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E_1930_Zeitung_Nr.001

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 3. Januar 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jahrgang. — N° 1 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich FV. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Fiskus und Motorfahrzeugwesen Noch vor zehn Jahren spielten die Motorfahrzeuge im Finanzhaushält von .Bund und Kantonen keine sehr bedeutsame Rolle. Die bezüglichen Einnahmen hielten sich in bescheidenen Grenzen und erst in den folgenden Jahren setzte dann der grosse Beutezug auf die Taschen der Automobilisten und Motorrädfahrer ein. Die Steueransätze wurden nach und nach erhöht und für die Kantone lukrativer gestaltet, der Benzinzoll wurde, indem man sich bedenkenlos über alle verfassungsrechtlichen Ueberlegungen hinwegsetzte, ins Masslose gesteigert. Die allgemeine Tendenz ging in den letzten fünf Jahren dahin, möglichst viel aus den Motorfahrzeugbesitzern herauszuholen und den Strassenunterhalt fast vollständig auf diese abzuwälzen, obwohl unsere Wege und Strassen ja auch noch von anderen Strassenbenützern frequentiert werden, die keine speziellen Abgaben hierfür entrichten, sondern nur ihre normalen Kantons- und Gemeindesteuern bezahlen. u i T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. Deutsches Recht beim Verlag Georg Müller in München. (4. Fortsetzung) * Sie kannten ihn ja von früher,» meinte 'der Mediziner zu mir; «vielleicht haben Sie irgendeinen Gedanken oder — > «Ich kannte ihn nur oberflächlich,» erwiderte ich; «im ganzen habe ich ihn etwa zwei- bis dreimal getroffen, infolgedessen kann ich auch keine Auskunft geben.» Konnte es wohl ein Raubmord sein? Kaum; sowohl der Mediziner.als auch ich hatten bemerkt, dass sein Diamantring und seine goldene Uhrkette vorhanden waren. Nun trat die Wirtin hinzu und teilte uns mit, dass das Bett des Forstmeisters in der vorigen Nacht unberührt geblieben war. Er war also während der Nacht überhaupt nicht daheim gewesen. Demnach war der Mord möglicherweise bereits am Abend zuvor geschehen. Hierüber war der Mediziner offenbar einigermassen betreten. « Das hätte ich eigentlich aus der Spur sehen können,» brummte er, «denn es hat ja in der Nacht geregnet Wann fing es an zu regnen? » Die meisten meinten, dass der Regen um Mitternacht angefangen hätte. Der Mediziner sah mich an. «Ihnen scheint etwas eingefallen zu sein,» sagte er. Zu diesem grossen Appetit des Kantonsund Bundes-Finanzhaushaltes hat selbstverständlich die rapide Zunahme des Motorfahrzeugbestandes unseres Landes in stärkstem Masse beigetragen. Die Erhöhung der Steueransätze einerseits und die starke Vermehrung der Motorfahrzeuge brachten Bund und Kantonen Einnahmen ins Quadratische übersetzt. Und wenn z. B. der Kanton Zürich allein aus Motorfahrzeugsteuern im Jahre 1928 eine Einnahme von über 4,3 Millionen Franken verbuchen konnte, so sagt dies genug, und ein solches Erträgnis wäre noch vor wenigen Jahren als wenig wahrscheinlich gehalten worden. Es ist ja vielleicht auffallend, dass angesichts dieser rapiden Zunahme der Erträgnisse aus Motorfahrzeugsteuern der Ruf nach einem Abbau bis heute noch nicht laut geworden ist. Man ist heute in einigen Kantonen bereits so weit, dass die gesamten Ausgaben für den Unterhalt und die Verbesserung des Kantonsstrassennetzes aus den alljährlichen Einnahmen aus dem Motorfahrzeugverkehr gedeckt werden können, so dass der erwähnte Steuerabbau eigentlich gerechtfertigt wäre. Wenn dies bis anhin von den Motorfahrzeugverbänden noch, nicht in die Wege geleitet worden ist, so w.ohl darum, weil man vorläufig den vollständigen Ausbau des Strassenetzes und dessen Anpassung an den modernen Verkehr nicht unterbinden wollte und die Erreichung dieses Zieles vorerst als wichtiger hielt. Man wird aber 'die Weiterentwicklung der Sache nicht ausser acht lassen und früher oder später die nötigen Schritte zu einem Steuerabbau in die Wege leiten müssen. Dass die Aussichten einer bezüglichen Abstimmung in den einzelnen Kantonen keine schlechten sind, dürfte mit der zunehmenden Motorisierung des Verkehrs wohl sicher sein. I. Die Einnahmen der Kantone. ; Diese setzen sich aus folgenden Posten zusammen: Einnahmen aus Motorfahrzeugsteuern, Einnahmen aus Gebühren für Erteilung Kantone Aargau Appenzell A.-Rh. Appenzell I.-Rh. Baselland Baselstadt Bern Fribourj; Genf Glarus Graubünden. Luzern Neuenburg Nidwaiden Obwalden St. Gallen Schaffhausen Schwyz Solothurn Tessin Thurgau üri Waadt Wallis Zug Zürich jt *) Inkl. Gebühren für Fahr- und Verkehrsbewilligungen. •) Inkl. Alpenstrassentaxen. 8 ) Inkl. andere Gebühren aus Motorfahrzeugverkehr. Total Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern « Ja,» antwortete ich, « der Regen begann ziemlich genau um ein Uhr.» « Woher wissen Sie das? » «Ich war gerade noch auf und hörte die ersten schweren Tropfen fallen. Ich kann Ihnen, meine Damen und Herren, weiter erzählen, dass ich zwischen elf und elfeinhalb Uhr über die Heide gegangen bin.» «Hörten Sie da etwas?» «Ich hörte einen Wagen weit entfernt auf einem Wege einherrollen, das war alles. » « Kamen Sie von dem Edelhof?» «Ja, ich kam von Gjaernaes. — Wer hat ihn zuletzt bei Lebzeiten gesehen?» fragte ich plötzlich. Die Antworten fielen ganz verschieden aus. Einige hatten ihn gestern beim Abendessen gesehen, die Wirtin sah ihn, als er eine Stunde später auf-sein Zimmer ging, eine der Damen hatte ihn um halb zehn Uhr im Jagdanzug mit der Büchse über der Schulter erblickt, als er ausgehen wollte; er hatte die Dame freundlich gegrüsst und ein paar Worte darüber verloren, dass es bald regnen würde, wobei er nach dem Himmel zeigte und sagte: « Sehen Sie, Fräulein, wie die Lämmerwölkchen fliegen, das ist eine Regenbö, die sie vor sich hertreibt. » « Aber Sie,» sagte der Mediziner. « Sie haben ihn doch wohl noch später gesehen?» «Um halb elf Uhr,» antwortete ich, « sah ich Forstmeister Blinde zum letzten Male in seinem Leben.» Ich erzählte nun, was mir am Abend vorher begegnet war; dass ich Blinde aus dem Hauptgebäude von Gjaernaes herauskommen und über die Heide verschwinden sah. Dabei gab ich eine sehr vorsichtige Darstellung des und Erneuerung der Verkehrs- und Fahrbewilligungen, für Abnahme der Fahrzeuge und Ablegung der Fahrprüfung, aus der Abgabe der Polizeinummern und Nationalitätsschilder. Dazu kommen noch, zwar letztmalig für das Jahr 1928, die Einnahmen aus den Alpenstrassentaxen, die nun ja mit dem 1. Januar 1929 erfreulicherweise in Wegfall gekommen sind. Ueber alle diese Posten enthalten die kantonalen Staatsrechnungen jeweils die nötigen Angaben, während über einen weiteren Einnahmeposten, die Erträgr nisse der Motorfahrzeugbussen, leider nur in wenigen Kantonen zuverlässige Resultate erhältlich sind, so dass man über diesen Punkt noch auf Schätzungen angewiesen ist. Neu kommt für das Jahr 1928 für die Kantone noch dazu deren Anteil aus den Erträgnissen des eidgenössischen BenzinzoMs, welcher sich bekanntermassen in völlig ungenügender Weise nur auf 25 Prozent beläuft. Und letzten Endes bekommen noch einige Geibirgskantone spezielle Bundessubventionen für den Unterhalt der Alpenstrassen. Motorfahr. Bergstrassen. *%?*%%££? Total 1928 > Total 1927 Zunahme zeugsteuern laxen zengverkeiir Fr. Fr. Fr. Fr. Fr. Fr. 1165 41195 — 41,529.— l,206,94P95 1,140.467.— 66,473.95 110 607- - 989.-, 111,596.- 95,079.70 16,516.30 jl'l88— — — 11,186.— 15,272.-*) 4,086.— 376777 65 1 ) - — 5,079.50 380,857.15 324,045 65 56,811.50 620594 — — 117,653.— 738,247.— 619,197.65 119,049.35 2 638259—") — 545,562.50 3,183,821.50 2,941,608.40 242,213.10 288 896— ••- — 288,896.— 256,644.50 32,251.50 1365*297 40 — 195,565.25 1,560,862,65 1,429,263.— 131,599.65 ' 9083820 29921:90 3,991.— 124.751.10 106,711.40 * 18,039.70 200000—*) 240,000.-, — ' 440,000.—») 316,175.— 123,825.— 710000— -> 26,000— 736.000.—») 620,000.— 116,000.— 582'l5170 — 63,302.50 645,454.20 665,643 60 89,810.60 3085515 59,611.30 481.50 90,947.95 73,260.65 17,687.30 19082— 89,234.^ — 108.316.— ' 87,448.-, 20,868.— 1077 533 90 3 ) — — 1,077,533.90 907,320.— 170,213.90 ' 170 003 75 —i 80,367.65 200,371.40 154,844.25 45,527.15 127 749— — 8,027.— 135,776.— 110,000.-, 25,776.— 613 228 40 — 138.369.15 751,597.55 516,698.— 234,899.55 701000— 28,000.-^ 46,000.— 775.000—"F 637,000.— 138,000.-. 872 060 40*) — — 872,060.40 749,12140 122,939.—. 33492.— 329,068.— — 362,560.— 271,454.—' 91,106.— 1,146569.— — 220,258.50 1,366.827.50 1,126,209.— ' 240 618.50 216 654 90 170,000.— 24,886.70 411,541.60 354,000.— 57,541.60 118.802.50 — 13.524.50 132,327.— 112,880 50 19 446.50 _ _ u _ A B H nA> AM *«*•**«»•#*# AA t\e\r\ r*^n **t* 4P^44EA4/\E/\ nn4OQCOnr£ •) Inkl. Einnahmen aus Fahrradverkehr und andere Gebühren aus Motorfahrzeugverkehr. 5 ) Inkl. Einnahmen aus Fahrradverkehr. ") Diese Kantone machten ihre Angaben nur int abgerundeten Zahlen. Sachverhalts und erwähnte insbesondere nicht, dass der Forstmeister aus den Zimmern von Fräulein Hilde gekommen war. Als ich geendet hatte, sassen meine Zuhörer lange stumm und nachdenklich da. Die Damen sahen einander scheu an und der Mediziner bemerkte: «Es ist allerdings verwunderlich, dass Sie nicht in den Hof eingelassen wurden, der junge Gjaernaes ist doch sonst ein geselliger Mensch.» «Ich hatte den Eindruck,» erwiderte ich, « als ob etwas Ungewöhnliches auf dem Hofe vorginge. Der Verwalter sah ganz verstört aus und seine Stimme war auffallend ernst, als er mir den Zugang zum Hause verweigerte. Ich glaube, dass ich auf die eine oder airdere Weise im höchsten Grade ungelegen kam, bin aber sicher, dass der Grund hierfür nicht, in meiner Person lag.» « Meinen Sie, dass da irgend etwas auf dem Hofe vorging? » « Ja, das meine ich allerdings.» «Aber sahen Sie nichts Aussergewöhnliches? » «Nein, ebensowenig hörte ich etwas. Aus dem Lichtschein, der von Zimmer zu Zimmer flackerte, konnte ich jedoch schliessen, dass im Hause eine gewisse Unruhe herrschte.» Der Mediziner brummte etwas davon, dass man den Tod des Forstmeisters vielleicht mit der auffallenden Erregung in Verbindung bringen könnte, die offenbar in dem sonst so ruhigen Edelhofe entstanden war. «Wie sah Blinde gestern abend aus? War er erregt?» « Keineswegs,» erwiderte ich, « er war ruhig wie gewöhnlich. Sein Qesicht drückte INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. InseTatensehluss 4 Tage vor Erseheinen der Kammern Es ist nun von besonderem Interesse, einmal feststellen zu können, wie hoch sich all diese Erträgnisse der Kantone aus dem Motorfahrzeugverkehr belaufen. Wie schon betont, liegen über die Einnahmen aus Motorfahrzeugsteuern und -gebühren zuverlässige, genaue Angaben vor. Darnach stellten sich diese Erträgnisse, einschliesslich die Einnahmen aus den Alpenstrassentaxen, wie folgt: 1919 Fr. 890.430.— 1923 Fr. 7.447.030.— 1920 Fr. 2.017.340.— 1924 Fr. 9.029.137.— 1921 Fr. 4.137.090.— 1927 Fr. 17.115.610.— 1922 Fr. 5.546.970.— 1928 Fr. 20.028.969.— Für die Jahre 1925 und 1926 liegen leider keine Zusamenstellungen vor, so dass für diese beiden Jahre die nötigen-Vergleichsziffern fehlen. Das Jahr 1928 stellt mit einem Erträgnis von über 20 Millionen Franken einen Rekord dar und beträgt die Zunahme gegenüber dem Vorjahr Fr. 2,913,359— oder rund 17 Prozent. Gegenüber dem Jahre 1919 hat sich das Total dieser Einnahmen aus den Steuern und Gebühren mehr als verzwanzig» facht. Der Totalibetrag von Fr. 20,028,968.75 verteilt sich . auf die drei Einnahmearten wie folgt: Motorfahrzeugsteuern: 17,375,729.55 Franken, Bergstrassentaxen: Fr. 945,835.20, andere Gebühren: Fr. 1,707,404.—. Das Hauptkontingent wird somit von den Motorfahrzeugsteuern gestellt, wo der Kanton Zürich mit Fr % 4,089,600.— weitaus an der Spitze steht. An zweiter Stelle folgt Bern mit Fr. 2,638,259.—, dann Genf mit 1,365,297 Franken und an vierter Stelle aufallenderweise Aargau mit Fr. 1,165,411, was auf die hohen Steueransätze im « Rüebliland *• zurückzuführen ist. Die Bergstrassentaxen kamen 1928 nochi für acht Kantone in Betracht. Wenn man hier sieht, dass Uri ein Erträgnis für Fr. 329,068.— aufzuweisen hatte und Graubünden ein solches von Fr. 240,000.—, so wird man verstehen, wenn beide Kantone alle Anstrengungen unternehmen, um den Anteil der Kantone an Benzinzoll energisch zu erhöhen, da ihnen durch den Ausfall der Alpenstrassentaxen ein ganz beträchtlicher Einnahmenausfall erwächst. Die «andern Gebühren» aus dem Motorfahrzeugverkehr machen mit 1,707,404,000 Franken rund zehn Prozent der Motorfahrzeugsteuern aus. Man kann sich hierbei des Eindruckes nicht erwehren, dass diese Ge- nicht die geringste Aufregung aus; er zündete sich seine Pfeife an, als er zehn Schritte von mir entfernt stehenblieb, gerade bei den grossen Birnbäumen; das Streichholz flammte dicht vor seinem Gesicht auf, so dass ich jeden Zug in demselben sehen konnte. Nein, er war sehr ruhig...» In dieser Weise ging das Geschwätz den ganzen Nachmittag. Das rätselhafte Verbrechen brachte uns in solche Verwirrung, dass dieselben Fragen unaufhörlich wieder auftauchten. Hierzu tat die Phantasie das ihrige. Kleine Unwahrscheinlichkeiten begannen aufzutauchen, eine gewaltige Nervosität hatte die Damen ergriffen, die kaum essen konnten, an den schmackhaftesten Gerichten herumstocherten und die Milchgläser halb gekert stehen liessen, so versessen* waren sie darauf, sich zu dem gruseligen Gespräch immer wieder zusammenzufinden. Was hatte der Forstmeister auf Gjaernaes noch so spät am Abend gewollt? Mit einem heimlichen Blick in zwei Damenaugen fing es an, ein verkniffenes Lächeln kam hinzu, das ein ungewöhnliches Wissen verriet, und schon war der Roman in vollem Gange. Der Forstmeister und Fräulein Hilde waren oft miteinander gesehen worden. Der Himmel mochte wissen, was Blinde hier auf dem Lande zu suchen hatte, wenn es ihm nicht lediglich darum zu tun war, Fräulein Hilde zu treffen, er. der doch sonst seine Wälder hatte, die gross genug waren, um in ihnen umherzulaufen. Ich hatte absichtlich Hildes Namen verschwiegen, denn ich kannte das Talent der Damen, sich mit ihren Mutmassungen in einer bestimmten Richtung zu bewegen. Gerade aus diesem Grunde unter-