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E_1930_Zeitung_Nr.005

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Freitag 17. Januar 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jahrgang. — N° 5 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sotern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnuns 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Tagesfragen O Bundeshaus! Die Eidgenossenschaft besitzt ein grosses Bundeshaus mit einem schönen und weiten Bundesplatz, ausserordentlich gut geeignet, um gewaltige Demonstrationsversammlungen zu inszenieren und grosse Reden an das Volk zu halten. Dienstags und Samstags verkaufen die braven Berner Bauernfrauen ihre Sellerie, Rüben, Kartoffeln und dergleichen mehr. Wenn der Platz zu solchen Zwecken nicht verwendet wird, so stehen in Viererbis Achterkolonne die Automobile aus allen Gegenden der Schweiz da, bieten einen imposanten Anblick und fühlen sich selbst auf ' diesem Platze sehr wohl. Die Zu- und Abfahrten sind ausgezeichnet, dem Automobilisten ist es vergönnt, in den Kern der Stadt zu fahren und von hier aus seine Geschäfte zu erledigen. Doch auch hier bewahrheitet sich der * Spruch Schillers: «Mit den Schicksalsmächten ist kein ewiger Bund zu flechten und das Unglück schreitet schnell.» Der ideale Parkplatz soll den Automobilisten und der Stadt "Bern genommen werden. Warum? Das wissen wir selber nicht. Wir haben uns lange über den Grund des Verbotes den Kopf zerbrochen, sind aber leider zu keiner plausiblen Antwort gekommen. Wohl, verstanden, nicht etwa die städtische Polizeidirektion Bern, s- der'; ,jw .eidgenössische .^"udirektion, in Verbindung mit dem eidgenössischen Depar- tement des Innern haben den Bundesplatz als Parkierungsmöglichkeit abdekretiert. Es scheint also, dass sich Automobil und Bundeshaus miteinander nicht vertragen. Zugegeben. Das Automobil unterscheidet sich vom Bundeshause, sofern der Vergleich gewagt werden darf, durch seine modernere und rassigere Linie, durch seine bedeutend grössere Geschwindigkeit und Beweglichkeit, durch seine Kraft und seine technische Einfachheit. Es mag nun sein, dass das ältere Bundeshaus mit seiner Kompliziertheit, seinem viel langsameren Tempo und seiner Umständlichkeit das rieueste Verkehrsvehikel als beständigen Gewissensruf nicht recht zu vertragen versteht, weshalb es diesen Ausdruck moderner Kultur und Technik aus seinem Gesichtskreise zu bannen versucht. Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (8. Fortsetzung) Sein ganzes Auftreten war in diesem Augenblick so auffallend, dass ich äusserst betroffen war. Es fuhr mir durch den Kopf: Was muss Asbjörn Krag davon denken? Er kommt hierher, um einen rätselhaften Mord aufzuklären und hat bei den Menschen, die er bisher sprach, nur Abscheu und Schrecken über die Tat gesehen. Nun kommt er auf diesen Hof, wo er über das Tun und Treiben des Unglücklichen während der letzten Stunden vor seinem Tode einige Aufklärungen zu finden hofft. Er trifft Gjaernaes' Verwalter und staunt über das unglückliche und niedergedrückte Aussehen des Mannes. Auch der Besitzer des Hofes selbst benimmt sich derart, dass man annehmen muss, er sei erst ganz kürzlich von einem schweren, nicht wieder gut'zu machenden Unglück betroffen worden. Niemals habe ich noch einen Menschen so niedergeschlagen, so tiefunglücklich gesehen wie Gjaernaes! Schon ein weniger seltsames Verhalten musste bei einem Fremden den bestimmten Argwohn aufkommen lassen, dass die Leute auf dem Hofe, der Besitzer wie auch der Verwalter, mehr von dem Verbrechen wüssten als wir andern. Asbjörn Krag sieht ihn an und stutzt. Gjaernaes läuft anfanzs vor dem Detektiv im Zimmer auf und Es scheint, dass die städtische Polizeidirektion und der Gemeinderat Berns gegen die bundeshäusliche Auffassung nicht aufgekommen sind. Die erstere Instanz sieht sich deshalb gezwungen, an die Automobilisten, welche vor dem Bundeshaus ihre Wagen parkieren, folgendes Zettelchen in die Hand zu drücken: «Gestützt auf eine Servitut zugunsten der Eidgenossenschaft haben sowohl die eidgenössische Baudirektion als das eidgenössische Departement des Innern an die Behörden der Stadt Bern das Begehren gestellt; auf dem Bundesplatze und dessen nächsten Umgebung inskünftig keine Fahrzeuge mehr parkieren zu lassen. Trotzdem die Verhältnisse bezüglich Parkplätze in der Stadt ungünstig sind, war der Gemeinderät, gestützt auf den sogenannten Tauschvertrag vom 20. August 1902, gezwungen, dem Begehren der eidgenössischen Behörden nach Möglichkeit (!) zu entsprechen. Die städtische Polizeidirektion verfügt: «1. Der Parkplatz Inselgasse wird aufgehoben. 2. Auf dem Bundesplatz und an der Theodor-Kochergasse ist das Parkieren von Fahrzeugen Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonntag untersagt. 3. An den Nachmittagen der Markttage Dienstag und Samstag ist ein Parkieren von Fahrzeugen auf dem Bundesplatz und an der Theodor- Kochergasse vorläufig noch gestattet. 4. Die aufgestellten VeTbottäfeln sind zu beachten. Den Weisungen der Polizeidirektion bezüglich das Parkieren ist- Folge zu leisten.» ab; dann versucht er, sich zu beherrschen, sich zu einer gewissen Ruhe zu zwingen und bleibt unbeweglich im Zimmer stehen, so ruhig, dass nicht einmal seine Fingerspitzen sich rühren oder seine Augen blinken. Ich kenne diesen Zustand, wenn einen die Nervosität geradezu zur Ruhe zwingt, während einem alle Nerven wie glühende Stränge brennen. «Forstmeister Blinde verliess diesen Hof gegen elf Uhr vorgestern abend,» begann der Detektiv. «Im Hotel wurde er um neun Uhr gesehen. Man hat also Grund zu der Annahme, dass er sich bei Ihnen etwa anderthalb Stunden aufgehalten hat. Ist das richtig?» «Ja, das stimmt.» «Welche Absicht verfolgte er mit seinem Besuche?» «Er kam in einer wichtigen Angelegenheit.» «In einer sehr wichtigen?» «Ja, er hielt um die Hand meiner Schwester an.» Auf diese Antwort folgte ein bedrückendes, mehrere Sekunden währendes Stillschweigen. Dann fragte Asbjörn Krag weiter: «War Blinde glücklich, als er hier fortging, oder unglücklich?» «Ich vermute,» erwiderte Gjaernaes, «dass er ausserordentlich glücklich war, denn er liebte meine Schwester sehr und sie hatte sich mit ihm verlobt.» Ich wartete nicht ab, welche Wendung der Detektiv dem Gespräch geben wollte, sondern warf dazwischen: Soweit der Erlass der städtischen Polizeidirektion Berns, die durch diese salomonische Verfügung des tit. bundeshäuslichen Bureaukratismus selbst wohl in die ärgste Verlegenheit gerät. Denn das schöne, alte Bern besitzt leider keine Parkplätze im Ueberfluss. Ganz besonders im Zentrum der Stadt fehlen die grossen Plätze, welche sich zu diesem Zwecke eignen würden. Infolge dieses Mangels ist heute denn auch die ei*- gentliche City der Stadt zu einem Parkplatz geworden, indem an gewissen Tagen beinahe sämtliche Neben- und Hauptstrassen von Automobilen überfüllt sind, ein Umstand, der selbstverständlicherweise den Verkehr in allerärgster Art hemmt und den Geschäftsinteressen in keiner Art und Weise förderlich sein kann. Leider fehlt es auch an eigentlichen Grossgaragen. Diesbezügliche gute Projekte wurden von interessierten kurzsichtigen Kreisen einfach abgemurkst. Nachdem nun auch der Bundesplatz als Parkierungsmöglichkeit verloren geht und scheints nur Volksaufläufen und Demonstrationen reserviert bleiben soll, wird die Frage solcher Möglichkeiten im Kernpunkt der Stadt Bern selbst neuerdings zu einer akuten Frage, die im Interesse des bernischen Geschäftslebens so rasch als möglich gelöst werden sollte. Strassenunterhaltungskosten. Dann und wann glaubt ein halb- oder ganzamtlicher Journalist unserer Bahnen, einen guten Stein gefunden zu haben, mit dem er jeweilen versucht, einen Volltreffer in die Automobilgemeinde zu erzielen. Gewöhnlich ist der Stein aber mürber Sandstein, der auseinanderbröckelt, bevor er das Ziel erreicht hat. So auch diesmal wieder. Gestützt auf die Publikation der schweizerischen Strassenfachmänner, die sich mit den Strassenunterhaltungskosten im Jahre 1927 beschäftigt, erlässt Herr W. M. einen Kommentar, mit dem er den Nachweis erbringen möchte, dass gut die Hälfte der enormen Kosten die nichtmotorisierten Bürger bezahlen müssten. Das ist ein gar schrecklicher Fund, nicht wahr? Denn wir müssen schon annehmen, dass Herr W. M. nicht die schön asphaltierten Strassen und die breit angelegten Trottoirs zu seinem persönlichen Fortkommen erwählt, sondern geflissentlich Feldwege, Aecker und Wiesen* oder dann das Gratisabonnement der Bahn zu seinem persönlichen Verkehr benützt. Daneben gibt-es aber so und soviele Tausende von Fuhrwerken, Karren und Kinderwagen, nebst Tausenden von Fussgängern, die eine staubfreie, ebene und glatte Fahrbahn als höchst bequem und nutzbringend finden. Dass die Mehrheit un- «Sagte er vielleicht, ehe er fortging, etwas davon, dass er Feinde hätte?» «Ich glaube mich zu entsinnen, dass er so etwas erwähnte.» Asbjörn Krag beobachtete mich forschend von der Seite und liess mich in meinen Fragen fortfahren: «Nannte er Namen?» «Nein, das tat er nicht. Er war so glücklich und zufrieden, dass der Gedanke an seine Feinde nur ganz vorübergehend einen Schatten auf seine Gemütsverfassung hätte werfen können. Ich erinnere mich, dass er kurz vor seinem Weggang noch ausrief: «Na, wie viele mich jetzt beneiden werden! Jetzt werde ich mir einige grimme Feinde gemacht haben!» «Gaben Sie Ihre Zustimmung zu der Verbindung?» fragte Krag. «Ja, selbstverständlich», erwiderte Gjaernaes. «Wieso selbstverständlich?» «Weil sie selbst es wollte. Ich würde es mir nie einfallen lassen, mich ihrem Willen zu widersetzen.» «Dann will ich Sie geradezu fragen,» fuhr Asbjörn Krag fort, «passte Ihnen die Verbindung?» «Nein,» antwortete Gjaernaes ernst. «Warum nicht?» «Natürlich weil ich den Forstmeister selbst nicht mochte. Er war mir unsympathisch. Er machte stets einen überlegenen und anmassenden Eindruck auf mich und gewann keineswegs bei näherer Bekanntschaft. Sogar in dem Augenblick, als er sich mit meiner INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctg. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern seres Schweizervolkes an den Strassenunterhaltungskosten auch einen Teil beiträgt, finden wohl alle normalen Menschen als selbstverständlich. Was nun die Zahlen selber anbelangt, so möchten wir noch folgendes beifügen: Die Rechnung gestaltet sich folgendermassen: Die Kantone hatten für ihr Kantonsstrassennetz im Jahre 1927 rund 49 Millionen Franken aufzuwenden. Für die Nichtkantonsstrassen brauchte es eine Summe von 15—16 Millionen Franken, so dass die Totalausgabe rund 65 Millionen Franken betrug. Diese Summe mag hoch scheinen, allein es ist zu bedenken, dass der zum Teil verlotterte Zustand unseres schweizerischen Strassennetzes und die Bedürfnisse des modernen Verkehrs diese Summen beding', ten, Summen, welche wirtschaftlich angelegt und deshalb nicht unnütz verausgabt worden sind. Ein Grossteil dieser Strassenverbesserungen hätte zudem wohl auch ohne den wachsenden Automobilverkehr durchgeführt werden müssen. Jedenfalls kann letzterer höchstens mit 30 Millionen Franken belastet werden. Diese 30 Millionen Franken sind aber auch von den Automobilisten bezahlt worden. Ohne sie wäre jedenfalls unser schweizerisches Strassennetz dem Ma« rasmus verfallen. Im Jahre 1927 betrugen die Einnahmen aus den Verkehrsabgaben der Motorfahrzeugbesitzer rund 17 Millionen Franken. Dazu kommen Extraabgaben, die Bundesbeiträge an die Alpenstrassen im Betrage von 4,4 Millionen, womit sich die Totalsumme auf 21,4 Millionen Franken steigert. Dazu gesellen sich aber noch die Erträgnisse aus den Benzinzoll-Einnahmen» Nun weiss vielleicht Herr W. M. auch, was er zu schreiben geflissentlich unterlassen hat, dass nach jahrelangen Verhandlungen in Kommissionen und Parlamenten die Benzinzollbetreffnisse für die Jahre 1925, 1926, 1927 und 1928 endlich in die kantonalen Staatskassen gelangt sind. • Es betrifft dies eine Summe von 19 Millionen Franken. Wird diese Summe den 21 Millionen Franken zugerechnet, so ergibt sich ein Gesamtbetrag von -40 Millionen Franken, woraus deutlich genug hervorgeht, dass die Automobilisten an den Unterhalt der Strassen den Löwenanteil zu übernehmen hatten und den sogenannten nicht motorisierten Bürgern nur eine kleine Last überbürdet wurde, in Anbetracht der grossen Vorteile, die auch ihnen durch die Verbesserung der Strassen zu» kommen. Rechnen wir zu den 21 Millionen nur das Treffnis des Jahres 1927 im Betrage von 5,2 Millionen Franken hinzu, so ergibt dies immerhin noch eine Summe von 26,2 Millionen Franken und nicht von 20,7 Millionen, wie dies Herr W. M. in seinem verdeckten Angriff gegen das Automobil zu wagen schreibt. Wären wir so weit, dass die Bundesversammlung den Kantonen die Hälfte der Benzinzollsteuer zubilligen würde und dieses Automobilgeld nicht zur verschleierten Unterstützung der Bahnen herhalten müsste, Schwester verlobt hatte, berührte er mich ziemlich unangenehm. Es lag etwas Triumphierendes in seinem Wesen.» Asbjörn Krag zeigte plötzlich mehr Interesse. «Sie haben eben das Wort .triumphierend* angewandt?» fragte er. «Ja, so sagte ich...» «Aber das kann man in verschiedenem Sinne brauchen. Meinen Sie .triumphierend', weil er das Glück gehabt hatte, sich mit Ihrer Schwester zu verloben, oder meinen Sie .egoistisch triumphierend', weil gerade er und kein anderer so glücklich gewesen war?» «Ich meine .egoistisch triumphierend'. Er machte stets einen egoistischen Eindruck.» «Wunderten Sie sich, als Sie von dem Unglück hörten?» «Wundern ist ein allzu milder Ausdruck,» erwiderte Gjaernaes. «Ich war starr vor Schreck.» «Und Ihre Schwester?» «Sie hat den ganzen Tag über geweint. Soeben ist sie zu Bett gegangen, weil sie sich krank und elend fühlt.» «Ich' möchte gern mit ihr reden.» Gjaernaes wurde plötzlich so unruhig, dass er zu stottern begann. «Das wird sich schlechterdings nicht machen lassen,» sagte er, «sie ist zu Bett gegangen.» Asbjörn Krag erwiderte hierauf nichts, begann aber mit einem Male ein auffallendes Interesse für die Zimmereinrichtung zu bekunden. Der Raum war ziemlich niedrig, wie in den meisten Edelhöfen, die Möbel waren alt,