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E_1929_Zeitung_Nr.107

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26 ÄUTOMOBIC-REVUE W?9

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N° 107 - 1929 VI. JOla/tt AU IUMUD1L ÜB Die Grossmütter. Von K. L. Reiner. Wo sind die Grossmütter hin, Die durch die Jagend hinkten? Verblüht, verwelkt, verweht. Nur Medaillone Bewahren noch ihr weisses Haupt Und in verstaubten Alben schlammern Die letzten Reste einer Rosenfarbe, Die Mähner einst entzückt, In Dornröschensärgen von Daguerrotypien. Wo sind sie nur? So sind so unermesslich weit, So weit vorangeeilt mit ihren kranken Beinen, Dass wir sie nicht mehr sehn, Bis sie dann eines Tags Wieder gebückt und hilflos vor uns stehn Und ans, wie in der Jugend, winken mitzugehn. Wir streichen die Zimmer, Von Gerhard Schake. Eines Mittags, nach dem Essen, sah meine Frau träumerisch zur Decke hinauf, blickte sie lange und hingebungsvoll an und sagte dann : «Wie die Decke aussieht!» Ich sah mir die Decke an. Sie war früher weiss, jetzt sah sie wie eine Landkarte aus: die Sprünge waren die Flüsse, die hellgrauen Stellen waren ebenes Land, das Tiefgraue war Waldgegend, die Flecken mochte man für Bergeshöhen oder Seen halten — der Phantasie war Spielraum geboten. Jedoch, die Decke sah nicht schön aus. Entweder man hat eine weisse Zimmerdecke oder man malt sich (wenn man so albern ist) von vornherein eine Landkarte ans Plafond, dann aber eine richtige, wo Südamerika darauf ist und der Popokatepetl. Meine Frau unterbrach das Schweigen: «Das kommt vom Rauchen, mein Lieber !» Das ging auf mich. Ich brummte ein wenig. «Ja», fuhr sie fort, «es ist mit den.Gardinen genau so, das kommt vom Rauchen !» «Die Gardinen kann man doch waschen !> warf ich höflich ein. «Ja — aber die Decke dieses Zimmers nicht!» «Nun, das käme auf einen Versuch an !> wagte ich zu entgegnen. Sie senkte den Blick. Er fuhr mir in die Glieder, als er mich traf. Nicht, dass er böse war, nein, er war so mitleidig. «Gestrichen werden muss sie !> sagte sie fest. Dem musste ich zustimmen. Wir rieten hin und her, am Nachmittag ging ich zu einem Zimmermaler und sagte dem, dass unsere Zimmerdecke geweisst werden solle. Der Biedermann war bereit, das für uns zu tun, der Preis beträgt 30 Franken. Ich wollte nicht zusagen, ohne mit meiner Frau gesprochen zu haben. Unterwegs fragte ich in einer Farbenhandlung nach — man hat doch manchmal einen guten Gedanken! — was die Farbe koste samt allem Zubehör, also streichfertig, für eine soundso grosse Zimmerdecke. Drei bis vier Franken, wurde mir erklärt. Ich berichtete meiner Frau: der Maler verlangt dreissig, die Farben kosten dreieinhalb Franken. Vielleicht könnte man selber das Zimmer streichen? Meine Frau sah mich kopfschüttelnd an. «Das bringst du doch nicht fertig. So leicht ist das nicht !» «Ja», erwiderte ich, «das glaube ich schon, aber bedenke den Unterschied von fast siebenundzwanzig . Franken ! Dafür kannst du dir einen neuen Hut kaufen !» Der Hut entschied. Wir beschlossen, die Zimmer selbst zu streichen. Ja, bei unserer Beratung waren wir sogar übereingekommen» dass es sich lohne, wenn das Selbststreichen so billig wäre, ausser dem Wohnzimmer auch gleich das Schlafzimmer und die Küche und das Bad zu streichen, die einer Auffrischung ebenfalls bedürftig wären. Wenn man einmal streicht, wenn man sich sowieso schmutzig macht, was kommt es dann auf ein wenig Farbe und Arbeit mehr an? Für den Hut würde schon noch etwas übrig bleiben! Wir kauften weisse Farbe, streichfertig. Dann räumten wir die Möbel aus. In das Herrenzimmer wurden sie gestellt, das nicht streichbedürftig war. Dann liehen wir uns eine Bockleiter. Zwei Franken Trinkgeld für die Hausmannsfrau. : «Es ist dieses Jahr wie schon immer. Es wird langsam kalt und kälter. Die Heizung wird immer teurer. Essen muss man auch schon zweimal Jeden Tag, um sich warm zu halten... man sieht die Kinder, rotbäckig und etwas blau angefroren, voller Erwartung die Tage zählen bis zum Fest... selbst hat man viel Arbeit, wenig Geld und eine schlechte Laune... >. Dieses und einiges weiteres, ähnliches schrieb Reinhard seiner Schwester. Er versiegelte den Brief, nahm den Hut und wollte zur Post. Auf der Strasse war es finster und lebhaft. Weihnachtsbäumchen- und Nussverkäuier trieben ihr Wesen (« wie immer », wie Ich suchte einen alten Mantel hervor; der sollte als Malkittel dienen. Nun konnte es eigentlich losgehen. Ja, aber womit streicht man? Mit einem Pinsel. Und wenn man keinen hat? So kauft man ihn. Wir kauften zwei richtige, breite Pinsel zum Dekkenweissen. Viereinhalb Franken. Meine Frau ging am Abend in die Stadt, sie meinte. Reinhard für sich feststellte). Die Strasse war kaum gangbar. Nasser Schnee, Tannzweige und viel zu viele Fussgänger machten ein Durchkommen schwer. Reinhard war schlimmer Laune. Und betrat endlich, des Herumwanderris unter festfrohem Volk müde, in der Vorstadt draussen eine kleine Bar. Er trank ein wenig, wollte wieder gehen und blieb sitzen. Es gab nicht viele Gäste an diesem Abend. Nun, vielleicht würden sie später kommen. Reinhard blieb sitzen. Linige Arbeiter kamen, sahen den Unbekannten an, tranken ihren Kaffee und gingen. Zwei Mädchen sassen da, starrten ihn an und gingen. Das Lokal leerte sich. Reinhard war der letzte Gast. Er zahlte und wartete ein wenig. Das Barmädchen kam heraus. Es hatte wohl nicht viel aufzu- Von Guarnerius. räumen gegeben an diesem Abend. Sie g:ng mit Reinhard. Zue-tt auf eine Tanzdiele. Sie sassen schweigend, wie Leute, die sich längst auswendig kennen und die sich nichts Neues mehr zu sagen haben. Sie tanzten wohl auch ein bisschen. Dann sprachen sie von Weihnachten. Das Mädchen erzählte von seiner Mutter, die eine kleine, zarte Frau gewesen war, und die mit ihren Händen einen silbernen Christbaum gesclrnückt hatte, so schön, dass man glauben musste, der Weihnachtsbote habe selbst den Silberstaub des Himmels darüber gestreut. Und Reinhard dachte an seine Schwester, wie sie ihrem kleinen Bruder immer in übermütterlicher Sorgfalt alle Wonnen eines seligen Festes bereitet hatte... Sie brachen dann auf. Das Mädchen ging mit Reinhard. Es wurde wenig geredet. Sie schien es gewohnt zu sein. Reinhard schloss die Tür seines Zimmers auf und machte Licht. Ihren Mantel hängte er an den einzigen Haken im Zimmer, nahe beim Ofen. Sie setzte sich bald zu ihm und legte ihren schwarzen Kopf an seine Brust. Sie sassen und rauchten. Später legte sie Reinhard nieder und ging hinaus. Er kam nach einer Weile wieder. In der einen Hand trug er einen silbergeschmückten Weihnachtsbaum, in der andern weisse Kerzchen. Sie sassen beieinander und sahen in den leuchtenden Baum und sprachen von ihrer Mutter, ihrer Schwester. — Bis zum Morgen. sie wolle sich den versprochenen Hut lieber rechtzeitig kaufen. Der Hut war noch nicht versprochen, ich hatte ihn nur angedeutet, aber was tut man nicht seiner Frau zuliebe? Am andern Morgen ging es los. Wir legten Zeitungspapier auf den Boden, damit es keine Flecken gäbe, rührten die Farbe an, ich- bestieg die Leiter. Erwartungsvoll und als beteiligter Zuschauer stand meine Frau im? Türrahmen. i Auf und ab ging der Pinsel in meiner Handj Die Stellung war unbequem. Ich balancierte auf zwei Sprossen der Leiter, natürlich aul den obersten. Die Leiter schwankte ein we-i nig, aber immerhin so viel, dass wir davoa nicht besser zumute ward. Mit dem Kopfa stiess ich an die Decke, darum hielt ich ihn schief. Die Hand erlahmte bald. Der Pinsel war schwer. Ausserdem musste ich mit Wer freien linken Hand immer auf den Farbtopf achtgeben. Nach einer halben Stunde hatte ich zwef Quadratmeter gestrichen, hatte Genickstarre, eine steife Hand und entsetzlichen Hunger, Wir frühstückten. Es gab, wie bei biedern Handwerkern, sogar eine Flasche Bier mich. j Am Abend des nächsten Tages waren samt«' liehe Zimmerdecken gestrichen. I Und ich war halb gelähmt, kroch verzwei-« feit ins Bett und bekam Umschläge. Dann besahen wir uns am andern Tagol mein Werk. Der erste Anstrich war, wie ge-» sagt, fertig, als ich bei dem Drogisten hörte, dass man selbstverständlich zweimal streik chen müsse. Farbdeckung, Weisse, Grundie* rung — der Mann hatte alle möglichen Gründe und Ausreden dafür. Ich begann ein zweites Mal. Lag wieder; einen Tag zu Bett. Am anderen Morgen erwachte ich. Au! dem Korridor weinte meine Frau. Ich stürzte aus dem Bett: «Was ist denn los?» Sie schluchzte ergreifend: «Geh nur hinein» sieh dir die Zimmer an, furchtbar!» Ich betrat die Stätte meines Wirkens — icH konnte mir nicht helfen, die Decken erstrahlten in blendendem Weiss. Das sagte ich mew ner Frau. «Ja, aber sieh dir die Tapeten an, die schönen Tapeten!» Ich blickte auf die Tapeten. Ja, was war denn das? Die weisse Farbe war an den Wänden entlang heruntergelaufen, weisse Streifen auf den Tapeten hinterlassend, von etlichen Farbenklecksen ganz zu schweigen» Das war eine nette Bescherung ! Ich versuchte meine Frau zu trösten, erinnerte sie an den hübschen Hut, den sie sich vor ein paar Tagen gekauft hatte, und das stimmte sie ein wenig milder. Aber ich will nichts beschönigen, die Ta* peten waren verdorben. Hier möchte ich ehrlich hinzufügen : mein Mantel war natürlich durchtränkt von weisser Oelfarbe, er war für Lebenszeit unbrauchbar geworden, aber leider auch ein» neue Weste und die Hose eberralls, die ich darunter trug. Von einer neuen seidenen Krawatte ganz abgesehen. Wir hatten mit einem Defizit gearbeitet. Der Maler hätte es schneller und vielleicht auch billiger gemacht, das war uns hinterher ganz klar ge* worden. Aber das mit den Tapeten war eine böse Geschichte. Meine Frau war verzweifelt, und ich war auch nicht sehr glücklich. Das hat man davon, wenn man sich einbildet, Zimmerdecken streichen zu können. Wir Hessen einen Tapezierer kommen, der besserte die Tapeten aus. Er reinigte, putzte, klebte, schrubbte, malte zwei Tage lang und forderte bloss zwanzig Franken dafür. Dann sahen die Tapeten wie neu aus. Mittlerweile waren die Zimmerdecken richtig trocken geworden. Aber wie sah das aus! Die Sprünge waren geblieben. Und auf dem herrlichen Weiss gab es fettglänzende Stellen, die ins Grüne, Graue, Violette schillerten. Wir hatten zuviel Oel genommen, nun waren die Zimmerdecken voller Oelflecken. Meine Frau kam aus der Verzweiflung gar nicht mehr heraus. Ich tat alles Mögliche, um sie heiter zu stimmen. Ich versprach ihr Kinobillette, Theaterkarten, neue Handschuhe. Ja, als das gar nichts mehr half, verstieg ich mich dazu, ihr ein neues Kleidchen zu versprechen. Aber auch das beruhigte sie nicht lange, denn die Decke zeigte nicht nur Oelflecke, sondern nach einigen weitern Tagen bekam sie Blasen und dann — blätterte sie stückweise ab. Es sah zum Erbarmen aus. Wir aber auch ! Wir waren beide verzweifelt. Meine Frau erzählte allen Bekannten eine Geschichte, die den Titel trug: Mein Mann, der Stubentnaler.