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E_1929_Zeitung_Nr.104

E_1929_Zeitung_Nr.104

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 6. Dezember 1929 Nummer 20 Cfs. 25. Jährgang. — N° 104 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5 , jährlich Fr. 10.-^-. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern tofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. InseTatehschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Zum kommenden Strassenverkehrsgesetz Wie erinnerlich, hat das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement zur Vorbereitung des neuen Automobilgesetzes, oder wie •wir es lieber benennen möchten, Strassenverkehrsgesetzes, einen Fragenbogen an alle Interessenverbände gesandt, dessen Beantwortung es auf Ende dieses Jahres erwartet. Zum Studium dieses Fragebogens hat die Schweizerische Strassenverkehrsliga einen Unterauschuss ernannt, bestehend aus den Herren Dr. von Stürler, Monteil und Dr. Gubler, welcher das weltschichtige Material sorgfältig und gewissenhaft durchgearbeitet hat und heute in der Lage ist, einen fertigen Gesetzesentwurf mit entsprechendem Kommentar der zuständigen Behörde einzureichen. Es wäre unseres Erachten« verfrüht, bereits heute auf alle Details dieses Entwurfes einzutreten, immerhin wird es unsere grosse Lesergemeinde interessieren, ,dle wesentlichen Grundsätze, auf die sich die Kommission geeinigt hat, zu vernehmen. Wir folgen dabei den klaren Ausführungen des Herrn Dr. von Stürler im Schosse, des A. C. S. Bern vom letzten Montag, den 2. Dezember 1929, wobei wir noch hinzufügen möchten, dass der Zentralvorstand des A. C. S. mit allen grundlegenden Erwägungen und Formulierungen der genannten Subkommission einig geht Das allgemeine Gesetz über den Strassenverkehr,.$o wie es von den genannten Herren, redigiert wurde, zerfällt in einen allgemeinen Teil und in besondere Abschnitte über das Motorfahrzeug, die Fahrräder, andere Fahrzeuge, Reiter und Fussgänger, Strafbesrimmungen etc. Der allgemeine Teiil des Entwurfes behandelt den Geltungsbereich des Gesetzes, wobei es denselben auf alle Strassen und Plätze ausdehnen möchte. Für Automobilstrassen verlangt es besondere Vorschriften. Das Hauptpostuilat geht wohl dahin, dass der Bundesrat Durchgangsstrassen öffnen muss und dass einschränkende Bestimmunigen der Kantone nur mit Genehmigung des Bundes, solche von Gemeinden nur mit derjenigen der kantonalen Regierung gestattet werden. Im ferneren werden die Kantone und Gemeinden verpflichtet, die Strassen, zu unterhalten und verkehrserschwerende Gegenstände zu beseitigen. An grundsätzlichen Postulaten werden weiter aufgestellt: die Pflicht der Strassenmarkierung, die Verpflichtung der Bahngesellschaften, ihre Niveauübergänge zweckentsprechend zu bezeichnen, ebenso die klare Bezeichnung der Strassenkreuzung unter deutlicher Angabe der Hauptstrassen und Nebenstrassen. An Ausweisen werden genannt der Fahrzeugausweis und der Führerausweis. Die Gesellsehaftswagenbesitzer sollen besondere Ausweise erhalten. Sie werden verpflichtet, ihre Wagen jedes Jahr einer Prüfung unterziehen zu lassen. Für gewerblichen Personentransport muss der Führer das 22. Altersjahr zurückgelegt haben. Was den Entzug der Ausweise anbelangt, so soll er sich nur auf diejenigen Fälle beschränken, da der Führer infolge gröblichen Verstosses der Verkehrsvorschriften gerichtlich bestraft werden musste. Nur die administrative Behörde soll zum Entzüge des Ausweises befugt sein. Dabei soll der Grundsatz festgelegt werden, dass der Entzug des Ausweises nur nach gründlichem Studium der wirtschaftlichen Folgen vorgenommen werden darf. Zugleich wird ein Beschwerdeweg an eine spezielle Instanz vorgesehen, in denen auch die Automobilisten ihre Vertretung hätten. Bei den Verkelirsvorschriften wurden nur die allgemeinen Grundsätze des Verkehrs berücksichtigt, alle weitern Detailfragen der Vollziehungsverordnung überwiesen. Im Gesetz selbst werden Betriebssicherheit, betriebssichere Führung, die Uebermüdung des Führers, die Anordnung der Verkehrspolizei näher stipul&rt. Ganz allgemein wird die Zeichenigebung da verlangt, wo es die Sicherheit erfordert. Auch die Warnsignale sollen nur dort Verwendung finden, wo es unbedingt nötig ist, wobei die Entscheidung beim Fahrer selbst liegen soll. Für die Lastwagen wird die Luftbereifung vorgesehen, sofern die Ladefähigkeit unter drei Tonnen ist. Der Zeitpunkt des Verbotes der Volligummibereifung wird dem Bundesrate überlassen. Die Bestimmungen über das maximale Gewicht und über die Höchstgeschwindigkeiten werden den Vollziehungsverordnungen schwindigkeit ganz allgemein anbelangt, so wird im Gesetze niedergelegt, dass die Fahrzeuiglenker, den Verhältnissen entsprechend, vorsichtig zu fahren haben und den Wagen jederzeit beherrschen sollen. An den Bestimmungen des Ausweichens und Vorfahrens wurde nichts geändert. Was die Haftpflicht anbelangt, so sieht der Gesetzesentwurf grundsätzlich das Verursachungsprinzip oder die Ursachhaftung vor, lehnt dagegen die verschärfte Elektrizitätsverursachungshaftung entschieden ab. Der Automobilist darf auf jeden Fall nicht schwerer behaftet werden als die Eisenbahn. Die Anlehnung an die Eisenbahnhaftpflicht hätte den Vorteil, dass bereits eine grosse bundesrichterliche Praxis vorliegt und dass die Gerichte hierüber orientiert sind. Die in Aussicht stehende erhöhte Versicherungsprämie würde bei dieser Regelung einigermassen limitiert. Alls Gerichtsstand ist der Wohnsitz des Automobilisten vorgesehen, für den Ausländer der Tatort des Unfalles, Selbstverständlich sollen auch bei der Ursachhaftung gewisse Ausnahmefälle stipuliert werden. Die Kommission erklärt sich übrigens mit den vorgeschlagenen Versicherungssummen einverstanden. Diverses. Erwähnenswert ist bei dieser Gelegenheit, dass die. Radfahrer weder vom Kontrollschilde noch von Abgaben mehr etwas wissen wollen. Bleiben ihre Begehren unerhört, so drohen sie mit dem Referendum. Die Verkehrsbestimmungen für die Radfahrer, für die übrigen Fuhrwerke, für Reiter ete,..sind die gleichen wie für die Automobilisten. Dass jedes Fuhrwerk seine gut funktionierende Bremse und bei einbrechender Dunkelheit sein Schlusslicht mitführen soll, ist selbstverständlich. Den .Fussgängern wird vorgeschrieben, die Fahrbahn tunlichst zu vermeiden, und wo keine Trottoirs oder besondere Fussgängerstreifen vorhanden sind, die äusserste Strassenseite zu benützen und dabei sich ebenfalls allen Verkehrsbestimmungen zu unterziehen. Im Kapitel «Strafbestimmungen» werden besondere bis heute noch fehlende Bestimmungen über Automobil-Diebstähle ins Auge gefasst. Das Fehlen eines Ausweises soll nicht zur Busse führen, wenn der Führer ihn innerhalb nützlichster Frist den Behörden vorweisen kann. Nur die grobfahrlässige Handlung soll bestraft werden, überwiesen. Was die Ge- wobei der bedingte Straferlass vorgesehen ist. Die Kommission stellt zum Schlüsse das Postulat, es sei zur Prüfung der aktuellen technischen und Verkehrsfragen eine beständige schweizerische Fachkommission zu ernennen. Aus der Bundessession Anlässlich der Eröffnung des Nationalstes hat der abtretende Präsident, Nationalrat Walther, leider auch das Demissionsschreiben des Herrn Bundespräsidenten Haab verlesen müssen. Er hat dabei die Gelegenheit benützt, um dem abtretenden Magistraten für die grosse geleistete Arbeit den Dank des Parlamentes und des Landes auszusprechen. Die mächtige Ovation, die der Rat Herrn Bundesrat Haab darbrachte, war wohl in allen Teilen verdient. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre vor allem, sodann auch andere hier nicht näher zu erörternde Momente haben die Bundesbahnen in schwere Verschuldung gebracht. Es ist das hohe Verdienst des derzeitigen Bundespräsidenten, die notwendige Sanierung mit Zielsicherheit und Weitblick eingeleitet zu haben. Zum letzten Male hat Herr Bundesrat Haab" in einem meisterhaften Votum den Voranschlag seiner Bundesbahnen verteidigt. Ohne Phrase, mit feinem Humor und wie immer mit grosser Sachlichkeit hat er dies getan. Der Bauvoranschlag der Bundesbahnen umfasst für das Jahr 1930 79,3 Millionen Franken, d. h. 28 Millionen mehr als im Jahre 1929. Dieser Mehrbedarf an Baukapital rührt von dem seit dem Jahr 1927 um 10 % angestiegenen Personen-, Güter- und Zugsverkehr her, der ja natürlich einen entsprechenden Ausbau der Bahneinrichtungen bedingt. Der Betriebsvoransehlag sieht Einnahmen von 413,7 Millionen Franken und Ausgaben von 283,2 Millionen Franken vor, so dass der mutmassliche Betriebsübersehuss demjenigen des Jahres 1927 entsprechen dürfte. Der Voranschlag der Gewinn- und Verlustrechnung weist 152,9 Millionen Franken Einnahmen und 150,3 Millionen Franken Ausgaben auf, budgetiert also mit einem Ueberschuss von 2,6 Millionen Franken. Die Zahlen beweisen, dass die Schweizerischen Bundesbahnen aus dem Dunkel ins Licht fahren und dass demzufolge ihre weitere Entwicklung sichergestellt sein dürfte. Die Zahlen beweisen aber auch, dass für die Eisenbahnen nicht in erster Linie das Automobil, sondern die wirtschaftliche Lage des Landes und des Kontinents ausschlaggebend sind. Der Aufschwung des Automobils in den letzten Jahren hat die Reiselust und den Verkehr in der Bevölkerung derart vermehrt, dass er unbedingt, wenn auch nur indirekt, den Bahnen zugute gekommen ist. Heute sind wir soweit, dass ohne das Automobil der grosse Verkehr gar nicht bewältigt werden könnte. Nach den vielen vorgekommenen Unfällen Die Tarnmaschine Unveröffentlichter Roman von Paul Gerhard Lau. (7. Fortsetzung und Sohluss) 9. KAPITEL. Dr. Boreis Ende. Doch Dr. Borel kam nicht zur Ausführung seines Vorhabens. Vor seiner Villa hielten knatternd mehrere Kraftwagen. Dr. Borel sprang zum Fenster und sah im Schein der Strassenlaternen die blitzenden Knöpfe und Waffen der Polizei. «Das gilt mir!> schrie er und humpelte zum Lichtschalter. Eine Drehung und die Villa lag in völlige Dunkelheit gehüllt. Mit einem Satz sprang er zu einem breiten Schaltbrett, riss einen Hebel herunter und ein ohrenbetäubendes Klingeln setzte im ganzen Hause und im Garten ein. Wiederum stürzte er zum Fenster zurück. Der Garten war völlig dunkel. Nur der Zaun, der die Villa umschloss, war taghell erleuchtert. Ein riesiger Scheinwerfer, der sich auf dem Dache des Hauses befand, warf seine Lichtfülle gleichsam wie ein Schutzwall den Angreifern entgegen. Und in dieser blendenden Helle sah Dr. Borel mehrere Polizeibeamte, die den Zaun zu überklettern versuchten, wie vom Blitz getroffen zusammenbrechen. «Ein Glück, dass die Stromleitung funktioniert!» rief er. «Es wird eine Weile dauern, bis sie diese Leitung zerstört haben.» Wie ein Wahnsinniger riss er sich die Kleider vom Leib und sprang in die Tarnmaschine. Mit zitternder Hand führte er die Kanüle in seinen Körper. Nach einigen Minuten sprang er aus der Maschine heraus. Ein Blick genügte, um festzustellen, dass er tatsächlich unsichtbar war. Er stürzte an das Fenster. Laute Kommandos ertönten, Schüsse krachten, die Polizeibeamten suchten das Schloss des Gartentores zu zerstören. Gleichzeitig wollten sie den Scheinwerfer durch heftiges Schiessen vernichten. Dr. Borel stellte durch einen Blick fest, dass noch niemand in den Garten eingedrungen war. Krächzend eilte er in sein Schlafzimmer und öffnete den Geldschrank. Ein guter Teil seines Vermögens befand sich hier in barem Gelde aufgespeichert. Hastig stopfte er die Scheine in eine Ledertasche und hing sie um seine Schulter. Dann stürzte er wieder in das Laboratorium zurück. Ein rasendes Feuer hatte inzwischen auf die Villa eingesetzt. Die Angreifer hatten bisher nicht vermocht, den Gartenzaun zu übersteigen. Krachend zersprangen die Fensterscheiben. Dr. Borel konnte sich nur noch gebeugt in seinem Laboratorium bewegen, da die einschlagenden Geschosse ihn sonst getroffen hätten. Schon wollte er an die Tarnmaschine Feuer legen, als sein Blick auf Hilde Kley fiel. «Und wenn alles zum Teufel geht,» schrie er wild auf, «so musst du doch mit mir gehen, du, um die ich alles wagte.» Er warf sich zu Boden und suchte aus seinen Kleidern, die zerstreut herumlagen, den Schlüssel zu Hilde Kleys Käfig. Und während unten das laute Knattern der Kraftwagen und das durchdringende Klingeln der Feuerwehr Verstärkung ankündigte, zerrte er seine Gefangene aus dem Käfig heraus, riss ihr die Kleider vom Leibe und schleppte sie in die Tarnmaschine. «Noch drei Minuten Zeit,» ächzte er, «dann sind wir beide unsichtbar.» Und der Versuch glückte ihm. Nach wenigen Minuten schleifte er, am Boden kriechend, Hilde Kley aus dem Laboratorium her- .aus bis zum Treppenhaus. Dann eilte er zurück und legte an mehreren Stellen Feuer an. Zuletzt riss er den Hebel am Schaltbrett wieder hoch und in demselben Augenblick krachten drei Maschinengewehre, die in den Keller eingebaut waren, auf die Angreifer. Doch das währte nur einige Sekunden, dann verlosch der Scheinwerfer, das ohrenbetäubende Klingeln der Alarmglocken verstummte und die Villa lag still und tot da. Einen Augenblick waren die Polizeimannschaften überrascht, doch dann stürzten sie auf die Eingangspforte des Gartens. Die elektrische Stromleitung wirkte nicht mehr und nach einigen wuchtigen Hieben gegen das Schloss, sprang die Pforte auf. Inzwischen hatte Dr. Borel seine Gefangene bis in den Keller geschleppt. Hier riss er eine schwache Holztür auf und zerrte Hilde Kley bis an ein kleines Fenster. : Unter Aufgebot seiner ganzen Kraft schob er sie durch das Fenster hinaus und kletterte dann ebenfalls nach. Einige Schritt von ihm entfernt stürmten die Polizeibeamten in das Haus. Noch einmal nahm Dr. Borel seine ganze Kraft zusammen und lud Hilde Kley auf seinen Rücken. Keuchend unter der Last schwankte er über die Blumenbeete bis zu dem Haupteingang. Die Tore waren aufgesperrt und von Polizisten besetzt. Ratlos hielt er einen Augenblick an, doch da war ihm das Glück noch einmal hold. Denn im nächsten Augenblick schlugen die Flammen hell aus seiner Villa heraus. Die Polizeimannschaften wichen erschreckt zurück und unbemerkt drängte sich Dr. Borel auf die Strasse hinaus. Doch ein neues Hindernis stellte sich ihm entgegen. In einer bestimmten Entfernung hatte die Polizei die Strasse gesperrt. Sollte er es wagen sich auch hier durchzudrängen? Unmöglich! In seiner höchsten Not wolte er schon versuchen, seine Gefangene über einen Gartenzaun zu setzen und nachzuklettern, als er den Kraftwagen des Polizeimajors erblickte. Er überlegte: die Nachbarhäuser waren sicher auch alle besetzt