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E_1930_Zeitung_Nr.012

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12 ÄÜTOMOBIL-REVUE

12 ÄÜTOMOBIL-REVUE 1930 — No 12 Unablässig kreuzen sich lückenlose Autokolonnen. Jeder gönnt dem anderen sein Plätzchen auf dem Asphalt, jeder kommt vorwärts, jeder drängt, schiebt, hastet. Da, eine neue Verstopfung. Im Augenblick steht alles still, so weit man sehen kann. Selbstverständlich laufen die Motoren; jede Sekunde kann es ja weitergehen. Die Luft ist dick zum Durchschneiden, man meint in Auspuffgasen ersticken zu müssen. Ungeduldige beginnen zu hupen. Der Lärm ist unbeschreiblich. Der Schutzmann entwirrt den Knäuel; unablässig steigen unsere Stossgebete gen Himmel... Langsam erst, dann schneller, immer schneller geht es vorwärts. Unser Tachometer zeigt 50 — die anderen aber sind weit schneller. Wir haben nur einen Wunsch: In unsere Garage. So schnell wie möglich. Gleich müssen wir sie sehen. Da laufen Fussgänger wie blind über den Fahrdamm, wir müssen uns kunstgerecht vorbeischlängeln. Pariser Fussgänger sind gewohnt, sorgfältig umfahren zu werden. Ein Hund tollt in der Fahrbahn — um ein Haar hätte uns eine Strassenbahn gerammt. Stadtdroschken flitzen vorbei — dort drüben ist gerade eine auseinandergefallen. Der Wagen steht sicher in seiner Garage. Ganz fest schliessen wir die Türen. Wir werden uns bis auf weiteres Paris zu Fuss ansehen. Kampf um den Hut im Winter. Die amerikanische Liga für die Reform der Männertracht hat den Kampf aufgenommen gegen den Bürgermeister der Stadt Wilikesbarre in Pennsylvanien, Mr. Hart, der das Huttragen im Winter für unbedingt notwendig erklärt hat. In einer Ansprache führteer aus, dass jeder, der im Winter ohne Hut gehe, für wahnsinnig erklärt werden und hinter die Mauern eines Irrenhauses gesperrt werden müsse; die Hutlosigkeit im Winter sei eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes und ausserdem die Gefährdung einer wichtigen Industrie. Die Liga erblickt in dieser Erklärung des Bürgermeisters «einen unerträglichen Angriff auf die Freiheit der Persönlichkeit», fordert von ihm, dass er seine Worte widerrufe, die eine schwere Beleidigung gegen die Mitglieder der Liga enthalten, und will den Kampf gegen den Hut im Winter mit allen Mitteln durchfechten. Eine Insel gefällig? Wer den Wunsch hegt, Alleinherrscher über alles Land, dass er überblicken kann, zu sein, hat jetzt die Gelegenheit, eine Kanalinsel zu erwerben; denn die Insel Brecqhou ist zum Verkauf angeboten. Brecqhou ist rund 500 Meter lang und 270 Meter breit. Die Insel, auf der man in aller Behaglichkeit Robinson Crusoe spieien könnte, hat nur ein Haus, das geräumige Herrenhaus. *••••••••••••••••••••••••••••••»••••••••••••••••« Das Eigentum an der Insel verleiht van selbst die Mitgliedschaft des Parlements von Sark, einer benachbarten Insel. Die Bewohner der Insel anerkennen weder die Souveränität Frankreichs noch Englands und nennen sich Normannen. Wenn einer von ihnen meint, dass ihm irgend ein Unrecht zugefügt sei, so geht er auf den öffentlichen Platz um Rollo, den ersten Herzog der Normandie, anzurufen, worauf das mittelalterliche Recht seinen Lauf nimmt. erzählt von seinen Geigen In der € Daily Mail» berichtet Fritz Kreisler, wohl der grösste Geigenvirtuose unserer Zeit, aus seinem Leben. Die Uebersetzung ist der « Vossischen Zeitung > entnommen. Der Krieg hatte kaum mehr als zwei Monate gedauert, als ich im Oktober 1914 verwundet wurde. Ich wurde für dienstuntauglich erklärt und reiste mit meiner Guarnerifiedel nach Amerika, um in der Sonne Floridas Heilung zu suchen. Ich fuhr auf einem holländischen Schiff. Die Engländer inspizierten uns im Kanal mit äusserster Gründlichkeit; sie waren zuvorkommend. Ich hatte nicht vorausgesehen, dass Amerika in den Krieg eingreifen würde. Wie schnell ging dort die Saat des neuen Hasses auf! Es wurde für mich unmöglich, zu spielen, obgleich die Regierung durchweg wundervoll korrekt und höflich war. Die Krise trat in Pittsburg ein. Ich war genötigt, meine Guarnerigeige zu verkaufen. Lange Zeit habe ich keine Violine angerührt. Was bedeutete es schon, dass ich nicht fiedelte während sich die ganze Welt gegenseitig in Stücke riss? Im Jahre 1919 spielte ich zum ersten Male wieder in New York. Das Publikum war demonstrativ liebenswürdig, mehr als hätte erwartet werden dürfen. Ob ich nicht befürchte, dass meine Hände zu Schaden kommen ? Die Frage ist mir oft gestellt worden. Ich habe mich nie um meine Hände gesorgt. Mein ganzes Leben lang habe ich sie behandelt als wären sie irgend beliebige Hände. Ich bin Fatalist. Ich kann mich um den Schutz meiner Hände nicht kümmern. Mit meinen Violinen ist es gerade so. Ich will mir mit der Sorge um meine Violinen keine Lasten aufladen. Uebrigens würde die Entwendung einer meiner Violinen dem Diebe keinen Nutzen bringen, weil er sie nicht verkaufen könnte, wie folgende Geschichte beweist: I BILLIGERVERKAUF dem Ladenbesitzer, einem schlauen, malerisch wirkenden alten Juden: «Ich habe eine Violine bei mir. Was wollen Sie mir dafür geben?» Er sieht sich meine Violine an und antwortet arglistig: «Ich sehe, Sie sind ein Kenner. Den Preis den Ihre Violine wert ist, kann ich Ihnen nicht bezahlen. Und hier im Laden habe ich kein einziges Instrument, das Ihnen gezeigt zu werden verdiente. Warten Sie aber nur ein paar Minuten, und ich bringe Ihnen eine Amati, die Sie interessieren wird ! » Er verliess den Laden und kehrte bald darauf zurück, aber nicht mit einer Amati, sondern mit einem Polizisten. « Dieser Mann hier », sagte er zu dem Polizisten, «ist ein Dieb. Er hat mir eine Violine, die Kreisler gehört, zum Kauf angeboten !» * Ich hatte grösste Mühe, den alten Juden zu überzeugen, dass ich Fritz Kreisler bin. Völlig überzeugt schien er erst, als ich ihm etwas vorspielte, im Wettbewerb mit meinen Grammophonstücken !» Meine Lieblingsviolinen sind eine Guarneri und ein Stradivari. Werde ich gefragt, welcher ich den Vorzug gebe, so antworte ich : Wie kann ein Mann sagen, dass er Blond oder Brünett bevorzugt? Gegenüber solchen Schönheiten kann man keine Vorliebe haben l In bezug auf Violinen bin ich polygam ! Im Sommer spiele ich nie : 4 bis 5 Monate, von Mai bis Oktober. Die Ruhe tut mir gut. Dennoch würde ich es nicht wagen, dieses Rezept einem anderen zu empfehlen. Ich für meine Person kehre im Herbst erfrischt zu meinen Violinen zurück. Ratschläge für einen jungen Freund, der sich in der Gesellschaft bewegt. Ich habe dich auf der heutigen Abendgesellschaft beobachtet. Du warst niedergeschlagen und unzufrieden mit dir selbst Zur Seite der Frau sitzend, die du verehrst, brachtest du nicht den Mund auf. Sie hat versucht, dir Mut zu machen, und dann, unsicher geworden, ist sie aufgestanden und murmelte etwas, sie müsse gehen. Eine Stunde später fandest du sie wieder, aufgeweckt, fröhlich, an der Seite eines andern. Du geselltest dich zur Gruppe der Politisierenden. Sie sprachen von Dingen, die dir geläufig sind: vom Krieg, Steuern, Wirtschaftskrisen. Sie sagten nichts, was nicht allmorgendlich schwarz auf weiss in den Zeitungen zu lesen ist und doch schien ihr Gespräch lebendig und geistreich. Du wolltest dich darein mischen. Man hat sich erstaunt nach dir umgedreht, so wie ein gutes Orchester die neue Violine mustern würde, wenn sie falsch spielt. Du begannst eine Erzählung; nach zwei Sätzen schnitt dir der bewusste Herr mit der lauten Stimme das Wort ab, und niemand wollte das Ende hören. Du hast nicht gewagt, als erster aufzubrechen, schlössest dich aber den ersten Gehenden an. Du gingst langsam, liessest den Kopf hängen. Ich hatte Lust, dir nachzueilen und dir zu sagen : «Mach dir nichts draus... Dein Abenteuer von heute abend ? Es war einmal uns allen gemeinsam. Glaube nicht, dass man deine Schweigsamkeit bemerkt hätte. Die Menschen sind zu sehr mit-* sich selbst beschäftigt, um lange an dich zu denken. Du beneidest sie um ihr Ansehen. Es kommt mit dem Beruf und bedingt mangeln-« de kritische Begabung. Deine Stellung im Leben findet sich mit den Jahren. Du wirst lernen, dich zu behaupten. Du wirst dir eine feststehende 'Anschauung zulegen, diesen guten Schutzschild. Von ihm gedeckt, wirst du tapfer sein. Bis es soweit ist, beherzige einige Regeln einstweiliger Klugheit: Sprich nie, wenn du zum erstenmal in einen dir fremden Kreis eindringst. Hör' zu, schule dich. In Paris gibt es zu gleicher Zeit nicht mehr als 3 gangbare Gesprächsstoffe. Unterrichte dich in allen dreien, wie du dich auf alle Fragen eines geschichtlichen Examens vorbereiten würdest. Dann warte deines Augenblicks. In Fragen der Tatsachen gibt die Zuständigkeit das Recht zum Reden. Sei Theologe, Psychologe, Jurist. Zitiere die Formel der Exkommunikation und den Wortlaut der Paragraphen des bürgerlichen Gesetzbuches. Die Welt beugt sich vor den Spezialisten. Mit den Frauen sei einfach und kühn. Sie lieben das Natürliche und, dass man mit ihnen über sie spreche. Zögere nicht, von deinem Beruf zu erzählen. Die Tätigkeit des Mannes hat etwas von einer derben Liebkosung an sich, die ihnen schmeichelt. Scheue sogar nicht davor zurück, unverständlich zu seiy Sie werden sagen: «Das ist jener junge Mann mit den hübschen Augen, der mit mir von Einstein gesprochen hat.» Andre Maurois in der Prager Presse. Der Adam auf dem Ball. Bei einer Liebhaberaufführung auf einem Privatball in Nancy traten ein Student und eine Studentin völlig im Kostüm vor dem Sündenfall auf. Die Handlung war keineswegs unanständig, trotzdem nahmen einige der Gäste Aergernis und machten Anzeige bei der Polizei Das Gericht verurteilte den Studenten zu 100 Franken, das Mädchen zu 50 Franken Geldstrafe. Das Urteil erregte doppeltes Gelächter: einmal ergeht sich ganz Nancy in Kommentaren, warum wohl die Blösse eines Mannes unanständiger sei als die einer Frau, anderseits veranstalteten die nicht entrüsteten unter den Gasten eine Sammlung zur Deckung der Strafsummen und diese Sammlung ergab ein Resultat von nahe 2000 Franken. für alle Schreibmaschinen, Originalspulen, 1. Qualität, alle Farben Bilanzsummen: 1905 Fr. 786 369 APARTER LEDERKLEIDUNG Fr. 2.50 per Stück statt Fr. 3.50. 1910 Fr. 9132 439.— für Auto, Motorrad und Sport. 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Zum Spass probierte ich eine der Violinen und fragte nach dem Preise. Es war ein elendes Instrument Dann sagte ich zu FARBBÄNDER Sammlung v. Gedichten o. Aufführungen für festliche Anlässe, „Zum Ufsäge". Unter den mannigfachen Darbietungen findet sich immer etwas Passendes für alle Anlässe im Kreislauf eines Jahres. Preis in zierlichem Einband nur Fr. 3.—. Abonnenten erhalten 20°/n Rabatt. Verlag Hallwag ä: Bern. riiiiiiimiiiiimiiiiiiiiiimiiimmiiiiiuiiiminiii! unseres Institutes, 3—5 Jahre fest, die wir als Kapital-Anlage bestens empfehlen. Wir abernehmen solide Wertpapiere, die innert Jahresfrist rückzahlbar sind, gerne an Zahlungsstatt. St. Gallen, Zürich, Basel, Genf, Appen» zell, Au, Brig, Fribourg, Martigny, Ölten, Rorschach, Schwyz, Sierre, Widnau. Versicherungen aller Art schliessen Sie vorteilhaft ab bei Haftpflicht- und Lebens- „WINTERTfflJR" Schweizerische Unfall - VersicherungS' Gesellschaft in Lebens- VersicherungS' Gesellschaft Winterthuf

N» 12 — 1930 AUTOMOBIL-REVUE 13 Stehlen als Krankheit Die Frau und die Kleptomanie Zu den dunklen Rätseln der Menschenseele, *üe dem Kriminalisten und Psychiater immer wieder entgegentreten, gehört auch jene seltsame Triebverirrung, die als « Kleptomanie » bezeichnet wird. Es ist dies ein krankhafter Drang zum Stehlen, der stärker ist als jede Erwägung der Vernunft und jede sittliche Hemmung. Professor Dr. Sträussler, einer der bekanntesten Psychiater, äusserte sich über dieses Problem im «Neuen Wiener Journal » in folgender Weise : «Es ist durchaus kein vereinzelter Fall, dass ein Angeklagter, der wegen Diebstahls vor Gericht steht, von einem übermächtigen Zwang erzählt, der ihn zu seiner Tat getrieben haben soll. Nur in den seltensten Fällen wird aber dieser Hinweis zu einem Freispruch führen. Man müsste ja klipp und klar beweisen können, dass der Diebstahl ausschliesslich auf eine Triebstörung des Beschuldigten zurückzuführen ist. Nun ist es aber so schwer, alle anderen Motive auszuschalten, dass das Gericht die behauptete Kleptomanie fast nie als Strafausschliessungsgrund anerkennen wird. Die Kleptomanie in der Strassenbahn. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass die Möglichkeit einer kleptomanischen Veranlagung von vornherein auszuschalten ist. Es gibt Diebstähle, die so unmotiviert und in der Art ihrer Ausführung so durchsichtig sind, dass sie deutlich auf eine krankhafte Triebverirrung hinweisen. In meiner eigenen Praxis sind mir wiederholt solche Fälle untergekommen, die besonders krass dann wirkten, wenn es sich um Personen aus begüterten Gesellschaftsschichten handelte. Einen dieser Fälle habe ich noch in deutlicher Erinnerung. Es handelte sich um ein Mädchen aus sehr gutem Hause, das in der Strassenbahn bei einem sonderbaren Diebstahl ertappt wurde. Die Fahrgäste bemerkten, wie eine junge, sehr elegant gekleidete Dame plötzlich in die Ledertasche des Schaffners griff, in der dieser sein Geld verwahrt hielt. Der erste Versuch misslang und sie wiederholte ihn zweimal, bis sie genügend Geld erbeuten konnte. Natürlich wurde sie sofort festgenommen und einem Wachmann übergeben. Die psychiatrische Untersuchung ergab, dass es sich hier um richtige Kleptomanie handelte. Schon das ganze Gehaben des Mädchens, das instinktmässige Zupacken ohne jeden Grund und ohne jede Vorsichtsmassrege] wiesen darauf hin. Die Sache endete auch mit einer Einstellung des Strafverfahrens und das Mädchen kam in eine Heilanstalt. « Einbruch » bei der guten Freundin. In einem zweiten Fall handelt es sich um eine junge Dame der Gesellschaft, die bei guten Bekannten zu Gaste weilte. Während der Abwesenheit ihrer Freundin entwendete sie aus einem versperrten Kasten einen bedeutenden Geldbetrag und um die Spuren des Diebstahls zu verwischen, täuschte sie einen Einbruch vor. Man kam aber bald darauf, dass die ganze Räubergeschichte erfunden war und das Gericht erhob gegen die Täterin die Anklage. Familie, Verteidigung und die Beschuldigte selbst führten den ganzen Vorfall auf einen kleptomanischen Trieb zurück. Das Gericht war jedoch anderer Auffassung; die sorgfältige Beseitigung jeder Spur wurde als Beweis dafür gewertet, dass hier ein ganz gewöhnlicher vorbedachter Diebstahl vorlag. Das Mädchen wurde auch zu einer Kerkerstrafe verurteilt. Schwieriger lag der Fall bei einem Kirchendieb, der ebenfalls einer begüterten Familie entstammte. Er stahl im Gotteshaus eine Anzahl Kostbarkeiten, wobei er ein ausgezeichnetes Verständnis für ihren künstlerischen Wert bewies. Seine Verantwortung, dass er aus einem seelischen Zwang heraus die Diebstähle beging, hätte vielleicht Glauben gefunden, wenn er die gestohlenen Gegenstände nicht verwertet hätte. Damit« war aber auch das materielle Motiv seiner Tat erwiesen und er musste eine empfindliche Bestrafung in den Kauf nehmen. Erotische Kleptomanie. Von ähnlichen Gesichtspunkten aus werden auch die Handlungen jener Ladendiebinnen beurteilt, die sich bei ihrer Festnahme auf Kleptomanie auszureden versuchen. Es fällt gewöhnlich nicht schwer, ihnen ein gewinnsüchtiges Motiv nachzuweisen. Oft finden sich unter den Ladendiebinnen Angehörige der bessern Gesellschaftsschichten, die sich den gestohlenen Gegenstand ohne weiteres hätten kaufen können. Manchmal stellt es sich heraus, dass die Täterin zur Zeit des Diebstahls von gewissen funktioneilen Vorgängen in ihrem Körper beeinflusst war, dass yOftlDJ sie ihre Delikte in einer Art erotischer Erregung verübt hat. Auch sonst spielen erotische Motive bei der Kleptomanie häufig eine wesentliche Rolle; so sind die Diebstähle eines Fetischisten oder Verliebten, der einen seiner Angebetenen gehörigen Gegenstand entwendet, stets durch erotische Momente bestimmt. Das Gericht zieht solche Umstände, wie konstitutionelle Einflüsse bei der Frau usw. gewöhnlich als Milderungsgrund in Erwägung. Die Grenze zwischen dorn Krankhaft-Anormalen und dem Noch-Normalen ist freilich hier sehr schwer zu ziehen. Der Besitz eines Paares schöner Seidenstrümpfe oder eines kostbaren Kleidungsstückes löst ja auch bei einer nicht gerade kleptomanisch veranlagten Frau ein Gefühl aus, das man am besten als die Lust am Besitz bezeichnen könnte. Für das Gericht gilt aber dieses Moment nicht als strafbefreiend, ebensowenig wie die Tatsache, dass jemand einen Gegenstand aus Liebhaberei stiehlt. Die Leidenschaft des Sammlers für begehrte Stücke ist bekannt und Diebstähle durch solche Leute sind gar nicht selten. Sie gehen dabei oft sehr raffiniert zu Werke und da ihre Handlungsweise nicht rein triebsmässlg bedingt ist, kann natürlich auch bei ihnen nicht von Kleptomanie gesprochen werden. Die geschmuggelten Modellkleider Die grossen Modehäuser von Paris, deren neue Kreationen alljährlich viele Millionen aus dem Ausland nach Frankreich bringen, sind immer grossen Verlusten durch das vorzeitige Kopieren ihrer Modelle ausgesetzt gewesen. Obwohl diese in Kassenschränken verschlossen sind, die nur durch Geheimschlüssel zu öffnen sind, gab es immer findige Köpfe, welche Mittel und Wege fanden, vorzeitig Kopien zu liefern. Diesem Unfug zu steuern, haben sich vor kurzem die grossen Modefirmen zusammengeschlossen und Preis in eleg. Einband mit Goldprägetitel nur Fr. 5.—. Der modische Fröhjahrshut 1930. Turbanartijje Hüte sind für 1930 wieder die beliebte Kopfbedeckung. Unsere Abbildung zeist drei Formen des Strassen- und Abendhutes. Charakteristisch ist das Herunterziehen der Seitenteile über Ohr und Wange. eine Detektivzentrale geschaffen, die jedem Modehaus seinen eigenen Detektiv zuerteilt. .Einem dieser Aufpasser ist es nun gelungen, aufzuklären, auf welche Weise in dem seiner Bewachung unterstellten Hause die Modelle hinaus kamen. Er stellte fest, dass die jungen Mädchen, die in diesem Atelier arbeiteten, eine grosse Vorliebe für die lange so beliebten Puppen hatten, die man vielfach in Autos als Maskottchen sieht. Die jungen Damen nahmen die Puppen regelmässig mit in das Atelier und ebenso am Abend in ihr Heim. Besonders als Japanerinnen gekleidete Puppen wurden bevorzugt. Der schlaue Detektiv Hess nun die Puppen entkleiden, obgleich deren Kleider auf den Puppenleib festgenäht waren, und es ergab sich, dass unter den zur Schau getragenen Puppenkleidern jedesmal ein anderes Kleid, ein Modell, verborgen war, das auf der nächsten Modeschau brillieren sollte. Man wird also einen neuen Trick ausdenken müssen, um die Modelle, für die grosse Summen bezahlt wurden, unbefugt zu kopieren. werden dem abgearbeiteten und nervösen Menschen in sinnfälliger Form durch appetiterweckende, auserlesene Gerichte zugeführt. Einen köstlichen Schatz an Rezepten der einheimischen und der ausländischen Küche finden Ihre Damen im Kochbuch der Feinschmecker „234 fini Plättli" von Elsa Raaflaub, ihrer kulinarischen Kunst wird es bald gelingen, durch ein herrliches Delikatess- Plättli die Geruchs-, Gesichtsund Geschmacksnerven anzuregen und gesunkenes Lebensgefühl aufs neue zu wecken. Diese Rezeptnach ihr zubereitete Gerichte finden den Beifall aller Sammlung gehört in jedes automobilistische Heim, Kenner. Sie enthebt Sie bei gesellschaftlichen und geschäftlichen Besuchen der bangen Frage: Was serviere ich? Abonnenten dieses Blattes bezahlen nur Fr. 4.—. zum regulären Preis von Fr. 5.— eum Abonnentenpreis von Ft. 4.— Verlag HALLWAG A.G. BERN Der Autler liest die Illustrierte Automobil-Revue Neue Lebensenergien Bücherzettel. Senden Sie sofort per Nachnahme 1 Expl. Rezeptsammlung „234 fini Plättli Die junge Piratin Der abenteuerlichste und gewagteste Piratenüberfall, der sich je in chinesischen Gewässern abgespielt hat, war der Ueberiall auf den japanischen Dampfer «Deli Maru» zwischen Swatau und Hongkong in Südchina. Da war unter den Passagieren ein schlankes, entzückendes junges kantonesisches Mädchen, das eines Tages früh im Morgengrauen, die Hände tief in die Taschen ihrer schwarzseidenen Hosen vergraben, mit einer Zigarette im Mund auf Deck sass. Bedächtig zog sie ein letztes Mal an ihrer Zigarette, warf sie über Bord, erhob sich langsam und schlenderte gemächlich der Schiffstreppe zu, bei der zwei indische Polizisten Wache hielten. Die beiden Inder waren wie üblich bewaffnet und sassen mit den Händen auf den Knien gemütlich da. Sie wechselten einen bewundernden Blick, als sie die Kantonesin sahen, und waren nicht wenig erfreut, als diese direkt auf sie zuging und ihnen auffordernd in die Augen blickte. Da aber zog dieses reizende Mädchen plötzlich zwei Revolver aus der Tasche und schoss den einen, der noch ganz in Bewunderung versunken dasass, mit einer raschen Bewegung über den Haufen. Dann machte die hübsche Kantonesin auch noch den andern kampfunfähig. Die beiden Schüsse waren jedoch nur ein Signal gewesen. Etwa zwölf junge Leute von den vielleicht 120 Personen zählenden Passagieren zogen plötzlich gleichfalls ihre Revolver und hielten die Mannschaft und die übrigen Passagiere in Schach. Die Kantonesin war auf die Kommandobrücke gestiegen und schrie von da in kantonesischem Dialekt ihre Anordnungen über das Schiff, genau so ruhig und wohlüberlegt wie eine Schullehrerin, die ihre Anweisungen gibt. Einer der Räuber musste zuerst in den Funkraum laufen und den Funker festbinden, andere wurden zum Kapitän und den übrigen Offizieren geschickt, um sie festzunehmen. Als der Kapitän im Pyjama aus seiner Kajüte kam und auf der Kommandobrücke ein hübsches junges Mädchen sah, das zwei Revolver nachlässig in den Händen hielt, war er völlig perplex und verschwand mit erstaunlicher Geschwindigkeit wieder in sein Loch, denn als Japaner konnte er eine hübsche Frau nicht ernst nehmen. Bald wurde er aber eines bessern belehrt und auf Befehl des Mädchens wieder aus seiner Kajüte geholt. Der erste Offizier war völlig konsterniert, als er sich dieser schlanken, eleganten Chinesin gegenübersah — bis sie ihm mit ihrem Revolver einen Stoss in die Rippen gab, dass er fast vornüber stürzte, und ihm befahl, das Schiff in die Honghoi-Bai zu fahren. So brachte die Kantonesin in wenigen Minuten das ganze Schiff unter ihre Herrschaft. Sie Hess es von unten bis oben durchsuchen und wählte mit sicherem Griff alles aus, was ihr verwertbar und zweckmässig schien. Die übrigen Passagiere, die sich zum Teit sehr lächerlich benahmen, strafte sie aber mit völliger Verachtung. Schliesslich bootete s'e sich mit ihren Komplizen, ihrer Beute und vier Gefangenen aus und überliess das Schiff seinem Schicksal. Mat hat seither nie wieder etwas von ihr gehört. Die zweite Ehe ist dauerhafter. Wie aus einer vom statistischen Bureau in Washington veröffentlichten Aufstellung hervorgeht, dauern in den Vereinigten Staaten die zum zweiten Mal geschlossenen Ehen am längsten. Nur etwa drei Prozent der Ehegatten verfallen in der zweiten Ehe in denselben Fehler, auf Grund dessen die erste Ehe geschieden wurde. Aus der gleichen Aufstellung geht hervor, dass in New York fünj Paare leben, von denen jeder Teil übei zwölfmal geschieden worden ist.