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E_1929_Zeitung_Nr.106

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Ausgäbe: Deutsche Schweiz. BERN. Freitag 13. Dezember 1929 Nummer 20 Cts., 25: Jährgang. - N° 106 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Erscheint jeden Dienstag und Frrftafl Monatlich „Gelbe Uste ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich.Fr. 5.-, Jährlieh Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtiich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen.. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 .,-..- Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Aus dem Bundeshause Das Postulat Amstalden abgelehnt. — Der Voranschlag. — Die neuen Bundesräte Minger und Dr. Meyer. , • Der Benzinzoll-Anteil. Benzinzolles im Budget des Jahres 1930 mit bloss 18 Millionen Franken. Aber auch die andern Kantonsvertreter meldeten sich zum Wort. Ständerat Sutter aus Schwyz teilte mit, dass auch in seinem Kanton die Verteilung keine Befriedigung gebracht hätte und dass die Städtekantone mit den .vielen Fahrzeugen die hohen Einkommen, die Kantone jedoch mit langen Durchgangsstrassen nur minime Erträge hätten. Er bezeichnete die Verhältnisse ebenfalls' als unhaltbar und warf die Frage auf, ob nicht der Bund die Motorfahrzeug-Steuer' 1 erhöben und sie alsdann entsprechend der Verkehrsintensität an die Kantone verteilen könnte. Der Vertreter des Kantons Uri, Ständerat Meier, unterstützte seine Kollegen mit dem klassischen Wort: «Es führt kein anderer Weg nach Rom als die Gotthardstrasse». Der Kanton Uri habe eine ausserordentlich stark befahrene, lange Durehgingsstrasse zu pflegen, für deren Unterhalt er- allein nicht Im Ständerate begründete am 11. Dezember Herr Ständerat Amstalden aus Obwalden sein in der «Automobil-Revue» bereits veröffentlichtes Postulat folgenden Inhaltes: «Der Bundesrat wird eingeladen, in Verbindung mit der Vorläge eines neuen Automöbilgesetzes die Frage zu prüfen und darüber zu berichten, ob die Subvention des Bundes für das Strassenwesen der Kantone der « BenzinzoU-Anteil» nicht zu erhöhen und der Verteilungsmodus in einer der Verhältnisse entsprechenden Weise zu ändern sei.» Herr Amstalden hob in seiner tiefgründigen Motivierung alle jene Momente hervor, die wir hi der «Automobil-Revue» zu wiederholten, Malen auseinandergesetzt haben und die heute nun glücklicherweise in den eidgenössischen Ratsstuben eindrucksvoll und jedenfalls nicht erfolglos zur Sprache kommen. Der'Verteilungsschlüssel des heutigen Benzinzoll-Anteils kann nicht befriedigen, so W.ehig wie derjenige der erhöhten Pritnarscjiul-Subventiön, um in diesem Zusammenhange die entsprechende Parallele hervorzuheben. In beiden Fällen kommen die bedürftigen und -meistiriteressieften Gebirgskantotfe ZU kurz. Ständerat Amstalden wünscht, iti AaBefiracht der aüsserordentlichen Aufwendungen der Kantone für das Strassenwesen und des zunehmenden Stras- SjenVerkehrs die Erhöhung der Bundessubvention für das Strassenwesen und eine Aenderung, des Verteilungsmodus des Benzinzolles. Er verlangt, dass die Hälfte der Gesamthenzinzolleinnahmen an die Kantone verteilt werde und dass die Verteilung entsprechend der Auslagen und der Strassenüänge der Kantone zu bemessen sei. Der gegenwärtig©. Verteilungsmodus kann nicht befriedigen, da beispielsweise Baselstadt für einen Kilometer Strasse 35,000 Franken, der Kanton Schwyz dagegen nur 1070 Franken bezieht. In Anbetracht des steigenden Benzinzplles, der im Jahre 1925 11,6 Millionen, im Jahre 1927 20,7 Millionen, im Jahre 1928 26 Millionen Franken betrug und im Jahre 1929 sich auf 31 Millionen Franken stellen dürfte, ist eine erhöhte Zuwendung an die Kantone wohl gerechtfertigt, um so mehr, als der Bund noch grosse Einnahmen aus Auto- und Zubehörzöllen erzielt. Auffallend und ungerechtfertigt ist die Einstellung des aufkommen könne. Die Verhältnisse seien heute derart, das die Städte ihre Sffässen für ihre eigenen Leute, dagegen die Urkantone für die Fremden herzustepen hätten. Auch er unterstützt das Postulat Amstalden aufs lebhafteste. Den- Städte-Standpunkt vertrat Herr Ständerat Thalmann aus Basel, der sieb der: Entgegennahme des Postulates nicht widersetzt, jedoch zu bedenken gibt, dass auch die Städte für die notwendigen Strassenkorrektionen gewaltige Aufwendungen zu leisten haben und mit dem Benzinzoll-Anteil absolut kein Geschäft machen. Ständerat Böhi aus dem Kanton Thurgau steht dem Postulate ablehnend gegenüber. Er möchte vorerst noch weitere Erfahrungen sammeln und mit einer Neuordnung deshalb zuwarten. , Herr Bundesrat Pilet wandte sich gegen das Postulat, indem er besonders darauf hinwies, dass der Bund grosse Ausgaben zu bestreiten habe und dass die Aufwendungen der Kantone für die Neuordnung des Strassenwesens ihren Kulminationspunkt erreicht haben dürften. Sollte der gegenwärtige Verteilungsschlüssel auf die Länge nicht genügen, so werde das Departement aus eigener Initiative an die Neuregelung der Frage herangehen. Heute scheine eine Aenderung tatsächlich verfrüht. Die Abstimmung über die Annahme des Postulates ergab Stimmengleichheit. Es stunden sich 17 gegen 17 Stimmen gegenüber,.wo- INSERTIOX'S-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctfr Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss * Tage vor Erscheinen der Nummern bei Vizepräsident Charmillot sich für Ablehnung des 1 Postulates entschied. aufzunehmen und damit die Universalität Ausgabeposten in die laufende Verwaltung des Budgets herzustellen. Dass trotzdem auf Wir bedauern diesen Entscheid ausserordentlich, trotzdem die Abstimmung im angebracht wäre, zeig} die Tatsache, dass der ganzen Linie ein ausgeprägte Sparpolitik Ständerat zeigt, dass der Gedanke einer ge-' das Budget mit 383 Millionen Ausgaben einen bis dahin nie erreichten Kulminations- rechtern Benzinzoll-Verteilung doch Fortschritte macht Wir geben indessen der bestimmten Erwartung Ausdruck, dass trotz lassen ,sich nicht tiefer und nicht breiter auspunkt erstiegen hat. Die Einnahmequellen schöpfen. Die einzige Hoffnung besteht eigentlich nur noch in der wachsenden Quote des Benzinzolls. Dies jedoch kann für die Gesamtlage unserer Volkswirtschaft nur ein leichter Trost sein. Die übrigen Zollemnahmen stehen ebenfalls auf dem Kulminationspunkt, eine stärkere indirekte Belastung des Schweizerbürgers darf nicht mehr eintreten. Diesen Satz sollte sich nachgerade jeder Parlamentarier hinter die Ohren schreiben. Wir müssen die Forderung des Kommissionspräsidenten Joss lebhaft unterstützen, dass keine Ausgaben mehr zu beschliessen sind, ohne dass für vorherige Deckung gesorgt wird. Nur dann, aber nur dann, sind wir sicher, dass das Staatsautomobil ruhig und ungefährdet aus dem Nebel des Finanzdilemmas einer klareren Zukunft entgegensteuern kann. dieses Entscheides die Angelegenheit nicht auf die lange Bank geschoben werde. Mit der bundesrätlichen Begründung können wir leider flicht einig gehen. Die Strassen unseres Landes sind noch lange nicht in dermassen gutem Zustande, wie es im Interesse unseres Verkehrs wünschenswert wäre. Zudem verschlingt der Unterhalt modern ausgebauter Strassen ganz gewaltigere Summen, als dies früher der Fall war. Mit der Forderung, dass die Hälfte des Benzinzolles an die Kantone verteilt werden sollte, geht übrigens die schweizerische Baudirektorenkonferenz vollständig einig. Ein diesbezügliches Gesuch dieser gewiss kompetenten Stelle liegt seit längerer Zeit auf dem Bundesratstische. Es erhärtet wohl die Tatsache zur Genüge, dass den Kantonen für ihre notwendigen Strassenarbeiten die nötigen Mittel ganz einfach nicht mehr zur Verfügung stehen und dass ganz besonders die Gebirgskantone mit dem jetzigen Verteilungsmodus zu kurz kommen. Im' übrigen ist mit aller. Klarheit zu betonen, dass die Erträgnisse des Benzinzolles in allererster Linie ihrem eigentlichen Zwecke zugeführt werden sollten, was heute lange nicht der ..fäll ist • -H i "Wir nehmen an, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist und hoffen, dass diese wichtige Frage im Nationalrat auf einen etwas günstigem Boden, als im Ständerate fallen werde. Der Bundesrat hat in Anbetracht der sich stets steigernden Benzinzolleinnahmen keinen Grund, sich berechtigten Wünschen zu verschl iessen, sondern viel eher die Pflicht, mit der Zeit zu marschieren und ähnlich wie die angrenzenden Staaten, wir verweisen speziell auf Italien, für den Ausbau unseres Strassenwesens das Bestmöglichste zu leisten. Es ist übrigens vorauszusehen, dass die Vertreter der Innerorte es mit dem Beschlüsse des Ständerates nicht werden bewenden lassen, sondern dass sie mit Zähigkeit die Frage weiter verfolgen werden. Der Voranschlag. Es sei uns gestattet, bei dieser Gelegenheit auch kurz auf den Voranschlag des Bundes zurückzukommen. Erfreulich für alle Automobilisten wird der Umstand sein, dass endlich die Gleichgewichtslage im Budget erreicht werden konnte und man es im Bundeshause endlich so weit gebracht hat, alle Die neuen Bundesräte. Bei vollbesetzten Tribünen, wie sie der Rat wohl noch selten aufgewiesen hat, und in Anwesenheit von 43 Ständeräten und 196 Nationalräten erledigte die Bundesversammlung, unter gespanntester Aufmerksamkeit, Donnerstag morgen von &30 bis 10,30; Uhr die Ersatzwahlen in den Bundesrat Auf Antrag von Nationalrat Walther wurde mit 111''" gegen HO Stimmen die Traktandenliste in der Weise abgeändert, dass die Ersatzwahl für den verstorbenen Bundesrat Scheurer zuerst und diejenige für den demissionierenden Bundespräsidenten Haab erst in .zweiter Linie getroffen wird. .. .,. •:• A; Bei einem absoluten Mehr von 117 Stimmen, wird Herr Nationalrat Rudolf Minger mit 14& Stimmen zum Bundesrate gewählt. Herr Rudolf Minger, der erste praktizierende Bauer, der in die oberste Landesbehörde eintritt, steht- im 48. Lebensjahre. Er wurde am 13. November 1881 in Mülchi geboren, 1919 in den Natiönalrat (dessen Präsidium er. 1927-28 innehatte) und 1922 in den Grossen'Rat des Kantons Bern gewählt. Im Militär führte .er das Infanterieregiment 15 und wird auf Ende dieses Jahres zum Obersten befördert. Aller Voraussicht nach dürfte er als Nachfolger Scheurers das Militärdepartement- überneh-. men. Verzwickter gestaltete sich die Ersatzwahl. I'ÜT den demissionierenden Bundespräsidenten.' Haab. Im vierten Wahlgang wurde bei 199 Adieu dem Pferde! < (Von Dr. A. Charasch, Paris.) Unbarmherzig wie der Fortschritt gegenüber der Vergangenheit, selbst gegenüber der verdienstvollsten, grausam wie die Technik auf ihren Eroberungszügen, streckt das Auto das Ross zu Boden, das alte, gute, treue Vieh. Die rührseligen Damen aus allerhand tierschutzgesellschaften, sofern sie nicht bereits selber behandschuht am Volant sitzen, retten sich vor dem vorübersausenden Automobil auf das Trottoir hinüber und kommen überhaupt nur selten in die Lage, an das Wohl des Lasttieres zu denken, weil dieses von der Bildfläche so gut wie ganz ver-* seh wunden ist. «Et la guerre cessa, faute de öombattants!» Vom fünften Jahrhundert unserer Aera ab, da der Theodosianische Kodex eine humanitäre Neuerung einführte — eine «humanitäre», weil sie, wenn schon sie Vierfüssigen galt, ihre Entstehung einer guten Regung des menschlichen Herzens verdankte! — indem er die Höchstgrenze der Belastung def Zugtiere auf dem Gebiet des Kaisertums bestimmte, konnte der Tierschutz durch Jahrhunderte hindurch mildtätig "wirken. Nun sind aber seine Bemühungen, wenigstens in bezug auf das Pferd in der Grossstadt, fast, gegenstandslos geworden. Das Auto thront beinahe in der. ganzen Welt, auch dort, wo unfahrbare Autostrassen dessen Bedingungen zu einer währen Qual machen. Da Streben des modernen Menschen nach dem Ultramodernen lässt ihn aber gar manche Leiden überwinden. Das Auto ist Sieger — und das Pferd stirbt ab, mit dem Absterben der Funktion,, die es zu erfüllen hatte. Mit der so gut wie einzigen Ausnahme der Rennplätze geht das Ross in die Geschichte über und kulturhistorischer Ruhm wird ihm zu teil, womit aber sein Tod erst recht besiegelt wird. Vor wenigen Monaten kam der bekannte französische Kunsthistoriker Claude Roger-Marx auf den sympathischen, pietätvollen Gedanken, das Pferd im Bilde zu zeigen. In einer Pariser Gemäldegalerie konnte man an die sechzig Arbeiten sehen, die ein schlagender Beweis dafür waren, wie sehr der stolze Gaul, der seinen im Sattel prächtig sitzenden Reiter oder die noch anmutigere Amazone trägt, wie selbst das Lastpferd, das aber grosse Dienste leistete, die Kunst des 19. Jahrhunderts angezogen hat. Jawohl, des 19. Jahrhunderts! Denn in unserer Zeit, da der Rausch des Automotors das Gewieher des Pferdes übertönt was soll noch der Animalier Raoul Dufy mit dem Ross anfangen, es sei denn, dass er einer retrospektiven Kunst huldigen wollte. Marc Chagall, in dessen Auge sich Menschen, Tiere und Dinge auf eine von unserem Sehvermögen gänzlich abweichende Art und Weise spiegeln, der die Tiere liebt und auch den Menschen in deren Mitte vielleicht lieber als sonst hat, mag zusammen etwa mit einem Picasso oder Cocteau, heute noch daran denken, dass das Pferd eine Seele hat und ihm, um dessen Seele wegen, die Treue seines meisterhaften Pinsels bewahren. Man sehe sich seine prächtigen Illustrationen zu Lafontaines Fabeln an und man versuche doch, in dieser reizenden Schungel wenigstens auch eine Maus zu finden. Lafontaine kannte sie wohl, aber Marc Chagall will sie einfach nicht kennen, während er alle andern Tiere nicht übersehen kann! Nun, unser Zeitalter beginnt eben den Gaul zu übersehen, weil es sich seiner entledigt, weil es ihn im mechanischen Fortschrittsprozess, der doch selbst gewiss Ausfuss grosser geitiger Prozesse ist, durch das Auto ersetzt hat. Das Dichterross, unser altbekannter Pegasus, die Rosinante, der Gaul unseres lieben, köstlichen Phantasten, haben gewiss ihren Reiz, wie alle Archivstücke den ihrigen haben. «Archiv» bedeutet aber höchstens Belebung, niemals jedoch Leben selbst! Diese rührende Vergangenheit spricht zu uns in jenem «Museum des Wagens», das in Compiegne, in Frankreich, an jenem Ort aufgetan hat, wo der historische Waffenstillstand nach einem vierjährigen Völkerkrieg unterzeichnet wurde, und zwar ebenfalls m einem Wagen, im Eisenbahnwaggon des Feldmarschalls Foch. Einige der Vehikel sind so gross, und ihre Zahl nimmt in einem solchen Masse immer zu, dass das Museum erheblich erweitert werden musste, um sie alle aufnehmen und ein getreues Spiegelbild im Laufe der Jahrhunderte bieten zu können. Der römische Zweiräderwagen, den man in « Ben-Hur » neuerdings sah, und jene aus der Regierungszeit Louis-Philipps oder der beiden Empire, haben hier Platz, gefunden neben den Berlinen der Holden, die zu bestimmten Tagesstunden in den Hauptstrassen der Weltstadt die Augen aller Pas.- santen auf sich zogen, und neben jener ; für unsere Begriffe und für unseren Geschmack recht komisch anmutenden Galakarosse in blauem Stoff mit roten Auszackungen. gehalten, die dem französischen Botschafter in Berlin bei festlichen Anlässen noch im Jahre 1914 diente. Dort weiter beieinander der alte Kampfwagen, welcher Napoleon im Jahre-18.12 nach Russland gebracht hat und. erst kürzlich in Metz wieder