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E_1930_Zeitung_Nr.007

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Ausgäbet Deutsche Schwere. BERN, Freitag 24. Januar 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jahrgang. — N« 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freltan Monatlich „Gelbe tlste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern solern nicht postamtlicb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Tagesfragen Unbewachte Niveauübergänge. Wir wissen, dass dieses Thema leider aus der Traktandenliste nicht so schnell gestrichen wer-den kann. Bis heute konnten glücklicherweise unsere Bahnen vor grösseren, schwerwiegenden Unglücksfällen verschont bleiben. Immerhin steht derjenige von St. Leonhard noch in blutiger Erinnerung. Unterdessen mussten wir über schwerwiegende Zusammenstösse zwischen Automobil und 2isenbahn im Auslande berichten. Kürzlich aber ist der unbewachte Bahnübergang auch in der Schweiz wiederum zur Unheilstätte geworden. Als letzten Montag ein fünfzigjähriger Knecht sein Pferdefuhrwerk beim Bahnübergang Seedorffeld (Kanton Bern) über die Schienen trieb, wurde das Gespann vom herannahenden Zug erfasst, das Pferd auf der Stelle getötet und der nichtsahnende Fuhrmann zu Boden geschleudert. Mit einem Beckenbruch musste er ins Spital verbracht werden. Die inneren Verletzungen dürften nach den letzten Meldungen schwerer Art sein. Das Unglück betrifft diesmal keinen Automobilisten, dem man infolge seines «unvorsichtigen oder zu schnellen Fahrens», wie •jeweils das Sprüchlein lautet, die Schuld übertragen könnte. Diesmal ist eine wertvolle Stute zum Opfer gefallen, und ob der Lenker des Fuhrwerkes mit dem Leben davon kommt, oder,, lebenslängliche Invalidität auf sich 'jeh-- men muss, ist noch ungewiss. Der Bahnübergang Seedorffeld wird durch ein optisches Signal bedient, das vielleicht vom Fuhrmann übersehen oder aber auch infolge dichten Nebels überhaupt nicht gesehen werden konnte. Die Untersuchung wird darüber Klarheit schaffen. Vielleicht wird sie dazu kommen, dieses eine optische Signal als ungenügend zu bezeichnen und gemäss der bundesrätlichen Verordnung vom 7. Mai 1929 — bald wird ein Jahr verstrichen sein — eine besser wirkende, durchschlagendere Blinklichtanlage herzustellen. Der Unfall, so unbedeutend er scheinen mag, dürfte wiederum ein Warnsignal mehr sein, so rasch als möglich alle Vorkehrungen zu treffen, um dem an den Niveauübergängen lauernden Tod das Genick zu brechen. Wie unsere verantwortlichen Instanzen nicht genug ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Frage der Bahnübergänge konzentrieren können, zeigt in drastischer Weise der höchst bedauerliche Unglücksfall, der sich am 22. dieses Monats in Cleveland (Ohio) zugetragen hat, wo an einem Bahnübergang ein Automobil, in welchem sich Kinder befanden, von einem Zuge überfahren und der Lenker und 10 Kinder sofort getötet wurden. F E U I L L E T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (10. Fortsetzung) Ich sah ihn verblüfft an. «Zu grüssen —?» «Ja, gewisse fuhr er fort und schien nun in der Tat einmal wirklich etwas von Eifer erfüllt zu sein. «Forstmeister Blinde hat den tödlichen Schlag bekommen, während er jemanden grüsste.» «Wie können Sie das behaupten?» «Verschiedene Umstände deuten ganz bestimmt daraut hin. Erinnern Sie sich des Hutes? Er lag einige Schritte von der Leiche entfernt und war ganz unbeschädigt, trotzdem Blinde den tödlichen Schlag auf den Hinterkopf bekam. Wenn ihm der Hut in diesem Augenblick auf dem Kopfe gesessen hätte, würde auch er eine Spur des furchtbaren Schlages aufweisen; aber er hat den Hut in der Hand gehalten, er grüsste gerade.» «Wen hat er da wohl gegrüsst?» «Den Mörder,» antwortete Asbjörn Krag, «und im selben Augenblick hat der Mörder zugeschlagen.» Lassen wir es in der Schweiz nicht so weit kommen! Ein Vorstoss. Der zürcherische Kantonsrat hat wiederum eine bewegte Sitzung hinter sich. Die übliche alljährliche Militärdebatte rief verschiedene geharnischte Streiter auf den Plan..Neue Momente konnten allerdings nicht in Erscheinung treten. Es waren die üblichen Sprüche, die zu hören man ja auch in andern Räten und im Bundeshaus Gelegenheit hat. Doch nicht davon sei die Rede, sondern vom Vorstoss des unentwegten Automobilverfechters Gassmann, welcher die jährliche Gebühr von 10 Fr. für die Erlangung der Fahrbewilligung rügte und sie schlankweg als eine verkappte Besteuerung bezeichnete. Sie ist auch nichts anderes als ein Saugnapf mehr, welcher den Automobilisten als gegenwärtig bestes staatliches Ausbeutungsobjekt angesetzt wird. Es ist ja ganz klar, dass auch der Automobilist seinen Obolus an die Verwaltungskosten seiner Majestät Staat zu entrichten hat. Er ist auch ohne weiteres gewjllt, die berechtigten und notwendigen Steuern zu entrichten, welche für den Ausbau „ und die Instandstellung unseres Strassennetzes von den Gemeinden und Kantonen benötigt werden. Allein auch das. Schröpfen darf nicht üBertrieben werden, ansonst der Patient zugrunde geht. Die Fahrbewilligungsgebühr, die der Kanton Zürich jährlich von seinen Automobilisten fordert, äst ungerecht und nicht haltbar. Es ist deshalb'erfreulich, dass der Regierungsvertreter die Frage der Reduktion dieser Automobilgebühr prüfen will. Hoffentlich gelangt er dabei zu einem positiven Resultate und kann er der grossen Automobilistengemeinde des Staates Zürich, die nicht aus Goldbaronen, sondern zu 90 Prozent aus Vertretern des schwerringenden Mittelstandes zusammengesetzt ist, eine etwelche Erleichterung bringen. Das kommende Automobilgesetz. Der Arbeitstisch unseres verehrten Bundesrates Häberlin ist bedeckt mit den zahlreichen Antworten auf die Fragebogen, welche den «Was Sie da sagen, wirkt verblüffend,» antwortete ich nach kurzer Ueberlegung, «aber höchstwahrscheinlich haben Sie recht.» «Ich habe recht. Mit andern Worten: der Mörder war ein Bekannter des Forstmeisters; es war einer jener Feinde, von denen Blinde sprach, ehe er Gjaernaes an jenem Abend verliess.» Zum ersten Male konnte ich aus Asbjörn Krags Reden merken, dass er sich überhaupt mit dem Drama beschäftigte und Schlüsse zog. Die Gelegenheit benutzend, forschte ich ihn eifrig aus, da ich glaubte, dass er plötzlich mitteilsam geworden wäre. So fragte ich ihn, ob er andere Spuren gefunden hätte, ob er sich denken könnte, wer der Verbrecher wäre, oder doch wenigstens, welchem Stande er angehörte. Aber der Detektiv wollte auf alle diese Fragen nicht weiter eingehen; er lenkte davon ab, indem er wieder auf die einsame Lage meines Häuschens zurückkam. «Leben Sie wohl,» sagte ich. «Auf Wiedersehen,» antwortete er,, «ich gehe auf mein Zimmer, um zu warten.» «Worauf warten Sie eigentlich?» Statt mir zu antworten, sah et mich mit seltsamem Blick an und fragte: neuen Automobilgesetz-Vorentwurf fördern sollen. Unsere Leser wissen, dass die schweizerische Strassenverkehrsliga einen ausführlichen, in allen Teilen wohlerwogenen Entwurf zu einem Automobiigesetz eingereicht hat und dass daneben auch der T. C. S. in einer Separateingabe seine Wünsche formulierte. Auf alle Fälle steht fest, dass die genannten Verbände der gesetzlichen Arbeit des zuständigen Bundesrates eine wertvolle Hilfe in Form einer deutlichen Wegleitung geleistet haben. Die Ausarbeitung des Departement-Vorentwurfes ist eine bedeutende und nicht leichte Aufgabe des Justizdepartements. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, dass es diese Arbeit in engster Anlehnung an die Eingaben der betreffenden Verbände leisten wird. Dabei wird es nicht immer leicht sein, die Grenze zwischen dem Gesetzesentwurf und den Vollziehungsverordnungen zu finden. Ist einmal der Departementsentwurf ausgearbeitet, wird er an eine Expertenkommission weitergeleitet, in welcher zweifellos nicht nur Parlamentarier, sondern auch die Vertreter der Kantone und der Interessenverbände sitzen werden. Nach' wie vor ist es für uns klar, entgegen eines in der Tagespresse lancierten Artikels, dass das eigentliche Gesetz nur die wichtigsten grundlegenden Gedanken enthalten soll und dass alle übrigen Fragen zweiter und dritter Ordnung, die schon durch die Verkehrsentwicklung der nächsten Jahre über Bord geworfen werden können, der Vollziehungsverordnung zu überweisen sind. Selbstverständlich wird das Gesetz einzelne Normen festlegen müssen. Die Automobilisten verlangen nichts, was « des Landes nicht der .Brauch wäre ». Allein sie verzichten zum vorneherein. auf einen Gesetzesentwurf, der in .der Volksabstimmung infolge zu weitgehen- 4fr Einengungen, seines__kautschukartigen •"^esens, oder schliessficfi seiner einseitigen Stellungnahme gegenüber den Automobilisten, ungerecht oder bereits zur Zeit der Abstimmung veraltet wäre. Die vom Departement zu leistende Arbeit ist gross. Sie wird Monate erfordern. Wir haben Geduld. Hauptsache ist, dass aus der .Arbeit und den Verhandlungen schlussendlich ein Gesetz und eine Verordnung sich herausschälen, die befähigt sind, das durchlöcherte, altmodische Konkordat endgültig über den Haufen zu schmeissen und einer modernen Verkehrsauffassung nach allen Teilen vollauf zu entsprechen. Die Bundesbahnen. 23 Millionen Franken Reingewinn. Von den Bundesbahnen hört man in letzter Zeit ausser den bereits erwähnten verschiedenen Katastrophen an Niveauübergängen eigentlich nur Gutes. Das Betriebsergebnis für den Monat Dezember zeigt wiederum eine Zunahme des Personen- und Güterverkehrs. Die Erträgnisse des Personenverkehrs sind gestiegen, wogegen die Einnahmen aus dem Güterverkehr infolge des reduzierten Gütertarifs zurückgegangen sind. Der reduzierte «Glauben Sie an die Kraft, die in zwei Augen liegen kann?» «Meinen Sie den Hypnotismus?» «Sie können es meinetwegen Hypnotismus nennen. Ich habe mit meinen Augen einen Menschen gezwungen, zu mir zu kommen, und auf diesen Menschen warte ich.» Er wollte sich nicht näher erklären und ging langsam fort. Ich blieb stehen, sah ihm nach und wunderte mich über sein seltsames Benehmen. Plötzlich hockte er sich hin und nahm seinen photographischen Apparat vor. Was wollte er eigentlich photographieren — nur das spiegelglatte Meer? Die Sonne lag glühend rings umher auf den weissen Steinen, trotzdem hatte er wohl ein Motiv. Hier und da standen Gräser streckenweise zusammen, Seetang schaute aus dem Wasser hervor, und einige kleine Klippen traten zutage und glänzten in der Sonne, wenn das Wasser von ihnen herablief. Dann wieder kam eine breite Dünung und verschlang das Ganze... Krag knipste, erhob sich und ging weiter. Ein seltsamer Mensch. Gegen acht Uhr ging ich nach dem Hotel, um zu speisen. Auf dem Wege traf ich Asbjörn Krag. «Ich habe Ihnen etwas zu erzählen,» begann er sofort, «der Mensch ist nun gekommen.» INSERTIONS-PRE1S: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Insi-ratensililuss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Gütertarif bewirkte eine nicht unbedeutende Zunahme der Transportmenge. Wenn auch ein gewisser Einnahmenausfall zu konstatieren ist, so beweist das Gesamtergebnis immerhin, dass die Bundesbahnen diesen Ausfall zu ertragen vermögen und dass trotz des dichtem Automobilverkehrs auf unsern Landstrassen auch die Eisenbahnen als « rollendes Gewerbe » nicht zu kurz kommen. Da den Betriebseinnahmen leider eine ziemlich beträchtliche Steigerung der Betriebsausgaben gegenübersteht, beträgt der Betriebsüberschuss des Monats Dezember mit 13,7 Millionen Franken 2 Millionen Franken weniger als im Monat des vorangegangenen Jahres. Das Jahresergebnis darf vollauf befriedigen. Es verzeigt bei approximativer Berechnung einen Ueberschuss, d. h. einen Reingewinn von rund 23 Millionen Franken. Der Personenverkehr hat eine Zunahme von 5,9 Millionen Passagieren zu verzeichnen. Insgesamt wurden 127,7 Millionen Reisende befördert. Eine Zahl, die sich wohl sehen lassen darf und die von der ungeheuren Reiselust spricht, die in unserem Volke eingesetzt hat. Dementsprechend hat der Personenverkehr für das Jahr 1929 auch 4,2 Millionen Franken mehr eingebracht als im Jahre 1928. Das Ergebnis im Güterverkehr zeigt wohl am besten, dass die Eisenbahn ganz ruhig neben dem Automobil bestehen kann. Durch gesetzliche Bestimmungen ist ja in allen Kantonen dafür gesorgt worden, dass die schweizerische Automobilindustrie nicht ins Kraut schiesst und das Rohmaterial für die Bahnen aus dem Auslande bezogen werden darf. Die wirtschaftlichen Verhältnisse im allgemeinen haben vorerst die Transportmenge zu heben vermocht. Daneben ist unverkennbar, dass die eingetretene Tarifreduktiön, die unablässigen Bemühungen der Sesa, die für den Güterverkehr auf der Strasse so gut eine Monopolstellung erstrebt, wie unsere verehrte Postverwaltung, vom Erfolge gekrönt waren. Klar bewiesen ist, dass durch die Tarifreduktion, für die auch wir beständig eingetreten sind, der Verkehr gefördert und belebt wurde. Selbstverständlich ist, dass die weitere Entwicklung von der Wirtschaftskonjunktur immer abhängig sein wird. Nachdem aber einmal die Bahnen infolge des Automobils aus ihrer Sterilität herausgekommen sind und sich einem kaufmännischeren Gebaren zugewandt haben, dürfte um die Betriebsergebnisse nicht mehr allzu stark gebangt werden — sofern es gelingt, immer wieder die Ausgaben nach den Einnahmen zu richten. Auf alle Fäiie ist die Tatsache erfreulich, dass der Reinertrag der Bundesbahnen mit 23 Millionen Franken sich um 5 Millionen Franken besser stellt als im Vorjahre. Damit dürfte das Gejammer über die Automobilkonkurrenz, sofern es wiederum angestimmt werden sollte, nicht mehr zu tragisch aufgefasst werden. • «Ich weiss nicht, von wem Sie sprechen.» Asbjörn Krag fasste mich unter den Arm und erzählte gemütlich: «Erinnern Sie sich nicht, dass ich erst vorhin von der Macht der Augen gesprochen habe? Gut. Ich hatte mit meinem Blick einem Menschen befohlen, zu mir zu kommen, und auf diesen Menschen habe ich nun mehrere Tage gewartet. Sie kennen den Mann auch, er sitzt jetzt eben in meinem Zimmer.» Nun erinnerte ich mich, wie der Detektiv beim Abschied von Gjaernaes zu dem Besitzer sagte, während er gleichzeitig den Verwalter ansah: «Wir sehen uns wieder, ich wohne im Hotel.» «Dann ist es sicher der Verwalter von Gjaernaes, der zu Ihnen gekommen ist,» warf ich ein. «Richtig gefolgert,» erwiderte der Detektiv. «Ich wünschte, dass Sie Zeuge unseres Gesprächs wären, und deshalb versuchte ich, Sie zu treffen.» Seine Mitteilung ergriff mich stark. «Also gibt es doch eine Verbindung zwischen Gjaernaes und dem Morde,» murmelte ich. «Grosser Gott! wenn ich daran denke was Sie kürzlich von dem Hute des Erschlagenen erzählten.»