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E_1930_Zeitung_Nr.012

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1930 - N ü 12 grossen Zwölfzylindertype mit ungefähr 600 PS. Eine andere interessante Neukonstruktion, diesmal deutschen Ursprunges, stellt die vierte Skizze dar. Das Kennzeichen dieses Motors besteht darin, dass der Kolben sowohl beim Aufwärts- wie Abwärtsgehen Arbeit zu leisten imstande ist. Der Kolben ist dazu stufenförmig ausgebildet. Bewegt er sich abwärts, so erfolgt, wie beim einfach wirkenden Normalmotor, das Ansaugen, Komprimieren, Expandieren und Ausstossen Ein doppelt •wirkender Vergasermotor. I = oberer Zylinderraum, II = unterer Zylinderraum, Fl = obere Kolbenfläche, F 2 = untere Kolbenfläche, A = oberes Ventilpaar, B = unteres Ventilpaar, K = Teil des Kühlwassermantels. der Verbrennungsgase im Zylinderraum I und durch die Ventile bei A. Dabei ist FI die arbeitende Kolbenfläche. Ausgehend von der Aufwärtsbewegung des Kolbens gelten jedoch der Zylinderraum II, die Ventile B und die Kolbenfläche F II. Infolge der guten Führung des Kolbens und der Möglichkeit, ihn aus Leichtmetall herzustellen, eignet sich auch dieser Motor noch ziemlich gut als Schnelläufer. Seine bessere Materialausnützung lässt ihn jedoch besonders für solche Verwendungszwecke passend erseheinen, wo es auf eine möglichst grosse Verminderung des Gewichtes ankommt und der Schnellauf von nicht so grosser Bedeutung ist wie beispielsweise im Flugmotorenbau. mys. Ein neues federndes Rad. Seit den letzten gewaltsamen Anstrengungen, den Luftreifen des Automobilrades durch ein anderes elastisches Medium, vornehmlich ein in sich selbst federndes Rad zu ersetzen, galt dieses Problem fast allgemein als unlösbar. Wohl wurden während des Weltkrieges mit federnden Radkonstruktionen, besonders von deutschen Erfindern, einige Teilerfolge erzielt. Mit dem Verschwinden der Gummiknappheit verschwanden aber auch alle diese Federräder wieder vollständig von der Bildfläche. In der Technik ist jedoch das letzte Wort nie gesprochen. Wie man soeben erfährt, soll dem norwegischen Obersten Fridtjof Andersen nach zehnjährigen Versuchen nun der Bau eines Federrades gelungen sein, das nicht nur 50 % billiger als ein pneubeieiftes Rad zu stehen kommt, sondern auch noch bedeutend, elastischer ist als ein solches. Einzelheiten über die Konstruktion sind bis jetzt nicht erhältlich. Hingegen wird berichtet, dass der Erfinder des Rades zusammen mit seinem Teilhaber in den nächsten Monaten auf einem mit den elastischen Rädern ausgerüsteten Cadillac eine Demonstrationsreise durch ganz Europa unternehmen wird. Weiter sollen bereits einige grosse amerikanische Firmen an der Erfindung interessiert sein. mys. P rn Lf^

Bern, Dienstag 11. Februar 1930 ff Automobil-Revue"No. 12 Im heutigen „Autler-Feierabend": Seit« Transportabel 11 Akrobaten am Steuer 11 Fritz Kreisler erzählt von seinen Geige» 12 Ratschläge für einen jungen Freund 12 Seite der Frau 13 Stehlen als Krankheit 13 Die geschmuggelten Modellkleider 13 Die junge Piratin 13 Tourismus 1* Tourensprechsaal 14 Dnser letztes Kreuzworträtsel 14 Transportübel Fuhr ich da letzthin von Ölten nach Bern. Der Bahnwagen des Schnellzuges war mit demokratisch harten Sitzen ausgerüstet. Unten ein glatt gehobeltes, leicht nach hinten geneigtes Brett und zwei ebensolche Bretter am Rücken. Die gerade Linie ist bekanntlich die kürzeste und die billigste, auch wenn sie der menschlichen Anatomie nicht Rechnung trägt. Als überzeugter Demokrat beklageich mich über die primitive Möbelaussteuer der S. B. B. Von dem Volke, für das Volk! Diese hart© Wirklichkeit war auch lange nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war das Klima. Ich wusste aus der Zeitung, dass wir einen sehr milden Winter haben. Einen abnormalen Winter. Aber immerhin Winter. Nun, da drin, da war Sommer, Tropensommer. Man musste förmlich nach Luft schnappen. Beim Zahlen hatte man geschwitzt, hier dampfte man. Sogar an den Fenstern floss es nur so herunter. Alle Reisenden hatten glühende Wangen, als ob sie eben von einer gesegneten Mahlzeit mit Champagner aufgestanden wären. Auch dem Thermometer war der Alkohol in den Kopf gestiegen. Es zeigte volle 23 Grad. Ich glaubt© mich nach den Bahnreglementen berechtigt, das Fenster zu öffnen. Der Schnellzug hielt ja noch volle zehn Minuten. Und ausserdem war der Winter draussen wirklich ganz mild. Ich machte also das Fenster eine Hand breit auf und erhob mich, um die frische Luft, welche wie Frühlingsahnen hereinzog, in vollen Zügen zu geniessen. Aber nicht lange. «Machen Sie, bitte, das Fenster zu.» sagte da plötzlich mein Gegenüber, ein nettes Fräulein, das sich bereits fröstelnd in seinen Mantel hüllte, «mir schlägt die Kälte auf den Kopf!» Merkwürdig! Mir schlug die Hitze auf den Kopf und der da... Seufzend machte ich das Fenster wieder zu und schwitzte weiter, denn ich bin kein Grobian, der einer Dame so mir nichts, dir nichts auf den Kopf haut. Als ich in Bern ankam, fühlte ich mich nicht ganz wohl. Kein Zweifel: mir war übel. Transportübel! Andreas. Die listigen Stadtväter von Ishinomaki Die japanischen Blätter berichten von einer ausgezeichneten Idee, die der Magistrat der japanischen Stadt Ishinomaki gehabt hat und die nun auch tatsächlich zur Ausführung gelangen soll. Die Stadtväter von Ishinomaki sind nämlich daraufgekommen, dass ihre Mitbürger nicht gern Steuern zahlen, und haben nachgedacht, wie man ihnen diese unerfreuliche Angelegenheit etwas schmackhafter machen könnte. Da verfielen sie nun auf die glänzende Idee, von nun an das Austragen der Steuerquittungen nur mehr hübschen, jungen Mädchen zu übertragen, die nach der Meinung des Magistrats, der doch seine Mitbürger kennen muss, sicherlich mehr Glück haben würden als die bisher in Verwendung gestandenen griesgrämigen Beamten, die meist unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten, wenn sie mit den ominösen Zetteln in der Hand anklopften. Im Amtsblatt der Stadt stand vor einigen Tagen folgende Kundmachung zu lesen, die nicht gefehlte, gebührendes Aufsehen zu erregen: «Der Magistrat von Ishinomaki schreibt hiermit vierundzwanzig Steuereinnehmerinnen-Stellen aus, für die nur wirklich hübsche Damen in Betracht kommen, die das Alter von fünfundzwanzig Jahren noch nicht erreicht haben. Bewerberinnen, die diesen Bedingungen entsprechen, wollen schriftlich ihre Gesuche, denen Geburtsschein und gutes Lichtbild bei- Kammermusik Vorn rasen Vier auf ihren Instrumenten, Als ob sie Höhen, Tiefen dieses Daseins kennten. Zuerst manierlich, Dann schon possierlich Und endlich gar noch falsch und unrein! 's ist nicht mehr zum Dabeinsein, Wenn man doch weiss, 's wird morgen in der Zeitung stehen, Was Wunder wir für Künstlerhöhen In unsrer Mitte hier besässen! (Ja, solches steht gar oft zu lesen.) Erster Eindruck: Autos, Autos, Autos. Von links, von rechts, von vorn und hinten, immer neue, immer mehr, immer schneller. Bremsen kreischen — zwei Taxis stehen auf Tuch-: fühlung hintereinander. Irgendwo splittert Glas. Ein Hexensabbat auf spiegelblankem Asphalt. Jeder fährt, wie er glaubt am schnellsten vorwärtszukommen. Nirgends bleibt eine Lücke — jeder schiebt, jeder drängt — und alles in einem sagenhaften Tempo. Und wir mit unserem Berliner Wagen mitten dazwischen. Bis heute 36,000 km mit unverbeulten Kotflügeln — Paris, wir fürchten, dass wir Erinnerungen: heimbringen werden! Schon wieder um uns ein wirrer Knäuel. Eingekeilt steht alles wie angewurzelt. Einen ganz kleinen, zagen Blick werfe ich nach hinten: was ich sehe, ist herzbeklemmend. Ströme von Fahrzeugen, Autos dicht an dicht, Taxis und Privatwagen — ganze Karawanen. Die Stossstange eines ungeheuren Lastwagens erhebt sich unheildrohend hoch über unserem Reserverad. Gleichgültig stehen ein paar Pferdewagen da; die Pferde ziehen nicht neben-, sondern hintereinander. Wenn das Verkehrs-Chaos allzu dicht wird, löst sich von einer Ecke ein Schutzmann; er stürzt sich mit gellender Trillerpfeife ins Gewühl und entwirrt durch ein paar kurze Zeichen mit dem Signalstab, einem weisslackierten Holzknüppel, den Knäuel* Dann ist er wieder verschwunden. Freundlich lächelnd steht er wieder an seiner alten Ecke und erteilt äusserst verbindlich jede gewünschte Auskunft. Weiter — immer weiter im Höllentempo. Einer flitzt um Haaresbreite vorbei, man kann genau einen Zeigefinger zwischen diesen und jenen Kotflügel legen. Uns stehen die Haare zu Berge. Das ist kein Fahren mehr, das ist Akrobatik am Lenkrad! «Unsere Kotflügel,» denke ich, «was soll aus ihnen werden? » Krrr — machen schon wieder die Bremsen zweier Taxis. Jetzt bumst es dumpf. Da noch einmal — ein Lieferwagen ist auch noch in den Haufen gefahren. Die Taxis wackeln vor Schreck und vom Anprall. Man staunt ganz ehrlich, dass sie den Stoss noch einmal überlebt haben: denn jämmerlich sehen sie aus, uralt und durchaus autofriedhofbedürftig. Die Fahrer geben sich in aller Gemütsruhe die gegenseitigen Adressen. Kein lautes Wort fällt Auf dem Bürgersteig bilden sich Gruppen, die zufügen ist, an den Magistrat richten.» Wie die Blätter berichten, sollen die ausgesuchten Kandidatinnen nach ihrer Ausmusterung eine zweimonatige Ausbildungszeit durchmachen und erst dann auf die Steuerzahler losgelassen werden, die es nicht erwarten können, ihr Geld so hübschen Händen ausfolgen z» dürfen... Akrobaten am Steuer Eine Stunde auf den Pariser Boulevards Von Ilse Lundberg. gleichgültig den Vorfall mitansehen. Was ist schon ein kleiner Verkehrsunfall? So etwas passiert ja alle fünf Minuten. An jeder Ecke — immerzu. Nun sind zwei Kotflügel zum Teufel — einer schlägt ganz besonders weinerliche Falten. Kein Mensch schimpft. Gewohnheit? Wir wundern uns ein wenig. Willenlos müssen wir weiter mit dem Strom; ein Segen, dass man auch in Paris rechts fährt. Das Schickal verschlägt uns in die Nähe einer Bordschwelle. «Aussteigen, verschnaufen. Den Betrieb aus sicherer Fussgänger-Perspektive ansehen.» Nichts weiter wünschen wir. Ich schliesse den Wagen ab. Wir atmen erleichtert auf. Da steuert auch rechts von schon freundlich lächelnd ein Schutzmann auf ander. uns zu. Er redet lebhaft auf uns ein. Wir verstehen kein Wort. Nun zeigt er nach oben. Wir begreifen: An einem Pfahl hängt ein rundes Emailschild mit vielen Nummern drauf. Das scheint eine Autobushaltestelle zu sein. Natürlich darf man hier nicht parken. Also wieder einsteigen und weiter im Strom, wenn auch zagend und zögernd. Wir müssen Tempo halten, ob wir wollen oder nicht. Rechts von uns knallen schon wieder zwei Wagen aufeinander. Es passiert eigentlich nie etwas. Nur Glas splittert und Stossstangen verdrehen sich. Was rechts und links vor uns fährt, hat verbeulte oder gespachtelte Kotflügel. Die meisten werden erst gar nicht lackiert. Wozu? Morgen sind sie ja doch wieder zerknautscht. Kein Mensch gibt beim Einbiegen ein Zeichen. Winker kennt man nicht. Hier hat jeder Vorfahrt, dessen Räder etliche Zentimeter eher an der Kreuzung sind und im übrigen verlässt man sich auf die Bremsen. Voll und ganz. Hupen hört man sehr selten, höchstens an Kreuzungen. Beim Ueberholen ist Hupen verboten. Wir flüchten in eine Nebenstrasse ; hier ist es etwas ruhiger. Aufatmend fahren wir langsamer. Wir sehen die Menschen im Herbstsonnenschein vor den Cafes sitzen, in der Ferne den Eiffelturm, wir sehen elegante Frauen und Scheichs, die mit Perserteppichen handeln. Wir sehen — das Herz setzt wieder einmal aus: Eine Strassenbahn kommt im Eilzugstempo heran, senkrecht zu ihr schiesst aus einer Nebenstrasse mit Vollgas ein Taxi — — jetzt, jetzt müssen doch beide bremsen! Ich trete unwillkürlich mein Bremspedal — aber keiner von beiden verlangsamt sein Höllentempo. Halbe Sekunden werden zu qualvollen Ewigkeiten. Jetzt müssen sie zusammenknallen, es wird ein fürchterlicher Unfall werden nichts von alledem. Keiner von beiden hat sein Tempo auch nur um ein weniges verringert: Es ist der Stadtdroschke gelungen, zwanzig Zentimeter vor der Strassenbahn vorbeizukommen; sie musste allerdings noch einen kleinen, ausweichenden Bogen machen. Ein Schutzmann hat alles gesehen; er lächelt — beinahe anerkennend. Ja, fahren können die Franzosen. Wir haben den Schreck noch nicht ganz überwunmitten drin im den und sind schon wieder fürchterlichsten Verkehr. Ich kupple, schalte, gebe Gas, bremse — unaufhörlich. Ich kenne nur noch Reflexbewegungen und habe mir abgewöhnt, in den Rückspiegel zu sehen. Sonst werde ich doch noch schreckhaft. Wir sind an der Ecke der Boulevards des Italiens und Haussmann. Hier scheint es am tollsten zu sein. Von rechts, von links, von überall stürmt es heran. Wir bewundern nnmer wieder den Zustand französischer Bremsen. Zur Abwechslung dröhnen gleich uns zwei Taxis dumpf aufein- Die Liebe zum Kaffee ist mehr als hundert Jahre alt und sonders in unserer Zeit sehr stark gemit worden. Dazu ha.t der Kaffee Hag seiner Coffeinfreiheit viel heigetragen. Es kraucht jetzt ja niemand mehr den Kaffee« genuss wegen der lästigen Coffeinwirkungen einzuschränken oder gänzlich darauf zu verzichten. Keine Schlafstörung, keine Nerven- und Nierenreizung, kein Herzsallee klopfen, wenn Sie Kaffee Hag trinken* denn dieser feinste, echte Bohnenkaffi ist coffeinfrei, garantiert unschädlich.