizerische Justiz andern, unbefangeneren Leuten überlassen würden.» Dann hiess es noch weiter ; «Leider aber sieht man nie, dass ein Mitglied eines Automobil-Clubs oder der Strassenverkehrsliga Ungeschickte auf ihre Fehler aufmerksam machen oder, was jedenfalls noch wirksamer Wäre, solche bei der Polizei anzeigen würden.» Der Skribent dieser Zeilen, ein kleines, aber wohlbekanntes «-i-», der tagtäglich seine Feder für sogenannte Bahninteressenten in die Tinte taucht, macht es sich mit den Anschuldigungen sehr leicht. Da in unserem Volke keine Ware bessert! Absatz findet als Vorurteile, so sehen wir 5 uhs gezwungen, nictit. wegen des .kleinen