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E_1929_Zeitung_Nr.109

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10 AUTOMOBIL-REVUE —

10 AUTOMOBIL-REVUE — rv tu« Tedi Si III. Antwort 7426. Ueberziehen eines Limouslnedaches. Zum Aufstreichen und Imprägnieren auf das Verdeck eignet sich «Emuline», ein neuartiges, streichfertiges Imprägniermittel für Autoverdcoko. Möbelwagenverdecke, Pferdedecken, Segel, Stören, Bahnwagen etc. Alle Stoff- und Lederarten werden • durob Behandlung mit «Emuline» wieder wasserdicht, kautschukartig weich. Kostspielige Reparaturen und Neuanschaffungen können dadurch vermieden werden. Ea empfiehlt sich, auch neue Stoffe mit einem «Emuline»-Anstricb zu versehen, weil damit die Lebensdauer bedeutend erhöht wird. G.-F Frage 7461. Kostenberechnung für Schneepflugfahren. Die Behörde hat mich beauftragt, Eingabe za machen über das Führen des Schneepfluges Ich habe einen Lastwagen, Marko Berna. 3 Tonnen. Der Schneepflug ist neu aus Eisen, vorn am Wagen zum Stossen zu montieren. Da; ich solche Fuhren noch koine ausgeführt habe, möchte ich Sie höflichst um Rat bitten, ob die Berechnung pro Kilometer oder pro Stunde gemacht wird und wie hoch per Kilometer und pro Stunde der versäumten Zeit. Kann mir ein Leser aus eigener Erfahrung Auskunft geben? E. Seh. Frage 7462. Kleinauto Rosengart. Ich beabsichtige für meinen Beruf ein Kleinauto anzuschaffen. Dasselbe muss neben rassigem Motor, der überall duichhält, eine solide Chassis- und Karosseriekonstruktion aufweisen, neben Ballonpneus und Vierradbremsen. Ich halte speziell viel auf einen robusten Wagenaufbau, weil ich mit dem bisherigen Sportmodell einer bekannten Marke an Chassis und Karosserie die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht habe. Nur der Motor hat sechs Jahre sozusagen ohne Störung und Reparatur tadellos funktioniert. Neben den bekannten Marken ist mir auch «Rosengart» zu Ohren gekommen. Kann mir ein Leser der Automobil-Revue mitteilen, ob diese Marke den oben besagton Anforderungen entspricht? H. in N. Frage 7463. Brennstoff Esso. Ein Automobilst, " der immer mit Esso fährt, behauptet nämlich, dass es sich lohne, mit Esso zu fahren, dass der Motor eine bedeutende Mehrleistung hervorbringe und , ma-n eigentlich nicht teurer fahre, als mit ge- " wohnlichem Mittelbenzin. Ein anderer Fahrer aber behauptet, dass der Mehrpreis des Esso nicht gerechtfertigt sei. Wer hat recht? Es würde mich und gewiss viele andere Leser köpfen stehen, mit andern Worten, ist das Stössel- zu klein, um eine solche dauernde Berüh- der Automobil-Revue sehr interessieren, was diespiel Automobilisten, die mit «Esso» fahren, für Erfahrungen damit machen. Ist die Leistung dieses verhindern, dann kann sich das Ventil auch währung des Ventilschaftes mit dem Stösselkopf zu Brennstoffes wirklich so viel grösser als bei ge-renwöhnlichem Benzin, dass der Mehrpreis von 8 Rp dig schliessen. Die Folge davon ist, dass oben zwi- des Verbrennungstaktes nicht mehr vollstän- gerechtfertigt ist? Fährt man teurer mit diesem schen seinem Teller und dem Ventilsitz immer glühende Gase durchtreten. Dieser glühende Gasstrom Brennstoff und ist derselbe für alle Vergaser ohne weiteres zu verwenden, oder bedingt derselbe eine bringt das Metall oberflächlich ins Schmelzen und andere Einstellung und kleinere Düse? H. S. in G. ruft damit die beobachteten Anfressunjren hervor, Frage 7464. Undichtwerden der Ventile. Ich habe an meinem Wagen in der letzten Fahrsaison die Ventile ein paar Mal selbst neu einsesehliffen Trotzdem ich bei dieser Arbeit immer mit aller erdenklichen Sorgfalt vorging, traten jeweils schon ganz kurz nachher immer wieder Undichtigkeiten auf. Zweimal sind nach wenigen hundert Kilometern Ventile such ganz zerfressen und abgeschmort worden, so dass man sie einfach wegwer^ fen mussta. Kann an die Störungen schuld sein, dass ich die Stö&seln 1/10 mm weniger Spiel gab als eigentlich vorgeschrieben ist? H. M. in Z. Antwort: Die Verminderung des Slösselspiela ist so gut wie sieher die Ursache der Störung. Sie brauchen, um sich davon Gewissheit zu verschaffen, nur einmal den Motor recht heiss werden zu lassen und dann den Stösselspielraum noch- Zürich - Zürichseo die das Ventil nach kurzer Zeit undicht werden .lassen. Selbst im Fall, dase ea noch nicht zur Bildung von Anfressungen kommt, verliert dars Ventil doch rasch seine Dichtigkeit immer mehr. Da die durchtretenden Gase abwechslunssweise ihre Richtung ändern, klemmen sieb am Ventilteller oder seinem Sitz Kohlekörnchen fest, die erst recht seien dichten Abschluss vereiteln. Zudem wird sich dann das Ventil zu verziehen anfangen und berührt schlieaslich seinen Sitz, auch in kaltem Zustand^ nur mehr an wenigen Punkten. Um Ihren Motor wieder in Ordnung zu bringen, übergeben Sie den Wagen am besten einem guten Mechaniker. Wahrscheinlich müssen nun alle Ventile ersetzt und die Sitze nachgefragt werden. Dass Sie sich in Zukunft an das vorgeschriebene StösseLspiel halten müssen, brauchen wir kaum noch besonders hervorzuheben. y. E>ral«t s«He Winke Die Fettpresse sitzt fest. Bei Verstopfung in den Schmierkanälen kann es vorkommen, dass man nach dem Versuch, mit der Hochdruck-Fettpresse den Fremdkörper hinauszudrücken, den Ansatz der Presse nicht mehr vom Nippel lösen kann. Zudem verklemmt sich dabei oft das Gewinde der Presse so fest, dass ein Zurückdrehen des Griffes ebenfalls nicht mehr möglich erscheint. Es hat keinen Sinn, in solchen Fällen Gewalt anzuwenden. Wenn man einfach einige Minuten lang wartet, vermindert sich der Druck infolge Durchquellens von Fett meist ganz von selbst um so viel, dass die Verklemmung verschwindet. Nach dem Zurückdrehen des Kolbengriffes löst sich dann auch der Ansatz ohne Schwierigkeiten. at. K>«»»+f»»»«t H»K«t«»»«»«»t»< Reinigung von Cord-Polstern. Bei ge schlossenen Wagen nehmen besonders Pol ster aus Cord-Stoff nach einiger Zeit eil höchst unschönes, schmutziges Aussehen an Mit einem blossen Abbürsten bringt man dei Schmutz nicht mehr weg, und auch bei Vcr wendung von Benzin oder andern flüssigei •Putzmitteln bleiben meist noch unschöne Ueberreste davon zurück. Sehr einfach kann man sich jedoch fü: diese Stoffart ein Spezialreinigungsmitte selbst herstellen. Man braucht nur gebrannte gepulverte Magnesia mit soviel Benzin an zurühren, dass ein dicker, aber noch streich barer Brei entsteht. Diesen Brei trägt mal mit einem Pinsel auf den Stoff auf und war tet, bis das Benzin verdunstet ist. Dam bürstet man die übriggebliebene Magnesia die nun den Schmutz in sich aufgenommet hat, weg, klopft die Staubresten aus den Polster heraus und bringt zuletzt noch dei Staubsauger zur Anwendung. Die Po'stei werden dann wieder ein ganz neues Aussehen angenommen haben. Eine zwei- oder mehrmalige Anwenflunj des Verfahrens ist nur bei ungewöhn'icl: schmutzigen Polstern notwendig. Wedei hier, noch natürlich bei der einmaligen Anwendung, kann jedoch der Stoff durch da; Verfahren leiden. at. Gewöhne dich daran, die Strasse auf weift Distanz zu überblicken. Verwende die volh Aufmerksamkeit auf die Fahrbahn und häti dich, auf die Seite zu sehen, besonders, wem dich ein Fahrgast auf etwas aufmerksan macht. Auch während des Schaltens darf du Aufmerksamkeit nicht von der Fahrbahn ab gewendet werden. Betriebssicherheit ist die wichtigste Forderung, die ein Richtungszeiger erfüllen muss. Der Fahrer muss sich auf das Richtungssignal genau so verlassen können, wie auf den Motor und die Steuerung. Wählen Sie daher für Ihren Wagen einen Zeiss-Contax! Er ist so gebaut, dass er dpn Erschütterungen der Fahrten über schlechte Strassen und den Witterungseinflüssen von Wind, Staub, Regen und Schnee trotzt. Gleichgültig, wohin Sie steuern wollen, ob links, ob rechts oder geradeaus — stets wird der Contax die gewählte Richtung zuverlässig u. deutlich verkünden. Empfehlenswerte Garagen l>ü bin dort rm Adlergarage Autoreparaturwerkstätte - Revisionen • Michelin Stock Telephon 40 Fritz Hos«. llinwil Dampf-Vulkanisieranstalt; iSniilicüB ßeparaura in Normal- unri Rleseapnsumtülc und ScDQircbn Pneumatik nur erster Marken! l'elepbon Ib. Oberrohrdorf bei Baden c. NIUGGLER. ALUMINIUM-LÖTEREI Tel. 14 AUTER BACJIMANN fCV NETSTAL TELEPHON &£& >««»«»»•»»«««««»«««»«•«»««««»««»«»«««««»>*«»««»»«< Auto Riehtung szeiger. Entspricht den schweizerischen Verkehrsvorschriften. j EDERZEJT- DIENSTBEREIT! Neue Preise von Fr. 38.— ab. Bezug durch den Fachhandel. Ausführliche Druckschriften Contax 129 kostenfrei von CARL ZE1SS, JENA. Vertreter für die Schweiz: SERVA-DEFAG A.-G. ZÜRICH1, Pelikanstrasse 9. MEMINI VERQA8ER 2O% Benzinersparnis Vertrieb durch MAX SIEGFRIED ZÜRICH 6 Dorfstr. 43, Tel. 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Bern, Dienstag 24. Dezember 1929 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 109 Die Uhr Von Michael Soschtschenko. In Europa sollen die Uhren ganz ungewöhnlich billig sein. Man bekommt sie beinahe umsonst. : In russische Münze umgerechnet, würde so eine Uhr ihre 48 Kopeken kosten. Wacker, wacker! Für 48 Kopeken bekommt man bei uns noch nicht mal einen Sekundenzeiger. Schlimm, schlimm! Na, es ist nicht ganz so schlimm. Unser Leben ist ja auch viel bescheidener. Uhren sind für uns einfache Menschen ein Luxus, auf den man verzichten kann. Nur eins ist dumm, wenn man keine hat: man steht frühmorgens nicht pünktlich auf. Allerdings kann man den Nachbar fragen oder zum Bahnhof laufen. Aber das ist nicht immer so einfach. Denn es kann einem manchmal passieren, dass der Nachbar auch keine hat. Die Hauptsache ist: Bei dieser ungünstigen Lage der Dinge komme ich natürlich ziemlich häufig morgens ein bisschen zu spät zum Dienst. Man hat mir schon mehrmals gesagt: «Sie müssen pünktlicher sein, Genosse! Sie ziehen sich sonst einen Rüffel zu.» «Also, ich gab mir Mühe und stand fortab mit den Hühnern auf. Und im Sommer mit der Sonne. Bei mir im Zimmer im Fussboden ist neben dem Ofen eine ziemlich gehörige Oeffnung. Offen gestanden, eine Art Loch. Woher, weiss der Himmel. Und wenn die Sonne zu diesem Loch kommt, so bedeutet das: fünf Minuten vor sieben und schleunigst raus aus den Federn. Soll man es glauben? Dieser höchst zuverlässige Stern hat mich neulich im Stich gelassen. Eines Morgens wache ich auf, reisse mich schweren Herzens hoch und schaue auf meine natürliche Uhr. Ich sehe, dass es noch ziemlich weit bis zum Loch ist. Und denke, es wird so halb sieben sein. Kannst noch ein halbes Stündchen drosseln. Ich drussele also noch ein halbes Stündfchen. Dann stehe ich — ohne Eile — auf und gehe wie immer in den Dienst. «Verspätet, Genosse!» Ich weigere mich einfach, das zu glauben. «Was heisst verspätet?» frage ich grob. «Um volle zwanzig Minuten, Genosse!» «Kinder! Das ist ja der grösste Quatsch! Das soll ein anderer begreifen!» sage ich. Der Chef sagt: :«Vielleicht geht die Uhr bei dir nach.» «Allerdings! Das heisst: das Loch im Fussboden muss nachgehn.» Und ich erkläre den Sachverhalt. «Eine alte Geschichte!» sagt der Chef. »Ich habe mal einen Nagel im Gesims gehabt. Der war ziemlich lange meine Uhr. Bis das Gesims sich auf einmal gesenkt hat. —— Vermutlich hat sich dein Haus gesenkt.» (Ans dem Russischen von Fritz Schwiefert in der Münchner Telegramm-Zeitung.) Alpenrennen In einer deutschen Zeitung erzählt einer, der mit dabei war, folgende charakteristische Erinnerung an die «Alpenfahrt» 1929: Inzwischen ist ja wohl Gras über die Geschichte gewachsen. Und ich denke, wir können unser Abenteuer erzählen, ohne dass Mussolini böse wird. Es war gelegentlich der internationalen Alpenfahrt 1929, irgenwo in Italien, in der Nähe des Corner Sees. «Coppa internazionale delle Alpi» sagte man in Italien, noch häufiger aber nur «Coppa d'Alpi» und im Sprachgebrauch überhaupt nur kurz und bündig «Coppa». Rot«, grüne und gelbe Plakate an allen Strassenecken verrieten der aufhorchen- WeihnachiS' Schnee den Bevölkerung, dass die grosse «Coppa» an dem und dem Tage italienisches Gebiet- berühre und dass man gut tue, die Strassen für das grosse internationale Strassenrennen freizuhalten. Obwohl dem Namen nach eine «Zuverlässigkeitsfahrt», «Coppa» in Italien als ein richtiggehendes Strassenrennen, dessen charakteristische Merkmale ganz besonders von den italienisch Fahrtteilnehmern deutlich gezeigt wurden und die das dankbare Publikum darüber hinaus von allen übrigen Fahrtteilnehmern nachdrücklich forderte. Wer in den Ortschaften unter «Hundert» fuhr, wurde ausgepfiffen, wer rücksichtslos alle Hühner und Hunde überfuhr* war der Held des Tages. Die Sportbegeisterung der Italiener kannte keine Grenzen. Einem kleinen deutschen Hanomagwagen, der als Pressewagen mit der Startnummer 113 ganz am Schluss zu erscheinen hatte, wurden unterwegs Ovationen bereitet, als er — dankbar sei des Abkürzungsweges gedacht — zwischen Nr. 6 und 7 ganz vorn an der Spitze bei den grossen Mercedes erschien, also mehr als hundert Wagen unterwegs abgehängt hatte. Er musste, um sein Ansehen zu retten, in den Ortschaften seine kleine Maschine im Stundentempp von 80—90 km übertouren, um sie dann draussen auf der Landstrasse bei 70 km,sich erholen zu lassen. Auch wir haben tüchtig, aufdrehen müssen, aber trotz Vollgas oft genug die anfeuernden Rufe der Polizei «Avanti!» und aufmunterndes Winken mit dem Gummiknüppel erleben müssen. Gerade hatte wieder eine Napoleonsgestalt unser Tempo durch energische Zurufe zu beschleunigen versucht, als, vor uns auf der freien Vorstadtstrasse ein Radfahrer auftaucht, der ofefnbar in Sorge um seine Sicherheit ist. Vorsicht! Gas weg! Gleich darauf alle Bremsen gezogen, denn der Mann tut das Dümmste, was er tun kann, er springt vom Rad und versucht, im Laufschritt unsere Fahrbahn zu queren. Ein hundertstimmiger Aufschrei, der Wagen fasst Rad und Fahrer betrachtete man dieund schleift beide, der Bremsspur folgend, viele, viele Meter über das Kopfsteinpflaster. Der Wagen steht. Man zieht deii Braven unter dem Wagen hervor. Sein Rad ist erheblich verbeult, ihm selbst ist offenbar nicht viel geschehen. Einige Risse in der Kleidung, ein paar Hautabschürfungen und blaue Flecken, das ist alles. Immerhin, die Sache ist bedenklich, denn wir sind in Italien. Im Laufschritt nahen drei Polizeibeamte mit mehr oder weniger schwarzen Hemden, einer springt in den Wagen, zwei stellen sich auf die Trittbretter. «Polizia-sezione!» also los zur Polizei, die Sache wird mulmig. Gottergeben steuern wir mit den drei Beamten los. Plötzlich ein Ruf des einen, der da rechts auf dem Vorderflügel hockt: «Coppa?» Dazu ein fragender Blick und ein Hinweis auf die Startnummer an der Motorhaube. «Aber natürlich Coppa!», dazu ein freundliches Nicken. Entsetzt und empört zugleich brülit der Mann seine Kameraden an: «Coppa! Coppa! Zugleich springen drei schwarzbehemdete Gestalten vom Wagen, heben die Gummiknüttel zu energischem Winken und vereinigen sich zu friedlichem Chor: «Avanti! Avanti! Avanti!» Und j wir haben, nicht eine Sekunde gezögert, wir haben «Avanti» gemacht, bis wir ausser Sichtund Greifweite waren und haben dann im Stillen ein «Hoch» gebracht dem Sportgeist Italiens, in dem niemand einem andern auf das Hühnerauge treten darf ohne mit Kerker bedroht zu werden, in dem aber der Sport alle Schranken beseitigt, alle Hemmungen überwindet. „Au poilu Romana' 6 Zunächst stand sonst nichts auf dem Schild. Aber dann Hess er «cordonnier» hinzufügen« Denn, so meinte er, gewisse Leute hätten glauben können, bei ihm gäbe es Aperitifs und Weine. Und das wäre eine blague, wo er doch berühmt sei für eine erstklassige Benagelung und Bergschuhe nach Mass. Also kam mit einer zweiten Zeile «Chaussures de montagne sur mesure», aber kleiner und in Kursiv statt Antiqua, so etwas wie ein spielerischer Schnörkel hinzu. Das macht das Schild reich und erklärt mehr als selbstverständlich das Dasein des Cordonnier am Fuss der mächtigen Bergkette mit den 4000ern. Romana arbeitet in einem Eckraum des Hauses, sieht links durchs Fenster auf den Col de Voza und rechts durch die Türe und ein mageres Balkongitter in die grüngrauen Wasser der Arve. Ihr Rauschen füllt den Raum mit einem steten hellen Ton. Hunderte von Mücken unterlegen ihn mit sonorem Brummen. Dann ist da noch das Zwitschern von Kanarienvögeln, die in vier Käfigen über der Eingangstür hängen. Diese Musik besteht so lange, als Romana die scharfe Ahle unhörbar durch den Sohlenrand bohrt, von zwei Seiten den Pechdraht durchfädelt und mit einen kräftigen Ruck anzieht. Das hinterlässt Striemen auf den Handrücken und die Adern des Unterarmes treten stark geschwollen hervor. Dabei kann man rauchen. Aber nur selbstgedrehte Zigaretten. Denn diese gehen gleich aus, legt man sie zur Seite. Zehnmal kann man eine solche Zigarette wieder anzünden. Aber die fertigen rauchen sich von selbst, wenn sie weggelegt werden. Nichts hat man von ihnen. " Wenn aber Romana den Bergschuh über das eiserne Dreibein zieht, die- handgeschmiedeten Randnägel ansetzt und den Hammer hebt, hört das Rauchen auf. Das Nageln verlangt schärfste Aufmerksamkeit. Romana macht gute Arbeit, das ist sein Stolz, alle wissen es, eh bien alle Kunden sind mit ihm zufrieden. Der Hammer versenkt mit exaktem Schwung die Nägel ins Leder. Sein Klingen klettert herrisch und laut über die Melodie der Kanarienvögel, Mücken und der Arve hinaus, die plötzlich ausgelösoht sind, vom Hammer erschlagen, verschlungen vom Schrei des Eisens. Auf dem niedrigen Schustertisch ist das Durcheinander des Handwerkszeugs, der Nageltüten, Lederstücke, Bürsten. An seinem Rand hängen einige Paare eleganter Damenschuhe an den sehr hohen rassigen Absätzen auf. Diese gepflegten Grossstädter aus teurem Leder schweben wie Sterne über dem Chaos aus Bergschuhen, derben Strassenstiefeln, Bauernschuhen am Boden, die auf das Sohlen, Nähen und Benageln warten. Ihre weiche empfindliche Haut litt wohl etwas auf steinigem Pfad oder am nassen Gletscherrand. Romana ist ihnen sehr zugetan. Er lässt sie lange hängen, bevor er ihr Uebel heilt. La vallee est au complet. Es sind viel© feine Damen da. Bei Romana hängen am niedrigen Tisch Eidechsenschuhe, Inzwischen wechseln im Chaos die Elemente. Aber das Chaos bleibt. Und Romana bleibt. Mitten drinnen hockt er auf dem Schemel aus verflochtenen Lederstreifen. Er ist klein, hager, brünett mit schwarzem Lookenkopf, rasch in den Bewegungen. Hinter ihm an der Wand thront ein anderer Romana .unbeweglich: sein Soldatenporträt.. Romana in der Kriegsuniform der Zuaven, die grosse Quaste des Fes auf der Schulter Hegend, an der vorderen Kragenecke eine 9. Die flache Photo-Vergrösserung hat nicht sehr grosse Aehnlichkeit mit ihm. Aber man wittert den cordonnier Romana hinter dem poilu romana. Beide sind gleichzeitig int Blickfeld, tritt man in die Türe. So weiss man sofort Bescheid: Romana hat den Krieg bei den 9. Zuaven mitgemacht. iga retten Vi ruinier