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E_1929_Zeitung_Nr.105

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2 AUTOIVlOBTL-RfTVUE

2 AUTOIVlOBTL-RfTVUE 1929 — 1051 Automobil und Alkohol vor, die zwar keinen eigentlichen Rauschzustand mit offensichtlicher Störung der Koordination und der Bewegungen bedeute, jedoch trotzdem für Mitfahrende und Umwelt gefährlich sei. Das Outachten führte zur Verurteilung des Angeklagten und das Gefängnis blieb ihm nicht erspart. Aus dem Gesagten folgt, dass die Blutprobe, trotz ihrer äussern technischen Genauigkeit im festzustellenden Resultat, ein irecht unvollkommenes Kriterium ist, und dennoch fordert Rosenbaum, in Verbindung mit einem absoluten Alkoholverbot für Automobilführer, die Schaffung eines allgemeinen Polizeideliktes der Trunken- bzw. Animiertheit. Der Vorschlag der Durchführung dürfte einzig dastehen, der Autor schreibt expressis verbis : «Wenn von Zeit zu Zeit, zu gewissen Tages- oder besser Nachtzeiten, beispielsweise zwischen 23 Uhr und 1 Uhr, polizeiliche Kontrollen durchgeführt würden, bei denen der Autolenker, der sich ja zuvor bei Erteilung der Fahrbewilligung ausdrücklich verpflichtet hätte, vor dem Fahren keinen Alkohol zu g^ niessen, auf seinen «Alkoholgehalt» untersucht würde, so würde dies zu einer Reihe von Fahrbewill'igungsentzügen führen, zu Nutz und Frommen aller Beteiligten, sowohl des gefährdeten Fussgängers, als auch des Fahrers selbst und des Autorhobilverkehrs überhaupt.» Bekanntlich werden Blutproben nur von Aerzten vorgenommen, nun aber zählt der Kanton Zürich 20,000 Motorfahrzeuge und ca. 120,000 Radfahrer und Fuhrleute, die gerechterweise doch analog behandelt werden müssten. Wo will Rosenbaum, der «keine besondern oder' gar unüberwindlichen Schwierigkeiten» in der «Feststellung des Vengehenstatbestandes» erblickt, die notwendigen nächtlichen Vampire auftreiben, ganz abgesehen von der Ekelhaftigkeit einer derartigen professionellen Blutsaugerel? Wo soll die Operation vollzogen werden, auf offenen Strassen und Plätzen, im dunkeln Wald? denn ein Laboratorium ist doch nicht überall zur Hand. Wie wird der Zwang ausgeübt, falls der Automobilist sich sträubt und über mittelstark ist? Difficile est, satiram non scribere! Nicht- zu vergessen ist auch, dass die Entnahm© des Blutes zufolge der dafür notwendigen Verletzung einer Ader eine gewisse, wenn auch nicht grosse, Infektionsgefahr mit sich »Tragt, die wächst, wenn die Fälle der Proben ins ungeheuerliche. steigen. , Auf eines aber sei mit aller Deutlichkeit hingewiesen, dass, wie auch Badertscher betont hat, nach unserem geltenden Gesetze niemand verpflichtet ist, die Prozedur über sich ergehen zu lassen. Es ist mir wohlbekannt, 1 dass die Untersuchungsrichter vielfach dieses Vorgehen als in ihrer. Kompetenz liegend erachten und, falls der Automobi'lfahrer die Blutentnahme verweigert, zum Zwange schreiten. Leider hat sich diese falsche Ansicht der Erlaubtheit des Eingriffes bei einem Unfälle auch in weitern Kreisen der Automobilsten verbreitet, so dass die Vornahme des Blutenzuges meist aus Unkenntnis gar nicht verweigert wird. Dem Referate über die eingangs erwähnte Abstinentenversammlüng (« N. Z. Z.» Nn 2336) entnimmt man sogar, die Versammlung habe mit Interesse vernommen, dass die Blutprobe vom «Delinquenten» nicht, wie jeder andere operative Eingriff, verweigert werden dürfe. Wer in aller Welt gibt dem Untersuchungsrichter dieses Recht eines Eingriffes in die persönliche Integrität? Ich dächte, dies stände nur der Strafprozessordnung zu, denn hier ist der Umfang der Kompetenzen festgesetzt. Die Grenzen sind, weit, sie schliessen prinzipiell in sich die Verhaftung, Beschlagnahme und-anderes mehr. Der Untersuchungsrichter kann sezieren und exhumieren lassen, den lebendigen Körper aber zu verletzen ist ihm versagt Gegen solche Uebergriffe steht dem davon Betroffenen die Klage wegen Körperverletzung, Nötigung und speziell Missbrauches der Amtsgewalt zu. Nach zürcherischem Rechte ist die Strafe für die letztere Gefängnis, verbunden mit Busse, in sehr geringfügigen Fällen auch Busse allein. Mit der Strafe soll Einstellung im Amte oder Amtsentzug verbunden werden. Zur Abwehr des fahrlässigen Alkoholismus, er ist übrigens statistisch nicht so exorbitant, wie der zürcherische kantonale Experte in seinem Vortrage vor den Abstinenten meinte — je 36 Fälle im Kanton Zürich pro 1928 und 1929 bei 20,000 Motorfahrzeugen — hat, das Obergericht vor wenigen Tagen versucht, durch intensive Bestrafung präventiv zu wirken (vergl. «N. Z. Z.» 2359). Die Strafe von zwei Monaten Gefängnis, die in casu für eine fahrlässige Tötung ausgesprochen wurde, wird sicherlich nicht abschreckend wirken. Wirkung gegen Trinker kann einzig längerer oder, im Falle der Unverbesserlichkeit, totaler Entzug der Fahrlizenz haben. Hierin liegt das beste Mitte] der Bekämpfung, denn nur so wird der Fehlbare dauernd zur Einkehr in sich selbst oder zur Unmöglichkeit erneuten Sündigens veranlasst. Ist dem Gerichte die Anwendung der Strafe, wenigstens bei uns, auch versagt, so können die Administrativbehörden korrigierend einspringen. Auf diesem Wege muss die Remedur erstrebt werden, denn niemals wird das Schweizervolk sich der Prohibition beugen und ebensowenig dürften sich die Automobilisten die Vorschrift totalen Abstinierens bieten lassen, die das Kind mit dem Bade ausschüttet. Mit Dr. Mende ist ein Name an die Spitze des A. C S. gelangt, der schon seit Jähren mit der Entwicklung der Sektion Bern, des bernischen Kantonalverbandes und des Schweizerischen Automobil- Clubs aufs engste verwachsen ist, — der Oeffentlicbkeit als charakteristischer Repräsentant des A. C. S. im In- und Auslande eine vertraute Figur. Dr. Mende stammt von Zürich, liess sich in Bern als Augenarzt nieder und trat im Jahre 1905 in die Sektion Bern eim 1911 wird seiner regen Clubtätigkeit durch die Wahl in das Komitee Anerkennung gezollt. Gleichzeitig wird er Delegierter ins Zentralkomitee. Wir sehen den heute Fünfzigjährigen bei allen Fragen des aufstrebenden Automobilismus in vorderster Front — sehen ihn überall dort, wo sich Automobile im sportlichen Wettkampfe messen. Bald ist er Organisator, bald Konkurrent. 1914 beteiligt er sich an der Internationalen Alpenfahrt. 1926 startet er an zahlreichen Schweizer Bergrennen, und in Schlieren fährt er die beste Zeit seiner Sportklasse. 1920 wählt ihn der Club zu seinem Präsidenten. Seine sportliche Begeisterung schafft der Sektion grosses Leben: Ausfahrten, Ballon- und Flugzeugverfolgung, Fuchsjagden und Gymkhanas folgen sieb Schlag auf Schlag, und inn mer sind sie ein Beispiel straffer, nie versagender Organisation. Das Gurnigelrennen wird unter Dr. Mendes Präsidium zu dem eigentlichen Rennen der Zentralschweiz, zu einer Veranstaltung von nationaler Bedeutung. Dr. Mende entfesselt aber nicht nur das sportliche und gesellschaftliche Leben, sondern weiss ihm auch einen Angelpunkt zu eeben: Die Clubräume im Berner c Du Theätre » sind zu einem permanenten Stelldichein, zu einem wahren Heim der Mitglieder geworden; sie beherbergten die letzten zwei Jahre viele Sitzungen des Zentralkomitees und seiner Kommissionen. Durch eine Reihe reselmässiger Vorträge aus dem engeren und weitern Erlebniskreis des Automobilisten und durch Veranstaltungen gesellig-kameuadscbaftlichen Charakters hält Dr. Mende das Interesse für die gemeinsame Sache wach und bringt äle Sektion auch über die schlimmste Panne im automobilistischen Vereinsleben, den Winter, hinweg. r » Der Weg, den sich Dr. Mende durch seine Initiative, Weitsichtigkeit und ausgeprägte Persönlichkeit geschaffen hat, ist mit wenigen Daten' festgelegt:' 1921 zieht der Präsident der Sektion Bern als Mitglied in das Zentralkomitee des A. C. S. .ein, 1922 wird er an die Spitze des von ihm gegründeten bernischen Kantonalverbandes berufen, 1925 ist er Mitglied des Direktionskomitees und einer der Vizepräsidenten des Schweizerischen Automobil- Clubs, 1927 Delegierter an die A. I. A. und im Jahre 1928 schon rückt er zum ersten Vizepräsidenten des grossen schweizerischen Clubs vor. 1927 und 1928, Jahre einer schweren Krise, ist Dr. Mende der gute Geist der Vermittlung. Bei aller herr- nen Sektionen noch nicht ganz genau angegeben werden konnte, ist dieser Betrag eher zu niedrig eingesetzt worden. In der Diskussion zum Budget ergriff Rechtsanwalt Dr. Badertscher aus Zürich das Wort Zwei Posten des Budgets scheinen ihm revisionsbedürftig. Es ist dies erstens der Poeten «Klausenrennen», der mit 5000 Franken zu niedrig eingesetzt ist. Sofern dem Organisationskomitee des Klausenrennens nicht ein höherer Betrag bewilligt wird, .erklärt es eich ausserstande," das Rennen im nächsten Jahre durchzuführen. Die Kommission kommt bei vorsichtiger .Einschätzung für das nächste Dr. E. Mende, der neue Zentralpräsident des A.C.S. Delegiertenversammlung sehenden Erregung sieht er mit 'klaren Augen das Ziel; schlägt sich tapfer und • taktisch für die Sache des A.C.S. Er sieht die Mängel und Gegensätze, verleiht der Reorganisation des^ Landesclubs sein Wissen und sein« ganze Tatkraft. 1 Sein, ausgleichendes Wirken bringt den Erfolg: der A. C. S. geht wie verjüngt aus langem Wirren und Irren hervor. Der Mann, der d*as Zusammengehörigkeitsgefühl in Ost und West, Nord und Süd zu erhalten und wieder zu beleben vermochte, ist Dr. Mende. Dass eine Persönlichkeif vom Ausmasse Dr. Mendes über die Ziele des Clubs hinaus auf die Entwicklung der Verkehrspolitik einwirkt, muss;als Selbstverständlichkeit erscheinen. Hier zeigt die erfolgreiche Vergangenheit des heutigen A. C. S.- Präsidenten den Politiker. Der 17. September 1923 ist in der Verkehrsgeschichte unseres Landes das Datum des Boykottes der Automobilisten gegen die Auswüchse im Kanton Bern. Dr. Mende lässt sich in Unterhandlungen ein, unterstützt die Bestrebungen des neugewählten Regierungsrates Bösiger und dringt im Vertrauen auf die von dem Vorsteher des Baudepartementes erzielten Versprechungen auf Aufhebung des Boykottes. Ein heisser Kampf ist dem Aufhebungsbeschluss vorangegangen. Aber Mendes Politik siegt über den Skeptizismus: Bern erhält ein neues Dekret mit erhöhten Geschwindigkeitslimiten, Bern führt die dreieckige Ortschaftstafel ein und grenzt damit den strittigen Begriff Ortschaft ein für allemal klar ab. Bern beginnt mit dem Ausbau seines Strassennetzes. Die Zeiten hemmungsloser Bussen und der schlechten Strassen sind vorbei. Der verkehrspolitische Erfolg ist vollkommen, die wirtschaftliche Belebung ist eminent. Mit den städtischen und kantonalen Behörden setzte sich Mende in bestes Einvernehmen. Jede Frage des Verkehrs interessiert ihn. Unermüdlich sucht er die Zusammenarbeit mit den Behörden. Persönliche Fühlungnahme sind das Geheimnis seines Erfolges; Eingaben wandern vielfach in den Aktenschrank. Die Bewährung der stadtbernischen Verkehrsordnung, die straffe Ordnung durch die Verkehrspolizei verdanken viel der Mitarbeit Dr, Mendes. Die Bestrebungen von Direktor Hunziker zur Sicherung der Niveau-Üebergänge fanden bei ihm tatkräftige Unterstützung. Derart verlieren die Sektion Bern des A. C. S. und der bernische Kantonalverbaod in Dr. E-. :Mende ein» treibende, zielbewnsste Kraft, dem Schweizerischen Automobil-Club aber ersteht ein Präsident von Formai Dr. Mendes Wahl ist eine Gewähr für die Entwicklung des A. C.S. Wenn die Schweiz eines Tages ihr endgültiges Strassenverkehnsgesetz wirklich besitzt, so wird dies nicht zuletzt dem A. C. S. und Dr. Mendes Politik, wie sie sich in der Vergangenheit erfolgreich offenbart und in der Zukunft weitergeführt werden soll, zu verdanken sein- Kiaueenrennen zu einem voraussichtlichen Defizit von 31,000 Fr. Dies rührt zum Teil daher, dass den ausländischen Fahrern — wenn sie überhaupt kommen sollen — das Startgeld zurückvergütet werden muss. Die Parkplatzeinnahmen sind mit einem Ausfall von 26,000 Franken taxiert, dar mit allen Eventualitäten in bezug auf Witterung gerechnet werden muss. Auch die Spenden, die hauptsächlich in der Stadt Zürich gesammelt werden, sind mit 7000 Franken niedriger eingesetzt. Es ergibt sich bei dieser vorsichtigen Budgetierung ein Defizit von insgesamt 31,000 Franken. Dr. Badertscher ist der Meinung, dass der Posten Propaganda, der 14,000 Franken vorsieht, für die Herstellung neuer Kühlerabzeichen, umgeschrieben und dieses Geld für die Rennpropaganda, d. h. für das Klausenrennen, verwendet werden sollte. Man dürfe nicht ausser acht lassen, dass auch das Klausenrennen einen grossen propagandistischen Wert für den Club habe, sowohl im Inlande, wie im Ausiande. Keines unserer Rennen gemesst den gleichen Ruf wie das Klausenrennen. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, dass die Abänderung des Budgets eine Sache der Delegiertenversammlung sei und eine Umbenennung der Posten eventuell immer noch vorgenommen werden könne. Der Wert des Klausenrennens sei unbestritten. Das Zentralkomitee beantragt, die Sache einer Spezialkommission zu überweisen. Herr Froidevaux findet, dass das vorgesehene Küblerabzeichen für die Mitglieder sehr gut sei und grossen propagandistischen Wert habe. Er schlägt vor, für das Klausenrennen einen speziellen Fonds zu gründen. Herr Devaud macht darauf aufmerksam, dass es nicht die Sektion Zürich sei, die das Risiko für das Klausenrennen übernehme, sondern der Gesamtclub. Wenn daher das Rennen ein Defizit ergibt, so wird es auch der Gesamtclub zu tragen haben. Der Gedanke der Schaffung eines speziellen Fonds ist gut und wird von ihm unterstützt. Dr. Stadler: Das Risiko beim Klausenrennen muss immer berücksichtigt werden. Es besteht auch eine Reserve im Budget von 12.000 Franken. Diese Reserve könnte erhöht werden auf 18,000 Franken, so dass damit ein Defizit aus der Zentralkasse gedeckt werden könnte. Er beantragt Genehmigung des Budgets so wie es vorliegt. Die Auslage für die Kühlerabzeichen wird sich lohnen. Viele Mitglieder treten nach arussen nie als Mitglieder des A. C. S. auf. Diese Kühlerabzeichen, werden eine Kontrolle ermöglichen darüber, wer Mitglied ist und wer nicht. Die neuen Abzeichen sind hübsch und wetterbeständig und machen Reklame für den A. C. S. Der Kredit von 14,000 Franken dafür sollte stehen bleiben. Dr. Badertscher ist einverstanden mit der Einsetzung einer Spezialkommission. Die Kompetenzen derselben seien festzulegen. Dr. Stadler schlägt vor: Zwei Mitglieder des Organisationskomitees des Klausens, ein Mitglied des Zentralkomitees und den Geschäftsführer des A. C. S. Diese Zusammensetzung wird angenommen, wobei die Namen der Teilnehmer später zu bestimmen sind. Zum Schlüsse spricht der Präsident dem Zentralkässier den Dank der Versammlung aus für seine vorzügliche Leitung der Finanzgeschäfte. (Lebhafter Beifall der Versammlung.) Der Zentralbeitrag wird nach dem Antrag des Z. K. auf 14 Franken festgesetzt. Der Beitrag für auswärtige Mitglieder beträgt 40 Franken. Die Wahlen. In erster Linie war der neue Präsident des A.C.S. zu wählen. Als einziger Vorschlag war die Nomination Dr. Mende gemacht. Herr Dr. Steinmann (Vizepräsident) schlug der Versammlung Herrn Dr. Mende als neuen Präsidenten vor. Mit Einstimmigkeit und starkem Applaus wurde Dr. Mende von der Delegiertenversammlung zum Präsidenten gewählt. Ansprache von Dr. Mende. Sichtlich ergriffen von der Ovation, die ihm dargebracht wurde, ergriff der neue ZentralpTäsidentdesA.C.S. das Wort «Der heutige Tag ist für mich ein grosser Tag. Sie wissen, meine Herren, ich habe nie darnach gestrebt, Präsident des A.C.S. zu werden. Wenn ich mich auf das Ansuchen meiner Kollegen hin, endlich zur Annahme der Kandidatur entschliessen konnte, so waren dabei zwei Momente ausschlaggebend: erstens das Interesse, das ich von jeher für die Sache des Automobilismus und den A. C. S. hatte und zweitens die Gewissheit, in unserm Geschäftsführer einen Mann zu besitzen, auf den sich der Präsident verlassen kann. (Beifall!) Der A.C.S. ist mir am Herzen gelegen. Aber um etwas muss ich Sie bitten: um Mithilfe und um Nachsicht. Die administrative Arbeit des A.C.S. macht mir keine Sorge. Hier werde ich unterstützt durch unsern Geschäftsführer. Aber die repräsentativen Pflichten, die Delegationen, verlangen viel Zeit und Arbeit Hierin bitte ich Sie um Nachsicht. Auch für den Präsidenten hat die Woche nur sieben Tage und ein Tag sollte der Familie gehören. Auch habe ich einen Beruf, der mir zwar freie Zeit lässt, den ich aber doch nicht aufzugeben gedenke. Wenn daher einmal statt des Präsidenten die Vizepräsidenten repräsentieren, so bitte ich die Sektionen, das nicht übel nehmen zu wollen. Ferner bitte ich um volles Zutrauen. In den letzten Jahren herrschte oft Misstraüen im Ä. C. S. Das muss aufhören. Ich habe mich immer bemüht, vermittelnd zu wirken. Darin sollen Sie mich unterstützen. Offenheit ist die erste Pflicht. Es darf nicht mehr hinten herum gesprochen werden. Wer eine Beschwerde zu machen hat, soll dies offen tun. Seit die Sektionen eine grosse Selbständigkeit erlangt haben, ist die Arbeit in mancher Beziehung für das Zentralkomitee erschwert. Der Kontakt zwischen Zentralkomitee und Sektionen darf nicht verloren gehen. Auch die Sektionen sollen neben ihrer Arbeit immer an das Ganze denken. Noch einmal, meine Herren: Ich verspreche alles zu tun, um Ihr Vertrauen zu rechtfertigen.»

Ifl5 - 1929 Unter grossem Applaus schloss Dr. Mende seine Rede. Die Wahl der übrigen Mitglieder des Zentralkomitees ging rasch von statten. Die Vorschläge des C. C. wurden genehmigt und alle vorgeschlagenen Mitglieder einstimmig gewählt 1. Zentralkomitee. Dr. Mende (Zenralpräsident), Prof. Dr. E. Steinmann, Dr. E. Mende, Dr. E. Stadler. J. Bohy, C. J. Bucher, F. Devaud, Dr. W. Fässler. H. Hürlimann, W. Imhoff, 0. Kofmehl, Dir. Marti, Dr. A. Meuli, P. Müller-Brunner, Dr. H. Perrier. Dr. J. Rietmann, A. Serment, Dr. v. Stürler, Dir. H. Wächter, T. "Walser, B, Chsntre, R. FaiUettaz. 2. Nationale Sportkommisslon. J. Decrauzat (Präsident) (Geneve). A. Töndury (Vizepräsident) (Zürich), A. Chantre (Geneve), R. Geisshüslcr (Luzern), E. Lunipert (St. Gallen- Appenzell), 0. Zwahlen (Tessin), B. Pierrehumbert (Mont. Neuchätel), Dr. M. Schmid (Basel), E. H. Thommen (Bern). 3. Touristik-Kommission. H. Hürlimann (Präsident) (Zürich), A. Bosshard (Thurgau), F. Christen (Bern), M. Olivet (Geneve), J. Baumeier (Luzern), K. Demmer (Graubünden), G. Clericetti (Tessin), R. Faillettaa (Vaud), Dr. Th. Guhler (Basel). 4. Versicherungs-Kommission. M. Niess (Präsident) (Vaud), W. Badertscher (Zürich), M. L. Billy OGeneve), Dr. Meuli (Graubünden), Dr. Rietmann (Thurgau), Dr. Sautter (Geneve), Dr. v. Stürler (Bern). 5. Zentral-Rechtsdienst. M. Martin (Präsident) (Geneve). Dr. Fässler (St. Gallen), M. Renaud (Geneve), Dr. Stadler (Zürich), Dr. v. Stürler (Bern). Delegationen. A. I. A. C. R.: Dr. Mende, F. Devaud. PrpL Dr. Steinmann, E. Primault. Internationale Sportkommission: J. Decrauzat, A. Töndury (Ersatzmann). U. M.S.: E. Primault Schweizerische Verkehrszentrale: M. Martin (Geneve), C. J. Bucher (Luzern). Strassenverkehrs-Üga: Dr. Mende, E. Primault. S.T. N. R.: Dr. v. Stürler (Bern). Schweizerischer Städteverband: E. Primault. Gesellschaft zum Studium der Ersatzbrennstofft: Ingenieur Dütschler. Beleuchtungs-Kommission: E. Grossenbacher (St Gallen). Schweizerischer Automobilstrassenverband: W. Imhoff (Basel), C. J. Bucher (Luzern). Pro Campagna: Dr. Mende. Heimatschutz: Dr. Mende. Kontrollstelle: Mochard (Neuchätel); Steiger (Bern). ErsaizmifgJieder: Mermod (Vaud) und Bohu (Basel). Verschiedene Geschäfte. Nach den Wahlen referierte Herr Hürlimann, Präsident der Touristik-Kommission, über das Reglement über die Ausgabe neuer Schildtr des A. C. S. Die Reorganisation aes Schilderdienstes sei bitter nötig. Herr Hürlimann macht auf die Schwierigkeiten aufmerksam, die der Reorganisation entgegenstehen. Es konnten bis heute noch nicht alle Inhaber von Schildern ermittelt werden, da im Schilderdienst eine grosse Unordnung herrschte. Seit einem Jahre hat sich die Touristik-Kommission mit der Sache befasst und zusammen mit dem Geschäftsführer das vorliegende Reglement aufgestellt. Er empfiehlt Annahme des Reglements. Zur weitem Prüfung wird eine Kommission eingesetzt, deren Mitglieder vom Präsidenten der Touristik-Kommission aus der Touristik-Kommission bestimmt werden. Propaganda. Unter Traktandum 13 unterbreitet Herr Chantre (Genf) die Vorschläge der durch die Konferenz der Sektionspräsidenten vom 26. September 1929 eingesetzten Spezialkommission. Das Komitee hat sich orientiert über den Mitgliederzuwachs in den verschiedenen Sektionen. Es hat mit der Geschäftsführung einen Fragebogen aufgestellt, der am Ende des Jahres an alle Sektionen verschickt wird und in welchem präzise Fragen über Mitgliederbestand, Tätigkeit etc. gestellt werden. Es hat sich dies als notwendig erwiesen, da das Zentralkomitee nur sehr summarische Berichte aus einzelnen Sektionen erhalten hat. Herr Chantre macht auf das vorzügliche Mittel zur Propaganda* aufmerksam, das die Presse darstellt. ^ Sektion soll in ihrem Wirkungskreise bei sich bietender Gelegenheit in Fragen des Verkehrs und der Gesetzgebung die Initiative ergreifen. Für viele Sektionen ist die Schaffung einer Juniorengruppe ein gutes Mittel der Propaganda. Auch der Sport ist in dieser Beziehung für den A. C. S. sehr wichtig. Gerade durch sein© sportlichen Veranstaltungen unterscheidet sich der A. C.S. von andern automobilistischen Vereinigungen. Zum Schlüsse verweist Herr Chantre auf das Expose, das von der Propagandakommission den Delegierten zugestellt wurde. Herr Primault appelliert an die Sektionen, den jährlichen Bericht an die Zentralverwaltung ausführlicher zu gestalten. Er hofft, dass der vorgesehene Fragebogen hierzu nützlich sei. Als Ersatz für den verstorbenen Herrn Molinari wird Herr Froidevaux als Mitglied der Propaganda» kommission gewählt. Verkehrsgesetz. Als 14. Traktandum stand die Antwort d A. G. S. an die Verkehrsliga über die Vorbereitung eines Verkehrsgesetzes auf der Liste. Herr Dr. VOJ} Stürler referierte über den Fragebogen des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements und die von der Kommission ausgearbeitete Antwort. Wir können hier auf den in der letzten Nummer der «Automobil-Revue» ausführlich wiedergegebenen Bericht über den Vortrag Dr. von Stürlers in der Sektion Bern verweisen. Zum Schlüsse seiner Ausführungen, welche kurz die Grundsätze, welche im neuen Verkehrsgesetz enthalten sein sollten, darr legten, sprach Herr Dr. von Stürler den Dank an' seine Mitarbeiter, Herr Dr. Gubler und Herr Mo teil, aus. Die Kommission zählt darauf, dass die Freunde des A. C. S. in der Bundesversammlung onsere Interessen vertreten werden. (Beifall.) An die Ausführungen Dr. von Stürlers schloss eich keine Diskussion an. Der Präsident trab der Hoffnung Ausdruck, dass die niedergelegten Grundsätze ssu einem allgemein befriedigenden Verkehrsgesetz führen werden. Traktandum 15 hefassto sich, mit dei Streichung des A, C.S. im Handelsregister. Auf Antrag von Herrn Martin beschliesst die Versammlung, die Streichung vornehmen zu lassen und beauftragt das Zentralkomitee, dies zu veranlassen. Triptyk. Zum Schlüsse der reichbesetzten Verhandlungen wurde unter dem Traktandum Verschiedenes von der Sektion Genf ein Antrag eingereicht über die Verteilung der Beiträge betreffend die Triptyk-Ausgaben. Der Antrag der Sektion Genf wurde nach einem Votum von Dr. Gubler abgelehnt, und man beschloss, den vom Zentralkomitee vorgeschlagenen Modus beizubehalten, wonach die Anzahl der ausgegebenen Triptyks vom 1. Oktober 1928 bis 30. September 1929 festgestellt wird und ein Garnet de Passage als zwei Triptyks gezählt wird. Auf dieser Basis wird die Verteilung vorgenommen und die 41000 Fr., welche von den Sektionen einbezahlt wurden, an die Sektionen zurückvergütet. Herr de Weck (Freiburg) macht die Mitteilung, dass die Sektion Freiburg beschlossen habe, im Jahre 1930 das Rennen am Bruch durchzuführen und auf die Unterstützung des A. C. S. rechne. Das Bankett. Da sich die Verhandlungen bis gegen halb 2 Uhr hingezogen hatten, blieb leider keine Zeit mehr zu der von der Sektion Solothurn vorgeschlagenen Besichtigung der Sehenswürdigkeiten ihrer alten Stadt. Man begab sich nach dem Aperitif im Steinernen Saal ins altbekannte Hotel Krone. Ein animiertes Bankett versammelte die Delegierten in den prächtigen Räumen des Hotels. , AUTOMOBTL-REVUl» Die Delegierten im solothurnischen Kantonsratssaale. Ansprache des Präsidenten der Sektion Solothurn, Herrn Kofmehl. Zu Beginn begrüsste Herr Kofmehl die Versammlung. Insbesondere richtete er seinen Gruss an den anwesenden Landammann, Herrn Ständerat Dr. Schöpfer. Er dankte den solothurnischen Behörden für die tolerante und fortschrittliche Haltung, die sie den Automobilisten gegenüber einnehmen. Die solothurnischen Automobilisten sind Herrn Dr. Schöpfer dankbar, dass er sie bei der Beratung kantonaler Gesetzesiragen beigezogen hat. Und wenn der Stand Solothurn bei der Abstimmung über das Automobilgesetz eine andere Stellung eingenommen hat, so war es deshalb, weil er der Meinung war, dass nur ein allgemeines Verkehrsgesetz, in dem alle Strassenbenützer einbezogen werden, der Sache dienlich sei. Des .weitern begrüsste Herr Kofmehl den Baudirektor von Solothurn, Herrn Regierüngsrat von Arx. Ihm gebührt besonderer Dank für die grosszügige Durchführung des Ausbaues der beiden Pass- und Durchgangsstrassen, oberer und unterer Hauenstein. Seit Jahren verwendet der Kanton Solothurn den gesamten Ertrag der Automobilsteuer, mit Ausnahme einer kleinen Summe von Fr. 10,000 für den Unterhalt und Ausbau der kantonalen Strassen. 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Ein neuer Präsident wurde gewählt, der das ganze Vertrauen aller Mitglieder des A.C.S. besitzt und der befähigt ist, den Club erfolgreich weiterzueiten. Als Solothurner hat Herr Kofmehl den Wunsch, dass die heutige Tagung einen Markstein in der Entwicklung des A. C. S. bedeuten möge. Mit diesem Wunsche erhebt Herr Kofmehl sein Glas auf künftige gute Zusammenarbeit der Behörden und des A.C.S. und auf eine gedeihliche Weiterentwicklung des gesamten Clubs. Nachdem sich jeder an dem vorzüglichen Mahle gestärkt hatte — das angenehm begleitet wurde von Vorträgen des Hilari-Chors — richtete Ständerat Schöpfer das Wort an die Versammlung. Er überbringt den Delegierten des A. G. S. den Gruss des Regierungsrates des Standes Solothurn. Man weiss in Solothurn die Ehre zu schätzen, die Delegiertenversammlung in den Mauern der Kantonshauptstadt tagen zu sehen. Ich glaube daraus entnehmen zu'dürfen — sagte Herr Ständerat Schöpfer —, dass der Stand Solothurn bei den Automobilisten einen guten Ruf geniesst. Was die Strassenpolizei anbelangt, so stellte sich die Regierung von Solothurn von Anfang an auf den Standpunkt, dass es einer Regierung unwürdig sei, mit Fallen und ähnlichen Buschklepper-Methoden zu arbeiten. Deshalb wird in Solothurn die Kontrolle nicht weniger streng gehandhabt. Aber man geht in erster Linie davon aus, dass der Automobilist als anständiger Mann zu behandeln sei, der ivisse, was er zu tun habe. Man will die Fahrer in erster Linie erziehen und erst in zweiter Linie strafen. Der Redner blickt zurück in die Vergangenheit und denkt dabei gerne an die auto j mobillose Zeit, wo die Nase noch nicht durch den Gestank des Benzins beleidigt wurde und man noch gemütlich seines Weges ziehen konnte. Diese Zeit ist vorbei. Unsere Zeit verlangt rasche Arbeit und rasche Beförderung. Damit hat sie die Entwicklung des Automobils begünstigt. Aber auch diese hat ihre guten Seiten. Die Bahnen zum Beispiel, die früher immer glaubten, das Volk sei für sie da, mussten sich umstellen und erkennen, dass die Bahnen für das Volk da seien und nicht umgekehrt. Ein weiteres Verdienst des Automobilismus ist die Entwicklung der Touristik. Mit dem gesteigerten Tourenverkehr wird auch die Liebe zu unserem Land und Volk geweckt. Es sind drei Punkte, die dem Redner vor allem für die Zukunft als wichtig erscheinen: Ein gutes Verkehrsgesetz, gute Strassen, . < erträgliche Abgaben. Was den ersten Punkt anbelangt, so darf man aus der Mitarbeit der Automobilisten schliessen, dass es hier einen Schritt vorwärtsgegangen ist. Auch Bundesrat Häberlin — der oft zu Unrecht von den Automobilisten angegriffen wurde — wird gerne Hand dazu bieten, dass ein allgemeines Verkehrsgesetz geschaffen wird, das alle Teile befriedigt. Gute Strassen. Es sollte ein Point d'Honneur jedes Kantons sein, die besten Strassen zu haben. Der Kanton Solothurn gibt in zehn Jahren 1Y* Millionen Franken nur für die Durchgangsstrassen aus. Die ganze Autosteuer wird. für die Strassen verwendet. 200,000 Fr. davon werden für den Unterhalt der Strassen verwendet. Der logische Schluss aus diesen Tatsachen ist: es ist Pflicht der Behörden, gemeinsam mit den Automobilisten alle Fragen des Verkehrs zu behandeln. Die Abgaben: sie sind erträglich, weil alles, was vom Automobilisten an Steuern bezahlt wird, wieder auf die Strasse kommt. Vom Momente an, wo die Steuern mehr einbringen, als die Ausgaben für die Strassen betreffen, wird man auch an einen Abbau der Steuern denken können. Zum Schlüsse seiner Rede erhebt Ständerat Schöpfer sein Glas auf eine weitere erfreuliche Zusammenarbeit und auf das Gedeihen des A.C.S. (Brausender Beifall !) Absprache Dr. Mende. Der neue Zentralpräsident des A. C. S., Herr Dr. Mende, heisst die Gäste und besonn ders die Vertreter der solothurnischen Regierung willkommen. Mit grosser Freude haben die Automobilisten von den guten Beziehüa-