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E_1930_Zeitung_Nr.005

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o AUTOMOBIL-REVUE

o AUTOMOBIL-REVUE 1930 - N° 5 so hätten die nicht motorisierten Bürger an die Strassenunterhaltungskosten überhaupt nichts mehr beizutragen. Daran möge auch Herr W. M. denken, bevor er seine eisenbahnoffiziöse Feder wieder in die Tinte taucht. Fragen der Touristik. Ueber die Wichtigkeit der automobilistischen Touristik viel Worte zu verlieren, erübrigt sich beinahe. Die zunehmende Verkehrsdichtigkeit auf der Strasse beweist zur Genüge.was wir schon wiederholt betont haben, dass wir erst am Anfange der Automobiltouristik stehen. Wer dies nicht glaubt oder wer mit geschlossenen Augen auf unsern Strassen oder durch unsere Kurorte geht, der greife zur Statistik. Zahlen werden ihn belehren. Wir haben anfangs des Jahres 1929 festgestellt, dass 103,000 fremde Automobile im Jahre 1928 in die Schweiz eingereist sind. Die Zahl der fremden Autotouristen im Jahre 1928 verdreissigfachte sich gegenüber derjenigen im Jahre 1927. Die Gründe zu diesem erfreulichen Aufschwung sind ganz besonders in der Einführung der 5-Tage-Karte zu suchen. Die 103,630 fremden Automobilisten, die im Jahre 1928 die Schweiz bereisten, haben approximativ rund 25 Millionen Franken in der Schweiz zurückgelassen, eine Summe, die sich wohl sehen lassen darf, ganz besonders hinsichtlich unserer Handelspassivität. Für das Jahr 1929 dürfte die Zahl der in unser Land eingereisten Automobilisten ziemlich sicher auf 130,000 gestiegen sein. Die Zunahme beträgt somit wiederum beinahe 30 Prozent. Es ist wohl nicht zu hoch gegriffen und eher bescheiden gerechnet, wenn wir die Summe des damit der schweizerischen Volkswirtschaft zugekommenen Geldes auf 30 Millionen Franken veranschlagen. Diese Zahl dürfte wohl besser als alle Filme von der ausserordentlichen Bedeutung des internationalen Automobiltourismus für das schweizerische Volkswirtschaftsleben, ganz besonders für das Hotel- und Garagen- Gewerbe sprechen. Trotz der grossen und allergrössten Bemühungen, welche unsere Nachbarländer, sowie auch ganz besonders die Tschechoslowakei unternehmen, um den Automobil-Reiseverkehr als Goldquelle auszuschöpfen, hat wohl kein anderes Land diese schweizerische Rekordziffer nur annähernd erreicht. In dieser Beziehung marschiert also unser Land an der Spitze ganz Europas. Die früher stark offene Opposition, ganz besonders von Seiten unserer Eisenbahnen, gegen den Autoreiseverkehr hat sich, wenn sie auch nicht ganz zum Schweigen gekommen ist, wenigstens in eine geheime verwandelt. Aeusserungen wie die oben bezeichnete eines Herrn W. M. beweisen jedoch, dass sie noch vorhanden und dass Kräfte an der Arbeit sind, den Automobilismus nach Möglichkeit zu behindern und seinem Emporstieg alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen. Glückicherweise kann sich die noch bestehende Opposition nicht in allzu schädlicher Weise auswirken. Wir unsererseits sind der Ansicht, dass unser Land rein nichts unterlassen sollte, um diesen blühenden Zweig unseres wirtschaftlichen Lebens zu erhalten und ihm neue Säfte zuzuführen. Sowohl die die Stühle mit hellem, gestreiftem Stoff bezogen. «Ich freue mich immer sehr, wenn ich mir alte Höfe ansehen kann,» bemerkte der Detektiv, indem er aufstand. «Darf ich nicht die anderen Räume besichtigen, Herr Gjaernaes?» «Gewiss, mit Vergnügen. Allerdings kommen Sie etwas ungelegen,» antwortete Gjaernaes. «Wir befinden uns mitten in der Sommerarbeit und haben keine Zeit, die Zimmer wohnlich herzurichten.» «Das macht nichts.» Der Detektiv blickte zum Fenster hinaus und nickte zufrieden. Draussen auf dem Hofe stand der Verwalter und hielt das Pferd am Zügel, obgleich das gar nicht nötig war. Dabei sprach er dem Pferde zu, das die Ohren bewegte und die Fliegen abschüttelte. Ich hatte den bestimmten Eindruck, als ob der Verwalter dort nur stände, um die Rückkunft des Detektivs abzuwarten. Gjaernaes geleitet uns nun durch die alten Stuben, und Asbjörn Krag besah alles mit Interesse, fragte nach diesem, betastete jenes, bat um Auskunft, wie alt die Möbel wären und wen die Familienbilder darstellten. Ueber Gjaernaes' Schreibtisch hing eine grosse Bromsilber-Vergrösserung nach einer Photosraphie. Sie stellte einen alten Mann mit schweizerischen Automobilistenverbände als auch die schweizerischen Verkehrszentralen haben nichts unterlassen, um den Autotourismus in der Schweiz zu heben und zu fördern. Der Reisende will heute möglichst unbehelligt und bequem sein Ziel erreichen können. An den betreffenden Stationen verlangt er seinen Komfort. Die Schweiz ist ihm — wir dürfen es sagen — heute in grosszügiger Weise entgegengekommen. Grenzpassierschein, Triptyks, die 5-Tage-Karte haben die Zollabfertigung der Wagen ausserordentlich erleichtert. Der dreimonatige steuerfreie Aufenthalt in der Schweiz, die Aufhebung der Alpenstrassentaxen, eine langsame Besserung im Vollzug der Automobilkontrollen sind Momente, die ebenfalls beim ausländischen Automobilisten günstig in die Waagschale fallen. Dabei haben wir natürlich das Ideal noch lange nicht erreicht. Es fehlte in der letzten Zeit ganz besonders in englischen Fachzeitschriften nicht an Stimmen, die unser Land als Autotouristenland unpopulär zu machen versuchten. Immerhin ist eine Besserung der Beurteilung unverkennbar. Der rapid anwachsende Automobiltourismus zwang natürlich auch unser Hotelleriegewerbe zu einer gewissen Umstellung. Wenn diesbezüglich noch nicht alles so ist, wie es sein könnte, so muss eben das flutartige Anwachsen der Autos an unsern Kurorten mit in Rechnung gezogen werden. Wir haben jedoch die feste Ueberzeugung-und Gewissheit, dass das rührige schweizerische Hotelleriewesen mit der Entwicklung Schritt halten und nichts unterlassen wird, um den Bedürfnissen des modernen Reisenden, der auf Bewegungsfreiheit und sportliche Betätigung eingestellt ist, entgegenzukommen. Ein wesentlicher Punkt liegt darin, dass nicht nur dem Reisenden, sondern auch dem Automobil eine sichere und gute Unterkunft geboten werden kann. Wir wollen Gesagtes nicht allzu häufig wiederholen, obschon grundlegende Wahrheiten, solange sie nicht verwirklicht sind, nicht genug betont werden können. Der Autotouristenverkehr steht am Anfang seiner Entwicklung. Er wird in den kommenden Jahren für unser Land von eminenter Bedeutung werden. Hierüber ist jede Diskussion überflüssig. Gemeinsame Arbeit der Zollorgane, der offiziellen propagandistischen Verkehrszentralen, der Automobilverbände und der Eisenbahnen, gepaart mit Grosszügigkeit und Weitsicht, werden ohne Zweifel die Grundlage zu einer neuen Prosperität unseres Hotelgewerbes und aller damit im Zusammenhang stehenden Gewerbe bilden. Dass damit die Interessen der Landwirtschaft aufs engste verknüpft sind, braucht an dieser Stelle bloss angedeutet zu werden. Wir behalten uns vor, auf verschiedene touristische Fragen noch einlässlicher zurückzukommen. Dass die Möglichkeit einer guten Orientierung innerhalb unserer Grenze für den Automobilisten von ausschlaggebender Bedeutung ist, dürfte ohne weiteres klar sein. Gerade aber auf diesem Gebiete sind wir wohl allen andern Ländern voran. Im automobilistischen Karten- und Führerwesen steht wohl die Schweiz mit ihrem CH-Touring, mit ihrer Karte der Schweiz (1:250,000, Blatt Nord und Süd) und mit derjenigen im Massstab 1:350,000, sowie mit ihrer Karte «Die Schweiz und ihre Grenzgebiete», im Massstab von 1:500,000, ebenfalls an der Spitze aller Länder. Es sind dies Standard-Werke, die sich infolge ihrer Uebersichtlichkeit und Zuverlässigkeit einen europäischen Namen zu machen wussten und die ihrerseits wesentlich zum Aufstieg des Autotourismus innerhalb unserer Grenze beigetragen haben. K. Die Behörden stehen vor einem Rätsel... Man schreibt uns: Die Trambahn in Zürich hat Pech. Eine Reihe schwerer Unfälle haben sich in kurzer Zeit zugetragen; eine mehr oder minder unklare offizielle Berichterstattung spricht von nicht funktionierenden Bremsen, erwähnt die Beiziehung eines Experten von Bern und konstatiert schlussendlich, dass die Behörden vor einem Rätsel stehen. Von einer Bestrafung oder Massregelung des betreffenden Wagenführers erfährt man nie etwas, ebensowenig von der erfolgten oder nicht erfolgten Entschädigung der vielen verletzten Passagiere Spitzbart, kleinen, scharfen Augen und krummer Nase dar. «Wer ist das?» fragte Krag. «Mein Vater,» antwortete Gjaernaes rauh. Ich versuchte, dem Detektiv ein Zeichen zu geben, damit er nicht weiterfragen sollte, da ich mich an die Erzählung des Fischers von dem tragischen Ende des alten Mannes erinnerte. Aber entweder übersah der Detektiv meinen Wink, oder er wollte ihn nicht sehen. «Ist er tot?» fragte er. «Ja,» entgegnete Gjaernaes und öffnete die Tür zum nächsten Zimmer. «Wie starb er?» «Er starb plötzlich,» murmelte Gjaernaes. «So, so; plötzlich. Hm —» Der Detektiv blieb stehen und betrachtete die Photographie. Aber als Gjaernaes nervös von andern Dingen zu sprechen anfing, musste er sich schliesslich doch davon losmachen. Gjaernaes zeigte uns auch die Zimmer der Schwester. «Aber sie ist ja nicht da?» rief Asbjörn Krag erstaunt aus. «Wie denn?» «Sie sagten doch, dass sie zu Bett gegangen sei.» Und die Behörden stehen vor einem Rätsel. Wir wollen versuchen, in Nachstehendem etwas zur Lösung dieses Rätsels beizutragen. Vor den Wahlen, die Zürich einen «roten» Stadtiat «schenkten», versprachen die Sozialdemokraten ihren Wählern und insbesondere den Zürcher Trämlern goldene Berge. Gehören doch die Zürcher Trämler oder der rösste Teil derselben zu den Stosstruppen der organisierten Sozialdemokraten. Man erinnert sich, wie viel es vor und während des Generalstreiks brauchte, damit die Zürcher Trämler so freundlich waren, nicht alle 14 Tage in einen Streik zu treten. Also den Zürcher Trämlern wurden grosse Versprechungen gemacht. Seit nun aber die Roten am Ruder sind, so merken sie, dass es leichter ist, Versprechungen zu machen, als solche zu halten, und die Zürcher Trämler merken das auch. Die Unzufriedenheit der Trämler mit den roten Machthabern wirkt sich dahin aus, dass kürzlich bei der Bestellung der Vorstände der 7 Depotgruppen der Strassenbahngewerkschaft die Kommunisten in 4 Depots die Mehrheit erhalten haben, und zwar gerade in den Depots, welche den weitaus grössten Personalbestand besitzen. Es ist deshalb begreiflich, dass die Roten zur Zeit mit den Zürcher Trämlern sänftiglich umgehen müssen, denn ein Streik käme ihnen recht ungelegen. Nun aber haben sich alle erwähnten Unfälle auf Bergstrecken zugetragen, die teilweise in starkem Gefälle liegen, und die Zürcher Automobilisten, die jene Strecken mit 25—30 km bergabwärts befahren, wissen, dass wenn hinter ihnen ein Tramzug kommt, der Wagenführer nicht aufhört zu läuten, bis er mit 30—35 km und mehr an ihnen vorbeisaust. Dass dann die Bremsen nicht mehr greifen, erscheint begreiflich, aber wenn etwas passiert, so kommt ein Experte von Bern und die Behörden stehen vor einem Rätsel. Wenn die roten Behörden es wagen dürften, einmal durchzugreifen und die bestehenden Vorschriften anzuwenden und Fehlbare zu bestrafen, so würden die vielfachen schweren Unfälle an Bergstrecken mit einem Schlag aufhören. Aber das wagen die Behörden nicht, sonst werden immer mehr Kommunisten in die Vorstände der Depotsgruppen gewählt und die Sozialdemokraten kommen in Minderheit. Das ist die sehr einfache Lösung der Zürcher Tramrätsel... Offiziell wird mitgeteilt: Die Untersuchung des eidgenössischen Eisenbahndepartementes über die Ursachen des Tramunfalls vom letzten Freitag hat ergeben, dass am Motorwagen der Linie 10 ein mit Gummischlauch um hülltes Kabel gebrochen war. Der Bruch muss sich langsam entwickelt haben; während der Fahrt durch die Universitätsstrasse brach das Kabel völlig, sodass der Motorenbremsstrom fehlte und der teilweise unterbrochene Schienenbremsstram zur Bremsung des Wagens nicht mehr ausreichte. Dass trotzdem die Bremsversuche, die sofort nach dem Unfall vorgenommen wurden, ein günstiges Ergebnis zeitigten, wird auf den Umstand zurückgeführt, dass durch den Zusammenstoss der Wagen wieder eine Verbindung der zwei gebrochenen Kabel stattgefunden hat. Die zehnjährigen Garantieverträge des Postautokurses Rafz-Andelfingen-Frauenfeld laufen mit Ende 1930 ab und die Postverwaltung schlägt den interessierten Gemeinden vor, die Verträge bei gleichbleibender Subventionierung durch die letztern zu erneuern. Es sollen dagegen die Fahrpreise um 20 Prozent herabgesetzt werden. Die Gemeinden werden dadurch vor eine neue Situation gestellt, und zur Besprechung der Angelegenheit soll demnächst eine Versammlung der interessierten Gemeinden in Andelfingen stattfinden. ry. «Ja, ja gewiss, aber sie hält sich in einem anderen Zimmer auf.» Gjaernaes starrte in ihre sonnendurchglühte Wohnung «Sie liegt in einem Zimmer an der Schattenseite,» sagte er. «Ach so, deshalb » Wir gingen weiter und kamen in Gjaernaes' Bibliothek. Er war ein grosser Bücherfreund. Ein dichter Vorhang hing vor dem einzigen Fenster des Zimmers, so dass es hier ziem lieh dunkel war. «Nun hätte ich Ihnen nichts mehr zu zei gen,» sagte Gjaernaes. «Aber diese für?» fragte Asbjörn Krag, in dem er auf eine Flügeltür geradeaus zeigte «Wohin führt diese?» Gjaernaes stellte sich schützend vor di Tür. «Da drinnen liegt meine Schwester um schläft,» sagte er. Ich fuhr unwillkürlich zusammen. In de Stimme des Mannes lag jetzt wieder ein Klang von Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit, und wieder fiel mir der Auftrit in der Mondnacht ein, als mir der Verwalte den Zutritt zum Hause so eifrig verwehrt hatte. (Fortsetzung folgt J Betrachtungen eines Automobilisten. i. Die Einstellung eines grossen Teiles des Publikums, der Tagespresse und der Behörden gegenüber den Automobilisten lässt leider immer noch sehr viel zu wünschen übrig, so dass diesbezüglich für die Automobilisten, deren Fachorgane und Verbände noch ein sehr grosses Arbeitsfeld offen liegt Warum findet z. B. die «N. Z. Z.», die doch sonst nicht gerade als automobilfeindlich gilt, es für nötig, in ihrer Nr. 54 vom 10.1.30 unter Unglücksfälle und Verbrechen und dem Untertitel «Wüstlinge» das Wort «Automobilisten » gesperrt zu drucken? Es steht mir ferne, derartige Subjekte in Schutz nehmen zu wollen, im Gegenteil bin ich der Ansicht, dass die Automobilistenverbände in der Aufnahme von Mitgliedern nicht streng genug vorgehen können und alle Mitglieder, welche ich etwas zu schulden kommen lassen, entweder streng mahnen, oder, falls nötig, ausschliessen sollten. Auch könnte man solch ausgeschlossene Mitglieder event. den Versicherungs-Gesellschaften bekannt geben, denen es alsdann freistehen würde, ihnen entsprechend hohe Prämien zu verlangen. Im vorliegenden Falle war es, soviel mir bekannt, bisher leider nicht möglich, die beiden Wüstlinge zu fassen und damit überhaupt festzustellen, ob sich die Sache so, wie in fraglicher Zeitung beschrieben, verhalten hat, und ob es sich dabei um Mitglieder eines Automobilverbandes handelt oder nicht. Woran ich mich aber prinzipiell stosse, ist das, dass eine seriöse Tageszeitung in einem so traurigen Falle es für nötig erachtet, durch Sperrdruck speziell hervorzuheben, dass die beiden Wüstlinge Automobilisten seien! Es könnte sich bei diesen beiden Subjekten wohl ebensogut beruflich um Redakteure, Reporter, Schriftsetzer, Aerzte etc., politisch um Frei-^ sinnige, Christlich-Konservative, Sozialisten Bolschewisten, in bezug auf Religion um Christen, Mohammedaner, Juden oder konfessionell um Protestanten, Katholiken oder Angehörige einer Sekte handeln, ohne dass in inem ähnlichen Falle es der Tagespresse einfallen würde, den Beruf, die politische oder religiöse Anschauung des oder der Betreffenden in Sperrdruck erscheinen zu lassen. Warum muss es gerade beim Automobilisten anders gehalten werden? Gewiss gibt es unter den Automobilisten so gut wie unter jedem Stand, Beruf, bei jeder Konfession oder politischer Parteizugehörigkeit anständige und unanständige, höfliche und grobe, gebildete und ungebildete Personen. Das hat aber mit der Eigenschaft als Automobilist rein gar nichts zu tun, denn den Charakter wird wohl niemand mit dem Kauf oder Führen eines Automobils ändern. Ist einer ein Grobian oder Wüstling, solange er kein Automobil führt, so wird er wohl durch das Führen eines solchen nicht höflicher und anständiger, so wenig als z. B. ein Fuhrmann bei Umstellung auf Lastwagenbetrieb als Lastwagenführer oder ein Student durch bestandene Prüfung als Dr. med. seine Charakter-Eigenschaften wesentlich ändert, seien sie nun gute oder schlechte. Vom neuen österreichischen Verkehrsgesetz. Der österreichische Nationalrat hat das Bundesgesetz über die Grundsätze der Strassenpolizei sowie das Kraftwagengesetz im Dezember verabschiedet. Obwohl diese beiden Gesetze noch den Bundesrat passieren und dann durch Durchführungsverordnungen des Wiener Landtages und des Ministeriums für Handel und Verkehr interpretiert werden müssen, ergibt sich doch bereits eine Reihe von Neuerungen, die mit der Gültigkeit des Gesetzes sowohl für den Automobilisten als auch für den Fussgänger in Kraft treten werden. An den Fussgänger wendet sich vor allem die Verordnung, dass jedermann verpflichtet* ist, auf den Strassenverkehr Rücksicht zu nehmen und zur Ordnung, Sicheiheit und Leichtigkeit dieses Verkehrs beizutragen. Einheitlich wird sodann für Automobile der Vorgang beim Passieren von Strassenkreuzungen geregelt werden. Hier hat das von links kommende Fuhrwerk den Vorrang. Ausgenommen sind Schienenfahrzeuge, die den Vorrang besitzen. Als Mindestalter zur Führung von Kraftfahrzeugen wird das 16. Lebensjahr festgesetzt. Weiter müssen zusammengekuppelte Fuhrwerke und auch einspurige Motorräder eine Schlusslaterne oder entsprechend starke Blendlinsen führen. Die Verkehrszeichen werden im ganzen Bundesgebiet einheitlich geregelt, die Posten, an denen sie angebracht sind, müssen die Farben Weiss und Rot aufweisen. Bei Einfahrten zu Garagen und Fabrikhöfen dürfen die Türen mit der warnenden Aufschrift: «Auto! Achtung! » oder «Autoausfahrt!» nicht angebracht werden, da die Erfahrung lehrt, dass sich auf Grund dieser Tafeln die Chauffeure leichtfertig über die notwendigen Vorsichtsmassregeln hinwegsetzen. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes, das vermutlich am L Juni 1930 seine Gültigkeit erlangt, wird

1930 AUTOMOBIL-REVUE auch festgesetzt, dass für jedes Kraftfahrzeug eine Haftpflichtversicherung einzugehen ist, die sowohl für Verletzungen von Passanten als auch bei Lohnfuhrwerken für Verletzungen von Passagieren gültig ist. Sonderbarerweise sind von diesen Massnahmen Motorfahrzeuge des Bundes, der Länder, der grossen Gemeinden und der exterritorialen Personen ausgenommen. Der Besitz des Führerscheines wird nunmehr auch für einspurige Motorräder notwendig sein. Man hofft, dadurch Motorradwildlingen das Handwerk zu legen. Schliesslich werden zwei Beiräte als neue Verkehrsinstanzen konstituiert. Einer dieser Beiräte kann bei Entziehung des Führerscheines angerufen werden, der andere ist der sogenannte Kraftfahrbeirat im Handelsministerium, dem ausser Beamten der öffentlichen Verwaltung noch Personen aus dem Kreise der Industrie, des Kraftfahrwesens, der Versicherungen der Autobesitzer und der Berufschauffeure beigezogen werden, der bei gesetzgeberischen Arbeiten und Untersuchungen beigezogen werden soll. Ein Freispruch. Autounglück am Güterbahnhof in Basel. Letzte Woche wurde in Basel ein interessanter Prozess gegen den Inhaber einer Speditionsfirma, welcher der fahrlässigen Tötung angeklagt war, durchgeführt. Die Verhandlungen sind für jeden Automobilisten von Interesse, da es sich wieder einmal um die alte Frage handelt: Muss der Fahrer trotz Strassenbeleuchtung mit Scheinwerfern fahren, oder genügt das Stadtlicht? Der Hergang des Unfalles war kurz folgender: Bei den Güterhallen an der äusseren St. Jakobstrasse befindet sich ein Bahnübergang, an welchem ständig ein lebhafter Autoverkehr herrscht. Die beiden Gebäude der Güterverwaltung und die Güterhallen sind durch eine ca. 10 Meter breite Fahrstrasse getrennt. Die Lastautos fahren durch die Einfahrt neben dem Bureaugebäude, biegen links in jene Fahrstrasse ein und steuern dann gegen die verschiedenen Hallen, um die dort lagernden Waren abzuholen. Bureaux und Lagerhallen sind mit einer Passerelle miteinander verbunden. Unter diesem Uebergang hat sich das Unglück ereignet. Es war abends, 20 Minuten vor 6 Uhr, trübes Wetter erschwerte die Sicht. Der Angeklagte fuhr mit seinem schweren Sechszylinder Opel-Lastauto in langsamem Tempo in die Fahrstrasse ein und wollte unter der Passerelle durch gegen die Güterhallen fahren. Er hatte nur die Stadtlichter eingeschaltet. Unmittelbar bei der Durchfahrt hörte er einen Schrei. Er stoppte, der gebremste Wagen glitt noch einige Meter weit, bis er stehen blieb. Vor dem rechten Vorderrad lag bewusstlos ein fünfzig Jahre alter Güterarbeiter. Der Bewusstlose wurde ins Sanitätszimmer getragen, wo er an den erlittenen Verletzungen starb. Def Arzt konstatierte als Todesursache einen Schädelbruch und Zerreissung der Lunge mit Blutungen in der Luftröhre. Die Anklage erblickt die Schuld des Autoführers darin, dass er nur mit Stadtlicht fuhr, statt auf der dunklen Stelle die abgeblendeten Scheinwerfer einzuschalten. Das Hauptinteresse der Verhandlungen konzentrierte sich um die Behauptung des Angeklagten, dass sich unmittelbar bei der Unfallstelle an der Wand der Güterhallen zwei Lajternen befinden, die nach der Behauptung des Angeklagten nicht gebrannt haben sollen. Die Zeugen widersprechen sich. Nach den einen haben beide Lampen gebrannt, andere behaupten: die Lampen haben bestimmt nicht gebrannt'. Ein Augenschein am Unfallort soll dem Gericht über die Beleuchtung der stark frequentierten Fahrstrasse Aufsehluss geben. Nach den Ausführungen des Berichterstatters der «National-Zeitung» ist die Beleuchtung an dieser Stelle wirklich sehr mangelhaft und zwar ob nun die Lichter brennen oder nicht. Das Gutachten der technischen Experten ist ebenfalls der Meinung, dass die Beleuchtung an der Unfallstelle ausserordentlich ungünstig sei und auf alle Fälle ungenügend mit Rücksicht auf den regen Auto- und Fussgängerverkehr. Der schwerste Fehler des Angeklagten bestand darin, dass er bei diesem schwachen Licht nur mit den Stadtlichtern die dunklen Stellen passieren wollte. Andererseits trifft den Verunglückten die Schuld, dass er die Fahrstrasse unachtsam überquert hat. Der Verteidiger des Angeklagten stellt sich auf den Standpunkt, dass der schwerfällige und unaufmerksame Hallenarbeiter, der die primitiven Vorsichtsmassnahmen vernachlässigte, den Unfall selbst verschuldet habe. Nach dem Konkordat sollen überall, wo öffentliche Strassenbeleuchtung vorhanden ist die Scheinwerfer ausgeschaltet werden. Wenn hier jemand schuldig ist, so sind es die S.B.B., da sie nicht für genügende Beleuchtung der Unfallstelle gesorgt haben. Der Verteidiger beantragt Freisprechung. Nach einstündiger Beratung wurde das Urteil gefällt. Es lautet auf kostenlose Freisprechung. Der Präsident führte in seiner Motivierung des Urteils aus: Die Frage der Kausalität wurde bejaht, die Verschuldungsfrage dagegen verneint. Es konnte nicht bewiesen werden, dass der Angeklagte zu schnell gefahren ist. Die Frage drehte sich darum: Hätte der Verunfallte das Auto bemerken können, wenn der Angeklagte stärkere Lichter eingeschaltet gehabt hätte? Hierzu ist zu sagen, dass der Fahrer damit rechnen musste, bei Verwendung stärkerer Lichter eine Blendwirkung hervorzurufen, so dass der geblendete Passant den Wagen erst recht nicht hätte sehen können. Dass er in diesem Dilemma statt der Scheinwerfer die Stadtlichter einschaltete, kann ihm nicht als strafbares Verschulden angerechnet werden. Einem normal aufmerksamen Beobachter wären auch die beiden Stadtlichter aufgefallen. Aus diesen Erwägungen kommt das Gericht zur Ansicht, dass das Hauptverschulden, den Verunfallten selbst trifft. Gr. $p r«l Rekordbahn in. England. Letzter Tage wurde der vom neu gebildeten Automobilrennclub vorgeschlagene Bau einer Rennbahn zwischen Boston und Skegness von Vertretern des Handelsministeriums geprüft. Der bekannte Automobilrennfahrer Malcolm Campbell kam zum Schluss, dass grössere Geschwindigkeiten auf natürlichen Rennbahnen wie die in Daytona in den Vereinigten Staaten nicht mehr erzielt werden können. Er kam daher zu der Forderung, dass eine künstliche Rennbahn angelegt werden müsse. Die Kosten der ganzen Anlage werden auf ungefähr 400,000 Pfund Sterling geschätzt. Die Sportkommission der Internationalen Vereinigung anerkannter Automobilclubs, in der die Schweiz durch Decrauzat vertreten war, hat in ihrer Sitzung vom 14. Januar folgende wichtige Beschlüsse gefassf. Als Formel für die Grand Prix-Rennen von 1931, 1932 und 1933 wird vorgeschlagen: Zylinderinhalt maximal 5000 ccm. Gewicht 20,8 kg per 100 ccm Zylinderinhalt, bei einem Minimum von 794 kg. Kein Kompressor ausseT bei Zweitaktmotoren. Die Anzahl der Ventile und Vergaser ist freigestellt. Radspur minimal 1,37, maximal 1,52 m. Karosserie zweiplätzig, mindestens 78,7 cm breit, der Sitz des Mechanikers darf nicht Besser xa.xi.ca. der mehr als 30 cm hinter dem des Lenkers liegen. Vor jedem Rennen kann verlangt werden, dass sich der Wagen auf einer Probefahrt über eine Schnelligkeit von mindestens 137 Kilometer ausweise. Diese Formel wurde den Fabrikanten mit der Bitte übermittelt, eventuelle Abänderungsvorschläge bis Ende des Monats zu machen. Bergmeisterschaft. Ferner wurde der Beschluss gefasst, 1930 eine Bergmeisterschaft austragen zu lassen, wofür eine Renn- und eine Sportkategorie vorgesehen sind. Folgende Bergrennen gelten für die Meisterschaft: Klausen, Freiburg i. B., Semmering, Mont Ventoux, Shelsley Hill, Sval, Cuneo, Tatry und Feleac. Die Teilnehmer müssen sich an der Hälite der Rennen beteiligen. Die Punktzahl wird wie folgt berechnet: Erster, zweiter und dritter Rang gilt als 5, 4 bzw. 3 Punkte, die folgenden als zwei. Für ein nicht beendigtes Rennen wird ein Punkt in Anrechnung gebracht. Bei gleicher Gesamtpunktzahl entscheidet das Resultat des Klausenrennens. -o- 1428; Motorräder 37. Total 4433. Im gleichen Neue Fiat-Piste. Das Haus Fiat war bisMonat des Vorjahres haben 3635 (mit provisorischer Eintrittskarte 1912) Motorfahrzeuge jetzt auch oft genannt wegen der erstaunlichen Piste für die Ausprobung der in die die Grenze passiert. Welt zu sendenden Automobile auf den Dächern des Riesenetablissements Lingotto. Autler Vorsicht Das Befahren der Viamalastrasse ist gegenwärtig infolge der von Aber jetzt scheint diese Piste nicht mehr zu genügen und das Haus hat eine neue gebaut den Felshängen fällenden grossen Eiszapfen in einem dichten Gehölz unter dem Schloss nicht ganz ungefährlich. So traf ein solcher Don Stupinigi bei Turin, die alle nur denkbaren Schikanen hat. Sie ist vier Kilometer wodurch das Pferd scheu wurde und durch- Eiszapfen das Pferd eines Heufuderwerkes, weit und ganz aus Zement. Ein Journalist, brannte. Der Fuhrmann und sein Begleiter der sie mit dem bekannten Piloten Nazzarro wurden vom Fuhrwerk heruntergeworfen, befahren hat, gibt nachstehenden amüsanten erheblich verletzt und mussten ins Krankenhaus Thusis verbracht werden. Auch das Bericht: Man habe da alle automobilistischen Sensationen rasch durchprobieren können; Pferd kam zu Fall, ohne jedoch Schaden zu den Schwindel der Schnelligkeit auf einer nehmen. spiegelglatten rechtlinigen Asphaltstrasse, Die Konzession für den Betrieb des Autokurses Beatenberg- (Bahnstation) Hotel Re- das leichte Zittern der Fahrt über Pflasterung rechts und links, den Veitstanz übeT gina-Palace ist der Verwaltung der Thunersee-Beatenberg-Bahn von der Oberpost- Geröll und Hindernisse, die bauchzerschneidende Fahrt über Gräben, < Wolfslöcher », «Eselsrücken >, aus dem Boden hervorragende Schienenstrünke, die Douche über seichte Wassergräben und auch die elektrisierende Wirkung eines plötzlichen Anwachsens der Schnelligkeit von 20 bis 100 Kilometer per Stunde innert 15 Sekunden. Alles — Wasser natürlich ausgenommen — ist aus Zement, auch die Wolfslöcher und Eselsrücken, was eine extra feine Ausprobung und Messung ermögliche bei den Experimen- "fc>ill±£jste seiner "fcj7Ot2sd.eixx IRelfexx Klasse Nachstehend einige unserer vorteilhaften Preise. DIMENSION PNEU SCHLAUCH 30 x 4,50 43.— 9.25 29x4,75 51.— 1O.5O 30x4,75 54.— 10 75 29 x 5,00 44.— 10.75 30 x 5,00 51.— 10.75 30x5,25 65— 12.— 31x5,25 66.- 12.75 29 x 5 50 65— 12 75 30x5.50 70— 12.75 30x6,00 86 15.— 31 x 6,00 88 — 15. — 32x6,00 90— 13.50 30x5 109— 32 x 6 270.— 27— FORDERN SIE VOM HANDLER UNSERE KOMPLETTE OLDFl ELD - PREISLISTE! ten. Die Piste ist sechs Meter breit; im ersten Kilometer hingegen 15 Meter. Nach den ersten anderthalb Kilometern sei eine Streck© für ChTonometrierung. Zwischen zwei Kabinen liege eine spiegelglatte Strecke von 500 Metern, ein wahres Billard. Der Wagen stosse bei der Einfahrt eine pneumatisch© Röhre durch und ebenso bei der Ausfahrt bei der zweiten Kabine; in beiden Fällen finde in den Kabinen eine automatische Signalisierung statt, genau bis auf kleinste Zeitmasse usw. Die alte Piste in Lingotto werde übrigens weiter funktionieren. Eine Unterführung der Bahnhofstrasse in Siebnen soll bei der Legung des zweiten Bahngeleises beim Bahnübergang der Station Siebnen-Wangen geplant werden. ry. Vorübergehende Einfuhr von Motorfahrzeugen in die Schweiz im Monat November 1929. Automobile mit prov. Eintrittskarte 2443; Automobile mit Freipass 525; Automobile irilt Triptyk oder Grenzpassierschein direktion für eine weitere Dauer von fünf Jahren erteilt worden. Die Betriebsdauer dieses Äutokurses ist für 1930 festgesetzt auf die Zeit vom 15. Mai bis 30. September und für den Autokurs Interlaken-Beatenberg (Regina-