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E_1929_Zeitung_Nr.105

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N0105 nfreundliche Begegnungen auf der Strasse bringen das Bedürfnis nach einem Erkundigungsmittel über die Eigner fremder Wagen. In höchster Zuverlässigkeit liefert es jedes Jahr das Personenwagenverzeichnis des Schweiz. Äutomobilkalenders. Seit Wochen arbeitet der Verlag der Automobil- Revue, arbeiten die 25 kantonalen Automobil - Bureaux der Schweiz daran, unsere Zentralkartothek des Schweiz. Itomobiesitzes auf den neuesten Stand zu bringen. Die Zu- und Abgänge seit der letzten Ausgabe, sowie die Firmen- und Domiziländerungen der Besitzer werden aus den amtlichen Listen und dem Zeitungsdienst des Verlages bis zur letzten Stunde der Drucklegung ermittelt. Bis zum 15. Dezember, also rechtzeitig, um als geschätztes und nützliches Festgeschenk zu dienen, wird die Ausgabe 1930 in absoluter Zuverlässigkeit und Gebrauchsfertigkeit wiederum in die Hände seiner langjährigen Freunde gelegt werden können. Preis nur Fr. 7.5O. für Abonnenten 20 Prozent Rabatt Verlag Automobil-Revue, Bern In 7 Abteilungen enthält das Werk ausserdem das ganze Äutomobilwissen. Vom automobilistischen Kalendarium bis zur Automobil-Buchführung, von den Steueransätzen bis zu den Versicherungsvorschriften , von den Ratschlägen für die Fahrpraxis bis zur PS.-Tabelle, ist im AUTOMOBIL- KALENDER alles enthalten, über das man das Jahr hindurch Informationen braucht oder wichtige Daten vorzumerken hat. Die Verkaufszeit des Automobil-Kalenders ist jeweils der Monat Dezember. Nur lür Bestellungen, die ihm in dieser Zeit zugeben, kann der Verlag eine Lieferungsgarantie übernehmen. Letztes Jahr mussten wieder Hunderte von verspäteten Aufträgen mangels Vorrates abgewiesen werden. Man bestelle deshalb sofort. Nebenstehender Bestellschein, richtig ausgefüllt, sichert Ihnen prompte Bedienung. Das Buch kann auch auf unsern Bureaux abgeholt werden. In: BERN, Breitenrainstrasse 97 ZÜRICH, Löwenstrasse 51 GENF, Rue Croix d'or. 12 In oifenem Kuvert mit der Bezeichnung „Drucksache" beträgt das Porto nur 5 Rappen Bücherzeftel Senden Sie sofort nach Erscheinen per Nachnahme Expl. Automobil-Kalender 1930 mit Personenwagen-Verzeichnis zum regulären Preis von Fr. 7.50* zum Abonnenten-Preis von rr. ö.— • . den „„..... •) Bitte •treiohen, was nicht sntriffc inntr>w n 0i Xtausfc mut ^iictt4rw » £LAi«LwAQ Ai-Oi, "fllnitvIiQ ftiKrtotlrTHjfctitt und

III Blatt N° 105 — 1929 AUTOMOBIL. REVUE Aus dem Inhalt: Weihnächte-Einkäufe mit Ihnen... 13 Der Wunsch nach dem Berg 13 Weihnachten auf dem Boulevard 14 Junggesellen-Weihnachten 15 Die Seite der Frau 16 Das Theater und die Frauen 16 Ja, die Mode... 17 Halhierte Auto-Idebo 19 Humor 21 Bunte Chronik aus aller Welt 22 Unser Kreuzworträtsel 22 Tourismus 23 Weihnachts-Einkäufe mit Ihnen Skizze von Ralf Stirner. Schnitzler liess seinen Anatol mit der Dame, der seine Verehrung galt, bei Weihnachtseinkäufen zusammentreffen, allerdings nicht um die Beiden miteinander durch Strassen mit festlich geschmückten Schaufenstern bummeln zu lassen, sondern um ihnen feine und duftige Dinge über Eros und Liebe in den Mund zu legen, die lächeln machen und doch zugleich nachdenklich stimmen in ihrer Resignation, die seltsam nahe geht Bei uns ist es anders. Wir machen wirklich Einkäufe, werden hierhin und dorthin durch die Menge der kaufgierigen Menschen getrieben, streifen durch lockende Ausstellungen, die so viele zum Leben notwendig geglaubte Dinge anpreisen. Wir haben dabei so viel zu schauen, so viele Beobachtungen zu machen, dass wir nicht über Themen Schnitzler'sher Helden sprechen können oder wollen, trotzdem wir weder Eros noch Liebe üeugnen, ganz im Gegenteil. Einen vollen Nachmittag haben wir vor uns. Genügt dies für alle Einkäufe, die Sie sich vorgenommen haben? Sie glauben es, und ich zweifle! Natürlich interessiert es mich, was eine so herrlich diesseitige, elegante und gescheite Frau wie Sie (dass Sie schön sind, brauche ich nicht mehr zu sagen) alles kaufen wird. Die Mannigfaltigkeit der Dinge, die Sie suchen, finden oder noch öfters nicht finden, ist für mich belehrend. Wir bestasten nützliche Gegenstände und Kostbarkeiten in buntem Durcheinander, wie es der Zufall und Ihr Einkaufsplan es wollen. Wir gleiten mit dem Wagen, der soviele weite Horizonte und stürmische Wege gewohnt ist, durch die nebelverharagene Stadt. So langsam und immerwieder stoppend ist er wohl noch nie durch die Strassen vorgerückt. Der kalte Nachmittag aber wird für mich freundlich und heiter durch dieses Beisammensein mit Ihnen, durch Ihre Kameradschaftlichkeit, die der tiefe Grundpol jeglicher Sympathie ist. Natürlich wird es später Abend, und die Laden schliessen, ohne dass wir mit Ihrem Programm zu Ende kommen. Wir müssen also am nächsten Tage weiterfahren. Ob ich es tun würde, und gerne tun würde? Welche Frage, entsprungen aus der Freude, dieses «Gerne> zu hören! Was könnte ich nicht aUes für Sie tun» —~u— (Photo A. Grober) Abends in der Hätte Als wir aus den Einsamkeiten kamen Und wir schlugen auf die harten Bänke, und geblendet in die Schwelle stiessen, Schnee enttaute Tuch und unsern Barten waren wir schon - fremd in unsern Namen - wie verwehten Astern in den Gärten braune Menschen, die sich Freunde hiessen. Aufgebrochen wurden wir Geschenke. O, wir flammten dunkel an dem Wein und die Worte, tagelang verschlossen, und die Hände, endlich aufgesprossen, fielen silbern in die Lieder ein. Und wir waren in dem fernen Haus den Verirrten in der Nacht ein Stern, gelöst vom Kleid des lieben Herrn. (Aas Winterlob, v. Hans Roelli.) Ein richtiger Wintertag, eisig, blau und klar. Wieder durchfahren wir enge und breite Strassen, und die Pakete häufen sich im Wagen. Als Letztes kaufen Sie den Weihnachtsbaum. Es ist schön, dass dieses Symbol — Erinnerung an ewiges Grün der Natur, Erinnerung an problemlose Jugendzeit — immernoch zum Christfeste gehört. Ein© heikle Wahl gibt es freilich, klein und doch wohlgewachsen muss der Baum sein. Wir sehen den Auserwählten zwar (gleich zu Beginn, aber warum sollen wir nicht erst all die Hunderte von Tannen abschreiten und ihre Eignung abwägen, um sohliesslich zum Anfang zurückzukehren? Ist es doch im Leben oft nicht viel anders. Heute ist es noch früh am Nachmittag, als wir die Einkäufe beendet haben. Was gibt es da besseres, als eine kurze Fahrt aus der Stadt in die Natur? Sonne, weisser Schnee und schüttelnde Menschen begleiten uns. Wir stürmen zur sanften Hügelkuppe. Doch als wir oben anlangen, ist auch der Tag schon am Verlöschen. Der Motor summt sein Lied. Ein letzter WiedeTschein von Licht liegt auf unsern Gesichtern. Sie bücken gespannt nach all den Tönungen der Landschaft, Sie machen mich auf aUes Schöne aufmerksam, (Schtass Seite 14) Der Wunsch nach dem Berg Das Früher: ein fernes Bild aus der Zeit, da er jung war, eine Aussicht, ein schwacher Schaum der Erinnerung. — Jetzt: das Bild ist anders, genau geprägt, in allen Einzelheiten haftend, neuartig auch aufgenommen: nicht verträumt, nebensächlich, zwangsläufig, mit sehenden Augen, nein, mit aller Gier,, mit einem alles verzehrenden Durst und mit allen Gliedern: er sah mit den Ohren, mit den Nasenflügeln, mit dem halbgeöffneten Mund. Und wenn sich seine Hand, neugierig aus dem Schwanenhals des Handgelenks hervorwachsend, bewegte, hob, so spreizte er die blassen faltenumkleideten Finger und sah. Sah mit dem Daumen zurück, mit dem Kleinfinger nach unten und mit den andern dreien weit, weit vorwärts, aufwärts, hin, in mancher Richtung. Bewegung, Gehen, Fuss, der kam, langsam am andern vorbei, mir zu, alle sahen weit, zu mir, an mir vorbei. Blind, sah er mehr als wir. Sah grauenhaft klar. Immer. Und es war stille, scheue Verehrung um ihn. — Ihn lieben? Nein, er war hart, kalt. Und wenn er lachte, verhüllten wir angstvoll unser Gesicht. Ein Tag kam, da war der Wunsch. In ihm trafen sich Früher und Jetzt. Und wurde immer stärker, ausgemalter. Zuletzt teilte er sich mit, als fertiger Wille, als fester Vorsatz: « Holt meine Ski, ich will auf den Berg.» Er fährt mit sechs Fingern über die Laufj flächen: «Glatt, glänzend, spiegelnd sollen sie sein. Ich werde mich darin sehen.» Wie immer: Kein Abraten seiner Wünsche. Wie Blinde willfuhren wir ihnen. — Auf der Fahrt in das Bergland erzählte er: «Vor dreissig Jahren. Wisst ihr noch, in der Silvesternacht, die Sterne, den Schnee, alles, alles sah man. — Wir warteten vor der Hütte. Ich sah Kälte kommen, eisige. Aber wir warteten. — Dann begannen die Glocken: Der Pendel schlug ein wenig aus, so —, dann mehr, und schlug hart an, wandte sich ein wenig und schlug wieder an — die Töne stiegen dem Wald nach, über die Schlucht... und ich hatte so Freude, wisst ihr noch? Und heute soll es sein wie damals. Wir werden steigen. Ich will auf den Berg, bis ganz oben, bis zum Gipfel, ja, dann will ich alles wieder sehen, lange... — » Wir, sein Bruder und sein Freund, wir beide fürchteten uns vor dieser Silvesternacht. Unsere Blicke wichen aus. Wir wollten ihn führen zum Aufstieg, ihn zwischen uns, in die Mitte nehmen, nebeneinander gehen. Inmitten des Weges aber machte er sich los. Sprach: «Abis, geh voraus, ich trete in deine Spur... da ist sie, nicht wahr, ja, ich sehe —, und spürte mit den Skispitzen die Ränder der Spur und Hess sich von ihnen darin weiter führen. Alexis sprach: «Ich sehe.» Das traf uns schreckhaft. Wir erschauerten. Hier an diesem Berg war er vor dreissig Jahren mit uns, hier an diesem Berg hatte er, kaum der Jugend entwachsen, zum letzten Male gesehen. Und heute, nein, es war nicht wie damals, Alexis war anders, merkwürdig, schaurig, wir fürchteten ihn. Zu all seinen Fragen sagten wir leise, aus trockener Kehle: « Ja. es ist so.» Die Spur führte in den Wald. Kurz vor einer Tanne hebt Alexis den Stock und streift einen der Aeste, der schneebeladenen, hebt beide Arme war sich gegen die Tannen, ruft: