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E_1929_Zeitung_Nr.105

E_1929_Zeitung_Nr.105

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 10. Dezember 1929 Nummer 20 Cts.- «S. Jahrgang. - N° 10& ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozaschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. .• Postcheck-Rechnung 111/414. Automobil und Alkohol Gross ist die Erregung und die Erbitterung, die sich ob des schweren, durch Alkobolmissbrauch verursachten Automobilunfalles am Lirnmatquai in.der Presse, in einer Versammlung des zürcherischen Abstinentenverbandes und sogar in einer Resolution äusserte, wonach die Gefährdung des Verkehrs durch alkoholisierte Automobilisten einmütig verurteilt, schärfste Bestrafung nach geltendem Recht und vom zürcherischen Kantonsrate rasche Revision des Wirtschaftsgesetzes, vom Bundesrate der unverzügliche Abschluss der Vorarbeiten über ein eidgenössisches Automobilgesetz und von den eidgenössischen Räten dessen Behandlung noch im Jahre 1930 «gefordert» wird. Daneben wird verlangt, dass angetrunkenen Automobilführern als Zusatzstrafe die Fahrbewilligung für wenigstens ein Jahr und berauschten Fahrern schlechthin entzogen werde. In diesem Zeichen der «Beeinflussung des eidgenössischen Automobifeesetzes in alkoholgegnerishem Sinne» hofft der Abstuietitenverband der Stadt Zürich mit Unterstützung der Verbände der Automobilund Motorfahrer zu siegen. In der Campagne gegen den Alkohol stiessen neben den Laien vor allem die. Juristen ins Hörn, tmd diese berufenen Rufer im Streite Hessen es in gar manchen Artikeln an Meinungen und Vorschlägen nicht-fahlen. Les extremes se touchent. So tnüsste das staunende Publikum' vernehmen,, dass die Verantwortlichkeit eines Automobilführers vor Jüstitias Thron umgekehrt proportinal seiner Betrunkenheit sei, also je betrunkener, um so unschuldiger, bei totaler Alkoholvergiftung weiss wie ein neugebornes Lämmlein! Dies alles wird gestützt auf tiefgründige Logik und auf Professor Harter. Es ist schon anderweitig nachgewiesen worden, dass unser Strafrechtslehrer offenbar nicht verstanden worden ist. Massgebend aber scheint mir zu sein, dass der Verfechter der entschuldigenden Trunkenheit, Rechtsanwalt Rosenbaum («N. Z. Z.» Nr. 2303), die Grundsätze des dolus, des Vorsatzes, d. h. «das Wollen der in ihren strafrechtlich wesentlichen Eigenschaften und Wirkungen vorgestellten Handlung auf die culpa, die Fahrlässigkeit, anwendet. Der dolus ergreift bewusst das, was das Recht nicht will, die culpa vermeidet es nicht, obschon es verineidlich ist und vermieden werden soll. Beim vorsätzlichen Verbrechen decken sich die Willens- und die Tatseite. Verschuldet ist nicht nur das bewusst Gewollte und Bewirkte, sondern auch das unbewusst, aber vermeidlich durch die freie Willensbestimmung Bewirkte (Wach). Die Fahrlässigkeiten unter der Wirkung des Alkohols sind geradezu Schulbeispiele dafür, dass die Tat bei pflichtgemässem Verhalten, d. h. Unterlassung des Alkoholmissbrauchs vermeidbar gewesen wäre. Mit Recht haben daher BadertscheT («Automobil-Revue» Nr. 103) und Zürcher («Zürcher Post> Nr. 282), im grossen und ganzen auch Dr. Feldmann («N.Z.Z.» Nr. 2325), unter Hinweis auf die herrschende Lehre, die Unhaltbarkeit der von Rosenbaum entwickelten Theorien betont. Sie entspringt, wie gesagt, einer Verkennung der Begriffe von dolus und culpa, speziell einer analogen Behandlung der beiden Begriffe. Absicht und Unzurechnungsfähigkeit schliessen sich aus, Fahrlässigkeit und Unzurechnungsfähigkeit nicht, denn erstere pflegt vielfach vorauszugehen und Veranlassung der letzteren zu sein. Blut ist ein ganz besonderer Saft* Ueber die Wünschbarkeit der Bestrafung der erwähnten Intoxikationszustände aus selbstverschuldete transitorische Störungen der Zurechnungsfähigkeit herrscht wohl überall, insbesondere auch in der Presse, Einigkeit Allein, worin besteht das Kriterium einer Alkoholvergiftung, wie kann nachgewiesen werden, ob gerade sie kausal.tut den Von Rechtsanwalt Dr. G. Brennwald, Zürich. Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISraATIONtBreltenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 30.84 Telegranrin-Adresse: Autorevue, Bern Unfall war? Allerdings besitzt die medizinisch-chemische Wissenschaft Verfahren* durch welche Alkohol schon in geringen Dosen im Blute nachgewiesen werden kann. Derartige Blutproben werden in der Praxis bei Unfällen regelmässig vorgenommen und dadurch der Vergiftungsgrad bestimmt. Doch wird dabei nur allzuoft übersehen, wie verschieden die menschliche Reaktion — darin bin ich mit Badertscher vollständig einverstanden — auf Alkohol ist. So spielen, die verschiedenen Umstände: Alter, Temperament, Zeit des Genusses ihre Rolle, vor allem aber die Angewöhnung an den Intoxikationsstoff. Ein Mensch, der regelmässfe Alkohol trinkt, wird Hemmungen viel weniger unterliegen, als wenn ein Abstinent ausnahmsweise Alkohol geniesst. Von Bedeutung ist auch die Zeitspanne zwischen dem Unfälle und der Vornahme der Blutprobe. Schon wenige Stunden nach dem Genüsse lassen den Alkoholgehalt des Blutes wesentlich sinken. Die Experten helfen über diese Differenz mit der Berechnung eines Zuschlages, einer Art gerichtlich-medizinischen Handicaps hinweg, einer Berechnung, welche die einzelne Persönlichkeit nicht berücksichtigt, nach Prömilien geht und wohl doch ein etwas dubioses Verfahren involvieri. Dazu Das Zentralkomitee trat Samstag, 14 Uhr, zu einer Sitzung zusammen, die den Charakter der Vorbereitung für die Delegiertenversammlung besass. Von Bedeutung ist der Beschluss des Zentralkomitees, sich der von den Herren von Stürler, Dr. Stadler, Dr. Meuli, Dr. Fässler und Niess begutachteten Antwort der Strassenverkehrsliga auf die Rundfrage des Justizund Polizeidepartementes betreffend das Strassenverkehrsgesetz rückhaltslos anzuschliessen. Der Verzicht des A. C. S. auf die Alpenfahrt 1930 rist im Auslande mit Bedauern aufgenommen worden. Die Automobil-Clubs von Italien, Deutschland und Frankreich haben brieflich den Wunsch ausgesprochen, der A. C. S. möge 1931 wieder mit von der Partie sein. Dem Gesuch der Rapperswiler, sich aus geographisch einleuchtenden Gründen der Sektion Zürich anschliessen zu dürfen (statt der St. Galler Sektion, der sie angehören), soll insofern entgegengekommen werden, als eine besondere Gruppe Rapperswil geplant ist, allerdings als Bestandteil der Sektion St. Gallen. Schliesslich wurde beschlossen, die deutsche Hafraba als korrespondierendes Mitglied de,s A.C.S. anzuerkennen, dies um dem Wünsche Die Mitglieder des neuen Zentralkomitees, aufgenommen vor der Eröffnung der Sitzung am Sonntagnachmittag. Stehend in der Mitte : Dr. Mende, Zentralpräsident. Sitzend in der ersten Reihe von links nach rechts : Hr. Dr. Steinmann. Mitglied des Direktionsrates, Hr. Chantre, Präsident der Sektion Genf und Hr. Faillettaz, Sekretär der Sektion' Waadt, beide neu gewählte Mitglieder in das Direktionskomitee. Stehend hinten von links nach rechts: Die Herren Walser, Präsident der Sektion St GaUen-iAppenzeU, Devaud, Dr. Fässler, Dr. Meuli, Sekretär der Sektion Graubünden, Müller- Brunner, Präsident der Sektion Aargau, LnhoK, Präsident der Sektion Basel, Kofmehl. Präsident der Sektion Solothurn (Mitglied des Direktionskomitees), Hürlimann, Präsident der Sektion Zürich, von Stürler, Rechtsanwalt der Sektion Bern, neugewähltes Mitglied des Zentralkomitees, Bucher, Präsident der Sektion Luzern, Mitglied des Direktionskomitees. (Photo Automobil-Revue.) kommt, dass der Blutprobe in der Praxis eine viel zu grosse Bedeutung beigemessen wird. Ich erlebte einen Fall, in welchem einem Lastwagen-Chauffeur ein minimaler Alkoholgenuss zum Verhängnis wurde. Der Mann hatte von 5 Uhr früh bis zirka 8 Uhr abends in strengem Dienst gestanden, als er in der Weinbergstrasse, unterhalb der Liebfrauenkirche, einem Tramwagen vorfahren wollte und dabei einem andern Tramwagen leicht und mit einem Motorrade mit Seitenwagen stärker kollidierte. Verletzt wurden der Führer des Motorwagen und der Gast im Seitenwagen. Aktenmässig war festgestellt, dass der Lastwagenführer in den erwähnten 15 Stunden, einschliesslich der Mahlzeiten, zwei Flaschen Bier, und ,zwar je eine am Morgen und am Nachmittage nach erfolgter Mithilfe beim Abladen der geführten Bausteine, getrunken hatte. Zum Mittagessen wurde nur Milchkaffee konsumiert. Der Befund der Blutprobe lautete auf zirka 1 Promille Alkohol, mit dem Bemerken, es liege eine Euphorie, Selbstüberschätzung, Herabsetzung der Reaktionsgeschwindigkeit Fortsetzung Seite 2 der Hafraba-Anhänger Rechnung zu tragen, die den engen Kontakt mit den schweizerischer! Strassenbauern haben wollen. Der A. C.S. ist ja aus der Hafraba ausgetreten, um sich dem neuen schweizerischen Automobilstrassenverein anzuschliessen. INSERTIONS-PBEIS: Die achtgespaJUne 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Imieratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Delegiertenversammlung des A.C.S. in Solothurn vom 8. Dezember 1929 — Dr. Mende Zentralpräsident Der Samstagabend. Nach der Sitzung des Zentralkomitees begrüsste Herr Kofmehl, der Präsident der Sektion Solothurn des A. C.S., Komiteemitglieder und ein gutes Hundert Delegierte am gemeinsamen Abendtisch. Was folgte, stand unter dem offiziellen Titel «Herrenabend >, sah aber eine derart zahlreiche und liebenswürdige Damenbeteiligung, dass Herr Mende mit seinem Ausspruche: «Möge jeder «Damenabend »der Zukunft so ausfallen, wie dieser «Herrenabend! » den donnernden Beifall der A. C. S.ler fand. Die Solothurner hatten sich aber auch nicht lumpen lassen. Orchester, Solisten, ein Ballett von 12 reizenden Töchterchen, ein träfer automobjlistischer Sketch von v. Arx und selbst der Samichlaus — alles war da, was den Erfolg eines Abends bedingen muss. Es waren Stunden einer herzlichen beschwingten Fröhlichkeit und der Tanz zog den « Abend » noch tief in die Nacht hinein. An einem prächtigen Dezember-Sonntag, fanden sich die Delegierten - aller Sektionen des Schweizerischen Automobil-Clubs in Solothurn zusammen. Der Weissenstein tauchte in blendendem Weiss, mit Neuschnee überdeckt, über dem zarten Nebel auf, der sich noch über den Häusern der alten Stadt lagerte. Doch bald hatte die Sonne auch den letzten Rest des Nebels aufgesaugt und als glückverheissendes Omen lag goldener Sonnenschein über dem idyllischen Städtchen. Schönern Empfang hätte man sich zu ernster Arbeit nicht wünschen können. Die Sitzung der Delegierten. Im wappengeschmückten Kantonsratssaal fanden sich um 10 Uhr vormittags 94 Delegierte aus allen Sektionen der Schweiz ein. Dr. Mende, I. Vizepräsident des A..C. S., heisst die Versammlung willkommen. In einem kurzen Nachruf lässt er noch einmal die Verdienste des verstorbenen Zentralpräsidenten Anton Dufoar aufleben. Er gibt der Versammlung Kenntnis von einem Schreiben des Präsidenten der Internationalen Touristik-Kommission, Senator Crespl, in" welchem derselbe im Namen der Internationalen Touristik-Kommission den wärmsten Dank und aufrichtige Worte der Anerkennung für den verstorbenen Zentralpräsidenten des A.C.S. ausspricht. Möge die Versammlung daraus noch einmal erkennen, wie gross die Arbeit Anton Dufours im In- und Auslande gewesen ist, und wie er es überall verstanden hat, die Interessen des Clubs zu verfechten. — Auch für den verstorbenen Präsidenten der Versicherungskommission, Nationalrat de Räbours, findet Dr. Mende Worte warmer Anerkennung./Noch ein dritter Todesfall hat den A. C. S. in grosse Trauer versetzt, es ist der' plötzliche Hinschied von Herrn Molinari, dem tätigen Präsidenten der Sektion Tessin. Unter der Führung von Präsident Molinari ist. die Sektion Tessin in kurzer Zeit aufgeblüht und zu neuem Leben erwacht. Nun hat der Tod unerwartet den tüchtigen Mann abberufen und der A. C. S. steht mit der Sektion Tessin vor einem schweren Verlust. Die Versammlung erhebt sich zur Ehrung der Verstorbenen von ihren Sitzen. Nach dem Vizepräsidenten ergreift Herr Kofmehl zu einer kurzen geschäftlichen Mitteilung das Wort. Er ladet die Delegierten ein, nach der Versammlung — sofern es die Zeit noch erlaubt — die Sehenswürdigkeiten der schönen Stadt Solothurn zu besichtigen und sich vorher im steinernen Saal an einem von der Sektion Solothurn gespendeten Aperitif zu stärken. Unter Traktandum 1, Präsenzliste, wird die Anwesenheit von 94 Delegierten festgestellt Als Stimmenzähler werden gewählt die Herren Frei, Breguet und Renauld; als Protokollführer belieben: die Herren Töndury und Trabold. Das Protokoll der Delegiertenversammlung vom 26. Mai 1929 wurde allen Delegierten zugestellt und daher von dessen Verlesung Abstand genommen. Unter dem Traktandum Budget referiert der Finanzminister des A. C. S., Herr Devaud. Herr Devaud kann vom günstigen Stand der Finanzen berichten. Es besteht begründete Aussicht, dass vom Jahre 1930 hinweg alle noch stehenden Verpflichtungen des Clubs erledigt sind. Die Affäre Naly ist völlig liquidiert. Als Novum hat der Club im Berichtsjahre eine neue, sehr detaillierte Buchhaltung eingeführt, die es erlaubt, täglich den Stand der Finanzen zu konrollieren. Es werden vom Zentralkassier Erläuterungen zu den einzelnen Posten dea Budgets gemacht. Unter andenn ist für die Ausgabe neuer A. C. S.-Schilder ein Posten von 8000 Franken vorgesehen. Die Einnahmen sind im Budget sehr vorsichtig eingesetzt. Da die genaue Zahl der zahlenden Mitglieder infolge der neuen Statuten von. den einzel-