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E_1930_Zeitung_Nr.011

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 7. Februar 1930 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 11 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen , ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Piappen. Postcheck-Rechnung II1/414. 120.000 Motorfahrzeuge in der Schweiz Zuwachs 1929 beträgt 11.000 — 33,3 Motorfahrzeuge pro Kopf. (Tabelle auf Seite 2) Indem wir unsere jährliche Statistik über die zirkulierenden Motorfahrzeuge in der Schweiz veröffentlichen, wollen wir uns zu allererst darüber entschuldigen, dass uns eine Veröffentlichung erst jetzt, d. h. einen Monat später als gewöhnlich, möglich wurde. Der Fehler liegt jedenfalls beim Kanton Bern, der zum ersten Male sich geweigert hat, uns das nötige Material zur Verfügung zu stellen, um es der Gesamtpresse mitteilen zu können. Das Studium der Tabellen zeigt uns folgenden Tatbestand. Die Zahl der Motorfahrzeuge hat gegenüber dem Vorjahre wiederum um ein Bedeutendes zugenommen. Sie ist von 105,000 auf 116,000 gestiegen. Prozentual ist allerdings der Zuwachs nicht ganz so gross, wie es im letzten Jahre der Fall war. Die Dauer der Wintermonate bis gegen Mai 1929, die amerikanische Krise und ihre Auswirkungen in Europa mögen dazu beigetragen haben. Daneben vollzieht sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht in einer Geraden, sondern im Zickzack und sprungweise. Da die Statistik nicht ganz komplett scheint, diejenige von Qenf wurde am 31. Oktober abgeschlossen, gehen wir wohl nicht fehl, wenn wir die Zahl auf 120,000 aufrunden würden. Das Verhältnis zwischen der welschen und der deutschen Schweiz bleibt ungefähr das gleiche wie in den letzten Jahren- Es zeigt, dass die welsche Bevölkerung dem neuen Trainspartmittel immer noch grösseres Verständnis und grössere Begeisterung entgegenbringt. Dagegen zeigt die Entwicklung deutlich, dass auch im deutschen Teil der Schweiz das Motorfahrzeug zusehends an Boden gewinnt. Wenn wir die in der Schweiz zirkulierenden Motorfahrzeuge nach Kantonen ordnen, so ergibt sich folgende Rangliste : Motorfahrzeuge Autos allein Zürich 20 596 Zürich 13171 Bern 17 577 Bern 10 018 Waadt 11994 Genf 8 733 Genf 11806 Waadt 7 816 Aarsau 7 459 Baselstadt 3 873 St. Gallon 5 257 Aargau 3 447 Baselstadt 5196 St. Gallen 3 365 Luzorn 4 592. Luzern 2 927 Neuenburg 4450 Neuenburg 2 751 Thurgau 4110 Solothurn 2 220 Solothurn 4 094 Thurgau 2199 Tessin 3 968 Tessin 2184 Baselland 3 085 Baselland 1728 Freiburg 2 902 Freiburg 1548 Wallis 1798 Wallis 1084 Graubünden 1714 Graubünden 854 Schaffhausen 1350 Schaffhausen 724 Schwyz 1091 Schwyz 586 Appenzell A.-Rh. 967 Appenzell A.-Rh. 538 Zug 785 Zug 506 Glarus 636 Glarus 398 Mdwalden 272 Nidwalden 175 Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (14. Fortsetzung) Ich hörte nichts. «Die verdammte Uhr,» flüsterte Asbjörn Krag, «ich möchte nur sie!» Als ich auf diesen Laut erst aufmerksam geworden war, hörte ich auch das ewige Ticktack. Krag riess die Uhr aus der Tasche und hielt sie an. «Wir wollen gehen,» sagte Krag. Ich wollte ihn fragen, wohin wir gehen wollten, aber ich kam nur dazu, zu sagen: «Ich verstehe nicht recht, wo...» da packte mich Asbjörn Krag fest am Arm. Es war nicht nötig, die Sinn© besonders anzustrengen, denn wir hörten jetzt deutlich und klar in der Ferne den eigentümlichen Klang von Metall, ähnlich dem Ton, der entsteht, wenn Wasser durch ein Metallrohr gesogen wird. Das Geräusch schwoll an und ab. Bisweilen war es kräftig, dann aber wurde es wieder leise, glitt hinaus in die Ferne, tönt© Obwald.cn 268 Obwalden - 172 Uri 250 Uri 145 Appenzell L-Rh. 109 Appenzcll I.-Rh. 60 Mit 20,596 Motorfahrzeugen steht Zürich an erster Stelle, ziemlich dicht aufgeschlossen folgt Bern mit 17,577 Motorfahrzeugen, dann der Kanton Waadt. An vierter Stelle steht der kleine Kanton Genf mit der respektablen Zahl von 11,806 Motorfahrzeugen. Hält die Entwicklung im Kanton Genf in gleicher Weise an, so wird er wohl bald seinen' grosseh Nachbarn überholt haben. Unter der Zahl 10,000 stehen die Kantone Aargau, St. Gallen, Baselstadt, unter 5000 die Kantone Luzern, Neuenburg, Thurgau, Solothurn, Tessin, Baselland, Freiburg. Dann sinkt die Zahl ziemlich rapid bis zum Kanton Appenzell-Innerrhoden, der rund 100 Motorfahrzeuge sein eigen nennen darf. Wenn wir die Automobile für sich betrachten, so finden wir wiederum Zürich und Bern an der Spitze. Dagegen steht Genf an dritter Stelle und die Waadt erst im vierten Rang. Baselstadt übertrifft den Kanton Aargau um rund 400 Automobile, Luzern und Neuenburg folgen in gleicher Ordnung, währenddem die übrigen Kantone ungefähr das gleiche Verhältnis aufweisen. Die Anzahl der Motorfahrzeuge verglichen mit der Einwohnerzahl der betreffenden Kantone gibt natürlich ein ganz anderes Bild, wie folgende Tabelle aufweist: auf ein Motorfahrzeug Genf Zürich Waadt N'euonburg Franz. Schweiz Baselstadt Baselland Aargau Thurgau Ganze Schweiz Solothurn Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: BreitenrainStr. 97, Bern Telephon Bollwerk,39.84 , Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Einwohnerzahl 14,4 25,2 263 29,4 27,4 27,3 26,7 31,0 33,0 33,3 33,4 35,6 37,3 38,4 38,7 38,4 40.2 50,3 52,0 53,3 54,7 56,6 57,8 64,6 69,9 71,3 auf Autos allein Genf Baselstadt Waadt Zürich Tessin Franz. Schweiz Basclland Neuenburg Ganze Schweiz Solothurn 19,6 36,3 40,8 40,8 42,0 42,1 47,5 47,7 54,5 58,0 Deutsche Schweiz 60,0 Deutsche Schweiz Luzern 60,6 Schaffhausen. ZUR 62,2 Born Thurgau 64,5 Luzern Bern 67,4 Tessin Schaffhausen 69,7 Zug Aargau 70,2 Freiburg Nidwaiden 77,7 Nidwaiden Obwalden 80,8 Glarus Glarus 85,1 Schwyz St. Gallen 87,8 St. Gallen Freiburg 94,2 Appenzell A.-Rh. Schwyz 101,8 Obwalden Uri 102,2 Graubünden Appenzell A.-Rh 102,3 Wallis Wallis 118,3 Uri 95,6 Grauh ünden 139,0 Appenzell I.-Rh. 132,0 Appenzell I.-Rh. 251,0 Zieht man nur die Automobile in Betracht, etwa eine Meile entfernt und erstarb in der Stille, um wieder anzuschwellen und uns laut in die Ohren zu tönen. Wir standen und lauschten nach dem eisernen Wagen zehn Minuten oder länger. «Mir kommt es so vor, als ob er umherkreist,» murmelte Asbjörn Krag, «als ob er in einem Ungeheuern Kreise draussen auf der Heide umherfährt.» Er versuchte mit seinen Blicken das Dunkeil zu durchdringen, aber es gelang ihm nicht. Da fluchte er ärgerlich, dass es nicht heller war. Ich fragte ihn, ob wir nicht über die Heide hinlaufen wollten, um möglicherweise einen Schimmer von dem mystischen Wagen zu sehen. «Aber welche Richtung sollen wir einschlagen?» fragte Krag. «Es ist ja unmöglich, zu unterscheiden, woher der Laut kommt, er geht in grossem Bogen herum, bald steht er im Norden, bald im Westen. Hören Sie nur, jetzt scheint er näher zu kommen!» Und es schien wirklich so, denn der Laut des klingenden Eisens wurde deutlicher und nahm an Stärke zu. Kurz darauf sagte Krag: so ergibt sich, dass für die welschen Kantone die Verhältniszahl eine weit günstigere ist, als für die deutschen. Das Motorrad hat in den letzten Jahren in der deutschen Schweiz weit mehr zugenommen als das Automobil. Diesen Betrachtungen gilt es allerdings eine Einschränkung beizustellen, indem wir im gegenwärtigen Augenblick nur auf die Volkszählung des Jahres 1920 abzustellen vermögen. Die Volkszählung, die in diesem Jahre durchgeführt werden soll, wird selbstverständlicherweise die Verhältniszahl zwischen Motorfahrzeugen und Bevölkerungsdichtigkeit wesentlich beeinflussen. Immerhin ist die wachsende Zahl der Motorfahrzeughalter auch in unserem Lande bedeutend. Sie weist darauf hin, dass auch bei Die Sektion Aargau des Auto-Gewerbe- Schutzverbandes der Schweiz sieht sich gezwungen, zur vollständigen Abklärung von Zuständen in der Behandlung ihrer Mitglieder und von Eingaben der aarg. Sektion des zit. Verbandes durch die massgebenden staatlichen Organe zur öffentlichen Kritik der herrschenden Missstände Zuflucht zu nehmen. Das Konkordat über einheitliche Verordnung betr. den Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahrrädern vom 7. April 1914, dem auch der Kanton Aargau beigetreten ist,, enthält in Artikel 24 folgende Bestimmung : Die Versuchswagen der Aatomobilfabriken und Garagen können an Stelle der ordentlichen Schilder solche erhalten,, die mit einem besondern Zeichen versehen sind. Diese besondern Schilder mit entsprechender besonderer Fahrbewilligung haben nur für das Gebiet des ausstellenden Kantons und ausschliesslich für Versuchsfahrten Gültigkeit. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenscliluss 4 Tone vor Erscheinen der Nnmmcrn uns die wirtschaftliche Wichtigkeit des Motorfahrzeuges immer besser erkannt wird und sie sollte auch unsern Behörden ein Hinweis dafür sein, diesem wachsenden Motorfahrzeugbestand freie Bahn zu geben, auf der einen Seite durch den kontinuellen Ausbau des Strassennetzes, auf der andern Seite durch Schaffung eines modernen, allen heutigen Anforderungen entsprechenden schweizerischen Verkehrsgesetzes. Diesbezüglich geht es ja glücklicherweise in unserem Lande vorwärts. Verschiedene Flirngespinste, die noch in der letzten Zeit in den Köpfen lagerten, sind herausgeputzt worden, man sieht heute das Automobil mit weit fortschrittlicheren Augen an, als dies bis vor kurzem noch der Fall war. * • Verkehrs- und Fahrbewilligungen im Kanton Aargau Kontrollschilder ohne besondere Weisungen gegen Bezahlung der Gebühren ausgehändigt. Die Inhaber konnten die Schilder zu allen Arbeiten verwenden, die ihr Gewerbebetrieb mit sich brachte, ohne riskieren zu müssen, mit den gesetzlichen Erlassen in Konflikt zu kommen. Sie waren auch immer der Meinung und sind es heute noch, dass die Abgabe solcher Garagenummern für ihr Gewerbe eine besondere Vergünstigung darstelle. Allein diese Vergünstigung wurde ganz plötzlich von der aarg. Polizeidirektion ohne ersichtlichen Grund ins Gegenteil umgewandelt. Heute läuft jeder Inhaber einer Garagebewilliguug Gefahr, bei deren gewerblichen Verwendung nur erdrückende Lasten und ungerechtfertigte Bussen tragen zu müssen. Mit der erwähnten Zentralisation stellte die Polizeidirektion des Kantons Aargau sog. Bedingungen für Garagebewilligung auf, die jeder Bewerber durch seine Unterschrift anerkennen musste. Damit wurde die Benutzung der Garage- Gestützt auf diese Konkordatsbestimmung verordnete der Kanton Aargau in § 10 dernummer derart verklausuliert, dass für deren revidierten Grossrätsverordnung vom 3. Dezember 1920, dass an Autogaragen und Inwendungsmöglichkeit mehr besteht. Zugleich Inhaber heute praktisch überhaupt keine Ver- setzte auch eine unerhört rücksichtslose polizeiliche Kontrolle ein. Beim geringsten Verstoss gegen diese willkürlich aufgestellten Bedingungen wurden die Fehlbaren hart be- haber von Reparaturwerkstätten Verkehrsund Fahrbewilligungen und Kontrollschilder gegen eine jährliche Gebühr von Fr. 200 pro Schild für Automobile und Fr. 75 pro Kon« trollschild für Motorfahrräder abgegeben werden. In der hierauf erlassenen Regierungsratsverordnung ist über diese besondern Bewilligungen und Kontrollschilder nichts bestimmt worden. Ebensowenig enthalten die Protokolle des Grossen Rates über die Beratung der Verordnung vom 3- Dezember 1920 irgendwelche Anhaltspunkte betr. den Verwendungsumfang dieser Garagebewilligungen. Bis zur Zentralisation des Motorfahrzeugkontrollwesens im November 1922 wurden den Garagebesitzern die erwähnten besondern «Nun kann er nicht mehr weit entfernt sein.» «Ich höre nur das Rassdn der Räder,» flüsterte ich, und gar keine Pferdehufe. Das muss ein wunderlicher Wagen sein.» Aber wir konnten ihn nach wie vor nicht sehen. Der Wagen lief im'Dunkeln. Unwillkürlich drückten wir uns dicht an die Baumstämme, denn wir hatten das Gefühl, als ob er in wenigen Minuten aus dem Dunkel feurig auftauchen und an uns vorbeisausen würde. Asbjörn Krag packte mich plötzlich am Arm. «Hören Sie das?» flüsterte er. Sein Gesicht war ausserordentlich gespannt. «Ich höre nichts als den eisernen Wagen.» «Mir kam es so vor,» murmelte er, «als ob ich einen Schrei hörte... Aber vielleicht irre ich mich.» Bisher hatten wir den rollenden Wagen gerade vor uns; aber nun war es, als ob er die Richtung verändert hätte, indem er hinter dem Walde verschwunden war; plötzlich wurde auch der Laut des klingenden Eisens gedämpft. «Grosser Gott,» rief ich, «der fährt ja auf das Meer zu!» «Gibt es keinen Weg auf jener Seite des Waldes?> straft. Trotzdem diesen Polizeibedingungen jede gesetzliche Grundlage fehlt, da weder Art. 24 des Konkordates noch § 10 der Grossratsverordnung eine dahingehende Ermächtigung (Delegation) enthält, sind die Gerichte in den meisten Fällen den Weisungen des aarg Polizeikommandos blindlings gefolgt. Es hat sich eine Bussenpraxis daraus entwickelt, die jedem Aargauer Garagisten das Handwerk gründlich verleidet hat. In dieser Not gelangte der damalige aarg. Garagenverband schon am 7. Mai 1925 mit «Nein, keinerlei Weg" — nur Felsen und Erdlöcher.» Es war nicht länger daran zu zweifeln, der Wagen fuhr gerade auf das Meer zu, das Geräusch der rollenden Eisenräder verlor sich in dem Masse, wie es sich nach und nach entfernte. «Der muss sich ja zuschanden fahren,» rief ich, «das ist vollkommener Wahnsinn!» «Und doch klingt der Laut fortgesetzt regelmässig,» antwortete Asbjörn Krag und sah hinüber nach der zackigen, dunklen Silhouette des Waldes. «Man hört ihn nur weiter und weiter entfernt.» «Nun muss der Wagen gleich am Strande sein,» sagte ich, der ich die Gegend kannte. Krag nickte. Plötzlich hörta der Lärm auf. «Der Wagen hat sich festgefahren,» rief ich. «Oder ist zertrümmert,» antwortete Krag. «Kommen Sie, wir wollen dorthin laufen.» Ohne abzuwarten, was ich beginnen würde, sprang er voraus. Ich folgte ihm, aber er lief so schnell und hatte einen solchen Vorsprung, dass er vor mir in der Dunkelheit fast verschwand. (Fortsetzung folgt.)