Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.013

E_1930_Zeitung_Nr.013

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag, 14. Februar 1930 Nummer 20 Cts. 2ß. Jahrgang. - N° 13 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Preltan Monatlich „Gelbe Liste" Halbjihrlicb Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozusehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnurig 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Neue Bergstrassen Projekt der Segnes-Strasse eine Zeit, und sie liegt noch nicht soweit hinter uns, da man glaubte, die Alpen nur noch mit Durchstichen bezwingen zu können. Grosse technische Werke sind dagegen entstanden: der Gotthardtunnel, der Simplontunnel und der Lötschbergtunnel. Die Frage, ob Splügen oder Greina, wurde glücklicherweise zurückgestellt. Denn unterdessen haben wir die Wiederbelebung der Strasse erfahren. Anstatt in die Dunkelheit des Gebirges zu fahren, geniesst man im Automobil die Herrlichkeit der Gebirgsgegend und bezwingt die Kolosse mit dem ratternden Motor. Die Alpenstrassen spielen heute nicht nur in militärischer, sondern auch in touristischer und volkswirtschaftlicher Beziehung eine ganz bedeutende Rolle. Projekte tauchen da und dort auf. Di© « Automobil-Revue» hat schon vor langem für die Prageistrasse plädiert, sie hat sich eingesetzt für die Sustenstrasse und propagierte den Ausbau der Sanetschstrasse. Wenden wir heute einmal den Blick wiederum in die Ostschweiz. Diese verfügt ausser des Klausenpasses über keinen eigentlichen Alpenübergang. Zwischen dem obern Reusstal und dem Rheintal besteht keine Möglichkeit, in nordsüdlicher Richtung den Kanton Graubünden und damit italienisches Gebiet zu erreichen. Der ganze Verkehr aus det Ostschweiz wird bewusst in die zentrale Gotthardlinie geleitet, was für das genannte Gebiet unbedingt einen Umweg bedeutet. Es fehlt die direkte Nordsüd-Transversale, die' mit dem Ausbau des Segnespasses zu einer Strasse sofort hergestellt wäre. Eine eigentliche ausgebaute Alpenstrasse zwischen Vorab und Piz Segnes mit den Ausgangspunkten Elm und Flims würde die grössten Vorteile in sich schüessen. Einmal schaffte sie die kürzeste Verbindungsstrecke vom Bodenseegebiet aus (Romanshorn, Konstanz, Steckborn bis Stein a. Rh.) ins Herz des Kantons Graubünden. Zugleich würde sie den Touristenverkehr in dieser Richtung mächtig fördern und wäre dazu angetan, dem Kanton Glarus eine Verbindungsstrecke zu schenken, die für dessen Hotellerie und damit für die Volkswirtschaft von grösster Bedeutung wäre. Romanshorn mit seiner heute !gut ausgebauten Autofähre wäre für alle Antomobil-Touristen aus Südost- und Ost- Deutschland der schweizerische Ausgangspunkt zur Fahrt über St. Gallen, Wattwil, Näfels, Elm, Flims, Engadin und weiter südwärts. In Anbetracht des steigenden Automobiltourismus und der steigenden Zahl der Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (16. Fortsetzung) «Erhinern Sie sich nicht des Bildes?» fragte der Detektiv rauh. «Des Bildes in der Stube auf Gjaernaes, mit dem Spitzbart, der krummen Nase und den kleinen Augen?» Entsetzt sah ich den Detektiv an. «Ja wahrhaftig, ja wahrhaftig, der alte Gjaernaes, es ist der alte Gjaernaes, der hier liegt. Aber, grosser Gott, der ist ja vor. vier Jahren ertrunken!» ' «Aber nun ist er erst wirklich tot,» erwiderte Asbjörn Krag. Der Detektiv nahm mich vorsichtig am Arm. «Sie schwanken,» sagte er, «es ist doch wohl richtig, dass Ihre Nerven angegriffen sind.» Nun waren meine Lippen wieder dicht daran, kalt zu werden, und ich kannte das warme Rieseln im Nacken und Hinterhaupt, das bei mir stets einer herannahenden Ohnmacht vorauszugehen pflegt. Ich blickte einfahrenden fremden Automobile bedeutete diese Transversale nordsüd zugleich eine wesentliche Entlastung für die Walenseestrasse, die, wenn auch einmal ausgebaut und fertiggestellt, in kurzer Zeit den gewaltigen Verkehr allein nicht mehr wird bewältigen können. Eine Verbindung zwischen den beiden Kantonen Olarus und Graubünden könnte zudem für beide nur von segensreicher Wirkung sein. Heute sind die beiden Völklein durch die Qlarner Alpen hermetisch voneinander abgeschlossen. Wollen sie zueinander kommen, so kann dies nur' auf grossen Umwegen geschehen. Die beiden Kantone haben somit das grösste Interesse an der Bezwingung der scheidenden Wand, beide Kantone sollten das Projekt einer Segnesstrasse nicht mehr aus den Augen lassen, sondern durch finanzielle Opfer darnach trachten, dieses Verbindungsstück so schnell als möglich zu erhalten. Die Finanzierung des Projektes, auf das näher heute schon einzugehen keinen Wert hat, ist unserer Ansicht nach kein Ding der Unmöglichkeit. Die ausgegebenen Summen würden sicherlich reichlich Zins tragen. Das militärische Moment sei nur angetönt. Es ist wohl ohne weiteres klar, dass ein© Segnesstrasse sofort militärisch eine ganz bedeutende Rolle spielen müsste, sowohl als strategische Verbindungslinie als Nach- und Rückschublinie. Jedenfalls ist vom militärischen Standpunkt aus gesprochen der Bau einer Segnesstrasse für unsere Armee und für unsere Truppenbewegungen weit wichtiger als der Ausbau der Giacomostrasse aui schweizerischem Gebiete. Die einzig fahrbaren Verbindungen, die heute zwischen dei gesamten Schweiz und Graubünden bestehen, sind der Oberälppass, der einzig nicht genügen dürft© und die Rheintalstrasse, die jedoch der Grenze entlang führt. Eine Segnesstrasse würde eine Truppen-Transversale von Nord nach Süd unter weit günstigeren und sichereren Verhältnissen gestatten. Der Schweizerische Autostrassenverein hat ein generelles Autostrassenprojekt durch Ingenieur Steiner in Bern ausarbeiten lassen. Wir hatten vor kurzem Gelegenheit, Näheres über die projektierte Automobi l 'strasse mich um. Die Landschaft nahm in meinen verwirrten Augen die wunderlichsten Formen an. Ich sah, dass der Tag graute, ein langer Lichtstreifen ragte über die Heide und spielte im Walde. Die vordersten Fichtenstämme glänzten wie Gold, ich sah den toten Mann, sah Asbjörn Krag, Hess den Blick über die Heide hinirren, versfand aber nichts. Mehrere Sekunden lang beherrschte mich die Vorstellung, dass ich träumte. Aber meine Sinne waren klar und empfänglich. Ein eigenartiges Bild des Sonnenaufganges, in einer Zehntel-Sekunde wahrgenommen, brannte sich in mein Bewusstsein ein. Der Himmel im Osten war nicht mehr der Himmel, sondern ein ungeheurer, lichterfüllter Schlund, hinter dem sich ungeahnte, ferne Welten auftaten. Ein Wall von Wolken erhob sich am Horizont. Sie wandelten sich zu phantastischen Gestalten seltsamer Tiere mit flammenden Mähnen und sprühenden Funken unter den geflügelten Hufen — eine wilde Horde, die die Sonne mit ihren leuchtenden Strahlen zügelte; das war des Tages goldener Vortrab. Und dann stieg die Sonne selbst laut dröhnend über den Horizont herauf... Weit, weit entfernt hörte ich Asbjörn Krags Stimme. bünden, dafür zu sorgen, dass mit den ausgebauten Automobilstrassen ihre Interessen nicht zu kurz kommen. Jedenfalls steht fest, dass der Kanton Glarus mit einer Segnesstrasse auch dem Automobiltourismus neu erschlossen würde. Das Steinersche Projekt sieht in der Richtung Deutschland-Italien als Grenzorte Basel, Schaffhausen und Konstanz vor. Mit diesen Grenzorten dürfte es keineswegs sein Bewenden haben. Romanshorn und Rorschach stellen den Kontakt mit Bayern, Württemberg, Baden, Sachsen her und ermöglichen einen Verkehr, der absolut Die Vorbereitungen für die diesjährige internationale Ausstellung in Genf für Automobile, Motorräder und Fahrräder sind in vollem Gange. In gut fünf Wochen, am 21. März, wird der Autosalon seine Pforten öftnen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahre weist die Ausstellung, wie ehedem, nur eineeinzige Serie auf, was aber bedeutende Erweiterungen an den Ausstellungsgebäuden notwendig machte. Genfer und Pariser Salon. Der Beginn des Salons wurde diesmal, in die zweite Märzhälfte, auf den.2l. März, verlegt. Das Datum scheint günstig gewählt zu sein, auch wenn man in Betracht zieht,' dass unsere schweizerische Automobilausstellung mehrere Monate nach den Ausstellungen unserer Nachbarländer abgehalten wird. Gegenüber den Pariser Ausstellungen steht der Genfer Salon im Nachteil, denn in Paris wird jeweilen im Oktober und November eine Schau der letzten Neuheiten aller kontinentalen und zum Teil auch der amerikanischen Marken geboten. Der Pariser Salon ist eine Jahresbilanz der internationalen Automobilkonstruktionen. Aus allen Ländern erscheinen jeweils die Automobilkonstrukteure, die Automobilhändler und ein zahlreiches interessiertes Publikum, um die neuen Konstruktionen zu studieren und geschäftliche Abschlüsse zu tätigen. Die Konstruktionsergebnisse, welche in Paris zur Vorführung gelangen, sind die Schrittmacher kontinentaler Automobilkonstruktion. Aber auch die Amerikaner haben in Paris den europäischen Wagen kennen gelernt und typische Zügeln V. INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif, fiseratenschluss i Tage vor Erscheinen der Nummern Basel-Zürich zu berichten. Diese Strasse wird ihre Fortsetzung als Zürichsee- und Walenseestrasse finden. Eine wichtige Zufahrtsstrasse zum Kanton Glarus und zum Die Ausstellungen in den Ländern des eu- ihre neuesten Exportmodelle übernommen. Kanton Graubünden wäre damit geschaffen. ropäischen Kontinents, z. B. Deutschland, Es liegt nun an der Initiative führender Männer der beiden" Kantone Glarus und Grauslowakei, Italien usw. übernehmen als Holland, Dänemark, Oesterreich, Tschecho- Epi- nicht zu unterschätzen ist. Wie bereits- angetönt, wäre eine Segnesstrasse die natürlichste Alperüberquerung für einen Verkehr, der sich von Konstanz über Wil-Wattwil oder von Romanshorn über Qossau-Herisau- Wattwil durch den Kanton Glarus nach dem Süden wenden könnte. Neben der Gotthardstrasse fehlt uns zur Zeit sowohl eine westliche als eine östliche Nordsüd-Transversale; mit dem Ausbau des Sanetsch- und des Segnespasses wären zwei sich beständig-fühlbarere Verkehrslücken aus der Welt geschafft. Genfer Salon 1930 21. bis 3O. März gonen das Vermächtnis des Pariser Salons, berücksichtigen aber die Konstruktionen ihres Landes und schaffen sich so nationale Eigenart und wirtschaftliche Berechtigung. Soweit ist auch der Genfer Salon gegenüber dem epochemachenden Pariser Salon, aui dem sich alle Welt konzentriert, im Nachteil. Neuheiten aus Amerika. Anderseits ist der grosse zeitliche Abstand gegenüber dem Pariser Salon ein deutlicher Vorteil, wenn man weiss, dass eine Mehrzahl der amerikanischen Konstrukteure im Januar in New York die neuesten Modelle des Jahres 1930 auf den Markt bringt Zwischen Januar und März liegen genügend! viele Wochen, die den amerikanischen Autohändlern ermöglichen, ihre letzten' Mode;!« in die Schweiz zu exportieren und im Genfer Salon erstmalig der schweizerischen und internationalen Kundschaft zur Schau zu stellen. Wir haben anlässlich des New Yorker Salons die wichtigsten Neuheiten amerikani 1 - scher Automobilbaukunst bereits angedeutet und werden dieselben in Genf auch zu sehen bekommen. Diese zeitlich günstige Konstellation in .Verbindung mit der alljährlichen Mobilisierung der nationalen Käuferschaft für Automobile darf man als spezifische Eigen» art unseres Salons ansehen. Die Würdigung der amerikanischen Neukonstruktionen fällt auf unserm Kontinent dem Genfer Salon zu. Darin liegt seine^internationale Bedeutung und sein Ansehen. Keine andere europäische Ausstellung ist in der Lage, a'le diese Modelle zu zeigen, bevor sie in Genf vorgeführt wurden. Erfolgsfaktoren. Der grösste nationale Erfolgsfaktor für den Genfer Salon liegt aber in seiner vorteilhaften zeitlichen Lage kurz vor Beginn der nach einem Bett und einem langen, langen Schlaf. Es ging mir aber gegen den Strich, so schwach zu sein; deshalb kletterte ich selbst Das Gesicht. Meine Ohnmacht dauerte mehrere Stunden. Als ich wieder zu mir kam, fühlte ich eine schüttelnde Bewegung. Ich lag in einem Wa- mühsam vom Wagen herunter. Als ich in die gen, hörte eine Stimme und sah in ein mir Hütte kam, sah ich die Lampe noch immer bekanntes Gesicht. Es war der Amtsvorsteher. sie aus und warf mich sofort ins Bett. Als ich brennend auf dem Tisch stehen. Ich löscht© um vier Uhr nachmittags erwachte, sass Asbjörn Krag in meinem Zimmer. «Sind Sie wieder zu sich gekommen?» sagte er. «Bleiben Sie nur ruhig liegen, wir sind sogleich da.» Ich fühlte mich völlig wohl und wollte aufstehen. «Wieviel Uhr ist es?» fragte ich. «Bleiben Sie noch ein wenig liegen,» sagte «Sieben,» antwortete er. Asbjörn Krag. Es kann Ihnen nur gut sein, «Sieben Uhr früh?» sich auszuruhen.» Er lachte. «Ich habe eine seltsame Nacht durchlebt,» «Jawohl,» erwiderte er. erwiderte ich, «und weiss nicht, was Trauro Die Ereignisse der Nacht standen mir nur und was Wirklichkeit war.» noch undeutlich vor Augen. Fragen mochte Der Detektiv lächelte. ich nicht, denn ich wusste nicht, ob ich geträumt hatte oder krank gewesen,war. nicht bekommen,» sagte er, nach dem wir «Jedenfalls haben wir den eisernen Wagen «Wo ist Asbjörn Krag?» ausgegangen waren.» Der Amtsvorsteher winkte mit dem Kopf. «Nein, ich erinnere mich dessen. Wir fanden auch keine Spur von ihm.» ' «Dort— auf der Heide.» Also muss ich es doch erlebt haben. Ich «Er hinterlässt keine Spur.» richtete mich im Wagen halb auf. Wir waren «Ist es Ihre Absicht, mich dahin zu bringen, bereits in der Nähe des Hafens. Leute kämen dass ich an einen Gespensterwagen glaube, und machten Boote zurecht, bald würde ich lieber Krag?» in meinem Häuschen sein: Eine fürchterliche «Keineswegs; aber dieseT eiserne Wagen Mattigkeit lastete auf mir, ich sehnte mich hinterlässt keine Spur. » (Forts, folgt.)